1830 / 182 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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erflärt hatten, daß jene General-Kontrolle bereits ihren Zweck erfüllt habe. Für Hrn. v. M's. Geschäfts - Verwaltung tra? ten unvorhergesehene shwierige Umstände ein : der unerhörte Fall so vieler Banquierhäuser , der schwankende Kredit aller Staatspapiere, der Ausfall der Domainen-Einnahme, veranlaßt dur niedrige Korn- und Wollpreise U. s. f. Der Verewigte zeigte sich jedoh seinem Berufe volllommen gewachsen. Scin Ministerium bezeichnen mehrere wohlthätige Einrichtungen, vor- züglich die Vereinfachung dek gejammten Finanz-Verwaltung und des Kassenwesens, die Verbesserung des indireften Steuer- Systems durch die urspräng!ich bezwecte Herabseßung der Steuer-Tarife, dur< Anordnung einer den Umständen ange- messenen zwecémäßigen Domainen-Verwaltung, fo wle durch sein lebhaftes und beharrliches Ergreifen und Festhalten der Adee zur Errichtung von Zoll - und Handels - Vereinen mit dem Großherzogthum Hessen,. mit Baiern und Würtemberg 2c. und dur< andere Einrichtungen, welche der Preuß. Monar- chie auf lange Zeit hinaus noch zur Ehre und Wohlfahrt ge- reichen werden. :

_—— Das Sáäfkularfest der Uebergabe des Augsburgschen Glaubensbefenntnisses wurde am 28. d, M. in der städtischen Gewerbschule hieselbst gefeiert. Der schône mit den Büsten Sr. Majestät des Königs und Sr. Königl. Hoheit des Kron-

prinzen geschmücte große Hörsaal war zu diesem Feste an-,

gemessen verziert. Auf der Tribüne erhoben sich die lebens- großen Büsten Luthers / und Melanchthons unter blühenden Gewächsen, zwischen welchen sich der festlich geschmückte Red- nertis< befand. Ein Choral, von allen Anwesenden gesun- gen, vom Acolodikon begleitet, leitete die Feier ein. Der Direktor Klôden entwi>elte sodann in einer Rede die jegens- reichen Folgen der Reformation für die exaften Wissenschaf- ten, das ôffentliche und Gewerbsleben, indem er den Zustand desselben vergleichend vor der Reformation schilderte, auf das, was dieselbe einleitete und begründete, aufmerksam machte, die Wichtigkeit der Uebergabe des Befkenntnisses her- vorhob und dankbar der dabei thätigen muthigen Bekenner der Wahrheit gedachte. Ein Primaner trug darauf Cra- mers Ode an Luther vor. Der Oberlehrer Der. Wakker- nagel sprach sodann über das Wesen der evangelischen Kirche und die Nothwendigkeit eines bestimmten Bekenntnisses bei Einzelnen und bei der Kirche, mit besonderer Rücksicht auf die Bedeutung und den Werth des Augsburgischen Symbo- \lums. An diese Rede loß sich der Vortrag der Ode Cramers an Melanchthon, von einem Primaner gesprochen. Der Religionslehrer Eyssenhardt wandte sich zum Schlusse mit herzlichen Worten an die versammelten Schüler, um ihnen die Bedeutung des Festes in praftisch - religiöser Bezie- hung anu’s Herz zu legen. Der Choral: -Eine feste Burg iit unser Gott, \<loß die erhebende Feier.

Zu Bonn beging am 25. Juni die evangelische Ge-

meinde mit Gottesdienst ‘nach der neuen Liturgie und Abend- |

mahl, und die Friedrih-Wilhelms-Rhein-Universität durch eine öffentliche Rede, gehalten vom Herrn Professor r. Gieseler, die Sáäfular-Feier der Uebergabe der Augsburgischen Konfes- ion. Es wurden bei dieser Gelegenheit zu Doktoren der

heologie profiamirt: die Herren Ober - Konsistorialrath Na- torp in Münster, Konsistorialrath Reche in Mülheim am Rhein und Synodal - Präses und Pfarrer Gräber in Ge- marke. Bei den evangelischen Mitgliedern der Universität,

so wie auch bei der Gemeinde, - sprach sich die lebhafteste Theil-

nahme an dieser Feier aus.

Königliche Schauspiele.

