1874 / 215 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Se. Majestät sprachen Allerhöchstihre volle Zufriedenheit über die Leistungen der Truppen aus und gedachten insbesondere der von ihnen im Kriege bewiesenen Tapferkeit. Das zahlreich an- wesende Publikum begrüßte Se. Majestät den Kaiser überall mit enthusiastishen Zurufen. Um 3 Uhr fand im Großherzoglichen Schlosse große Tafel und Abends eine allgemeine Illumi- nation ftatt. : N

Gestern Vormittag erfolgte die Abreise Sr. Majestät nah Hannover, während Se. Kaiserlihe und Königliche Hoheit der Kronprinz Sih \{<hon am Abend vorher nah Cassel begeben hatte. Se. Königliche Hoheit der Probherzog begleitete Aller- höchstdieselben nah dèm Bahnhofe, wo die Großherzogli hessi- hen Prinzen und das Offiziercorps zur Begrüßung anwesend waren. Die Reise selbst war von ununterbrochenen enthusiastiz \{hen Kundgebungen der Bevölkerung begleitet. An allen Halte- ftellen hatten fih die Bewohner der Umgegend in großer Menge eingefunden und begrüßten des Kaisers Majestät mit lebhaften Zurufen. In Cassel wurden Se. Majestät von Ihren Kaiserli- hen und Königlichen Hoheiten dem Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie von deren Söhnen, den Prinzen Friedrich Wilhelm und Heinrih, empfangen und von den Spigzen der Behörden ehrerbietigst begrüßt. Jn Kreiensen erwartete Se. Königliche Hoheit der Prinz Albre<ht mit dem Stabe des X. Armee-Corps Se. Majestät und auf dem Bahnhofe zu Hanno- ver wurden Allerhöchstdieselben von Ihrer Königlichen Hoheiten der Prinzesfin Albre<ht und dem Großherzoge von Med>lenburg- Schwerin so wie dem Herzoge von Altenburg empfangen. Die Ehrenwache hatte das oldenburgische Infanterie-Regiment Nr. 91 gestellt. j .

IBei der Ankunft und der Fahrt dur die festlih geshmü>ten Straßen wurden Se. Majestät der Kaiser und Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und dié Kronprinzessin von \sympathischen Zurufen der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Aller- hôchst- und Höchstdieselben haben im Residenz\losse Wohnung ge- nommen, wo später das Familiendiner stattfand.

Heute Vormittag sollte Große Parade, Nachmittags Gala- Diner bei Sr. Majestät dem Kaiser und Abends der Besuch des Theaters erfolgen. Am Dienstag findet Corps-Manöver statt, sodann Familiendiner im Residenzsclofse, Abénds großer Zapfen- streih ‘und nah demselben Soirée im Residenzshlosse. Am Mitt- woh werden Se. Majestät der Kaiser mit ‘den Höchsten Herr- \haften dem steeple chase bei Hannover beiwohnen, dann einer Einladung des Offiziercorps des 3. Garde-Regiments’ z. F. zum Dejeuner folgen und das Tivoli besuhen. Am Donnerstag findet Feldmanöver auf der Linie Arnum, Weeyen, Redderse und dèmnächst Diner im Residenzschlosse statt; Freitag und Sonnabénd werden ebenfalls Feldmanöver ftattfinden; an ersterem Tage nah dem Manöver werden die Allerhöchsten und Höchsten Herr- \chaftén bei Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Albrecht im Kloster Wennigsen zum Dejeuner versammelt sein.

| *“ Ihre Kaiserlihe und Königliche Hoy eir die Kronprinzessin iff am Sonnabend in Cassel angekommen und im Palais abgestiegen. Die Prinzen Friedrih Wilhelm und Heinrih, Söhne der Kronprinzessin, D oe an am Morgen dort eingetroffen waren, waren am Ba nhofé anwesend.

IhreKöniglihen Hoheiten die PrinzenFriedrih Wilhelm und Heinrich trafen am 9. d. M., zu Fuß durchs Okerthal kommend, in Clausthal ein und nahmen im Hotel zur goldenen Krone Absteigequartier. Am 10. d. M. Vormittags besuchten Höchstdieselben die Bergakademie, das neue Damps- pohwerk und die Silberhütte und seßten um 1 Uhr zu Wagen die Reise nah St. Andreasberg fort. Am 10. Nachmittags 53 Uhr kamen die Prinzen mit dem Zuge von Osterode in Herz- berg an und reisten um 6 Uhr mit dem Zuge nah Northeim weiter. Höchstdieselben übernahteten dort im Sonne {hen Hotel und fuhren am Sonnabend früh nah Cassel weiter, um dort mit Ihrer Durhlauchtigsten Mutter, der Kronprinzessin, zusammen- zutreffen.

Ihre Majestät die Kaiserin-Königin hat an den

Grafen Hans Wilczek in Wien folgendes Telegramm gerichtet:

„Ich kann Mir nicht den Wunsch versagen, Jhnen direkt Meinen aufri<htigen Glü>wuns<h zum Erfolg der österreihischen Nordpol- Expedition auszuspre<en, für welche Sie sih so hülfreih bewährt

uo Augusta.“ Das Staats-Ministerium trat heute Mittag um 1 Uhr zu einer Sizung zusammen.

Der Bundesrath bes<hloß in seiner Sitzung vom 8. Mai 1871: 1) Zur definitiven Feststellung des Entwurfs einer Prozzeßordnuüng in bürgerlihen Rechts reitig- keitén für das Deutsche Reih wird eine Kommission von zehn Juristen berufen ; 2) der Vorsizende wird aus: ‘der Mitte der Kommission von dem Reichskanzler ernannt, so- fern ih ni<ht der Königlih preußishe Justiz - Minister Dr. Leonhardt zur Uebernahme des Vorsiges bereit finden läßt; 3) die Kommission wird ihren Berathungen den von dem Königlih preußishen Justiz-Minister aufgestellten Ent- wurf einer deutschen Civilprozeßordnung von 1871 in Verbin- dung mit dem von der früheren norddeutschen Bundeskommisfion ausgearbeiteten Entwurf von 1870 und den sonstigen ein- \<lägigen legislativen Vorarbeiten zu Grunde legen.

