1874 / 212 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Der Kaiserlih deutshe Gesandte in Italien, Geh. Lega- tions-Rath v. Kcudell, is am 7. d. M. von Varzin wieder hier eingetroffen.

Der Königlih bayerische Gesandte am hiesigen Hofe,

Frhr. Pergler v. Perglas, if am 8. d. M. wieder hierher zurü>gekehrt. f Der Kaiserlih russishe General-Lieuiznant und General- Adjutant Sr. Majestät des Kaisers von Rußland, von T\chew- kin, welcher fih einige Tage hier aufgehalten hatte, ift heute früh nah St. Petersburg - abgereist.

Der Königlih dänishe Gesandte, Kammerherr von Quaade if, von seinem Urlaub wieder hier angekommen.

Der Ordonnanz-Offizier Sr. Majestät des Königs der Niederlande von Ranigt, sowie der Artillerie-Offizier Baron von Hagendorff, zur Dienstleistung kommandirt bei Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Alexander der- Niederlande, find hier angekommen.

Der General-Major von Bichler, Allerhöchst beauf- tragt mit Wahrnehmung der Geschäfte der General-Inspektion des Ingenieur-Corps und der Festungen, is von der im Anfang vorigen Monats in Begleitung eines Adjutanten angetretenen Inspizirungsreise nah der Küste und den westlihen Proviazen hierher zurü>gekehrt, desgleichen der General-Major und Abthei- lungs-Chef im Kriegs-Ministerium von Bonin von seiner Urlaubsreise.

Der General-Major und Commandeur der 11. Infan- terie-Brigade von Rothmaler, sowie der Stab der genannten Brigade find von den Herbstübungen der 6. Division nach deren Beendigung hier wieder eingetroffen.

Mit Genehmigung des Chefs des Generalstabes der Armee, General-Feldmarshalls Graf von Moltke, wird morgen ein Kommando des Eisenbahn - Bataillons behufs Ausführung einer Untertunnelung an der Berlin-Dresdener Eisenbahn von hier na< Dresden abrü>ken und dort Quartier nehmen.

In Charlottenbrunn hatte der dortige Kriegerverein aus Anlaß des auf den Reichskanzler Fürsten von Bismark verübten Attentats und als Beweis der Freude über seine glü>- liche Rettung beschlossen, dem Fürsten ein Denkwal zu seten. Die Kosten hierzu wurden durch eine Kollekte beshaf und die Kommerzien-Rath Kristershen Erben gaben den an der Brunnen- Allee belegenen, von einer Berglehne ums{<lo}enen Plaß zu diesem Behufe her, welher von nun an Bismar>play benannt werden foll. Der Sonntag nah dem Sedantage, der 6. Sep-. tember, war zur Enthüllungsfeier gewählt. Das Denkmal be- steht aus einem 7 Meter hohen, auf einem viere>igen Würfel ruhenden Granit-Obelisken. Die Büste des Fürsten von Bis- mar>, mit welcher die Säule gekrönt ist, wurde in Zinkmetall gegossen und bronzirt. Schon am frühen Morgen sandte der Kriegerverein und die Gemeinde von Charlottenbrunn an den Reichskanzler eine in Versen abgefaßte telegraphische Depesche. Um 1 Uhr Mittags versammelten sih auf dem Promenaden- plaßze am Brunnenhause die Mannschaften des Kriegervereins, die Shüßengilde und die Bergleute in ihren Uniformen mit der Vereinsfahne, worauf fi<h unter Vorantritt der Bademusikkapelle und der Ehrengäste der imposante Zug nah dem Festplaze bewegte. Von“ allen Häusern und Villen, an denen der Zug vorbeimarschirte, wehten Fahnen und Flaggen in den deutschen und preußischen Farben. Die Badedireftion hatte dafür Sorge getragen, daß das noch verhüllte Denkmal mit Tannenbäumen umgeben und der Plaß aufs festlichste dekorirt war. Nachdem die Vereinsmitglieder einen Kreis geshlo}sen, hielt Dr. phil. Ni>el eine Ansprache, bei deren Shlußworte: „Gott \{hüße, Gott erhalte, Gott segne den Fürsten Bismar>k auch fernerhin“, die Umhüllung des Denkmals fiel. Unter Böllershüssen und einem dreimaligen Hoch fand die Festlichkeit ihren Abschluß. Der Zug bewegte fih hierauf in derselben Reihenfolge na<h dem Shcieß- plaze, wo f\i< ein fröhlihes Volksfest entwi>elte, das erst \pät am Abend ein Ende fand. j

Gumbinnen, 10. September. (W. T. B.) Durch Kom- missare der Regierung ist festgestellt worden, daß in dem russi- {en Gouvernement Sumwalki hon vor längerer Zeit die Rin - derpest ausgebrocen ift, und daß in zwei Kreisen des Gouver- nements derselben bereits circa 1000 Stü> Vieh zum Opfer gefallen find. Die hiesige Regierung, der bis dahin das Auf- treten der Seuche unbekannt geblieben war, hat sofort die in Betreff der Vieheinfuhr \olhen Falls bestehenden geseßlichen Beschränkungen angeordnet.

Hannover, 9. September. Ihre Hoheiten der Herzog und die Herzogin von Sachsen-Altenburg nebst Ge- folge find gestern Nachmittag um 3 Uhr 40 Minuten nah Altenburg E

Se. Königliche Hoheit der Graf von Flandern passirte, auf der Durchreise von Brüssel nah Dresden, gestern Nachmittag 2 Uhr 2 Minuten den hiesigen Staatsbahnhof.

Der hannoversche Provinzial-Landtag is auf den 27. d. M. einberufen, und is von Sr. Majestät dem Kaiser und König der Erblandmarschall Graf Münster zum Marschall und Stadtdirektor Rash zu dessen Stellvertreter für diesen Landtag ernannt worden. Am 29. d, M. wird die Landes- \synode zu einer außerordentlihen Versammlung zusammen- treten.

Bonn, 9. September. (W. T. B.) In dem hiesigen Centrallofale des Borromaeusvereins hat eine polizeiliche Haussuchung stattgefunden, bei welcher viele denselben kom- promittirende Schriftstü>e mit Beschlag belegt wurden.

