1830 / 186 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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In den Wahl - Kollegien habeti ferner folgende Ernen- nungen stattgefunden : f)

Perpignan, der Ex-Dep. Hr. Durand, Kand. der Oppo. *

Milhau, der Ex-Dep. Baron v.-Nogaret, Kand. der Oppos. * Lannion, Hr. Bernard, Kand. d. Op p. (Schon in Rennes gewählt. Casielnaudary, Hr. Madier de Montjau, Kand. der Oppo. Narbonne, der Ex-Dep. Baron y. Podenas, Kand. der Opp. *

Mende, Hr. Despinassous, minister. Kand.

Die Zahl der gewählten Deputirten beläuft sich nunmehr auf 194, so daß 4 Wahlen der ersten Serie zur Zeit noch unbekannt sind; {}) diese gehören den Bezirken Gap, Rodez, La-Tour-du-Pin und Perpignan an.

In dem heutigen Blatte des Moniteurs liest man nachstehenden, dem Anscheine nach, amtlichen Artikel: „Der Courrier français enthielt gestern unter der Ueberschrift : Ueber das fúr die Bekanntmachung der Armee- Berichte angenommene System, einen Aufsaß, worin die Regierung beschuldigt woird, daß sie das Publikum über den Erfolg der Expedition nach Afrika absichtlich in Unge- wißheit gelassen habe, indem Depeschen, die sich angeblich schon seit zwei Tagen in ihren Händen befunden, von ihr zurückgehalten worden wären. Es ist aber ungegründet, daß der Regierung Depeschen zugegangen , die sie nicht publicirt hätte. Der Verfasser des Artikels im Courrier weiß sehr wohl, daß Staffetten nicht so schnell gehen, als der Tele- graph. Die telegraphische Depesche, wodurch der Graf von Bourmont meldete, daß er sich der Stellung von Staoneli bemächtigt habe, ist am 23sten von Toulon hierher befördert worden; der umständliche Bericht des Ober - Befehlshabers, der am 2ásten durch die Brigg „„der Zebra‘ in Toulon an- langte, fonnte von dort nicht füglich früher als an diesem Tage selbst hierher geschit werden und ist am 27sten um 4 Uhr -Nachmittags in Paris eingetroffen; er fonnte daher erst im Moniteur vom 2Wsten erscheinen, Diese Depesche und die des Admirals Duperré, beide vom 19ten, sind die neuesten, die die Regierung erhalten hat; was der Courrier, so wie mehrere ‘andere Blätter, über - ein späteres Gefecht, als das am 19ten, erzählen, ist daher eine reine Erfindung. Die Regierung bedauert es, kann es jedoch nicht verhindern, daß Zeitungsschreiber und Fonds- Spekulanten si<h ein Vergnügen daraus machen, beunruhi- gende Gerüchte zu verbreiten und die gewagtesten Vermu- thungen über die Operationen der Armee in Afrika und úber die Hindernisse, worauf sie gestoßen, als wirkliche Ereignisse zu verkündigen. Sie kann ihrerseits nur Thatsachen dage- gen aufstellen, und sie hat bisher alle diejenigen, die zu ihrer Kenntniß gelangt, púnktlich mitgetheilt. Diese Thatsachen sind im Uebrigen von der Art, daß sie den Männern, welche sih wahrhaft für den Erfolg unserer Waffen interessiren, genúgen- müssen. Kein Mensch hat gewiß geglaubt , daß man sih einer Stadt von 80,000 Einwohnern, die von der Túr- fischen Miliz, deren Tapferkeit no<h niemals in Abrede ge- stellt wurde, vertheidigt wird, ohne allen Widerstand bemäch- tigen könne; man ist daher auch auf alle die Mittel, roodurch die vorhergesehenen Hindernisse sich besiegen ließen, sorgfältig bedacht gewesen ; ja, die Regierung ist sogar zuweilen beschul- digt worden, daß sie in dieser Beziehung mit zu großer Ver- schwendung zu Werke gegangen sey. Jndeß ist es nicht wahr, was der Courrier gestern behauptete, daß nämlich Befchl zum Aufbruch der Reserve-Division gegeben worden sey. Sol- chergestalt \{<windet jenes ganze Gewebe von Anklagen, das der Courrier seinen Lesern mit so vieler Weitschweifigkeit auf- getischt hat; der Vernünftige wird demselben leicht sein Recht widerfahren lassen.‘

Der Courrier français ist zur Aufnahme dieses Ar-

R Die mit einem * bezeichneten Deputirten hatten für dic Adresse gestimmt. ;

