1899 / 106 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Theater und Musik,

l A es L Slieah Vor ausverkauftem Hause ging gestern Henri en’s Schau- spiel „Die Frau vom Meere“ zum ersten Mal in Scene. Ob das darin behandelte myftishe und s<wer verständliche psyhologiiche roblem von der unter suggestivem Einfluß stehenden Seele einer froa bei dem Stammpublikum des Theaters die rechte ürdigung Finden wird, H bei den Wiederholungen des Werkes deutliber zeigen als gestern, wo die Zu- schauer in der Mehrzahl aus Elementen zu ammienseßten, denen das Schauspiel ni<t mehr fremd war. Jedenfalls ift die Aufführung ein interessanter Versu, eines der am meiften um- ftriitenen- dramatishen… Arbeiten des norwegischen Dichters einem naiven und unbefangenen Publikum vorzuführen, und man därf ge-

spannt fein, ob dieser Versu glú>zn wird. Ueber die Darstellung

läßt fich nur mit der größten Achtung berichten. In erster Linie muß man die vortreffliche Regiéeführung des Herrn Patry lobend hervorheben, welher das usammenspiel, der in dem Werke vorherrshenden Stimmung entsprehend, auf das feinste avgetönt hatte. Nicht minder Anerkennen8werthes bot der Genannte au< als Shauspieler in der wichtigen Rolle des Dr. Wangel, welchen er s{<li<t aber eindru>svoll zu verkôrpern wußte. Seine Gattin Ellida, wel<he unter dem geheimnißvollen Ginfluß des fremden Seemanns stebt, dem sie folgen zu müssen glaubt, bis fie dur<h das Wort ihres Gatten, daß si: frei und unter eigener Ver- antwortung zu handeln babe, von diesem Wahn befreit wird, fand în Frau Wie>e eine Darfteklerin, welche ihrer Aufgabe volles Verständniß entgegenbrahte und der Gestalt gleihzeitig einen gewinnenden poetischen Reiz verlieh. Die mysti:he Persönlichkeit des fremden Seemanns wurde von Herrn Froböse charakteriftis< und unheimli<h wieder- gegeben, sodaß sie einen tiefen Eindru> hervorrief. Auch die Nebenrollen waren dur<gehends vorzüglich beseßt. Den biedern, în seine ehemalige Scülerin Bolette Wange! verliebten Oberlebrer Arnholm zeichnete Herr Gregori in Feiner drolligen Unbebolfenbzit sehr alaubwürdig, au fand er in Frau Grete Meyer eine treffliche Pie. Die Rolle der Hilda Wangel spielte Fräulein Gertrud Samosh, die Tohter des bekannten Redakteurs bei der _eNational- Zeitung“, wel? an diesem Abend zum ersten Mal die Bübne betrat, wit überrashender Sicherheit und natürliher Frische. Den shwind- sühtigez Lyngstrand gab Herr Bad svmpathish und ohne Ueber- treibung, den Ballested Herr Laurence mit ungefünstelter Komik. Lessing-Tbeater.

Gestern Abend eröffnete Fräulein Adele Sandro> ein Gast- spiel mit der Relle der Magda in H Sudermann’s Schauspiel „Heimath“. Die Künstlerin konnte darin alle ihre glänzenden Mittel, über die sie als Heroine gebietet, voll entfalten : boheitévolle und do grazióse Bewegung, die vornehmen Gesten und den tiefen WobUlaut ibrer Stimme. So trat sie als große Sängerin und Siegern în dem wilden Kamvse des L:bens in das enge, bescheidene Gemah des Vaterhausecs, das no< in derselven friedlichen Einsamkeit und in dem gleichen Halbdunkel dazuliegen schien, wie zu ibrer Jugendzeit. Die Gestalt wurde jedo in dem Augenbli> eine andere, als man bier an ibrer Vergangenheit Kritik üben wollte; unter der stolzen Abweisung stieg ein stiller Sómerz auf, der dew Frieden der Heimath natürli< entsprofß. Ibr seghaftes Frobloden über daë glüdlih erreihte Ziel vermodte aber den brennenden Shwerz und die innere Empörung nit zu übertônen, welhe in der trauten Heimath, an der Stätte ibrer \{uldlofen Jugend in ihr aufflammte, weil sie dur< die Wasser ber Trübsal und Erniedrigung hatte schreiten müfseri, um so be< zu steigen. “Dikse Stimmung betonte die Darfiellerin stark und ergreifend, sodaß ihr Siege8- juvel ia der großen Scene mit ibrem untrezen Freunde in Schlu@zen unterzing. Anh die demütbige Ergeb-nbeit gegen den gret]en Vater erfüllte diese Magda fo, daf selbft ihr ftarrer Trotz und ibre beftigste Selbftarklage dem Vater gegenüber nur geienkten Hauptes, mit Wehb- ruts in der Stimme, ¡zum Auédrvu> kamen. Die Künstlerin stellte alio eine veredelte, verinnerlihte Magda auf die Vübne, sodas ibr mt Met die fstürmishe Anerkennung (é- bübrte, die durh das Haus brauste. Neben dem Gast boten no< Herr Pfeil alé Vater, Fräulein Marie Meyer _als nah- giedige Gattin und Frau Sauer in der Nolle der Shwrefter Marie vortreFlide Leistungen dar. Herr Lalm hätte als Regierungs-Rath ven Keller frischer und lebensrcoller sein und deutlicher spreten sollen. Herrn Jarno's Pfarrer Heffterdingk bebielt einen grämlihen Ton troß der Aevferungen milder Menschenliebe.

