1830 / 99 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

n _

736

namentlich Außerte, wie er die innige Ueberzeugung habe, daß der Ai n dem angeschuldigten Artikel die Gränzen des Schicklichen nicht überschritten, sondern sich vielleicht nur einiger etwas hartèn und lebhaften Ausdrücke bedient habe, fam der Prozeß des Globe an die Reihe." Der Advokat Reúouarò vertheidigte den Herausgeber dieses Blat- tes, Herrn Dubois, und der Kron-Anwalt replizirte. Beide ‘Urtheils-Sprüche werden in der morgenden Si6ung erfolgen. Man wird sich erinnern, daß das Zuchtpolizei -Gericht von St. Quentin vor einiger Zeit einen protestantischen Pre- diger, der ohne die Erlaubniß der Behörde leine Gemeinde in dem Dorfe Levergies zu gottesdienstlichen Uebungen ver- sammelt hatte, zu der geselzlichen Strafe fonderanirte. Der “Königl. Gerichtshof in Laon hat nunmehr dieses Urtheil in 2ter Fnstanz fassirt, da das Geseß, welches Versammlungen von mehr als. 20 Personen verbietet, in dem vorliegenden Falle keine Anwendung finde, indem der 5te Art. der Charte “allen Konfessionen ohne Ausnahwue die freie Ausübung ihres Gottesdienstes gestatte. i E N Der Marquis von Almenara, Spanischer Finanz-Mini- ster unter Joseph Buonaparte, ist von hier nach Madrid-ab- gereist, wohin er, wie man sagt, einen Ruf von seiner Re- gierung erhalten hat. | A | Die Aufführung der „Stummen von Portici“ ijl von der Behörde in Bayonne untersagt worden.

Großbritanien ao Arad.

Parlaments-Verhandlungen. Die (gestern mit- getheilten) von Lord King in der Sißung des Oberhau- ses vom 29. März vorgrschlagenen Resolutionen, in Bezug auf die Korn - Geseke, bevorwortete derselbe folgendermaßen :

„Fch wünsche meine Ansichten über diesen hdchst wichtige!

“Gegenstand in den Journalen Ew. Herrlichkeit prorvofkollirt zu sehen. Mögen Sie nun auch für jeßt nicht mit mir darin über- einstimmen, so habe ih doch die feste Ueberzeugung, daß Sie bin- nen Kurzem die von mir verthcidigten Grundsäße als gerecht ebenfalls anerkennen \und endlich auch gezioungen seyn werden, sie zum Wohl des Volkes einzuführen. Allgemein wird 1eßt zu- gegeben, daß eine Hauptursache der vorhandenen Noth der alge- meine Druck sey, der icht den produktiven Gewerbfleiß des Lan-

des niederdrückt. Herr Huskisson , der eine große Autorität. in

soldea Dingen is, hat es ausgesprochen, daß es nicht cin zu fäl- liger, sondern cin beständiger , dauernder Druck scy/ der auf der Fndusirie des Volkes lastet. Jch habe diesen {ehr ehrenwerthen Herrn icdoh deshalb zu verklagen7 daß er, da dies Alles von ihm

ugegeben wird, nicht cinen Schritt weiter und bis zur cigent- lichen Quelle zurückgeht, wo R ao allein dic Korn-Ge- gesche die große Quelle jenes Druckes sind. Die” Genusse des Bolkes werden dadurch um das fünf- oder vierfache vermindert, denn ohne jene Gescße würde der Quarter Weizen immer zu 50 Shill. zu haben seyn. Der gewöhnliche Preis desselben“ während der Zeit zwischen dem Nord - Amerikanischen und Franzöfischen Kriege betrug nicht mehr als 43 Shillinge. Im Unterhause i von einem Minister gesagt worden, daß es die po- litische Aufgabe jeder Regierung einer großen Nation sey die- selbe so viel auf dem eigenen Boden erzeugen zu lassen, als sîe zu ihrer Ernährung bedarf. Jch für mein Theil müßte éine Po- litif, deren Aufgabe dies wäre, schr kurzsichtig, furchtsam und ge- eigneter als irgend cine andere nennen, das Fortschreiten der menschlichen Gesellschaft zu verzögern. Wahre, richtige Politik fordert, daß nur gutes Land angebaut werde. Nichts monsirdsc- res fann es fürmich, als die Behauptung geben, daß das Engli- \che Volf sein Getreide nicht von Polen, Rußland oder einem andert Lande, wo es am wohlfeilsten ist, sondern nur von Hamp- shire und andern Gegenden beziehew soll, wo die Qualität des- selben schlechter und der Preis geringer is. Jch weiß, daß hier- guf gewöhnlich erwiedert wird: Wir müssen uns von der Unter- siúßung durch andere Länder unabhängig erhalten; es ist dies freilich ein schr imposantes. Feldgeschret , allein [läßt sich. damit wohl cine halb ernährte Bevölkerung sättigen? Machen wir uns, so heißt es gewöhnlich, hinsichts unserer Nahrungsmittel erst ab- hângig von andern Nationen, so knnen diese in einem kritischen Augenblicke unsern Bedarf uns vorenthalten, während wi. durch

