1830 / 228 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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offenen Wagen. Eine Abtheilung nicht uniformirter Natio- nal-Garden zu Pferde schloß den Zug.

Nach der eben erwähnten Sißung der Pairs und De- putirten fand ein großes Mittagsmahl auf dem Palais-Royal statt, wozu mehrere Pairs, Deputirte und sonstige angese- hene Personen eingeladen waren. Abends war die Stadt erleuchtet, und ungeachtet eines heftigen Gewitters- wurden die ganze Nacht úber Feuerwerfe abgebrannt.

Unter der Ueberschrist: Von dem Huldigungs- Eide, enthält der Moniteur Folgendes: „Wenn eine ge- rechte von allen Ausschweifungen lautere Staats-Umwälzung plöôblih der Dynastie cines Landes ein Ende macht, so is die Mitwirkung aller guten Bürger erforderlih, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und die‘ neue Regierung vor der Anarchie zu bewahren. Theorieen dürfen nicht an die Stelle des Gemeinwoh!s treten; Fragen úber die Form dúr- fen den Gang der ôffentlihen Angelegenheiten niht hemmen; vorzüglich aber müssen alle Beamten, alle obrigkeitlichen Per- sonen bedenfen, daß blos zur Wahrnehmung des allgèmeinen Besten -ein Theil der Staatsgewalt in ihre Hände gelegt worden ist. Es giebt keine persdnlihe Meinung, keinen Ge- wissens-Zweifel, kein Bedauern, die nicht jenem großen Ge: danken nachstehen müßten, und Jeder, der hierüber anders dächte, würde seinem Mandate zuwider handeln, Die Staats - Verfassung ist verleßt worden , derjenige selbst, der ihr hätte Achtung verschassen sollen, hat sie verkannt; er hat dadurch jedes Band, das ihn an das Volk fkuúpfte, zerrissen, und die ganze Nation ist aufgestanden, um ihn zu verbannen und- ihre Rechte wieder geltend zu machen. Siegreich und frei, hat diese Nation ihr Schickjal in die Hände des Herzogs von Orleans gelegt; es beginnt sonach eine neue Zeitrehnung für sie. Die Verleßung des Eides Karls X. spricht zugleich alle Diejenigen los, die ihm das Versprechen gegeben hatten, Geseße, die er selbst feierlich gebrochen, zu ehren. Die Beamten, welche jeßt als Bürger blos die Pflichten zu üben brauchen, die Allen gemeinsam sind, haben nichts mehr als ihr Gewissen zu befragen, und dieses muß ihnen lauter als alle Eidschwüre sagen, daß die heiligste der Pflichten darin besteht, über die öffentliche Ruhe zu wachen, die Herrschaft der Geseße, worauf jene beruht, Zu sichern, dem neuen Staats-Oberhaupt, in Ermangelung von Muth, mit ihren Einsichten beizustehen und sämmtlichen Zweigen der Verwaltung die Kraft, welche niederhäit, und die Weisheit, wélche beschwichtigt und Anhänglichkeit erzeugt, aufzudrücfen. Besser als irgend Jemand begreift der Herzog von Orleans alle die Gefühle, welche die neue Lage der Dinge aufgeregt hat, und er besibt zu viel Tugend, zu viel Zartgefühl, zu viel Seelengröße, als daß er dieselben nicht ehren sollte; aber Frankreich, dem es mehr um seine Ruhe, als um den ritterlihen Schmerz einiger - Anhänger der Bourbons, zu thnn seyn muß, würde“ jeden Handhaber der Gewalt fragen, ob er das ihm anvertraute Gut empfan- gen habe, um ausschließlich einer mit den Neigungen, Sitten und Jnstitutionen des Landes unverträglichhen Familie zu die- nen, oder um sih dem Wohle seiner Mitbürger zu weihen. Einerseits erblien wir einen König, der - seine Eidshroûre verleßt hat; andererseits eine große, hochherzige, licbevolle Nation, die nichts verlangt, als daß sie mit redlichen Absich- ten regiert werde. Welcher Beamte könnte da noch zaudern ? Und im Uebrigen, was ist ein Amts-Eid? Es ist die Ver- pflichtung -des Beamten, die Macht, womit er bekleidet wor- den, dem Wohle des Landes zu widmen. Das Prinzip jedes Amts - Eides ist also das allgemeine Beste; leistet man ihn dem Souverain, so geschieht solches blos, weil dieser olle Interessen, alle Rechte der Nation repräsentirt. Jst er aber nicht de facto für null und nichtig zu betrachten, sobald jener Souverain keines dieser Rechte und Jnteressen mehr reprä- sentirt? Möge daher die Erfüllung des National-Wunsches nicht durch eitle Spibfindigkeiten, falsche Schaam oder eine

