1830 / 230 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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herer Bchtung, als sonst wohl im Allgemeinen wir glauben,

man is in dieser Hinsicht ungerecht gegen ihn inzwischen sind T Tae uns sonst achtbaren Eigenschaften : jener ungezügelte Hang zur eigenen Geltendmachung und zur Un- abhängigkeit, jene ungestümen Bewegungen einer oft launen- haften Unparteilichkeit, jene Amts - Vorurtheile u. ). w. , die uns alle der Rolle und dem Geiste eines Justiz-Ministers in der gegenwärtigen Krisis nicht zu entsprechen scheinen. Die Red- nerbúhne ist der Ort, auf dem er sich nüßlich erweisen fann ; seine Gedanfen, seine stets prompte und entichiedene Bered- samkeit, werden hier dem Ministerium, wenn er mit demjel- ben úbereinstimmend denkt, bessere Dienste leisten. Das Kriegs - Ministerium soll General Gerard, der dem Ver- nehmen nah sich durchaus zurückziehen wollte, auf drin- gendes Ersuchen des Königs und seiner Freunde definitiv übernommen haben. Das Land fordert von ihm diese Auf- opferung seines häuslichen Lebens, vielleicht auch seiner Ge- sundheit. Sein Name war in den lebten blutigen Tagen vou Paris faum ausgesprochen, als er die Soldaten , die ihn an der Spike ihrer Gegner sahen, mit Unruhe erfüllte, und auch nachdem der Sieg einmal entschieden war, hat er weithin bei

der Armee seine Wirkung: nicht verfehlt. Herr Guizot |

wird, so heißt es, das Ministerium des Junnern behalten. Man weiß, was. von ihm zu halten ist. Da der öfsent- liche Unterricht, dessen wenn man sich o ausdrücken darf natúrliher Minister er war, ihm vom ersten Au- genblicke an nicht aufbehalten werden fonnte, da er ferner die vdllige Umschmelzung seines Verwaltungs-Zweiges bereits begonnen hat, so sehen wir auch nicht, welche Hand, besser als die seinige, dieses Werk würde fortsezen kônnen. Der Marschall Jourdan, dessen edles Alter der neuen Revolution auf einige Tage die ruhmwürdigen Erinnerungen an Fleurus leihen wollte, wird, wie es heißt, das Ministerium der aus- wärtigen Angelegenheicen aufgeben. Die Wahl s{wankte zwischen den Herren Molé und Sebastiani, und wie man

uns versichert, hat der Erstere den Sieg davon getragen.

Es wúrde uns {wer falien, uns für den Einen mehr als für den Andern zu entscheiden. Beide haben gleich ausge- eichnete Talente, beide genießen im Auslande einer gleichen e und ihr Einfluß auf die Kammern ist ebenfalls bet- nahe derselbe. Sie sind beide nicht sehr populair, und Seister ihrer Art können es auch vielleicht nie in hohem Maaße werden ; es handelt sich jedoch hier nicht sowohl um persönliche Be- liebtheit, als um Fähigkeit und Vertrauen im Auslande. Wir haben es mit Europa zu thun, und es ijk gut, wenn wir bei demselben durch einen Minister vertreten werden, der in der diplomatischen Welt bereits einen Namen besizt. Nüßliche Vermittler sind solhe Männer, durch welche alle Unterhandlun- gen mehr erleichtert werden. Herr Bignon, der das Mi- nisterium des öffentlichen Unterrichtes nur provisorisch angenommen zu haben scheint, wird, wie man jagt, eine andere: Stelle im Conseil einnehmen. Es wird diejes Ministerium ín seiner jeßigen Gestalt ganz ‘eingehen, und zwei Branchen: Künste und öffentliche Bauten einer]eits, und Handel und Manufakturen andererseits, sollen mit der Universität vereinigt werden und so ein großes Ministerium bilden, das man dem Herzog von Broglie anvertrauen will. Dieser Name, so jung und so rein, so ausgezeichnet durch eifrige Arbeiten und durch ein seit 15 Jahren beobachtetes weises und festes Benehmen, ist- uns eine schône Bürgschaft. Nur diejenigen, die einem jolchen Manne nöher stehen, kôn- nen es bedauern, ihn so den immer gefährlichen Chancen eines ersten Revolutions-Ministeriums ausge}eßt zu sehen. Er bringt dem Lande ein Opfer, und das Land wird das Verdienst desselben zu würdigen wissen. Das Gerücht hat uns nicht ge- sagt, welche Direktoren dem Herrn von Broglie zugesellt seyn werden. Man sprach von Herrn Villemain für den dfsentlichen Unterricht; Niemand würde sich mehr dazu eig- nen. Denn zunächst gehört er dem Lehrfache an , und es ist einmal Zeit, daß man für die Verwaltung der Universität Männer erwähle, dié ihr selbst nicht fremd sind. Große, ungeheure Verbesserungen sind noch in unserm Unterrichts- Systeme vorzunehmen; sie müssen jedoch mit volikommener Kenutniß des Bestehenden und mit großer Achtung der ein- mal erlangten Rechte vorgenommen werden. Mehr als ir- gens Jemand besißt jedoch Herr Villemain jenen Geist der

