1899 / 94 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Jn der Ersten und Zweiten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs- und Staats - Anzeigers“ wird die vom Reichs- Eisenbahnamt aufgestellte tabellariscze Uebersicht der Be- triebs-Ergebni}se deutsher Eisenbahnen für den Monat März d. J. veröffentlicht, auf wel<he am Mittwoch an diefer Stelle auszüglich hingewiesen worden ijt.

Köln, 21. April. Einer Meldung des „W. T. B.“ zu- folge tat die Schwäche des Kardinal-Erzbischofs Kremenbß Feit gestern zugenommen.

Bayern.

Ueber das Befinden Jhrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Adelgunde ist gestern früh folgendes Bulletin ausgegeben worden:

Fhre Königliche Hoheit die Prinzessin Adelgunde hat eine gute Nath? verbraht, au< heute Morgen ift ihr Zuftand zufriedenstellend. Bedeutende Swächße und Schonungsbedürfttgkeit sind immer no<

vorhanden.

München, 20. April. Professor I. Bauer. Dr. Kastner.

Jn der Kammer der Abgeordneten stand gestcrn ein Antrag des Aba. Luß zur Berathung, welcher die Staats- regierung auffordert, im Bundesrathe für die Erhalturg der Privatnotenbanken und gegen beschränkende Bestimmungen bezüglih des Diskontsaßes der Privatnotenbanken zu wirken. Redner aller Parteien befürworteten den Antrag. Der Finanz-Minister Dr. Freiherr von Riedel erklärte, dem „W. T. B.“ zufolge, die Tendenz des Antrags sei ihm sym- pathish, und er bitte um einstimmige Annahme desselben, do<h mit dem Vorbehalt, daß man au<h dem Reiche gebe, was dem Reiche zukomme. Der Minister hob dann nach- drü>lih die Verdienste der Reichsbank um die Hütung des Gold- und Baar-Sch2tes hervor, die jedem Deutschen Vor- theil bringe, und betonte, daß die Privatnotenbanken niemals die Diskontpolitik der Reichsbank durchkceuzen dürften. Der Minister-Präsident Dr. Freiherr von Crailsheim erklärte auf eine gelegentlihe Bemerkung des Abg. Dr. Jäger: In der Eisenbahnpolitik sei der Süden ni<ht vom Norden übervortheilt worden. Die bayerische Eisenbahnverwaltung siehe zu der preußischen in dem freundschaftlichsten Verhältniß, eine Giserbayngnnewer mit Preußen sei für Bayern kein Bedürfniß und sei au< niemals von Preußen angeregt worden. Hierauf wurde der Antrag Luß einstimmig an- genommen.

Sachsen-Coburg-Gotha.

Jhre Königlichen Hoheiten der Herzog und die Herzogin von Connaught trafen mit dem Prinzen Arthur und den Prinzessinnen Margarethe und Victoria gestern Mittag in Gotha ein und wurden am Bahnhofe von Seiner König- lihen Hoheit dem Herzog und den Mitgliedern der Herzog- lihen Familie empfangen.

Oefterrei<h-Ungarn.

Etwa hundert böhmische Landtags-Abgeordnete unternahmen gestern, wie „W. T. B.“ aus Prag berichtet, unter Führung des Oberst-Landmarschalls Fürsten Lobkowiß einen Ausflug na< Kuttenberg zur Besichtigung der wiederhergestellten historish denkwürdigen Bauten daselbst. Bei dem aus diescm Anlaß abgehaltenen Festmahl wurden mchrere Trinksprühe ausgebracht, welche sich vornehmli<h auf die politishe Lage bezogen. Auf den Trinkspruh, welcher die historishen Verdienste des Adels würdiagte, erwiderte Fürst Lobkowiß: er und seine Ge- sinnungsgencFen seien stets ihrem Jdeal, dem Volke und dem Lande nach besien Kräften zu dienen, treu geblieben. Er hege die Hoffnung, daß auch die ¡jüngere Generation des böhmischen Großgrundbesizes diesem Jdeal treu bleiben werde. Jm Namen der leßteren äußecte si<h Prinz Schwarzenberg zustimmend.

Großbritannien und JFrland.

Der Minister-Präsident Lord Salisbury Abend von Cannes nah London zurückgekehrt.

Im Oberhause beantragte gestern, wie „W. T. B.“ meldet, Lord Russel von Killowen die Annahme cines Geseh- entwurfs, welcher das Acceptieren und Zahlen geheimer Pro- visionen bei Handels- und anderen Trarsafktionen unter Strafe stellt. Der Lord-Großkanzler Lord Halsbury erklärte, die Regierung unterstüße die Bill auf das wärwste, behalte sich aber in Betreff der Einzelheiten ihre Stellungnahme zu- nächst vor. Die erste Lesung der Vorlage wurde darauf ge- nehmigt. i

Im Unierhause wiederholte der Staatssekretär für Indien Lord Hamilton auf eine Anfrage scine kürzlich abgegebene Erklärung, daß die britische Zuckereinfuhr nah Ostindien während der lezten vier Jahre durchschnittlich 900 t im Werthe von 327 000 Rupien betragen habe. Maclean (kons.) wollte beweisen, daß scine Behauptung, der Werth der Einfuhr betrage mindestens 200 000 Pfo. Sterl, auf den Ausweisen des Londoner Zollamts beruhe. Der Sprecher rief ihn zur Ordnung, da Argumente bei einer Anfrage unzulässig teien. Maclean protestierte hiergegen : er argumentiere niht. (Ordnungsrufe auf den ministeriellen Bänken.) Maclean rief aus: „Wenn Sie mich nicht unter fih haben wollen, werde ih nah der anderen Seite des Hauses geh:n.“ Er nahm sodann unier dem Beifall einiger Radikalen und unter ironishen Zurufen der Unionisten auf den Bänken der Radifalen Play. Der Parlaments - Sekretär dcs Aus- wärtigen Brodri> erklärte: die Verhaftung des Direktors der deuts<hen Plantage bei Apia sei auf die bes<hworene Aus- sage erfolgt, daß derselbe gesehen worden sei, wie cr die Be- wegungen der Eingeborenen geleitet habe, welche britis<he Unter- thanen und Eigenthum derselben angriffen. Das sei die gesammte Information, welhe der Regierung zugegangen sei. Ausführ- lichere Einzelhciten müßten abgewartet werden, ehe si< ein Urtheil über die Angelegenheit bilden lasse. Schließlich nahm das Haus eine zum Budget eingebrachte Resulution, betreffend die Wiedereiüführung des Theezolles, an. i

Frankrei. Der König von Schweden und Norwegen ift gestern vo1 Paris nah Karlsruhe abgereist. Der Deputirte Drumont ist, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Atend in Algier cingetroffen und von einer großen Menschenmenge empfangen worden, Druwmont ermahnte

zur Ruhe.

ist gestern

Ftalien.

