1830 / 74 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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gezeigt,

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an Mannschaft bewilligte. Ueberhaupt hat bei dieser dffentli- chen Noth sich die hiesige Garnison und insbesondere díe Pioniers , sowohl ‘im Augenblicke der Gefahr als nachher, durcé zuvorkommende Hülse, Aastrengung und ordnungsvolle Thätigkeit die Dankbarkeit der Einwohner erworben und ugleih die dargebotene Gratification zur Unterstüsung der Beruitgläcktèn angewiesen. Wie groß der Schaden der Ein- wohner und besonders der Schiffer sey, ist noch nicht ermit- telk. Wenn chon der Leinepfad sehr gelitten hat, so ist doch nach den bisherigen Ermittelungen die vollendete Strecke der längs der Mosel von den Gemeinden neu angelegten fo höchst nôthigen und nüßlichen Communications-Straße, deren Ausführung man wesentlich den gemeinnüßigen Bestrebungen des Regierungs - Präsidiums zu verdanken hat, ziemlich un- versehrt geblieben. Während der Gefahren dieser Kalamitäten, die icdoch noch nicht imVerhältnisse zu dem Unglücke stehen, welches sämmtliche Umstände befürchten ließen, häben sih manche Züge von Muth, Geistesgegenwart und menschenliebender Hingebung Unter die ausgezeichnetsten gehört die Handlung des Johann Breidbach, Einwohners von Lay, Als die größte Gefahr in diesem Dorfe war, befand sich dieser bei Un- glücksfällen immer zur Hülfe bereite, redlihe Mann, der als Familien-Vater seine Frau und 5 Kinder mühsam zu er- nähren hat, selbst in der finstern Nacht, immer an den ge- fährlihsten Stellen mit seinem Nachen „- nicht achtend den drohenden Tod,- sondern besonnen und unermüdlih. Selbst als sein Nachen unter ihm zertrümmert wurde, schwang er sich , ohne die Geistesgegenwart zu verlieren," auf einen Obstbaum, und als er sich auch dort nicht mehr halten fonnte, sprang er von Scholle zu Scholle über das Cis, ‘bis er sich endlich auch selbst gerettet sah. Außer der übrigen rastlosen Hülfe, die er leistete, rêttete er 9 Menschen das Leben, theils allein. theils mit Unterstüßung anderer braven Leute. Zu den Geretteten gehört eine Familie (bestehend aus einem 74jäh- rigen Manne und seiner 65jährigen Frau, ihrer Tochter und ihren 3 Enkfeln), welche das Haus nicht hatte verlassen-wol- len und nun, von dem Wasser bereits in das oberste Stock- werk gedrängt, dem nahen Tode entgegen sah, als Breidbach herbei eilte und fie rettete. Eine andere Familie war in ei- ner noch schrecklicheren Lage. Sle hatte sich in ein Man- sarden-Dach geflüchtet, das untere Haus wurde weggetrieben, und der obere Theil stürzte zu Boden. Hier stand-nuy der

Vater, an einem Arme ein Mädchen von 11, am andern |

einen Knaben von 7 Jahren. in die Höhe haltend, während seine Frau sich an seinem “pi festyielt, 2 Stunden lang bis an die Schultern im Wässer und rief um Hülfe; aber niemand glaubte an- die Möglichkeit der Rettung, bis endlich

Breidbach die Unglücklichen zum Muthe aufmunterte und eine Leiter queer auf eine Mauer und von da auf die Fen-. Auch wurden Vater, Mutter und Sohn auf diese Art gerettet; nur die Tochter entglitt im Augenblicke der Rettung dem Arme des Vaters und verschwand auf der Stelle unter dem Eise, wo man- am folgenden Tage *ihren Leichnam fand. Dieses un- das einzige menschliche Wesen, welches bei

sterôöffnung stüßkte, um eine Brücke zu bilden.

glückliche Kind - ist i { dieser Ueberschwemmung sein Leben eingebüßt hat.