Zu Mitgliedern dieser ‘Koutmifsion wurden vom Bundesrathe gewählt: 1) der Königlich preußishe Geheime Ober-Justiz-Rath und vortragende Rath im Justiz-Ministerium Dr. Falk zu Berlin, 9) der Königlih preußische Ober-Tribunals-Rath Freiherr von ‘Diepenbroik-Grüter zu Berlin, 3) der Königlich preußische Appellationsgerichts - Rath Plan zu Celle, 4) der Justiz-Rath Dorn, Réhtsanwalt bei dem ‘Ober-Tribunäl! zu Berlin, 5) der Justiz-Rath vön Wilmowski, Rechtsanwalt Breslau, 6) der Königlich bayerische ‘Appéllationsgérihts:Rath' und Referent im Justiz-Ministerium Dr. Gottfried“ Schmitt zu München, 7) der Königlich sächsische Geheime Justiz-Rath Abéken zu Dresden, 8) der Königlih württenbergisché Dber-Triburials- Rath von Kohlhaas zu Stuttgart, 9) der Großherzoglich ba- dische Ministerial-Rath im Justiz-Ministerium Dr. Albert Geb- hardt zu ‘Karlsruhe, 10) der Großherzoglih me>lenburg-\{<we- rins{he Mitisterial-Rath von Amsberg zu Schwerin; und der- selben: der Königlich “preußische Städt- und Kreisgerichts-Rath

ages zu- Danzig, und! der Königlich ‘preußische Kreisrichter Polenz: u Sprôttau’ als ‘Schriftführer beigegeben.“ -

Náächdem der Königlich preußische Justiz-Minister“ Dr. Leon-

hardt, ‘dém Wunsche des Bundesräths entsprehend, den ‘Vorsiß

angenommen häátté, trat die Kómmission am 7. September 1871

in Berlin lit ot Ihré“ Beräthungen nahmen “dié’Zeit voin e

hardt wurde der Vorsiß von dem Königlich bayerishen Appel- lationsgerihts-Rath Dr. Schmitt geführt. : Der Königlich sähsishe Geheime Justiz-Rath Abekeñ schied in Folge seiner Ernennung zum Königlich sächsischen Justiz- Minister am 7. Oktober 1871 aus der Kommission. An Stelle desselben wurde vom Bundesrathe der Königlich sächsische Appel- lationsgerihts-Präsident Klemm zu Zwi>au gewählt. Der Königlich preußische Geheime Ober-Justiz-Rath Dr. Falk verblieb au nah seiner im Januar 1872 erfolgten Ernennung zum König- li<h preußishen Staats-Minister und Minister der geistlichen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten Mitglied der Kom- mission. j If Die neueren Prozeßgeseße und Prozeßgeseßentwürfe, sowie die auf die Reform der Civilprozeß-Geseßgebung bezügliche Literatur hat die Kommisfion bei ihren Berathungen in den Kreis ihrer Erwägungen gezogen. E Die dem Königlih preußischen Justiz-Ministerialentwurfe einer deutshen Civilprozeßordnung von 1871 zu Grunde liegenden Prinzipien sind von der Kommission im Wesentlichen adoptirt worden, dagegen haben die einzelnen Bestimmungen dieses Entwurfs ihrer Mehrzahl na< sowohl in \sachlicher als auc in redaktioneller Beziehung Abänderungen erfahren. Außer dem Entwurf einer Civilprozeßordnung ist von der Kommission au der Entwurf eines Einführungsgeseßes berathen und festgestellt. j : i Der Kommissionsentwurf ist dur die Beschlüsse des Bun- desraths- mehrfah modifizirt. Die wichtigsten Aenderungen sind olgende: Is 1) Neben der Zustellung dur< Gerichtsvollzieher ift die Zu- stellung dur< “die Post aufgenommen. H0P 9) Die Revifion is als Rechtsmittel gegen die in erster In- stanz erlassenen Endurtheile der Landgerichte und gegen die End- urtheilè der Handelsgerichte aufgegeben und, dur die Berufung erseyt. In Folge davon ist für die erste Instánz eine Präklufion des Beklagten mit naträglihem Vorbringen und für die Be- rufsinstanz eine Verweisung nachträglichen Vorbringens zum be- sonderen Verfahren eingeführt, sowie die Zulässigkeit der vor- läufigen Vollstre>barkeit der Endurtheile erweitert. - Der Entwurf einer Civilprozeßordnung und des Einfüh- rungsgeseßes nebst den Motiven sind bereits gedru>t und dem Reichstage übersendet worden.

In Folge des $. 3 der Bekanntmahung vom 6. De: zember 1873 (R.G.Bl. S. 375), betreffend die Außercourss\eßung der Landesgoldmünzen und der landesgeseßlih den inländischen Münzen gleihgestellten ausländischen Goldmünzen, sind im Monate Juni d, I. an deutshen Landesgoldmüngzen eingelöst worden: Preußische Friedrihsd'ore zu 5?/; Thlr. und kurhessische Pistolen zu 52/4 Thlr. : 442,041 Stü. Württembergische Gold- münzen: zu 10 Fl. 892 Stück und 3293/4 Karolins; zu 5 Fl. 3292 Stü>; zu 5 Fl. 45 Kr. (Dukaten) 72,750 Stü> und 57 Dukaten vor 1840 zu 5 Fl. 35 Kr.; zu 23 Fl. (Dukaten) 1958 Stü>k. Badische Goldmünzen: zu 10 Fl. 126 Stü>; zu 5 Fl, 589 Stü ;/ zu 5 Fl. 35 Kr. 464 Stück; zu 500 Kr. 28 Stü>. Hessishe Goldmünzen: zu 10 Fl. 1224 Stück; zu 5 Fl. 1833 Stü>k. Die Gesammt - Summe der eingelösten Münzen beträgt: Preußische Friedrihsd'ore zu 52/3 Thlr. und kurhe\ fische Piftolen zu 52/3 Thlr.: 3,337,293!/) Stü>k. Würt- tembergishe Goldmünzen# zu 10 Fl. 1359 Stück und 3583/4 Ka- rolins; zu 5 Fl. 4763 Stü; zu 5 Fl. 45 Kr. (Dukaten) 106,827 Stü> und 61 Dukaten zu 5 Fl. 35 Kr.; zu 23 Fl. (Dukaten) 2879 Stü>x. Badische Goldmünzen: zu 10 Fl. 270 Stü>; zu 5 Fl. 1172 Stü>;" zu 5 Fl. 35 Kr. (Dukaten) 1443 Stü>k; zu 500 Kr. 73 Stück. Hessishe Goldmünzen: zu 10 Fl. 3642 Stü; zu 5 Fl. 4292 Stü.

