1874 / 219 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Riesenadler in Gasflammen. Gegen Uhr langten Se. Ma- jestät der Kaiser und König unter dem jubelnden Zurufe der Menge an, reihten, ‘im Portale empfangen, Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzesfin Albre<ht den Arm und \{ritten unter Führung“ des Direktors, Kommissions-Rathes Röpke, dur< den diht beseßten Garten na< dem zur Königsloge umgewandelten, ebenso* finnig als pra<htvoll dekorirten Musiktempel auf der großen Terrasse. Es mochten si<h etwa 10,000 Menschen. in Tivoli zur Begrüßung Sr. Majestät eingefunden haben. Ein nicht enden wollendes Hurrah empfing Se. Majestät. Nahe an 500 Sänger der vereinigten Liedertafeln waren versammelt, welche den Kaiser mit dem Liede: „An das Vaterland“ von C. Kreuxter, dirigirt von Hrn. Hof-Kapellmeister Fischer, begrüßten, dem dann in kurzen Zwischenräumen drei andere Lieder folgten. Das Konzert wurde von folgenden 18 Musikcorps ausgeführt : des 3. Garde-Regiments z. F., Ofifriefischen Infanterie-Regiments Nr. 78, Oldenburger Infanterie-Regiments Nr. 91, Hannover- {hen Füsilier-Regiments Nr. 73, 1. Hannoverschen Infanterie- Regiments Nr. 74, 3. Hannoverschen Infanterie-Regiments Nr. 79, 2. Hessischen Infanterie-Regiments Nr. 82, 4. Magdebur- gischen Infanterie-Regiments Nr. 67, 2. Hannoverschen Infan- terie-Regiments Nr. 77, Hannovershen JIäger-Bataillon Nr. 10, Oldenburgischen Dragoner-Regiments Nr. 19, 2. Hannoverschen Ulanen-Regiments Nr. 14, 2. Hannoverschen Dragoner - Regi- ments Nr. 16, Braunschweigishen Husaren-Regiments Nr. 13, 1. Hannovershen Ulanen-Regiments Nr. 13, 1. Hannoverschen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 10, 2. Hannoverschen Feld-Artil- Ce Nr. 26 und Hannoverschen Pionier-Bataillons Nr. 10.

Das Programm bestand aus: Armee-Mars<h Nr. 161, Jubel-Ouverture von C. M. v. Weber, Einzug der Gäste auf der Wartburg, aus der Oper „Tannhäuser“, von Wagner, Armee-Marsh Nr. 1 C, Künstlerleben, Walzer von Strauß, Fa>eltanz (Nr. 1) von Meyerbeer, Armee-Marsch, Halleluja von Händel, Pilger<hor aus der Oper „Tannhäuser“ von Wagner und Preußenmarsh von Golde. Nach etwa halbfstündigem Auf- enthalte Sr. Majestät des Kaisers mahten AUerhöchstdieselben, gefolgt von den Fürstlichen Herrschaften und einer zahlreichen Menschenmenge, einen Rundgang dur< den Garten, zogen Sih sodann zurü>. - Der Aufenthalt der Allerhöchften und Höchsten Gäste währte bis um 9} Uhr. Vom Tivoli aus kehrten Se. Majestät nah dem Residenzshlosse zurü.

Am Mittwoch Mittag empfingen Se. Majestät der Kaiser und König die drei Stuhlältesten der Logen in Hannover; au< wurden Sr. Majestät die Mitglieder des patriotishen Krieger- vereins vom Ober-Präsidenten, Grafen zu Eulenburg, vorgestellt.

Se. Majestät der Kaiser und König gedenken Sih nah den bisher getroffenen Dispositionen am Donnerstag, 24. d. M., zur Abhaltung der Hofjagd na<h Hubertusfsto> zu begeben.

Die Abfahrt erfolgt Nachmittags 41/5 Uhr mittelst Extra-

} „iges der Stettiner Bahn, welche bis dahin benußt wird, wo oi UbE Neustadt E/W. die Chaussee nah Joachimsthal abgeht; “Ber»233rt wird die Fahrt ¿nah Hubertussto> zu Wagen fortge- wo das Logis im Iagdshlosse genommen wird und Abends -»x stattfindet.

m Freitag, den 25., Vormittags, erfolgt die Fahrt zur 5e, um 12 Uhr if Dejeuner, nah demselben Lappjagen m 31/5 Uhr Diner.

ie Abreise von Hubertussto> erfolgt Nachmittags 5 Uhr

[4180] Die ps

- und die Ankunft in Berlin Abends 7 Uhr 30 Minuten. Mei ebur F-Wifbbin Hoheit der Großherzog, van

E h h G amts 1 Nhr 20. Minuten wieder in Hannover eingetroffen. Am Mittwoh

Vormittag besichtigte Se. Königliche Hoheit der Prinz Leopold von Bayern in Begleitung der General-Feldmar-

\hâlle Graf von Moltke und Freiherr von Manteuffel das Mili- târ-Reitinstitut daselbst.

_— Se. Königliche Hoheit der Prinz August von Württemberg, General-Oberst von der Kavallerie und kom- mandirender General des Garde-Corps, ist von Hannover hierher zurüctgekehrt.

Der Ausschuß des Bundesraths für Hzndel und Verkehr, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Re<hnungswesen und der Aus\huß für Zoll- und Steuerwesen hielten heute Sizungen.