L Die Gesammtzahl der an 23. Juni und an den folgen- den Lag

en in den Bezirks-Wahl-Kollegien gewählien Deputirten beträgt nämlich 198, nicht 196, wie in Nr. 184 der Staats-Zei - tung nach Pariser Blättern angegeben wurde. Die Differenz rührt daher, daß das Departement des Wasgaus, welches fünf Deputirte in die Kammer schi>t, wovon bisher zwei in dem großen Kollegium und drei in eben #9 vielen Bezirks-Kollegien gewählt wurden, diesmal nur ein einziges Kollegium bildet, das als es durch die Verordnung vom 16. Mai (Nr. 144 der St. 3.) chon guf den 23sten zusammenberufen wurde. Die Berechnung stellt sih sonach also: i E „ernennen die Bez.-Koll. von 65 Depts. .-… 198 Dep.

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3. Juli die großen Koll. derselben Depts. 122 ta E y Bez.-Koll. von 20 Depts, r 65

„H - 20. Fulî ecnennt die Jnse

die

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die gronen Koll. derselben Depts. 43

Korsika 2 zusammen . . 430 Dep.

tifels dur<h den Polizei-Präfekten Herrn Mangin von Amts-

wegen aufgefordert worden.

__ Das Journal des Débats beschuldigt das Ministe- rium nicht sowohl, daß es dem Publikum déíe amtlichen Armee-Berichte vorenthälte , sondern daß es ihm dieselben

in verfrüppelter Gestalt gebe. So leide es z. B. nicht den“

allermindesten Zweifel und werde durch Privat-Briefe besrä- tigt, daß am 16ten an der Afrikanischen Küste ein furchtba- rer Sturm gewüthet habe; der Vice-Admiral Duperré habe dieses Sturmes in seinem Berichte auch wirklich erwähnt, und zwar mit dem Bemerken, „daß derselbe zwei Stunden gewährt habe, und daß, wenn er noch länger angehalten hätte,

es um die Flotte geschehen gewesen wäre“; gleichwohl finde -

sich hierüber in dem von dem Moniteur bekannt gemachten „Bülletin nichts; woraus klar hervorgehe, daß die Depesche verstümmelt worden sey.

“Aus Toulon meldet man unterm 23. ‘Juni: „Die Brigg „„Faune,“/ vom Fregatten-Capitain Couhitte komman- dirt, lef gestern von Torre - Chica mit einigen Verwundeten hier ein; sie hat aber diesen Ort furz nah dem Dampfschiffe 1 Sphinx“ verlassen und bringt also nur wenige neuere Nach- richten, als diejes. Bei ihrer Abfahrt stand ein Theil der Armee noch in Torre - Chica, wo man mit der Erichtung eines großen Lagers beschäftigt war, das mit einem breiten Graben umgeben wurde, und in dessen Mitte 8 900 ge- fangene Türken sorgfältig bewacht wurden. Die gefangenen Ara- ber und Beduinen wurden nach ihren Wohnsiken entlassen und gütig behandelt. Auch die Brigg „„d’Assas‘/, so wie die Gabarren „Lézard‘/ und „Robuste/?, deren leßtere einen An- fer verloren und mehrere Havarieen erlicten hat, die Bom- benschiffe „„Vulcain// und „„Vesuve“/, die Brigg ,„Marsouin‘/ und die Korvetten „Astrolabe‘/ und „„Victorieuse//, so. wie cinige 40 Transportschisfe, sind gestern und heute auf der C Rhede vor Anker gegangen, um Lebensmittel für die [rmee an Bord zu nehraen.//

In einem Privat-Schreiben aus Staoneli, vom 19. d. M., heißt es: „Algier ist nicht so dúrre und Afrikanisch, wle wir es uns vorgestellt hatten. Es giebt viele bebaute Ländereien, Gebüsche und kleine dur<h Quellen bewässerte Thäler. Jun allen Gärten findet man, wie in Spanien, Brunnen mit Schöpfeimern. Ueberhaupt hat das Land das- selbe Klima und denseiben Charakter, wie das súdliche Spa- nien.