Der Justiz-Minister und der Minister des Innern haben in einem Cirkular-Etlaß vom 8. d. M. die Ober-Präsidenten ersuht, den Standesbeamten noh zur Pflicht' zu machen, daß fie Geburts- und Sterbefälle, welhe eine Bevormun- dung nöthig“ machen, dem zur Einleitung der Vormundschaft zuständigen Gerichte alsbald, nahdem fie Kenntniß von \solhen Fällèn erlangen, behufs Einleitung der Vorinundschaft anzeigen. Zu diesem Zwe>e haben die Standesbeamten die nöthigen Er- kundigüngen, insbesondere durh Befragen derjenigen Personcn, welche ihnen die Geburts- und Stetbefälle anzeigen, eintreten zu lasse ‘und über die ges<hehene Benachrichtigung des betreffenden Gerichtes cine Anmerkung in ein dieserhalb zu führendes Notiz- buch, etwa in der ‘Form:

„Am 10. Oktober 1874 isst der Tod des N. N. zu N. dem Königlichen Kreisgerichte zu N. behufs Bevormundung an- gezeigt.“ i

einzutragen.

Die „Nat.-Ztg.* veröffentlicht folgendes Verzeichniß der Berliner Standesämter, ihrer Dienstlokale, wie der Stan- desbeamien selbst; von den leßteren is zuerst der Standes- beamte, demnächst dessen Stellvertreter genannt; die offizielle Be- zeihnung lautet „Königlih Preußisches Standesamt“. Standes- amt 1. Altstadt (Berlin, Alt-Cölln, Friedrihswerder und Doro- theenstadt) Brüderstraße 2, Stadtrath Dr. Techow, Major z. D. Dolmann. Standesgamt 11. Friedrichs\tadt, Jerusalemer Straße 59, Stadtrath Dr. Noht, Referendar a. D. v. Kame>e. Standes- amt 11. Friedrihs-Vorstadt 1. und Schöneberger Revier ver- einigt mit Standesamt 1V. Friedrihs-Vorstadt 1. und Tempel- hofer Revier. Schöneberger Ufer 17, Premier-Lieutenant a. D. Bezirksvorsteher v. Erihsen, Rentier Berdushe>. Standesamt Y. Louisenstadt 1. (östlicher Theil), Mariannen|tr. 47, Major a. D. v. Lin>er, Turnlehrer Goldammer. Standesamt V1. Louisen- stadt II, (westliher Theil) und Neu-Cölln, Kürassierstraße 9, Rentier Bürgerdeputirte Justinius, Rentier Lewinstein. Standes- amt VII. Stralauer Viertel, Krautsstraße 49, Major z. D. v. Harder, Rendant Köls. Standesamt VI11]1. Königstadt, Weinstraße 5, Polizei-Lieutenant a. D. v. Steinkeller, Bureau- Vorsteher Karstädt. Standesamt 1X. Spandauer Viertel, Iohannisstraße 7, Hauptmann a. D. v. Keudell, Referendar a. D. Ulkan. Standesamt X. Rosenthaler Vorstadt, Templiner- straße 12, Bürgermeister a. D. Grieben, Gutsbesißer v. d. Dsten. Standesamt X]. Oranienburger Vorstadt, Gartenstraße 30, Lieutenant a. D. Gordan, Lieutenant a. D. Witt. Standesamt X11. Friedrih-Wilhelmstadt und Moabit, Kronprinzen-Ufer 25, Pfarrer emer. Knör>e, Referendarius von Oppel. Standes- amt. X1I1Il, Wedding -und- Gesundbrunnen, Panlkstraße 26, (vom 1. April 1875. ab Pankstraße 22), Prediger- a. D. Balzer, Guts- päch:er Thiele.

‘Dié ordnungsmäßigé Bereisung des-Rheinstromes von Basel bis zur Mündung des Flusses in die Nordsee durh die ‘hervórragendsten Wasserbautechniker sämmtlicher Rheinufer-

| taaten nahm, wie die „El\. Cotr.“ meldet, äm 9; d. Mts. von Basel aus* ihren Anfäng. Die Bereislngs:Könmission hat von

heim, am 15. Mainz, 17. Bingen, 19. Coblenz, 21. Cöln, 24. Ruhrort, 25. Emmerich, 27. Nymmwegen, 29. Rotterdam und am 30. September das Meer erreihen. Vom 1.—3. Oktober: Rückfahrt und Aufenthalt in Rotterdam; 4.—6. Oktober do. in Arnheim, wo das Schlußprotokoll der Reise verfaßt und dur< die Únterschriften aller Theilnehmer bestätigt werden wird.

Der General der Kavallerie und General-Inspecteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, Baron von Rhein- baben, hat fi< auf Dienstreisen begeben, desgleihen der General-Major und Abtheilungs-Chef im Kriegs-Ministerium, von Hartmann.

Der Hamburgische Bevollmächtigte zum Bundesrath, Senator Dr. Schroeder, trifft heute Abend aus Hamburg hier ein und wird im, Hotel Royal absteigen.

Der Oberst und Direktor der Ober-Militär-Examina- tions-Kommission des Barres is von seiner Urlaubsreise hier- her zurü>gekehrt.

Der Prinz Alfons von Asturien is heute früh mit Gefolge aus Brüssel hier eingetroffen.

Der Kaiserlich russishe Finanz-Minister von Reutern ist gestern Abend aus Dresden hier angekommen und im Hotel Royal abgestiegen.