Freitag , 2. Juli. Im Schauspielhause: Fanchon, das Leyermädchen, Operette in _3Z Abtheilungen , von Musik von Himmel. (Herr Blume, Abbé de Lattaignant.) _ Sonnabend, 3. Juli. Jm Opernhause : Medea, Trauer- spiel in 5 Abtheilungen, von Grillparzer. (Mad. Schröder :

Redea, als lebte Gastrolle.) Ur M

_ Königstädtisches Theater Freitag, 2. Juli. Der lustige Schuster , komische Oper in 2 Akten. uit Ansuchen der Direction hat Hr. Spibeder seine Urlaubs-Reise auf einen Tag verschoben, und wird als Sebastian Brandel heute noch einmal auftreten.) |

Sonnabend, 3. Juli. Charlotte Corday, oder: Marats Tod, geschichtliches Melodrama in 5 Akten.

Bert nr Br 87e: Den 41. Juli 1830.

Ami]. Fonds - und Geld-Cours-Zettel. (Preufs. Cour.)

[27 [Brief Geld. | (Zj [Brief j Gel. St.-Schuld-Sch.| 4 100} ¿100 Pomm. Piandbr. 106 Pr. Engl. Anl. 18 5 [103 {Kur-u. Neum. do.| 4 [106 Pr Engl. Anl. 22| 5 [1035 | ISchlesische do.| 4 |107 Kurm Vb.mn.LC.| 4 100 93 Pomm. Dóm. do. 1025 Neum.Int.Sch.d.| 4 100 2 Mlärk. do. do. 1025 Berl. Stadt- Ob.| 4 [102 - JOsitpr. do. do.| 5 11024 Königsvg. do. | 4 | 997 Rkst. C. d K. u.N. 75 Elbinger do. } 45 1025 Z.-Sch. d. K. u. N. 76 Danz. do. in T | 382 WWestpr. Pfdb.A.| 4 1014 Holl. vellw. Duc. dito dito B.| 4 [1014 Neue dito 204 | 192 Grosshz.Pos. do.| 4 | Friedrichsd’or. |— 114 | 132 Ostpr. Pfandbrf.] 4 (1013 [1 Disconto : .. . P 5E | G65

Preuss.Cour. Brief:| Geld.

Aae raa s oa ed G0 T1 Kurz 1403 dito 2 It. 140 Hamburg i . Kurz 1447. c 2 Mt. [1483 3 Mi. 6 257 . 2 Mt. Ss Wien ina 20 Xr ¿_, 12k, 1025 Augsburg _…… 1925 Bresiau 1, 12 Mt. 99 Leipzig Thl. ¡Uso 1027 Frankfüët a. M. WZ "1. 2 Mt. 102 Péteréburg BN G... 100 Rbl. }3 VVoch. | 3977 YVY arschau 600 Fl. [Kurz 1004

Wechsel-Cours.

EFEFHL T TEMH

Auswärtige Börsen.

N Amsterdam, 26. Juni Nielerl. wirkl. Schuld 6425. Kanzbill. 3053.

Hamburg, 29. Juni. i Oesterr. 5proc. Metall. 100 Brief. 4proc. pr. ult. 957. Bank-Actien desgl 1341. Russ. Engl. Anl... Cassa 1062, Russ. Aul. Hamb. Cert. 102¿. Poln. 126. Dän. 715.

) S1, Petersburg, 22, Juni. Hamburg 3 Mon. 93. Silber-Rubel 366 Kop. bproc. Insc. in Bank-Ass. 139,

Wien, 26. Juni. 5proc. Metall. 1004. 4proc. 96. Part.-Oblig. 1364. Bank- Actien 1348.

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M p O N

París, 26. Juni. Der heutige Moniteur theilt folgende telegraphische Depesche mit:

„Staonelli, den 19. Juni.

Der Graf v. Bourmont an Se. Excellenz den Kriegs - Minister, j Der Feind hat heüte früh unsere Stellungen angegriffen is jedoch kräftig zurückgetrieben und völlig in die Flucht geschlagen worden. Sein Lager nebst 8 Stücken Geschüß und 400 aufgerichteten Zelten, vielen Kameelen, Heerden von.