Wo gemäß $. 2 Absagz 2 des Gesetzes . vom 9. März d. I. besondere Standesveamte von dem Ober-Präfidenten ernannt werden, ist na< einem Cirkular-Erlaß des Ministers des Innern vom 5. d. Mts. die Aufsicht über deren Amts- führung gemäß $. 7 a. a. O. unmittelbar- von den für die Auf- fiht in Gemeindeangelegenheiten zuständigen Behörden, in den Stadtgemeinden der öftlihen Provinzen also von den Regierun- gen, zu führen. i

Auf Grund der Bestimmung im $. 33 des Gesezes vom 9. März d. I. über die Beurkundung des Personen- standes 2c. „in dringenden Fällen kann der Vorsißende der Auf- fihtsbehörde eine Abkürzung des für die Bekanntmachung (der Aufgebote) bestimmien Fristen ($8. 29, 30) gestatten“, hat das Regierungs-Präfidium zu Potsdam den hiesigen Magistrat autorifirt, die Standesämter anzuweisen, daß fie sofort am 1. Dftober von Amtswegen die Aufgebote aller derjenigen be- wirken, wel<he am 28. September in Berlin kir<li< zum erften, weiten oder dritten Male aufgeboten worden find. Diejenigen, wel<e vor dem 1. Oktober zum dritten Male kir<li<h aufgeboten worden find, sollen dann die Ehe bereits am 3. Oktober, die

zweimal Aufgebotenen \{<hon am 5. und die einmal Aufgebotenen am 12. Oktober \{ließen können. Aus

. Eine Bezirksregierung hatte in einem Berichte die An- ficht ausgesprochen, das die im $8. 34 Al. 2 des Reichsgesechzes über den Unterstüßungswohns#siß vom“6. Juni 1870 vor- Heshriebene Anmeldung des Erstattungsanspruchs bei der „zuständigen vorgeseßten Behörde des betheilig- ten Armenverbandes*” behufs Wahrung dieses Anspruchs in denjenigen Fällen, in denen der verpflihtete Armenverband ni<ht soglei<h zu ermitteln is, mit Rücksicht auf die dur die Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 veränderten Ressort-Verhältnisse bei dem Verwaltungs-Gerichte zu cer- folgen habe. Der Minister des Innern hat diese Anficht nicht für eenRens erachtet. je Verwaltung der öffentlihen Armenpflege sei, wie in dem Circular-Erlasse _vom 1. Juni d. I. ausgesprohen, nah ¿2 ff des Ausführungs-Gesezes vom 8. März 1871 ein er Gemeindeverwaltung, und na< $. 25 insbesondere stehe der Staatsregierung die Aufficht über die Orts-Armen- verbände na< Maßgabe der Gemeinde-Verfassungsgesete

u. Die Kreisordnung vom 183. Dezember 1872, welche as bisherige Verfassungsreht der Landgemeinden und Gutsbezirke in den Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Schlefien und Sa<hsen in wesentlihen Bezie- hungen (cfr. $8. 21—45 und 125 IX.) abgeändert habe, gelte in dieser Beziehung als Gemeinde - Verfasfsungsgeseß für die gedahten Kommunalverbände. Nach den Bestimmungen dieser Kreisordnung sei aber bezügli<h der Landgemeinden und Gutsbezirke niht das Verwaltungsgeriht, sondern der Kreisaus\<huß als die „zuständige vorgeseßte Behörde“ an- zusehen, während bezüglih der Städte die Aufficht der Be-

au in Zukunft der Entgegennahme der in Rede stehenden An- meldungen, soweit dieselben von städtishen Armenverbänden aus- gehen, nah $. 34 Al. 2 des Reichsgeseßes vom 6. Juni 1870 zu unterziehen haben.

Die Kosten für die Formulare zu Straffest- seßungen wegen Chaussee-Polizei-Kontraventionen find nah einem Bescheide des5Ministers des Innern von den Landräthen aus ihren Dienstaufswands - Entshädigungen zu bestreiten.

Die von den Landräthen auf Grund des $. 79 der Kreis- ordnung verhängten Geldbußen find zur Staatskasse zu ver- einnahmen, da diese Strafen von den Landräthen in ihrer Eigenschaft als Kreis-Polizeibehörden festgeseßt werden.

Der Minister des Innern hat fi< in einem Spezialfall zwar damit einverstanden erklärt, daß die Verrihtungen der Kreisdeputirten bei der Vertretung des Landraths, auch nah der Bestimmung der Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 (S. 75), als die eines unbefoldeten Ehrenamts aufzufassen find, und den Kreisdeputirten die diätarische Vergütigung von 2 Thlr. pro Tag, welche ihnen für die Zeit, in welcher fie mit der kommifsarishen Verwaltung des Landraths-Amtes betraut find, bisher bewilligt worden ift und auch ferner zu bewilligen bleibt, nur als Entschädigung für die bei Wahrnehmung dieser Funktion unvermeidlihen Auslagen gewährt wird. Der Minister hat es aber für unthunli<h erachtet, den Kreisdeputirten zuzu- muthen, in Vertretung des Landraths Dienstgeshäfte außerhalb der Grenzen des landräthlihen Kreises ohne angemessene beson- dere Entschädigung zu verrihten. Vielmehr ersheine es um s\o mehr gerechtfertigt, den Kreisdeputirten für die diesfälligen Dienst- reisen Tagegelder und Reisekosten mit den, den Landräthen ge- segli<h zustehenden Säßen zu bewilligen, als ihnen au<h im

. 1 C. I. Nr. 2 der Verordnung wegen der Diäten und Reise- foften für kommissarische Geschäfte in Königlichen Dienftangelegen- heiten vom 28. Juni 1825 die Säte für die Räthe der vierten Rangfklasse zugebilligt waren.

Der Chef der Admiralität, General-Lieutenant und Staats-Minister von Stosch hat fich in Begleitung der Kor- vetten-Kapitäns von Blanc und Hollmann auf Dienstreisen nah Kiel begeben.

Der Oberst à la suite des Kriegs-Ministeriums R ib - bentrop, Präses der Artillerie-Prüfungs-Kommission, ift von seiner Urlaubsreise hierher zurü>gefkehrt.

=— Das Lehr-Infanterie-Bataillon, wel<hes ur- sprünglih bei seinem Rü>marsh aus dem Manöverterrain nah seiner Garnison Potsdam für den heutigen Tag hierselb Quar- tier beziehen sollte, wird nah neueren Marschdispositionen heute direkt per Bahn uss: Potsdam befördert.