Der König und die Königin besuchten, wie „W. T. B.“ aus Sassari meldet, gesiern die Kathedrale von Alghero, in der sih das Grab eines savoyischen Fürsten befindet. Aller- höchstdieselben wurden daselbst von dem Bischof von Alghero empfangen, der den Segen ertheilte. Am Nachmittag kehrten die Maj-stäten nah Sassari zurü> und begaben sich, begleitet von dem Minister-Präsidenten Pelloux und dem Minister

der öffertlichen Arbeiten Lacava, nah der Kathedrale, wo

sih gleihfals das Grab eincs savoyischen Fries befindet. Beim Nahen des Königs und der Königin läuteten die Glo>en der Kathedrale; der Erzbischof empfing die Majestäten am Portal, und die Orgel spielte die Königshymne. Der Erzbischof ertheilte sodann den Segen und zelebrierte ein Tedeum. Später wohnten der König ‘und die Königin einem Neiterfesizug im Stadtpaik bei. Ueberall wurden Allerhöchst-

denselben von der Bevölkerung jubelnde Huldigungen dargebracht. Spanien.

Aus Sevilla ist, dem „W. T. B.“ zufolge, in Madrid die Meldung eingetroffen, daß ein Führer der Ultramontanen sih für ein Bündniß mit den Carlisten ausgesprochen habe.

Der Kreuzer „Conde Venadito“ hat Bilbao ver- lassen, um an den baskischen Küsten zu freuzen und die Landung von Waffen zu verhindern. Der Miniiter des Jnnern Dato erklärte, die Regierung fahre fort, Vorsichtsmaßregeln zu treffen, um verhängnißvollen Ueberrashungen vorzubeugen.

Jn Granada verlautete, die Carlisten beabsichtigten, an der Küste von Motril Waffen zu landen; infolge dessen werde die Küstengegend von zwei Kompagnien Soldaten bewacht.

Belgien.

Die internationale Konferenz zur Regelung der Einfuhr und des Verkaufs von Spirituosen in Afrika ist, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Nachmittag in Brüssel zu- sammengetreten. Bei der Konferenz sind elf Mächte vertreten. Auf Vorschlag des britishen Gesandten wurde der Staats- Minister Baron Lambermont zum Präsidenten gewählt. Die Konferenz wird heute mit der Feststellung und Berathung ihres Programms beginnen.

Rumänien.

Anläßlich des se<zigsten Geburtstages des Königs wurde gestern, wie „W. T. B.“ aus Bukarest meldet, in der Metropolitankirhe ein Tedeum zelebriert. Dem Gottes- dienste in der katholishen Kirhe wohnte das diplomatische Korps bei.

Schweden und Norwegen.

Zum Vertreter von Schweden und Norwegen bei der Konferenz im Haag ist, dem „W. T. B.“ zufolge, der Ge-

sandte in Rom, Freiherr von Bildt, ernannt worden. Asien.

Der General-Gouverneur von französih JndohinaDoumer ist, wie dem „W. T. B.“ aus Saigon berichtet wird, am 16. April in Bangkok eingetroffen. Der König von Siam und die Prinzen bereiteten ihm einen glänzenden Cmpfang, um zu bede daß es ihnen erwünscht jein würde, 0e S wieder freundschaftlihe Beziehungen anzu- nüpfen.

Das „Neuter'she Bureau“ erfährt, daß ernste Meinungs- verschiedenheiten zwischen den Mitgliedern der tagalischen Junta in Europa beständen. Die Mehrzahl derselben be- günstige die Verhandlungen mit den Amerikanern. Vier Mitglieder, wel<e für die Verhandlungen scien, hätten si<h nah Maniía begeben. Agoncillo und zwei andere Mit- glieder der Junta, welche den entgegengeseßten Standpunkt einnähmen, seien in Europa geblieben.

Afrika.

__Jn Tripolis eingetroffene Nachrichten aus Murzuk besagen, dem „Reuter's hen Bureau“ zufolge, daß eine französis<he Expedition in Baghirmi angekommen E um den Sultan gegen den mächtigen Häuptling Rados zu unterstüßen. Falls dieses Vorgehen von Erfolg begleitet sei, solle der Sultan von Baghirmi zum Sultan von Bornu gemacht werden.

Parlamentarische Nachrichten. ,

_ Der Bericht über die gestrige Sizung des Neichsiages befindet sich in der Dritten Beilage.

Auf der Tagesordnung der heutigen (60.) Sißgung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Vize-Präsident des Staats-Ministeriums, Finanz-Minister Dr. von Miquel und der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten D. Dr. Boj se beiwohnten, stand die erste Lesung des Gesehentwurfs, betrcffend die Dienststellung des Kreisarztes und die Bildung von Gesundheits- kommissionen.

Abg. Dr. Langerhan€e (fr. Veolfsp.), von der Tribüne zur re&t-n Seite und zum Ministertishe hin \prehend und deshaib auf der Journalistentribüne s<wer verständlih, führt aus: Bei einer Medizinalreform komme es hauptsächlid) darauf an, daß die Lokal- infanz-n möglichst gut und ¿we>näßig fungieren. Allgemein habe man geglaubt, daß die Vorlaze diesen Zwe> erfüllen werde. Von allen Bersprehungen, die früber gemaht worden seten, finde si aber in der Vorlage weiter nichts als eire geringe Besserstelluna der Kreisärzte. Von einer Medizinalreform im größeren Stile stehe überhaupt nichts darin, Es sei alles beim Alten geblieben, wie wir es bereits seit dem Fahre 1835 bâtten. In den Motiven sei davon die Rede, daß dem Kreiéarzt eine größere Bewegungsfreibeit gegeben werden müsse, und rah $ 5 Abs. 2 habe der Kreitarzt die Aufgabe, die gesundheitlichen Verhältnisse des Kreises aus eigener Anschauung zu beobachten und auf die Bevölkerung aufklärend und belehrend einzuwirken. Solle dies aber wirkli zur Wabrbeit werden, so müßten die Gesund- heitzkommisfionen in den ländlihen Gemeinden nicht unter den Landrath gestellt werden. Der Kreitarzt müsse cine viel größere Freiheit der Initiative Laben ; es sei nicht abzusehen, wie er nah diesem Gesetz tie ihm gestellten Aufgaben erfüllen solle. Die Thätigkeit des Kreisarztes werde nur dann allen Anforderuagen genügen, wenn sie ni<t nur gut bezahlt werde, sondern au< mit derjenigen der ärztlihen Berufs- vereize unt der Aerziekammern in Verbindung stehe. i

Graf Douglas (fr. konf.) bedauert gleichfalls, daß keine aus8- gedebrtere Reform des Medizinalwesens vorgesehen sei, und wünscht, daß cine größere Pcpularisiecung der Hygiene herbeigeführt werde. Auch bezügli der gemeingefährlihen Krankheiten müßten größere Vorkehrungen getroffen werden.