Für die Vorstellungen der „Fledermaus“, welhe am 8. und 10. d. M. zum Besten des „Berlin-Brandenburger Heilftäiten- Vereins“ und des „Volks - Heilstätten - Vereins vom Rothen Kreuz“ im Königlichen Opernhause stattfinden, sind a0 besondere U-eberrashungen in Aussiht genommen; 10 wird unter anderem Fräulein dell’Era bei dem Ballfeft im 11. Akt den

Walzer „Neu-Wien® tanzen, während Frau (Rosalinde) eine be- sondere Gesangsnummer einlegt. Gli fei darauf hingewiesen, daß in Berlin bisher das Strauß’s<e Werk no< niemals von Künstlern der Königlichen Oper zu Gebör gebra<ht worden ift. Täglich finden unter Leitung von Kapellmeister Richard Strauß die sorgfältigsten Ensembleproben ftatt. Es ift ni<t unwabrseinli, daß der Komponist Herr Johann Strauß der an ihn ergangenen Ein- laduna, den beiden Vorstellungen beizuwohnen, Folge leisten wird. ImSchillex- Theater wird der Schwank „Zwei glückliche Tage“ von F. von Schönthan und G. Kadelburg am Mittwoch, den 10. Mai, zum ersten Male aufgeführt. Ibsen?s Schauspiei „Die Frau vom Meere“ wird bis dahin tägli, mit Ausnahme des Sonntags, gegeben werden. h E Im Lessing - Theater. wird morgen, Sonnabend, „Cyprienne in Verbindung mit „Abstiedsfouper“ gegeben. Fräulein Adele Sandre> spielt als Gast die Rolle der Cyprienne und die der Annie, Die Rolle - des Prunelles liegt in den Händen des Herrn Leisner, die des Oberkellners wird von Herrn Waldow dargestellt.

Mannigfaltiges.

In der gestrigen Sihung der Stadtverordneten nahm der Vorsteher Dr. Langerhans zunäwst das Wort, um dem verstorbenen Reichêgerihts - Präsidenten a. D. De. Eduard von Simson einen warm empfundenen Nachruf zu widmen. Stehend batte die Versammlung die Worte ibres Vorstehers an- gehört, und dann_ besloß sie, an der Trauerfeier für Dr. Œduard von Simson sh dur< eine Deputation von ses Stadtverordneten “zu betheiligen; außerdem werden, der Norsteber Dr. Langerbans und féin Vertreter Michelet der Feier in der Neuen Kirche beiwobnen. Es folgte darauf die Berathung über einen von den Stadtvv. Freu Freitling und Genoffen ein- aebrahten Antrag, an den tinister des Innern eine Eingabe um Mittheilung der Gründe, weshalb die Bestätigung der Wabl des Bürgermeisters Kirschner zum Ober - Bürgermeister bieber nit erfolgt sei, zu rihten. Nach Empvfeblung des Antrags dur< den Stadiv. Kreitling und na<h weiteren Reden der Stadtvv. Cassel, Schulz, Singer, Spinola, Sas 11 und Dr. Langers bars wurde der Antrag in namentliher Abstimmung mit 71 gegen 99 Stimmen abgelehnt. Mit der Vorlage, betreffend die Ueber- weisung von Büchern der Bibliotheken hiesiger städtischer Lehranstalten an die zu errichtende Kaiser-Wilhelm-Bibliothek in Pofen, erklärte sch tie Versammlung etuverstanden. Die Vorlage, betreffend die An- re<nung außerdeutsher bezw auferpreußis<der Schuldienstzeit auf das Besoldunasédienstalter bei zwölf Gemeindelebtern, wurde auf Antrag des Stadtv. Dr. Gerstenberg an einen Auss{ufß verwiesen; ebenfo ein Antrag der Stadtvv. Ulri und Genossen, betreffend die Ueker- nabme der Simeonfstraße in die städtisce Verwaltung, und ein Antrag der Stadtvv. Walla und Genossen, betreffend die Verbreiterung der Alten Jakobstraße vor den Grundstü>ken 20 bis 22. Zu dem Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose bes<loß die Versammlung die Stadtvv. Dr Neumann und Dr. Ruge zu entfenden. Auf die öffentliche folgte eine geheime Sißzung.