[7 * Bayern. München, 8. September. Der König ha sih gestern Nachmittag in Begleitung des General-Adjutanten Frhrn. v. d. Tann zur heutigen Feier des Namenstages der Königin-Mutter von Schloß Berg über Peissenberg nah Hohenshwangau begeben únd wird dort einige Tage bleiben.

Gestern fand im neuen Rathhaus die erste öffentliche Magistratssizung statt, welche der Erste Bürgermeister Dr. Erhardt mit folgender Ansprache eröffnete :

„Geehrte Herren Kollegen! Seien Sie mir in diesem neuen Hause herzli<st gegrüßt! Msge es mir gestattet sein, bei der Eröff- nung der ersten Sißung den Wunsch auszusprechen, daß die Arbeit in diesem Rathhause eine friedliche, energische und segensreiche sein möge. Unsere Stadt schreitet in- erfreulicher Weije in räumlicher, industrieller, kommerzieller, fünstlerischer und wissenshaftliher Beziehung einer raschen Entwi>lung entgegen. Diese Entwi>lung mehrt die Bedürfnisse, die Be- dürfnisse aber mehren die Ansprüche an die Gemeindevertretung, welche denselben nur dur tüchtige und uneigennüßige Arbeit gere<t zu werden ver- mag. Die Sitzungen müssen vorerst in diesem provisorisch für dieselben be- stimmten Lokale abgehalten werden, weldes sehr einfa ist und allen S<hmud>es entbehrt. Sie kennen die Gründe, die uns zur Schaffung dieses Provisoriums gezwungen haben. Möge der gute Geist, der

unseren Berathungen innewohnen soll, und strenge Ordnung und Dis- ziplin, welche wesentlih beiträgt zur Klarheit und dadur zu einer gere<ten Abgabe der Vota befähigt, unseren Sißungen jenen Shmu> verleihen, dessen der provisorishe Sißungssaal entbehrt. Jrdem wir uns nunmehr den Arbeiten des Tages zuwenden, wiederhole ih den Wunsch, daß unser und unserer Nachfolger Wirken in diesem Hause ein segensreiches sein möge. * :

Bézugnehmend auf die am 2. September hier erfolgte Enthüllung des Kriegerdenkmals auf dem nördlihen Friedhof, sah fih in heutiger öffentliher Magistratsfizung Bürger- meister Dr. Erhardt zu folgender Ansprache veranlaßt:

„Das Monument, welches die Stadt den im Kriege 1870/71 ge- fallenen und dahier beerdigten deutschen Kriegern errichtet hat, ist in festliher Weise enthüllt worden. Die Feier wurde wesentli< erhöht dur die Theilnahme des Militärs, der höchsten Beamten des Staates, der Krieger- und Veteranenvereine Münchens, welche in großen Städten mit Fahnen ‘und klingendem Spiel ausgezogen waren, der sämmtlichen Gesangsvereine Münchens, welche erhebende und mächtig crgreifende Chöre zum Vortrag gebracht haben, sowie dur<h das Geläute mit den Glo>en der protestantischen Kirche. Jch habe für diese Theilnahme theilweise persönlih den Dank der Gemeinde ausgesprochen und telle nunmehr den Antrag, den Krieger- und Gesangsvereinen Münchens, sowie dem Königlich protestantischen Pfarramt dahier \hriftli<h den wärmsten Dank auszudrücken. Es ist nur ziemlich,“ fuhr der Hr. Bürgermeister fort, „nochmals auf das Verweigern des Geläutes mit den Glo>en der katho- lischen Kirchenzurü>zukommen ; aber die Prefse, welche sich die katholische nennt, allerdings aber keine katholi <e, sondern eine ultramontane ift, nöthigt mich zur Erklärung: 1) day das Geläute nicht zur Sedanfeier, son- dern ledigli<h zur Enthüllung des Denkmals erbeten worden war; 2) daß kein fatholis<hes Pfarramt das Geläute mit der Motivirung verweigerte, daß es zu einer Sedanfeier nicht mitwirken wolle, sondern theils deshalb, weil es das erzbishöflihe Ordinariat nicht erlaubt hae, theils deshalb, weil die Enthüllung des Denkmals mit einer kirhlihen Weihe niht verbunden sei, theils deshalb, weil es in der katholischen Kirche unerhört sei, wegen der Enthüllung eines Denkmals mit Kirchenglo>en zu läuten. Wohl war uns nicht unbekannt, daß es Menschen giebt, welhe Deutschlands Boden erzeugt hat, und no< fortwährend ernährt, die fih der Feier des größten Triumphes der deutschen Nation gegenüber nicht blos kühl, fondern sogar feindlih ver- halten. Diese feindselige und undeutsche Haltung konnte und durfte jedo< uns vi<t bestimmen, das Denkmal, welches bis zum 2. Sep- tember vollendet war, an einem andern Tage zu enthüllen. Wir hätten uns einer Verleßung der Pietät s{huldig gemacht, hätten wir das Monument nicht am Tage von Sedan enthüllt das Monument, welches den deutschen Kriegern errichtet ist, deren mancher gerade vor Sedan den Heldentod für das Vaterland gestorben.“ Z

Nach dieser mit lautem Beifall aufgenommenen Erklärung erhob sih Hr. Rehtsrath Badhauser * mit der Versicherung: die vorigen Worte seien ihm aus der Seele gesprochen, und er sei überzeugt, daß au<h alle seine Kollegen vom Magistrat die näm- lichen Gefühle hegten. (AUseitige Zustimmung.)

Sachsen. Dresden, 9. September. Der König hat sich heute früh 1/22 Uhr von PKillniß nah der Bahnstation Niedersedliß begeben und ist von dort mit Extrazug über Boden- bah und Alt-Bunzlau nah Brandeis abgereist, um den in der dortigen Gegend stattfindenden Manövern beizuwohnen. In der Begleitung Sr. Majestät befinden \fi<h der General-Adjútant General-Lieutenant Krug v. Nidda und der Flügel-Adjutant Oberst v. Dziembowski, General-Major v. Carlowiß und Major Reyher (vom Generalstabe). Die Rü>kehr des Königs wird morgen Abend erfolgen.