(Schluß des Blattes.)

| Dem Hause der Abgeordneten ist der Entwurf eines ree betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur erbesserung der Wohnungsverhältnifse von Ar- beitern, die in staatlicen Betrieben beschäftigt find, und von blig Y besoldeten Staatsbeamten, nebst Begrün« dung und einer Denkschrift über die Ausführung der Geseye vom 13, August 1895 und vom 2. Juli 1898 zugegangen.

Statistik und Volkswirthschaft.

Der diesjährige Verbandstag der deuts<hen Berufs- Pen ene wird am 28. und 29. Juni d. J. in Konstanz attfinden. Gegenstände der Berathung werden fein: die Frage der Betheiligung an der Pariser Weltausstellung, die Novelle zum Inbvaliditätsgesez und besonders das Zusammenwirken der deutschen Nereine vom MNothen Kreuz mit den Berussgenossenschaften. Die Zahl der dem Verbande angehörenden Berufsgenossens<haften if auf 46 gestiegen, von denen 22 über das ganze Deutsh- Reich ver- breitet find, während 12 speziell dem Norden und 12 dem Süden bezw. dem Westen angehören. Nur no< eine verhältnißmäßig kleine Zahl von Berufsgenossensaften steht außerhalb des Verbandes, aber au< auf seiten der leßteren will man hinsihtlih des Zusammens wirkens mit dem Rothen Kceuz mit dem Verbande gemeinfam vor- geben. Die 46 Verbands - Berufsgenofsensaften repräsentieren 334 616 Betriebe und 4 277 570 Arbeiter.

Der Zentralvor stand deutscher Arbeiterkolonien hielt gestern im Ans<hluß an die Jahresversammlung des Gesammt- vorstandes deutsher Verpflegungsstationen im Herrenhause feine Jahresversamwlung ab. Der Vorsißende, Geheime Regierungs- Rath von Massow-Potsdam, erstattete den Vorstandsberiht. Danach gehören, wie wir der „Nat. - Ztg.“ entnehmen, dem Zentral- vorstand 32 Vereine im Deutshen Reihe an, welche ebenso viele Arbeiterkolonien mit zufammen 8925 Betten unterhalten. Die Arbeiterkolonien find jedo<h im vorigen Jahre bis zur Hälfte, einzelne fogar bis zu 2 ihrer Fafsungskraft niht belegt gewesen. Die Ursache liegt, wie Herr von Passow hervorhob und au< \s<on in der vorgestrigen Fahresversammlung der Verpflegungsstationen konstatiert wurde, in dem wirthiWaftlißen Aufshwunge auf industriellem Gebiete und den boben Löhnen, welhe den Arbeitern gezahlt würden und die au font arbeitésheue Personen zur Arbeit veranlaßten. Gleichwohl hätten die A: beiterkolonien im vorigen Jahre 767805 Nachtquartiere gewährt; sie hätten aber noh über 506 000 Kolonisten unterbringen können. Für die Arbeiterkolonien bedeute dies einen großen Ausfall an Einnahmen. Beklagenäwerth sei es, daß das Publikum gewerbêmäßigen Bettlern immer no< reihli< Gaben fpende; man könne die Einnahme eines gewerbsmäßigen Betilers im Dur(\chnitt auf täglio 24 annehmen. Diese Ausgaben sollte man lieber den Arbeiter- kolonien und ähnlichen Instituten zuwenden, die sich bemühten, diese Arbeits\cheuen wieder einem gesitteten Leben und der Arbeitsfreudigkeit zuzuführen. Wohl gebe es unter den Kolonisten eine Anzahl mit mora- lishem Defekt behafteter Individuen, welche, in Freiheit gelangt, ihre Er- sparnisse sofort vergeuden und wieder in die Arbeitésheu zurüd>- fallen; die Mehrzahl aber, insbesoadere diejenigen, weldhe unvershuldet in Nothlage gerathen sind, hôben si wieder und kehrten zur Arbeit zurü>. Für die ersteren blieben die Arbeiterkolonien ein nothwendiges Mittel. Im Ausland interessiere man sih für die Arbeiterkolonien mehr als bei. uns, wie vielfache Anfragen an den Zentralvorstand ergäben. An den Bericht des Vorsitzenden {loß si eine lebhafte Diskussion an, in welcher die Delegirten ihre Erfahrungen, die sie mit den Kolonisten gemacht haben, zu:n Ausdru> brachten.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Krefeld wird der „Köln. Ztg." zum Ausftande der Sammetweber berichtet, daß gestern in allen Fabriken bis auf zwei die Arbeit wieder aufgenommen oder wenigstens eine Einigung erzielt worden if, sodaß heute die Arbeit wieder aufgenommen werden follte. z

In Frankfurt a. M. ist der „Frkf. Zig.“ zufolge der Aus- stand der Weißbinder, Maler und La>ierer beendet. Eine“ Versammlung der Arbeitgeber genehmigte am Mittwoch einstimmig die von den Lohnausshüssen pvpereinkarte Negelung der Lohn- und Arbeitsverbältnisse. Gestern Nachmittag fand alsdann eine Vers sammlung der Arbeiter statt, die ebenfalls die Vereinbarungen guthieß und in geheimer Abstimmung beshloß, heute früh die Arbeit wieder aufzunehmen.

Aus Reichenbach i. S1. meldet „W. T. B.“: Von den 220 no< ausftändigen Webern der Firma Weyl u. Nassau zogen nah Empfang von Autstandégeldern gestern Veittag 150 in den Fabrikhof und forderten lärmend ihre Entlassuncspapiere und den Lohn für die nicht fertiggemahten Webstü>ke; die Abrechnung kointe aber s<on aus te<hni|<en Gründen niht erfolgen. Als die Polizei er- schien, zerstreute ih die Menge, Der Betrieb in der genannten wie in anderen Fabriken ist ni<t unterbrohen. Vom beutigen Tage wird weiter gemeldet: Außer den _Anstiftern, welchea gekündigt worden ift, baben fast \ärmtlihe Ausständigen die Arbeit wieder aufgenommen; somit ist der Auzstand beendet. Alle Forderungen der Arveiter sind abgelehnt worden.

