1830 / 230 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

1754

lan, von ausgezeichnet shöner Arbeit , vor; beides Geschenke von Seiten Sr. Majestät des Kaisers, welche der General- Adjutant Chrapowibfi darzubringen beauftragt war. Am Zten, um 5 Uhr Nachmittags , begab sih Se. Königl. Ho- heit nah Pawlowsf, um von Jhrer Kaiserl. Hoheit der Großfürstin Helena Pawlowna Abschied zu nehmen. Der Prinz brachte den Abend daselbst zu und kehrte von dort nah St. Petersburg- zurü. Am «ten besah der Prinz das alte und neue Arsenal und das Gießhaus, wohnte als- dann der Aufrichtung einer Granitsäule auf dem Bauplaßtze der Jsaaksfkirche bei und besuchte endlich noch die Reit- und Fechts <ule. Zu Mittage: befand Sich Seine Königliche Hoheit auf cinem Diner diplomatique bei dem Gesandten Baron Palmstierna, zu welchem, außer dem Gefolge des Kronprinzen, das ge- jammte in dieser Residenz anwesende diplomatische Corps und der wirkliche Geheimerath von Diwow eingeladen waren. Der Wirth, von zweien Beamten der Schwedi\c - Norwegi- schen Gesandtschaft begleitet, empfing seinen Königlichen Gast unten an der Treppe. Während der Mahlzeit war Ta- felmusikf. Abends wohnte der Prinz im Französischen Theater der Vorstellung des „„Misanthrope‘/ bei. Am 5ten besuchte Seine Königliche Hoheit das Fräuleinstifr in Smolna und äußerte zu wiederholten Malen das hohe: Vergnügen an dem blühenden Zustande dieser Anstalt, die zu den rührenden Denkmalen der Muttersorgfalt gehört, mit denen Rußlands Kaiserinnen si<h das Wohl *Jhrer Landestöchter angelegen seyn lassen. Der Kronprinz speiste hierauf bei dem Ba- ron Palmstierna, mit den angesehensten Beamten der hiesi- gen Behörden. Am Abende besuchte der Prinz die Russische Vorstellung im kleinen Theater , woselbst, um dem Wunsche Seiner Ahiiialidhen Hoheit , die Russischen und Polnischen Nationaltänze zu sehen, zu genügen, auf Verfügung des Ober - Direktors der Kaiserlichen Schaubühnen, Fürsten Ga- garin, das Lustspiel „Liebe und Zufall‘/ und „die Landlust“/, , ein großes Divertessement, gegeben wurde. Am bten nach deni Frühstück reiste Seine Königliche Hoheit nebst Gefolge nah Peterhof ab, um si<h von dort am Sten nah Kron- stadt zu: begeben und die Rückreise anzutreten. Während der Abwesenheit des Staats - Secretairs Daschkow ist dem Staats - Secretair von Bludoff die Ver- waltung des Justiz - Ministeriums Allerhöchst übertragen en. f gt Minister des Jnnern, General-Adjutant Safrewoski, hat sich dieser Tage mit Allerhöchster Genehmigung in seinem Berufe als General - Gouverneur von Finnland auf einige Zeit in jenes Großfürstenthum begeben. Der wirklihe Ge- heimerath Engel, Mitglied des Reichs - Rathes , is indessen

