1830 / 76 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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über das ju lachen, was ich sage. (Wiederholtes Gelächter) Jch will mi gar uicht für mehr, als einen hausbackenen Landedelmann ausgeben ;/ so lange ich jedoch auch: Par- lamentsmitglied bin, - will i< gewissenhaft aufstehen und meine Pflicht thun.// Mehrere Oppositions - Mitglieder gaben bei einer hierauf folgenden wiederholten Phrase ihre Ungeduld ziemlich deutlich zu erkennen, worauf der Redner fortfuhr: „„Hier können S:e mih in Gottes Namen ver- wirren wollen, es soll mich nicht außer Fassung bringen; ih möchte jedoch dem Herrn gegenüber nicht rathen, mich auper- - halb dieses Hauses so chikaniren zu wollen; ih erfläre ihm, daß ihm das Jnteresse des Landes nicht am Herzen liegt.‘ Der Sprecher rief hier den Reduer zur Ordnung. „„Jch möchte nicht,“/ fuhr der Oberst fort, „um alles in der Weit willen der Ordnung zuwider handeln; alles was ich beabjich- tige ist eine wahre Schilderung von dem Zustande meiner Constituenten. Jch will nur dem Lande Gerechtigkeit ver- schaffen (die Ungeduld des Hauses gab sich bier neuerdiugs zu erkennen). Jch will gehdrt seyn, Sir, ih will meine Pflicht ‘gegen meine Constituenten thun und sollte ich jemals des Sites hier - unwürdig erscheinen, so will ih am morgenden Tage das Haus verlassen. (Lautes Gelächter). Zch wurde behindert in dem - was ih sagen wollte, frage aber die Mit-

lieder -dizses Hauses, ob ich jemals einen von ihnen jo be-

indert habe ?// Der Redner kam nun auf seinen eigent- lichen Vorschlag zur Abhülfe der Landesnoth und meinte “man sollte nur einheimischen Schissen gestatteu , die La- “dungen, die sie bringen, namentlich Getreide, Wolle u, s w. unter Schloß . zu legen; ausländische Schiffe hingegen

müßten, - entweder ihre Waaren verstkeuern, oder wieder mitnehmen. „Was kann das dem Lande helfen,“/ fuhr er fort, „wenn das ehrenwerthe Mitglied für Montrose (Herr Hume) uns bis Z Uhr des Morg:ns damit hier festhält, daß ex si<-der Bewilligung von 5000 Mann Truppen widerjeßt 7

War doch das alles nur eine Farce! (Gelächter.) Was sind 5000 Mann, Sir? -Gar nichts! (Schallendes Gelächter.) Sch habe mein gänzes Leben lang unter den Rothröcken ge- lebt und weiß aljo etwas von ihuen zu erzählen. (Zur Frage . ruft man von allen Seiten.) Ja, ja, zur Frage! Die Frage, um die es sich handelt, will ih ja eben beantworten. Was «hat so eine Reduktion von 5000 Maun zu bedeuten? Meine

Constituenten haben mich beauftragt, zu erflàren, daß sie, dexr : Landesnoth ungeachtet, die durch Zeitungen vernommeneu Béê-

hauptungen des ehren. Mitgliédes für Montroje verwerfen: zu erklären, daß eine unconstitutionellere Behguptung noch niemals im Unterhause, d. h. in einem ordhungsmäßigen Un-

terhause gehört wurde. Sie verwerfen, sie, verabscheuen fle“

(Lauter anhaltender Ruf zur Ordnung). Der Sprecher |

erhob k< und machte dem Obersten bemerklich, daß es höchst Tbrinttgaidrig:: sey, die Vorgänge des Hauses zum Ge- genstande solcher - Mittheilungen zu machen noch mehr “aber , dieser Mittheilungen im Hguje selbst zu erwähnen. Der Oberst Wilson ließ sich jedoch dadurch uicht zurücfhal- tèn, die Mßbilligung des Humeschen Vorjchlages- nochmals und zwar uun mehr in seinem eigenen, ais im Namen seiner Konstituenten auszusprechen und zuleßt dée (wahre Schilderung von dem Zustande seiner Konstitaenten „““ falls “die Minister keine Rücksicht darauf unehmen jollten, deni Throne selbst zu empfehlen. Bei Gelegenheit einer einfa- <en Bewilligung für das Marine-Budget, die hierauf im _ Aús\husse des ganzen Hauses stattfand, fragte Lord Alt-