Hammeln und Mundvorräthe aller Art sind in unsere

Hände gefallen. Das feindliche Heer besteht aus Kontingenten

der Provinzen Konstantine, Oran und Titterie und einem Theile der Türkischen Miliz; leßtere hat bedeutenden Verlust erlitten. Die Französische 'Armee nimmt ihre Stellung im Lager von Staoneli. Dieser neue Erfolg hat unsere Sin

pen eleftrisirt./

Die bisher eingegangenen Nachrichten in Betreff der Deputirten-Wahlen- sind im Allgemeinen dem Ministerium nicht günstig; von den 12 Deputirten, deren Namen bisher bekannt geworden, ebt en 7 den Borarlten fúr die U an, und 2 waren die Kandidaten der Opposition. Die große Mehrzahl der provisorischen Büreaux ist umgestoßen worden.

Heute schloß 3proc. Rente per campt. 77 Fr. 25 Cent., 3proc. fin cour. 77 Fr. 30 Cent. Z5proc. per compt. 103 Fr., 75 Cent. 5proc. sin cour. 103 Fr. 80 Cent. Neap. 85 Fr. 60 Cent. Span. perp. 737.

Frantfurt a. M. , 28. Zuni. Oestexr. 5proc. Metall. 994. 4proc. 954. Bank-Actien 1606. Partial - Obligat. 1354. Geld. 2äproc. Metall. 594. 1proc. 253. Loose zu 100 Fl. 1795. Brief. Poln. Loose 625. Geld. :

Gedru>t bei A. W. Hayn.

Redacteur Fohn. Mitredactcur Côttel.

Kobebue;

Art t ge met e

Preußishe Staats-Zeitung.

Ne 182.

Amtlihe Nachrichten. Kronik des Tages.

Se. Majestät der König haben dem Oberst - Lieutenant und Landrath Anton Grasen zu Stolberg-Wernige- rode, und dem Major von Nochow, Hofmarschall bei Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Wilhelm, Bruder Sr. Majestät, den St. Johanniter - Orden zu verleihen geruhet.

es Königs Majestät haben die von der hiesigen Afade- mie der Wissenschaften getroffene Wahl des Direktors. des Joachimsthalschen Gymnasiums , Dr, Meinecke und des Professors Lachmann, zu ordentlichen Mitgliedern der phi- losophisch-historischen Klasse zu bestätigen geruhet.

Der bisherige Privat -Docent Dr. Christian Lassen án Bonn is zum außerordentlichen Professor in der philoso- phischen Fakultät der dortigen Königl. Universität ernannt worden. i

“Angekommen: Der Kaiserl. Russische General-Major Fúrst Galizin, von St. Petersburg. : - Abgereist: Se. Excellenz der General der Junfanteric, Wirkliche Geheime Staats- und Kriegs-Minister, von Hake, nach Posen. y Durchgereist: Der Kaiserl. Russische Maitre de la-Gar-

derobe, Graf von Laval, úber Hamburg von St. Peters#-{

burg fommend, nah Dresden.

Zeitungs-Nachrichten. Ausland.

Großbritanien und F L{and:

London, 26, Juni. -Der König Georg IV. ist Feiner Krankheit erlegen. Dies trgurige Ereigniß ist dem Publikum durch folgendes Bülletin augetündigt worden:

„Schloß Windsor, den 26, Juni.

Es hat dem allmächtigen Gott gefailen, Se. Majestät den König aus dieser Welt abzurufen. Allerhöchstdieselben verschieden diefen Morgen um 32 Uhr „- ohne Schmerz. :

(gez ) enry Halford. Matthew John Tierney.“

Parlaments-Verhandlungen. Graf v. Winchil- sea fragte den Herzog v. Wellington in der Sisung des Oberhauses vom 25. Juni, ob es wahr en daß man 5 Tageldhner, Leute, die bei der Heu-Aerndte Beschäftigung ge- fucht hätten, vor einigen Tagen in einem Graben bei Acton und Ealing vor Hunger umgekommen gefunden habe? Fer- ner, ob die Regierung Úúberhaupt Anstalten getroffen, um sich Über den Zustand der unglückseligen Landarbeiter in Kennt- niß zu seben? Er selbst wisse aus guter Quelle, daß 21,000 bis 22,000 solcher armen Leute ohne Subsistenz gewesen seyn würden, wenn se nicht durch eine mildthätige Sammlung unterstüßt worden wären. „Jch fürchte‘, fügte. der Graf Hinzu, „die Zeit möchte bald kommen, wo das Haus es be-

Berlin, Sonnabend den Zten Juli

16830.