Nächsten Freitag gedenkt der König \si<h zu den Manövern bei Meißen, Sonnabend zu den Manövern bei Hainichen zu begeben.

WBaden. Karlsruhe, 8. September. Der Staats- Minister Dr. Jolly is heute früh von einer mehrwöchentlihen Urlaubsreise hierher zurückgekehrt.

Obgleich erf vor wenigen Tagen die Einladungen - zum ersten badischen Kriegerfeste erfolgt sind, so treffen do< hon von zahlreihen Vereinen, und darunter felbst von solchen aus den entferntesten Landesgegenden die Anmeldungen ein, daß sich diese Vereine theils vollzählig, theils dur<h größere oder fleinere Abordnungen an dem am 27. September in Karlsruhe stattfindenden 1. badischen Kriegerfeste betheiligen werden.

Hessen. Darmstadt, 8. September. (Fr. I.) Morgen wird der Finanz-Aus\<uß der Zweiten Kammer zusammen treten, um zunächst über die seiner Zeit zurückgelegte Regierungs- Vorlage, betreffend den Wiederaufbau des hiesigen Hoftheaters, und sodann über die weitere Vorlage, betreffend die An- erkennung der Domänen in den neu erworbenen Landes- theilen mit Ausnahme der als Landeseigenthum behandelten Objekte 2c. als Bestandtheil des Familieneigenthums des Groß- herzoglihen Hauses, zu beschließen. Der Geseßgebungs- Aus\huß Zweiter Kammer tritt ers am 14. d. zu- sammen, um über eine Reihe von Gegenständen zu beschließen, bezüglih deren die Referate erstattet, beziehungsweise vorbereitet find. Namentlih wird das Berggeseß zur Verhandlung kommen, Über welches der Abg. Buff zu berichten hat.

Der Zusammentritt der Zweiten Kammer ift vorerst gegen Ende d. M. in Ausficht genommen. Es besteht die Hoff- nung, daß bis dahin die Aus\chußberihte über die jüngst vor- gelegten Kirchengeseze erstattet find, so daß die Berathung \i<h hon auf diese wichtigsten aller Vorlagen erftre>en könnte,

Die „Darmst. Ztg.“ vom 9. September veröffentlicht den Wortlaut der den Landständen vorgelegten Kirchengesete. Der Gesetzentwurf, die re<tli<he Stellung der Kirchen- und Religions-Gemeinschaften im Staate, lautet:

Rb Ludwig 11], von Gottes Gnaden Großherzog von Heffen und bei éin 2 16

Art. 1. Der evangelischen und der katholischen Kirche ist das Recht ôffentlicher Korporationen mit dem Rechte der öffentlichen Gottes- verehrung gewährleistet.

Art. 2. Den übrigen bereits bestehenden, sowie den sich bildenden neuen Religionsgemeinschaften steht ebenfalls das Recht der sffentlichen Gottesverehrung zu.

Korporationêre<te sollen denselben, insofern ‘fie solche no<h nicht besißen, auf den Nachweis der entspre<henden Erfordernisse verliehen werden.

Art. 3. Die Bildung neuer Religionsgemeinschaften ift gestattet.

Ihre Verfassung und ihr Bekenntniß darf den Staatsgeseßen und der Sittlichkeit niht widerspre<hen und niht zum Vorwande die- nen, Andere in ihren politishen, bürgerlichen oder religiösen Rechten zu beeinträchtigen.

Art. 4. Die evangelis<he und die katholische Kirche, sowie jede andere, mit Korporationsrechten versehene Religionsgemeinschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig, bleibt aber den Staats- geseßen und der Oberaufsicht des Staates unterworfen. Fnsbesondere kann feine Kirche - oder Religionsgemeinschaft aus ihrer Verfassung oder ihren Verordnungen Befugnisse ableiten, wel<he mit der Hoheit des Staats ‘oder mit den Staatsgefeßen im Widerspruch stehen.

In ihren bürgerlichen und staatsbürgerlihen Beziehungen bleiben die Diener und Anstalten der Kirchen oder Religionsgemeinschaften den Saa pgeleßen unterworfen.

Die Zulässigkeit der gerihtli<hen Verfolgung kir<li<er Beamten ist niht von der Zustimmung éiner kir<lihen oder einer Verwaltungs- behörde abhängig.

Oeffentliche Wege und Pläße können zu kirhli>en oder religiösen Feierlichkeiten nur mit Zustimmung der Obrigkeit benußt werden.

Art. 5. Alle kir<li<en Verordnungen müssen gleichzeitig mit der Verkündigung der Staatsregierung mitgetheilt werden. ;

Keine Verordnung der Kirchen oder Religionsgemeinschaften kann in Beziehung auf bürgerliche oder staatsbürgerlihe Verhältnisse recht- lihe Geltung in Anspruch nehmen oder in Vollzug geseht werden, bevor sie die Genehmigung des Staats erhalten hat. :

Art. 6. Gegenwärtiges Geseß tritt jofort na< der Verkündigung durch das Regierungsblatt in Kraft. Zugleich verlieren alle von dem- selben abweichenden bisher geltenden Bestimmungen ihre Wirksamkeit.

In Beziehung auf die Verwaltung des V:rmögens der Kirchen und Religionsgemeinschaften bleiben bis zu anderweitiger Regelung die bestehenden Bestimmungen in Kraft. :

Die 4 anderen Vorlagen find: 2) Gesehentwurf, den Miß- brau< der geistlihen Amtsgewalt betreffend, 3) Gesetzentwurf, betreffend die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen, 4) Ge- \sezentwurf, betreffend die religiösen Orden und die ordens- ähnlihen Kongregationen, 5) Gesehentwurf, das Besteuerungs- reht der Kirchen- und Religionsgemeinschaften betreffend.