bedauernswürdige Etiketten-Frage verzögert werden. Jhr Be- amten, Richter, Magistrats - Personen, bedenkt vor Allem, daß Jhr Franzosen seyd, daß der König selbst nur die Krone erhalten hat, nachdem er- geschworen, Frankreich. glücflich zu machen, und daß Eure Mitbürger die Augen auf Euch hef- ten, wie auf die Vorposten der dffentlichen Ruhe und Ord- nung. Seyd versichert, daß Jhr Euern Beruf redlich er- füllt, wenn Ihr Euch treu zeiget der Nation und dem neuen M den die Liebe derselben auf den Thron berufen hat.‘ ie Quotidienne stellt folgende Betrachtungen an : ¿¿Wir wundern uns, daß man die Katastrophe, welche die Welt in Erstaunen gesebt hat, einem einzigen Umstande bei- mißt. Der Sturz eines Thrones rährt in der Regel von mehrfachen Ursachen her, welche ein tiefes Studium verdie- nen, und es ist zu leiht, zu sagen: „Ein Staatsstreich hat

Alles verdorben //, als daß dieses Urtheil ein wahrhaft polí- tisches seyn fönnte. Thatsache ist es, daß seit funfzehn Jah- ren in Frankreich Alles gethan worden ist, um durch Gewalt oder durch eine immer zunehmende Schlaffheit diese außer- ordentliche Entwickelung herbeizuführen. Wir haben zu den verschiedenen auf einander folgenden Ministerien gesagt: Eh- ret das Verdienst, belohnt die Treue, gebt populaire Gesebe, verbreitet und erhaltet die Grundsäge der Ordnung, brand- marft die Scheinheiligkeit, verbannt die Jntrigue. Oftmals haben wir die traurigen Folgen einer persönlichen und eng- herzigen Politik vorausgesagt; die Alles auf das Juteresse der Minister zurÜcfführte, statt das Juteresse der Monarchie im Auge zu haben. Unjere Weissagungen wurden für Träume eines Wahnsinnigen gehalten. So úberließ sich die-Gesellschaft immer mehr verführerischen, den Leidenschaften \s{chmeichelnden Lehren, während es so. leicht gewesen wäre, sie aufzuklären und durch Geseßze der Tugend und Ehre zu leiten. Wir brauchen den wahren Zustand Frankreichs in dem Augenblicke, wo die Ver- ordnungen vom 25. Juli wie ein Bliß erschienen, wir bra- chen die Aufregung der Gemüther, das allgemeine Mißbeha- gen, den Wunsch nah Veränderung, die Neigung zum Auf- ruhr, kurz Alles das nicht erst zu beschreiben, was den na- hen Fall eines Reiches verkündet. Die- Verordnungen gleichen einem Funken , der auf einen Pulverhaufen fälle. Funfzehn Jahre ciner fehlerhafsten Regierung haben diese große Explo- sion vorbereitet, und dennoch muß man sagen, daß nie ein Volk geeigneter als das unsrige war, den Frieden und das Glück einer aufgeklärten Regierung zu genießen. - Nicht die Könige, sondern die Selbstsucht und die Unfähigkeit der Mi- nister waren Schuld, und so fam es, daß der von dem schôn- sten Heere der Welt vertheidigte Thron so plöslich zusam- menbrach, daß auch die mit dem flarsten Blicke begabten Männer diese Katastrophe niht voraussehen konnten.“

Der Temps enthält einen Aufsaß, worin er die Noth- wendigkeit einer Auflösung und neuen Zusammenstellung der Deputirten-Kammer zu beweisen sucht.

Der Moniteur bezeichnet die gestrige Behauptung der Gazette, daß die Pairs-Kammer 392 Mitglieder zähle, als einen groben Jrrthum. Jene Kammer habe am 7. August nur aus 303 Mitgliedern bestanden, und der zu einer Ab- stimmung erforderliche dritte Theil derselben + 1 betrage sonach nicht 132, sondern nux 103. ,

Im Journal des Débats liest man Folgendes: „Die Langsamteit, womit Karl X. reist, er hat allein im Depar- tement der Orne drei Tage verweilt hat einige Berwun- derung in der Normandie erregt, wo man seiner Ankunft stündlich entgegen sah und die benöôthigten Postpferde schon seit 8 Tagen bereit hielt. Wie wir vernehmen , ist nunmehr vorgestern der General Rémond mit einem besondern Auf- trage des Kriegs-Ministers abgegangen, um die Reise Karls X. durch die Normandie zu beschüben und zu beschleunigen. Hr. v. la ‘Pommeraye, Deputirter des Calvados, hat cinen ähnli- chen Auftrag erhalten.‘ |