horp, was es für einen Grund habe, daß in der Hof Zei: a

“tung niemals eines brillanten Gefechtes bei Pafkras Er- "wähnung geschehen sey? Die Englijche Flotte habe sich da- - selbst, als sie mit einer weit stärkeren Uebermacht in Collision efommen, ‘auf das tapfersie ausgezeichnet; denn Die Türken âtten zu jener Zeit noch eine Flotte von nicht weniger als 50 Segeln - gehabt, während Sir Edw. Codrington, der Eng- sische Admiral, sie mit geringer Macht zum Rückzuge genö- thigt und den Ruhm der Britischen Marine zu behaupten gewußt habe. Sir G. Cocfburn erklärte, es jey ihm nicht befannt, daß die Erwähnung in der Höf-Zeitung aus irgend. einer besondern Ursache unterblieben wäre. „„Als wir,“ “sagte er, ¿darauf bestanden, daß die Türkische Flotte sich zu-

- rüziehen müsse, geschah es, ohne daß Widerstand geleistet wurde. Ob ein Schuß dabei abgefeuert worden oder nicht, fann ih nit einmal mit Gewißheit sagen.‘ „„Hat man mich nicht,‘ erwiederte Lord Althorp, „g anz falsch ünter-

richtet, so sind mehrere Schüsse dabei abgefeuert worden.‘ ¡„¡Bleichviel,“/ entgegnete Sir G. Cockburn, „„in „keinem

Faile war doch, wie ih glaube, das Gefecht von der Arc, |.

daß davon in der Hof-Zeitung» Erwähnung zu geschehen brauchte.‘ Es fam ‘hierauf (wie bereits erwähnt) die von Herrn Tennyson vorgeschlagene Uebertragung ‘des Wahl-

„rechts von East -Retford no<mals zur Sprache. Mehrere

Mitglieder, namentlich ah Herr Peel und “a Fusfif- son äußerten sich ganz auf dieselbe Weise wie früher über diesen Gegenstand. Bei der diesmalizen Abstimmung ergab sich auch ein der frühern ziemli ähnliches Stimmen - Ver- hältniß; es zeigten sich nämli<h 119 Stimmen dafür (das erste Mal 99) und 152 Stimmen dagegen (das erste Mal 126) so daß das Amendement durch eine Majorität. von 33 Stimmen (von 26 St. das erste Mal) verworfen wurde. Herr O’Connell machte den Antrag, daß in der Bill, welche das Wahlreche- von East - Retford- auf den ganzen

Bezirk von - Bassetlaiv ausdehnt , ausdrückli<h vermerkc

werde, daß zux Verhütung künftiger Mißbräuche, bei streitigen Wahlen durch Ballottement von den Wählern ab- gestimmt werden solle. Er führte dabei die Beispiele Frankreichs und Nord - Amerifas an, wo das Abstimmen der Wöhler auf ähnliche Weise geschehe und machte nochmals auf die Nothwendigkeit aufmerksam, das eigentliche Volé mehr als bisher an der Repräsentation Theil nehmen zu- laf- sen. Hr. Peel widerseßte sich dem Vorschlage, zunächst weil nicht angegeben sey, wie eigèutlih das R atdnnont statt finden solle, alsdann aber weil dies nicht die rechte Ge- legenheit sey, die Annahme eines so allgemeinen Prinzipes vorzujchlagen. Wollte das ehrenw. Mitglied (Hr. O’Connell) seinen Vorschlag: in einer regelmäßigern Form machen, jo würde er (Hr. Peel) bereit jeyn, näher darauf einzugehen und die Gründe, weshalb- er si< widersesen müsse, anzuge- ben. Vorläufig bemerke er nur, daß durch Ballottement der Wähler neue Mißbräuche herbeigeführt, Bestechung aber und Corruption nicht vermieden werden dürften. MNachdern Sir Francis Burdett und Andere ihre- Billigung des ge- machten Antrages ausgesprochen hatten, nahm de: Herr O’Connell einstweilen zurück, um, wie er sagte, nicht zu dem Vorwande Anlaß zu geben, daß er .das Haus damit plôblich hätte überraschen wollen. Er behielt sich jedoch vor, iha bei der dritten Lejung der Bill in Bezug „auf East - Ret- ford zu erneuern. ¡ v i

Im Oberhaufe fiel au< am 8. März nichts Er- hebliches vor. Graf Stanhope zeigte an, daß der Herzog von Richmond, wegeir Unwohlseyns, feinen Antrag auf Un- tersuchung des Zustandes der arbeitenden Klassen des Landes auf unbestimmte Zeit ausgeseßt habe. 44 4 Joie