Die Berliner Unfallstationen sind im Monat April d. J. in 2907 Fällen, gegen 2299 im gleihen Monat des Vorjahres, für erfte Hilfe in Axsprub genommen worden, urid zwar 2469 mal bei Unfällen und 438 mal bei plöôßlihen Erkrankungen. In den Stationen wurden 2678, außerhalb derselben 229 Personen behandelt. Mit den Kranfkenwagen der Unfallstationen wurden im verfloffenen Monat 131 Tranéporte auégeführt. Die Zabl der polizeilicherseits den Stationen übergebenen Personen betrug 166; die unentgeltliche Ju- anspru<hnabme von Eis bei Krankbeitéfällen geswab in 124 Fällen.

In den Zentral-Aus\<uß für das Zusammenwirken von Sanitätswachen, Unfallstationen und der Rettungs- gesells<aft sind seitens des Kuratoriums der Berliner Unfall- stationen zu Delegirten gewählt worden die Herren Direktor B. Knoblau<, Direktor Mar Schlesinger, Dr. Paul Frark und ju Stellvertretern der Delegirten die Herren Fabrikbesißer Carl Hefkiriegel, Sanitäts-Rath Dr. Heyder und Fabrik-Inspektor G. Molkenthin.

Im städtischen Obdach befanden fi<h am 1. April 42 Familien mit 142 Personen, darunter 15 Säuglinge, und 69 Einzelperfonen. Am 1. Mat war der Bestand 30 Familien mit 103 Perfonen, dar- unter 14 Säuglinge, und 69 Einzelpersonen. Das Asyl für nächtliche Obdatlose daselbt benußten im Laufe des Monats April 33499 Per- sonen, und ¿zwar 32 881 Männer, 618 Frauen. Von diesen Perfonen wurden 17 dem Krankenhause Friedrihéhain, 33 dem Krankenkbause Moabit, 17 der Charité, 2 der Anstalt Wuhlgarten, 41 der Ge- i<l-<itfrantenstation, 79 der Hilfs-Krankenftation des Obdachs über- wiesen, 76 (69 Männer, 7 Frauen) der Polizei vorgeführt.

Auf der Treptower Sternwarte foll von der nähsten Wote an mit dem Riesen-Refraktor der Swift'\che Komet ge- zeigt werden. Derselbe rü>t jeyt immer mehr aus den Strahlen der Sonne heraus, gebt von Mitte Mai an für Berlin nit mehr unter und erreidt am 23. Mai schon die Höhe des Polarsterns. Aus diesem Grunde wird der Jupiter mit seinen Mondten nur uno< wenige Tage beobachtet werden. Am Sonntag spri<t Direktor F. S. Archenbold Raqhmittags3 5 Ubr über „einen Ausflug in das Weltall“ und Abends 7 Uhr über „die Weltuntergangs-Propbezeiungen“, unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder von Kometen und Sterrs{nuppen. In diesen Vorträgen wird auc die Helligkeit und der \<nelle Lauf des Swift’schen Ko- meten befonders erläutert werden.

Von dem wohlbekannten kleinen - „Berliuer Verkehrs - Eer (Verlag von Max S<hildberger, Berlin W.) erschien soeben die Sommer-Ausgabe 1899 (Pr. 40 <3). Mit seinem knappen und doc reichen Inhalt bietet datselbe ein Nahschlagebuh für das rg öf -ntlice Berlin, seine Sehenswürdigkeiten und seinen Verkehr.

ie Sommer-Fahrpläne der Straßenbahnen, der Omnibusse und Dampfschiffe weisen alle eingetretenen Kuts- und ifänderungen nah. Auch die _Eisenbahn-Fahrpläne sind nah amtli<em Material erneuert und ergânzt. Sowohl Fremden wie Einheimishen wird sh das Büchlein auch in der neuen Ausgabe als guter Rathgeber erweijen,

Aus Leipzig und Chemniß meldet „W. T. B.* vom geftrigen Tage S<hneefälle.