¿Eine der vielen irrigen Meinungen““, äußert die Ga- zette de France, „die in diesem Augenblicke im Umlaufe sind, ist auch die, daß man die Lilien als das eigenthümliche Wappen der Bourbons betrachtet. Schon seit der Regierung Ludwigs des Júüngern, d. h. seit dem zwölften Jahrhundert, wo die Wappen überhaupt erst gebräuchlich wurden, sieht man auf der Krone und dem Mantel der Französishen Könige die Lilien. Sie befanden sich Anfangs auf dem Wappen- {ilde in großer Anzahl. Karl VI. aber stellte die Zahl der- selben auf 3 fest, wie man sie bis auf unsre Tage gesehen hat. Die Erjebung derselben durch den Gallishen Hahn während der Republif beruht lediglich auf einem Wortspiele, da Gallus im Lateinischen zugleich einen Hahn und einen Franzosen, oder, besser gesagt, einen Gallier bedeutet.‘

Der Moniteur theilt folgende Nachrichten aus den Departements mit: „Jun Lyon wurden am 6ten d. M. der neue Maire und seine Adjunkten installirt. Auch ein neuer General-Polizei-Kommissarius und vier Viertels-Kommissarien sind angestellt und beeidigt worden. Das Vertrauen beginnt sich wieder einzufinden, und die Handels - Geschäfte nehmen ihren gewöhnlichen Gang. Jn Marseille wurde die drei- farbige Fahne am 5ten aufgepflanzt; zwischen den Bürgern und der aus dem 58sten Linien-Regiment und dem Regiment Hohenlohe bestehenden Garnison herrschte die beste Eintracht. Der Präfeft v. Arbaud-Jouques hat das Dept. der Rhone-Múündun- gen verlassen. General Partouneaux liegt in Marseille krank. Der dortige Maire unterstüßt die Bildung der National-Garde aus allen Kräften. Jn Grenoble, Aix, Avignon, Vag- lence, so wie inder ganzen Provence und Dauphiné, weht die dreifarbige Fahne sogar in den Dörfern. Jn allen súd- westlichen Städten ist dasselbe der Fall. General Despinois,

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der einen Haufen von 13 1400 Bauern ín der Vendée um sich versammelt hatte, wird von ihnen verlassen und hat faum noch 100 Mann; er hat sich nah Rochelle gewandt. Auf der ganzen Straße von Nantes nah Paris ist Alles ruhig und mit der neuen Ordnung der Dinge zufrieden. Jn Clermont-Ferrand ist die Garnison vom besten Geiste beseelt, und der General Sainte Suzanne hat si erschossen, weil die Truppen sich weigerten, auf die Bürger zu feuern. Jn Brest trug man am b6ten“die Búste Lafayettes durch die Stadt; täglich fanden Festlichkeiten und Bankette statt. Jn Pontoise wurden auf die Nachricht, daß die Deputirten- Kammer dem Herzoge von Orleans die Krone angetragen habe, alle Häuser erleuchtet. Jn Toulouse wurde am áten, nachdem die Proclamation des General- Statthalters dort angefommen war, die dreifarbige Fahne aufgesteckc und eine provisorische Stadtbehörde gebildet. Der Divisions-Ge- neral, Baron Raynaud, hat an alle Garnisonen seiner Divi- sion den Befehl übersandt, die dreifarbige Kokarde anzulegen. In Orleans sind am ¿ten d. zwei Schweizer-Regimenter angekommen und haben ihre Waffen niedergelegt. Die Stadt war mit Truppen von der aufgelösten Garde angefüllt , die größtentheils ihre Waffen und Effekten verkauft hatten.“

Man glaubt, daß der Herzog von Chartres den Titel eines Dauphins gegen den eines Kronprinzen vertauschen roerde.

Die Regierung will, wie der Globe meldet, den König von England um die Auslieferung der Ueberreste Napoleons bitten, um sie unter der Säule auf dem Vendöôme - Plate beizuseßzen.

Die Sißungen der Pairs-Kammer werden von nun an, gleich denen der Deputirten-Kammer , öffentlich seyn; wegen des beschränften Raumes des Sißungs - Saales der Pairs wird jedoch nur eine geringe Zahl von Zuhörern zugelassen werden können.

