1830 / 72 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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chische Botschafter, so wie auch der Preußische Gesandte, mit ihren Gemahlinnen, nahmen daran Theil. A

Ueber die Französishe Thron-Rede sagt die Times un- ter Anderm: „Mehrere von unsern Kollegen haben behaup- tet, daß die entschiedene Sprache des Königs ein Beweis von Herrn von Poligunacs Vertrauen in der Kraft seiner Verwaltung sey. - Dem Fürsten von Polignac ‘alles mögliche Gute wünschend, bedauern wir, uns_in der Nothwendigkeit geseßt zu sehen, von der Meinung unserer Kollegen abwei- chen zu müssen, Wenn ein Minister seiner parlamentarischen Kraft vertraut, so vermeidet er sorgfältig auch den mindesten Anschein, seine Zuflucht zu einer andern und entgegengeseßten Art von Macht zu nehmen, wir meinen zur Gewalt, die ein Ersaß (und zwar ein bedauernswerther) für die Macht ist, welche die Verfassung verleihe. Wäre Herr von Polignac

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der Majorität der Kammern gewiß, so hätte er niemals nô-

thig, die Minorität zu bedrohen; von größerer Wirkung und weniger gehässig würde es seyn, sie zu überstimmen. Nichts hat uns bis jest noch so sehr von dem unbehaglichen und ge- cizten Zustande des Französischen Ministeriums überzeugt, als die Ausdrücke, deren Auslegung jeßt an der Tages -Ord- nung ist. Wir würden gewissermaßen überrascht und außer- ordentlich erfreut seyn, wenn sich in den Verhältnissen der Parteien oder in den Plänen der Regierung nichts vorfin- den sollte, um die Besorgnisse, die sich uns unwilltührlich aufgedrungen haben, zu rechtfertigen.“ /

¡Ein Britischer Offizier,‘ heißt es im Globe, „der einen höhen Rang in Portugiesischen Diensten bekleidet , soll mit Depeschen für die Regierung Dom Miguels nach Lissa- bon: abgehen 55 c : |

Ueber das vor einigen Tagen witgetheilte Gerächt von der Abreise des Marguis von Palmella nah Terceira heißt es jeßt im Globe: „Der Marquis von Palmella und Herr Guerrèiro, zwei der von Dom Pedro fúr die Königin von Portugal ernannten Regenten, haben in Begleitung des Gra- fen Abra England verlassen, um sich nach Terceira zu bege- ben. Man erwartet, daß uach ihrer dorc erfolgten Ankunft Kaperbriese gegen Dom Miguels Handelsschiffe werden- er- lassen werden. - i A

Dem Observer zufolge soll der Brasilianische Geschäfts-

träger, Herr Mello Mattas aus Rio Janeiro, Justructio- |

nen erhalten haben, unverzüglich und zu jeder Bedingung, selbst 10 pCt. unter dem gegenwärtigen Preise der alten Obli- gationen, eine neue Anleihe zu schließen. Das genannte Blatt fügt hinzu, es sey gewiß, daß die Brasilignischen Kaufleute dem Kaiser keine ferneren Vorschüsse machen wollen, : Jrländische Blätter widersprechen der (neulich mitgetheil- ten) Nachricht vom Uebertritt der Lady Paget mit ihren Töch- tern zur fatholischen Religion. i | A In der Jrländischen Stadt Carrick-on-Shannon ist ein Komplott entdeckt worden, dessen Zweck es war, die Konsta- beln zu ermorden, in das Stadr-Gefängniß einzubrechen, den

Kerkermeister zu tödten und die Gefangenen zu befreien. Zu

rechter Zeit herbeigeeilte Truppen vereitelten diejes blutige Unternehmen. i | Nach Calcutta-Zeitungen bis zum 4 Nov. hatten die Birmaneu in Mergui und Tavoy einen Aufstand beabsichtigt, der aber unterdrückt worden war. i ven ug Eine in Lloyds. angeschlagene Schiffer - Nachricht, daß in Kanton ein Aufstand ausgebrochen sey, hat unter den-Kauf-