Die Stadtvekrordnertayersammlung hat in ihrer g-ft-igen Sthung beshlöfsen, der Stavremmeinde L ien ip Unterstüßung von zehntausend Thalern zur Oefeiodigung- drin- gender ftädtisher Bedürfnisse (statt, wie der Magistrat beantragt hatte, zweitausend Thaler) den Abgebrannten zu gewähren. In derselben Sigzung hat die Versammlung die Anträge des Magi- ftrats über das bei Straßenregulirungen, Pflasterungen und Entwässerungen in Zukunft einzuhaltende Verfahren dahin an- genommen: 1) daß für die Folge die Bestellung von. Kautionen für Pflasterungskosten bei der Ertheilung von Baukonsensen ni<ht mehr gefordert; 2) daß eine Kommission gebildet werde zur Auswahl und Feststellung derjenigen Straßen, wel<he im Laufe jeden Jahres Seitens der Stadtgemeinde regulirt, ent- wässert und gepflastert werden sollen, sofern das erforderliche Straßenterrain unentgeltli<h bis zur Ausführung der Pflasterung abgetreten ist. Ein vom Magistrate vorgelegtes, mit dem Polizei-Präsidium vereinbartes Pensions- Und Unterstüzungs- Reglement für das Personal der Feuerwehr in Berlin wurde von der Versammlung abgelehnt, wobei si dieselbe jedoch bereit erklärte, ein Pensions- und Unterstüßungsreglement für die An- gestellten der Feuerwehr mit dem Zeitpunkte festzustellen, mit

welchem die Verwaltung des Feuerlöschwesens auf die städti Behörden übergeht. [wes f die städtischen

Breslau, 17. September. Der Oberst-Kämmerer Graf von Redern ift gestern aus Berlin hier eingetroffen.

Kiel, 17. September. Se. Kaiserlihe Hoheit der Großfürst Alexis von Rußland, Kommandant der Dampf- fregatte „Swjetlana“, machte, wie die „Kieler Ztg.“ meldet, in diesen Tagen der Panzerfregatte „Kronprinz“ einen Besuch und besichtigte unter Führung des Hafenbaudirektors Martiny ein- gehend die Kaiserlihe Werft in Ellerbe>.

Waben. Karlsruhe, 16. September. Zu dem am 27. September in Karlsruhe stattfindenden ersten badischen Kriegerfe f ist das Programm heute endgültig festgestellt worden, und wird dessen Verfendung am Freitag, den 18. d. M., erfolgen. Bis zum 15. September hatten 77 Vereine das Er- scheinen von 3372 Mitgliedern zugesagt, und find hierunter An- meldungen von Meersburg am Bodensee bis Tauberbischofsheim und Walldürn enthalten. Außerdem hat eine große Anzahl von Vereinen die Beiheiligung angemeldet, ohne, was baldigst nach- geholt werden wolle, die Zahl der ersheinenden Mitglieder anzu- geben. „Man wird deshalb nit fehlgehen,“ \hreibt die „Karls- ruher Ztg.“, „wenn man annimmt, daß am 27. September min- destens 4500 alte Soldaten in Karlsruhe in der Absicht zu- sammen kommen werden, in feierliher Weise den Bund zu be- fiegeln, welhen badishe Militärvereine vor einem Jahre zur Pflege der Liebe zu Kaiser, Fürst und Reich, zur Erhaltung der Kameradschaft und zur Unterstüßung bedrängter Vereine ge- \{<lof}en E wig é Im Inseratentheil der „Karlsruher Ztg.®“ werden von dem fatholishen Bischof Reinkens die (auf Geib des Art. 4. Ziff. 2 und 3 des Geseges vom 15. Juni 1874) den seiner Leitung anvertrauten (Alt-) Katholiken-Gemeinschaften in Saul- dorf und Stühlingen überwiesenen Pfründen zur Bewerbung ausgeschrieben; erstere, eine Pfarrpfründe, untersteht dem Pa- tronate des Prinzen Wilhelm von Baden, die zweite, die Loretto-

zirksregierung verblieben sei. Die leßtere werde fih daher

eidelberg, 16. September. Heilige Geistkirhe, die der altkatholishen Gemeinde von der Regierung zur Mitbenußung überwiesen worden war, ist gestern, nahdem das rômis<-katholishe Pfarramt die Heraus- gabe der Schlüssel wiederholt verweigert hatte, dur< die Polizei geöffnet worden. Constanz, 15. September. Gestern Nachmittag 3 Uhr kam die Herzogin von Hamilton hier an und fuhr mittelst Equipage nah dem Arenaberg zum Besuch der Kaiserin.

Hessen. Friedberg, 15. September. Der Großher- zog wohnte heute wieder den Manövern des RXI. Armee- Corps bei. Se. Königliche Hoheit fuhr Vormittags über Buchenbrü>ken, Ilbenftadt, Kaichen nah Heldenberg:n und stieß wischen hier und Winde>en auf die Truppen. Von hier ver- folgte derselbe die Bewegungen und Aufstellungen über Roß- dorf und Bruchköbel na< dem Gänsberge, dessen hartnäige Vertheidigung und Erftürmung ein glänzendes militärisches Schauspiel- bot. Um 1/51 Uhr traf der Großherzog wieder im Schloß zu Friedberg ein.

Me>&lenburag. Schwerin, 17. Septemver. Der Groß -

nah Beendigung sämmiliher Truppen-Inspektionen, von Kiel kommend, in Rabensteinfeld eintreffen und am 22. Vormittags na< Schwerin kommen.

Nach Nachrihten aus St. Petersburg hat Se. Kaiser- lihe Hoheit der Großfürst Michael Nikolajewits< am 8, d. Mts. zu Ehren des Großfürsten Wladimir und der Groß- fürstin Maria Paulowna in seinem Schlosse Michailowna béi Peterhof inen Ball gegeben.