Gestern Nachmittag um 47 Uhr wurden 1500 Zöglinge der medizinischen Schule, den Dekan Herrn Dubois an der Spi6e, von dem Könige empfangen. Der Herzog von Char- tres begrúßte unter diesen jungen Leuten mehrere als jeine früheren Schulgenossen auf das Freundlichste.

Mehrere hier anwesende ehemalige Zöglinge der polytech- nishen Schule, namentlich der General - Major Fabvier, der Ingenieur -Oberst Lamy und einige andere Stabs - Offiziere, veranstalten zu Ehren der Zöglinge dieser Anstalt, die sich in den Tagen des 27stten, 28sten und 29sten durch Muth und Tapferkeit ausgezeichnet haben , auf den 16ten d. ein großes Festmahl. :

Nach einem Berichte, den die Aerzte und Chirurgen der vekschiedenen hiesigen Lazarethe bei der medizinischen Akade- mie eingereicht haven, sind in den Tagen des 27., 28. und

_29. Juli im Ganzen 7000 Menschen getôdtet oder verwun-

det worden ; vor drei Tagen zählté man in den Kranken-An-

#alten noch 1700 Verwundete. Die See - Präfekten sind mittelst Rundschreibens ange-

wiesen worden, die Namen mehrerer Kriegsschiffe zu ändern ;

{o wird das noch auf den Werften liegende Linienschiff „der Graf von Artois// künftig: „die Stadt Paris‘/, „der Her- zog von Bordeaux‘: „Friedland‘/, „der Royal Charles‘‘: 2, Zemmappes‘‘, „der Dauphin Royal‘: „Fleurus‘/, und die Fregatte „der zwölfte April// künftig „„die Charte‘ heigen. Mehrere abgetakelt in den Häfen liegende Schiffe sollen die Namen wieder führen, die sie vor 1814 hatten.

Der neue Stadt-Rath von Paris hat Herrn Lebeau

¿um Práâsidenten und Herrn Lecomte zum Secretair gewählt.

__ Der Courrier français giebt folgende Details úber die Verhaftung des Hrn. Guernon de Ranville durch die National-Garde von Tours : „Der Ex-Minister des dffentlichen Unterrichts gab sich für einen Bedienten des Hrn. Chante- lauze aus, bemühte sich, schlecht Französisch zu sprechen, und machte in einigen Zeilen, die man ihn auf dem Rathhause zu schreiben nöthigte, mehrere orthographische Fehler. Man wollte ihn schon frei lassen, als ein mit der Post angekom- mener Reisender ihn für den ehemaligen Minister erkannte.“

Die 6000 Mann starke Jufanterie- Division des Lagers von Saint-Omer ist am 5ten d. M., mit den Nationalfarben geschmückt, unter Anführung des General-Lieutenants d’Alton in Amiens eingerúckt. Der Befehl über diese Truppen ist durch den provisorischen Kriegs-Minister dem General Roguet Übertragen- worden.

Das Aviso de la Méditerran'née enthält folgendes Privatschreiben aus Algier vom 22, Juli: ¿Man fährt fort, die Kassaubah sorgiältig zu durhsuchen, und findet täg- lich ‘noch verborgene Schäße. Jn einem unterirdischen Ge- mache, das nur durch eine faum bemerkbare mit Gittern

versehene Oeffnung Licht erhielt , fand man 5 bis 6 Millio- |

nen in Silbermünzen aus dem 16. Jahrhundert. Man fin- det viele Spanische und Venetianische Münzen , die nur we- nig Legirung zu haben scheinen und bei einer Umschmelzung nah dem Sranzdsischen Münzfuße Gewinn geben worden. Wie es scheint, legte jeder Dey sich einen besonderen Schaßz an; da diese Regenten aber in der Regel eines ge- waltsamen Todes starben, so blieb ihnen nicht Zeit- úbrig, ihre Ersparnisse bei Seite zu bringen, die deshalb in der Kassaubah angehäuft liegen blieben. Die Ruhr nimmt unter den Truppen, namentlih unter den außerhalb der Stadt lagernden Regimentern, immer mehr überhand. Leß- tere liegen auf einem Erdboden, der den Tag über durch eine Hie von 28 bis 30 Grad in einen glühenden Zustand verseßt wird, und sind Abends einem Thau ausgesebt, der einem fleinen Regen gleicht. Dieser schleunige Wechsel der

Temperatur greift die Truppen sehr an. Zwei Divisionen

sollen nach Frankreich zurückgeschickt werden, und auch von der Flotte soll nur eine Abtheilung unter dem Befehle des Capitain Massieu de Clerval zurückbleiben.//