leuten großes Aufsehen erregt. - London, 5. März. Die Versammluügnen der

Grafschaften in. der Absicht, dem Parlamente die Noth des Landes zu Gemüth zu führen, dauern fort. Eine der lebten war die der Grafschaft Worcester, welche besonders viele Handschuh-Fabriken hat, wo man aber, troß den Declama- tionen- gegen das sogenannte freie Handels: System, welches besonders- den Handschuhmachern den Untergang gebracht ha- ben sollte, keine Klagen über den Verfall dieses Gewerbzwei- ges vernehmen ließ. Desto láuter aber waren die Grund- Eigenthümer und Pächter, welche sih jeßt, so wie die Hand- werker und Kaufleute, allgemein von der Nothwendigkeit der Sparsamkeit im Finanzwefen überzeugt haben, und auf Ver- minderung der Lasten bestehen. Auch sür Parlaments-Reform ließen sich mehrere Stimmen vernehmen, indem die Sache jeßt - im Parlament sowohl als außerhalb desselben, immer mehr Verfechter findet, Mar-kann sich hierüber auch feines- weges wundern; denn jeder Ertrinkende sucht sich ja selbst _an einem Strohhalme noch festzuhalten! Obgleich man weiß, daß das Parlament, troß seiner aristokratischèn Ver- fassung, der Volksstimme huldigen Kuß, so weiß man doch auch, daß ein Ministerium noch immer zu fehr von der Aristo- fratiec a pann as e und hofft durch “eine Vermehrung der populair gewählten Mitglieder ein sichereres Mittel zu fin-

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den, einem’ redlichen Ministerium mehr Kraft zu geben, um das Gute auszuführen, und ein forruptes in engeren Schran- fen zu halten. Jn wenigen Tagen wird die Grafschaft Kent ihre Versammlung auf der Penendener. Heide halten, und wahrscheinlih wird sih auch hier eine kräftige Stimme für Parlaments-Reform vernehmen lassen. FJnzwischen heißt es, die Regierung habe die geringe Mehrheit in Betrachtung ge-

zogen, welche gegen Lord John Russels neulichen Vorschlag, -

drei großen Städten eine Vertretung zu gestatten, entschieden hat, und sey jebt entschlossen, die Sache zu bewilligen. Dies wäre das sicherste Mittel, um mit Vertrauen solche allge- meine Reformations-Vorschläge abweisen zu können, wie die, welche der Marquis von Blandford gemacht hat, und wie

err O’Connell im fünftigen Mai zu machen gedenkt. Sir Charles Wetherell hat seine Mine' gegen Sir James Scar- lett, den gegenwärtigen General-Prokurator, springen lassen, ohne demjeiben besonders geschadet zu haben. Die liberalen Journale, welche, mitunter wohl auch zur eigenen Sicher- heit, eine gänzliche Straflosigke;c für die Presse heishen, und cinige Ultraliberale im Parlamente, wie z. B. Herr Hume, sind mit gegen ihn und wollen ihm sein Verfahren gegen

die Eigenthümer des Morning-Journals zum Verbrechen ma-

chen. Aber Sir Francis Burdett zeigte mit der ihm eigen-

thümlichen Mäunlichkeit, daß es Sir Charles nicht um die.

Freiheit der Presse zu thun sey, sondern daß er das Parla- ment zum Werkzeug machen«woile, um die Minister ín der Person ihres ersten, Rechtsbeamten zu verwunden und dabei seiner eigenen Partei ein populaires Ansehen zu geben. Aber es gelang ihm beides nicht; und die Sache bleibt, wie sie ist. Zwar bezweifeln Manche, daß jene gerichtlichen Verfolgungen klug und räthlih seyen, besonders nachdem der Parteienfampf vorüber und das Gift, welches jenes Journal so eifrig zu verbreiten gesucht hatte, wirkungslos geblieben war; aber daß der Redacteur desselben die über ihn verhängte Strafe (zwölf- monatlicze Einkerkerung) in reihlichem Maaße verdiente, daran zweifelt kein Unparteiüscher, -Auch scheint es, nach Herrn Peels Erflärung, (welcher versicherte, daß er um sei- ner selbst willen nie einen Jourktalisten verfolgen lassen würde,) daß es ‘nit eine Kabinets-Maagßregel war. Geftern- Abend machte Sir J. Newport den Antrag auf eine Bittschrift an den König; daß Se. Majestät geruhen wollten, eine Kom- mission zu ernennen, um den Zuskand- der geistlihen Pfrün- den in Jrland (versteht sich von der Staatskirche) zu unter- suchèi ; auch daß man beim Abgang eines Bischofs in jenem Lande die Stelle für's Erste unbeseßt lasse und das Einfommen der Sprengel zu der Wiederherstellung der Kathedralen verwende. Die Tories erhoben soglei ein Zetergeshrei, daß es auf die Plünderung der -Kirche abgeschenr- sey. Aber die Minister be- willigten ohne Weiteres den ersten Theil des - Vorschlages, indem sie sich für überzeugt erflärten, daß man auf der einen Seite weit weniger Mißbräuche in jener Kirche finden würde, als Manche erwarteten, und daß andererseits die“ Kirche durch die Aóstellung solcher Mißbräuche nur gewinnen könne.