Zu den Manövern des X. Armee-Corps haben fi< nah Hannover begeben: der General-Feldmarshall und Chef des Generalstabes der Armee, Graf von Moltke, der General der Kavallerie und General-Inspecteur der Artillerie von Pod- bielsfki in Begleitung des Obersten und Chefs des Generalstabes der General-Inspektion, von By<helberg, ebenso der Kriegs- Minister, General-Lieutenant von Kameke; ferner von der König- lich dänischen Armee: der Oberst von der Infanterie von Stri>er; der Hauptmann von der Artillerie von Hertel und der Ritt- meister von der Kavallerie von Flindt; von der Königlich mili Armee: der General Lord Strathnairn, der Major- General Probyn, der Lieutenant-Colonel T. E. Byrne und der Kapitän Henry Knollys, sowie endlih der Brigade- General E. de Vechi von der Königlich italienis<hen Armee.

Am Sonnabend Nachmittag 2 Uhr wurde, wie „W. T. B.“ aus London meldet, die auf den Werften von Samuda Brothers gebaute deutshe Panzerfregatte „Deutschland“ in An- wesenheit einer sehr großen Zuschauermenge glü>li<h von Stapel gelassen. Dieselbe wird in etwa vier Monaten seebereit \ein. Dem Befehle Sr. Majestät des Kaisers gemäß wurde die Fre- gatte von der Freifrau v. Schroetter, der Gemahlin des Militär- Bevollmächtigten bei der deutshen Botschaft in London, Oberst- Lieutenant v. Shroetter, getauft. Der Taufe folgte ein Bankett, bei welhem enthusiastis<h aufgenommene Toaste auf Se. Majestät den Deutschen Kaiser und Ihre Majestät die Königin von Groß- britannien und Irland ausgebraht wurden.

Posen, 11. September. Der Minister des Innern hat unterm 21. Juli d. I. für das Arbeits- und Landarmen- haus in Kosten ein neues Reglement genehmigt, welches in den Amtsblättern der Provinz publizirt wird.

Bonn, 13. September. (W. T. B.) Zu den morgen hier beginnenden Unionskonferenzen von Theologen aller <riftlihen Bekenntnisse is bereits eine namhafte Anzahl von Mitgliedern eingetro}sen. Stiftspropst von Doellinger hat als Gast bei dem Bischof Reinkens Wohnung genommen.

Bäyern. München, 12. September. Der König ist von Hohenshwangau wieder nah Schloß Berg zurückgekehrt.

Am vergangenen Fest Mariä Geburt, an welchem Tage es 25 Jahre waren, daß die Königin-Mutter Oberst-In- haberin des 3. Artillerie-Regiments geworden, begab fich eine Deputation von Offizieren dieses Regiments zur Beglückwünschung nah Hohenshwangau. Die Deputation wurde von Ihrer Ma- jestät der Königin-Mutter sehr huldvoll empfangen.

Prinz Leopold isst gestern Morgen nach Dresden abgereist, um den Uebungen der \sähsisheèen Truppen beizu- wohnen. Se. Königliche Hoheit beabsichtigt, dem „Corr. v. U. f. D.“ zufolge, sh von Drésden nah Berlin zu begeben und in ungefähr 14 Tagen wieder nach München zurü>zukehren.

Der vom Kriegs-Ministerium zum Empfang und zur Begleitung des deutshen Kronprinzen na<h Homburg beorderte Oberst-Lieutenant von Xylander ist vorgestern Abend: wieder hieher zurü>gekehrt. ]

Das Königliche Kriegs-Ministerium wird heute den ersten Theil des neuen Exercir-Reglements für die Artillerie ausgeben. | |

Dié „Allg. Ztg." \hreibt: Die wiederholt in Anregung gebrachten Punkte bezüglich der Kosten von Zustellungen dur die Gerichtsvollzieher, sowie der Beschränkung der Beschlagnahme von Gehalten, Penfionen und Löhnen habén zufolge der Ministerialbesheidung des Iahresberichtes der Handels- und Ge- werbekammer der Oberpfalz und von Regensburg für 1871 und 1872 vom 30. v. Mts. in dem Entwurfe einer deuts<en Civilprozeßordnung, dessen Berathung in dem Bundes-

ersterer Beziehung darf eine wesentliche Erleichterung zu Gunsten der Rechisuchenden von der in dem Entwurfe vorgeséhenen Möglich- feit der Zustellung dur< die Post unter Verwendung der Post- boten erwartet werden. Die Revision der Gesebgebung über Afktiengesell\s<haften is durch die Einführung der deutschen Handelskätnmern sowie dur die Abgabe der Aeußerungen Seitens der deutschen Staatsregierungen vorbereitet, jedoh nah Ansicht . des Bundesraths-Aus\husses für JIustizwesen. mit der Revision dés Handelsgeseßbuches zu verbinden. /

Das von Sr. Majestät dem König genehmigte neue Gehaltsnormativ für die protestantischen Geistlichen bestimmt Folgendes: | M ;

1) Die Alterszulagen sind in der Weise bewilligt, daß dur die- selben das fassionsmäßige und resp. das für die Zeit bis zum vollen- deten 15. Dienstjahre, von der Aufnahme unter die Pfarramts-Kan- didaten an gerechnet, dur< Staatszushuß: auf 900 Fl. aufgebesserte Diensteinkommen vom 16. bis zum. vollendeten 20. Dienstjahre auf 1000 Fl, vom 21. bis infl. 25. Dienstjahre auf 1100 Fl., vom 286. bis inkl. 30. Dienstjahre auf 1200 Fl., vom 31. bis inkl. 35. Dienst- jahre auf 1300 Fl., vom 35. Dier tjahre an auf 1400 Fl, aufge- bessert’ werden sollen. Diese Zulagen beginnen mit dem 1. Oktober jenes Jahres, in! wel<em 15 resp. 20, 25, 30 und 35 Dienstjahre vollendet wurden. 2) Die ständigen Vikäre in der“ Pfalz werden glei den fkatholishen Kaplänei daselbst in den Städten auf 600 Fl., auf dem Lande auf 500 Fl. aufgebessert. 3) Die Pfarr- wittwenkassa: wird dur< Erhöhung des Zuschusses auf 21,320 Sl. in den Stand geseßt werden, den Wittwen und den Doppelwaisen eine Pension im Jahresbetrage von 350 Fl., den einfahen Waisen eine Alimentation . im Jahresbetrage von 70 Fl. zu gewähren. 4) Der Staatszushuß für die O d der hülfsbedürftigen majorennen Pfarréréwaisen wurde von 540 Fl. auf 1080 Fl. erhöht. Die sämmt-