Nachstehende Notiz dürfte einen Beweis liefern, daß die Schwalben Zugvögel sind, und sie möge daher als cin Bei- trag zu den in der Staats-Zeitung- darüber gegebenen Nach- richten dienen. Karl- Lucian Bonaparte ( Sohn des Fúür- sten von Canino) befand sich- am Bord des Schiffes „„Dela- ware//, ungefährt 500 Meilen von der Küste Portugals, und

Ecdruct bei A. W. Hagn.

400 Meilen von der Afrikanischen Küste, wo. ihn die Er- scheinung von einigen Schwalben (hirundo rustica et urbica) in Erstaunen seßte. Es herrschte zur Zeit cin östlicher Wind- zug, welcher die Schwalben wahrscheinlich von ihrem geraden Weg vom Festlande nah Madeira, um ungefähr 200 Meilen, abgebracht hatte. Diese Vögel waren nicht so sehr erschöpft,

‘als die Weite der Reise es hätte erwarten lassen. E,

Königliche. Schauspiele.

Montag, 15. Môrz. Fm Opernhause: Das Käthchen von Heilbronn, großes Ritter-Schauspiel in 5 Abtheilungen, nebst einem Vorspiele in 1 Aufzug , genannt: Das heimliche Gericht, von H. v. Kleist, bearbeitet von Holbein.

Im Schauspielhause: La première représentation de: Marie Mignot, pièce bislorique nouvélle en 3 épogques, par MM. Bayard ct Paul Duport,

Dienstag, 16. März. Im. Opernhause: Die Braut, Oper in 3 Abthei ungen, mit Tanz; Musik von Auber.

Im Schauspielhause: Französische Vorstellung.

Mittwoch , 17. März, Im Schauspielhause, zum er- stenmale: Das Sonett , Lustspiel in 3 Abtheilungen, von E. Raupach. Hierauf: Der Erwartete, Drama: in 1 Aufzug, von L. W. Both.

Köntgsstädt{Ges Theater.

Montag, 15. März. Das Schloß Greifenstein, oder. Der Sammtschuh Gemälde der Vorzeit in 5 Akten, neb einem Vorspiel, genannt: Zulima. M

Dienstag, 16. März. Das Mädchen aus der Feenwelt, oder: Der Bauer als Milltonair.

Mittwoch „- 17. März. Zum erstenmale: Der Wahn und sein Schrecken, Melodrama in 2 Abtheilungen und 4 Akten, von Leopold Bartsch; die Musik ist vom Hrn. Musik- Direktor Kugler. 7

Auswärtige Börsen,

Amsterdam, 9. März. Oesterr. 5proc. Metall, 1003. Russ. Eng!. Anl. 1033. Anl. Hamb. Cert. 1033. Span. bei Hope 75. Frankfurt a. D, 19, Mäcz. : Oesterr 5proc. Metall, 1047s. áproc. 984. 25proc. 635 fproc. 277. Bank-Actien 1597. Part.-Oblig.- 1393. 1845, Ailes Geld, Hamburg, 12, März. - Vesterr. 5proc. Metall 104, 4prac. 983.

Russ. Anl. Hamb. Cert., Cassa 165. Dän. desgl. 733,

St. Petersburg, 5. März.

Wien, 9. März. 5proc. Metall, 103. 4proc. 973.

Part.-Vblig. 1395. Bank-Aclien 1326.

Nedacteur Foh n. Mitredacteur Cott el.

Loose zu 190 F.

Part. Oblig. pr.

“ult. 139. Bauk- Actien desgl. 1325. Russ. Engl. Anl. desgl. 109. Polu. pr. ult. März 1284.

Silber-Rube!l 369 Kop. 6proc. Inscriptionen in Dauk- ss. 138.

Toni zu 100 Fl. 184.

Allgemeine

_| Preußische Staats - Zeitung.

À

L

Me 75.

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Abgereist: Seine Excellenz der Wirkliche Geheime Rath und Ober - Präsident der Provinz Pommern, Dr. Sack, nach Stettin. i

I

Zeitungs-Nachrichten.

a Ausland.