,„Man spricht heute‘/, sagt der Constitutionnel, „von der Zusammenkunft, die zwischen einigen dreißig, dem Könige treu ergebenen Staatsmännern stattgefunden habe, und worin die Lage des Ministeriums, in Folge-der neuen Wahlen , in Betracht gezogen worden sey. Alle stimmten darin überein, daß eine Aenderung in der Verwaltung absolut nothwendig sey , und daß das Jnteresse des Thrones, wie des Landes, solches in gleichem Maaße erheische. Eine erhabene Person soll ihnen zar Antwort gegeben haben, daß sie stets zu allen Combinationen die Hände bieten würde, die sih mit dem Wohle Frankreichs und der Würde der Krone vertrügen. Schon nennt man diejenigen Männer, welche bei der Bil- dung eines neuea Ministeriums die meiste Wahrscheinlichkeit zur Berufung in dasselbe für sih haben würden; dies wären die Herren v, Mortemart, v. Ambrugeac, Lainé und Pas- quier. Auch der Name des Herrn von Villèle ist genannt worden ; jedoch soll derselbe großen Widerspruch gefunden haben.“ Die Gazette de France, welche diesen Artikel wört- lich giebt, fügt blos in leßterer Beziehung hinzu: „Dieser Widerspruch wundert uns nicht. Herr von Villèle wird nie- mals wieder in die Verwaltung eintreten, wenn ihm solches von irgend einer Partei geboten wird Er ist zwei Jahre lang von Paris entfernt geblieben, blos um zu keiner Jn- trigue die Hände zu bieten, und man fann fest versichert seyn, daß jedesmal, wo sein Name, sey es von seinen Freun- den oder von seinen Feinden, genannt worden, solches immer ohne sein Zuthun geschehen ist.// Aus einem andern Arti- fel leuchtet gleichwohl. hervor, daß die Gazette keinesweges die Hoffnung aufgiebt, Herrn von Villèle wieder am Ruder zu schen. Sie sagt nämlich: „Die Wiedererwählung derjenigen Männer , die der König wegen einer verfassungswidrigen Adresse von sich entfernt hatte, beweist, was wir immer - ge- sagt, daß nämlich die Wahl-Kollegien dur<h den Einfluß des leitenden Ausschusses beherrscht werden. Gegen eine Faction anzukämpfen, ist zwar die Pflicht eines jeden Ministeriums, aber eine andere eben so heilige Pflicht ist, daß es seine Kräfte messe. Das quid valeant humeri gilt als Regel, nicht blos in der Literatur, sondern auch in der Politik.

Mehrere hiesige Blätter hatten gemeldet , baß dem Ex- deputirten Guilhem seine bisherigen Lieferungen für das Ma- rine- Ministerium genommen worden seyen. Herr Guilhem,

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7 cines bedeutenden Handlungshauses in Brest, etklärt Bn a daß er diese Lieferungen auf dem Wege Her Konkur- renz und des öffentlichen Zuschlags an sich P M 9 und nicht glauben kônne, daß man ihn bei seinem woh e rIMAIPOn O Rechte fränken wolle; übrigens würde der Verlust dieses Geschäfts ihm eben so gleichgültig seyn, als seine Abseßung von Aemtern, und er benube hjogar dieje Gelegenheit, das Mini-. sterium zu benachrichtigen , daß er außer den ihm abgenom- menen Functionen eines Mitgliedes des Departements - Con- seils, noch jeßt die Aemter eines Stadtraths, eines Präsiden- ten des Handels-Gerichtès und Vorstehers der Sparkasse zu

efleide. i Bre Ee nal du Toulouse meldet, daß, auf die Nachricht von der in Montauban erfolgten Ernennung des Grafen von Preissac (Kandidaten der Opposition) zum De- putirten , der Pöbel jener Stadt sich zusammengerottet und allerhand Unfug getrieben habe, endlich aber von der Gens- darmerie verjagt worden sey. i a4 4

Am 8ten k. M. wird sich der Königl. Gerichtshof unter Anderm mit dem Cassationsgesuche des, wegen Beleidigung mehrerer Gerichtshöfe in seiner Denfschrist an den König, zu 14tägiger Haft verurtheilten Herrn Madrolle beschästigen. Jn derselben Sißung wird der Gerichtshof über das Gejuch des Redaêteurs der Gazette de France, Barons Genoude, daß man ihm provisorisch und bis der Cassationshof über ‘sein Cassations-Gesuch in dem Prozesse mit dem Baron Méchin entschieden haben wird, seine Freiheit lasse, das Urtheil fällen.