7. September 1871 bis zum 7. März 1872" in Anspruch. Bi Behinderung des Königlich preußischen Iustiz-Ministers Dr. Leon

da ab am’ 11. ds. Kehl passirt, wird am 13. September Mann-

lihen neuen Bewilligungen find gleichfalls widerruflicher Natur und

rathe kürzlih M Abschluß gelangte, ihre Würdigung gefunden. In .

die Alterszulagen, sowie die Aufbesserungen der ständigen Vikare nur als persönliche Zulagen zu betrachten, welche ‘zwar bei Todesfällen von Geistlihen den Relikten derselben für die Dauer des Nachsißes belassen werden sollen, die aber in aùderen Erledigungsfällen nicht den Interkalareinkünften zugerehnet wrden dürfen, sondern der Staafskassa heimfallen. Die bewilligten Alterszulagen unterliegen

der Taxe.

Sachsen. Dresden, 12. September. Der König ist gestern Abend 81/2 Uhr von den Manövern bei Meißen nah Pillnig zurü>gekehrt und hat \i< heute früh 6 Uhr (von Niedersedliß per Extrazug) zu den Manövern der 2. Infanterie- Division Nr. 24 nah Hainichen begeben. Die Rükehr Sr. Majestät nah Pillnit erfolgt heute Abend.

Der, Minister des Königlichen Hauses, Staats-Minister a. D. Dr. Freiherr von Falkenstein is von seiner Urlaubs- reise zurü>gekehrt.

Württemberg. Stuttgart, 12. September. Zur Feier des Geburtsfestes der Königin fand gestern in Friedrihs3hafen russisher Gottesdienst im Königlichen Schlosse ftatt, worauf Ihre Majestät die Glü>kwünsche der Hofstaaten, fowie der anwesenden fremden Gäste entgegenzunehmen geruhten. An der Hoftafel nahmen außer Ihren Majestäten, dem Herzog Eugen, wel<her am Mittwoch Abend daselb| eingetroffen ist, und der Herzogin Vera von Württemberg, die Prinzessin Friedrich, die Landgräfin von Hessen-Philippsthal und die Prinzessin Wilhelm von Baden, fodann die Herren und Damen des Hofes, ker Kaiserlich russishe Gesandte von Staal nebst Gemahlin, der Ge- heime Rath von Titoff 2c. Theil. Weitere Einladungen waren an die geistlihen und weltlihen Beamten von Friedrihshafen und an einige hier wohnende adelige Familien ergangen. Wäh- rend der Hoftafel \pielte die Kapelle des Königlichen 2. Infan- terie-Regiments im Schloßgarten. Der König trank auf das Wohl des Kaisers von Rußland, dessen Namensfest gestern ge- feiert wurde, der Herzog Eugen auf das Wohl der Königin.

In der Residenzstadt hatte bereits am lezten Sonntag die kirchliche Feier des Hohen Geburtsfestes stattgefunden, welches an demselben Tage in zahlreichen Gemeinden des Landes Seitens der Bürgerschaft festlih begangen worden war. Vorgestern Abend fand ein Zapfenstreih und gestern um 7 Uhr Morgens militärishe Reveille statt. Die Musikcorps der beiden hier gar- nisonirenden Infanterie-Regimenter dur<zogen mit Musik die Straßen der Residenz. Mittags waren in den Kasernen und Offizierkafinos Festessen veranstaltet und Abends Festvorstellung im Königlichen Hoftheater.

Der „St. A. f. W.“ veröffentliht folgendes Dank- \<hreiben des fommandirenden Generals X11]. Armee-Corps von Schwarßzkoppen :

„Im Namen der Truppentheile des mir unterstellten Armee- Corps fühle i< mich verpflichtet, den Behörden und Gemeinden der während der diesjährigen Herbstübungen von den Truppen berührten Oberämter meinen Dank für das freundliche Entgegenkommen un» die ausgezeichnete, gastfreie Aufnahme auszusprechen, welche Seitens der Bevölkerung allseitig dem Soldaten geworden ift.

von Shwarßkoppen, General der Infanterie unnd komman- dirender General des XIII, (Königlich Württembergischen) Armec-Corps.

Sachsen-Weimar-Eisena<h. Weimar, 12. Sep- tember. Der Großherzog hielt, wie der „Weim. Ztg.“ aus Wilhelmsthal gemeldet wird, während der drei lezten Tage Hirsch- jagd in Zillbah, an welcher der regierende Herzog und Prinz Moritz von Sachsen-Altenburg, die Prinzen Eduard und Guftav von Sahsen-Weimar und andere Geladene Theil nahmen. Nach Beendigung der Jagd verabschiedete ih Se. Königliche Hoheit von seinen Gästen und reiste Abends von Eisenah ab, um heute der in der Nähe von Friedberg statt- findenden Parade beizuwohnen. Der Herzog von Altenburg verbrachte den gestrigen Abend no< in Wilhelmsthal mit der Großherzoglichen Familie und reiste heute früh nah Altenburg ab.

Nach der Synodalordnung ernennt der Großherzog nah Vernehmung des Kirchenrath3 mit gutachtlihen Vorschlägen vier Mitglieder der Synode und zwar zwei aus dem geistlichen und zwei aus dem Laienstande. Seitens Sr. Königlichen Ho- heit sind ernannt worden: die Herren Kirchenrath Professor der Theologie Dr. Pfleiderer zu Iena, Pfarrer Hunnius zu Groß- Neuhausen, Kammerherr v. d. Gabelenz-Linsingen, Appellations- gerihts-Rath Dr. Vollert. Die Zahl der anderen Mitglieder der Synode beträgt 31.

Anhalt. Dessau, 11. September. Nah Beendigung der Herbstmanöver im Harze werden das 1. und 2. Bataillon des Anhaltishen Infanterie-Regiments heute per Extrazug von Quedlinburg in ihre Garnisonen zurü>kehren. Das Zerbster Füsilier-Bataillon war zur Theilnahme an den großen Kavalleriemanövern bei Burg kommandirt, die ebenfalls beendet sind. Das 6. Dragoner - Regiment wird auf seinem

_Rü>kmarsche morgen die Stadt berühren.

