1830 / 142 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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T0 n 6;

f Berlin, 21. Mai. Zischen der diesseitigen und der Großherzoglich Mecklenburg -Strelißshen Regierung ist (in leicher Weise wie, nach Nr. 44 der diesjährigen Staats- eitung, bereits früher mit der Großherzoglich Mecklenburg- Schwerinschen Regierung) in Betreff der gerichtlichen Re- quisitionen in Kriminal - Civil- und Vormundschafts-Sachen ein Uebereinkommen getroffen worden , dem zufolge die bis- her bestandene gegenseitige Kosten - Vergütung im Falle des Unvermögens der dabei betheiligten Personen aufgehoben ist.

Nach Inhalt des heutigen Amtsblatts der Kötigl. Regierung zu Potsdam hat der Gastwirth Uthemann zu K y- riß sich willig gefunden, seine noch innerhalb der Ringmauern der Stadt sich befindlichen beiden Scheunen , obgleich selbige zu 800 Rehlr. bei der Feuer - Societät versichert waren und ihm bei ihrer Nähe hinter seinem Wohnhause eine Menge Vortheile gewährten, zur Verminderung der Feuersgefahr, welche bei einem in einer dieser Scheunen etwa entstehenden Brande für die Stadt zu befürchten war, gegen eine Ver- gütigung von 600 Rthlrx. niederzureißen, und die dasige Stadt- verordneten-Versammlung hat einstimmig beschlossen, den Be- trag jenes Kaufgeldes auf sämmt'iche Einwohner unter deö Kommunal -Steuer mit ausschreiben zu lassen. Es ist sehr zu wünschen, daß sowohl die bei dieser Gelegenheit von dem Erstgenannten bethätigte lobenswerthe Uneigennükigkeit zur Beförderung des allgemeinen Besten, als auch die bereitwillige Mitwirkung der Stadtverordnétten zu der die größere Sicher- heit der Stadt gegen Feuersgefahr bezweckenden Maaßregel, auch’ an andern Orten Nachahmung finden mögen.

Aus Köln schreibt man unterm 17ien d.: Vorge- stern Abends traf der Ritter Paganini von Bonn aus, wo er am láten ein Konzert gegeben hatte, in hiesiger Stadt ein. Am. 16ten hatte darauf sein Konzert im Schauspiel- hause statt, wo er von dem versammelten Publikum mit dem. autesten Beifalle empfangen wurde und durch die an das Wunderbare gränzende Kunstfertigkeit seines Spiels einen jeden der Zuhörer zu der höchsten Bewunderung hinriß. Von hier wird Paganini vielleicht noch die Städte Düsse!l- dorf, Elberfeld und Krefeld besachen, zum L24sten aber in Kassel eintreffen, wo bereits eiu großes Konzert für diesen Tag angeseßt ist.

Erwiederung: |

Herr Professor Voigt in Königsberg hat in Nr. 134

der Staats-Zeitung eine Berichtigung der in Nr: 124 desfel- |}-

ben Blattes erschienenen Anzeige meines hier ausgestellten Glasgemäldes mitgetheilt, in welcher derselbe, anstatt mit Ruhe den Berichtersiatter, darüber, daß er mir zu viel Ehre anthut, zurecht zu weisen, sich Über mich auf eine Weise ausläßt, als ob ich geflissentlih darauf ausginge, mich fr den einzigen Erfinder und Wiederhersieller der Glasmalerci auszugeben, da doch diescr Ruhm ganz allein dem Conduc- teur Heren Gersdorf in Marienburg gebühre. Daß ich mei- nem eben genannten Freunde in Rücksicht der Farben Allés verdanke, dessen habe ich jederzeit so wenig ein Hehl gehabt, ‘daß ih vielmehr Andere darauf aufmerksam gemacht habe. Hâtte sich aber Herr Professor Voigt die Mühe. gendm- men, sich genauer bei Me Gersdorf nach dem, was ich von ihm gelernt haben joll, zu erkundigen, so würde er nicht nur gleichzeitig erfahren haben, was Herr Gersdorf dagegen

in Beziehung auf Glasmalerei von mir gelernt hat, sondern

er würde daraus âuch entnommen haben, daß weder ih, nocch Herr Gersdorf, uns für die alleinigen Erfinder und Wieder-

hersteller der Glasmalerei ausgeben fônnen, und daß wir na-

mentlich ohne die Recepte des verstorbenen Mohn und ohne die Mittheilung der Versuche des Herrn Regierungs-Raths Meßger, in der Glashütte zu Zechlin, noch lange nicht so weit in der Glas- malerei seyn würden, wie wir es jeßt zu seyn uns rühmen

dürfen. Wenn äbrigens Herr Professor Voigt, wie uns

eine Anzeige vermuthen läßt, keinen Unterschied zwischen n eus und zwischen Anwendung dieser arben zum Malen solcher historishen Bilder,