Nat ten

Rom, 27. Febr. Der Papst hat mittelst Breve’'s- vom 12. 0, M. dem Pfarrer J. Beaumont zu Mery in dex Didcese Versailles den Orden des goldenen-Sporen verliehen ; er ist ein Mitglied. der Gesellschaft für die Vertheidigung der fatholischen Religion. L /

Seit dem Anfange dieses Jahres erscheint hier ein den shônen ‘Künsten gewidmetes Journal. Das FJanuarheft enthält die Portraits von Camuccini und Schne6, die Copie eines Basreliefs von Thorwaldsen und einer Statue von Gibson. Das so eben erschienene Februarheft enthält den Plan zur Restamation der Paulsfkirche von Valadier und Zeichnungen zweier Gemälde von Bkuni und Rettig, so wie einer Skulpturgruppe von Alvarez: Nestor von Antilochus

| vertheidigt.

Griechenland.

Mit Bezug auf das in Nr. 66 der Staats-Zeitung be- findliche Schreiben aus London vom 26. Febr. entlehnen wir aus einem ‘von der Allgemeinen Zeitung mitgethéilten Schreiben von daher vom 25sten desselben Monats Folgendes : „Schon seit längerer Zeit war das hiesige Publikum auf die Erscheinung des zweiten Artikels über die Griechischen Ange- legenheiten in dem Foreign-Quarterly-Review sehr gespannt. Das Hest, das diesen zweiten Artikel enthält, e so eben ausgegeben wor- den, und isk der Inhalt desselben auch nicht von solcher Be- deutung, wie der erste, dessen Einfluß nicht weniger. im Bri- tischen Senate, als im Britischen Kabinette verspürt wurde,

Beilage

darauf wartete.

E Beilage zur Allgemeinen Preußischen Staats-Zeitung Æ 73,

o enthält derselbe doch noch anziehende Thatsachen in Menge, k ras gleich jenem einen geschichtlichen Werth geden. Zu- vörderst liefert er ein Schreiben des Admirals Codrington an den Redacteur (d. h. an dás Publikum), das wir hier wörtlich mittheilen. Es lautet wie folgt: „Eaton Square, den 3. Jan. 1830. Mein Herr! Indem ich Jhnen für Jhre so gütige Zusendung der Foreign-Quarterly-Review, wegen ei- nes Artikels, der, wie Sie: richtig s{lossen, für mi ein gro- ßes Jnteresse haben mußte, meinen besten Dank abstatte, bin ich, obgleich ih gestehe, daß die Durchlesung des erwähnten Aufsates mir schr großes Vergnügen gewährte, es mir s{ul- dig, auf einige Irrthümer aufmerksam zu machen, die auf meinen Antheil an. den darin aufgezählten Thatsachen Bezug haben. Nach den Ausdrücken zu schließen, in welhen Sie [meinen Empfang- der Justructionen am 10. Aug. 1827 er- wähnen (Seite 293), möchte es scheinen, als wäre ich damals schon bevollinächtigt gewesen , denselben gemäß zu handeln; Thatsache aber is, daß ih nicht ermäch- tigt war, jene Justructionen vor dem 7. September auszuführen, als ih fernere Jnstructionen zu diesem End- zwecke von Herrn Stratford Canning erhielt, während ich in der Nähe von Hydra mit der Englischen Escadre allein Ferner erwähnen Sie auf derselben Seite, dag das Protofoll vom 4. Septembet „„die verbündete Flotte ermächtigte, feindliche Küsten-Öperationen von einem Hafen zum andern zu verhindern.// Das Protokoll vom 4. Sept. gab feine solhe Ermächtigung; dieser Punft war erft am 13. Sept. zur Sprache gekommen, - als ih der Regierung die diesfällige Mangelhaftigkeit meiner Instructionen erwähnte und bemerklich machte, daß ih geneigt sey, meine Verhinde- rung aller solcher Bewegutigen als dem Vertrage von Lon- don angemessen zu betrachten. Jun Folge dessen wurde mir die betressende Ermächtigung in den von England aus gege- benen Justructionen vom 16. Oft. 1827 ertheilt; da dieselbe mir aber erst am 8. Nov. zu Malta zukamen, so erhielt ich erst damals die erste offizielle Sanction für die Verantwortlich- feit, die ih auf mich selbst genommen hatte, den Ibrahim und seine Flotte mit Gewalt von Patras zu vertreiben. Doch gab' uns das Protokoll vom 4 Sept., wie Sie erwähnen, die Macht, den Rückzug jedes Theils der Osmanischen Macht aus Griechenland zu gaxantiren; auch dies geschah. in Ant- wort auf eine von mir am 11. August 1827 an I Stxat- ford Canning gestellte Frage. Seite 295 sazen Sie: „Nach Empfang der. lebten Justructionen sendeten- die Englischen und Französischen Admirale (vor der Ankuft des Russischen Gé- shwaders) ein Schreiben an den Türkischen Admiral in Na- varin, daß sie Befehl erhalten hätten, jede feindselige Bewe ung zu verhindern 2c.‘ Jch fam am 11. Sept. mit dem Englischen Geschwader allein vor Navarin an; am 19. Sept. veranlaß- ten mich gewisse Anzeichen in der Türkischen Flotte, dem Befehlshaber derselben ein Schreiben zuzusenden, in welchem ih ihn von dem Vertrage, von meinem Auftrage, jede feind- selige Bewegung gegen Griechetiland zu verhindern, uud von meinem Entschlusse, dies durch das Aeußerste zu erzwingen, in Kenntniß seßte. Admiral v. Rigny fam erst am 22. Sept. mit dem Französishen Geschwader an, worauf ein gemein- schaftliches Schreiben in Französischer Sprache, welches das, was ih vorher erklärt hatte, wiederholte, an Ibrahim Pa- scha abgesendet ward. Da ich nun das Protokoll vom 4. Sepr. erst am 23. jenes Monats erhalten hatte, o sehen Sie, daß dieser Schritt einzig durch den Vertrag und die ersten Jnstructionen vom 12. Jul. 1827 veranlaßt war. Unten auf derselben Seite hätten Sie die Fregatte „„Dart- p hinzufügen und statt „„nur zwei kleine Schiffe// drei seßen sollen.