Dante etm -

Paris, 8.. Márz. Vorgestern Abend um 8 Uhr hatte das provisorishe Büreau der Deputirten-Kammer (dem Hr. Berryer allein sih nicht angeschlossen hatte) die Ehre, dem Könige die Liste der fünf Kandidaten für die Präsidenten- Stelle vorzulegen. Die Wahl Sr. Maï. ist noch nit be- kant, doch glaubt man, daß dieselbe in dem gestern Mittag um 1 Uhr unter dem Vorsißbe des Monarchen gehaltenen Minister - Rathe zu Gunßen des Herrú Royer - Collard ent- schieden worden sey. ; ___ Die Pairs-Kammer versammelt sich heute, um den Be- richt über den Adreß-Entwurf zu vernehmen. Man glaubt, der Vicomte v. Châteaubriand werde im Laufe der Berathun- gen über diesen Gegenstand das Wort ergreifen. Der Globe will wissen, daß der von dem Grafen Siméon abgefaßte Ent- wurf von der Kommission einstimmig angenommen worden sey, und daß es am Schlusse desselben heiße, daß, wenn die Re- gierung auf Hindernisse stoßen sollte, sie hinreichende Mittel zux Ueberwindung derselben in der Charte, den Géseken und den beiden Kammern finden würde.

._ Der Prinz von Sachsen-Koburg wird in zwtèi oder drei Tagen hier erwartet. _ Unter der Rubrik: „Ueber die lebte Schrift des Herrn Cottu// enthält die Gazette de France in ihrem neuesten Blatte Folgendes: „„Wir haben diesem ehrenwerthen Justíiz- manne jedesmal Gerechtigkeit widerfahren lassen, wenn er, ein treuer Hüter -der Monarchie, sie. vor den Gefahren warn- te, die ihr drohten. Sobald wir aber die von ihm vorge- schlagenen Mittel, jenen Gefahren vorzubeugen, näher in Êr- wägung zogen, sahen wir uns auch ‘stets zu unserem Be- dauern genöthigt, uns von ihm (ee, ja sogar einige seiner Meinungen zu bekämpfen. Auch héute ist es uns un- möglich, obgleich wir die Nachtheile des leßten Wahl-Geseßes und des Preß - Unfugs in ihrem ganzen Umfange erkennen, dem Systeme beizupflichten, das Herr Cottu vorschlägt, ‘um dem Uebel abzuhelfen. Es giebt eine Wahrheit , - die Herr Cottu ohne einige alte Vorurtheile besser, als jeder Andere erfennen müßte, nämlich die ,. daß ‘nah unserén jeßigen Sitten und - Justitutionen die dffentlihe Meinung ei- nen stärkeren Einfluß , als irgend eine andere Macht auf den Gang der öffentlichen Angelegenheiten úbt und auf

diesen, je nachdem sie gut oder s{lecht, weise oder regellos

ist, heilsam oder verderblich einwirkt. Gewiß gab es fein gesellschaftliches Gebäude, das besser als das unsrige geeignet war, den Volfksstürmen Widerstand zu leisten. Neue Ansich-. ten aber und die Jrrthúmer einer falschen Philosophie lôsten es dennoch auf; -die Parlamente kämpften mit dem König- thume; der Adel trennte sich von der Geistlichkeit ; beide sahen sich den Angriffen der Demokratie blosgestellt; der Schwin-

- delgeist bemächtigte sich ällmälig der aufgeklärtesten Köpfe; die

Anarchie {lug immer tiefere Wurzeln, bis sie zulest den Thron umstürzte und allein das Feld éeaupten "Die ver - derbte Meinung war es, die diese große Umwälzung herbei- führte. Werfen wir nun einen Blick auf die jebige Zeit, so

Berlin, Dienstag den 16ten März

1830.