mit der Verwaltung des Ministeriums des Junern beauf- |

tragt worden. L | G In Gemäßheit des Allerhd{<sten Manifestes vom 19. Mai 1817 hielc am 5ten d. M. das Conseil der Kredit - Anstalten des Reichs die jährliche Sißung zur Durchsicht der Rechnun- gen dieser Anstalten, welche Se. Erlaucht der Herr Finanz- Minister , General von der Jufanterie, Graf von Cancrin, mit einer Rede erdffnete, deren Eingang folgendermaßen lautete: „Meine Herren! Den Pflichten des Finanz-Ministers gemäß, habe ich die Ehre, Jhnen, meine Herren , eine kurze Uebersicht des Reichs-Kreditwesens für das verflossene 1829ste Jahr vorzulegen. Der im Jahre 1829 glücklich beendigte Krieg mit der Ottomanischen Pforte hat weitere Anleihen zur Deckung eines Theils der Kriegskosten überßlüjfig ge- macht; und ungeachtet des bedeutenden Belauses dieser Aus- gaben, haben si<h die Hüifsquellen unserer Finanzen nicht nux nicht erschöpft, sondern es sind noch große Summen in Vorrath geblieben. Jm Anfange des jeßigen 1830sten Jahres sind zwei wichtige Maaßregeln“ ergrissen worden : die eine, die Verminderung der Banfk-Procente; die andere, die einstweilige Aufschiebung des Ankauses von Fonds zum Behuf dex Schuldtilgung. - Die Ursachen, welche die erste Maaßregel durchaus nothwendig machten, und zwar die übermäßige Auf- háufung müßgiger Kapitale in den Banken , welche zugleich der Produftion entfremdet wurden, die Zinsbelastung der lie- genden Gründe sind so allgemein bekannt, daß sie, am wenig- sten für Sie, meine Herren, einex weitern Erläuterung bedürfen. Die Verminderung des Bank-Zinsfußes, die unter der Bürg- schast großer baarer Hülfsmittel angefangen worden, hat nicht nur keinen Schwierigkeiten unterlegen, sondern auf die Pro- cent tragenden Einlagen weit weniger Einfluß gehabt, als er- wartet werden konnte. Die andere Maßregel, die einst- weilige Einstellung des Tilgungs - Geschäfts, war nicht blos cine Folge der Nothwendigkeit, sondern auch eines berechne- ten-Vortheils ; der Nothwendigkeit, weil nicht hinlänglich Fonds zu Kauf geboten wurden; des Vortheils , in Be- trache des schnellen und außerordentlichen Steigens aller Eu-

ropäishen Fonds, uud insbesondere der Russischen; ein

Steigen, das schon während des Krieges angefangen und

nach dem Frieden si<h bedeutend vermehrt hat. Ohne Zwei-

fel wúrde es widersinnig seyn, unsere Fonds zu 10 bis 40

pCt. úber_ Pari aufzufausen , während feine Art von Ver-

bindlichkeit uns diese Opfer auferlegt. Außerdem ‘hatte diese

Einstellung der Schuldtilgung noch den Zweck, nöthigenfalls einen Theil des Tilgungs-Fonds zur Nachfüllung der Bank-

Kassen anzuwenden, im Fall die Rückforderung von Kapita- lien sich vergrößern sollte. Da indessen die Operation der Zins-Verminderung eine so günstige Wendung genommen, so bedursten die Banken bis jeßt nicht der- geringsten Unter- stüßung. Es ist demnach der Tilgungs-Fonds, der, mic Aus-

nahme des Holländischen, im Jahre 1829: 13,459,017 Rubel 71 Kop. in Assignationen betrug, nur zum Theil angewendet worden; es wurden nämlich 7,290,747 Rubel 345 Kopeken ur Tilgung wirklich verausgabt, und die übrigen 6,168,270 ubel 365 Kopeken sind auf Verfügung des Finanz-Ministe-