Jm Unterhause wurde von Hérrn Sadlèr cin Antrag in Bezug auf das Pasquill-Geseß angekündigt, nach- dem der Sprecher ciuige Erläuterungen über die parlamen- tarischeu Gebühren gegeben hatte, welche von Privat : Bills zu erlegen find, Mehrere Bittschriften, die vornehmlich auf die Landesnoth sich bezogen, wurden wieder eingereicht und gaben zu einzelnen Erklärungen Anlaß; namentlich auch dem Lord Althorp. Sir G. Cocfburn nahm diese Gelegen-

“heit wahr, dem Lord auf die leßthin vorgelegte Frage in Be-

zug auf das Gefecht bei Patras (S: oben) „noch eine auf nähere Erkundigung beruhende Erwiederung zu ertheilen. Als,‘ jagte er, „unser Admiral erfahren hatte, daß Pa-

drone Bey von Navarin - abgegangen sey, um in Patras

einzulaufen, oäherte er -si<h demselben und machte ihm be- mertlich, daß dieser Schritt ‘eine Uebertretung des früher ge- gebenen Chrenwortes seyn, würde. Padrone Bey antwortete

darauf in der gewöhnlichen lafonischen. Form der Mahome-

däaner : „Wenn Jhr uns erlaubt, nach Patras. zu gehen, gut; wenn nicht, auch. gut. Wir werden uns Euch jedoch nicht widerseßen, wenn. Ihr. uns auch in den Grund bohren solltet. ‘7/4 Da das Türkische Geschwader seinen Lauf nach Patras darauf fortsebte, so- feuerte unser Schiff einen Schuß ab, der jedoch, was auch in der Absicht lag, keins der Türkischen Schiffe traf; es hatte indeß den gewünschten Er- folg, denn Padrone Bey nahm einen andern Weg. und un- ser Admiral. ging darauf nach Zante zurück. Noch zweimal wurde inzwischen der Versuch von den Türken wiederholt. Das erstemal bemerkte man, daß sie mit Jbrahim Pascha

“dur< Signale fommanizirten, was jedoch keinen weitern Er-

folg hatte. Das zweitemal feuerten unsere Schiffe einige Schüsse ab, -um die Türken-zu nöthigen, ihre Flaggen aufzu- zichen. Padrone Bey ließ K darauf von unserm Admiral eine geschriebene Bêscheinigung geben, daß er dur<h Gewalt gezwungen worden, sein Unternehmen An gee ‘deun da er den ihm zugekommenen Befehlen nicht nachzekommen war,

- würde sein Kopf sonsk gefährdet worden seyn. Das Túrkische

Geschwader ging alsdann nach der. Bucht von Navarin, ohne ein einziges Mal in allen drei Fällen unsern Admirale si< widersezt zu haben.“ Lord John Russel rühmte

die Tapferkeit und das- ausgezeichnete Betragen der

. Beilage

Beilage zur Allgemeinen Preußishen Staats-Zeitung Æ 79,

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commandirenden Admirale des vereinigten Geschwaders in der berühmten Schlacht von Navarin, und bedauerte es, daß eine geschichtliche Darstellung derselben erst seit wenigen Tagen ‘durch einen Bericht in der ¡„Foreign-Quaterly:Review“/ versucht worden sey. Die Marine- Disciplin - Bill wurde zum ersten- Male verlesen, worauf das Haus sich in einen

Subsidien - Auss<huß verwandelte. Bei der zunächst vorge-

schlagenen Bewillignng von 16,143 Pfd. für das Britische Museum beschwerte sich Hr. Hume darüber, daß dasselbe nur 3 Mal wöchentlich uud zwar jedes Mal nur auf wenige Stunden dem Publikum geöffnet ‘sey. Jn Folge der Hin- dernisse, die man dem Publikum in den Weg lege, hätte sich die Zahl der Besucher von 127,000 (im Jahre 1828) auf 68,009 (im Jahre 1829) vermindert; er sehe daher nicht ein, warum das Museum nicht 5 Tage wöchentlich geöffnet seyn solle, besonders da die Beamten doch hoch genug salarirt werden. Herr Bankes erwiederte, die Beamten seyen 6 Tage wöchentlich beschäftigt, wenn auch das Museum nur an 3 Tagen in der Woche dein Publikum ge- dffner sey. Freunde und Empfohlere der Cuskoden werden auch an den anderen Tagen zugelassen. Habe sich auch die Zahl der Besucher aus dem Publifum im vorigen Jahre ver- mindert, so sey es doch erfreulich zu vérnehmen, daß die Zahl der Kunst-Studierenden, die das Museum besuchten, bedeu- tend zugenommen habe. H:rr P. Thomson sprach den Wunsch aus, daß die Cusftoden des Britischen Museums dem Beispiele der Custoden der Königl. Bibliothek folgen möchten. Diese gestatteten nämlich jedem als achtbar erwiesenen Gelehr-