Sachsen-Weimar-Eisenah. Schloß Wilhelms- thal, 9, September. Ihre Majestät die Deutsche Kaiserin verabschiedete Sih gestern Abend von der Großher- zoglichen Familie, um mit dem Naht-Schnellzuge von Eisena nah Baden abzureisen.

Weimar, 9. September. Geh. Rath Dr. Stichling is am 7. September Abends von seiner Karlsbader Badekur wieder hier eingetroffen.

Sachsen-Meiningen-Hildburghaufsen. Wceiningen,

9. September. Dem „Frankf. Journ.“ wird über den Brand Folgendes telegraphirt: Nach offizieller Mittheilung sind 200 Häuser abgebrannt, in welchen s< na< der Volkszählung von 1871 537 Haushaltungen mit 2394 Personen befanden. Am nöthigfsten find Wäsche und Geld.

LübeŒ>#, 9, September. (Lüb. Ztg.) Heute Vormittag traf der Stab der 18. Division und der der 35. Infanterie- Brigade hier ein, die bis übermorgen hier Quartier nehmen; morgen solgen mit den Stäben der 36. Infanterie- und 18. Kavallerie-Brigade das Gros der 18. Division, sowie die dazu gehörigen übrigen Waffengattungen. Am Freitag, den 11. d. M., segen sih dieselben nah dem zwishen Schönberg und Gadebush liegenden Manöverterrain in Marsch; am 14. und 15. ope- riren dann die beiden Divisionen (17. und 18.) und die ihnen zugetheilten Truppentheile gegen einander, am 16. das gesammte Armee-Corps gegen markirten Feind. Diesen leßten Uebungen (15. und 16.) wohnt bekanntlih der Großherzog von Me >- lenburg-Schwerin, General-Inspecteur der 4. Armee, bei, der in Wendorf bei Rehna absteigen wird; der Corps-Comman- deur, General-Lieutenaut v. Tres>ow, hat auf Hof Selmsdorf Quartier (14, bis 16.). s

Elsaß-Lothringen. Straßburg, 8. September. (Str. Ztg.) Die Gräfin von Flandern traf gestern Morgen mit dem Zuge 6 Uhr 45 Minuten, in einem Salonwagen von Brüssel kommend, hier ein und fuhr um 8 Uhr 3 Minuten über Kehl nah Constanz weiter.

Desterreich-Ungarn. Brandeis a. E., 9. September. (W. T. B.) Der König von Sachsen ist heute Morgen um 6 Uhr hier eingetroffen. Der König war in österreichisher Dragoner- uniform und wurde vom Kaiser auf das Herzlichste bewillklommnet. Die Allerhöchsten Herrschaften nahmen sogleih nah der Ankunft des Königs von Sachsen ein Dejeuner auf dem Manöverfelde ein und wohnten darauf den Truppenübungen bei, bei welchen auch der Graf Andrafsy und eine große Anzahl fremder Offiziere zugegen war. Der Verlauf der Manöver wird als ein durhaus befriedigender bezeihnet. Heute Abend wird der Kaiser die Truppenbivouaks besuchen und wird das Lager bei dieser Ver- anlafung illuminirt werden. Die Stimmung der Bevölkerung in Böhmen, namentli<h in Prag, is eine sehr versöhnlihe und entgegenkommende. Troz der frühen Stunde, in weicher die Abreise des Kaisers erfolgte, waren Tausende auf den Beinen und die Häuser illuminirt. Die Dorfschaften, welche der Kaiser auf der Reise nah Brandeis passirte, waren auf das Festlichste ges{<hmüdt.

Schweiz. Bern, 7. September. Auf Antrag seines Eisenbahn- und Handelsdepartements hat, wie {hon telegraphisch gemeldet wurde, der Bundesrath einer Eingabe der H. H. G. de Seigneur in Genf und St. Christ, Dr. jur., in Basel, welche anläßli<h der Berathung des neuen Geseßes über den Fracht- verkehr auf den Eisenbahnen, Regelung des internatio- nalen Frachtverkehrs nah bestimmten Grundsäßen durch Abs<luß eines internationalen Vertrages verlangen, insoweit Folge gegeben, daß er seine Gesandten in Berlin, Paris, Rom und Wien beauftragt hat, diese Frage bei den dortigen Regie- rungen in Anregung zu bringen. Was die Hrn. de Seigneur und Dr. H. Chrift betrifft, so beantragen dieselben :

1) Feststellung des Gerichtsstandes für Reklamationen, betreffend Taxation und Verschi>kung; 2) gewisse einheitlihe Formalitäten für Konstatirung innerliher wie äußerlicher Beschädigungen; 3) die An- nahme des allgemeinen Satzes, daß der leßte Frachtführer für die Fehlér des vorangehenden Frachtführers haftet unter Vorbehalt seines

Rückgriffes auf dieselben und Feststellung des für diesen Rücgriff gel- -

tenden Verfahrens; endli<h 4) Bezeichnung der Grenzen der Haftbar- e des Frachtführers, des ursprünglichen Spediteurs und der Zwischen- pediteure.

Der Bundesra:h wird seiner Zeit der Bundesversammlung

über die von ihm in dieser Angelegenheit gethanen Schritte Be- riht erstatten. ,

Niederlande. Haag, 7. September. Ein dem Kolo-

nien-Ministerium zugekommenes Regierungstelegramm aus Ba-

tavia vom 4. d. enthält na<stchende Mittheilungen, welche einer telegraphishen Depeshe des Obersten Pel aus Atchin ent- nommen sfind:

„Am 23. August wurden dur< das Feuer von der Südfronte aus Resultate erzielt, welche die Sicherheit (veiligheid) in Kotta-Radja (dem Kraton) verbürgten. (Nach früheren Meldungen hatten die At- chinesen in der Umgegend des Kratons eine Reihe von Verschanzungen zu errichten begonnen. Dieses Unternehmen s<heint nun dur die Kanonade vom 23. August vereitelt worden zu sein.) Tuku Machmud, welcher in *atty, im nördlihen Theile der West- küste, die Herrschaft führt, vollzog in Kotta-Radja die Unterwerfungs- Akte. Am 25. August war der Feind sehr ruhig , besonders in der Um- gegend von Kotta-Radja. Am 3. September wurde in Patty die

niederländische Flagge aufgehißt. Nach einem Berichte des Komman-

danten der maritimen Streitkräfte in den atchinesishen Gewässern ift dasselbe in dem ebenfalls im vördlihen Theile der Westküste gelegenen Kluwang geschehen. Auf der Nordost-Küste unterhandelte Djolah über seine Unterwerfung, während auch Langsar Anzeichen von An- näherung gab.“

Großbritaunien und Jrland. London, 6. Sep- tember. Der Herzog und die Herzogin von Edinburgh

famen am 29. August Nahmittags in Balmoral zu einem .