riums dem zurücgelegten Reserve - Kapital baar beigefügt worden, bis sich der Regierung günstige Aussichten dar- bieten, diese Summe zur Schuldtilgung zu benußen./* Nach dieser Einleitung ging der Finanz-Minister in die De- tails des Ganges der gesammten Kredit - Anstalten ein, aus denen sich folgende Resultate ergeben: Am 1. Januar 1830 betrugen die zum Bereich der Schuldentilgungs - Kommission gehörenden Termin - und Renten-Schuldèn in Assignationen 718,575,479 Rubel; dem Tilgungs - Fonds blieben in Kassa an Gold 761,471, an Silber 258,950 und an Assignationen 2,392,707 Rubel; das zurückgelegte Reserve - Kapital betrug | an Gold 96,255, an Silber 1,914,635 und an Assignationen 13,390,527 Rubel. Die Masse der im Umlauf stehender Bank - Assignationen betrug, wie in den vorigen Jahren, die unveränderte Summe von 595,776,310 Rubeln. - Das eigen- chúmliche Kapital der Reichs-Leihebank war in Gold 15,704, in Silber 549,934 und in Assignationen 17,687,678 Rubel, worunter cin Reserve - Kapital von 1,000,000; ausgeliehen wurden im Laufe des Jahres in Silber 130,000 und in As- signationen 57,130,908 Rubel, und eingetragen in Gold 1545, in Silber 28,821 und in Assignationen 259,301,375 Rubel ;) der reine Gewinn der Bank im Jahre 1829- betrug in Gold 1085, in Silber 26,965 und in Assignationen 2,706,031 Rubel. Das Kapital der Kommerz-Bank betrug 30,000,090 ;. sie discontirte Wechsel für 96,652,354 und {hoß auf Waaren vor 6,110,955 Rubel; der reine Gewinn der Bank und ihrerComp- toire betrug, nah Abzug der Unterhaltungskosten, 1,195,918 Ru- bel. Nach Darlegung dieser Details {loß der Finanz-Minister seine Rede mit folgenden Worten: „Die Erwägung aller hier beigebrachten Ereignisse wird Sie, meine Hexren, hoffentlich in der Ueberzeugung bestärken, daß, wenn unsere Kredit-An- stalten nicht wanften' im Laufe des Krieges, ihr Gang wäh- rend des Friedens nur fest und vortheilhaft seyn kann, eines Friedens, der, unter dem Schuße der göttlichen Vorsehung, durch die Tapferkeit der Russischen Krieger mit solchem Ruhm errungen-werden.‘/

Einem- amtlichen Bericht über den Fortgang und Bestand der hiesigen evangelisch -reformirten Kirchenschule zufolge, be- lief sich deren Kassenbestand am 30. Juni 1827 auf 9488 R. 99 Kop. Seitdem wurden bis zum 1. Dezember 1828 an. Schulgeldêrn und Beiträgen verschiedener Art 27,063 Rubel. 9 Koy.- eingenommen und dagegen 21,843 Rubel 11 Kop. aúsgegeben, wonach ein Uébersc<uß von gegen 15,000 in der Kasse verblieb. Der Wirkungskreis der Schule is auf 200 Schüler ausgedehnt, die in 4 Klasse vertheilt find und jähr “_lih 60, 80, 100 und 120 Rubel Schulgeld bezahlen.

Am 22. Juli wurde in Riga der mehrwöchentliche Land- tag des Liefländischen Adels geendigt, und ein Comité dessel- ben beschäftigt sich jeßt mit der Ausarbeitung seiner Beschlüsse, um solche der Gouvernements-Regierung zur Bestätigung vor- zulegen. Es sollen mehrere für die inneren Verhältnisse der Provinz wichtige darunter seyn. Man- versichert (meldet das dasige Provinzialblatt) daß sich die völlige Freigebung des- _Korntausches gegen Branntwein, zu bestimmten Preisen, dar-

zwischen Dorpat- und Reval , auf Kosten des Adels da die gegenwärtige einen großen Umweg macht. Daß die alterr

und neue gebahnt werden, ist ohne Zweifel ein Haupt -Be- dürfniß derselben.