Aus Ohligs wird der „Rhein.-Westf. Ztg.“ geschrieben: Der Tafschen- und Federmesser-Schlägerei-Arbeiterverein des Kreises Solingen verhängte über die Firma C. G. Maus zu Solingen: Mangenberg den Boykott.

In Braunschweig war, wie dem „Hann. Cour.“ beri<htet wird, den Maurern kürzii<h von den Meistern der Bertmittelun g8- vorlag gemacht worden, daß für die Stunde ein Pfennig Lohn mehr gezahlt werden jolle, jedo< unter der Bedingung, daß gestern auf allen Bauten die Arbeit wieder aufgenommen werden würde. Da dies jedo< nicht geschehen ist, jo dürfte am Sonnabend den sämmtlihen Maurern gekündigt werden. Zwischen den auéständigen Malern und den Innungsmeistern ist gestern eine Einigung eczielt worden. Die Maler hatten im wesentlichen verlangt: einen Minimal- lobn von 42 A, 94 fiündige Arbeitszeit und Abschaffung der Accord- arbeit. Der Vermittelungsvorshlag der Meister, einen Minimallohn von 40 4 zu zahlen und die stündige Arbeitszeit zu bewilligen, wurde mit $8 gegen 56 Stimmen angesommen. Danach ist also der Nus\tand der Maler als beendigt anzusehen.

___ In Mannheim find, der „Köln. Ztg.“ zufolge, die Bau- \<losser in ten Ausstand getreten; sie verlangen Lobnerhöhung.

Aus Prag meldet „W T. B.“: Jn Georgenthal sind über 900 Wekter und Weberinnen auésftändig. Sie verlangen Lohnerhöhung und Freigebung des 1. Mai. Fn der Bodenbacher Knopfs- fabrik von Pächter hat eine Anzahl von Arbeitern die Arbeit eingestellt, wodurch die Kündigung anderer nothwendig geworden is, Der Fabrikant will eine géringe Lohnerhöhung bewilligen, mitder die Arbeiter nicht einver- standen sind. In Ringelsheim und Schönbach ift ein Bahn- arbeiterauéftand ausgebrochen. Verhandlungen zur Beilegung find im Zuge. Am Mittwoch fanden Ansammlungen statt, bei denen es zu keiner Ruhestörung kam. Nah einer gleihfalls am Mittwoch in Budweis abgehaltenen Versammlung des politishen Vereins Budoucnost, in welcher die Vorschläge der Baumeister erörtert worden waren, versuchten etwa tausend Arbeiter dur die Straßen zu ziehen, wurden aber von der Polizei zerstreut. Eine Verhaftung wurde vorgenommen. Zahl- reiche israeliti<: Geschäftsleute {lossen ihre Läden. Die Nacht verlief ruhig. Gestern Vormittag is auch eine zweite Versammlung des Budoucnost ruhig verlaufen.

Aus Reichenberg in Böhmen schreibt man der „Köln. Ztg.“ : Auf der Stre>e Gabel—Kriesdorf legten 700 Bahnbau- arbeiter die Arbeit nieder. Die Deutschen und Tschehen wollten am Mittwoch die Arbeit wieder aufnehmen, die Italiener wollten

be aber gewaltsam daran verhindern. Gendarmerieverstärkung i erangezogen.

Zam Ausstande der belgishen Bergarbeiter wird dem „W. L. B.* telegraphiert: Im Ko lenbe>en von Seraing ist die Lag estern sehr viel ernster geworden; es arbeiteten kaum einige Arbeiter. Jn einer Versammlurg be lü>wünshte der Deputirte Smets die Arbeiter ter Coerill’shen Koblenberg- werke, daß sie si< dem Ausstand ängelWasen hätten. Der Vor- stand des Kohlcnbergwerks Kefsales bietet den Arbeitern eine Er- böbung der Löhne an, die anderen Vorstände sind, hierzu ebenfalls geneigt, aber die Ausftändiaen weigern sih nichtsdestoweniger zu arbeiten. Jn Herstal ist kein Arbeiter ausständig. Die Zahl der Ausständigen im Be>ken von Charleroi nimmt beträchtlich zu; fie wird nunmehr auf 18000 geschäßt. In den meisten Gruben wird jedo<h no< in beshränktem Umfang gearbeitet. Ueberall berrsht Ruhe. Wie verlautet, beabsichtigen einige Hüttenwerke, aus Mangel an Kohlen die Feuer zu 1ös<en. Wenn der Ausf\tand bis Sonnabend nicht’ beendet ist, dürften mehrere gro Fe industrielle Werke vorläufig geschlossen werden. Vie Zahl der im Be>ten von Mons aus- ständigen Grubenarbeiter betrug gestern 2000, also 1000 mehr -als am Tage zuvor. Im Bassin du Centre wird die Zahl der Aus- ständigen auf 9000 veranslagt.

Kunst und Wissenschaft.

In der Gesammtfißung der Akademie der Wissen- schaften vom 13. April (vorsizender Sekretar : Herr Vablen) las Herr Klein den erften Theil seiner „optisWen Studien“. Die über- rascenden Erfolge, wel><e in der Mineralogie und Petrographie mit der Methode der Totalreflexion in neuester Zeit erzielt worden find, hätien, wie in der Abhandlung auk2geführt wird, {hon längst erreiht werden Tönnen, wenn die Instrumente einfa< und praktisch gewesen wären. Nachdem nun diefem Uebelstand bei den Totalreflektometern abgeholfen worden ist, laffen sich Aufgaben, die früber für sehr schwer be- handelbar galten, in einfachfter Weise lösen. Dies wird an einer Reihe von Beispielen gezeigt, zu denen namentli der Anorthit und die übrigen Plagioklase (leßtere in Dünnschliffen zur Betrachiung kommend) gehören. Herr Dümmler überreihte den Jahres- beriht über die „Monumenta Germaniae historica*. Die Akademie hat ihrem Mitgliede Herrn Harna> zur Fortführung der Arbeiten an der Geshitte der Akademie 1060 M bewilligt. Die philosophish-historishe Klasse bewilligte Herrn Dr. Wilhelm Kroll in Breslau zur Herausgabe der „Commentarii in Platonis rem publicam“ des Proclus 1000 #; Herrn Dr. Max Reich in Berlin zur Sammlung und Verzeichnung bandschriftlicher Eratmus-Briefe 1800 G; Herrn Bibliothekar Dr. Georg Steinhausen in Jena zur äFndru>legung des zweiten (Schluß-) Bandes seines Werkis „Deutsche Privatbriefe des Mittelalters“ 400 M

