1899 / 79 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Stettin, der Amtsrichter Blankenstein in Bialla an das Amtsgericzt in Tilsit, der Amtsrichter Lüttig in Bochum als Landrichter an das Landgericht daselbst, der Amisrichter Lüders in Altona als Landrihter an das Landgericht daselbst und der Amtsrichter Rudzinski in Lands- berg O. -Schl. an das Amtsgeriht in Namslau, ferner der Staatsanwaltshafts-Rath Pult vom Landgericht in Köln an das Ober-Landesgericht daselbst, der Staatsanwalt Mittag in Glogau an das Landgericht [T in Berlin, der Staatsanwalt Engel in Ratibor an das Landgericht T in Berlin und der S Ackermann in Gleiwiß an das Landgericht in reélau.

Dem Notar Nehring in Oschersleben ist die nahgesuchte Entlassung aus dem Amt ertheilt.

Dem Notar Reusch in Magdeburg-Neustadt is der Wohnsiy in Magdeburg-Aitstadt angewiesen.

Der Rechtsanwalt Hausmann in Berlin ist zum Notar für den Bezirk des Kammergerichts mit der Verpflichtung, innerhalb der Stadtbezirke 35 und 36 zu wohnen und seine Geschäftsräume zu halten, ernannt worden.

Jn der Liste der Rechtsanwälte sind gelöscht: der Rechts- anwalt, Justiz-Rath Richter bei dem Landgericht in Koblenz und der Rehtsanwalt Scholz bei dem Landgericht in Breslau.

I die Liste der Rechtsanwälte find eingetragen: der Gerichts - Assessor Liedke bei dem Ober-Landesgericht in Kiel und der Gerichts-Assessor Geutebrücck bei dem Ober-Landes- geriht in Naumburg.

Der Amtsgerihts-Rath Panzer in Naugard ift gestorben.

Angekommen: der Ministerial-Direktor im Ministerium des Jnnern, Wirklihe Geheime Ober-Regierungs-Rath Dr. von Bitter, vom Urlaub.

In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „NReichs- und Staats-Anzeigers“ werden ein Allerhöchster Erlaß vom 22. März d. J., betreffend anderweite Ab- grenzung der Verwaltungsbezirke mehrerer Eisen- bahn-Direktionen, und eine Verfügung des Ministers der offentlichen Arbeiten, betreffend anderweite Fest- stellung des Grenzpunktes zwischen den Eisenbahn- Direktionsbezirken Breslau undPosen beiStation Glogau, veröffentlicht.

Die Personal-Veränderungen in der Armee 2c. befinden si in der Ersten Beilage.

Nichtamtliches. Deutsches Reih.

Preußen. Berlin, 4. April.

Seine Majestät der Kaiser und König empfingen am ersten und zweiten Osterfeiertage Nachmittags den Unter- Staatssekretär im Auswärtigen Amt Freiherrn von Richthofen und gestern Abend den Staatssekretär des Auswärtigen Amts von Bülow zum Vortrag. :

Heute Vormittag hörten Seine Mazestät die Vorträge des Chefs des Militärkabinets, Generals von Hahnke, des den General-Jnspefteur des Jngenieur- und Pionier-Korps und der Festungen vertretenden Generalleutnants Freiherrn von der Golß, sowie des Chefs des Admiralstabes der Marine, Kontre-Admirals Bendemann.

Am 31. März ve:schied zu Charlottenburg der Kaiserliche Geheime Regierungé-Rath, frübere Telegraphen-Jngenieur im Reichs-:Postamt, Dr. Philipp Wilhelm Brix im 82. Lebent- jahre. Geboren zu Berlin, studierte er hier und in Königsberg Mathematikund Naturwissenschaften, um Lehrer zu werden. Nach- dem im Zahre 1842 eine Abhandlung von ihm „Ucber die latente Wärme der Dämpfe verschiedener Flüssigkeiten bei deren Siedetemperatur“ erschienen war, übertrug ihm 1847 das Königlich preußische Handels-Minisierium durch Vermittelung des Vereins zur Beförderung des Gemwerbefleißes „Unter- suhungen über die Heizkraft der wichtigeren Brennstoffe“, die ihn bis 1851 beschäftigten; sein darüter geschriebenes Werk (gedruckt 1853) wird noch jeßt in der Wissenschaft geshäßt. Die entscheidende Wendung in seinem Leben brachte das Jahr 1853: der deutsch-österreichishe Telegraphenv-rein überirug ihm die Redaktion sciner Zeitschrift, der ersten wissenschafilihen Zeitschrift auf dem Gebiete der Tele-

raphie, w:zlche Brix von 1854 bis 1869 herau2gab. Jm Jahre 1861 trat er in ein engeres Verhältniß zur preußischen Telegraphen-Verwaltung, indem er als Lehrer an der Telegraphen- Schule angestellt wurde. Zugleich war er Lehrer der elektrischen Telegraphie an der Bau-Akademie, später an der Technischen Poniguie eine Stellung, die er bis 1882 befleidete.

{s in der Mitte der siebziger Jahre die zunehmende Aus- breitung des eleftrishen Telegraphen an die Telegraphen- Verwaltung auch in wissenschaftliher Beziehung erhöhte An- forderungen stellte, wurde Brix im Jahre 1876 zum Jngenieur beim General:-Telegraphenamt mit dem Rang der Räthe vierter Klasse ernannt. Als tehnisch-wissenschaftlicher Beirath der Tele- graphen-Verwaltung hat er ch um die Entwickelung der deutschen Telegraphie große Verdienste erworben, naméntlich auch durch seine Mitwirkung bei der Herstellung des großen Netes unter- irdisher Leitungen während der Jahre 1876 bis 1880. Als im Jahre 1877 das Kaiserlicze Patentamt errichtet wurde, übernahm Brix eine Stelle als nichtständiges Mit- glied, in welcher Eigenschaft er bis 1882 thätig blieb. { ien 1881 wurde erc als Mitglied der Jury an der elektrischen Ausftellung nah Paris entsandt. 248 Vollendung des siebzigsten Lebensjahres erbat Brix seine Entlassung aus dem Dienst, die ihm im Jahre 1888 unter Verleihung des Charafters als G:heimer Regierungs-Rath gewährt wurde. Seitdem lebte er zurückgezogen in Charlottenburg.