Elbinger do. Westpr. Pfdb.A.

erbiete i mich, ihm unsere Farben und Oefen zukommen zu lassen, damit er versuche, ob es. ein so Leichtes sey, ein gelungenes Bild zu Stande zu bringen. a

Schließlih bemerke ih noch, daß mir Herr Gersdorf

seinen Rath und seine Hälfe weder bei dem Madonnenbilde

noch bei dem Christusfopf hat zu Theil werdên lasen , wel-

chen Se. Majestät der König schon besißt. Eben so wenig ist dies der Fall in Ansehung eines andern Christusbildes , wel- hes sih im Besis Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen be- findet, noch auch bei zwei Glasbildern , welche Sr. Excellenz dem Herrn Minister von Altenstein und dem Herrn Gehei- men Ober - Bergrath Frick gehören, indem die leßten beide Bilder in Breslau, die anderen beiden aber zu einer Zeit gemalt wurden, wo Herr Gersdorf sich in Zechlin befand, woselbst er mit der Bereitung von Glaspasten , -um die er unstreitig ein sehr großes Verdienst hat, dessen r Pro- fessor Voigt aber uicht mit einer Sylbe erwähnt, beschäftigt war. Was nun aber dies Madonnenbild betrifft, so ibe ih solches vor 6 Jahren in Breslau begonnen, dort jedoch nicht vollenden können, weil bei der im Jahre 1825 stattge- habten Ueberschwemmung meine Oefen, die sich in dem Sou- terrain des Universitäts-Bibliotheks - Gebäudes befanden, ver- loren gingen. Erst im Jahre 1828, bei zufälliger Anwesen- heit in Marienburg, bot sih mir die Gelegenheit dar, nebst anderen Arbeiten auch das genannte Bild zu vollenden. __ Herr Gersdorf selbst wird, wie ih hoffen darf, sich in dieser Beziehung noch dffentlich aussprechen und die Wahr- heit meiner obigen Angaben bèstätigen.

Albrecht Höcker.

Königliche Schauspiele.

Sonnabend , 22. Mai. Jm Opernhause: Semiramis, große Oper in 2 Abtheilungen, mit Ballets; Musik von Rossini. ramis, aís leßte Gastrolle.)

Zu dieser Vorstellung sind nur noch Billets zum Par-

terre und Amphitheater zu haben. H ij Die zu dieser Oper bereits gekauften mit Freitag bezeich- neten Billets bleiben dazu gültig, auch werden die noch zu verfaufenden mit Freitag bezeichnet seyn. - j i Sonntag, 23. Mai. Jm Opernhause: Romeo und Julia, Trauerspiel in 5 Abtheil., von Shakespeare. (Dlle. Lindner : Julía, als Gastrolle.) |

Königstädtisches Theater. Sonnabend, 22... Mai. Sylphide, das Seefräulein, ro- mantisch-komische Zauberposse, mit Gesang in 2 Akten.

Berliner Börse. Den 21. Mai 1830.

Ami]. Fonds - und Geld-Cours-Zettel. (Preuss. Cour.)

|Zf. [Brief [Geld z : ¡Zj |Brte} | Gel. N REIASIU T 7: D ZS A T L O Ä; 14 MEMED a: E TEEE E Z Lu P C A

St-Schuld-Scn[ 4 1004 (100 Pon. Plandbr. | 4 [106 Pr. Engl. Anl 18 1034 [1035 JKur- u. Neum. do. 1067 Pr Engl. Anl. 22 1045 | [Schlesische do. 107% Kurm Öb.m.LC. "993 1-997 Pomm. Dom. do. 1022 Neum.Int.Sch.d 99 j 992 Dlärk. do. do. 1023 Berl. Stadt- Ob. 103 Ostpr. do. do. 1024 Königsbg. do. 992. Rkst. C. d K u.N. T5 4025 Z.-Sch. d.K. u. N. 762 38 2 R S 2 | 162 Holl. vollw. Duc. 102 Neue dito 1022| fFriedrichsd'or . 1012 Disconto. .

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Danz. do. in TH.

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dito dito B. Grosshz.Pos. do. OAstpr. Pfandbrf.

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Auswärtige Börsen. : Hamburg, 19. Mai. |

Oesterr. 5proc. Metall. 1015. 4proc. 963. Part.-Oblig. 1367-

Bank - Actien 1335. Russ. Engl. Anl. 1077. Russ. Anl. Hamwv.