Entmuthigung des eigenen Landbaues cs dahin brachten, daß die= |

ser unsern Kornmarkt nur spärlich versicht. Allein wird es nicht zu allen Zeiten im Futeresse des Auslandes liegen, uns mit dent- jenigen . Dingen zu versorgen, die wir ihm abnehmen wol- ‘Ten, eben so- wie wix bereit sind, ihm alle Produkte unserer Fndustrie, die es möglicher - Weise nur wünschen kann, zu- fommen zu lassen ?// Der- Redner berührte nun andere Ursachen der vorhandenen Noth und zählte dazu vornehmlich den geringen Nußen, den die Fabrikation abwerfe, und das mit der Arbeit in keinem Verhältnisse stehende Entgelt derselben. ¿Dex Nuyßen//, sagte er, „is das Kriterium des Wohlstandes. Welchen Einfluß aber Üben die Korn-Gescße darguf? Einen hicl-

fachen: 1) Durch die Verminderung der Frage nach Fabrikaten,

die bestchen würde, wenn es keine Korn-Geseße gäbe. 2) Durch « die Verschiedenheit der Preise , die sie hervorbringen, indem fíc

in England das Korn theuer, im Auslande aber wohlfeil machen..

In Folge dessen werden Rival- Manufakturen im Auslande cr-

richtet, wo man das geritgere Verhältniß des Tage- und Arbeits- lohnes sich zu Nuße macht und im Stande if , in eine erfolg= reiche Konkurrenz zu treten. 3) Durch die -Verwendung der Ar= beit auf die Kultur schlechter Ländereien, wo natürlich das Ka- pital weit geringern Nußen gewährt, als bei guten. Der Maafi= stab für den Kapital- Nußen is aber der Zins, den das auf den Boden-Anbau verwandte Kapital abwirft. Wird nun ein schlech= ter Boden fultivirt, so muß natürlich_der Kapital-Nuyen Überall geringer werden. Großbritanien gewähren seine Kohlen, seit Maschinenwesen untd seine Kapitalien unendliche Vortheile; die Production von vier Engländern is der Arbeit von acht Russen gleich zu siellen; warum also nicht jene für diese austauschen ? Fch bin sicher, daß, wenn die Englischen Gutsbesißer ihre wah- ren Futeressen kennen möchten, sie dann auch ausländisches Ge- treide ohne Einschränkang zu assen und jedem Dinge freien Spielraum geben würden. Zam Schuße des Ackerbgu-Fnteresse- heißt es immer, seyen die Korn-Geseße gegeben worden; wird aber diesem Worte ;,,„Schutz//// durch die Geschichte dieses und anderer Länder nachgegangei, #0 findet man Überall, daß es im Grunde nichts anders heiße, als Unterdrückung und Einschrän- fung der Jndustrie. Fn Frankceich is die Fndustrie von der Zeit Colberts bis zux jeßigen #o eiugezwängt worden. Die Ge=- ichichte Spaniens is nur eine Geschichte dieser Unterdrückung, dex man deñ falschen Namen ,,,Schuß//// beilegt. Das kleine Holland ist das einzige Land gewesen, wd das System nicht ein= geführt wurde, und. wo, dem gemäß, der Fndustrie ihr gerechter Lohn geworden if. England wird schon seit dex Regierung Karls 11. dukch sogenannte Schuß - Zôlle heimgesucht : die Korn= Geseße aber sind die reichhaltigse Quelle aller Thorheit gewesen. Bor vielen Fahren gab es einmal eine Bonification für Dieje= nigen, die Getreide einführten, bis man darauf kam / daß dies blos andere Länder in den Stand seße, Brod auf unsere Kosten zu essen. Man kehrte nun das System um, und die Minister sagten mit cinemmale, der einheimische Ackerbau fköntie unmög=- lich fortkommen, wenn der Korn-Einfuhr- nicht eine Beschränkung auferlegt werde. Nur darin hatten die beiden entgegengeseßten Systeme cine Achnlichkcit mit einander, daß beide auf Kosten der Ration befolgt wurden. Die: Manufaktur-Waaren, die wir ge= brauchten, ließ man nicht zu, und das Getreide, das uns fehlte, verbot man uns. F| es wohl möglich, unter solchen Umständen das Prinzip des freien Handels - geltend zu machen, und kann wohl, ohne dasselbe, das Land noch fernerhin bestchen? Der Wohlstand dieses Landes hängt, ich bin es fest Überzeugt, von der Uncingeschränktheit des Handels ab. Was is freier Handel an- ders, als cine Ersparniß an Arbeit? Und was Einschränkung sonst, als eine Vergeudung derselben? Der Wohlsiand eines Lan= des hac die aufs Hôchste gebrachte Oekonomie der Arbeit, dic das Meise mit dex geringsten Anstrengung hervorbringt, zum -Prin= zipe. Dieser Stand der Dinge kann jedoch nicht hervorgerufen werden, wein nicht ausländische T den zum Austausche für unsere Manufaktur-Waaren zugelassen werden. Gegenwärtig ri= valisiren wir mit dem Ausländer, der seinerseits wohlfeiles Ge- treide hat, während wir Maschinenwesen und Kapital besißen. Täclich vermehrt sich auch im Auslande das Kapital, wo -das Ma- chinenwesen ebenfalls mehr und mehr eingeführt wtrd. Befommen wir also nicht bald eben o wohlfeiles Getretde, als unsere Rachbarn, so müssen wir natürlich in dem Wettkampfe verlieren. Aus den Zeitungen habe ih ersehen, daß Jemand sagte ich mdòchte durchaus nicht glauben, daß es der edle Herzog (von Wel= lington) war, der solchen Unsinn aussprach die Korngeseße leisteten Vortreffliches, die Aerndten seyen schlecht gewesen, doch auf die Korngeseße sey keine Schuld zu schieben. Wo, ist denn das VortreFliche, das sie leisten, wenn die Staats - Karosse, ftatt sich auf der Landstraße ruhig fortzubewegen, tief im Kothe stecken bleibt? Leisten e darum Vortreffliches, weil man. sich genöthigt sicht, 37 Millionen an Steuern -nachzulassen? Jch habe nie von Steuer-Rachlaß gehört, so lange eine Regierungs-Maschine Vor= trefliches leistete. Zchn Jahre lang vor dem Beginn des Krie- ges von 1792 wurde das Getreide in großen Quantitäten zu eî= nem Nominal-Zolle von 6 Pence pro Quarter zugelassen, und da- mals befand sich das Land unter der Verwaltung des Minister Pitt. Fch gestehe gérn, daß ich der von Einigen so genannten un= wissenden Einfalt des Herrn Pitt vor dem ausgearbeiteten Neyroerke des Herzogs v- Wellington bet Weitem den Vorzug gebe. Der edle Herzog thut sich vielleicht auf die Vollständigkeit seiner Re- gierungs - Maschine etwas zu gut; diese is auch gar nicht abzu- läugnen, allein, der Luftpumpe gleich, is es eben ihre Vollstän- digkeit , die dem armen Thiere, das sich darunter befindet, das Leben raubt. / |

Es ist: bereits berichtet worden, welche Lords den darauf von Lord King in Antrag gebrachten Resolutionen sich wider- seßt haben. Der Herzog von Wellington war es, der- alle Meinungen zusammenfassend , sich folgendermaßen dar- über aussprach : i f T Qi

„„Mylords! Fch empfinde die Nothwendigkeit , ein Wort, aber auch nur ein einziges, über diescn Gegensiand zu sagen. Vollkommen

“bin ich mit dem edlen Baron (King) in dem Wunsche cinverstandett-

wohlfeiles Getreide hier im Lande zu schen. Wohlfeile Nahrungsmit- tel verbessern den Zustand des Volkes, und darum wünsche ich sie;

aber nur vermöge eines größern eigenen Ueberflusses,- vermöge

einer blühenden Agrikultur, vermdge der wachsenden Landesver- besserung, sowohl Großbritaniens, als besonders Jrlands, wün che ich sie, Wohlfeile Nahrungsmittel würden freilich die Glüfselig-