Brix war ein Mann von lauterem Charakter, großer Einfachheit, Bescheitenheit und Freundlichk-it, ein pflichitreuer Beamter; er erfreute sich sowohl bei den Angehörigen der Telegraphen-Verwaltung, als bei den fahwissenschaftlihen Vereinen, denen er angehörte, der größten Beliebtheit.

Der Kaiserliche Botschafter in Rom, Wirkliche Geheime Rath Freiherr von Saurma-Jeltsch hat einen ihm Aller-

E ewilligten Urlaub angetreten. Während der Abwesen-

eit desselben fungiert der Erste Sekretär der Kaiserlichen Bolschaft, Legations-Rath Erbgraf zu Castell-Rü den- hausen, als Geschäftsträger.

Der Kaiserlihe Gesandte in Brüssel, Wirklihe Geheime Rath Graf von Alvensleben hat einen ihm Allerhöchst bewilligten furzen Urlaub angetreten. Während der Abwesen- heit desselben fungiert der etatsmäßige Legations-Sekretär der Kaiserlihen Gesandtschaft, Legations-Rath Rücker-Jenisch als Geschäftsträger.

Der Königliche Gesandte in München Graf von Monts ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten kurzen Urlaub auf seinen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandt- schaft wieder übernommen.

Der hiesige Königlich Es Gesandte Graf von Lerchenfeld-Köfering hat Berlin mit kurzem Urlaub ver- lassen. Während seiner Abwesenheit fungiert der Legations- Rath Freiherr von Guttenberg als Geschäftsträger.

Der hiesige Königlich \{chwedis{ch-norwegische Gesandte von Lagerheim hat Berlin mit kurzem Urlaub verlassen. Während seiner Abwesenheit fungiert der Legations-Sekretär von Trolle als Geschäftsträger.

Der Regierungs-Affessor Dr. Lie ntaia zu Meseriß ist der Königlichen Regierung zu Marienwerder und der Re- gierungs-Assessor von Loeper der Königlichen Regierung zu Es zur weiteren dienstlihen Verwendung überwiesen worden.

Der Regierungs-Affsessor Dr. jur. Hoffmann, z. Z. in Lübe, ist bis auf weiteres dem Landrath des Kreises Neu- stettin und der Regierungs-Assessor Kleinau zu Lehe dem Landrath des Landfreises Trier zur Hilfeleistung in den land- räthlihen Geschäften zugetheilt worden.

Nach telegraphischen Mittheilungen an den Admiralstab der Marine ist S. M. S. „Geier“, Kommandant: Korvetten- Kapitän Jacobsen, am 1. April in Callao angekommen und beabsichtigt, am 10. April nah Panama in See zu gehen ; S. M. S. „Loreley“, Kommandant: Kapitänleutnant von Levéßow, ist am 2. April in Jaffa eingetroffen und wollte von dort heute nah Port-Said in See gehen; S. M. S. „Deutschland“, Kommandant: Kapitän zur See Müller, ist am 3. April in Kiautshou angekommen.

Vaden.

Le Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin begaben sih, wie die „Karlsr. Ztg.“ meldet, am 1. d. M. Vormittags von Karlsruhe nach Baden-Baden, um dem’ Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe persönlich Jhre Glückwünsche zum Geburtstage darzubringen. Mittags kehrten Jhre Königlichen Hoheiten nah Karlsruhe zurü.

Oldenburg.

(H.) Der Landtag isst am 29. v. M. geschlossen worden. Die nächste Veranlassung zu der dificcorbanie lihen Berufung des Landtages war die Berathung des Ausführungsgeseßes zum Bürgerlihen Geseßbbuch und der infolge des leßteren erforderlih werdenden Landesgeseße; es ist dem Landtage indeß auch eine Reihe anderer Vorlagen gemacht worden. Von diesen wurden angenommen die Geseßentwürfe, betreffend: die Ausführung des Bürgerlihen Geseßbuchs und des Handelsgesezßbuhs, die Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung, die Ausführung der Grundbuchordnung, das Grunderbreht, die Enteignungsgeseße, die Angelegen- heiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, das nußbare Eigen- thum an Grundstücken, die neue Gesindeordnung. Abgelehnt wurde der von der Staatsregierung vorgelegte Gesehentwurf über Einführung des Notariats.

Deutsche Kolonien.

Ueber meuterishe Vorgänge auf der Station Buëa im Schußgebiet Kamerun berihtet das „Deutsche Kolonialblatt“ Folgendes:

Am 26. Januar d. J. erfubr der Stationéleiter Leuschngr durch Anzeige . eines {warz:n Polizeisoldaten, daß die sämmtlichen Soldaten (12 Mann) geshworen hätten, bei nächster Gelegenheit die Weißen der Station zu ermorden, den Kafsenshrank zu erbrechen und nach Old Calabar zu entfliehen. Leuschoer erbat infolge- defsen vom Kaiferlihen Gouvernement sofortige Ablêsfung der Truppe. Am Tage vor Arkunft dieser Ablösung sah sich Leuschner infolge der drohenden Haltung einzelner Soldaten veranlaßt, die ganze Besatzung zu entwaffnen und zu verhaften. Er wac zu diesem Vor-