ten oder Studierenden diejenigen seltenen und kostbaren Werke,

die sie zu thren Studien gebrauchten, mit nach Hause zu nehmen, und seyen dadurch der Verbreitung von Wissenschaft und Liter a- tur gewiß sehr förderlich. Die Anschläge für die Ausga- ben dér Armee wurden sodann in Erwägung gezogen und sämmtlich bewiiligt. (Auf Einzelnes werden wir noch zurück- kommen.) Die Debatte über den von Hrn. Stewart am áten d. gem4chten Antrag auf Vorlegung der auf die Richter-Angelegenheit in Bombay Bezug habenden Papieré*) wurde hierauf fortgeseßt. Es ließen si< die Hrn. Hume, D Connell, G. Bañkes, W. Wynn und Peel vertieh- men und kam dabei der vielbesprochene Brief des Lord El- lenborough neuerdings zur Sprache. Bei der Abstimmung

waren nur 15 Mitglieder für den Antrag; 106 aber dage- .

gen. Nach Beseitigung einiger auderen unerheblichen Ge- genstände vertagte sich das Haus um 2 Uhr.

London, 9. März. Der König genießt fortwährend der besten Gesundheit und beschäftigt sh, dem Vernehmen nach, auf das angelegentlichste damit, Tie Beendigung des seinem verewigten Vater in Windsor zu erkichtenden Deuf- mals beschleunigt zu sehen. : i

Se, Majestät haben an die Stelle des verstorbeueu Vice- Admirals Sir George Montagu, den bisherigen Comman- deur des militärischen Bath-Ordens, O Sir Tho- mas Byam Martin, zum Großkreuz desselben Ordeus er- nannt.

Dem Hof- Journal zufolge will wan wissen, daß der Herzog von Clarence, in Stelle des Sir Robert Stopford den Oberbefehl über die Marine in Portsmouth erhalten werde, wobei auf alle irgénd möglichen Ersparungan ganz. be- sondere Rücksicht genommen werden soll. i

Die Times enthält einige biographische Notizen - von dem kürzlich verstorbenen Parlamentsgliede Hetrn Tierney. Er war, denselben zufolge, ein Sohn eines Kaufmanns und am 20. März 1761 in Gibraltar geboren, Nachdem er sich anfangs deù Nechtswissenschaften gewidmet hatte, wurkde- bald die Politië sein Lieblingsstudium. Später zeichnete er

sich bekanntlich neben Fox, Burke, Sheridan, Windham und-

Pitt durch Beredtsamfkcit und namentli durch schlagenden. Wiß aus. Die vortrefflichen Eigenschaften seines Geistes, heißt es am Schluß dieser Notizen, fonnten nur mit der ausgezeichneten Güte und dem aufrichtigen Wohlwollen sei: Herzens verglichen werden. :

In einer zweiten" Ausgabe seities Blattes hatte der Co u-

rier gestern erzählt, daß, Nachrichten aus Jrland zufolge, -

Lord Plunket, bei Abhaltung der Assisen von West - Meath, ermordet worden sey. Heute ergab sich jedoch, daß diese Neu- igkeit auf einem Mißverständnisse beruhe. Der ursprüngliche

eriht- aus Jrland lautece nämlich: „Heute Morgens be- gannen hier die Assisen; Lord Plunket, Richter, Cin Vater

von 10 Kinderu, der Zeuge hätte seyn sollen, wurde gestern

*) Vergl. Rr. 74 der Staats - Zeitung.

Abend auf. das Unmenschlichste ermordet. / Un. j Weise way statt des. Punktes nah dem Bort Rie ein Komma gescßt worden, so daß es den Anschein ‘erhielt, als sey Lord Plunket der ermordete Vater von 10 Kindern gewejen. Der Courier hat demnach die zahlreichen Freunde des Lords ohne Ursache in große Unruhe versest.