Schwarzburg - Soudershausen. Sondershausen, 11. September. Der Erbprinz und die Erbprinzessin find aus der Fürstlihen Oberherrshaft hierher zurückgekehrt. Der Fürst wird aus Scheveningen am 19. d. M. zurü>- erwartet.

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 11. September. (Straßb. Ztg.) Se. Königliche Hoheit der General- Feldmarschall Prinz Friedrih Carl traf gestern Nach- mittag 5 Uhr 33 Minuten, von Berlin über Weißen- burg kommend, hier ein und wurde am Bahnhofsperron von dem kommandirenden General von Franse>y empfangen und nach dessen Wohnung geleitet. Am Bahnhof, der Bahn- hofsbrü>e, dem Kleberstaden und in den angrenzenden Straßen hatte sih eine zahlreihe Menge eingefunden, um den A Gast zu sehen. Heute Vormit:ag 8 Uhr 30 Minuten begab Sich Se. Königliche Hoheit mit der Bahn nah Brumath, um den in der dortigen Umgebung stattfindenden größeren Kavallerie-Manö- vern beizuwohnen. Heute Nachmittag 2 Uhr 48 Minuten wird der Prinz hierher zurückkehren. - Der Bahnhof, die Festunigsthore und die militärishen Gebäude find seit gestern beflaggt.

12. September. Nachdem Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedri<h Carl gestern Nachmittag, von Bru- math kommend, hier wieder eingetroffen war, besuchte Höchstder- selbe das hiesige Kaiserlihe Landesgestüt. Um 5 Uhr war Tafel bei dem fommandirenden General von Franse>y. Heute früh 5 Uhr 43 Minuten begab Sich Se. Königliche Hoheit mittelst Bahn nah Hagenau, um dem Schlusse / der "in der dortigen Gegend. stattfindenden Kavallerie-Manöver“ beizuwohnen. Von Hagenau tritt der Prinz die Rückreise an.

Oesterreich - Ungarn. Wien, 13. September. Der Kaiser is gestern um halb 12 Uhr Nachts aus Brandeis hier eingetroffen und hat fich nah Schönbrunn begeben.

Nah dér am 11. d. M. E Beendigung der statt- gehabten Manöver hat fi<h der Kaiser über die Haltung

sämmtliher Truppen sehr befriedigt ausgesprohen. Dieselben rü>ten gestern wieder in ihre Kantonnements ein.

Der Minister - Präsident Fürst Adolf Auersperg hat, nah Beendigung seines Urlaubes, das Minister-Präsidium wieder übernommen.

Triest, 12. September. Wie die „Triester Zeitung“ meldet, wurde gestern während einer Generalprobe ein Attentat auf das Stadttheater entde>t. Es war die Zerstörung des Theaters dur eine Gasexplofion beabfichtigt.

Agram, 11. September. Im Landtag brate der Ab- geordnete Dr. Spun einen Gesezentwurf über die Abschaffung der Kettenstrafe ein. Die Gesezentwürfe über die Zusammen- stellung der Geshwornenlisten für Preßgerihte und über die be- dingte Beurlaubung der Sträflinge wurden \ona<h in dritter Lesung angenommen.

WBelgien. Brüssel, 12. Septeinber. (W. T. B.) Der zum bevollmächtigten Minister Spaniens am belgishen und niederländischen Hofe ernannte Herzog von Tetuan hat fih heute nah dem Haag begeben, um dórt seine Kreditive zu Überreichen.

Großbritannien und Jriand. (Monatsübersicht für August.) Am 20. August verließ die Königin Osborne auf der Insel Wight und begab sih, in Begleitung der Prinzessin Beatrice und des Prinzen Leopold, na<h Balmoral, wo dieselbe bis zum Anfang November zu verweilen gedenkt. In den leßten Tagen des Monats begaben si<h der Herzog und die Herzogin von Edinburgh, welche am 20. von ihrem Ausfluge nah Jugenheim und Coburg wieder in London eingetroffen waren, glei<hfalls dorthin. Der Kron- prinz und dieKronprinzessin verließen am 24. nah fast siebenwöchent- lihem Aufenthalte die Insel Wight, um über Antwerpen und Brüssel nah Potsdam zurü>zukehren, wohin ihnen wenige Tage \päter der Prinz von Wales folgte. Die Prinzessin von Wales hatte sich \<hon am 14. na<h Edinburgh begeben, um dort die Ankunft des Königs und des Kronprinzen von Dänemark auf der Rückreise von Island zu erwarten, mit denen sie fi< am 20. von Leith nah Kopenhagen begab. Am 1. August traf die Kaiserin von Oesterreich, in Begleitung der Erzherzogin Valerie, zu einem längeren Aufenthalte in Steephill Castle bei Ventnor auf der Jnsel Wight ein.

Im Unterhause passirte am 3. August die Bill zur Rege- lung dis öffentlihen Gottesdienste2. Im Oberhause wurde ein Amendement des Unterhauses zum Kirchendisziplinargeseße, wel- hes den Kirchenmitgliedern von der Entscheidung eines Bischofs in! Bezug auf die Disziplin gegen einen zuwiderhandelnden Geist- lihen eine . Berufung an den Erzbischof gestatten sollte, ver- worfen, in Uebereinstimmung mit der im Unterhause von Herrn Gladstone gegen dies Amendement erhobenen Opposition. Das betreffende Amendement wurde darauf au<h im Unterhause zurü>kgezogen und die Bill ange- nommen. Nach Erledigung mehrerer anderer Vorlagen von ge- ringerer Bedeutung wurde die erste Session des 21. Parla- mentes des Vereinigten Königreihes am 7. August mit den herkömmlichen Feierlichkeiten ge\{<lossen. In der dabei von dem Lordkanzler verlesenen Königlichen Botschaft wird zunächst das freundschaftlihe Verhältniß Großbritanniens zu den übrigen Mächten hervorgehoben. In Bezug auf die Theilnahme Groß- britanniens an dem Brüsseler Ktiegsrehts-Kongresse heißt es in der Botschaft, daß Seitens des Leßteren die Bedingung gestellt worden sei, daß das Völkerrecht ni<t ‘modifizirt und die Operationen zur See nicht beschränkt werden dürften. In Betreff Spaniens erklärte die Königin, daß die Aufrehthal- tung der Nichtinterventionspolitik nothwendig erscheine. In Be- zug auf die inländische Geseggebung beglü>wünsht Ihre Ma- jestät das Parlament wegen Passirung des Fabrikgeseyes zum Schutze der Frauen und Kinder, des \chottishen Patronatsgesezes und des kirhlihen Disziplinar- und Ritusgeseßes. Außerdem wird in der Botschaft no<h besonders auf die vom Parlamente genehmigten finanziellen Maßregeln, namentlih auf die Ermäßi- gung der Steuern Bezug genommen.