ersôhnlichfeit und der Weisheit , der jede Neuerung zum Guten zu lenken weiß. |

Der Professor Villemain ist zum General -Direftor des öffentlichen Unterrichts ernannt worden.

Es heißt, daß nächstens durch - eine Königl. Verordnung dem Vice - Admiral Duperré und dem Marschall Soult die Pairswürde wieder ertheilt werden wird. Beide gehören be- fanntlih unter die von Karl X. creirten Pairs , deren Er-

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neunung von der Deputirten - Kammer annullirt worden ist. Admiral Duperré foll außerdem zum Marschall ernannt wer- den. Auch den Fürsten von Eßlingen und von der Moskwa, ältesten Söhnen der Marschälle Massena und Ney, soll die Pairswürde zugedacht seyn. Nachstehendes ist ein Auszug aus einem Schreiben des Vice - Admirals Duperré an den See - Minister : „Jn der Bai von Algier, 31. Juli. _Jn meinem Schreiben vom 17ten und 28sten d. M. hatte ih die Ehre, Jhnen zu berichten, daß die unter den Befehlen des Contre-Admiral von. Rosamel abgesandte Ex- pedition den doppelren Zweck hatte, Bona gütlich oder mit Gewalt zu nehmen, eine Besaßung hineinzulegen und dann gegen Tripolis zu agiren. Auf Ansuchen des, Grafen Bour- mont hatte ih cinige Tage frúher auf der Korvette „, Echo ‘‘ eine Deputation angesehener Einwohner Algiers, mit einer Depesche des Ober: Befehlshaber an die Ortsbehörden, nach

¡ Bona abgejchikc, um dorr die Gemüther zur. Unterwerfung

zu stimmen. Der Schiffs - Capitain Kerdrain, der in Abwe-

| jenheit des Capitain Gallois vor Bona kommandirte, seßte

dieje Deputation bei der Stadt ans Land, indèm er zugleich an die Ortsbehörden eine Aufforderung erließ, die Aurorität des Königs anzuerkennen, das Fort durch die Türkische Gar- nijon ráumen zu lassen und dort die Französische Flagge auf- zupflanzen. Dieses Unternehmen wurde von dem vollkommensten Erfolge gekrönt. Die „„Echo‘/ verließ Bona am 26sten, und Stadt und Hafen müssen jeßt in den Händen der Französi-

| schen Besaßung seyn, die der Admiral Rojamel, der am 24sten

von hier absegelte, ohne Zweifel vor zwei bis drei Tagen aus- ge}chifft haben wird.‘/

In einem Privat-Schreiben aus Algier heißt es: „Das Fort und die Stadt Bona sind in unseren Händen und von einer Französischen Garnison besebt.' Das Kaiserfort wurde voi der Türkischen Besaßung den 26sten geräumt. Die Franzojen wurden als Befreier empfangen. Das Volk drängte sich, um seine Freude zu bezeugen, in Masse nach den Fe- stungswerken und Batterieen- und riß die Ottomanische Fahne herunter. Die Behörden von Bona nahmen die Türkischen Anfsúhrer fest, wollten aber die Französische Fahne erst dann aufítecéen , als die Truppen in die Stadt eingerückt waren. Sie hoffen von diesen Schuß gegen die Beduinen. Der Scheik von Bona, so. wie die Ulemas und andere angesehene Einwohner der Stadt, haben dem Ober-Befehlshaber cin vom Zten des Monats Safar des Jahres 1246 der Hegira da- tirtes Unterwerfungs-Schreiben. Úbersandt.//