__ Aus Leeds {reibt man, daß in- der lesten Zeit die Zahl der dortigen unbeschäftigten Armen bercrächtlich abgenom- men habe, indem sich viele Weber des n edrigen Arbeitslohns

„Ungeachtet, dennoch endlich entschlossen hätten, zu ihren frü-

heren Beschäftigungen zurückzukehren. Dée Handelsberichté aus mehreren Theilen des. Königreiches lauten immer günsti- ger, bejonders zeigt sich bei Weitem meht Leben im Baum- wollen--Wollen- und tm- Judigo- Zucker- und Kaffée -Haudel.:

Von der neuen Kolonie am Schwanenfluß sind Nach- richten eingelaufen, die eine, na< der Meinung der Times, zwar etwas übertriebene, schlechte Sch:lderung derselben lie: sern, aber. do<h beweijen, daß man voñ dieser Unternehmung zu große Resultate erwartet hatte. „„Die Kolonisten“, sagt. die Times, „werde sich noch viele harte Anstrengungen und Entbehrungen gefallen lassen müssen, bis ‘es ihnen gelingt, die Früchte ihrer Arbeiten aus - dém unkultivirten Boden einer völligen Wildniß zu ziehen.“/

Niederlande.

Aus dem Haag, 12. Mêrz.- Die Sigzungen dér zweiten Kammer der Generalstaaten vom 9, 10: und 11. d, M. waren fast auss<{liezli<h der Fortseßung der Berathungen über die vielen bei der Kammer eingegangenen Bittschriften in Betreff der sogenannten National-Befchwerden gewidmet. Der Antrag der Commission welche in der Si6ung vom 8. Mäârz ihren Bericht über diese Petitionen abgestattet ‘hätre, lautete bekanntlich dahin, diefelben, mit Aussonderung einiger wenigen“ auf das Nachweis -Büreau niederzulegen, wogegen Herr Donfker -Curtius die gänzlihe Abweisung diejer Bittschriften, in welchen das Petitionsreht nur gemißbraucht sey, verlangte; er wurde in diesem Antrage von vielen Ah-

geordneten der. nördlichen Provinzen unterstüßt, während die -

cine. Opposition bildenden Deputirten der südlichen Yrovinzen, dic Heure von Stassart und von Secus an der Spike fär das Niederlegen auf das Nachweis -Büreau sprachen. Jn der gesirigen Sißung der zweiten Kammer wurden die Debatten úber“ diesen Gegenstand- geschlossen und der Antrag der Commission, die Bittschriften mit Ausnahme einiger aufs Nachweis - Büreau niederzulegen, mit 88. gegen 11 Stimmen angenommen. Jn der Sigung vom l0ten hat die Central-Section ihren Bericht úber den Ent- wurf einer neuen Criminal-Gerichtsordnung erstattet, in wel- chem der Justiz-Mi!éster in Folge einiger Conferenzen mit der Central-Section mehrere Veränderungeu vorgenommen hat. Die öffentlichen Berathungen über dieje neue Kriminal : Ges richtsorduung werden in der nächsten Sibung beginnen.

Der von dem Brüsseler-Gerichtshofe freigesprochene Abbé von Zinzerling hat am 9ten d. seine Funkcionen als Vorsteher des Genter Waisenhauses wieder angetretes.

OH'estérre i G.

„Wien, 9. Mâárz. Die neuesten Nachrichten, welche von dem Naturforscher Joh: Natterer aus Brafsilic vor einigen Tagen hier anlangten, sind vom 10. Juli v. J. aus- Cidade de Matto grossoz in der westlichen Gränz-Kapitauie gleichen Namens gegen Bolivia. Er hatte diefe große, noch nie fr: her von einem Naturforscher besuchte Provinz, während eines Zeitraums von vier Jahren zweimal durchreist, und: auf vier

Haupt-Standpunkten, östlich zu -Cuyaba, südlich am Rio. de

la Plata bei -Caissara, westlich -in Villa“ bella; und etwas nördlicher in San Vincente in _naturhistovischer Hinsicht er- forsht.. Bei Abgang- des Schreibens stand er eben im Begriff auf zwei Kaiserl..-Booten den Guaporé- und Ma- deira-Fluß abwärts diese so sehr ungesunde Provinz zu ver- lassen, welche allgemein das Grab: derx Europäer genaunt wird. Auch - er. wurde zweimal von - jenen mördektischen Klimafiebern befallen und war nahe am Tode, von welchem sein treuester Gefährte und. Gehülfe,- der Kaiserl. Hof. Büchz - fenspanner Sochor, am 13. Dez. 1826, in San: Vincente - und ün darauf folgenden Jahre ein sehr brauchbarer Neger dahin geraft rourdeu. Seiner Abreise auf den Flüssen * stellten sich zahlreiche Hindernisse entgegen , und er verdankt den endlichen, glücklichen Fortgang nur der Freundsehaft-und Fürsorge des wackern Kommandanten von Matto gros}, Capitain Mor, J. P. de Azevedo, Die dort gesammelten