A

137

keit des Landes erhdhen , doch glaube ich Ew. Herrlichkeiten be- weisen zu können, daß sie nur in der eben von mix angegebenen Weise wohlfeiler gemacht werden können. Zunächst- verweise ich Sie deshalb auf die parlamentarischen Nachweise, die Fhnen ber die Ein- und Ausfuhren der Jahre 1791 1815 vorgelegt worden sind. Jn dieser ganzen Periode waren unsere Häfen ge- dffnet ; gab es aber darum während derselben ein einziges wohl- feiles Getreide-Fahr ? Wahrlich, nicht eines is darunter! Bis zum Fahre 1804 erhielt sich der Preis auf 50, flteg alsdann auf 60

hill. und ging niemals auf den Standpunkt herab, der erfor- derlich war, um die Häfen für alle Einfuhr zu schließen. Fm vorigen Fahre galt der Quarter sogar 74 Shill. , während doch von Frland und vom Auslande 8 Millionen Quarter Getreide eingeführt wurden, worunter sich 3 bis 4 Millionen Quarter Weizen befanden. Jn einer Woche wurden sogar einmal 400/000 Quarter eingeführt, ohne daß der Preis dadurch herabgedrückt wurde, was also ziemlich klar den Bewcis giebt, daß die Ein- fuhr vom Auslande die Getreidepreise Englands nicht nothwendig herabdrückt. Fch gehe nun, Mylords, zu der Anf chuldigung gegen mich Úber, die der edle Baron darauf begründet hat, daß ich gejagt habe, die von mir früher eingebrachte Korn-Bill leisie Vortreffliches. Daß sie dies thue, nchme ich keinen Anstand hier zu wiederholen. Fch ver- lich nämlich dadurh dem Landbau einen Schuß, so lange das Produkt dieses Landbaues hinreichend bleibt, die Consumtion, des

andes zu beschaffen: is es niht hinreichend, so wird dadurch auch cinem übermäßigen Steigen des Preises vorgebeugt. Wir haben dies im vorigen Jahre geschen : es fanden bedeutende Korn- Einfuhren statt, die aber auch andererseits den Preis nicht unter 74 bis 70 Shill. herabdrücken fonnten. Betrachten wir nun auch einmal die Sache von cinem «andern Gesichtspunkte aus. Ver- gleichen wir cinmal die Preise des Weizens in Ognzig von den Fahren 1791 bis 1815 mit denen der leßten Jahre, da er für England dort gesucht wurde. Jm Januar 1526, war der Weizen-Preis in Danzig 18 Shill. 11 Pènce, im Juni 19 Shill. 5 P., im Januar 1627: 27 Sh. 5 P.- im Dezember 25 Sh. 7P-.- im Juni 1828: 22 Sh. 4 P., im Dezember 22 Sh. 9 P.- îm Dezember 1829 aber 57 Sh. & P. War dieses Steigen etwa et- ner. lehten Aerndte in Polen zuzuschreiben? Bewahre! Es wurde vielmehr nux durch die Nachfrage in England veranlaßt. Erhalten wir also auf diese Weise wohlfeiles Getreide? Gerade im Gegèntheile, denn unsere Frage steigerte sogleich den Prets. Im Januar 1329 war der Preis in Danzig 58 Sh. 8 P. und îm Funi 45 Sh. 8 P., eine Aendexung , die aus dem Umstande entsprang, daß die Aerndte in England nicht #0 schlecht ausftel, ass man erwartet hatte. Fm Dezember 1829 war der Prets auf 30 Sh. 8 P., also beinahe ‘auf die Hälfte des Januar-

reises gewichen. Und gus welchen Ursachen, frage ich Ew. Herrlichkeiten, hat dieses Fallen der Weizen - Preise in Danzig stattgefunden? Blos weil in England diîec Nachfrage gufgehört hatte. Dadurh wird mein Argument daß die Frage in England_ die Preise auf dem Festlande in dic Hôhe bringt, auf das Klarste bewiesen. Nun sage ich aber: sollen Wir schon einmal hohe Getreide-Preise bezahlen, so wollen Wir sle doch lieber dem Englischen oder Jrländischen Landmanne,