ehen gezwungen worden dur mehrfahe Drohungen, welche einzelne

oldaten gegen den Kaufmann Lubke ausftießen. Leuschner ver- ftändigte die Weißen und beshloß, am Sonntag, den 29. Januar, teim Nahhmittagsappell zur Festnahme der Soldaten zu schreiten. Die zusammengerufenea Weißen versammelten sh möglichst unbemerkt in Leushner's Wohnung. Um 3 Uhr ließ Leuschner die Truppe vor seinem Hause zum Appell antreten, li-ß die Gewehre durch den Gärtner Schönfeld untersuhen und begab sih selbst ins Pafkaverbaus, an- geblich zur Kleiderauëgabe. Schönfeld ließ die Gewehre zusammen- setzen, die Seitengewehre ablegen und die Soldaten zum Empfang der Kleider in die Halle des Palaverhauses treten. Die Soldaten geborchten obne weiteres, nur beim Ablegen des Seitengewehrs foll der Unteroffizier Johnson einen Augenblick gezögert haben. Als die Soldaten in die Palavecballe traten, bemächtigten sich die Weißen der Waffen. Leushner eröffnete nunmehr den Soldaten, daß sie gefangen seien. In demselben Moment aber seßten die sämmt- liden Soldaten über die die Halle an ihrer offenen Seite begrenzende Barriere, um zu entfliehen, nur der Schwarze Jammamu stürzte auf Leuschner zu und wurde von diesem mit einem NRevolvershuß nieder- gestreckt. Als die Soldaten über die Barriere seßten, gaben die Weißen Feuer. Außer Jammamu blieben noch auf dem Platze die Weyjungen Momobesse, Awbuley und Bcyma. Die übrigen eztkamen, Leuschner bewaffnete die Togoleute der Station und ließ durch diese die Wachen beseyen, bis die Ablösung eintraf.

Auf die Kunde von den Ereignissen hatte fich der stellvertretende Gouverneur Dr. Seiß ebenfalls nah Bua begeten und war am 2. Februar daselbft eingetrcfffen. Es hatten si zu dieser Zeit bereits zwei der geflüchteten Soldaten, ter in die Schulter geshossene Wey- junge Mtla und der Unteroffizier Johnson, in Victoria Lei dem Polizeimeister Brückner wieter gestellt und im Laufe der nädhsten Tagçe kamen auc sämmilihe übrigen Flüchtlinge bis auf drei, welche ih vermuthlih$ rah dem Mungoflusse gewandt haben, wieder zurü. Bei der Untersuung des Vorfalls bat der stelloertretende Gouverneur die Ueberzeugung gewonnen, dai £6 ih nit um einen bestimmten Plan der Weyjungen handelte, daß vielmehr der s{chwarze Unteroffizier Fohnson die Agitation nur angezettelt hatte, um die sämmtlichen

Soldaten s{chwören zu lassen, alle Palaver vor ihn und niht vor Leuschner zu bringen und sih somit eine nie versiegende Beldquelle zu vershaffen. Bei der seitens des stellvertretenden Gouverneurs fofort eingeleiteten Untersuchung wurden, nahdem die Rädelsführer bei tem Ene gefallen waren, die sämmtlichen übrigen Betheiligten zu ängeren Freiheitéstrafen verurtbeilt und aus der Polizeitruppe aus- gestoßen. Die Angelegenheit ift jedenfalls als erledigt zu betrachten, und Weiterungen sind nicht zu befürchten.

Oesfterreih-Ungarn.

Der Erzherzog Ernst, dec zweite, am 8. August 1824 zu Mailand geborene Sohn des am 16. Januar 1853 ver- storbenen Erzherzogs Rainer und der am 25. Dezember 1856 verstorbenen Erzherzogin Elisabeth, geborenen Prinzessin von Savoyen-Carignan, ist, wie „W. gangenen Nacht in Arco verschieden.

Frankreich.

Der Admiral Fournier hat, dem „W. T. B.“ zufolge, den Befehl erhalten, zur Begrüßung des Königs und der Königin von Jtalien anläßlih Allerhöchstderen Reise nah Sardinien mit einem Geschwader von Toulon nah Cagliari in See zu gehen. :

Der General Archinard, Oberkommandierender der Truppen in Jndochina, ist schwer erkrankt und hat sich am 30. März in Saigon nah Frankreich eingeschifft. i

Der Untersuchungsrichter Fabre hat die Einstellung des Verfahrens gegen den Obersten Monteil und andere Mit- glieder der Liga der nationalen Vertheidigung be- chlossen, weil diese Liga weniger als 22 Mitglieder umfasse.

Der „Figaro“ fährt heute mit der Veröffentlihung der Untersuchungsakten in der Angelegcnheit Dreyfus fort und bringt die Aussagen des früheren Ministers Poincaré und des Generals Noget.

Rußland.

Wie der „Politischen Korrespondenz“ aus St. Peters- burg gemeldet wird, stände eine offizióse Mittheilung an den Vatikan in dem Sinne unmittelbar bevor, daß eine Einladung zur Beshickung der Abrüstungskonferenz nicht er- folge, da zur Betheiligung an der Konferenz nur Staaten eingeladen würden, welche stehende Heere unterhielten. Die Mittheilung werde in freundschaftlichstem Tone gehalten sein und die wärmste Anerkerinung für die Wirksamkeit des Papstes Leo XTI. und dessen Eintreten für die Friedensidee ausdrücken.

Nach einer dem „W. T. B.“ zugegangenen Meldung aus St. Petersburg ist es auch unter den Studenten des Berginstituts wiederholt zu Unruhen gekommen, sodaß eine regelrehte Lehrthätigkeit niht mehr möglich sei. Sämmtliche Studenten seien exmatrifuliert worden. Ueber die Bedingungen der Wiederaufnahme seien der Jnstitutsobrigkeit Instruktionen ertheilt.

Ftalien.

Die Aerzte des Papstes, Doktoren Mazzoni und Lapponi entfernten, wie „W. T. B.“ meldet, am Sonnabend Abend einen kleinen, fünf Zentimeter langen Streifen kranker Haut an der operierten Stelle, Der Papst empfand hierbei keinerlei Schmerz. Die operierte Stelle, welche fast völlig vernarbt ist, wurde T eli mittels eines Pflasterstreifens ge\s{hlossen. Der ganze Verband wurde entfernt. Das Allgemeinbefinden des Papstes ist gut. Dr. Mazzoni wird erst am nächsten Donners- tag den Papst wieder besuchen.

Spanien.