Hamburg, 4. Mai. (W. T. B.) “Die Direktion der Ham- burgischen Glektcizitäiswerkez macht bekannt: die Ursache der Stromfstörung (vgl. Nr. 105 d. Bl.) liege in einer Be- s<ädigung des Kabelneyes im Kanak unter den Schienen der Straßenbahn. Die Reparatur sei schr s{<wierig, [ed obwohl! Tag und Nacht gearbeitet werde, vor Freitag Abend oder Sonnabend früh ein Strom nicht zu liefern sein werde. Dié Erregung / über die empfi-dlihe, anhalténde Störung jatlreicher Gef@äftsbetriebe ift eine allgemeine. Die Angelegenheit soll zum Gegenstand einer Inter- pellation in der Bürgerschaft gemacht werden,

Sit. Petersburg, 5. Mai. (W. T. B.) Auf Befebl Seiner Majestät des Kaisers wurden der Kasse.des „Rothen Kreuzes" neuerdings 1} Millionen Rubel überwiesen. Dieselben sollen zu Gunsten der notbleidenden Bevölkerung in den sieben östlihen Gouvernements für Verpflegung und ärztliche Hilfeleistung verwendet werden.

Tournai, 4. Mai. (W. T. B.) Heute Morgen expl odiert e auf der Schelde in der Nähe von Tournai der Dampikessel ein es Schiffes. Drei Arbeiter, die auf dem De> bef{häftigt waren, wurden infolge der Explosion in die Luft ges<leudert; ihre verftünmelten Gliedmaßen fielen in weiter Entfernung am Ufer nieder. Man glaubt, daß außerdem no< eine Frau und mehrere Kinder getödtet worden seien. Das Schiff ist gesunken.

Atben, 4. Mai. (W. T. B.) Eestern Abend haben in den südlihen Gegenden des Peloponnes neue Erders<ütte- rungen stattgefunden. Die Stadt Ligudista hat fehr gelitten; zahlreihe Häuser sind dort eingestürit oder rifsig geworden. An anderen Orten ift der angerihtete Schaden weniger bedeutend.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Budapest, 5. Mai. (W. T. B.) Jm Unterhause erklärte heute der Minister - Präsident von Szell, & müsse auf gewisse Aeußerungen des Abg. Pichler in der leßten Sißung zurüc>kommen. Der Abg. Pichler habe das Vorgehen Bayerns, welches den Verkehr auf der Donau von Regensburg aufwärts hindere, mit scharfen Worten als flagrante Dea der internationalen Ver- träge hingestellt. Er (der Minister-Präsident) müsse diese Aeußerung über ein Land, mit welchem Ungarn in freund-

scaftlihem Einvernehmen stehe und das mit Ungarn als der L Geburtsstätte seiner ersten Königin Gisela und seiner viel be- F

trauerten Königin Elisabeth dur die Bande der Pietät ver- knüpft sei, als unzulässig bezeichnen.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

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Wetterbericht vom 5. Mai; 8 Uhr Morgen.

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1) Reif. Uebersicht der Witterung.

Die Zunahme des Luftdru>s hat auf dem ganzen Gebiet fortgedauert. Ein 775 mm übersteigendes Marimum liegt über Nordschottland, e

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Winden ift das Wetter in Deutschland kalt und

im Binnenlande iff wieder vielfah Regen gefallen, 23 mm zu Grünberg.

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Königliche Schauspiele. Sonnabend : Opern-

in cinem Prolog und 4 Akten von Cen Le | Nachmittags 35 Uhr: Borne. Text von L. Tiercelin und L. # tung von A. Brunnemann. Ballet von Emil Graeb. “Anfana 7# Uhr. Schausvtelbaus. T | Male: Die Krone. Cork, Queens | 5 Aufzügen von Anton von Perfall. In Scene} * ire (6 gesezt vom Regisseur Georg Droefcher. Dekorative | Hofer, Sonnabend: Gastspiel vvn Adele Sandrc>. Einrichtung von- Ober-Inspektor Brandt. Anfang Cyprienns. Ar Sah 2, Heimath Sonntag : Gastspiel von Adele Sandrodk. Heimaty, L j Ä onntag: Opernhaus. 116. Vorftellung. Rienzi, Montag: Im weißen Rößl, Vereheliht: Hr. Graf Fredy von Perponher der Letzte der Tribunen. Große tragische Oper LEE in dia in 5 Akten von Richard Wagner. Graeb. Anfang 7 Ubr. Schauspielhaus.

von Perfall. Anfang 7$ Uhr.