Der Großherzog und die Großherzogin wohnten am Dienstag den Manövern der 17. und 18. Divifion in der Nähe von Rehna bei. Das Gefecht concentrirte ih um das Dorf Bülow. Das Diner nahmen die Hohen Herrschaften in Wedendorf ein und besuhten Nachmittags die Bi- vouaks. Die 17. Divifion lag in unmittelbarer Nähe von Schönberg, die 18. Divifion bei Lo>wis<h. Abends

ein Thé dansant ftattfand. Das geftrige Manöver des Armee- Corps richtete fich gegen den markirten Feind in Selmstorf. Auf der Chaussee nah Selmfstorf nahm das Armee-Corps in Rendez- vous-Stellung Pofition. Der Großherzog durchritt die einzelnen Truppentheile. Nunmehr begann das eigentlihe Manöver, die leßten Angriffe wurden bei Schlutup gemaht. Dort wurde zum Sammeln geblasen. Die Infanterie marschirte nah Lübe>, bez, dem Rangirbahnhofe, von wo fie mit Ausnahme des 2. Batail: lons des Me>lenburgishen Grenadier-Regiments Nr. 89, der Artillerie und Kavallerie, welche bis heute in Schönberg bez, Umgegend einquartiert wurden, in die Garnisonen zurü>befördert find. Gestern Abend glei<h na< 7 Uhr trafen das 1. und 3, Bataillon des Me>lenburgischen Grenadier-Regiments und das Med>lenburgishe JIäger-Bataillon Nr. 14 mittelfi Extrazuges hier wieder cin. Auf dem Bahnhofe wurden die Truppen von einer großen Menschenmenge empfähgen. f

Sachseu - Weimar - Eisena<h. Weimar, - 16. Sep- tember. Der Großherzog ist am Sonntag Abend von Fried- berg nah Schloß Wilhelmsthal zurü>gekehrt.

Nachdem die deutschen Regierungen si<h über eine Reihe von Grundsätzen bezüglih der Gymnasien und deren Ma- turitätsprüfungen geeinigt haben, ift für das Großherzog: thum Sachsen die bisher hon in Uebung gewesene Gleichstellung der von auswärtigen - deutschen (flassishen) Gymnafien aus- estellten Reifezeugnisse mit denen der inländis<hen Behufs der ulafsung zu öffentlihen Prüfungen und zu Staatsämtern dur oino Ministorialbekanntmahung bestätigt worden.

Sachsen - Alteaburg. Altenburg, 16. September. Der Herzog ift in dieser Naht aus Hannover hierher zurü>- gekehrt. Zu Ehren des auf heute fallenden Geburtstages Sr. ‘Hoheit war heute früh Reveille des Bürgershüten-Corps und if die Sadt festlih mit Flaggen ges<hmü>t. Zugleich if heute der Haupttag der Ausstellung des landwirthschaftlichen, Gewerbe und pomologishen Vereins. Des Vormittags fand ein Bauernhochzeitsaufzug statt und Nachmittags soll ein Rennen mit Bauernpferden vor fi<h gehen. Nachmittags gegen 4 Uhr wird das hier garnisonirende Bataillon aus der Umgegend von Langensalza, wo das Divisions-Manöver gewesen, wieder hier eintreffen.

Schwarzburg - Sondershausen. Sondershausen, 16. September. Der Fürst und die Prinzessin Elisabeth sind von Scheveningen, nah mit beftem Erfolge daselbft ‘gebrauchtér Badekur, geftern Nachmittag hierher zurü>gekehrt.

Bremen, 16. September. Nach dem Berichte der Finanz- Deputation über die finanziellen Ergebnisse des Staatshaushaltes in den ersten a<t Monaten des Iah- res waren in dem von der Finanz-Deputation im Oktober v. I. aufgestellten Budget die Einnahmen des Iahres 1874 auf 11,339,070 Mark angeschlagen, die Summe der beantragten Ausgaben dagegen betrug 13,278,935 Mk. 18 Pf. Daraus er- gab si< ein Defizit von 1,939,865 Mk. 18 Pf. Senat und Bürgerschaft beschlossen jedo einerseits, verschiedene Einnahme-

mehrere Ausgaben ganz zu streihen oder zu ermäßigen. Mit Zuziehung des Reservefonds früherer Uebershü}sse, aus welchem 895,400 Mark in den JIahresetat eingestellt wurden, und der ver- anshlagten Mehreinnahme von 42,000 ME. für Privatanschlüfse der Wasserkunst, steigerte sich der Anschlag der Einnahmen auf 12,423,287 Mk. 59 Pf. An Ausgaben wurden bewilligt oder in Aussiht genommen 13,173,181 Mk. 10 Pf. Für die De>ung des hiernach bleibenden Defizits von 749,893 Mk. 51 Pf. wurde der Rest des Reservefonds der Ueberschüsse angewiesen, welcher freilih nur 727,078 Mk. 37 Pf. betrug, so daß ungede>t blieben 22,815 Mk. 14 Pf. Bis zum 31. August d. I. haben indeß einige Einnahmen den Voransthlag bereits überstiegen, namentlich die französishe Kriegsentshädigung um 249,895 ME., die Einkommen- steuer um 42,606 Mk, die Erbschaftsabgabe um 63,323 Mk. u. \. w. Diese Mehrerträge beliefen s<h im Ganzen auf 364,461 Mk. 18 Pf. und steigt dadur< die Solleinnahme von 12,423,287 Mk. 99 Pf. auf 12,787,748 Mk. 77 Pf. Davon find bis Ende August eingegangen 7,508,259 Mk. 3 Pf., und müssen, um den Anschlag im Uebrigen zu erreichen, no<h eingehen 5,279,489 Mk. 74 Pf. Zu den bewilligten Ausgaben kamen bis Ende August Nachbewilligungen zum Betrage von 239,462 Mk. 43 Pf., näm- lih 82,727 Mf. 43 Pf. zu den ordentlihen, 156,735 Mk. zu den außerordentlihen Ausgaben. Der Ausgabenetat vermehrt < dur diese Nachbewilligungen von 13,173,181 Mk. 10 Pf. um 239,462 Mk. 43 Pf. auf 13,412,643 Mk. 53 Pf. Die Soll-

Kaplaneipfründe, dem des Fürsten zu Fürstenberg.

einnahme, eins<ließli< \{<on eingegangener Mehrerträge, if 12,787,748 Mk. 77 Pf., dem nit eingestellten Reste des Re-

(W. T. B.) Die hiesige |

herzog wird dem Vernehmen na<h am 20. d. M. Abends, F

kehrten die Hohen Herrschaften nah Wedendorf zurü>, wo

posten theils zu erhöhen, theils neu einzustellen, andererseits

servefonds fallen daher zur Last 624,894 Mk. 76 Pf., und da dieser Rest 727,078 Mk. 37 Pf. groß if, wird von demselben, falls im Uebrigen die Anschläge genau zutreffen, ein Betrag von rund 100,000 Mf. übrig bleiben. Í

Hesterreich-Ungarn. Wien, 17. September. (W. T. B.) Morgen findet in Pest ein gemeinsamer österreihish-ungarisher Ministerrath unter Vorsiß des Kaisers statt. Dem Ver- nehmen nah soll in demselben eine Entscheidung der Frage über Aufhebung der Getreidezölle getroffen werden.