ausgelassen: „daß, bevor beschlossen wurde; in Navarin einzu- lanfert, ein von den drei Admiralen unterzeichneter Warnungs- brief durch den Obersten Cradock hingesendet, dort angenom- men, aber uneröfsnet wieder zurückgebracht wurde, in Folge der beharrlichen Erflätung des Dragomans Ibrahims, daß

Niemand wisse, wo dieser (Ibrahim Pascha) zu finden sey.‘ Da Sie auf derselben Seite „der Auswei ung der Admi- rale‘/ erwähnen, so-ist es passend, nochmals zu bemerfen, daß ih die Ermächtigung zu handeln nicht ‘eher als am 7, Sept. erhielt, als? ich vor Aegina freuzte; die Türki- sche Flotte erreichte Navarin an demselben Tage. Auf Seité 303 wird angefühët, „daß der Vertrag von Alexan- drien sich als eit Stück unbrauchbares Papier erwies ; ‘/ ex war keinesweges werthlos. Jh Folge diefes Vertrages räumte Ibrahim mit seiner Armee Morea friedlich, ohne eine Schlacht,

Auf Seite 297 is die wichtige Thatsache |

und auf Kosten des Pascha's von Aegypten. Die .Franzôsi- |

L E E T R E E E T

sche Armee hielt in der Thât mit ihrem Marsche inne, als Ibrahim erklärte, daß er im Falle ihres Saa die Ar- tikel des Vertrages nicht R IAtR würde. -Nur die Festun- gen fapitulirten mit dex Französischen Armee; aber auch diese wurden erst dann zur Uebergabe aufgefordert, als Jbrahim bereits nah Aegypten unter Segel gegangen war und den (Französischen) Truppen ein freies. Feld zum Handeln über- lassen hatte. Ueber diesen Punkt verweise ich Sie auf Mar- schall Maisons Depesche aus Navarin vom {1. Oftob, 1828, und obgleich sich noch einige minder wi tige Punkte vorfin- den, die ih gern noch berührt gesehen hätte, will ih doch nicht länger Ihre Zeit in Anspruch nehmen, um bei Dingen zu verweilen, die blos mich persdnlich betreffen. Zum Schlusse will ih Sie nur noch einmal des großen Vergnüúgens ver- sichern, das ich bei Durchlesung des rtifels, worauf Sie meine Aufmerksamkeit rihteten, empfunden habe. Jch ver- bleibe, mein Herr, Jhr sehr ergebener Diener, Edward C o- drington. (An die Herausgeber des Foreign Quarterly Review.)// Unmittelbar nah Mittheilung dieses Schrei- bens beginnt der Verfasser des vor uns liegenden zweiten At- tifels sich mit den diplomatischen Verhältnissen zu beschäftigen, unter welche die Angelegenheiten Griechenlands nach dem Frieden von Adrianopel gebracht wurden. Der 10te Artikel des Vertrags von Adrianopel , der endlich die Einwi igung des Sultans in Betreff Griechenlands aussprach, mißfiel den beiden andern verbündeten Mächten eben so sehr, wie der 7te Arti: fel, der den „alten Verbündeten“/ zu einem bloßen Vasallen Rußlands herabbrachte. Es wurden dem. Russischen Kabi- nette fogleih Vorstellungen gemacht : ¡daß die Vollendung des Vertrags von London nicht das getrennte Werk Ruß- lands allein seyn fônne, sondern eine gemeinschaftliche Ange- legenheit der drei verbündeten Mächte sey.