Jm Ganzen wurden vom Parlamente während der ver- flossenen Session 62 verschiedene Bills angenommen, welche die Sanktion der Krone erhielten. Die Mehrzahl derselben is nur von lokaler und untergeordneter Bedeutung und is dies kinmal in dem Umstande begründet, daß das gegenwärtige Ministerium ohne eigentli<hes Programm und die sonst üblichen Vorberei- tungen vor das Parlament treten mußte, andererseits aber auch darin, daß das Ministerium in wichtigen Fragen die Jnitiative dem Parlamente überließ. Dies war namentli bei zwei bedeu- tenden Vorlagen der iris<hen Home Rule Bill und der von dem Grzbishofe von Canterbury eingebrahten Bill zur Regelung des óffentlihen Gottesdienstes der Fall. Erstere, von der Regierung bekämpft, wurde mit einer. außerordentli<h großen Majorität ver- worfen und dadur< der ganzen irishen Bewegung auf. lange Zeit die Spitze abgebrochen, leßtere, von der Regierung adoptirt und nah langwieriger Debatte vom Parlament angenommen, bezwe>t die Abschaffung des Ritualismus in der englischen Hoch- kirche, welcher derartig Überhand genommen hatte, daß der Gottes- dienst dem der katholishen Kirhe durhaus glei<h war, ein Um- stand, dur<h welhen der Ausbreitung des Katholizismus in hohem Grade Vorschub geleistet wurde.

Der zwischen Großbritannien und dem Königreiche der Niederlande abgeschlossene Auslieferungsvertrag wurde am 7. August veröffentliht. - Derselbe is am 17. für beide Länder in Kraft getreten. Die Verbrechen, wegen deren eine Ausliefe- rung stattfindet, sind: Mord, Versu<h zum Mord, Falshmünzerei, Fälshung, Unterschlagung und Diebstahl, soweit lezterer niht im niederländishen Strafgeseßbuche als einfacher qualifizirt ist, Er- langung von Geld unter falshen Vorspiegelungen, Veruntreuung a Gelder, betrügerisher Bankerott, Meineid und Brand-

iftung.

Ungeachtet der wiederholten Niederlagen, welche die Home Rule Partei im Parlamente erlitten hat, dauerten die agita- torischen Bestrebungen derselben, namentlich bei der in England und Schotiland angesessenen irishen Bevölkerung fort. So wurden in Greenwih und Glasgow an leßterem Orte betheiligten fih mehr als 20,000 Personen Massenversammlungen abgehalten, in denen die Leiter der Partei ihre Ansichten zur Geltung zu bringen be- strebt waren.

Die Führer der englischen Ultramontanen haben, ermuthigt dur< den Erfolg der im vergangenen Jahre unternommenen Wallfahrt nah Lourdes, - unter den Buen des Herzogs von Norfolk und des Erzbischofs von Westminster, Dr. Manning, abermals eine Wallfahrt, - diesmal zum Grabe des heiligen Ed- mund in Pontigny veranstaltet, an der sih etwa 300 Personen betheiligt haben dürften.

Der Strike der ländlihen Arbeiter in den östlihen Graf- haften, welher den ganzen Sommer hindur<h währte, hat mit er vollständigen Niederlage des Arbeitervereins, gegen welchen

allein der hartnä>ige Widerstand von Seiten der Arbeitgeber geleistet worden, geendet. Der Verein hat ih außer Stande gesehen, feine Mitglieder, vornehmlich die unter ihnen, welche aus körperlihen Ur- sachen unfähig waren, eine andere Beschäftigung zu ergreifen oder auszuwandern, ferner zu unterstüßen und fie auf diese Weise genöthigt, die ihnen von den Arbeitgebern gestellten Bedingungen \hließli<h anzunehmen. In den Kohlendiftrikten, wo augenbli>- lih die Noth eine sehr große ist, da dort gleihfalls die Arbeiter in großer Zahl die Arbeit in Folge der von den Grubenbesizern herabgeseßten Löhne eingestellt haben, dürfte das gleiche Resultat unvermeidlich sein, da die Arbeitgeber au dort entshlossen sind, die nöthige Reduktion dur<hzuführen und den Einfluß der Ar- beitervereine zu brechen.

Der Gesammtwerth der british-irishen Ausfuhr nach den Kolonien is im zweiten Quartale des laufenden Jahres gegen das entsprehende Quartal des Vorjahres um 16# Prozent ge- stiegen und belief fi<h auf 19,604,106 Pfd. Strl. gegen 16,820,748 Pfd. Strl. in 1873; dagegen hat die Ausfuhr nah dem Auslande in derselben Periode um 134 Prozent gegen das Vorjahr abgenommen; dieselbe ist von 46,589,713 Pfd. Strl. im zweiten Quartale 1873 auf 40,425,024 Pfd. Strl. in der gleichen Periode des laufenden Jahres gesunken. Namentlich nah den Vereinigten Staaten, Deutschland, Belgien, den Niederlanden, und Aegypten ist die Abnahme eine bedeutende gewesen, während fie andererseits nah S<yweden und Rußland um beziehungsweise 25 und 14 Prozent zugenommen hat. In derselben Periode hat si<h die Bevölkerung auf natürlihem Wege um 120,732 Köpfe vermehrt, dieselbe belief fich am 1. Iuli auf 32,412,010 Personen, wovon auf England und Wales 23,648,609, auf Schottland, 3,462,916 und auf Irland 5,300,485 kamen. Was ‘die Auswanderung anbetrifst, so verließen während des oben angegebenen Zeitraums im Ganzen 92,716 Personen die britischen Häfen, von denen 15,420 Ausländer, 35,387 Engländer, 8509 Schottländer und 30,400 Irländer waren. Gegen das zweite Quartal 1873 hat die Zahl der britis<hen Auswanderer um 29% abgenommen und war dieselbe beträhtlih niedriger, als zu irgend einer andern Zeit seit 1868. Die Zahl der von Almosen lebenden Personen, 748,584, hat bedeutend abgenommen, seit 1857 hat dieselbe ni<t einen so niedrigen Standpunkt erreicht gehabt, als in dem eben abgelaufenen Quartale.

