1830 / 166 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Rhein verlassen haben, der wohlfeilste und unabhängigste Weg in die Nordsee gedffnet werden soll.

Endlich is schon durch das, was in der neuern Zeit Be- ufs der definitiven Regulirung der Rheinschifsfahrts - Ver- ältnisse geschehen, den Westphälisc<

ein bedeutender Vortheil erwachsen, indem sie gegenwärtig den Ueberfluß ihrer Natur - und Kunst - Produkte mit Leichtigkeit im Auslande abseßen und dagegen die nöthigen Bedürfnisse von dort bei sich einführen können.

Erwägt man, was seit dem Wiener Frieden zur Bele- bung des innern und äußern Verkehrs und des Gewerbflei- ßes im Preußischen Staate, theils dur< Geld - Anweisungen an die Bewohner des platten Landes, oder dur< núüßliche Bauten, oder dur< zwe>mäßige Verträge mit andern Staa- ten geschehen ist, so muß man sich ge\schmeichelt fühlen, einem ¡olchen Staate anzugehören. Bedenkt man z. B., daß Preu- ßen im Jahre 1816 nur 5233 Meilen an Kunststraßen besaß, während es gegenwärtig deren 10963 zählt und mit dér Anlage neuer Straßen beständig A Fi erwägt man ferner; daß dessen sonst so bedeutende Schifffahrt noch im Jahre 1824 nur -602 meist kleine und schlechte Fahrzeuge zählte, im Jahre 1827 aber bereits wieder 623 große, feste, meistentheils neue, und zwar vortrefflich gebaute Schiffe be- faß, die sich in allen Sceregierungs- Bezirken noch sets ver- mehren; wirft man einen Blick auf dasjenige, was zur Bil- dung der Seefahrer dur< Begrundung von Schifffahrts- Schulen, zur Sicherung der Seefahrt durch Leuchtsteuer, Leuchtthürme und Rettungs-Anstalten auf mehreren Punkten der Küsten des Festlandes uud der Jujseln, au<h durch die Begründung einer na< dem Muster der Hamburger organi- sirten Assekuranz-Compagnie geschehen is; erinnert man sich, daß noch fürzli<h mit dem Großherzogthum Hessen und den Königreichen Baiern und Würtemberg Handels- Verträge abgeschlossen worden sind, welhe neue Regsamkeit wischen dem Norden und Süden zu versprechen scheinen, o fann der Preußische Staats-Bürger wohl mit Vertrauen auf die Morgenröthe eines bevorstchendes glänzenden Tages bliéen, der ihm aus solchen weijen Vorkehrungen erste- hen muß.

Wenden wir uns gegen Westen, so gewahren wir einen Hafenbau im Bremischen, und zwar am Einflusse der Geeste in die Weser. Er wird den Namen Bremer- hafen erhalten und dieses Jahr vollendet werden, falls nicht die noch fürzlih stattgefundenen nachtheiligen Ueberschwem- mungen dessen Vollendung Hindernisse in den Weg legen soliten. Ferner hat man seit 1823 einen Kanal zur Ver- bindung der Weser mit dem Jahdebusen angefangen, und man arbeitet gegenwärtig no<h an der Schiffbarmachung der Ems vermittelst eines Kanals, der na<h der Lippe fúh- ren soll. /

In den angränzenden Niederlanden ist Antwer- pen, durch díe aus der Franzosen-Zeit herrúhrende Anlegung dreier Bassins und durch die Aufräumung der zu diesem Stapelplaße führenden Kanäle, welche gegenwärtig das Ein- laufen und das Anlegen der größten Schiffe bis an die Quais verstatten „,- wieder zu einem Handelsplaße ersten Ran- ges geworden, der selbst mit Amsterdam rivalisirt. Auch dieser lebte Plaß hat Alles- aufgeboten, um seinen seit Anbe- ginn der Französischen Revolution sehr gesunkenen Handel wieder emporzubringen; eine der bemerkenswerthesten Unter- nehmungen in dieser eng ist unstreitig die Anlage' und Vollendung des großen Nordholländis<hen Kanals. Dieser Kanal, eines der größten Wasserbauwerke der neuesten