Die Landtage beschäftigten fich gestern fast sämmtilih mit Ausshußwaßhlen.

Ueber das Programm der bei Arad stattfindenden größeren Truppenübungen erhält die „N. Tem. Ztg.“ fol- gende Mittheilungen: Die Uebungen beginnen am 16. d. M. Am 16. und 18. d. M. manóövrirt die 34., am 17. und 19. d. M. die 17. Truppen-Division, jede für fich. Am 21. Nachmit- tags 53 Uhr erfolgt die Ankunft Sr. Majestät in Arad. Am 92, und 283. finden große Manöver sämmtlicher Truppen vor Sr. Majestät ftatt. Am 24. Rafitag, am 25. und 26. große Manöver einer Divifion gegen die andere. Sämmtlihe Manöver finden auf dem Territorium des Temeser Komitates, d. i. am linken Ufer der Maros statt, namentli< werden die Manöver vorx Sr. Majestät, wenn ni<hts Anderes befohlen wird, in dem von den Ortschaften Neu-Arad, Schöndorf, Fiscut und Vinga begrenzten Terrain stattfinden.

Großbritannien und Jrland. London, 16. Sep- tember. Die „A. A. C.“ schreibt über eine neue Arbeiter- stadt in London:

Nachdem der Erfolg des Planes, bessere Wohnungen für die Ar- beiterklassen zu beschaffen, in dem „Shaftesbury Park Estate“ und anderwärts völlig demonftrirt worden und der Häuserbegehr in Lon- don sih beständig vergrößert hat, haben die Direktoren der Artisans, Laboureré and General Dwesllings Company unlängst einen Bauplaßz von 80 Acres im Westen der Metropole erworben, auf welchem die Errichtung einer neuen Stadt, die niht weniger als 15,000 Menschen Aufnahme gewähren wird, fofort in Angriff genommen werden soll. Die Pläne sind bereits entworfen und die Straßen markirt worden, und die Stadt wird na< denselben allgemeinen Prinzipien, wie die, welche bei der „Shaftesbury Park“ Colonie im Süden Loudons zur Anwendung kamen, konstruirt werden. Obwohl no< nit ein einziger Ziegel gelegt worden, sind {hon An- meldungen für über 1000 Häuser erfolgt. Das Werk hat die Billi- gung des Premier-Ministers und thatsäahli< aller der diftirguirten Persönlichkeiten, die sih für den Fortschritt der Bewegnna, passende Wohnungen für die Arbeiterklassen zu beschaffen, intercssicen. Das Kapital der Kompagnie, das anfängli< 250,000 Lftr. betrug, ist bis auf 1,000,000 Lftr. erhöht worden. Die Kolonie wird „Queens Park“ genannt werden und, wie Shaftesbury Park, wird sie so anzüglih als mögli<h gemaht werden; vier von den 80 Acres werden einem scffentlihen Erholungégartcn im Centrum ge- widmet werden; die S'raßen werden ihrer ganzen Länge nah mit Bäumen bepflanzt und jedes Haus wird mit einem Vorder- und Hintergarten ver)ehen werden. Die Kolonie, in der Nähe der Harrow- road gelegen, wird eine große Lesehalle, Genossenshafts-Magazine , einen Kohlendepot, eine Milhfarm, Bäder und Waschhäuser u. |. w., aber fein Wirthshaus enthalten, obwohl den Bewohnern gerade keine Ent- haltsamfeitêgrundsäße aufgedrungen werden sollen. Der Grundstein zu der neuen Azbeiterstadt wird s<hon nächsten Monat gelegt werden, aber die Cercmonie wird rein formell sein, da beabsichtigt wird, die Königin zu ersuchen, Anfangs nächster Saison den Denkstein zu leger.

Frankreih. Paris, 18. September. (W. T. B.) Der aus den Verhandlungen über die Kapitulation von Metz bekannte Regnier ist gestern vom Kriegsgeriht wegen Spionage und Einverständnisses mit dem Feinde in contumaciam zum Tode verurtheilt worden.

Versailles, 17. September. (W. T. B) Sizung der Permanenz-Kommission. Tirard von der Linken rihtete eine Anfrage an die Regierung wegen der strengen Maß- regeln, deren Gegenstand die Presse sei, und verwies namentlih auf das bezügliche amtlihe Communiqué, wel<hes dem „Journal des Débats* wegen einer in der Nummer vom 12. September enthaltenen. Aeußerung zugegangen sei. Der Minister des In- nern, Gene: al Chabaud la Tour, erklärte, das Ministerium habe nux die Verleumdungen bekämpft, mit denen man die Majorität der Nationalversammlung und den Präsidenten Mac Mahon angegriffen habe; es sei Pflicht des Ministeriums, der Staats- regierung Achtung zu verschaffen. Der Vicomte d'Aboville richtete eine weitere Anfrage an die Regierung wegen der Suspenfion des „Univers“. Der Minister des Auswärtigen, Herzog von Décazes, er- widerte, Spanien habe, als die Suspension des „Univers“ erfolgte, noch feinen von den fremden Mächten anertannten Souverain gehabt, deshalb habe er nur Suspension eintreten lassen können. Wäre die Anerkennung der spanishen Regierung bereits erfolgt gewesen, so würde er gerihtlihe Verfolgung des „Univers“ ha- ben eintreten lassen wegen eines Artikels, der für jeden Sou- verain insultirend gewesen sei. Der Herzog von la Rochefoucauid- Bisaccia interpellirte die Regierung ferner über das Verbot, das den Verkauf von Bildern des Grafen von Chambord, auf denen sh zugleich die Embleme des lehteren befinden, untersagt. Der Minister des Innern erwiderte, daß diese Embleme eben die Ur- sache des Verbotes. bildeten. Endlich bat der frühere Handels- Minifter de la Bouillerie no<h um Aufklärung über die Stel- lung des deutshen Konsuls in Bayonne und namentli<h dar- über, ob seine Bestallung ordnungsmäßig erfolgt sei. Der Mi- nister erklärte, es sei demselben das Exequatur ertheilt, seine Be- ftallung sei in Ordnung.