Die Ernte ist in dem größten Theile von Bengalen und Behur eine gute gewesen und find daselbs au<h die Aussichten für die Herbsternte keine s{<le<ten, doh if legtere no<h unsicher und hängt wesentlih von dem Regen im September ab. Da- gegen ift in Folge eingetretener Dürre abermals eine vollständige Mißernte in Tirhut, Buodrvan, Murshedabad und Nuddas zu erwarten, und hält man allgemein die dortigen Zustände für geeignet, große Besorgnisse hervorzurufen. Die Regierung hat deshalb auch sofort die nöthigen Maßregeln getroffen, um mehr Nahrungsmittel in die bedrohten Distrikte zu befördern, sobald sih ein Bedarf zeigen sollte. Bis zum 15. September werden die jeßigen Unterstüßungsmaßregeln in Kraft bleiben und \oll dann die Lage jedes einzelnen Distriktes genau untersucht wer- den. Die Zahl der augenbli>li<h privatim unterstüßten Personen hat zugenommen, dagegen nimmt die Zahl der an den öffent- lihen Bauten beschäftigten Arbeiter ab.

In British-Nordamerika geht man mit dem Plane um, zwischen den einzelnen Provinzen eine no< engere Föderation zu stiften, als sie augenbli>li<h besteht. Es ift Ausficht dazu vor- handen, daß sih bereits im nächsten Jahre Neu-Schottland, Neu- Braunschweig, Neu-Foundland und die Prinz Edwards-Inseln zu einer Provinz, welche den Namen Acadia führen \oll, ver- einigen und ihre besonderen Regierungen und legislativen Ver- sammlungen aufgeben werden.

Frankreich. Paris, 13. September. Ueber die Reise des Präsidenten Marschalls Mac Mahon liegen folgende Telegramme vor:

Lille, 12. September, Mittags. (W. T. B.) Der Mar- \{hall-Präsident hat heute früh das Militär-Hospital und die Kirche von St. Moriz besucht, wo er von dem Kardinal Regnier begrüßt wurde. Leßterer richtete eine Ansprahe an den Prä- fidenten und versicherte denselben des Beistandes des Klerus, der Über alle politishen Leidenschaften erhaben sei, eine aus\<ließli< friedlihe Mission habe und Gehorsam gegen die bestehende Staatsgewalt lehre. Die Präsidenten der Handelskammer be- tonten in ihrer Anrede das Vertrauen auf den Marschall Mac Mahon und erwähnten die si<h mehrenden Anzeichen einer günstigeren Gntwi>kelung der Handelsgeschäfte. Auf eine weitere Ansprache des Präsidenten des Generalraths, Plichon, er- klärte der Warschall-Präsident: „Sagen Sie der Bevölkerung in allen Schichten, daß die Sympathie, von der sie mir ein so \<mei<helhaftes Zeugniß giebt, mi< ermuthigt zur Erfüllung der Aufgabe, die mir von der National- versammlung anvertraut is, Wiederholen Sie, was i< {hon mehrfa<h versichert habe, daß i<h die mir zu Theil gewordene Mission mit Festigkeit und Vertrauen erfüllen, daß ih die Gemäßigten von allen Parteien um mi<h {haaren werde. Ich bin überzeugt, dieselben werden mir beistehen, um meine Mission zu Ende zu führen, denn dieselben sind, wie Sie, von dem Gedanken dur<hdrungen, daß dieser Erfolg nothwendig i für die Wohlfahrt des Landes.“ Seitens des Königs von Bel- gien wurde Marschall Mac Mahon vom General Viet begrüßt; der Marschall ersuchte denselben, dem Könige dafür seinen Dank auszudrü>en. Kardinal Regnier hat das Commandeurkreuz der Ehrenlegion erhalten.

Lille, 12, September, Abends. Der Marschall-Präsident hat heute eine Revue über die hier garnisonirenden Truppen abgehalten und darauf die in der Nähe der Stadt belegenen Hüttenwerke besucht, wo er von den Arbeitern sehr \sympathish begrüßt wurde. Morgen wird derselbe seine Reise nah Bethune fortsezen. Den Plan, auch der Stadt Lyon einen Besuch abzustatten, hat Mar- \<hall Mac Mahon nunmehr ganz aufgegeben.

Bethune, 13. September. (W. T. B.) Der Marschall- Präsident i} heute hier eingetroffen und von den Behörden feier- lih empfangen worden. Der Maire versicherte denselben der Ergebenheit der Bevölkerung und hob- hervor, daß ihm die Na- tionalversammlung eine fest bestimmte Gewalt verliehen babe, die es ihm möglih machen werde, das so wohl angefangene Werk der moralishen und materiellen Wiedergeburt zu einem guten Ende zu führen. Der Marschall erwidexie mit einigen Dankesworten und mit dem Ausdru>e der Hoffnung, daß die Nationalversammlung unverzüglih die konstitutionellen Geseße votiren werde. Nah nur kurzem Aufenthalte begab \ih der Marschall alsdann na< Auchel, um den dortigen Manövern beizuwohnen. In Auchel hatte fih eine große Anzahl von Maires zu seiner Begrößung eingefunden, au die Arbeiter aus den benahbarten Bergwerken brachten ihm eine Ovation dar. Der Marschall übernachtet in Auchel.

Paris, 13. September. (W. T. B.) Das „Iournal officiel“ veröffentlicht ein Dekret, betreffend die vom 1. Oktober ab ein-