Der Herzog von Vistahermosa ist, dem „W. T. B.“ zufolge, zum jspanishen Gesandten in St. Petersburg ernannt worden.

Schweiz.

Der Bundesrath bejtimmte als Delegirte zu der Konferenz im Haag den s{hweizerishen Gesandten in Berlin Dr. Roth, den Armee-Korps-Kommandanten, National-Rath Künzli und den National-Rath O dier in Genf.

Griechenland.

Wie die „Agence Havas“ aus Athen meldet, hat das Ministerium seine Entlassung eingereiht, welhe von dem König angenommen worden ift. Was der Anlaß zur Demission, die völlig überraschend erfolgte, gewesen, sei un- bekannt. Man glaube allgemein, daß ein Beschluß der Deputirtenkammer, welcher auf die Ungültigkeit der Wahl Zaimis” in Kalavryta abziele, die Ursache gewesen sei.

Rumänien.

Das Gesetz, durch welches das am 1. März d. J. mit Deutschland geschlossene Abkommen, betreffend den Eisen- bahn-, Post- und Telegraphenverkehr, genehmigt wird, ist, wie „W. T. B.“ meldet, vorgestern amtlich bekannt gemaht worden.

Bulgarien.

Wie die „Agence Bulgare“ aus Sofia meldet, hat der Fürst ein Dekret unterzeichnet, durh welches die Abberufung des diplomatishen Agenten in Konstantinopel Markow ver- fügt wird. :

Das Wiener „Telegr.-Korresp.-Bureau“ berichtet, es ver- laute in Sofia aus guter Quelle, daß bei Kizil-Ayatsh an der Bahnlinie Jamboli—Adrianopel ein ernsterer Zusammen- stoß zwischen türkischen und bulgarishen Grenztruppen stattgefunden habe. Die Türken hätten die |chwachen bulgarischen Grenzposten angegriffen, seien jedoch mit Hilfe der bewaffneten Bevölkerung zurückgeworfen worden. Der Kampf habe vier Stunden gewährt, auf beiden Seiten seien" Verluste an Todten und Verwundeten zu verzeihnen. Anlaß zum Kampf habe der von türkisher Seite gemachte Versuh geboten, sich einer bisher in bulgarischem Besiß befindlichen Anhöhe zu be- mächtigen.

Dänemark.

Bezüglich der Absendung eines dänischen Kreuzers nah Ost-Asien stellt „Rißau's Bureau“ c daß dieselbe lediglich den Zweck habe, die gegenwärtige Handelsposition Dänemarks in Siam und China zu befestigen, und daß man keinerlei politische Ziele damit verfolge.

Amerita.

Aus Manila ist, wie das „Reuter'she Bureau“ berichtet, eine Depesche des Generals Otis vom gestrigen Tage in Washington eingetroffen, welche besagt: Die gegenwärtigen Anzeichen deuteten darauf hin, daß die Neg eraus der Auf- ständischen si in bedenklicher Lage bifinde. Die Aufständischen seien geshlagen, entmuthigt und zersprengt. Sie kehrten in

T. B.“ meldet, in der ver-

ihre Wohnstätten in den Städten und Ortschaften zwischen

Manila und den nördlich von Malolos gelegenen Punkten, bis zu denen die amerikanishen Rekognoszierungspatrouillen vor- avi zurück und suchten den Schuß der Ameri- aner nah.

Das spanische Kasino in Matanzas auf Cuba ist in der Nacht zum Montag durch Feuer zerstört worden. __ Der mexikanische Kongreß ist am Sonnabend mit einer Botschaft des Präsidenten P orfirio Diaz eröffnet worden in welcher es, dem „W. T. B.“ zufolge, heißt: Der Abschluß des Staatshaushalts pro 1897/98 habe einen Ueberschuß von 1 Million Pesos ergeben. Das Budget pro 1898/99 werde sih voraussichtlich günstiger gestalten, da die regelmäßigen Einnahmen für das erste Halbjahr den Betrag von 28 Millionen Pesos über- stiegen, d. h. 21/7 Millionen Pesos mehr als für die gleiche Periode des vorangegangenen Ie betrügen, was als eine natür- lihe Folge der befriedigenden Entwickelung des Landes anzusehen sei. Die Werthsteigerung aller mexikanischen Fonds lasse die Möglichkeit ciner Verringerung der für den Dienst derselben erforderlichen Aufwendungen in absehbarer Zeit erwarten. Die günstige Aufnahme der keine jpenenen Sicher- heiten besizenden mexikanishen Silber - Anleihen auf den europäischen Märkten beweise die zunehmende Beliebtheit, deren sih die mexikanishen Fonds im Auslande erfreuten.

Asien.

Li-Hung-Tschang hatte, wie die „Times“ erfährt, am Sonntag eine längere Audieyz bei der Kaiserin - Wittwe und wurde mit großer Auszeihnung empfangen.

Dasselbe Blatt meldet, die chinesishen Behörden hätten dem britischen Konsul in Tientsin amtlich mitgetheilt, daß der ganze Uferrand an dem fkürzlih eröffneten Hafen von Tshinwantao für die chinesishe Maschinenbau- und Berawerksgesellschaft zurückbehalten sei. Dieses Vorgehen mache die Eröffnung des Hafens unwirksam, da es der Gesellschaft ein Monopol gebe.

Afrika.

Aus Djibuti vom 1. d. M. wird berichtet, daß die Mission Marchand am 11. März in vorzüglicher Ge- sundheit in Adis Abeba eingetroffen sei. Die Ankunft der- a in Djibuti werde voraussichtlih Ende dieses Monats erfolgen. :

Der Präsident Krüger ist, wie das „Reuter'she Bureau“ meldet, am Sonnabend in Johannesburg eingetroffen und mit großer Begeisterung empfangen worden. Jn Beantwoitung verschiedener Ansprachen L der Präsident aus, daß die Ausübung der bürgerlichen Rechte von ihm den Fremden deshalb nicht früher zugestanden worden sei, weil er befürchtet habe, die alten Burghers, deren Zahl zur Zeit der Eröffnung der Gold- felder nur 10000 betragen hate, könnten ganz untergehen. Da dieselben aber E zwischen 30 000 und 40 000 zählten, so beabsichtige er, dem Volksraad eine Herabseßung der Frist zur Erlangung der bürgerlihen Rechte vorzuschlagen. Jedoch solle eine gleichzeitige Zugchörigkeit zu zwei Nationalitäten unter- sagt sein, und die neu Hinzukommenden müßten ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben, bevor sie Burghers werden könnten.