als dem Ausländer zufließen lassen. (Hört, hört!) Dies aber ist |

das Prinzip des bestehenden Korn-Geseßes, und darum behaupte ich, daß es Vortreffliches geleistet habe. Es hat noch den befon- dern Vortheil vor allen anderen früheren Korn-Gesecben, daß es ununterbrochen in Ausführung gebracht werden konnte, während unter ‘der frühern. Akte jährlich oder alle zwei Fahre cine Aus- nahme gestattet wurde, die nur zum Besten gewisser Fndividuen, nicmals aber zum Vortheile der Agrikulturisten gereichte. Jn geringén Anschlag is doch auch der Schuß nicht zu bringen, den es der heimischen, so viele Stgats= Lasten tragenden, Agrikultur verleiht, indem es dem inländischen Verbrauche cine gewise Quan- tität Landes-Getreide sichert , die Aerndte mag nun gut “ausge- fallen seyn oder nicht (mag nun gutes Getreide geliefert haben, oder schlechtes). Der edle Baron machte die FJdee, daß man auswärts einmal auf das nach England zu führende Getreide einen Zoll legen könne, lächerlih. Es if 1cdoch gar nichts Lä- cherliches dabet, denn der edle Lord kann in der Geschichte der neuern Zeit das Beispiel finden, daß ein Zoll von 20 Shill. per Quarter guf diese Weise vom Auslande auferlegt worden, und daß es daher schr unweise wäre, uns in diesex Hinstcht in die Geroalt des Auslandes zu geben. Buonaparte war es, der es anordnete, daß

nicht blos von dem Getreide Frankreichs,sondern auch von demOester= -

reichs und Preußens, falls es nach England ausgeführt werden sollte, ein Zoll zu erheben sey. Wenn nun Buonaparte dies gethan hat, warum sollen nicht auch die Monarchen von Oesterreich, Preu- ßen oder Rußland dasselbe thun können? Nicht vergessen darf man, daß ein großer Theil des vom Auslande für unsere Märkte zu erwartenden Getreides aus dem Gebiete Rußlands kommt. Sollen wir uns also auf die Gnade fremder Monarchen, die uns den nothwendigen Getreide-Bedarf gestatten sollen, verlassen? Ge- wiß nicht! Darum kann aber auch dieses Land nichts Weiseres thun, als den Landmann aufmuntern, so viel Getreide anzubauen, als zu unserm Bedarfe nothwendig is es mag nun Krieg, oder eine andere {limme Zeit eingetreten seyn. Der edle Ba- ron hat sich die Mühe gegeben, beweisen zu wollen, daß der- Nußen an der Arbeit hier zu Lande größer seyn würde, wenn man fremdes Getreide gegen. cinen geringen Nominal-Zoll herein- licße. Dabei hat ev jedoch vergessen, daß eine Hauptursache des geringen Nubens die im Auslande stets zunehmenden Manufak- turen seyen. Viele Schwièrigkciten stellen sich dex Ausfuhr un-

serer eigenen Manufakturwaaren entgegen. Jn einigen Ländern find fie ganz und gar verboten; in anderen lastet ein schr hoher Zoll darauf; in allen aber treffen wir auf Konkurrenz und Eifer- sucht. Die Regierung jedes dieser auswärtigen Länder thut Al- les, was in ihrer Macht sieht, den Verkauf Britischer Manu- faïte zu erschweren oder zu verhindern. Gingen wir auch aufdas Sesiland und kauftenalles Getreide, das in Polen aufzufinden wäre, so bin ich doch Überzeugt, daß wir darum nicht einen einzigen Artikel mal dem innern Verbrauche von Frankreich, Deutschland, Preußen oder Rußland gufdringen könnten. Wäre es Britischen Kaufleuten gestattet, ihr Getreide überall ungehindert einführen zu können, 19 würden die Unterthanen des Auslandes wohl nicht so viel für thre Produfte erhalten, als sie möglicher Weise nux erlangen fönnen; ihre Regenten jedoch würden darum nicht einem einziz gen unserer Artikel die freie Einfuhr gestatten, weil wir uns ge- nöthigt schen, ihnen ihr. Getreide abzukaufen. Es giebt freilich in England eine gewisse Quantität von -Manufakten mehr, als die Bevölkerung selbft zu fonsumiren im Stande ist, und es wäre gewiß zu wünschen, sich ihrer entledigen zu können. Allein ist das wohl wahr, daß wir andere Länder in den Stand seßen wür- den, unsere Fabrikate zu kaufen, wenn wir ihnen thr Getreide abnehmen wollten? Wäre dies aber auch wirklich der Fall, was sollten wir alsdann mit unserm cigenen Getreide anfangen ?. Wenn Rußland und Preußen unsere Fabrikate zu haben wünschen- warum kommen sie nicht; - nachdem sie ihr Getreide an andere Staaten verkauft haben, und kaufen uns unsere Waaren ab? (Hôrt/, hôrt!) Jch meinestheils glaube, daß der einheimische unser bester Markt is, und daß wir hier den größten Theil üun- serer Manufakte abseßen; zwei Drittel derselben werden wohl guf diese Wetse konsumirt. Nun frage ich aber, wollen wir denen, die unsere besten Käufer sind, den Kornhandel nehmen? Ein sol= cher Vorschlag wäre in der That ein gar verkehrter. Die Fti- teressen aller Einwohner - Klassen dieses-Landes sind auf das În- nigste mit cinander verbunden. Wir haben nit auf das Beson- dere des Baumwollen =Fabrikanten oder das -der Stahl- und Eisen- Fabrikation zu blicken; die Wollen- und Eisen-Manufaftu=- risten stehen uns eben so nahe, und die Arbeiten diescr finden fast ganz und gar hier im Lande ihre Abnehmer. Wir haben nur auf das zu schen, was Allen zusammen eine Wohlthat seyn würde, und meiner Ansicht nach besteht dies darin, daß wir den größtelt Theil unsers Nahrungs =- Bedarfes selbs zu produziren suchen, daß wir Denen, die diesen Bedarf uns liefern, eincn angemessenen Entgelt zufliesen lassen und guf diese Weise sie ermuntern, das zu thun, was der ganzen gesellschaftlichen Einrichtung am wohl=- thâtigsten seyn_würde.//