Vorher: Mutterherz. Anfang 7# Uhr. Natbmitiaas 24 Uhr: Nora. Abends 74 Ubr: Die Gefährtin. Der grüne Kakadu. Paracelsus.

Montag: Die Gefährtin. Der grüne ftraße 7/8. Kafkadu. Paracelsus.

Berliner Theater. Sonnabend: Zaza.

Sonntag, Nachmittags 24 Uhr: Faust, erfter Theil. Abends 74 Uhr: Das Erbe.

Montag: Zaza.

Sthiller-Theater. (Wallner-Theater.) Sonn- einer Depression von etwa 755 mm jenseits der | abend, Abents 8 Uhr: Die Frau vom Meere, | contrôleur des

Aipen. Bei shwaen nordwestlichen bis nordöftlihen | Schauspiel in 5 Akten von Henrik Ibsen. Sonntaa, Nachmittags 3 Uhr: Des Meeres | tragung von

trübe; nur in den r. ordwestlihen Gebietstbeilen und | und der Liebe Wellen. Abends 8 Uhr: Der | Einfiedler, an der oftdeutshen Küste herrscht heitere Witterung ; Herrgotischnizer von Aumergau,

Montag, Meere.

Deutsche Seewarte.

Zar und HZimmermanu.

eater, Th 3 Akten von Albert Lorßing.

Montag: Undine.

121, Vorstellung. Zum erften Dramnatisches Märchen in

Ballet von Emil Yeues Theater.

Theater.

Belle-Alliance-Theater.

Pech-Schulze. 8 Uhr.

Lautenburg. Sonnabend :

3 Akten von Alexandre Bifson.

Luftspiel in 1 Sacobson. Anfang 7# Uhr.

Abends 8 Uhr: Die Frau vom

Theater des Westens. Sonnabend : Volks- thümlihe Opern-Vorstellung zu halben Preisen:

Ñ Freishüßs. Abends 7F Uhr: Gastspiel von 1. Ballet ranceë<ina Prevosti. La Traviata. (Bioletta.) E QUBREET ti E E R V R S T t: E

129. Vorstel SiS dds Direktion: Nusha Buye. 4. Borsleung. e Krone, bend: . Lustspiel in 4 Akten von Dramatishes Märchen in 5 Aufzügen von Anton uns M O Ubr 7

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu halben Preisen: Are ns ne EE E Laa pen Moliòre. S : ends r: Eine Liebesheirath. Ma) Ms Montag : Eine Liebesheirath.

Sonnabend: Emil Thomas-Cyclus. Große Gesangs8posse mit Ballet und dem Damentrompeter-Chor „Bisera“. Anfang H

Sonntag : Dieselbe Vorstellung.

Residenz - Theater. Direktion: Gaftspiel von Tewele. Der Schlafwageu - Kontroleur. (Le wagons - lits.) In deutsher Ueber- enno Jacobson. Akt von Benno

Sonntag und folgende Tage: Gastspiel von Franz Tewele. Der Schlafwagen- Kontroleur. Borhber: Zum Einsiedler.

Thalia - Theater. Oresdenerftraße 72/73.

Komische Oper in | S nnabend: Berlin bleibt Berlin. Große Ge-

sangspofse in 4 Bildcra von Guthery und

Sonntag, Mittaçs 12 Ubr: Matinée : Historisch- W. v. Hoxar. Musik von Fri Krause. Anfang

L Mi f Moderne Festspiele: Troïlus und Cresfida. 115. Vorstellung. Mudarra. Große Oper Zu halben Preisen: Der 74 Ubr.

Sonntag: Dieselbe Vorftellung,

Familien-Nachrichten,

Lessing-Theater. Direktion: Otto Neumann- | H x[obt: Frl. Eva Haenish mit Hrn. Leut. Alfred

Liebe (Köslin). Frl. Gertrud Eger mit Hrn. Polizei-Leut. Hans Praust (Berlin).

mit Gisela Gräfin Lüttihau (Berlin). Hr. Oberleut. von Plehwe mit Frl. Martha von Plehwe (Berlin). Hr. berleut. Walther von Erdmannsdorf mit Brigitte Freiin von Zedliß und Neukirch (Nieder-Kauffung).