Kunst und Wissenschaft.

Der Kaiser Friedrih-Museums-Verein berichtet über seine neuesten E:werbungen Folgendes:

Im Sommer 1898 wurde der lange schon in Auésicht stebende Verkauf der ntederländishen Bilder des Lord Francis Pelbam Clinton Hope durch Gerichtsbeshluß gestattet. Mit dem Direktor der König- lichen Gemälde-Galerie war der Vorstand des Kaiser Friedrich-Museums- Vereins der Ueberzeugung, daß sih hiermit eine der leßten Gelegen- heiten bôte, eine Anzabl garz_ bervorragender Gemälde der besten belländishen Kleinmeifter des 17. Jahrhunderts, wie aub ein Paar Landschaften des P. P. Rubens, der als Landschafter in Berlin gar- nit vertreten war, für die Berliner Galerie zu erwerben.

Nah Einverleibung der Peel-Kollektion in die Londoner National Gallery, nah Verwandlung der Sa:- mlungen der Lady Wallace in ein öffeniliches Museum konnte die Clinton Hope-Sammlung, die wesentlich {hon im 18. Jabrhundert in Holland zusammengebracht worden war, für die namentlich an Meisterw:rken der holländischen Genremoalerei reiste Privatgalerie gelten. Auf Anregung und nah Auswahl des Direktors der Königlihen Gemälde-Galerie, mit Rücksiht darauf, daß die Berliner Galerie verbältniß- máßig arm an Meisterwerken der holländishen Kleinmeister ift, daß aber Mittel zur Erwerbung derartiger Gemälde der Königlichen Sammlung für längere Zeit nidt zur Verfügung stehen, Lesch'oß der Vorstand des Kaiser Friedri - Museums - Vereins, seine Mittel sür Ankäufe aus ter Hope - Sammlung vollständig aufzuwenden und darüber hinaus eine größere Summe, die seitens eines Mitgliets des Vereins dargeliehen wurde, einzuseßen. Die Wahl fiel auf die sieben im Folgendes aufgezählten Gemälde:

1) P. P. Rubens. Kleine Landschaft. Ebene bei Sonnen- untergang. Von freier Kühnheit der Behandlung und leuchtender Farbigkeit. i

2) Adriaan van de Belde. Die Farm. Große, reie, im- portante Komposition mit Figuren und Thieren. Bezeichnet und datiert von 1666. Vielleicht das schönste Bild des Meisters.

3) Jan van der Meer van Delft. Fnterieur mit zwei Figuren. Eines der reichsten Bilder dieses besonders seltenen und hochgeschäßten ie Von glänzender Farbigkeit und außerordentliher Naam-

usion.

4) Nicolaas Maes. Alte Frau beim Aepfelshälen. Eines von den guten und frühen Werken dieses später entarteten Rembrandt- Schülers Um 1550 entstanden.

5) Jan Steen. Die Kindstaufe. Bezeichnet mit dem Namen des Meisters. - Besonders sorafsam und liebevoll durhgeführtes Ge- mälde dieses fehr ungleihen Malers.

Jan van der Heyde. Das Kirchdorf. Bezeichnet mit den ersten Buchstaben des Meisternamens. Die Figuren von Adriaan van de Velde. Von diesem vornehmsten holländishen Architekturmaler besaß die Berliner Galerie bisher nichts.

7) P. P. Rubens. Der Schiffbruch des Aeneas. Heroische Landschaft. Bon Bolswert 0a unter dem ängegebenen Titel. (Das zuleßt genannte Gemälde is dem Kaiser Friedrich-VMuseums- Verein von einem deutshen, in Ergland lebenden Kunstfceunde gesenkt worden.)

__Aus München wird geschrieben: Die von der Münchener günstler- Genossens hast veranstaltet Münchener Jahres-

Ausstellung 1899 im Königlichen Glaspalast wird- auch in

diesem Jahre am 1. Juni eröffnet werden. Der Termin für die Anmel- dungen {ließt am 30. ies die Einsendung der Kunstwerke hat in der Zeit zwischen dem 10. und 30. April zu erfolgen. Aus den jeßt shon vorhandenen Anmeldungen ist mit Sicherheit zu ersehen, daß der Jahresausftellung 1899 seitens der Künstlerschaft Deutschlands und des Auelandes dabselbe rege Interesse zu theil wird, wie solhes immer zu ver- zzihnen war.

In Stockholm is, dem „W. T. B.“ zufolge, von dem Assistenten Martin, welher nah Stkhirien gereis {ft, um die Zuverlässigkeit der leßten Gerüchte, betreffend Andróe , zu untersuchen,

folgendes Telegramm eingetroffen : „Tomsk, 31. März: Habe Ljalin ausgefragt. Er versichert, mehrere Tungusen berichteten, daß sie drei Leichen gefunden sowie einen großen, sofüberzogenen, ziemlich langen Gegenstand, woran Gestell mit Metallstangen befestigt war. Leichen waren in belle Kleider gekleidet, welhe russisher Kleidung nicht ähnlih. Stiefel mit Fell oefüttert. Ich reise nah Krasnojarsk und weiter nah Goldfeldern. Alles wohl. Martin.“

Literatur.