Der kützlich verstorbene Bischof von Beauvais is nur 45 Jahr alt geworden. „Der König‘/ sagt das Journal des Débats, „verliert in ihm einen treu ergebenen Un- terthan, die Pairs-Kammer einen von den reinsten Absichten beseelten Redner, die Kirche einen Diener, der die von ihr auferlegten Pflichten den Bewohnern seines Sprengels lieb und werth zu machen wußte, und dessen ganzes Leben ein Beispiel sanfter Frömmigkeit und wahrhaft evangelischer Milde war. Sein Verlust wird tief gefühit werden; der Arme wie der Reiche wird sih sciner stets in Liebe erinnern und sein. Andenken segnen.“ |

Vor Kurzem ijt in Chambery der General Graf von Boigne in einem Alter von 52 Jahren gestorben. Er stand in seiner Jugend in Französischen und Russischen Diensten, ging später nah Judien, trat in die Dienste der Ostindi]chen Compagüie und zuleßt in die des kriegerischen Mahratten- Fürsten Mahadajey -Sindia, der ihn zum General eines be- deutenden Truppen - Corps und zum Gouverneur einer ‘Pro- vinz ernannte. Nach dem Tode des Sindia, dessen militairische und politische Talente den Engländern so viel Nachtheil zu- gefúgt habem, wurde General Boigne dur<h den Nachfolger desselben als Gouverneur von Hindostan bestätigt, lehnte dieje Stelle jedoch ab und fehrte, des unruhigen Lebens müde, nach Europa zurú>, indem er eine tresslich disciplinirte Ar- mee, gute Militair - Anstalten und die Keime einer zukünstf- gen Organisation in Indien zurückließ. Während seines lan- gen Aufenthalrs in Asien hatte er sich ein ungeheueres Ver- mögen erworben, das er nach seiner Rückkehr in seine Vater- stadt Chambery zu Schenkungen und milden Stiftungen ver- wendete, deren Betrag der Précurseur de Lyon auf 3,678,000 Fr. angiebt. Seiner hier in Paris lebenden Frau hat der General Boigne eine lebenslängliche Pension von 60,000 Fr. ausgeseßt. Das von ihm hinterlassene Vermögen, dessen Erbe ein Sohn ist, wird auf 15 bis 18 Millionen Fr: angegeben.

Der Oberst Fib- Clarence ist in der vergangenen Nacht von hier nach London abgereist.

Auf die Behauptung eines hiesigen Journals, daß die Zahl der Abonnenten der Gazette de France seit zwei Monag- ten abgenommen habe, bemerkt dicses Blatt, es habe am 19. Mai 9226 Exemplare abgesebt, wogegen es jeßt 10,348 Exem- plare abziehen lasse. Zum Beweise dieser Angabe erklärt die Gazette sich bereit, dem Nedacteur des Eingangs erwähnten Journals ihre Bücher aufzuschlagen.

Die Feindseligkeiten zwischen den Spanischen und Fran- zösischen Hirten auf den Pyrenäen haben nunmehr im Thale Cize wirkli begonnen. Die ersteren, welche angefangen hat- ten, auf die Franzosen zu feuern, wurden von diefen zurück- getrieben und verfolgt.

Großbritanien und Jrland.

Parlaments-Verhandlungen. Jm Oberhause leisteten am 28. Juni viele Pairs, ‘die sich niht {hon am 26sten eingefunden Hatten, dem jeßt regierenden Könige den Unterthanen-Eid. Am 26sten hatte, in Abwesenheit des Lord Kanzlers , Lord Auckland den Siß auf dem Wollsack ein- genommen. Marguis von Lansdown erklärte am 28sten, daß er, der éingetretenen besonderen Umstände wegen, seinen

Antrag auf die im Ausschusse des ganzen Hauses vorzuneh- mende Berathung der Bill wegen Sill nagen auf nächsten Donnerstag (den 1. Juli) verschiebe.