Grasse, 17. September. (W. T. B.) Prozeß gegen den Oberst Villette und G:nossen wegen Mitwirkung bei der Flu ht Bazaine's. Oer Vertheidiger des Obersten Villette und Barreau's, des Dieners Bazaine's, Advokat Lachaud, be- zeihnete es als eine Ehre für seine Advokatenlaufbahn, daß er zum Vertheidiger in diesem Prozesse ausersehen worden, und schilderte Oberst Villette als ein Vorbild ritterlicher Ergebenheit. Er hielt daran fest, daß die Flucht Bazaine's sih genau so voll- zogen habe, wie die Marschallin Bazaine in ihrem bekannten Briefe an den Minister des Innern angegeben. Alles, was in der Anklage darüber vorgebraht werde, beruhe auf unerwiesenen Hypothesen. Deshalb richte er die dringende Aufforderung an den Gerichtshof, dem Obersten Villette seine makellose Vergan- genheit zu bewahren. Evenso empfehle er Barreau dem weisen Ermessen des Gerichtshofs. Nachdem Doineau nochmals seine Unschuld betheuert, erfolgte der Urtheils\pru<h, dur welchen der Gefängnißdirektor Marchi, der Diener Barreau und die Wächter Leterme und Lefrançois freigesprochen, Alvarez de Rull, Oberst Villette und Wächter Plantin der Erstere in contamaciam zu se<smonatliher, Ex-Kapitän Doineau zu zweimonatiiher und Wächter Gigoux zu einmonatlicher Einschließung verurtheilt werden. ü

Spanien. Madrid, 17. September. (W. T. B.) Die Carlisten haben wiederholt mehrere Angriffe auf Cuengza ver- sucht, die sämmtlih zurü>gewiesen wurden.

Italien. ‘Rom, 18. September. (W. T. B.) Das Journal „Italie“ ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die vom flerifkalen „Gior- nale di Fiorenza* gebrachte Meldung, England habe Seitens der in Sicilien si< aufhaltenden britis<hen Unterthanen vielfache Re- fsamationen wegen der dort herrschenden Unficherheit erhalten und dieserhalb mehrere Depeschen an die italienis<he Regierung gerichtet, jeder Begründung entbehre. Die „Opinione“ unterzieht die Meldungen des Pariser Journals „Union“ über die angeb- lih auf Sizilien si< vorbereitenden Ereignisse einer Be- \pre<hung und meint, die „Union“ habe dur< ihre indisfreten Auslafsungen nur enthüllt, mit welhen Absichten die Partei, der sie diene, umgehe.

Amerika. Washington, 17. September. (W. T. B.) Präsident Grant und das Kabinet haben \i<h einstimmig da- für entschieden, den Gouverneur Kellog in seinem Amte zu schüßen und erbli>en in der Abseßung desselben eine Berleßung der geseßlihen Normen und eine Gefahr für den Frieden im Süden. An den Kommandanten der Bundestruppen in Louisiana ist bereits die Weisung ergangen, die von den Aufständischen eingeseßte Regierung nit anzuerkennen. An Bundestruppen, welche na< New-Orleans gésandt werden könnten, stehen der Regierung gegenwärtig niht mehr als 2500 Mann zur Verfügung.

Eine zweite Depesche berihtet: "Die Regierung trifft Maß- regeln, die Truppen zu konzentriren, und werden gegen Ende der Woche 5000 Mann na< New-Orleans abgehen können. Ferner sollen drei Kriegsschiffe in Dienst gestellt werden. Man be- fürchtet ernsthafte Schwierigkeiten im Süden und den Ausbru< einer allgemeinen Bewegung gegen die Neger.

New-Orleans, 17. September. (W. T. B.) Die Liga der Weißen hat sämmtlihe vom Gouverneur Kellog angestellten Beamten aus ihren Stellen entfernt. Die Geschäfte find wieder aufgenommen, weitere Verleßungen von Privatper- sonen und Beschädigungen des Privateigenthums haben nicht stattgefunden. Heute sind'9 Compagnien Bundestruppen hier eingetroffen.

Einer weiteren telegraphis<hen Nachricht zufolge hat der fommandirende General des Golf-Departements, General W. H. Emory, mit Mac Henry und mit Pence eine Unterredung gehabt und dabei auf der Forderung bestanden, daß die Ver- waltung wieder hergestellt werde, und daß die Waffen und das Zeughaus an die Bundesbehörden übergeben würden. General Emory hat für den Fall, daß dies geschehe, Amnestie zugefichert. Mac Henry hat diese Bedingungen angenommen und zugleich erklärt, daß es irgend wel<hen militärishen Einschreitens nit bedürfe, weil man kein Verlangen habe, der Exekutivgewalt der Staatsregierung irgend welhen Widerstand entgegen zu feßen.

Aus Mexiko wird der „A. A. C.“ unterm 22. August gemeldet: Der Bischof von Yucatan hat dur ein Breve alle Katholiken, welche Civilehen eingehen, excommunicirt. Ein Ban- ditenhaufen erschien auf dem Markte zu Quiroga und rief: „Es lebe die Religion! Nieder mit den Regierungsbeamten !“ Die Behörden lassen denselben militärish verfolgen. Eine an- dere Bande ershien mit den gleihen Rufen in der Stadt Lapuatico und beraubte die Einwohner. Der Bischof von Pat- cuaro is von se<s maskirten Männern beraubt worden, wäh- rend er in einer Stage nah Monelia reiste. Die Baumwoll- ernte im Bezirk Vera Cruz, welche leßtes Jahr 300,000 Pfund ergab, übersteigt diesmal 600,000 Pfund.