Aus Dresden vom 3. April wird dem „W. T. B.“ berichtet : In dem benachbarten Lindenhof in Coswig ftarb am Oster- sonntag im 89, Lebensjahre nah karzer Krankheit die Dichterin und Novellistin Caroline Pierson, Wittwe des Komponisten und Universitäts - Professors H. H. Pierson. In den wvierziger Jahren war die Verstorbene als deutshe Improvisatorin unter dem Namen Leonhardt-Lyser hochge feiert; u. A. richtete Friedri Rückert ein Gedicht an sie mit der Aufschrift „Deuts{lands Corinna“. Bis in ihr hohes Alter war Caroline Pierson \criftstelleri{ch erfolg- reich thätig. Von ihren Söhnen find der Verlagëbuhbändler G, ierson, der Psychiater Dr. R Pierfon und der Theater-Intendantur- : e Geheime Regierungs-Rath H. Pierson in weiteren Kreisen ekann

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Der Ausbruch der Mavl- und Klauenseuche is dem Kaiserliben Gesundheitéäamt gemeldet worden von den Schlacht- Viebböfen zu München und Regensburg am 1. April 1899,

Theater und Musik.

Berliner Theater.

Am Sonnabend ging ein franzößsher Schwank „Plaß den Frauen!“ von A. Valabrògue und . Hennequin in der deutshen Uebertragung voa Bolten-Bädckers erstmalig in Scene. Die Verfasser Bibra die moderne Frauenbewegung zur Zielsheibe ihres Wihßes gewäblt und sind vor keiner Ueber- treibung zurückgeshreckt, um glaubhafte Gründe aufzuführen für die Verke hrung aller Familien- und gesellshaftlihen Verhältnisse, wie sie sih im Hause Caëcadier, einer Brutstätte der Frauenemanzipation, entwideln. . Die Damen des Hauses widmen sich künstlerishen und gelehrten Berufen ; sie malen, heilen Kranke und plaidieren vor Gericht, während der Ehegatte und Familienvater mit umgebängter Küchenschürze die Wäsche zählt. Was \sih aus folher Sachlage an übermüthbigen Verwickelungen ergeben kann, haben die Verfaffer mit sharfem Spür- sinn herausgefunden und derb possenhaft verwerthet. Zum Schluß der Farce fehrt wenigstens ein Mitglied der Frauenliga reu- und demüthig zu ibrem jungen Ebeherrn und der alten, guten Sitte zurück. Auf treffende Charakteristik der handelnden Personen ift wenig Gewicht gelegt worden. Die Autoren bezweckten nur drastische Wirkungen , und diese werden natürlich mit lustigen Karikaruren leichter erzielt. In der Darftellurg zeihneten fih besonders die weiblihen Mitglieder der Bükne durch die Trefflichkeit ihrer Leistungen aus. Frau Pras - Grevenberg als k.cke Malerin trug die Launen der Künstlerin und der Frau mit groteskem

umor vor. Fräulein Frauendorfer ftolzierte zu allgemeinem Ergößen als weibliher Arzt mit männliher Sicherheit und Un- gezwungenheit umber, und Fräulein Wenck fand sich als plaidierender Advokat ausgezeichnet in den {wunghaften Vortrag und die über- rashende Schlagfertigkeit des Dialektikers hinein. Den anmuthigen Gegensay zu diesen drei streitbaren Damen bildete Fräulein von Pazatka als zärtlihe Gattin und treu pflegende Mutter. Die Rolle des beklagenswerthen Ehegatten der Maleriy, Pontgirard, spielte ein Gasft, Herr Homma, mit etwas shwerfälliger Komik, aber, soweit er die Manier des rrn Alexander glücklich nahahmte, doch nit ohne Wirkung. Die Herren Hansen (Gerichts- Präsident) und Haßkerl (Advokat) trugen in der Gerihtsscene durch ihre drollige Laune nicht unbeträhtlich zur Erheiterung der Zuschauer bei.

Metropol-Theater.

Das gegenwäztig stattfindende Gast'piel des französishen Schau- spielers Mr. Séverin in dem Mimodrama „Chand d’habits“ („Der Kleiderhändler“) von Catulle Mendès iff ein erneuter Bersuch, der fast außer Kurs gesetzten Kunstgattung einer wirkli ernst zu nehmenden fkünstlerishen Pantomime wieder Bedeutung zu geben. Da gerade diese Art der Komödie mit der Fähigkeit des Darstellers steht nud fällt, ja fogar für ihre voll- endete Darstellung ein Spezialistenthum erfordert, fo war man umsomehr gespannt, was geboten werden würde, als Mr. Sóverin ein bedeutender Ruf voranging. Dieser Schauspieler verfügt in der That über eine außerordentlihe mimisde Fähigkeit ; seine Augen, sein Mund, seine Hände, ja sein ganzer Körper arbeiten mit einer schier unglaublihen Eindringlihkeit des Ausdrucks. Er ist im stande, zuweilen die feinsten se lishen Regungen nur durch die Bewegung einer Wimper dem Beschauer zu vermitteln; und das geschieht, ohne daß die Gesammtleistung den großen Zug verlöre und fkleinlich würde. Die JIndioidualität, die er vor Augen führen will, steht vi:lmehr gesblofsen, in tragisher Größe da, nicht beshränkt durch die Zufälligkeiten und engen Grenzen des Wortes, ganz Anschauung, ganz nur bis ins allerfeinste gesteiaerter Ausdruck. Die Gestalt, die er verkörpert, ift die des Pierrot, eine in der Pantomime 1ypisch gewordene Figur, welhe die menshlihe Seele mit all ihrer Sehnsucht, mit threm Leid und ihrer Lust, mit ihrer näcrishen Einfalt und ihren dämo- nischen Trieben versinnbildlidt. Das Ganze huscht an dem Zu- shauer vorüber wie ein lautloser Spuk, dessen tiefere Bedeutung er ahaend begreift. Der Inhalt des von Catulle Mentòs ver- saßen Mimodramas is kurz folgender: Pierrot, von seiner Ge- liebten verlassen, aller Geldmittel tar, hat sich an einem Laternen- pfahl aufgehängt. Da kommt eine lustige Schaar herangetollt, mit ihr die Tänzerin Musidore, welche, zurückbleibend, Pierrot entdeckt und ihn mit Hilfe eines Kutschers aus seiner peinlichen Lage befceit und ins Lebea zurückcuft. Pierrot will foctan nur für sie leben. Um sih Geld und prunkende Kleider zu verschaffen, erstiht und beraubt er einen alten, des Weges kom- menden Kleioechändler. Jeßt ist er reih und will sih mit Musidore einem Leben der Liebe und des Genusses hingeben. Aber da beginnen die Gewissenébisse ihn zu peinigen. Ueberall hört er den Ruf des Kleiderhändlers, „Chand d’habits“, und überall sieht er dessen furhtbares Gespenst leibhaftig vor fich, Wenn er mit der Geliebten trin.t, reißt ibm das Gespenst das Glas aus der Hand; will er fe umfangen, tritt ihm das Gespenst entgegen. Bei einem He te in der Wohnung der Musidore {chlägt er in blinder uth nund Verzweiflung auf einen anderen Gast ein, weil das Gespenst sich ihm kurz zuvor in dessen Gestalt gezeigt hat. ieraus entfteht ein Duell. Er fiht; aber wieder steht statt des