Zeit, durchschneidet der Länge nach ; von Süden na< Nor- den, die Provinz Nordholland in einer Ausdehnung von 14 bis 15 Stunden Weges und verbindet das Y, Amster-

dam gegenüber, mit dem Hafen Nieuven-Diep am Mars-

diep, welches die Meerenge ist, die zwischen dem Texel

und der nördlichen Spiße von Holland liegt. die Städte Purmerend und Alkmar, hat 120 Fuß Breite und ist so tief, daß die größten Ost- und Westindien-Fahrer, ohne zu löschen, und selbst Kriegsschiffe von 74 Kanonen, ifßn ohne alle Gefahr befahren fönnen. Der Bau soll 90 Mil- lionen Gulden gekostet haben; erwägt man aber alle die Vor- elle die dzr Stadt Anmisterdam durch die Anlage dieses

anals ‘erwachsci, so wird man gestehen müssen, daß fie

en Provinzen

Er berúhrt |

dur< jene] Summe nicht zu theuer erkauft sind. Iene Vor- theile bestehen nämlich vorzüglich in einer beaqutemeen und

die Schiffe bei allen Winden aus der Nordsee in den Hafen einlaufen und selbst bei Gegenwinden vureh Bamber Cs bugsirt werden fônnen; während ste früher auf der Fahrt durch den Zuidersee, besonders bei stürmischem Wetter, den größten Gefahren ausgeseßt ‘waren.

: (Schluß folgt.)

_ Königliche Schauspiele. | Mittwoch, 16. Juni. Jm Opernhause: Sappho, Trau- erspiel in 5 Abtheilungen, von Grillparzer. (Mad. Schröder, vom K. K. Hoftheater zu Wien : Sappho, als Gastrolle). Im Schauspielhause: 1) La dévote, vaudeville en {f acle, par Scribe. 2) ‘La servante justifiée, vaudevitlle en 1 acte. 3) La demoiselle à marier, vaudeville con 1 acte, par Seribe. 2 Donnerstag, 17. Juni. Jm Schauspiel ause: Der Spion, Schauspiel in 5 Abtheilungen , Ld ncelot und

Mazères frei E von Stawinsfkpy. Zreitag, 18. Juni. Jm Opernhause: einri<h IV. Erster Theil, Schauspiel ín 5 Abtheilungen Gn oed

___ Königstädtisches Theater. Mt

Mittwoch, 16. Juni. Die diebische Elster, komische Oper in 2 Aften; Musik von Rossini.

Donnerstag, 17. Juni. mit Gesang in 2 Akten. (Herr Kirchner, vom K. K. prév. Theater a. d. Wien: Gastrolle.)

DEertrliner Bd Den 15. Juni 1830.

Amil. Fonds- und (reld-Cours-Zettel. (Preuss. Cour.)

_ [4] \lmet Ged TEE TBrief Cel St.-Schuld-Sch. ¡100#7{1005 [Pomm. Pfandbr. 1065 1052 Pr. Engl: Anl. 18 1032-1103 {Kur- u. Neum. do. 1062 , 2E Pr Engl. Anl. 22/ 5 [1037 11032 [Schlesische do. 4- 107 | Kurm Öb. iz.1.C. 1905 | [Pomm. Dom. do. 402x Neum.Int.Sch,d. 1007 1 Mark, do. dod As 1022 : Berl. Stadi- Ob. 4 [102 11015 [Ostpr. do. do. 5 | [1025 Köngsbs. do. 994 | IRkst. C. dK uN. TSEE db Elbinger do. 1025 | [Z.-Sch.d.K. u. N. 16 7 Danz. do. in ‘Ti, 387 | 383 : Westper. Pidb.A, 10914 | fioll. vollw. Dane. E eto BAAS

dilo dito B. 1015 | Neue diio 204 | 193 Grasshz.Pos. do. 1023 | [Friedrichsd’or . 5 x Ostpr. Pfandbrf. 101Ï | [Disconto

Wechsel, Cours

Brief.| Geld. Amsterdam : 1 [Kacz ._ H4L4 :

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Preuss.Cour.

dito * 6 2 Mt. Kurz 2 Nt. 3 Mt. 2 lit. 2 Mt. Augsburg 2 Me. Breslau „4,0 Mll, Leipzig . |Uso Fraukfärt-a. M. WZ 150 Pl 12 Jt, L e A : 100 RbL [3 VVoch.

Warschau ; Kurz

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Lonñîon Paris

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Auswärtige Börsen, Amsterdam, 10. Jani. Niederl. wirkl. Schuld 65. Kanzbill. 315, Oesterr. 5proec, gen 964. Bank-Actien 1645. Part.-Oblig. 415." Russ. È nl, 203. -

London, 8. Juni.

3proc. Cons. 925, 3zpProc. 991. A4proc. (1826) 1047.