Afrika. Aegypten. In Alexandria is die Nachriht von einem großen Siege der ägyptischen Truppen über eine Inva- fions-Streitmacht von Darfourianern eingetroffen. Wie es {eint schreibt die K. A. C. stacelten die Darfourianer vor ge- raumer Zeit die Beduüinenstämme dieses Distrikts gegen die Aegypter auf und lieferten den Unzyfriedenen Waffen. Endlich beschlossen fie, in Kordofan en massé einzufallen. Ihre Armee, aus 12,000 wohlbewaffneten* von dem Sultan Aabouna befehligten Männern bestehend, stieß am 17. Juni in der Nähe eines Ortes, Namens Kalaba, an der Grenze von Kordofan, mit einem Corps von 16,000 mit Remingtongeiveh- ren bewaffneten Aegyptern zusammen. Na cinem heißen zwei- stündigen Gefeht wurde die Armee von Darfour mit s{werem Verlust von Todten und Gefangenen geschlagen. Ihr Befehls- haber befand \fi< unter den Todten und fein Sohn wurde ge- fangen genommen. Fast uumittelbar darauf griff der Sultan von Darfour die ägyptische Grenze mit einer aus 50,000 Mann bestehenden Armee, darunter viel wohlbewaffnete Kavallerie, aufs Neue an. Die zweite Schlacht fand am -2. Iuli statt, und nah 1{stündiger Dauer wurde der Feind gänzli<h befiegt und bis zum Einbruch der Nacht verfolgt. Der Verlust der Darfourianer wird auf 1500 Todte und 400 Gefangene angegeben; 500 Mus- feten, 7 gezogene Kanonen und eine große Menge Pferde wur- den erbeutet. Die Aegypter verloren 18 Todte und hatten 15 Verwundete. Ansehnlihe Verstärkungen find von Kairo nah der Grenze geschi>t worden. Dieselbe Depesche meldet, daß die ägyptishen Behörden im südlihen Kordofan eine große Sklavenkaravane auffingen. Es wurden 591 Sklaven befreit und von diesen wurden 137 männlihe Erwachsene in die ägyp- tische Armee aufgenommen, 96 Kinder wurden in die Schulen des Khedive geschi>t, die Frauen, 331 an Zahl, wurden an die Soldaten verheirathet nnd 27 Sklaven starben. Ein Privat- brief aus Khartoum vom 1. August theilt mit, daß Oberst Gordon nah den neuesten Nachrihten an der Mündung des Sobat-Flusses weilte, um dort einen befestigten Posten zu er- ri<hten. Nachdem dies geschehen, würde die Expedition aufbrechen um den Sobat zu erforschen.

Australien. Aus Honolulu gingen über San Fran- cisco bis zum 19. August folgende Nachrichten ein: Der König der Sandwich-Inseln hat die gesezgebende Versammlung auf den 8. August vertagt. Er beglü>wünschte die Mitglieder ursählih der Einführung der Geseßvorlagen, die von der Unterstüßung der Telegraphengesellshaften und der Ermuthigung der Dampf- \chifahrt nah fremden Ländern _ handeln. Er äußerte ih energis<h zu Gunsten der Reciprocitäts-Verträge und betonte den Wunsch, einen solchen Vertrag mit den Vereinigten Staaten ab- zushließen; er würde alle Mittel anwenden, um ein Resultat in dieser Richtung zu erreihen. Für die internationale Aus- stellung in Philadelphia wurden zwei Spezial-Kommissare er- nannt.

ie Nr. 19 des „Amts-Blatts der Deutschen Reichs- Sar ta pu en-Ve1waltung“ hat folgenden Inhalt: Nachrichten. Telegrapbe1- Stationen. Veränderungen: L. Jm Deutschen Reichts Telegraphen-Tarife. Il. Jm internationalen Telegraphen-Tarife. Per-

sonalien. Nachträge zum internationalen Tarif.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Vorstand des Vereins für das Museum shle- t ier in Breslau hat Veranlassung genommen,

mit Rü>sicht darauf, daß ersic:3 bereits dur< mehr als 250 Jahre in Schlesien prähistoris<he Funde gemacht, sowie beschrieben worden find, und daß zweitens der genannte Verein den Mittelpunkt für anti- quarishe Forshungen in der Provinz bildet, folgende auf Anthropo- logie und prähistoris<he Archäologie si<h beziehende Preisaufgabe u stellen: „Es wird verlangt eine vergleidc;cnde Beschreibung und

itishe Würdigung aller in Sthlesien von älteren Zeiten bis ley ge- machten prähistoris<hen Funde (Artefacten, B:gräbnißstätten u. }. w.) mit besonderer Berücksichtigung des sogenannten Stein-, Bronze- und Eisenzeitalters, insofern die Epochen fich unterscheiden lassen, sowie eine Üteriuung Über die Kulturzustände, die Abstan:mung und die Be- ziehungen der damals hier lebenden Völker zu denen benachbatter Gegenden und Ermittelung ihres Anschlusses an die historishe Bevsl- ferung. Illustrationen find unentbehrli<.*“ Die reih:.n Sammlungen und Akten des Museums s{!esis<er Alterthümer werden zu dieser Arbeit jederzeit zu Diensten stehen, Der ausgeseßte Preis für eine allen obigen Anforderungen entspre<ende Arbeit beträgk zweitaufend Mark. Die Einiieferung der Arbeiten foll unter den bekannten Formen an den Sekretär des Vereins, Rcfktor Dr. Luchs, bis zum 31. Dezember 1877 erfolgen. Die Veröffentlichung der Preisurtheile von A anerkannten Sachverständigen wird am 26. Juni 1878

attfinden. j

Die Nr. 152 (August) des Notizblattes des Vereins für Erdkunde und verwandte Wissenschaften zu Darmstadt und des mittelrheinis<hen geologischen Vereins hat fol- genden Inhalt: Erwerbung und Verlust der Staatsangehörigkeit im Großherzogthum Hessen dur< Aufnahme, Naturalisation und Ent- lassung (Ein- und Auswanderung) im Jahr 1872. Meteorologische Beobachtungen im Juli 1874. Sterbefälle und Todesursachen im Juli 1874 Die Ergebnisse der Bierbesteuerung im Großherzog- thum Hessen im Jahr 1873. Angelegenheiten des mittelrheinischen geologischen Bereins.

Wie der „Schw. M “. aus Tuttlingen mittheilt, ist am 12. der ganze Maierhof auf Hohentwiel, der dur< Scheffels „Ekkehard“ verherrlichte Aussichtspunkt am Bodensee, abgebrannt.