Aus Toulon wird vom 7ten d. M. geschrieben: „„Die Fregatten „„Proserpina‘/, ¿„„Magicienne‘/ und „„Themis“/ sind am 2ten uud 3ten d. M. hier eingelaufen ; auch das Linien- \chiff} „„Scipion‘/ ist mit 500 Kranken angekommen, mehrere derjelben sind auf der Fahrt von Algier hierher gestorben. Die Fregatte „„Artemise“// und die „„Karavane“‘‘ sind nach Mars seille geiegelt, um die an ihrem Bord befindlichen Kranken

rer dem Expeditions-Heere um sich. Gestern zogen alle- auf der hiesigen Rhede befindlichen Schiffe die dreifarbige Flagge auf. Die Mannschaften der beiden gescheiterten Briggs „„Silen‘/ und „„Aventure‘/ famen gestern nah beendigter Quarantaine na der Stadt; sie wourden sogleich mit neuer Kleidung und Wäsche versehen, deren sie schr bedurften. Sie werden Überall mit Theilnahme aufgenommen ; 4000 Fr., der

- Ertrag einer Subscription, sollen unter sie vertheilt werden.‘/

Der Befehl, die dreifarbige Flagge aufzuzichen, ist von Toulon an den Admiral Duperré durch die „„Cornelie‘“, die den 6ten d. unter Segel gegangen ist, und an den Admiral Rigny durch die „„Diligente‘/ übersandt worden. Die Brigg

den Antillen abgegangen. Der „„Lynx‘/ wird nach Cayenne gehen, sobald er Lebensmittel eingenommen hat. Nach dem Senegal soll Admiral Duperré- ein Schiff. absenden, um den dortigen Gouverneur von der Veränderung der Flagge zu unterrichten. E :

Durch einen Tagesbefehl des General Lafayette wird die Uniform der Pariser National-Garde in folgender Weise be- stimmt: Für die Offiziere: Blaue Uniform, vorn mit neun Knöpfen, rothem Kragen ohne Stickerei, rothen Rabatten und weißen Aufschlägen mit 3 Knöpfen, Futter und Umschlag am Schooße blau, auf legterem eine weiße Granate auf rothem Tuche. Die Knöpfe weiß mit einem Hahne und der

Umschrift: Freiheit, dffentliche Ordnung; weiße Pantalons für den Sommer, blaue fúr den Winter; dreieckiger Hut ohne Feder und ohne eine andere Verzierung als die National: Kokarde ; tleine Stiefeln mit Sporen. Fúr die Grenadiere: renmúßen mit einer 11 Zoll hohen dreifarbigen Feder, einer

Granate und der Nummer der Legion; Uniform im Allge-

dort ans Land zu seßen. Die Ruhr greift immer mehr un-

„¡Lezard‘/ ist aus demselben Hafen mit gleichem Befehle nah

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meinen wie oben, nur mit. rothem Futter und rothen Epau- letten; Pantalons im Sommer weiß, im Winter blau; Schuhe mit -Kamaschen, leßtere im Sommer - weiß, im Win- ter schwarz. Jäger: Uniform im Allgemeinen wie die der Grenadiere; nur auf den Umschlägen der Rockschdße, so wie auf den Knöpfen und den Patrontaschen, statt der Gra- naten Jagdhörner, Czakos mit der National-Kofkarde, einem weißen Jägerhorn und einer dreifarbigen Feder.

Der Direktor der Häfen hat die Marine - Präfekten in Brest, Lorient and Rochefort ermächtigt, die Hafen-Arbeiter als National-Garden zu organisiren und sie untér die Befehle der Marine-Jngenieur-Offiziere zu stellen, um bei dem Dienst im Arsenal und bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung mitzuwirken. :

Wie man sagt, wird bald eine Verordnung erscheinen, wodurch allen wegen politisher Vergehen Verurtheilten oder im Anklagestand befindlichen Personen eine Amnestie er- theilt werden soll. Der Temps giebt bereits den Entwurf zu einer solchen Verordnung.

Im National liest man: „Ueber den Fürsten von Polignac hat man feine besiimmte. Nachrichten. Seine Freunde haben das Gerücht verbreitet , daß er glücklich nach Italien entkommen sey, nicht um sich dort zu verbergen, son- dern um am Päpstlichen Hofe als Rômischer Fürst aufzutré- ten. Die Zeitungen melden, er sey in England angekommen. Es ist aber leicht möglich, daß keine dieser Nachrichten richtig ist, und daß er sih-noch in Frankreich befindet.‘

Das Journal de Rouen meldet, der General Cler- mont Tonnerre habe, als er diese Stadt in Folge der Pa- riser Ereignisse verlassen, die dem Archiv der dortigen Mikli- tair - Division angehörigen prachtvollen Karten von Cassini mitgenommen.