14 Russ. 109. Preuís. 1015. Dän. 723. BrasiL T1. Span. 182, i

Neu este B dr se n-Nachrichten. l p

Frankfurt a. ‘M., 42. Juni. Oesterr. 5ptoc. Metall. 1002. 4proc. 96. Bank-Actien 1619. 4proc. 253. Loose zu 100 L 1813. Brief.

1355. Poln. Loose 637. Geld. L2Epröoc. ‘60. L 4:7 Ar R, R N i Sproc. per compl. 103 Fr. 45 Cent., 5proc. fin cour. 40

Gedruckt hei A. W. Hayn.

Juni. Zproc. ‘Rente per con (ohne Coup.) 77 3 Fr

Partial-Obligat, 40 Cent., 3proc. fn cour. 77 Fr. 50 Cent,

. 60 Cent. Neap. 85. 50. Span. perp. 73., 5proc. Cort, Bons 12, Ster O A G I D S Ra emeinen nien : s

Redacteur John, Mitredacteur C9 tit L

siherern Wasserstraße, als die bisherige, indem gegenwärtig

Die falsche Catalani, Posse den Schauspieler Lustig ; als dritte

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A1 A. M Ei ce

Preußische Staats-Zeitung.

C 166.

Amtlihe Nachrichten. Kronik des Tages.

Befkfanntmachung. | . Zum 1. Juli d. J. wird zwischen Berlin und Posen, in Stelle der bisher über Landsberg a. d. W., Friedeberg und Driésen bestandenen Reitpost, eite Personen-Schnellpost auf dem Wege über Landsberg a. d. W., Schwerin und von dort auf der neuen Chaussée-Linie über Kähme (neue Poststation), Pinne und Bythin eingerichtet. Diese Schnellpost geht von Berlin ab :

Diensta 7 Uhr Abends; E : Sonnabend? bis Landsberg a. d. W. vereinigt mit der

Berlin-Bromberger Schnellpost ; Fommt an in Posen: Meanegeltag} 4 Uhr frúh.

Aus ofen geht die 3te Reitpost nach Wärschau, wie bis-

her, Donnerstag 6 Uhr Morgens ab.

Von Posen erfolgr dex Abgang der Schnellpost nach g t Ot

onntag ; Ó

D I r 10 uhr Vormittags ; die Ankunft in Berlin :

Montag). 8 Uhr Abends ; E j

Freitag } von S ab vereinigt mit der Bromber- er nellppst.

Äwifcher Lands d: s Posen formen 6sißige, bequeits eingerichtete, auf Druckfedern ruhende Wagen in Gang. Das Personengeld beträgt 9 Sgr. pro Person und Meile incl. Bontllon-Trlukgeld, wofür 20 Pfd. Reisegepäck frei befördert werden. Außerdem wird die Mitnahme von 30 Pfd. Gepäck für jeden Reisenden gegen Entrichtung des tarifmäßigen ‘Porto gestattet. Die Reise-Esfekten müssen în Felleisen verpackt seyn. Auf jeder Station vom Landsberg bis Posen wird in den nd- thigen Fällen Eine Beichaise zu 4 Personen gestellt und da- für das Personengeld ebenfalls mit 9 Sgr. pro Person und Meile incl. Postillon-Trinkgeld gezahlt. :

Die Reitpost zwischen Berlin und Warschau úber- Frank- furt, Meseriß und Posen, welche von hier am Sonntage und Donnerstage Nachmittags 4 Uhr abgeht, bleibt unverändert. Berlin, den 2. Mai 1830.

Der Géneral -Postmeister. Nagler.

Angekommen: Der - Wirkliche Geheime Ober -Finanz- ‘Rath, Präsident der Haupt-Verwaltung der Staats -Schul- den und Chef des Seehandlungs - Jnstituts, Rother, aus Schlesien. :

Abgereist: Se. Durchlaucht der Kaiserl. Russische Ge- meral" der Jrifanterie und Botschafter am“ Königl. Großbri- tanischen A ; Fürst Lieven, nah Warschau.

Der Kaiserl. Russische Feldjäger Feodorow ,* als Cou- xier nach Warschau.

-

Zeitungs-Nachrichten. e E R C Frankr ei h.

Paris, 9. Juni. : tag von Compiègne nah St. Cloud zur Begleitung Sr. Königl. H

ehrt.

Ug. gestern Mittag nach der Hauptstädt, urn dem. Könige von

Neàapel im Elysée-Bourbon einen Besuch abzustatten,

Der Dauphin f „Feftera 1A

oheit famen Se. Majestät der Kd-

Berlin, Donnerstag den 17ten Funi

[ganze Sáächverhältuiß beleuchten:

1830.