reuen dürfte, die Untersuchung nicht bewilligt zu haben, auf die einer meiner edlen Freunde (der Herzog v. Richmond) im Laufe dieser Session antrug. Nicht um Alles in der Welk möchte ich mich in der Lage befinden, in welche die Re- gierung sich verseßt hat, indem sie der Untersuchung, inwie- fern die Noth des Landes zu erleichtern sey, sich opponirte.‘ Der Herzog von Wellington antwortete, daß er von dem betrübenden Umstande, dessen der edle Graf erwähnt, nichts gehört habe. Als darguf der Marquis von Clanuri- carde sragte, ob dem edlen Herzoge etwa die Noth in Jrland bekannt sey, antwortete dieser, er - habe zwar gehört, daß in einigen Theilen Jrlands verschiedene Le- bensbedürfnisse theurer geworden seyen, von - einem Mangel derselben habe er jedoch nihts vernommen. —- Die im Un- terhause bereits dur<hgegangene Bill in Bezug auf die Stadt Galway (Jrland), welcher Ort, ungeachtet der katholischen - Emancipations - Afte, keine Katholiken zu städtischen Corpo- rations - Aemtern und zur Parlaments - Kandidatur zuläßt, gab im Oberhause heute zu einer lebhaften Erdrterung Anlaß. Die Stadt Galway Füßt sich nämlich, um ihr Ausschließungs- Prinzip beizubehalten, auf eine Akte Georgs kl, worin es heißt, daß jeder Protestant, der si<h sieben Jahre lang da- {clbst aufgehalten und die vorgeschriebenen Eide leistet, das Freibürger - Recht des Ortes erhalten soll. Die Bestim- mungen dieser Afte theilweise, und zwar insofern dadurch Katholiken vom Bärgerrechte ausgeschlossen werden, aufzu- heben, ist der Ziveck der aus dem Unterhause gekommenen Bill, jedo< nicht ganz aufgehoben sollte sie werden, weil

„fonsi die alte, der Stadt Galway von Karl U. verliehene

Charte, wonach es ñur dem Mayor, Sheriff und gewissen Wahlbürgern freisteht, ihre Parlaments-Mitglieder zu erwäh- len, wieder in Kraft treten roûrde. Diese gänzliche Au f- hebung brachte aber nún der Herzog v. Welling ta als Amendement zu der Bill in Antrag. „Es ist‘, sagte er, „die Afte Georgs 1. mit dem Prinzipe der großen Maaßregel, welche im vorigen Jahre durchgegangen ist, durch- aus unvereinbar. Jene Akte verleiht dem Protestantiemus auss{ließliche Vorrechte in- der . Stadt Galway, Vorrechte, die sich mit der Politik der eben erwähnten Maaßregel in direktem Widerspruche befinden; denn durch dieselbe soll Je- i eligion mag seyn, welche sie wolle, die Be- fugniß erhalten, sein Antereise in derjenigen geseßlichen Weise G Ce die ihm am besten zusteht. Allein die vorlie- gende Bill° in ihrer gegenwärtigen Abfassung begnügt sich nicht mit der Hinwegräumung dieses Uebelstandes sie ver- nichtet auch die Charte Karls Il., die dafür lorgte, daß nicht eine allzu große Anzahl von Personen am Wahlrechte Theil nahm. Wurde diese Bestimmung auch schon durch die Akte Georgs II. theilweise aufgehoben, so geschah es do<h nicht in dem Maaße, wie es in Folge der vorlie enden Bill gesche- hen würde, die 3000 bis 4000 neue ähler creiren und, ohne den Grund 'fur sih zu haben, den Protestantis- mus fráftiger beshüßen zu wollen, die Fundamental - Charte der Stadt ganz und gar aufheben würde. Jch - schlage demnach vor , die ganze Afte Georgs 1. zurückzu- nehmen und damir der städtischen Corporation von Galway ihr volles Recht widerfahren zu lassen.“ Graf Grey wi- dersebte sih diesem Amendement auf das Entschiedenste; denn

dermann, seine

seiner Meinung. nach werde dadurch die Bill aus einem Ge-

sebe der Abhúülse in ein Gesebß der Dea und Aus-

schließung verwandelt. Die Minister , sagte er, öônnten nun

einmal, nachdem die große Maaßregel des vorigen Jahres durchgegangen die früheren ausschließenden Prinzipien nicht mehr im Allgemeinen geltend machen , suchten sie dafür aber in besondern Fällen, wo es auf verstecte . Weise geschehen fônne, noch knzuwenden. Der Redner bestritt es, daß