Cert. 1037. Dän. 72}. Poln. pr. ‘381. Mai 1277, Engl. Neap. 94. Fale. 885. j 4 |

als die erwähnte Madonnä, anzunehmen scheint, sd

N a h

r i f f.

Paris, 15. Mai. Mittelst einer telegraphischen Depesche aus Toulon vom gestrigen Datum ist hier die Nach- riht eingegangen, daß die Einschiffung sämmtlicher Expeditions-Truppen gestern vollendet worden, und daß die Flotte, wenn der Wind, wie es allen Anschein hat, günstig bleibt, heute in See stechen werde. - . E G : Heute {loß 3proc. Rente per compt. 82 Fr. 55 Cent., fin cour. 82 Fr. 65 Cent. 5proc. per compt. 105 Fr. 45 Cent., fin cour. 105 Fr. 55 Cent. 5proc. Neap. 93 Fr. 60 Cént. 5proc. Span. perp. 804.

Frankfurt a. M., 183. Mai. Oesterr. 5proc Metall. 10023. 1355. Geld. 23proc. Metall. 602, 1proc. 26. Loose zu 100 Fl. 1823.- Brief.

Gedruckt bci A. W. Hahn.

4proc. 957. Bank?Actien 1598. Partial - Oblig.

Redacteur John. Mitredacteur Cottel.

(Dlle. Sontag, Königl. Kammersängerin: Semi-

Nl Fe ete

Preußische Staats-Zeitung.

Me 142. /

Amtlihe Nachrichten. | Kronik des Tages. |

Se, Majestät der König haben des Erb-Großher- e at E: Königl. ne und des Mäárfkgrafen Wilhelm von Baden Hoheit den Schwarzen Adler -Or- den zu verleihen - geruhet.

Se. Königl. Majestät haben dem Landrath Hartung zu Mayen, 4 Regieviinas (Bolirk Koblenz „-den Titel eines Geheimen Regierungs - Raths zu verleihen und das darüber ausgefertigte Pateat Allerhdcchstjelbst zu vollziehen geruhet.

S Königl. Majestät haben Allergnädigst geruhet , den Regierungs - Assessor Schubr ing zum Regierungs-Rath bei der Regierung zu Bromberg zu ernennen. y

Des Königs Majestät haben den Obèr - Landesgerichts- Assessor Martins zum Kreis - Justizrath zu Preußisch Stargardt zu ernennen geruht. -

Bekanntmachung. Von der unterzeichneten Jmmediat-Kommission sind heute die ihr von dem Präsidium der Königl. Ober-Rechnungskam-

mer überwiesenen - Era 67 St. gedruckte und D Scié, ) úber 37,450 Rtl. 52 - geschriebene |\.. euths Obl. | 93/907 - 1sgr. 2pf. | Obligationen über « 91,357 Rtl. 1 sgr. 2 pf. 19 St. el. 1 sgr. 2pf. as vorher gewonnener Ueberzeugung von der Richtigkeit der Stückzahl und des Geldbetrages, verbrannt worden, welches hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wixd. i Berlin, den 19. Mai 1830. / Königl. FImmediat-Kommission zur Vernichtung der dazu bestimmten Staats-Papiere. v. Schüße. Büsching. Bendemann sen. v. Bredow.

“Befkfanntmachung.

Um den inländischen Wollproduzenten nüßlich zu wer- den, wird die Seehandlungs-Societät auch. in diesem Jahre, sowohl hier als in Breslau, Wolle zum -Verkauf annehmen und darauf Geld vorschießen. Hierbei werden die im vori- gen Jahre bekannt gemachten Bedingungen , wovon Exem- plare bei den Woll -Comtoiren in Berlin und Breslau zu ha- den sind, wieder zum Grunde gelegt werden. , / i

Dagegen wünscht die Seehandlungs - Societät, die Woll- sortirung für fremde Rechnung nah und nach ganz aufzu- geben. Sie hält ihre Mitwirkung hierbei, nahdem mehrere Privat - Sortirungs - Anstalten entstanden sind, für weniger nothwendig und wird daher die Sortirung und den damit ver- bundenen Verkauf der Wolle im Auslande nur noch aus- nahmsweise auf ausdrückliches Verlangen solcher Produzenten übernehmen, welche entschlossen, das G ohne Rücksicht auf den ungewissen Erfolg für eigene Gefahr fortzuseten, dasseibe zur Zeit noch keinem Andern anvertrauen. mögen und sich in Breslau bis zum 31. Mai, in Berlin aber bis zum 15. Juni dazu schriftlich melden werden. Bei der Anmel- dung zur Sortirung sind, wie es auch früher der Fall war,