Besuche der Königin an. Tausende von Personen empfingen das Fürstlihe Paar mit einem herzlihen Hochländer-Willkommen.

Der Herzog von Edinburgh wird si<h am 28 d. nah Liverpool begeben, um dort den Grundstein zu einer neuen Kunst- gallerie zu legen und ein Seemannswaisenhaus einzuweihen.

Hr. W. E. Forster, der Chef des Unterrihtswesens im Ministerium Gladstone, wird am 10. d. eine längere Reise na< den Vereinigten Staaten antreten.

In Abwesenheit des Grafen Beust führt Graf Wolken- ftein die Geschäfte der österreihis<h-ungaris<hen Botschaft.

Der neuernannte französishe Botschafter am Hofe von St, James, Graf de JIarnac, is am 2. Abends von Paris hier angekommen.

Der Marquis von Ripon hat sein Amt als Groß- meister der englishen Freimaurerorden niedergelegt. Die „Pall Mall Gazette“ wird benachrichtigt, daß dieser Rücktritt der Thatsache zugeschrieben wird, daß der Marquis jüngst zur röô- misch-katholishen Kirche übergetreten ift.

Der deuts<he Turnverein in London beging am 2. d. M. den Jahrestag des Sieges von Sedan dur ein Fest- essen, bei dem nahezu 200 Herren und Damen, darunter meh- rere Mitglieder der Kaiserlih deutshen Botschaft, zugegen waren. Die große Halle des Vereins war zwe>entsprehend geshmüd>t, und mit Begeisterung wurde auf das Deutshe Reich, den Deut- shen Kaiser, die deutshe Armee und ihre Generale, die im Kriege Gefallenen, und auf das Wohl des Fürsten von Bismar>k ge- toastet. Zwischen jedem der Toaste trug der Sängerchor des Vereins patriotishe Lieder vor. Glü>kwunsh - Telegramme wurden an den Deutschen Kaiser und den Fürsten von Bismar> gesandt, und von Beiden liefen no< vor dem Ende der Fest- lihkeit Antworten ein. Erst in später Nachtstunde trennte \ih die Versammlung unter Absingung der „Wacht am Rhein.“

Die Albert-Memorial-Kapelle im Windsor- \<losse, dieses prächtige Werk, das die Prinzen und Prin- zesfinnen der Königlichen Familie zum Andenken an den Prinzen Gemahl errichten ließen, - ist nun mit Ausnahme einiger Einzel- heiten vollendet, und in nächster Zeit wird es für die Inspektion der Königin nah ihrer Rü>kkehr von Schottland ganz bereit sein, Die zahlreichen und kostbaren Kunstwerke, die das Innere zieren, werden „von den Mauern von Kardinal Wolsey's Kapelle ein Gebäude, das, einst bekannt als das Tomb-House, zwischen der Dechanei und der St. Georgskapelle auf dem Castle Hill sizuirt ift, eingeshlossen. Die Errichtung der Memorial-Kapelle hat nahezu 10 Jahre in Anspruch genommen. L

Frankreich. Paris, 8. September. Das Programm der Reisedes Marschalls MacMahon nah dem Norden is Fol- gendes: Abreise von Paris Freitag 6 Uhr Abends. Ankunft in Lille 11 Uhr Abends, wo Illumination mit Fatelzug stattfindet; am Sonnabend Besuch der Kasernen, der Hospitäler und einiger Fabriken, Empfang der Behörden, große Parade und Diner, zu dem 80 Personen geladen worden find. Abreise nah dem Lager von Bethune 10 Uhr Abends. Der Marschall bleibt dort zwei 4 Um den Manövern anzuwohnen, und begiebt \si<h dann nah Arras, wo er aber nur einige Stunden verbringen wird. Der Marschall wird vom Kriegs-Minister, den Obersten Broye und d'Absac und dem Vicomte d'Harcourt begleitet. Am 18. oder 19. September geht der Marschall nah Lyon.

Der Fürst von Serbien is} gestern über die Shweiz na<h Belgrad abgereist. Der Prinz von Wales wird morgen hier erwartet.

Se. Königliche Hoheit bleibt 24 Stunden hier und besuht dann.

den Herzog Larochefoucauld-Bisaccia auf dessen Schloß.

.— Nicht allein der Rittmeister Rigodet vom 12. Husaren- Regiment, wie bereits gemeldet worden, sondern auch der Oberst v. Lapelouse vom 14. Dragoner-, der Oberst d’'Arbau vom 8. Linien-Regiment und der Artillerie-Hauptmann Munier find nah Berlin abgereist, um den Herbstmanövern beizuwohnen.

Der Posten eines General-Sekretärs im Mini- sterium des Junern soll eingestellt und der leßte Inhaber desselben, Hr. Welche, zum Präfekten von Nantes an Stelle des Hrn. Leon Lavedan ernannt werden, welcher leßtere an die Spitze der Preßleitung im Ministerium des Innern berufen werden soll.