__ Lord Kêëng begnügte sih, darauf zu repliziren, daß der einheimische Markt, dessen Wichtigkeit er zugäbe , statt eines Käufers zwei haben würde, wenn es dem Ausländer gestat- tet wäre, sein Getreide hierher zu bringen. Etwas ganz Un- mögliches aber sey es, daß jekt noch das Ausland einen Zoll auf Getreide, das nah England geführt werden soll, legen werde. Buonapartes universelle Zwangs - Herrschaft habe so etwas zwar durchseßen können; gegenwärtig aber sey es durch- aus unpraftisch. Uebrigens halte er es für besser, einen An- trag, wie den seinigen, lieber jeßt, als zu einer Zeit zu machen, wo die Stimmung des Publikums durch hohe Kornpreise ohne dies schon gercizt wäre, Graf von Roßlyn bemerkte darauf ließlich, daß nicht blos Buonaparte, sondern auch Preußen im Jahre 1801 eine Abgabe auf auszuführendes Getreide für die Zeit festgeseßt hatte, daß der Preis in England sich über 50 bis 60 Shill. halten würde. (Daß- die Resolutionen des Lord O ohne Abstimmung durchfielen , ist bereits gemeldet worden. \ :

Als àm 30. März (wie gestern erwähnt) der Graf v. Aberdeen den wit der Krone Oesterreich abgeschlossenen Handels - und Schifffahrts -Vertrag auf die Tafel des Ober- hauses hiederlegte, wendete Graf Stanhope gegen diesen, wie gegen alle ähnlichen Verträge, ein, daß selbige auf das Reciprocitäts - System begründet seyeù „- obwohl der ganze Vortheil sich auf der Seite des Auslandes befinde. Es sey für die Britischen Schifss - Eigenthümer unmöglich, mit den auswärtigen zu wetteifern, namentlih mit denen der Verei- nigten Staatèn. Der Graf .v. Aberdeen, ohne die Noth dieser Klasse in Abrede zu stellen, führte dagegen an, daß im leßten Jahre 400 Brittische Schiffe mehr als gewöhnlich durch den Sund passirt seyen: den Vertrag habe er übri- gens schon bei seinem Amts - Antritte vorgefunden und habe denselben ohne Verleßung bestehender Verpflichtungen nicht zurücknehmen können. Die Dauer desselben sey. niht länger atigeseßt, als die àller ähnlichen Verträge, und bei dem ge- meinsamen Ablaufe derselben würde es ihn erfreuen, wenn dann das Parlament die ganze Sache in Untersuchung zie- hen wollte, Lord Goderich stimmte mit der Ansicht des Ministers überein. Der Marquis v. Lansdowne trug auf eine Adrésse ‘an den König an, daß die Britischen Konsuln in den Südamerikanischen Staaten Instructionen erhalten möchten, Erkundigungen über die dortigen Gold - und Silber - Minen einzuziehen und hierher zu senden. Die, Mi- nister“ hatten hiergegen nichts einzuwenden und erklärten \o-

,