10 Sgr. für jeden Centner baar einzuzahlen. Dieser Betrag *

wird den Eigenthümern bei der wirklihen Ablieferung gut- geschrieben, verfällt aber: den Sortirungs - Anstalten zur Dek- kung der vergeblich gemachten Auslagen, wenn die zur Sor- tirung angemeldete Wolle nicht in den bestimmten Terminen eingeliefert- werden soll

Die Annahme der Wolle, sowohl ‘hier als in Breslau, fann zur Erhaltung. der Ordnung nicht während der Marfr- tage, rider nur vorher vom 15. Mai ab, und nachher ín den-.drei nächsten Tagen nah den Märkten geschehen , doch

Berlin, Sonntag den 23în Mai

1830.

soll denen, welhe ihre Wolle schon früher angemeldet habet, auf besonderes schriftliches Ansuchen noch eine längere Einlies ferungsfrist bis zum 30. Juni d. J. gestattet seyn. Berlin, den 8. Mai 1830. Der Chef des Seehandlungs - Jnstituts.

(gez) Rotcher.

Angekommen: Der Fürstlich Reußische Kanzler, Res gierungs - und Konsistorial - Präsident, von Strauch, von Gera. ch i

Abgereist: Der Ober-Berg-Hauptmann und Chef des gesammten Berg -, Salz-. und Hüttenwesens, Gerhard, nach Schlesien. L \

Der evangelische Bischof und General - Supcrintendent in Pommern, Dr. Ritschl, nah Stettin.

Der Großherzoglich Badensche Capitain, Freiherr von: Rottberg, als Courier über Weimar nach Karlsruhe.

Zeitungs-Nachrichten. «¿A-1416 4.0# d

Srantrei c.

Paris, 15. Mai. Gestern Vormittag verfügte der Fürst vou Polignac sich nach Saint-Cloud, um mit Sr. Maje- stát zu arbeiten. Heute früh begab der König sich nah dem. Pallaste Elysée-Bourbon, um die daselbst: für den König und die Königin von Neapel eingerichteten Ziminer in Augenschein. zu nehmen. JZhre Sicilianische Majestäten, welche nach der Reiseroutre erst am 15ten in Rambouillet eintreffen sollten, sind bereits gestern dort angelangt und werden heute in die- ser Hauptstadt erwartet, Die Dauphine ist Jhren Sicilia- nischen Majestäten auf dem Wege nach Rambouillet entge- gengefahren. Der Dauphin wird zu Mittag in Saint-Cloud erwartet. :

In Rosny werden Anstalten zu einem glänzenden Feste getroffen, das die Herzogin von Berry ihren erlauchten Ael- tern zu geben beabsichtigt. j

Der Herzog von Blacas ist zum Gouverneur des Pal-- lastes Elysée-Bourbon, fär die Zeit, daß Jhre Sicilianischen Majestäten denselben bewohnen werden, ernannt worden. Mehrere Personen vom Gefolge des Königs von Neapel, - unter andern der Ober - Jägermeister , Herzog von San Va- lentino, us bereits gestern hier eingetroffen.

Während seiner Anwesenheit in Toulon nahm der Dau- phin auch die dortigen Bagnos in Augenschein ; -Se. Königl. Hoheit haben - bei dieser Gelegenheit 20 Strafgefangene be-

nadigt. L

: Die Gazette de France giebt folgende Uebersicht des Bestandes der gesammten Expeditions-Armee und der zu ih- rem Transporte bestimmten Flotte: Generalstab. Graf v.- Bourmont, Ober-Befehlshaber. General-Lieutenant Des- prez, Chef, und General-Major Tholosé, Unter-Chef des Ge- neralstabes. Militair - Jntendantur. Baron Denz niée, Ober-Jntendant. Ferino, General-Zahlmeister. Roux, General-Stabsarzt. Der Name des Direktors des Postwe- sens is noch nit befannt. Dolmetscher: Erste Klasse mit Obersten-Rang : - Girardin und Daubignosc, mit diplo- matischen Aufträgen: abgesandt; Jakob Habaiby gewesener Mamelucketi-Oberst bei der Kaiserl. Garde; Zaccar und Pus- - fich. Zweite Klassé mit dem Range von Esfadrons - Chefs : Vincent, Müller, Desalle. Dritte Klasse mit Hauptmanns- Rang: Abitbal, Boyer, Abdalha d’Asbonne, Gautier, Bour- cet, Dumesnil. Wegweisende Dolmetscher mit Lieutenants- Rang: Joseph und Daud Habaïiby, Semanne, Salem, Mon- -

ty-Nathan, Azaria, v. Subos, Abd-:el-Molack. j