möchte sich s{chwerlich ein s{dnerer Verei ; talentvoller Männer als in der Vaies-Kamtuée, Mat aufgeklärterer Richterstand, als bei unseren Tribunalen, finden Wir haben einen alten und einen ucuen Adel, ein Wahl- System, das, auf dem Grund-Eigenthume beruhend , -în der Theorie die herrlihste Bürgschaft für die Erhaltung der Ruhe und Ordnung darbietet. Doch fonnten alle diese Staatsförper eben so wenig widerstehen, wenn Leidenschaft und Jrrthum wie ein schleichendes Gift in sie eindrang. Der öffentlichen Meinung müssen selbst die Gesetze weichen ; ist diejelbe gut so thut Jeder, was er muß; ist sie schlecht, so thut Feder was er will, und das gesfellschaftliße Band ist zerrissen. : Der höchste Grad der Verderbtheit ist aber, wenn jene Meinung alles Vertrauen zu der Regierung verloren hat, und Jeder ftatt zu dem ailgemeinen Besten nach Kräften beizutragen, alles Mögliche thut, um das Gute zu verhindern. Und wie sollte auch, inmitten der immerwährenden Besorgnisse, der unge- rechten Beschuldigungen, der eingebildeten Gefahren, der Leiden- schaften und Vorurtheile, welche die Gesellschaft in einem be- ständigen Zustande der Bangigkeit und Aufregung erhalten jenes Vertrauen herbeigeführt und befestigt werden fönnen? n diejen Besorgnissen und Vorurtheilen muß man die ei- gentliche Ursache der Uebel suchen, die Herr Cottu seit zwei E lo beharrlichem Muthe bezeichnet ; ihnen verdankt Frankrei die Wahlen von 1827, wodurch das Gleichgewicht in den Wahl - Kollegien gebrochen worden ist- Wenn man also der Gesellschaft einen wahrhaften Dienst leisten will, so muß man gs nicht an die Regierung wenden, um von ihr eine neue Staats-Einrichtung zu verlangen , sondern an das

Volk, um jene Vorurtheile und Besorgnisse zu versche Den Hauptzweck der Schrift des a C, Ra nämlich die Nothwendigkeit einer Diktatur, verstehen wir nicht recht, was derselbe in einer Monarchie hierunter meint Man hat wohl schon gesehen, daß Diktatoren sich zu Köni- gen, “niemals aber, daß Könige sich zu Diftatoren gemacht hâben ; für sie bedarf es feiner Diktatur ; die Verfassuug sorgt schon dafút, daß ihrer Macht fein Abbrueh geschehe. Ein König von Frankreich würde sich durch den Titel eines Dik- tators nur an seiner Wärde vergeben. Die Gewalt, die Hr Cottu verlangt, braucht nirgends anders, als in der gesebli- chen Ordnung, in der Legitimität, in der Königl. Juitiative und in der Befugniß des Monarchen, das Bôse zu verhin- dern und für “die Sicherheit des Staats zu sorgen, gesucht zu werden. Wir lassen den Gesinnungen des Herrn Cottu affe Gerechtigkeit widerfahren; sie sind besser als seine politischen Theorieen. Das Königthum roûrde einen \chlech- ten Tausch eingehen, wenn es sich seiner natürlichen Rechte und seiner verfassungsmäßigen Gewalt gegen eine Macht, die, eben, weil se “een scheint, ihm bestritten werden fann, beg e. Nein, feine Diktatur, feine Gewaltthätig- feit, feine Willkühr! Die große Aufgabe des Staats - Ober- e ad: fr: Pri A deny Meinung aufzuklären, und,

in fie rinzip der Verfassun i i e rinzip fassung verkennt, ihr zu wi- _ Der Quotidienne zufolge wird in diesen Tagen hier eine von mehreren Royalisten abgefaßte ¡Denkschrift an den König über die wahre Lage Frankreichs“ im Dru erscheinen.

‘Die bei der Pairs - Kammer eingegangene Bittschrift über. die Steuer -Verweigerungs - Vereine - soll feinesweges zu Gunsten derselben lauten, vielmehr soll darin die Meinung ausgesprochen seyn, daß die Steuern unter jeglicher Bedin- gung entrichtet werden müßten.

Der Advokat Herr Jsambert hat bei der -Deputirten- Kammer zwei Bittschriften eingereicht, worin er auf die Ab- schaffung des doppelten Votums und auf die Uebérweisung dex Preßvergehen an die Geschwornen-Gerichte anträge.

Der verantwortliche Herausgeber des Drapeagu blanc ist wegen seines (gestern im Auszuge - mitgetheilten ) Aufsaves