Ueber die Manöver des in und bei Bethune kon- zentrirten Armee-Corps vernimmt man Folgendes:

Die erste Division verläßt das Lager von Helfaut am 10., um in der Richtung von Lens abzumarschiren. Sie kommt 'am 11. im Canton Fauquemberques an und wird Enquinegatte, Enquin, Fléchinelle und Sléchin beseßen. Am 13. wird sie einen Angriff gegen die zweite Di- vision auf der Ebene von Lens machen und zurü>geworfen werden. Wie cs s wird der Marschall Mac Mahon diesem Manöver beiwohnen, worauf er dann über die beiden Abtheilungen eine Revue abhalten wird. Am. 14. wird die erste Division ihren Angriff gegen die zweite er- neuern, aber wieder zurü>geworfen werden und sich in der Richtung des Lagers von Helfaut zurü>ziehen. Bei Enquinegatte wird sie von der ihr nachfolgenden zweiten Division erreiht und werden neue Kämpfe stattfinden. Die beiden Divisionen werden dann Frieden schließen und si<h na<_ dem Lager von Helfaut begeben, wo am 15. General Clinchant, Ober-Kommandant des Corps, eine Heerschau über sie abhalten wird.

+— 10. September, Morgens. (W.-T. B.) Das „Jour- nal officiel“ veröffentliht die Ernennung des Grafen von Harcourt zum Gesandten in Bern.

Der Sohn des vor Kurzem zurüt>getretenen spanischen Minister-Präsidenten General Zabala is hier eingetroffen und hat dem Chef-Redacteur des „Univers“, Veuillot, seine Zeugen gesandt, um Genugthuung wegen der in dem Journal ver- öffentlihten Angriffe gegen Zabala zu verlangen. Veuillot hat das Duell mit der Erklärung abgelehnt, daß er nur den Mi- nister Zabala, nicht die Person des Generals angegriffen habe.

Spanien, Madrid, 9. September. (W. T. B.) Lopez Pinto hat die Carlisten nah einem blutigen, an 10 Stunden dauernden Gefeht bei dem Fle>en Mora in der Provinz Teruel vollständig in die Flucht geschlagen. Der Ort Mora und das dabei befindlihe Schloß wurden von den Regierungstrupzen genommen; die Carlisten haben an Todten und Verwundeten sehr große Verluste erlitten. i

9. September. (W. T. B.) Ein Telegramm der amt- lihen „Gaceta“ vom 7. d. aus Havanna meldet, daß die In- surgentenführer Garcia und Quesada von den spanischen Truppen in einem Gefeht mit den Aufständishen gefangen genommen worden find. Leßtere hatten 58 Todte.

Am Sonnabend wird der offizielle Empfang des Grafen v. Haßtfeldt und des Grafen Ludolf dur<h den Mar- \{<all Serrano stattfinden. Am Montag ist zu Ehren der- selben ein Banket veranstaltet.

__— Der Marquis von Pavia (Regierungs-General) hat die Stadt Alcan iz (Provinz Teruel) beseßt.

10. September. (W. T. B.) Graf Haßzfeldt und Graf Ludolf sind am Dienstag Abend vom Minifter des Aus- wärtigen, Ulloa, vertrauli<h empfangen worden.

Das einzige in den \panishen Gewässern no<h fkreuzende T TMLAe Kriegs\<iff erhielt die Abberufungs- ordre.

Portugal. Lissabon, 9. September. (W. T. B.) Der König wird morgen den spanischen Gesandten zur Ueberreihung seiner Kreditive empfangen.-

Italien. Rom, 5. September. (It. N.) Die zur Liquidation der Kirhen- und Klostergüter in Stadt und Provinz Rom niedergeseßte Kommission wird am 9. d. die beiden Benediktinerklöster San Calisto und San Paulo vor dem gleihnamigen Thore der Stadt in Besiß nehmen, womit die Zahl der bis dahin aufgehobenen Klöster gerade auf einhundert gebraht sein wird.

___— Die „Italie“ versichert, das Ministerium habe beschlossen, keine außerordentliche Maßregeln zur Wiederherstellung der öffentlihen Sicherheit in Sicilien zu ergreifen, sondern es dem Parlament zu überlassen, sol<he vorzuschlagen, wenn es sie für nöthig hält. Inzwischen wird die Regierung alle ihr zu Gebote stehenden gesehlihen Mittel anwenden, um die Zustände auf der Jnsel Sicilien möglichst zu verbessern.

Der „Corr. Stef.“ zufolge wird die Kaiserin von Rußland auch in diesem Iahre einen Theil des Winters in Rom zubringen.

Prinzessin Margarethe - if , gestern wieder in Monza eingetroffen.

Nächstens wird wieder der Kardinal Bonnechose hier erwartet.

In Venedig, Padua, Reggio und in anderen Städten waren dieser Tage gleihlautende revolutionäre Aufrufe an die italienishen Proletarier zu lesen, mit der Unterschrift: „Das Comité für die foziale Revolution“. Brüssel war als Dru>- ort angegeben. Sie sind glü>liher Weise ohne die mindeste Wirkung geblieben.

Von Randazzo am Aetna wird telegraphirt: Die Erdstöße werden zwar seltener, aber um 11 Uhr Vormittags hatten wir einen um so stärkeren. Auch is der Rauch aus dem

euen Krater di>er geworden. Viele Häuser müssen \<hon ge-

Üß: : N und es findet kein Gottesdienst in den Kirchen mehr statt Die Bevölkerung fühlt ih sehr beunruhigt und wagt niht in den Häusern zu \#lafen.. In einem Briefe aus Messina vom 3. d. heißt es: Die gestern und vorgestern ver- \spürten Erdstöße . waren unbedeutend, aber heute kurz nah Sonnenuntergang hörtén wir einen dumpfen Donner und hatten bald darauf eine starke Grdershütterung, auf welhe mehrere andere, jedo<h \{<wächere, folgten.