4+ Zwei interessante Kollektiv-Ausstellungen sind gegen- wärtig in den binteren Räumen des Kunstfalons von E. Schulte vereinigt. Der bekannte Münchner Thiermaler Heinrich Zügel bat eine ansehnli<e Zahl seiner neueren Arbeiten zu einem ahtung- gebietenden Ganzen vereinigt. Daß eine solhe lange Neibe vor egenständlih durhaus gleihartigen Bildera Zügel malt fast aus- <liefilih Schafherden niht ermüdet, vielmehr von Anfang bis zum Ende den Beschauer fesselt, ift allein s<on ein Zeugniß für die große künstlerishe Kraft, die in diefen Bildern ste>t. Der Thierfreund und Kenaer wird sicherli< no< in weit höherem Maße Anregung und Befciedigung seines Interesses empfinden als der Kunstfreund, den allein die frishe und gesunde Art der Wiedergabe eines Stücks un- verfälshter Natur an Zügel's Werken entzü>t. Bei aller Breite und scheinbaren Sorglosigkeit des Vortrags erzielt der Maler eine über- ras<ende Intimität der Stimmung. Das Sonnenlicht , das sich über die Viehweiden der Elbwmarshen breitet, das saftige Grün der Vegetation und last not leasb die {hier pbysiognomische Vielgestaltigkeit seiner Thierschilderung halten stets die Aufmerksamkeit wah und bereiten einen ungetrübten Geruß. Feine Beobachtung läßt den Maler Züge des Thierlebens aufgreifen, an denen der stumpfe Bli>k achtlos abgleiten würde. Wie anmuthig weiß er die selbstbewußte Koketterie der Lieblinge des Kuh- hirten zu geben, die ihrem Hüter zur besonders au?gesuhten Weide folgen; das Nachdrängen der Herde hinter dem Leithammel, die Amtéwichtigkeit des Schäfe: bundes, die Eigenwilligkeit der Ziegen, die lässige Haltung der au8gespannten A>ergäule wir lernen alles mit gesdhärftem Bli>k betrachten, und genießen dur< die Vermittelung des Künstlerauges doppelt. Daß die stofflihe Wiedergabe des grauen Wollpelzes der Schafe, der glatt ge\tirnten Kühe u. \. w. durchaus auf der Höhe virtuoser Technik steht, ohne do< ins lehrhafte, ab- bildungsmäßige zu fallen, bedarf kaum bejonderer Betonung. Gegen- über diesem frishen Naturhauch, der den Bildern Zügel\'s entströmt, mutbet die Kunst Wilhelm Sieinhaufen?'s etwas blaßblütig an. Trotzdem hat auch dieser Frankfurter Einsiedler sich tief in das Leben der heimathlihen Natur versenkt. Er holt aber aus ihr heraus, was seiner zarien, zu grüblerischer Weichmütbigkeit geneigten Empfindung zusagt. In seinen figürlichen, meist der beiligen Ge» {ichte entlehnten Darstellungen, wie der Schilderung Iobannes des Täufers, des Nikovdemus u. A., wandelt er die Bahnen der Nazarener- kunft: nur will uns seine Auffassung inniger, psychologisch tiefaründiger dünken, als die wesentii< in formaler Nacheiferung der Quattro- centistzn fte>en gebliebene Malerei eines Overbe>. Die asketische Formgebung is thm willkommen, um flar und tief ausdrü>en zu können, was in den Gestalten seelis< vorgeht. Daß das bei einem eigenwilligen Künstler leiht in Uebertreibung verfällt, ist zu begreifen. Die Einfachheit der lithographischen Technik, die Steinhausen vielfa für feine Vorwürfe benußt bat, behütet ihn eher vor sol<hen Mißgriffen als die Oeltehnik, obwohl er auch diese in strenge und \hlihte Grenzen zwängt. Seine Landschaften, die denen von Hans Thoma an Reid;thum und Tiefe der Empfindung nicht selten überlegen sind, beweisen, daß niht etwa Unvermögen solche Be- \{ränkung der Mittel veranlaßte. Sie dürften dem bereits im drei- undfünfzigsten Lebensjahre stebenden Künstler, der in Berlin zum ersten Mal mit so zahlreihen Proben seines Talents erscheint, no< mehr Freunde zuführen als die biblishen Darsteliungen, die übrigens soweit sie in Steindru> auê- geführt sind dur eine Ausstellung der Firma Amsler u. Nuthardt hier bereits bekannt geworden sind. Ein Selbstporträt in balber Figur und ein zweites, das den Maler im Verein mit seiner Gattin in einem berbstlih fi< bräunenden Park darstellt, rü>t seine Eigenart dem Beschauer - persönli nahe, Man thut Steinhaufen Unrecht, wenn man in ihm lediglih einén Nachahmer Thomas, mit dem ihn enge Freundschaft verbindet, sieht. Seine Natur ist wesentli and:rs geartet; der s{<werblütige Niedersahse seine Familie stammt aus der Gegend des Harzes hat mit dem idyllis< veranlagten Sohn des Schwarzwaldes nur die Neigung gemein, das innerli< Erworbene und Gewordene höher zu stellen als das äußerlich Angelernte, eine Anschauung, die ebensowohl zum Glü> wie zum Verbängniß eines Künstlerlebens werden kann.

Die deutsche Kunstausstellung Dresden 1899 ist, wie das „Dresdner Journal“ berichtet, in Anwesenheit Seiner Majestät des Königs Albert, des Allerhöchsten Protektors der Ausftellung, Shrer Majestät der Königin, Ihrer Königlichen Hoheiten des Prinzen Georg, des Prinzen Friedrich August, des Prinzen und der Prinzessin Johann Georg, des Prinzen Albert und ter Druibe Mathilde, ferner der Staats-Minister sowie zahlreicher

ofwürdenträger und Vertreter der Königlichen und städtischen Be- hörden gestern Mittag 1 Uhr feterlih eröffnet worden. Die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften wurden in der Kuppelhalle des Ausftellungs- palastes von den Mitgliedern der Aueéstellungs-Kommission, an deren Spize der Vertreter der Königlihen Staatsregierung, Geheime Regierungs-Rath Dr. Roscher und der Ober-Bürgermeister Beutler ehrfur<tvoll begrüßt und alsdann in die große Skulpturenhalle geleitet. Nachdem der Sängerchor der Kreuzshule unter Leitung des Musikdirektors Professor Dr, Wermann das „Salyum fac regem“