__— Auch im Unterhause beschäftigte män sich am 28sten mit den Eidesleistungen der Mitglieder. Auf die Frage des Herrn Brougham, wann. das Haus sih mit den durch das Ableben des Königs Georg IV. nothwendig gewordenen Anordnungen beschäftigen werde, antwortete Sir Rob. Peel, daß dem Hause am nächsten Tage (den 29. Juni) eine Bot- schaft Seiner jeßt regierenden Majestät mitgetheilt werden würde, und daß es daher schilich seyn dürfte, jede vorläu- fige Erörterung über diesen Gegenstand zu vermeiden. Der Minister rechtsertigte zugleih den Lord-Steward des Hau- ses (Marquis von Conyngham) wegen der wider ihn vor- gebrachten Beschuldigungen, daß er am 26sten (am Todes- tage des Königs) nicht zeitig genug im Unterhause er- schienen sey, um dasselbe von dem eingetretenen Ereigniß amtlich in Kenntniß zu seßen. Derselbe, sagte er, sey zu- gleich Constable des Schlosses von Windsor und habe in die-*. ser Eigenschaft die Aufsicht Úber die Königl. Leiche gehabt ; daher sih heine Anfnnft in London verspätete. Man- gel an Achtung gegen das Haus sey dem genannten Edelmanne - gewiß in feinem Falle vorzuroerfen. Herr W. Wynn nahm die Gelegenheit wahr, bemerfkflih zu machen, welche Unbequemlichkeiten für die Mitglieder. des Unterhauses das Amt und das Büreau des Lord-Steward habe, wel- chem jedes neue Mitglied einen Eid leisten müsse, der ganz überflüssig sey, da er herna<h im Hause selbst wiederholt werde. - Er kündigte darauf an, daß er eine Bill zur Abschaffung dieser Unbequemlichkeit in Antrag bringen werde. Herr Brougham machte die Anzeige, daß er am 6. Juli die wichtige Frage wegen der “Skflaverei in den Kolonieen zur Sprache bringen wolle. Das Haus vertagte sich um 47 Uhr Nachmittags. :

London, 29. Juni. Se. Majestät der König verließen gestern früh um 7 Uhr das Schloß von. Bushy-Park, statteten dem Herzoge von Cumberland in Kew einen Besuch ab, und fuhren, in Gesellschaft Sr. Königl. Hoheit, in einem offenen Landau, gefolzt von ciner Uhlanen. Esforte, durch Hyde- Park nah dein St. James - Pallaste. Das auf dem Wege ver- sammelte Volk grüßte den Monarchen ehrfurchtsvoll, und Se. Majestät dankten mit herablassender Freundlichkeit.

Kurz vor 10 Uhr fam Se. Majestät im Pallaste von St. James an. Bald darauf verfündete der Kanonendonner den Anfang der der Proclamirung des Königs vorangehen- den (Ceremonien. Der Wappen - König Sir G. Nayler be- fand fich mit den Herolden zu Pferde, die {were silberne Scepter trugen, im Hofraume auf der westlichen Seite des Pallastes. ‘Diesem gegenüber war ein Detaschement der

| Leibgarde aufgezogen. Das Volk, das den stattfindenden

Ceremonien zusehen wollte, wurde in den Hof-Raum einge- lassen. Wenige Minuten nach 10 Uhr wurde das große Mittelfenster des Pallastes geöffnet, und Se. Majestät er- schienen ohne Gefolge, schwarz gekleidet und geschmückt mit dem Hosenband-Orden.- Der König verneigte sich drei Mal gegen die zahlreich im Hofe versammelten Zuschauer, die -ihn mit dem lautesten Jubelrufe empfingen. Ein Chor von Trom- petern, die is prächtige Staats.- Uniformen gekleidet waren, stimmte das Volkslied: „God save the King” an. Die Herzöge von Cumberland, Sussex, Gloucester , Prinz Leo- pold, die Kabinets-Minister und Groß-Wäürdenträger erschie- nen und bildeten einen Halbzirkel im Hintergrunde des Fen- sters, in welchem sich Se. Majestät befand. Der Wappen- König , der unterhalb dieses Fensters zu Pferde hielt , verlas mit lauter Stimme die Proclamation und wurde mehrmals, besonders aber als er den Namen „König Wilhelm der Vierte‘ verkúndete, dur<h den Jubelruf des Volkes unter- brochen. Se. Majestät erschienen während der Verlesung der Proclamation sehr bewegt, verneigten Sich wiedeèholent- lih und zogen Sich, als der Wappen-König geendigt hatte, zurück. Es wurde sodann von Neuem das Lied „God save lhe King” angestimmt. Es fand darauf Cour beim Könige und demnächst ein Geheimer - Rath statt, wo die noch nicht vereideten Mitglieder den Eid ablegten. Als neues. Mit- glied desselben wurde ‘der Herzog von Norfolk anfgenom- men, nachdem er vorher den durch die vorjährige Parla- ments-Afte vorgeschriebenen Eid geleistet hatte. Der Herzog wurde sogleich in seiner erblichen Eigenschaft als Earl - Mar- shal von England düur<h den Geheimen Rath. beauftragt, einen an alle Britischen Unterthanen gerichteten Befehl zu er- lassen, vom 30. Juni ab in tiefer Trauer zu erscheinen. Se. Maj. ertheilten darauf noch mehrere Audienzen und verließen um 52 Uhr den Pallast, um sich nach Bushy- Park zu bege-