// Nach einigem Notenwechsel kam man überein, daß die Konferenzen über diesen Punkt in London’ fortgeseßt, und daß die Pforte nicht autorisirt oder eingeladen zu werden brauche, Bevollmächtigte hier zu ernennen. Der Eigensinn des Sultans, den diplo- matischen Bitten der Kabinette von England und Frank- reich, jelbst in der leßten Stunde seiner Ohnmacht fein ge- neigtes Ohr zu leihen, ein Eigensinn, der jene Kabinette zu- lest dem Spotte ÉEuropa's Preis gab, hatte sie endlich nit pur von jeder Verpflichtung befreit, seine Wünsche zu Rathe zu zééhen, sondern auch bei ihnen gegen den Sultän eine Art von Unzufriedenheit erregt, die fle sogar geneigt machte, weiter ju gehen, als ès im Anfange ihre A sicht war. Bis dahin war die absolute Unabhängigkeit Griechenlands kaum in die Reihe ihrer Berechnungen gekommen, ob- gleich bereits jedès geachtete ‘Blatt Europa’s darauf auf- merksam - gemacht hatte, und schon die Rücksicht auf die Stabilität ihres Werkes, so wie die Achtung - für ihre Dazwischenkunft darauf hindrängte. . Als abet die ¡¡Séèéfte der Jndependenten“/ durch dffentliche Diskussionen sich gar sehr vermehrte, und ein Russischer Feldherr einen zu ver- gebenden Thron \{chuf, da, aber auch erst ‘da, erlitten die Ansichten unserer Diplomaten eine Veränderung, Der neue Französische Premierminister, bisher in seiner Botschaf- terstelle dem Britischen Kabinette so U ; sah jeßt in sei: ner neuen Stellung an der Spike der öffentlichen Angele- genheiten Frankreichs die Verantwortlichkeit ein, worin ihn seine Vorgänger durch ihre Rußland günstige - Mitwirkun in den Griechischen Angelegenheiten zurü ließen; er sah voraus, daß die Französische Nation von ihn, Rechenschaft über die Folgen und Früchte der Expedition nach Morea, über die Subsidien u. st. w, fordern werde, wobei er als Resul- tat seiner bisherigen Politik nichts weiter Hätte vorlegetz fönnen, als die Errichtung einer Hospodarschaft in Grie- chenland ,' während sie praftisch in den Provinzen diesseits der Donau abgeschafft wurde. Dies genau Gd fam Fürst Polignac plôblih mit dem Britischen Kabi nette überein, der langgefürchteten Kekerei Griechischer Un- abhängigkeit zu huldigen, und der Herzog von Laval- Montmorency erhielt Jnstruction, auf diese Grundlagen hin zu- handeln. Größere Schwierigkeiten erhobén sich nun in den Ee iRbitigen wegen der Gränze des neuen Staats. Die im Protokoll vom 22. März provisionell ausgedrücte Begränzung nördlich von“ den beiden Meerbusen von Volo und Arta war auf die Vorausse6ung Türkischen Tributs und Türkischer Oberhoheit gegrundet gewesen. Da män diese beiden shimpflihen Bedingungen aufhob , forderte die Pforte eine Entschädigung dafür durch eine Beschränküng der «Gränzen. Nach vielen Diskussionen entschieden endlich die politischen Geometer Griechenlarids, daß die Gränzen der