In Ferney, dem berühmten Wohnsiße Voltaire's, wurde die dreifarbige Fahne am áten d. M. auf dem Gipfel einer hohen Tanne aufgepflanzt. Zur Befestigung diejes Bauras wurden Steine benußt, die zur Ausbesserung des dortigen Karmeliter - Klosters bestimmt gewesen waren. Das Volk feierte das Ereigniß mir Musik und Tanz.

Genera! Donnadieu, von dem es hieß, er sey nach der Vendée gegangen , ist gestern hier angekommen.

Auch der Sohn des Spanischen General Milans ist ge- stern aus London hier angekommen.

Das ersie unter den verbannt gewesenen Konvents-Mit- gliedern, dat nah Frankreich zurücêgefkehrt ist, ist der Graf Thibaudeau , früher Staatsrath, der bisher in Brüssel lebte.

Der General Lafayette entschuldigt sih in den dffencli- chen Blättern, daß er nicht alle an ihn gerihteten Briefe, O er täglich vier bis fünfhundert empfange, beantworten

nne.

Das Englische Parlaments-Mitglied, Sir Francis Burdett, hat 3000 Fr. für die in den lezten Revolutionstagen Verwun- deten eingesandt. Auch die hier studirenden jungen Nord- Amerikaner haben eine Sammlung für diesen Zweck unter sich veranstaltet, die 2000 Fr. eingetragen hat.

Großbritanien und JFrland.

London, 13. August. Am nächsten Montag wollen Ihre Majestäten einen Ausflug nach Brighton unternehmen, jedoch, wie man vernimmt, nur kurze Zeit daselbst verweilen.

Herr E. Petre, der katholische Kandidat für die parla- mentarische Vertretung der Stadt York, ist bei der kürzlich stattgefundenen Wahl durchgefallen. Dem Vernehmen nach, will der Herzog von Norfolk die bedeutenden Kosten tragen, die dem Herrn Petre seine Kandidatur verursacht hat.

In der Morninñg-Chronicle liest man: „Man hat uns versichert, daß mehrere Spanier, die von England ab- zureisen wünschen, dies nicht ohne Pässe thun dürfen; da sie jedoch außer Stande sind, sih Pässe zu verschaffen, so sind sie, im eigentlichen Sinne des Wortes hier im Lande eingesperrt. Welches Geseß rechtfertigt eine jolhe Art von Verfolgung ? Das Fremden -Ge]jes berechtigt unsere Minister in feiner Weise, einem Ausländer , gegen den feine Anklage

vorhanden ist, die Abreise aus England zu wehren. Die er-

wähnten Spanier führen keine. Waffen bei A made sle wollten nicht einmal in irgend einer bedeutenden

abgehen was ist demnach der Grund, der sie zurúc{hält 2 Die armen Teufel. hatten von dem Spanischen Comité Geld erhalten, um ihre Reisekosten bestreiten zu können, und nun müssen sie es hier im Lande ausgeden. Darf wohl Jemand die Britische Jnsel zu einem Gefängniß für alle di:jenigen machen, die sie einmal betreten haben? Die Mi- nister dürfen es wohl den Ausländern verbieten , als ein be- wassnetes Corps unsere Küsten zu verlassen; dies ist aber auch die äußerte Gränze, bis zu der sich ihre geseßlichen Be-

nzahl von hier |

fugnisse erstrecken.// Der heutige Courier bemerft zu diesem Artikel: „Es ist niht wahr, daß unsere Regieruug Ausländern Pásse verweigert hat, um auf diese Weise ihre Abreise aus England zu verhindern. Britische Pässe werden niemals an Ausländer ertheilt, in den Fällen allein ausge- nommen , daß solche als Couriere oder auf andexe Weise in Königlichen Diensten beschäftigt werden. Ein Ausländer hat jedoch, um überhaupt aus England zu fommen, gar feinen Paß nôthig.‘“

__ Aus Lissabon sind hier Zeitungen bis zum 31. Juli eingegangen, doch enthalten sie durchaus nichts von Belang.

Eine hiesige Zeitung sagt, daß die fürzlih nach Terceira und nah dem Tajo abgesandten drei Britischen Kriegsschiffe Befehl hätten , alle ihnen begegnenden Portugiesischen Fahr- zeuge zu nehmen, wenn die Portugiesische Regierung sich nicht zur Herausgabe der fürzlich weggenommenen Britischen Kauffahrtei - Schiffe verstehen wolle.