Dasselbe Blatt meldet aus Torre - Chica vorma 20. Juli: „Die Halbinsel Sidj-Ferruch wird jeßt durch an: derthaib Compagnieen von der Marine-Artillerie, durch das 48sstte Linien-Regiment und 1200 See-Soldaten bewacht. Auf der Rhede liegen 14 Kriegs-Schiffe und mehrere Transport- Fahrzeuge, die unter den Befehlen des Capitains der Fre- gatte „„Venus‘“, Heren Russel de Belfort, stehen. Die Halh- insel wird von einem Obersten befehligt. Auf der ganzen Flotte ist nur ein einziger Offizier verwundet worden, und zwar auf dem Linien-Schiffe ,, Provence ‘‘ durch das Zer-

_plaben eines Geschüzes. Die Land-Armee zählt zwar mehrere

Verwundete, aber die meisten Wunden sind nicht gefährlich. Nur sechs Jufanterie - Offiziere sind in das Lazareth nach Nahon gebracht worden, die Kranken genesen dort sehr leiht, und bereits sind 150 als hergestellt von dort hierher zurü- gekehrt. - Ein Jeder fragt sich hier, was wir mit Algier ma- chen, ob wir es als Besißung behalten werden 2 Die Stade wäre eine schöne Kolonie; sie ist von fruhtbarem Lande um- geben, und die Beduinen hegen feinen Haß gegen uns ; bis- weilen schen sie uns sogar gera. Sie nehmen sich im All- gemeinen gut und bestehlen uns nicht , roas sie in mehreren Hâllen hätten thun föônnen. Jun den ersten Tagen nah der Einnahme ÁAtgiers wurden allerdings in der Umgegend einige Franzojen von den Einwohnern mißhandelt und sogar ge- tódret; seitdem ist dergleichen aber nicht mehr vorgefallen, und man fann jeßt mit Sicherheit die Gegend durchstreifen.. In Torre-Chica leben wir in vollkommener Eintracht mit den Bedui-

| nen; sle thun feinem der Unsrigen etwas zu Leide, soudern wen

sle einsam am Strande oder auf dem Felde treffen, den warnen sie vielmehr, sih nicht auf die andere Seite des Flusses, der sich in die Bai von Torre - Chica ergießt, zu wagen, weil dort Beduinen von Oran stehen, die sich noch als unabhän- gig betrachten. Die Araber bringen uns täglich frischen Pro- viant, dessen wir bei unseren s{chweren Arbeiten sehr be- dürfen. Man hat den Plan, zwei große Straßen in Algier zu bauen, von denen die eine längs dem Quai hin- laufen und die andere vom Hafen die Stadt der Länge nach durchschneiden und nach der Kassaubah führèn soll. - Die Truppen lagern vor der Stadt; täglich marschirt ein Ba- taillon hinein. um den Dienst zu versehen. Die Thore nah der Seeseite hin werden abwechselnd von einigen Compagnieen beseßt. Eine Compagnie von der Marine - Artillerie versieht den Dienst beim Hafen-Geshük. Am 13ten flog bei dem Garten des Dey eine Pulvermühlè iu die Luft, wodurch cine dort gelagerte Compagnie des 32. Regiments viel gelitten hat. Dieser Unfall wurde durch die Unvorsichtigkeit einer Marfketenderin veranlaßt, die in der Nähe der Pulvermühle Feuer angezündet hatte. Vierzig Mann wurden dabei mehr oder weniger shwer verwundet und in das Lazareth nach Algier gebracht. Man ist jeßt beschäftigt, sämmtliches Kriegs- geräth von “der Halbinsel an Bord der Schiffe zu schaffen, wozu man zehn Tage brauchen wird. Einige Geschüße sind bereits von den Batterieen abgefahren worden; nur die Lebens- mittel bleiben zurück und werden nach Algier gebracht.“

Aus Toulon wird unterm 31. Juli gemeldet: „„Meh- rere am Bord des Linienschiffes „Marengo‘/ zurúckgekom- mene junge Fürsten und Pairs, die theils als Freiwillige, theils als Zuschauer, an der Expedition Theil genommen ha- ben, befinden sich in der hiesigen Quarantaine; es sind die

erren Fibjames, Talleyrand, Noailles, Bethysi, Grammont, Maurice, Biancourt, Rasoumowsky und Chalais. Die gee stern Abend von Algier hier eingelaufene Fregatte „„Arte- mísia// hat zwei Strauße, als Geschenk des Grafen [von Bourmont für unsere. Stadt, mitgebracht. Der Lichter eeLuxor‘‘, dex auf dem hiesigen Werfte gebaut wikd, ist“ bes