Fn Petropawlowsf waren vom 10. Juni an bis zum 5. Zuli en der Kirgisensteppe und aus der Stadt Taschkent 131 Kameele und 269 Fuhren mit Waaren verschiedener Art, als Lämmerfelle, Pelzwerk, grobe Filze, gesponnene Baum- wolle, baumwollene Zeuge, getrocknete Früchte, Ziegenwolle u. s. w. angebracht worden. Am 7. Juli traf dort éine aus

unter befinde, und die Anlegung einer kürzeren “Poststraße:

Wege der Communication in diesen Provinzen erleichtert:

1755

228 Kameelen und 85 Fuhren bestehende Karavane aus Taschkent ein, Sie hatte 46 Tage auf der Reise zugebracht. Den gewöhnlichen Weg nehmend, ward sie bei dem Ueber- gange über den Fluß Tschu von einem Haufen Kirgisen Überfallen, um sie zu plúndern, woran dieselben jedo<h von den wohlberoaffneten Begleitern der Karavane gehindert wur- den, Es gelang den Kirgisen indessen, der Karavane auf beiden Seiten des Flusses den Weg abzuschneiden, so daß sie nicht weiter ziehen konnte und sich gezwungen sah, sich mit den Räubern durch ein Geschenk von 220 Stücken baumwol- lenen Zeuges abzufinden. Fm Jnnern Asiens war während der Reise der Karavane weder von der Cholera no<h von irgend einer anderen anste>enden. Krankheit etwas zu höôren gewesen. : i

Odessa, 4. August. Auf den Autrag Sr. Excellenz des General-Gouverneurs von Neu-Rußland und Bessarabien haben Se. Majestät der Kaiser folgenden Ukas an den Fi- nanz-Minister erlassen: „Da es Mein Wunsch: ist, nach den Vorschlägen des . General - Gouverneurs von Neu - Rußiand und Bessarabien, Grafen Woronzoff, die Schiffsbauten und die Handelsschissfahrt auf dem Schwarzen Meere aufzumun- tern und auszudehnen, so habe Jch befohlen: 1) daß der Kaiserliche Schals ein fúr allemal eine Summe von 150,000 Rubeln zur Verfügung des General-Gouverneurs stelle, um zu Vorschässen für Schiffsbauer zu ‘dienen, wobei für deren demnächstige Rückzahlung diejenige Sicherheit zu nehmen ist, welche Sie in Uebereinstimmung mit ihm als die geeignetste anerfennen; 2) daß in Cherson eine Handelswerft mit einem Comptoir errichtet werde, und daß der Kaiserliche Schaß dazu ein für allemal hergebe: 25,000 Rubel zum Ankaaf eines Hauses für das Comptoir, 6500 Rubel für die Erbauung eines Schiffsfrahnes im Werft, und endlich eine jährliche Summe von 4750 Rubeln zum Unterhalt des Büreaus, dem hier beigefügten Anschlage gemäß.“

Seit 20 Jahren bis jeßt sind in Cherson 356 Handels- Fahrzeuge erbaut worden.

Seit dem Jahre 1825 besteht hier eine Versicherungs- Gesellschaft für Schisse und Waaren; jeßt habén si< hier mit Allerhöchster Erlaubniß zwei neue Versicherungs - Gefell- schaften gebildet. f