Von Polesine wird telegraphirt, daß die Viehseuche in der dortigen Provinz immer verheerender auftritt. Die Zahl der Opfer ift bereits au? 800 gestiegen. /

Nufßland und Polen. Ueber die Feier des 2. Sep- E er in Odessa entnehmen wir der „Odessaer Ztg.“ Fol- gendes:

Ueber 170 deutsche Reichsangehörige hatten sih am Tage von Sedan im Garten der Harmonia in Odessa eingefunden Der über- aus reich mit Blumen dekorirte, dur<h Hunderte von Lampions und Gasflammen exleuchtete und mit "5 Büsten des Deutschen Kaisers, des Reichskanzlers Fürsten von Bismar> und des General-Feldmar- \challs Grafen Molke ges<hmlü>te Garten prangte in einem seltenen Flaggenreihthum, wozu der Kapitän eines. augenbli>lih hier befind- lichen me>lenburgishen Schiffes allein 32 Flaggen freundlichst über- [lassen hatte. Um 9 Uhr eröffaete der General-Konsul Dr. Blau das Fest durch eíne Ansprache an die Versammelten, worin er seiner Freude über die zahlreiche Betheiligung äÄusdru> verlich und zum Schluß ein Hoch auf den Deutschen Kaiser ausbrachte, in welches alle An- wesenden jubelnd einfstimmten, während die Musik die deutsche Na- tionalhymne intonirte. Darauf begann ein zwanglos aemüthliches Abendess:n, gewürzt dur<h Redern mancher Art ttüd vershönt dur< die Vorträge des G-fangvereins der Harmonia. Toaste wurden ausge- braht auf Deutschland und das deutsche Volk, die deutsche Armee, die deuts<he Marine und auf Deutschlands diplomatische Vertreter im Auslande u. f. w.

#S{bweden und Norwegen. Stockholm, 6. Septem- ber. Der Intendant Juhlin-Dannfelt, welher \. Z. von der Regierung beauftragt wurde, nah den Vereinigten Staaten abzureisen, um die vorbereitenden Schritte zur Theilnahme Schwe- dens an der Wel:ausftellung in Philadelphia vorzunehmen, ist jeßt nah Stockholm zurückgekehrt.

Der s<hwedis{<-norwegishe Gesandte am dänischen Hofe, Baron Be>-Friis, hat eine Urlaubsreise auf einige Monate angetreten. Während seiner Abwesenheit werden die Geschäfte der Gesandtschaft vom Legations-Sekretär Kammerherrn Aminoff als Geschäftsträger geleitet. \

Die Stadt Christiania wird in diesem Herbst ihr 290jähriges Jubiläum feiern. Es finden Verhand!ungen über die aus dieser Veranlassung zu veranstaltenden Festlich- keiten statt.

Dänemark. Kopenhagen, 7¿September. Die Königin Louise feiert heute ihren 57. Geburtstag. Stadt und Hafen haben zu Ehren Ihrer Majestät geflaggt. Auf Schloß Bern- storf ist eine gvößere Familientafel, an welcher, außer der Prin- zessin Alexandra von Wales und ihren Kindern, auch die ver- wittwete Königin Caroline Amalie, die Erbprinzessin Caroline und das Kronprinzlichhe Paar theilnehmen werden.

Dem Vernehmen nah wird der König sih zur Eröff- nung der na<h Esberg führenden Querbahn nah Jütland be- geben. Bis jetzt is jedo<h weder der Tag der Abreise, noch die Reiseroute festgestellt.

Amerika. New-York, 9. September. (W. T. B.) Das gelbe Fieber gewinnt im Süden der Union immer mehr Verbreitung und tritt in sehr heftiger Form auf. Es sind die strengsten Quarantänemaßregeln angeordnet worden. /

Der General Miles ‘hat die Cheyenne-Indianer in Texas geschlagen.

Nach hier eingegangenen Meldungen aus Kuba sind die Aufständischen in einem Gefechte bei Yarayabo von den Regierungstruppen zurü>geworfen. Die Insurgenten hatten 36 Todte, unter denen sih ihr Führer Garcia befindet. (Nach der amtlihen Meldung aus Madrid wäre Leßterer gefangen.)

Buenos-Ayres, 30. Iuli. (A. A. C.) Der Kongreß erörtert die rivalisirenden Hafenprojekte von Madero, Stamps, Rigoni und andere. In Folge d°r häufigen Mordthaten ist eine öffentlihe Agitation im Gange, um die Handelskammer zu be- wegen, eine Deputation. von neun leitenden Kaufleuten verschie- dener Nationalitäten zu wählen, die dem Gouverneur ihre Auf- wartung machen und die Ergreifung irgend einer Maßregel für

L die öffentlihe Sicherheit betreiben soll. Während der legten

\se<hs Wochen wurden s\e<s kühne Morde mit der größten Straflofigkeit verübt. Von einigen Journalen wird zur Lynhjustiz gerathen, aber die Ausländer halten sih ängstlich fern, da die niederen Klassen bis zu den Zähnen bewaffnet sind. Ebenso \{le<t is die Lage der Dinge in den ländlihen Distrikten. Die Provinzial-Legislatur erwägt ein Projekt für die Herstellung von Boulevards rings um die Stadt. Die Kosten des Werkes werden auf 60,000,000 Dollars ver- anshlagt. König Aurelian von Araukanien if gefangen ge-

tungen sagen, daß sein einziges Verbrechen die Civilisirung der araukanishen Stämme zu sein heine und daß er auf freiem Fuß gesezt werden follte. Nachrichten aus Paraguay mel- den, daß Hr. John B. Gill der neue Präsident der Republik sein wird. :

_ Einem Kabeltelegramm aus Rio de Janeiro zufolge ist die Ladung des britis<hen Poftdampfers „Liffey* total verloren gegangen.

__ Asien. Aus Indien wird unterm 3. d. gemeldet, daß die Berichte bezüglih der großen Winterernte weniger günstig find, worüber in Calcutta wie in den ländlichen Distrikten große Besorgniß herrs{<t. In den Abtheilungen Burdwan und Rajs- haje sowie in den Bezirken Murschedabad, Dacca und Tirhut find die Saaten noh sehr zurü>. Doch tröstet man ih damit, daß in den se<s Wochen bis zur Ernte die Saaten dur recht- zeitigen Regen gerettet werden dürften.