von Felix Dräseke vorgetragen haite, richtete der Vorsigende der Ausstellungs-Kommission Profeffor Kuebl eine Ansprache an Seine Majesiät den König, die mit einem Hoch auf AUlerhöchstdenfelben \<loß. Im Auftrage des Königs erklärte nunmehr der Geheime Regie- rungas-Rath Dr. Roscher die Ausstellung für eröffnet. Als die be- geisterten Hochrufe verklungen waren, stimmte der Sängerhor der Kreuzkir@e die Grüllih’swe Sabfenhymne A König, Dir im NRubmeskranz“ (Komposition von O. Wermann) an. Damit hatte die festlide Handlung ihr Ende erreicht. Unter Führung von Mit- gliedern der Ausstellungskommission traten hierauf die Allerhöchsten R Höchsten Herrschaften einen Rundgang dur< die Ausftellungs- räume an. Die Ausstellung umfaßt 553 Oelgemälde, 260 Aquarelle, Pasftelle und Zeichnungen, 359 Radierungen, Lithographien und Holzs>nitte, 302 Bildwerke, dazu eine reihe Sammlung kunstgewerblicher Erzeug- nisse (102 Nummern), eins{ließli< 15 Zimmereinrihtungen, weiter die Lukas Cranach-Ausftellung und die Sammlung von Alt-Meißner Porzellan. Das Hauptverdiens an der Gesammtleistung kommt den Hecren Professoren Kuehl und Architekt Gräbner zu, die gemeinsam den Plan des Ganzen entworfen und die Ausfübrung bis in alle Einzelheiten überwacht haben. Die Gemälde - haben die Vertreter der einzelnen Künstlervereine selbst in den be- treffenden Räumen angeordnet; die ungemein s{hwierige Auf- stellung der Bildwerke hat an Stelle des Professors Treu, der gemeinsam mit Professor Diez ihre Auswahl getroffen hat, zumeist Inspektor Kühnezt geleitet ; bie kunstgewerblihe Abtheilung haben die Herren Geheimer Regierunzs-Rath von Seydliß und Architekt Gräbner zusammengebracht und aufgestellt; Profeffor Dr. Lebrs hat allein die graphishe Abtheilung ausgewählt und angeordnet ; endli haben Professor Berling und Oberstleutnant von Haugk das Meißner E gesammelt, während Geheimer Hofrath Professor Graff die us\<hmüd@>ung der drei Zimmer dafür entworfen und angeordnet hat. Ein kurzer Rundgang, auf dem wir ebenfalls dem „Dresdner Fournal“ folgen, mag die Anordnung des Ganzen kurz darlegen. Die Kuppelhalle ift in sebr eigenartiger Weise ges<müd>t. In der Mitte stebt die symbolishe Gestalt des „eleftrishen Funkens“ von Reinhold Begas in Berlin, während die Wände mit ihrem geschnittenen und grün gestrihenen Holzwerk einen heiteren Garten vor- täushen. Natürliwer Rasen verstärkt die Illusion. Die an den Kuppelbau si< anschließende imposante große Halle, die

aber nicht minder wirksam. Gelbe Wände mit einem blauen Fries schaffen für die Bildwerke einen cigenartigen Hintergrund. Das Hauptstü>k is ein Brunnen von Rudolf Maison, ein Werk von imposanten Größenverbältnissen Im Hintergrunde ift eine Estrade erri<htet, deren Mitte Tuaillon’'s kolossaler „Siegesreiter“ einnimmt. Rings umher sind eine Fülle von Bildwerken vertheilt, von denen als besonders in die Augen fallend hervorgehoben seien die Büste Seiner Majestät des Königs Albert von Max Baumbach, die beiden Sarkophage des Howbseligen Kaisers Friedri<h und Strousberg'8 von Begas, die Soldatengruppe „Der Durst“ von Cauer, das Grabmal der Frau S><weighofer von Nobert Diez, das „Schi>sal“ und die „Haide“ von Hugo Lederer. Der bon der Kuppelhalle auf der linken äußersten Seite gelegene Saal ift Max Klinger in Leipzig überlaffen worden. Hier ist dessen ge- waltiges Gemälde „Christus im Olymp“ in vornehmer und wirksamer Weise aufgestellt worden, dazu eintge Bildwerke desselben Meisters, besonders eine wundervobe „weibliche Herme“, die hier zum ersten Male an die Oeffentlichkeit tritt. Zur Linken (Saal 2) findet man den mit alten Gobelins aus dem Königlichen Schlosse gesWmükten Saal des Leipziger Bildhauers Karl Seffner, darin u. a. die Büste Seiner Majestät des Königs, eine Büste Marx Klinger's und zahlreiche andere Büsten hervorragender Persönlichkeiten der Leipziger Gelehrten- welt. Außerdem sind hier das der Stadt Dresden gehörige große Bildniß Seiner Majestät des Kaisers von Hermann Prell und ein Knabenbildniß von Paul Kießling ausgestellt. i

Zur Rechten vom Klinger-Saale liegen drei kleinere Kabinette (3 bis 5), darunter das von Hans Unger persönli ausges<müd>te und nur mit seinen eigenen Gemälden ausgestatte violette Kabinett (5), in dem noch einige Bildwerke von Franz Stu ihren Plaß gefunden haben. Im se<sten Saale, der in pompejanish-rother Farbe gehalten ist, haben die Karlsrukter und die Düsseldorfer Künstlergenossenshaften ihre Stelle, darunter Karl Junker (,Meiterin" in Lebensgröße), Hellwag („Nach Sonnenuntergang“), Eduard von Gebhardt („Der ungläubige Thomas“, „Abendmakbl“), Munthe, au< Hans Thoma, Trübner einige Worps- weder und Stuttgarter, darunter Robert Haug („Kampf in einem Kornfeld“). Im folgenden siebenten Saale (Goldton) sind die Ge- mälde der Münchener Genofsenschaft untergebrahi; am meisten fallen hier in die Augen Louis Corinth's „Kreuzigung*, „Die beilige Nacht“ von Walther Firle, die von Cngeln angebetete Madonna von Karl Marr, Friy Bâr's „Derbst« abend im Eichwald“, Charles Palmis's „Abenddämmerung“, „Kain und die Flora“ von Kunz Meyer. Der achte Saal (röthliche Wände) gehört der Dresdner Kunstgenossenschaft; vertreten find hier u. À. Franz Schreyer („Im Moor"), Jacques Schenker („Winter- abend”), Albert Stagura („Ort des Friedens“) und Otto Bossow („Mariä Verkündigung“). Die Mitte nimmt das „Waldmärchen“ von Rudolf Hölbe cin. Auch sind hier einige ältere historishe Ge- mälde von Ferdinand Pauwels untergebracht. Der neunte Saal (weiße Wände) enthält Gemälde und Ratierungen von Richard Müller, Georg Lührig, Karl Mediz und Emilie Pelikan-Mediz. Wendet man si< sodann zur Linken, so gelangt man zu dem vor- nehmen, mit grünem Sammet ausgeschlagenen zehnten Kabinet, wo Gotthard Kuehl, Leon Pohle, Paul Kießling, Friedrich Preller und Robert Diez ißre Werke vereinigt haben. Die drei folgenden Kabinette enthalten die Ausftellung von Klt-Meißner Porzellan, und zwar ge- langt man zunä<hst in das Empire-Zimmer (Marcolinische Zeit), dann in das Rococo-Zimmer (Periode Kändlers) und endli in das Herold-Zimmer (1720 bis 1733). Die drei Zimmer sind im Stile der jeweiligen Zeit sowie mit eten Möbeln und Gemälden, zumeist aus Königlichem Besiß, prächtig ausgestattet, und die kostbaren Por- zellane sind in dekorativer Weise ges<hma>voll aufgestellt.