Die hiesige Zeitung giebt folgende Details über die (wie vor einiger Zeit gemeldet) am 1. (13.) Juli, als am Namenstage Jhrer Majestät der Kaiserin , stattgehabte Er- öffnung des neuen Hafens Berdiansk: „Morgens früh be- gaben ‘sich der Gouverneur von Kertsch und der Chef der Nogajer an den zur Eröffnungs-Feierlichkeit bestimmten Ort. Nach Absingung eines Te Deums wurden auf der fúr den Hafendamm ausersehenen Stelle Pfähle eingeschlagen. Schwer ist es, die Freude zu beschreiben, welche dieses Ereigniß un- ter der Bevölkerung der neuen Stadt und ihrer Umgebung verbreitet hat; mehr als 2000 Personen waren bei der Feierlichkeit zugegei. Nach Beendigung derselben wurden am Ufer Tafeln gebildet und ein Mahl für die Anwesen- den aufgetragen; die an der Meeresfüste versammelte Volksmenge gewährte den herrlichsten Anblié. Die Stelle, auf welcher die neue Kolonie sh zu erheben beginnt, war im Jahre 1826 nichts als eine unbewohnte Wüste; jeßt hat sie über 200 nach einem regelmäßigen Plan gebaute Hôäuser, bewohnt von 1500 Jndividuen beiderlei Geschlechts, größten- theils Ausgewanderte aus dem Gouvernement Kursk, - die fortwährend dur< Neuanfkommende vermehrt werden. Be- reits zählt man 14 Kaufleute der dritten Gilde. Die Lage der Stadt ist sehr gut gewählt. Man findet dort und in geringer Tiefe das vortrefflihste Wasser in Ueberfluß. Die gegen die Nordwinde geschüßte Küste ist sehr zum Weinbau geeignet , mit dem auch schon der Anfang gemacht ist. Die Luft ist sehr gesund; von den Neuangekommenen ist keiner franf geworden. Wenn die Stadt sich vergrößert , so fann sie sih auf der benachbarten Höhe ausdehnen, von wo sie sich sehr |[<óôn ausnehmen wird. Die Bucht ist hinlänglich gegen die Winde gesihert und niht weit vom Ufer für Küsten - Fahrzeuge tief genug; weiterhin findet man bis 20 Fuß Wasser und vielleicht mehr.//

Frankrei.

Pairs-Kammer. Sißung vom 11. August. Un- geachtet die Pairs-Kammer Tages zuvor ohne Anberaumung ihres nächsten Sißungstages aus einander gegangen - war, fand heute doch eine Sißung statt. Einige Pairs, die am 10ten nit zugegen gewesen waren, unter ihnen auch der Marschall Jourdan, leisteten den Eid. Der Herzog von Mouchy fügte demselben hinzu, daß et den von dem Herzoge von Fiß - James entwicfelten Gründen aus voller Ueberzeu-

schreiben mehrerer Pairs über ihr dur< Krankheit veranlaß- tes Ausbleiben mitgetheilt hatte, bestieg der Baron von Barante die Rednerbühne, um den Bericht der mit der Entwerfung der Adresse beauftragten Kommission abzustatten. Der Marquis von Dreux-Brezé verlangte, daß die Bee richterstattung im geheimen Ausschusse geschehe; der Marschall Jourdan {loß sich diesem Antrage mit dem Bemerken an, daß es in der That unschi>lih seyn würde, wenn die Zei- tungen die Adresse bekannt machten, bevor sie dem Könige überreicht worden wäre. Der Herzog von Broglie dage- gen hielt es insofern für unbedenklich, über den Adreß - Ent- wurf öffentlich zu berathschlagen, als die Berathung selbst ohne Zweifel eben so ehrerbietig als der Text der Adresse selbst ausfallen werde und jene mithin zu einem Anstoße nicht fúg- lich Anlaß geben fönne.- Da sich feine fünf Pairs - fanden, die verfassungsmäßig den geheimen Ausschuß verlangten , 6s eo Adreß - Entwurf sofort vorgelesen. Derselbe laus tete aljo :

¡Sire! Fhre getreuen Unterthanen, die Pairs von Frankreich, noch durchdrungen von den großen Begebenheiten, die sich fürz= lich zugetragen haben, erscheinen vor Ewr. Majestät, um Fhnen für Fhre Ergebenheit für das Land zu danken. Eine einmüthige Stimme verkündigt, daß Jhre Thronbesteigung allein das Staats- wohl sichern konnte: nur unter Fhrer Regierung werden wir unsrer heldenmüthig vertheidigten Freiheiten in Frieden genießen konnen. Gab es je einen edleren und wahreren Anspruch auf dic Königswürde, als den, für unentbehrlich gehalten zu werden von cinem großen Volke, das diese Nothwendigkeit frci und. ru- hig anerkennt? Hat die Vorschung sich ie ciner deutlicheren Sprache bedient ?

Der Vertrag, den Sie mit Frankreich eingangen sind, Fhr von der Vernunft und der Ehre cingegebener Etdshwur, find Verpflichtungen, die zugleih würdig find des Fürsten, der sie cingeht, und des Volkes, das sie empfängt.