Jn der Times liest man : „Wir. hoffen und haben Ure sache, es nicht zu bezweifeln, daß Frankreich zu seinem Bot- schafter einen Diplomaten von höchst achtbarem Charafter und einen Mann, den schon seine frühere Neigung für Eng- land dazu fähig machen werde, die Freundschaft, die glú- licheriveise jet zwischen den beiden Nationen besteht, noch mehr zu befestigen, ernennen werde. Die Marschälle Mors- tier und Macdonald sind bereits genannt worden; beide würden mit gleicher Achtung empfangen werden, eben so auch Oudinot. Es freut uns ungemein, daß der neue König ganz bejonders von diejen drei Marschällen unterstüßt wird; es sind Männer, denen jede Nation ihre Achtung schen- fen muß.‘‘

Der Courier spriht den Wunsch aus, - daß die neue Französische Regierung die privilegirten Spielhäuser unter- drücken möôge, die bisher zur Schande einer so gebildeten Na- tion in Paris bestanden und so manchem hoffnungsvollen jungen Manne den Untergang bereitet hätten.

Herr Buckingham hat gestern eine zweite Vorlesung über die große Reise um die Welt gehalten , die er nächstens an- zutreten gedenft. Der Gejellschaft der Freunde, die sein Un- ternehmen unterstüst, scheint es zum Vorwurfe gemacht wor- den zu seyn, daß sie, als ein friedlicher zu christlichen Zwecken gestifteter Verein, eine Expedition ausrüsten helfe, welche Waf- fen und Kriegsgeräthe mitnimmt. Dieser Umstand veranlaßte Hrn. Buckingham zu der Erklärung, daß die Waffen nur zur Vertheidigung, durchaus aber niht um einen Angriff auszuführen, mitgenommen werden sollen.

Die Gétreide-Erndte in unsern súdlichen Provinzen ist bis jeßt vom schönsten Wetter begünstigt gewesen, heute hat- ten wir hier aber wieder {were Regengüsse, und die Ge- treide-Jnhaber hielten sich dem zufolge mehr vom Markte zu- rúck, Die Gefälle von fremdem Weizen werden, wie man glaubt , nächsten Donnerstag bis 2 Sh. 8 D., vielleicht gar bis 1 Sh. heruntergeseßt werden, und das dann muthmaß- lich verzollte Quantum Weizen und Hafer dürfte sih auf G halbe Million Quaktter von jeder dieser Getreide: Arten

elaufen.

Oesterreich.

Die Allgemeine Zeitung giebt folgendes Privat- Schreiben aus Triest vom 4. August. „Ein in 10 Tagen von Durazzo angelangter Schiffer bringt die Nachricht, daß die Unruhen in Albanien größtentheils gedämpft seyen und mit Grund vermuthet werden könne, daß Ailes daselbst bald wieder in die vorige Ordnung zurückfehren werde. Es soll dem Groß-Wesir gelungen seyn, verschiedene Abtheilungen der Aufrührer, zum Theil durch Milde, zum Theil durch Bezah- lung der Soldrücfstände, zum Theil durch Gewalt, zu Paa- ren zu treiben. Verschiedene Häupter der Insurgenten ha- ben die Flucht ergriffen, an dem fernern gläcklihen Erfolge ihrer Unternehmung verzweifelnd. Die Küsten Albaniens waren von dem Geiste des Aufruhrs, der . die innern Land- striche ergriffen hatte, frei geblieben, und deren Bewohner, größtentheils dem Handel und der Schifffahrt obliegend, schei- nen die gänzlihe Unterwerfung durch den Groß- Wesir zu

- wünschen. Die Berichte aus Griechenland lauten traurig.

Fast im ganzen Lande herrscht Anarchie, und nur . in den Me Pläßen, wo die Französischen Truppen’ liegen, wird die Ordnung nothdürfcig erhalten. Die Autoritäten genießen fein Ansehen, und aus Geldmangel sieht sich die Regierung außer Stande , dasselbe geltend zu machen. Die Parteien, nach örtlichen Jnteressen getheilt, gerathen in immer größere Reibungen, und Unsicherheit des Eigenthums und der Personen verursachen Lähmung im Geschäftsgange. Nicht leicht fann man sich eine schwierigere Lage, als die jeßige des Präsidenten, den- fen. Noch deutlicher zeigt sich die Ohnmacht der Regierung