egners der Kleiderhändler vor ihm, dem die Spiße des Degens, mit dem er von binten erstohen worden war, aus der Brust hervorragt. Das Gespenst verlangt von Pierrot einen Kuß, drückt ihn an sich und zieht ihn mit in die Tiefe. Mr. Séverin wird von dem ersonal des Metropol-Theaters auf das beste unterstüßt, so ganz esonders von Fräulein Robertine als Musidore und Herrn Helmerding als Kleiderhändler. Die die Vorgänge begleitende Musik von Jules Bouvalt ift sehr charatteristisch und fein durchgearbeitet und hat in Herrn Kapellm-ister Einödshofer einen gewandten Inter- preten gefunden.

Morgen findet auf Allerhöhchsten Befehl im Neuen König- lihen Opern-Theater ein einmaliges Gastspiel der Mitglieder des Kaiserlichen Alexandra- Theaters in St. Petersburg N Gawrilowna Sàwina) unter persönlicher Leitung des Hof -

heater- Direktors A. Dolinoff ftatt. Zur Aufführung Le „Wassilissa Melentjewa“, Drama von Ostrowsky; vorher geht das Lustspiel „Der weiblihe Unsinn®* von J. Tschezloff in Scene.

Preise der Plâäge: 1, Rang 1. Reihe und Mittel-Parquet 1. bis

3, Reibe 15 #4; I. Rang 2. bis 4. Reihe und Mittel-Parquet 4. bis 6. Reibe 10 4; Mittel-Parquet 7. bis 15. Reihe 6 4; Mittel- Parquet 16. bis 22. Reihe 4 ; Seiten-Parquet und Seiten-Balkon 3 #; Tribüne 2 #4, Stebplay 1.4 Der Billetverkauf findet in der üblihen Ve:kaufszeit im Königlichen Schauspielhause ftatt. Aufgeld wird nicht erhoben.

Die zehn Symphonie-Abende der Königlichen Kavelle unier Kapellmeister Weingartner's Leitung im nächsten Winter finden an folgenden Tagen statt: am 29. September, 18. Oktober, 6. November, 11. und 22. Dezember, 3. und 22. Januar, 9. und 22. März und 14. April.

Das Programm des Konzerts, welhes zum Besten des

enfionsfonds dea Philharmonischen Orchesters unter Leitung von Arth ur Niki s am 10. April in der Philharmonie stattfindet, ist, wie folgt, festgesezt: Vorspiel d „Parsifal*“ von R. Wagner ; Tripelkonzert von J. S. Bach für dr Klaviere, gespielt von den Damen Emma Koh, Wanda Landowska und Martha Sieboid. Den zweiten Theil bildet die Aufführung des Schumann*shen „Man- fred“ unter Mitwirkung von Dr. Ludwig Wüllner, eines auserlesenen Sologuarteits (Damen: Susanne Triepel und Therese Behr, Herren: Ludwig Heß und Freytag-Besser) und des Philharmonishen Chors (Dirigent : Siegfried Ochs). i /

Bei dem morgen, Mittwoch, Mittags 12 Uhr, in der Marienkirche fiattfindenden Orgelvortrage des Musikdirektors Otto Dienel werden mitwirken: Fräulein Gertrud Mauks, Fräulein Lotte Dienel, Herr Alexander Curth, der norwegishe Säng:r Herr Albert Simonsen (Tenor), die BViolin-Virtuosen Herren Akos László und Bruno Keib sowie Herr Franz Shmidt. Zur Aufführung gelangen: ein Terzett, zwei Duette, Arien und Orgelkompositionen von Bach, Händel, Mendelssohn, Dienel u. A. Der Eintritt ift frei.

Mannigfaltiges.

Von der Direktion der Diakonissen-Anstalt in Kaiser®- werth erhalten wir folgende Zuschrift :

Wie bekannt, haben Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin bei Jhrer Anwesenheit in Jerusalem die dortigen Zweiganstalten des Diakonit)enhauses zu Kaifer8- werth, das Mädchen - Erziehungs- und Waisenhaus „Talitha kfumi* und das Diakonissen * Hospital mit Jhrem Be- suche beehrt. Am diesjährigen Geburtstage Seiner Majestät ging . dem Vorstande des Krankenhauses die Mittheilung zu, daß Ihre Majestäten die Einrihtung für den Operationssaal gestiftet und die Kosten für die Einführung der Wasserleitung in diefen Saal bewilligt haben. Nun i auh das Waisenhaus mit eirer reihen Kaiserlichen Gabe bedaht worden. Am ersten Ostertage lief in Kaiserswerth die Nachriht ein, daß Jbre Majestäten geruht haben, die Mittel zum Bau eines Saales für die 130 Kinder „Talitha kumis“ zu gewähren. Dieses Allerbôchste Gnadengescherk, welches ein lange {hmerzlich empfundenes Bedürfniß befriedigt, verpflichtet die Kaiserêwerther Diakonissen- Anstalt aufs neue zur tiefsten Dankbarkeit, welche sie durch treue Weiterarbeit auf den eingeshlagenen Bahnen zu betbätigen haben wird. Wenn ab.r in folch bocherziger Weise Seine Majestät der Kaiser Seine Worte in Bethlehem, „daß die Ausübung der christlihen Liebe auh gegen die Muhamedaner einfa unsere Pflicht ist“, durh Unterstützung der evangelischen Liebesanstalten mit der That ktekräftigt, so werden beffentlih diesem Beispiel der Majestäten Viele folgen und den mannigfahen Bestrebungen der deutsch - evangelishen Arbeit im Meorzenlande eine regere Theilnahme zuwenden als bisher.