_ Auch unsere Eidschwüre sind uns niht im Taumel der Be-

geisterung oder von einem blinden Gefühle vorgezeichnet worden. Wir shwödren Jhnen Treue mit der innigen Ueberzeugung, daß wir eine heilige Pflicht gegen das Vaterland üben. ___Jebt, wo dieser feierliche Aft vollzogen if, wird Frankreich in die regelmäßige Bahn der geseßlichen Exisienz zurü>ktehren. Zur Verthcidigung sciner Gesche grifff es zu den Wáäffen, und um nicht genöthigt zu seyn, zur Aufrechthaltung dersclben aber= mals zu Gewaltschritten seine Zuflucht zu nchmen, hat es s< neue Bürgschaften auebedungen. Der Friede im Fnnern und nach außen hin, die ôfentliche Ordnung, die freie Entwickelung der Geistesthätigkeit und des Gewerbfleißes, dies war der Jus seiner Anstrengungen, dies muß der Preis scines Sieges eyn.

,_Die Pairs - Kammer wird sich beeifern, zu den Geschäften mitzuwirken, wodur< unsere Geseßgebung verbessert, unsere Wohlfahrt gesichert werden soll. Lange Zeit haben ihre Bemü- hungen sich darauf beschränken müssen, dem Ucbel Einhalt zu thun oder es zu mildern ; glü>klicher als bisher, i sie jeßt beru= fei, für das Wohl des Landes zu wirken. Derselbe Gedanke be- scelt Ew. Majestät; dies is der Ursprung einér unaufldslichen Einigkeit zwischen dem Könige und den Kammern.“ *)

‘Nach der Vorlesung dieses Entwurfs verfügten sich die Pairs, zur Prüfung desselben, nach ihren verschiedenen Bü- reaus, so daß die Sibung eine halbe Stunde lang unterbro- chen wurde. Hierauf begann die Berathung in öffentlicher Sibung. Nur zwei Stellen des Entwurfes gaben zu einer Diskussion Anlaß. Der Marquis von Montalembert verlangte, daß man zur Aufrechthaltung des monarc{ischen Prinzips im vierten Paragraphe statt „Frankreich“ sage „das monarchische und constitutionnelle Frankreich.‘ Dieser An- trag fand indessen feine Unterstüßung. Dagegen wurde eine andere bei der Prüfung in den Büreaus für nöthig befun- dene Abänderung gut geheißen. Nach dem zweiten Sake des lebten Paragraphen hätte es nämlich scheinen können, als ob. die Pairs - Kammer nie die Junitiative ergriffen habe, um Gutes zu wirken. Dieser Saß, so wie der lebte- wurden daher folgendermaßen geändert:

,¿Jhre ( der Pairs - Kammer) Bemühungen für das allge- meine Befie/ die_mchr als cinmal mit Erfolg gefròdnt woor- den sind, haben sich nur allzuoft darauf beschränken müssen, dem Uchel Einhalt zu thun oder es ztt mildern. Jebt dfnet sich ihr eine schôncre Laufbahn. Ew. Maiestät haben keinen andern Gedanken, als das Glú> Frankreichs; dies iff die Quelle einer ungußflöslichen Einigkeit zwischen dem Könige und den Kammern.// N

Es wurde hierauf úber die Adresse abgestimmt. Die Zahl der anwesenden Pairs belief sich nur auf 83. Jn den Wahl -Urnen fanden sih 81 Zettel mit Ja, 1 mit Nein und 1 weißer Zettel. Während der Abstimmung wurde die große ‘Deputation von 20 Mitgliedern dur< das Loos ge-

wählt, die dem Könige die Adresse überreichen soll. Um 4

zung beitrete, Nachdem der Präsident die Entschuldigungs- |

x) Die beiden lebten Säße erlitten, wie man weiter unte# schen wird, eine Aenderung. : |