Wie die „Darmst. Z.* meldet, ist die Jbener Kapelle auf

Grund abgeschlossenen Vertrags mit dem feitherigen Eigenthümer de- finitiv von dem Großherzoglihen Staat übernommen. Es wird un- verzüglih mit den Arbeiten begonnen werden, die nöthig find, um das reizende Bauwerk ausreichend gégen die Unbilden der Witterung zu \<üten. Man nimmt bekannilih an, daß an der Stelle, wo heute das Dorf Haßloch in Hessen liegt, einst ein rôömishes Castel gestanden hat. Sicher ist, daß hier im Mittelalter eine Burg lag. Auf die Existenz einer Römerstätte weist das Steinbild einer gewundenen S(hlange im Pfarrgarten. Neulich hat der Bürgermeister Orth in Haßloch daselbft Nachgrabungen vorgenommen und dabei einige Alterthümer gefunden, die theilweise mittelalt:rlihen (z B. eine Pfeil- spite), theilweise römischen Ursprungs sind.

Aus Randazzo am Aetna wird untcr dem 13. d. M. ge- meldet, daß am 11. der Professo: Silvestri die zerrissene und ers<hüt- terte Nordseite des Berges in einer Ausdehnung von drei Kilometern untersu<ht hat. Er fand zwanzig Krater geöffnet; der erfte bei dem Yusbruch geöffnete Krater hat einen 35 Meter hohen Kegel gebildet. Profefsor Silvestri giaubt, daß diesmal s{<on Allez vorübeëx sei und nur noch einige Erdershütterungen erfolgen werden.

Gewerbe und Handel.

Am 6., 7. und 8. Oktober findet in Friedrichshafen die „7. Generalversammlung des Vereins der Gasthofbe- fißer" statt, wozu eine sehr zahlreihe Betheiligung von Berufsge- nofsen und deren Familien in Ausficht steht.

Die Versammlung deuts<er Ingenieure in Han- nover, welche in den leßten Tagen hier Berathungen pflog, hat u. A fclgenden Antrag von allgemeinerer Bedeutung angenommen: 9

„In Anerkennung der von dem westfälischen Bezirksverein für 7 Konstruktion von Maschinen aufgestellten Prinzipien beschließt d Versammlung, es zur Aufgabe der Bezirksvereine zu machen, für d) Hebung der Sicherheit der Arbeiter gegen Schädigung dur< umgehe! :) Merke, nach den in ihren Bezirken bestehenden besonderen Einrichtu.. gen und Zuständen, thätig zu arbeiten und darüber an die Centralstelle zu berichten, was geshehen und“ erzielt ist und welche Erfahrungen gemacht sind, damit von der Céntralstelle in einer der nä<sten Jahres- versammlungen der Gegenstand wieder auf die Tagesordnung geseßt werden ftann.“

Straßburg, 15. September. Der Vorsißeznde des Vereins deutsher Tabaks-Interessenten und Fabrikanten, Kauf- mann G. Schöpplenberg - in Berlin, hatte an den Ober-Präsidenten von Elsaß-Lothringen das Gesuch gerichtet, beim Verkauf der Vor- räthe in Straßburg die Konkurrenz deuts<htr Fabrikanten zuzulaffen. Darauf- ist von dem leßteren an Hrn. Schöpplenberg foigendes Schreiben, mel<hcs die „Deutshe Tabak-Zeitung“ veröffentlicht, er-

angen: "f Straßburg, den 6. September 1874.

Auf das gefällige Schreiben vom 19. v. Mts. erwidere ih er- gebenst, daß weder über eine Verpachtung der hiefigen Kaiserlichen Tabak-Manufaktur, no< über einen Verkauf der Fabrikvorräthe irgend welhe Entschließungen Seitens de. kompetenten Behörden gefaßt wor- dea sind. Jch bin daher nit in der Lage, Ihren Wünschen um Mittheilung von Verkaufsbedingungen entsprehen zu können.

Der Ober-Präsident von Elsaß-Lothringen: v Mle

London, 18. September. (W. T. B) Die Bergwerks- eigenthümer und Bergwerksarbeiter von Durham sind zur Herbeiführung eines Schiedsspruches über die zwischen ihnen be- stehenden Differenzen zusammengckommen. Die Besißer der Hochöfen in Staffordshire und Worcestershire wellen die Löhne vom 19. d. M. ab um 10 pCt. herabseßen.

Verkehrs-Anstalten.

Das neue Zwillings\<hifff , Castalia“, dessen Konstruktion der Seekrankheit Troß bieten soll, kam am 15. unter der Führung seines Erbauers, Kapitän Dicey, von Gravesend in Dover an, um seine erste Probé¿faï-rt über den Kanal na< Calais anzutreten. Da das Meer indeß nicht bewegt genug war, um diz Leistungsfähigkeit des Schiffes zu erproben, unterblieb die Fahrt bis auf Weiteres.

New-York, 17. September. (W. T. B.) Der norddeutsche Lloyddampfer „Hohenstaufen“ ift hier eizgetroffen.

Aus dem Wolff'\{<hen Telegrapten-Büreau.

Solothurn, Freitag, 18. September, Vormittags. Der Kantonalrath von Solothurn hat den Antrag ‘der Regierung, das Kloster Mariastein und die Stifter Leodegar, Ursus und Victor aufzuheben, mit 70 gegen 31 Stimmen genehmigt.

Christiania, Freitag, 18. September, Vormittags. Der Führer der österreichischen Nordpol-Expedition, Lieutenant Payer, ist gestern Abend hiec eingetroffen. Er wurde am Bahnhofe vom hiesi- gen österreichischen Konsul empfangen und von einer großen daselbst versammelten Volksmen e mit lauten Zurufen begrüßt. Ihm zu Ehren wurde ein glänzendes Souper veranstaltet. Heute wird Payer nah Sto>holm abreisen, um der Einladung des Königs Folge zu leisten.

Königliche Schauspyiele. Sonnabend, den 19. September. Opernhaus. (173. Vor-

ellung.) Die Hugenotten. Oper in 5 Abtheilungen. Musik n Sr etbeer. Lat von Taglioni. Margarethe von Valois :