Gin Dur{gangéraum (14) enthält namentliä) köstlihe Glas- gemälde von Hars Christiansen in Paris, Emailmalereien von Schirm in Berlin nah Ludwig von Hofmann und ein deforatives Gemälde von Paul Sg&ulge-Naumburg. Es folgt ein Schlafzimmer (15) der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk in München von Bernhard Pankok und ein Raum für Kunstgewerke (16 bis 18) von Karl Groß, hergestellt unter Mitwirkung von Dresdner Künstlern und Kunsthandwerkern.

Die beiden folgenden Räume sind der Lukas Cranach-Ausftellung (19 und 20) gewidmet, die Karl Wörmann mit der vollen kTunst- historischen Sachkenntniß zusammengebracht und mit dem von der Königlichen Gemälde-Galerie her bekannten feinen Geschma> angeordnet hat. Diese Abtheilung bildet einen Glanzpunkt; man wird von der Dresdner Auéstellung an den alten Meister höher eins<hägen [ernen als bisher. Die große Halle neben dem Restaurant ist durch Zwischen- wände in drei Schiffe (21 bis 23) getheilt und enthält Gemälde von Weimarischen, Hamburger, Holsteiner und einigen Dresdner Künstlern. Es folgen die beiden Berliner Räume (24 und 25), deren größerer sein Gepräge dur< Anton von Werner?s Kolofal- bild „Am 26. Oktober 1890" (Beglü>kwünschung Moltke?s) erhbâlt, während der kleinere und künftleris< werthvollere u. a. Koner's Bildniß des Fürsten Herbert Bismar>, Hugo Vogel's „Mutter und Kind“ und Max Liebermann's „Kindersptielplag“ aufweist. Die graphische Ab- theilung, die mit einer einzigen Ausnahme nur Originalarbeiten der Radierung, der Lithographie und des Holzschnitts aufweist, nimmt die folgenden drei Räume (26, 27, 28) in neun Abthetlungen ein. Man findet dort na< einander Werke aus Dresden (Sejzefston), Weimar, Worpswede, Berlin, dann im Mittelraume die hervorragenden R Max Klinger’s, Arnold Bö>lin’s und Max Liebermann's.

eiter folgen Karlsruhe, das die umfänglihfte und bedeutendste Aus- stellung auf diesem Gebiet zur Schau gebraht hat, dann Frankfurt

(Hans Thoma), Düfseldorf, Wien, Prag und wiederum Dresden (Kunstgenossenshaft). Die ganze, vom Professor Leh1s zusammen-

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ver Plastik giwidnet ist, ist gänzli anders ausgestattet ais 1897,-

aestellte Abtbeilung zeigt, einen wie hohen Standpunkt die graphische Kunst gegenwärtig tn Deutschland einnimmt. :

Ein besonderes Kleinod der Ausstellung bildet das Lenbach-Zimmer mit se<3 auserlesenen Bildnissen des Münchener Meisters, darstellend Seine Majestät den König Albert, Seine Königliche Hoheit den Prinz-Regenten Luitpold von Bayern, den Fürsten Bismar> in Zivil, den Dichter Allzmers, ferner zwei Damenbildnifjen. Skulpturen von Reinhold Begas, Karl Seffner (Büste Seiner Majestät des Königs Albert) und Eduard Beyrer ergänzen die Ausstellung des prächtigen

Raumes.

Es folgt der Saal 30 (bläuliher Ton), in den ih die Worps- weder und die Düfseldorfer Sezession getheilt haben. Die großen Gemälde von Friß Ma>ensen und Karl Vinnen bestimmen hier den Eindru>. Unter den Düsseldorfer Gemälden fällt besonders das Kolossalgemälde .Rü>kkchr von Rußlands Schneefeldern 1812“ von Arthur Kampf auf; daneben E man Olof Jernberg’s „Wald- inneres im März“, Kämpf's „Begräbnißbild“, die „Sitörfischer“ von Dirk3, die „Bauerahochzeit* von Bernhard Winter und Landschaften von Hermann Lasch. E s Hieran s<licßen sih die drei Säle: der Münchener (golden), der Dresdner (bläulic)) und der Karlsruher Sezession (grün) (31—33). Unter dea Werken der Münchener Meister begegnet man Arbeiten von Freiherr von Habermann (Bacchantin, Herodias, Damenbildniß in roth), Herterih (Ophelia), Stu> (Pallas Athene, Bildniß des General- Musikdirektors Levi) und Paul Schulge-Naumburg („Der Reiter“); besonders fallen in die Augen drei breit gemalte Thierstücke von Rudolf Schramm aus Zittau. In der Mitte des Dresdner Saales steht eine Marmorgruppe „Mutter und Kind“ von Pöppelmann ; ferner findet man hier hervorragende Werke von Karl Banter, Wilhelm Ritter, Pieis@mann, Sterl, Pepino, Müller-Breslau und Anderen. Unter den Karlsrubern endli ragen hervor die Werke von Graf Leopold von Kal>reuth („Gewitterwolken“, „Unser Leben währet 70 Jahre“), dann Kallmorgen („Maas bei Rotterdam“), Schönleber („Enzwehr“), Carlos Gretbe (drei Seestüke), Pößelberger (,Waldes8- fühle“) und Hans von Volkmann („Abendfonne“).