In dem Hôtel der Spanischen Gesandtschaft werden

die Vorbereitungen zu dem großen Feste, das der Graf von

Ofalia Jhren Sicilianischen Majestäten geben will, mit gro-

ßer Thätigkeit betrieben. Heute is großes Diner und Ball

bei dem Sicilianischen Botschafter, Fürsten von Castelcicala ;

man glaubt, daß der König von Neapel dem Fürsten die

Ehre seines Besuchs schénken werde, da Se. Mazj. von der

Sie betroffenen Krankheit ziemli< wieder hergestellt sind.

Das Fest in Rosny bei der Herzogin von Berry wird am

nächsten Montag: (14ten) stattfinden. Wie es heißt, wer-

den Jhre Sicilianische Majestäten gegen Ende d. M. diese

Hauptstadt wieder verlassen.

Jn dem Univer sel liest man neuerdings einen Aufsaß

zur Widerlegung der zahlreichen Cinwürfe, welche die Oppo-

sitions - Partei. gegen den früheren (in Nr. 163 der Ste. Z.

ausführlich mitgetheilten) Artikel dieses Blattes vorgebracht

hatte. Der Moniteur giebt einen Auszug davon , woraus

wir nachstehende Stellen herausheben: „Das Haupt- Argu-

meut des Journal des Débats und des Temps, dasjenige,

welches die Lobredner der Adresse am licbsten geltend zu machen

suchen, ist die Behauptung, daß die Minister allein es seyen,

die sih den Wahl-Kollegien gegenüberstellten; daß der Mö-

narch bei dem zwischen den Kammern und der Regierung be-

stehenden Kampfe durchaus nicht betheiligt sey ; daß -das Mi-

nisterium zu ‘seiner Vertheidigung einen erhabenen Namen

mißbraguche, und daß weder die Rathgeber der Krone selbs,

noch«ihre Handlungen, die aufrichtige Willens - Meinung des

Königs verkündigten. Wir wollen daher zum lektenmale das

3 War die, ihrer Ferm

nach, vôllig verfassungsmäßige Verordnung vom 8. August,

ín der Sache selbst der Ausdruck des Gedankens und freien

Willens des Monarchen? Es würde nit nur einé. Unschie- lichkeit, sondern eine- Verblendung seyn, wenn man das Ge- gentheil behaupten wollte. Daß jene Verordnung eine Ver- urtheilung des früheren Systems enthalte, geben wir zu; wer

war es aber, der dieses System verurtheilte? nicht die Ma- jorität der Deputirten-Kammer, nicht die der Pairs - Kam- mer... Der König war es, der, gewarnt durch jene, einem der unvorsichtigen Mitglieder des Concessions- Mini- “steriums entschlüpfte, oder vielmehr dur< die Macht der Wahrheit ihm entrissene Aeußerung: Wir gehen mit gro- ßen Schritten der Anarchie-entgegen, sih eites Bessern besann; der König, der nicht länger durch gefährliche Zuge- ständnisse das Heil des Thrones und- des Landes aufs Spiel seßen wollte. Er verglich und entschied; mit mächtiger Hand hielt er das Staatsschiff, das auf gefährliche Klippen gerathen war, auf und entfernte die ungeschiten Führer vom Ruder. Wer nun behaupten will, daß das Ministerium des 8. August- sich außerhalb der Grundsäße der Repräfentativ-Regierung selbst Ar Qa fre n habe, macht sich einer Unschicklichkeit und. Be- eidigung gegen die Majestät des Königs s{uldig. Der Mo- narch hat unbezweifelt das Recht, über das Angemessene die- ses oder jenes Verwaltungs -Systems zu entscheiden und dasselbe nah sciner besten Einsicht zu ändern. « -Shr aber wollt ihm dieses Recht streitig machen , E tadelt ihn, daß er die frühern. Minister entlassen hat, daß er die jebigen be- halten will, Jst dies nicht ein förmlicher Eingriff in die Königliche Prärogative? Allerdings ist es eine der Anoma- lien der Repräsentativ- Regierung, daß es in den Kammern eine Opposition gegen den König giebt; als Theilnehmer an der Regierung dürfen aber die Kammern niemals“ in feindli- cher Absicht gegen die Reger auftreten. Die Charte ver- langt die Mitwirkung der Kammern; da indessen dieses Prinzip einmal verleßt ist, so istes nicht mehr als billig, daß der Monarch allein seine“ Rathgeber wähle; - gerade wéil die Kammer durch ihre Mere, die Opposition durch ihre

eitungen sich feindlich gegen die Regierung erklärt haben, fann n K T fe feines Vorrechts nicht absolut genug bedienen.

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