Nachdem die bisher in der Perlebergerstraße belegene Sanitäts- wache 13 ih aufgelöst hat und einige ihrer Vorstandsmitglieder in das Comité der Unfallstationen übergetreten find, ift am 1. April für den Stadttheil Moabit im Hause Huttenstraße 11 die Unfall- station XI1X durch die Direktoren B. Knoblar-ch und Max Schlesinger eröffnet worden. Die ärztliche Leitung der Station hat der bisherige Assistent des Professors Sonnenburg, Herr Dr. Israel übernommen.

Die Schhülerwerkstätten des „Vereins für Knaben- handarbeit" eröffnen am Mittwoch, den 11. April, ibre Sommer - kurse in der Hobelbankarbeit, der L, der Papparbeit und

den leihteren Papier- und Holzarbeiten. Unter der Leitung werk- kundiger Lehrer können si in diefen Kursen Knaben vom 7 bis zum 14. Lebensjahre in den für ihr Alter passenden Handfertigkeiten üben. QDi:ser Handarbeitsunterriht dient zur Erholung und als Gegengewiht gegen die geistige Anspannung im Sgthul- unterriht, leitet die Schüler zur nützlichen Ausfüllung ihrer Muße- stunden an und hilft sie für das Leben praktish geschbickt zu machen, Nähere Auskunft ertheilen die Vorsteher der fünf Werkstätten, die Lehrer Füllgraf (SW. Mariendorferstraße 15), Grovppler (N. Choriner- ftraße 23), Wadterow (O. Memelerstraße 50), Golisch (0. Große Frankfurterstraße 18) und Rosenberg (SW. Großbeerenstraße 56 b.).

Magdeburg, 1. April. (W. T. B.) Heute Mittag wurde:

hier das von der Bürgerschaft errihtete Denkmal für den ver- ewigten Fürsten Bismarck feierlih enthüllt. Der Feier wohnten der Ober-Präsident, der Regierungs-Präfident, die Generalität, die Spit:n der städtishen Bebörden und zahlreihe Deputationen von Vereinen und Schulen bei. Der Vorsitende des Denkmals8- Auétschusses Dr. Schwabe bielt eine begeistert aufgenommene Ansprace. Die Stadt war reich béflaggt.

Kiel, 3. April. (W. T. B.) Eine Feuersbr uns zerstörte in der vergangenen Nacht das Logierhaus „Zum grünen Jäger“. Die Feuerwehr fand beim Aufräumen des Shuttes die verkohlte Leiche eines Jnyaliden, Namens Steffens. Ein italienisher Handels- mann, der während des Brandes aus dem Fenster sprang, wurde {wer verleßt nah dem Krankenhause geschafft.

Weimar, 1, April. Die Deutsche Shakespeare-Ge- sell\ch aft hält ihre diesjährige Generalversammlung am Sonnabend, den 22. April, Vormittags 11 Uhr, im Saale der „Armbrustshüyen- Gesellschaft“ hierselbst ab. Den Festvortrag wird Professor Dr. A Brandl halten, und zwar über „Shakespeare's Vorgänger“. Die Vor- standssizung findet am Freitag, den 21. April, Nahmittags 4 Uhr, im Schillerhause statt. Am 22. April, Nachmittags 34 Uhr, ist gemeinschaft- liÇes Festmahl im „Hotel zum Erbprinzen"; Abends 7 Uhr wird im Hof-Theater, neu einftudiert, „Cymbelin“ gegeben.

Hamburg, 1. Apcil. (W. T. B.) Bei herrlihem Sonnen- \chein verließen zur Bearüßung der „Bulgaria“ beute früh 8 Uhr die beiden dihtbeseßten Dampfer „Silvana* und „Blanke nefe" den Hamburger Hafen. An Bord befanden sich der Admiral ster mit vielen hoben Marine: O'fizieren, der kommandierende General des 1X. Armee: Korps von Massow, der Kommandant von Altona und der ‘in Hamburg garnisonierenden Truppen, Generalleutnant von Scleiniß, sowie die Obersten und viele andere O'fiziere des Infanterte - Regiments Graf Bose (1. Thüringishes) Nr. 31 und des 2. Hanseatishen Infanterie - Regiments Nr. 76, ferner der preußische Gesandte Graf Wolff - Metternich, der Wirkliche Geheime Admiralitäts - N2th Dr. Neumayr, der Senior Dr. Behrmann, der Präsident der Bürgerschaft Hinrichsen, die Vorsitzenden des Aufsichtsrathes der Hamburg-Amerika-Linie, Tietgens und I, die übrigen Mitglieder des Aufsichtsraths, die Direktoren, viele Mit- glieder der Bürgerschaft und Andere, im Ganzen etwa 700 Personen. Um Uhr kam die „Bulgaria“ bei Brunshausen in Sicht; die Musik spielte die Hamburger Nationalhymne. Kapitän Schmidt, umgeben von den Difizieren und Mannschasten, stand auf dem Oberdeck und wurde mit Dureas begrüßt. Während die dicht beseßten Ver- gnügungsdampfer ‘die „Bulgaria“ umfuhren, begaben sich sämmtliche Passagiere der „Silvana“ und „Blankenese“ an Bord der „Bulgaria“, wo auf dem Oberdeck eine Begrüßungsfeier stattfand. Nachdem

der Kapitän, die Offiziere, Mannschaften und die Ehrengäfte sich im

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