Afrika. Von der Goldküste wird unterm 8. August ge- meldet, daß Kapitän Lees, der Cape Coaft Cafile vor Kurzem verließ, nun als Friedensvermittler zwishen dem König von Aschanti und dessen Vasallen zu fungiren, in Kumassie mit jeder Kundgebung von Achtung und Wohlwollen empfangen wurde. Der König und dessen Mutter gingen ihm entgegen und seine Ankunft wurde dur<h Tanz und Gesang gefeiert. Einem Gerücht zufolge if Kapitän Lees nah Djuabin weiter gereist. Die Aschanti-Botschafter weilen no<h immer in Cape Coast Castle, aber alle Chancen eines Bruches find vorüber. In Quitta herrs<ht Ruhe, aber den Einwohnern scheint der Wechsel der Regierung niht zu behagen. Der Handel längs des Protektorats ist im Aufshwung begriffen. Zur Besserung des Gesundheitszustandes von Cape Coast Castle werden wirk- same Maßregeln ergriffen.

Gewerbe und Handel.

Hannover, 9. September. (W. T. V.) Die fünfzehnte Hauptversammlung deutsher Inecnierr? trat heute Vor- mittag zu ihrer ersten Sißung in dem Concertsaale des Königlichen Hoftheaters zusammen. Dieselbe ist von Vertretern aus allen Theilen Deutschlands zahlrei<h besu<t. Nachmittags fand im Odeon ‘ein Sestdiner ftatt, an wel<hem der Ober-Präsident, der Stadtkommandant und die Spißen der Behörden Theil nahmen.

_ —_Der Dresdner Gewerbeverein projektirt für nächstes Jahr eine große Sächsische Industrie-Ausstellung. Die Eröffnung der- jelben ist definitiv auf. den 15. Juni 1875 festgestellt.

Wien, 10. September. (W. T. B.) Die Kreditanstalt hat, den heutigen Morgenblättern zufolge, die von dem ungarischen Bodenkredit - Institute neu zu emittirende Pfandbriefs-Serie im Be- trage von 2 Millionen Gulden übernommen und betreffs weiterer 3 Millionen die Option -si< vorbehalten. Die Schiffsche Bank soll, wie die „Neue freie Presse“ erfährt, im ersten Semester d. J. ca, 6% thres Aktienkapitals verdient haben.

London, 10. September. (W. T. B.) Jn Bolton (Graf- schaft Lancaster) habn die Woll- und Baumwollspinner die ihnen vorgeschlagene Herabseßung des Lohns um 5 Prozent ab- gelehnt; in Folge dessen soll mit Schluß dieser Woche in den Webe- reien und Fabriken die Einstellung der Arbeit erfolgen, wodur< etwa 14,000 Acbeiter arbeitslos werden. Auch die Berg- uud Hütteu- arbeiter von Durham und Lancashire scheinen nicht geneigt, auf die ihnen angesonnene Lohnherabfetzung einzugehen. i

Verkehrs: Anstalten.

_Die Nr. 71 der „Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen“ hat folgenden Inhalt: Verein Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen: Station Duky der Buschtehrader Eisenbahn für den Persouen- und Güterverkehr eröffnet. Deutsche Cisenbahnstatistik für das Betriebsjahr 1872 (I. Bahngebiet und An- lagekapital. II. Transportmittel und Leistungen derselb n.) Vereins- gebiet: Sächsishe Staatseisenbahn-Bauten. Muldenthal-Eisenbahn. Aus Bayern. ODesterreichisch-Ungarische Korcespondenz. Königlich ungarische Staatsbahnen. Technisch-polizeilihe Prüfung der Feled- Theißholczer Stre der Gömö-er Jndustriebahnen. Ausland: Tambow-Koslow-Bahn, Geschäftsberiht pro 1873. Juristisches, Rechtsfall. Literatur: Ueber den Entwurf eines Reichs-Eiseabahn- geseßes und dessen Unzulässigkeit von Moriß Mohl. Tarif-Nachträge pro Juli 1874 (Bergisch-Märkische Eisenbahn. Brauns&weigische Eisenbahn. Desterreichishe Staats-Eisenbahn). Die Frequenz und Einnahmen der öôsterreichisch-ungari|hen Eisenbahnen im Juli 1874. Offizielle und Privat-Anzeigen: Werra-Eisenbahn, General-Versamm- lung, Bergish-Märkische Eisenbahn, Stre>e Dahl-Brügge der Vol- Mea ann Ge A W.T

ondon, 9. September. (W.T. B.) Die englis{-amerikanis<he Kabelgesellshaft Hat heute Nachmittag bekannt gemacht, * daß A E Verbindung mit New-York wieder her- gestellt ift.

Königliche Schauspiele.

Freitag, den 11. September. Opernhaus. (165. Vorstel- lung.) Fli> und Flo>. Komisches Zauber-Ballet in 3 Akten und 6 Bildern von P. Taglioni. Musik von Hertel. Anfang 7 Uhr. Mittel-Preise.

Schauspielhaus. (169. Vorstellung.) Das Glas Wasser, oder: Ursachen und Wirkungen. - Lustspiel in 5 Abtheilungen von Scribe. Anfang 7 Uhr. Mittelpreise.

Sonnabend, den 12. September. Opernhaus. (166. Vor- stellung.) Die lustigen Weiber von Windsor. Phantastish- komishe Oper in 3, Akten. Musik von O. Nicolai. Frau Fluth : Fr. Mallinger. Frau Reich: Frl. Lammert. Anna Reich: Frl. Lehmann. Falstaf: Hr. Fri>ke. Herr Fluth: Hr. Bey. Änfang 7 Uhr. Mittel-Preise.

Schauspielhaus. (170. Vorstellung.) König Richard der Dritte, Trauerspiel in 5 Abtheilungen von Shakespeare. An= fang halb 7 Uhr. Mittel-Preise.

Es wird ersucht, die Meldekarten (sowohl zu den Opern- haus-, wie zu den Schauspielhaus-Vorstellungen) in den Brief= kasten des Opernhauses, welcher sich am Anbau desselben, gegen- über der Katholischen Kirche, befindet, zu legen.

Dieser Briefkasten ist täglih für die Vorstellungen des fokl- genden Tages nur von 10 bis 12 Uhr Vormittags geöffnet. Meldungen um Theater-Billets im Bureau der General- Intendantur oder an anderen Orten werden als nit eingegan-

gen angesehen und finden keine Beantwortung,

nommen uyd na< Buenos-Ayres gebraht worden. Die Zei-.

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