Durch ein eigenartiges Portal gelangt man dann zu der Ober- litnishe (34), die Adolf Hildebrand's „Lana® birgt, und links \{reitet man dur eine Reihe von Zimmereinribtungen: BVorraum (35) von Bruno Paul (Vereinigte Werkstätten in München), Deutsche Stube (36) von Hermann Billing in Karlërußbe; Treppenhaus (37) von Max Rose in Dresden mit Kaminnishe von Max Läuzer und Glasgemälde von Josef Golier, Speisezimmer (38) von Martin Dülfer in München; Zimmer 39 mit Möbeln von Johann Ernst Sattler in Loshwit, Kunstrerglasung von E. Pro<h in Wory3wede (ausgeführt von Gebr. Liebert in Dresden); Jagdzimmer (40) von Hans (E. Berleps< in München; Kinderzimmer (41) von Otts Übbelohde unnd Karl Berts<; Ziwmer 42 mit Möbeln von Ludwig Hoblwein, ausgeführt von A. Pössenbacher, und Glasfenster von Richard Müller; Zimmer 43 mit geshnitzter De>ke und gemaltem Glasfenster von Otto Gußmann in Dresden; Musikzimmer (44) von Richard Rimershmid (Vereinigte Werkstätten in München). Saal 45 endli enthält 29 Bildwerke von Adolf Hildebrand.

Literatur.

In Paris ist, wie „W. T. B.“ meldet, geftern der bekannte Lustspieldihter Edouard Pailleron, Mitglied der Académie Frangçaise, gistorben. Er war am 17. September 1834 ebendaselbst geboren und begann seine Laufbahn als Kanzlist bei einem Notar. Ein Einakter „Le Parasite“, mit dem er im Jahre 1860 im Odéons Theater debütierte, während er gleichzeitig einen Band satirischer Gedichte „Les Parasites“ herau8gab, bahnte ibm den Weg zum Théâtre Français. Hier gelangte im Jahre 1863 sein „Dernier quartier“, worunter die leßte Phase einer Flitter- wochenzeit zu verstehen is, zur Aufführung. Geringeren Erfolg hatte Pailleroa mit einem ebenfalls no< in Versen geschriebenen, dreiaktigen Lustspiel „Le second mouvement“ (1865), auf das im Jahre 1868 der Einakter in Prosa „Le monde l’on s’amuse* folgte. Erst 13 Jahre später erschien das Werk, das ihn berühmt machte und eines der bewährteften Zugstü>ke des Théâtre Français werden follte, „Le monde l’on s’ennuie“ (1881), ‘das mit seinen Anspielungen auf die akademishe Welt und den Salonphilosophen Caro nicht verhinderte, daß der Verfasser kurz darauf (1882) zum Mitglied der Akademie gewählt wurde. Vorher hatte Pailleron die Stüke „Faux ménages“ (1869), „Hélène“, „L’autre motif“ (1872), „Petite pluie“ (1875), „L’étincelle“, „L’âge ingrat“ (1879), „Le chevalier Trumeau“ (1880) aufführen und zum theil in der Zeitschrift „Revue des Deux Mondes“ ers<einen lassen, der er als Shwiegerfohn Buloz?, ihres Begründers, nahe stand. Nach „La Souris“ (1887) folgte im Jabre 1893 „Cabotins“, eine Satire auf das Komödianteathum in der Politik, der Kunst- und Schrift- stellerwelt, in der Coquelin der Jüngere sich selbs auf der Bühne karifierte. Die meisten der vorgenannten Stüde sind übersezt au auf deutshen Bühnen mit Erfolg in Scene gegangen. Minder be- fannt sind bier die Gedichtsammlungen des Nerstorbenen: „Amours et haines* (1869, neue Ausgabe 1888), „Prière pour la France“ (1871) und „La Poupée“ (1884).

Land- und Forftwirthschaft. Saatenstand in Oesterreich.

Berit des K. K. A>kerbau-Ministeriums na< dem Stande zu Mitte April 1899.

Obgleich die Winterfaaten größtentheils bloß lagen, da es an der shüßenden Schneede>e fehlte, überwinterten dieselben doch ver- hältnißmäßig re<t gut, und sind nur spätgebaute Saaten, die unter der Trockenheit und dur< Spätfröste zu leiden hatten, s{<ütter ge- blieben, jedo< zumeist ni<t in dem Maße, daß Uma>erungen noth- wendig geworden wären, worüber Nachrichten nur aus einigen Gegenden Ober-Oesterreihs vorliegen. Die Saaten konnten im Herbste meisten- theils frühzeitig in den Boden gebra{t werden, haben fich fast ausnahmslos \{ön besto>t und zeigen einen re<t günstigen Stand. Im allgemeinen hat Weizen besser als Roggen überwintert und steht besonders in einigen Distrikten von Görz fehr üppig. Die Märzfröfte haben jedo häufig ein Gelbwerden der Blattspißen bewirkt. Die im Monat März eingetretene kühle Witterung rief einen Stillstand“ in der Vegetation hervor, und wärmere Tage wären nun {hon sehr erwünscht. Raps hat nur in Galizien und in der Bukowina gut überwintert, und es haben dieser Frucht daselbst au< die Spätfröste niht viel geschadet. In Böhmen und Mähren jedo<, wo der Raps im verflossenen Herbst häufig {hon fehr unglei<h aufgegangen war, stehen diese Saaten shütter, und mußten uicht selten Uma>erungen vorgenommen werden, Infolge der günstigen Witte» rungsverhältnisse konnte die Bodenbearbeitung leiht und früh- zeitig bewerkstelligt werden, sodaß shon anfangs Máärz, vereinzelt sogar {on Ende Fehruar, mit dem Anbau der Sommerungen be- gonnen werden konnte und derselbe nicht selten {hon zu Mitte März beendet war. Namentlich mit dem Bau von Hafer ist man in den Alpenländern in diesem Jahre ziemlih vorgeschritten, und geht derfelbe in geshügten fonnseitigen Lagen bereits auf. Der Wettersturz um Mitte März ließ eine Unterbrehung in den Bestellungsarbeiten ein- treten oder verzögerte dieselben, sodaß man in den rauheren Lagen der Gebirgsländer und des Ostens vereinzelt erft eßt mit der Aussaat beginnt. Auch hatte die ungünstige Witterung zur Folge, daß der Same {wer ankeimt und die früb- gebauten Saaten in der Entwi>elung sehr gehemmt sind. Vor- geschritten ist der Anbau im allgemeinen in Nieder-Oesterreih, Mähren und zum theil in West-Galizien. Auh der Maisbau ist dur die fühle Witterung verzögert und no< weit zurü>, sodaß man selbst in den südlichen Gegenden erst mit demselben beginnt. Klee steht nur in den Alpenländern besser. Sonst hatte er in der mittleren Birr! ferner in Böhmen und Mähren vielfach dur< dic Trocken- eit zu leiden. Auch der Mangel der Scneede>e maht ih

fühlbar, und sind namentli< bei zweijährigen Klecshlägen öfter Auswinterungen zu verzeihnen, sodaß diefelben zumeist \<ütter

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