Geboren: Ein Sohn: Gi: Oberförster W. Luther g FLIR), Hrn. Rittmeister von Velt- heim (Rathenow), Hrn. Hans von Glisczinsk Klein-Loiß). Eine Tochter: Hrn. Pfarre!

nton Niendorf (Spaaß).

Gestorben: Fr. Geheime Sanitäts-Rath Gertrud Ulri, geb. Aren G, T, Pertwo. E Geheime ustiz-Ra uguste Tenzer, : Sghuster (Berlin). Verw. Fr. Pastor Faber (Goslar).

Belle - Alliance-

Verantwortlicher Redakteur: Direktor Siemenroth in Berlin.

Sigmund Verlag der Gxpedition (Stolz) in Berlin.

Franz | DruF der Norddeutshen Buchdrud>erei und Verlag® Anftalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Sieben Beilagen (cins<hließli< Börsen-Beilage).

S@{wank in

Vorher: Zum

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger

1 106.

Berlin, Freitag, den 5. Mai

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Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner und der Verkaufswerth auf volle Mark abgerundet mitgetheilt.

Weizen.

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Gerfte. 12,50 13,00 ‘|: 13:00 | 11,80 1210| 12,50 S 13,50 13,50 _ | —— 11,50 j 12,00 12,40 12,80 13,00 _—_ j 15,50 15,80 16,00 16,00 | 16,60 16,80 17,00 17,20 16,60 16,80 16,80 T; 17,00 al 114005 16,BO 16,75 ! 4A

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625 12,50 12,10 | 684 11,40 11,40 | 80 13,35 12,90 | 606 12,10 12,12

383 16,65 17,13 | 475 16,95 1719 | 50 16/67 ¿

443 14,77 14,50 | 3 350 13,40 12,13 | 702 11,70 11/70 4 999 12,70 13,22 1 860 12,40 12,20

910 15,17 15,00 | 102 17,00 V 477 15,40 15,10 4. 464 14,50 1459 [5 98/4

4

184 14,15 14,50 27. 34 17,09 x | °

Der Dur<hschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berenet

Gin liegender Stri (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, daß der betreffende Preis niht vorgekommen ift, ein Punkt (. ) in den leßten se<s Spalten, daß entsprechender Bericht fe blt.

Deutscher Reichëtag. 76. Sißung vom 4. Mai 1899, 1 Uhr.

Die Berathung der Anträge des Zentrums wegen der Errichtung von Arbeitskammern und der Abgg. Dr. Pachni>ke (fr. Vgg.) und Roesi>e- Dessau S P45.) wegen Errichtung eines Reihs-Arbeitsamts, fowie die dazu gestellten Abänderungsanträge des Abg. Freiherrn Hehl zu Herrnsheim (nl.), beireffend die Ausgejstaltung der gewerblichen E IE, wird fortgeseßt.

Abg. Bebel (Soz.): ie Debatte habe gezeigt, daß Herr von Stumm und Herr von Kardorff mit ihren Anschauungen in der Arbeiterfragé ziemli isoliert im Hause daständen, daß sie keine Mehr- heit binter fi hätten. Er nehme deshalb au ihre Forderung wegen eines Auênahmegeseßes niht mehr ernsthaft. _Die Zeit für fol<e komishen Käuze sei vorüber. Erl ent Graf von Ballestrem erklärt den Ausdru> „komis<he Käuze“ gegenüber Mitgliedern des Reichstages für niht parlamentaris<h.) Als die Sozial- demokraten den Antrag wegen der Arbeitskammern einbraten, hätten fie keine Zustimmung gefunden. Es sei ein großer Erfolg, daß jeßt die Gegenparteien diefen Antrag angenommen hätten. Das habe er (Redner) im Jahre 1885 schon vorautgesagt. Es sei aber ver- wunderlih, daß man glaube, wenn der Antrag Gese würde, dadur die Sozialdemokratie zurü>drängen zu können. Die Behauptung des Abg. Kropatshe>, daß alles, was Sozialpolitishes geleistet worden sei, gegen die Sozialdemokratie geleistet sei, sei riht wabr. Ohne die Agitation derselben wäre ni<hts von dem geleistet worden, was erreicht sei; das habe auh Fürst Biémar> selbft offen an- erkannt. Wie im allgemeinen die Arbeiterfreundlihkeit autsehe, das zeige das Verhalten des Abgeordnetenhauses gegenüber den ländlichen Arveitern, und es gebe Manche, die dasfelbe Berfahren den Industrie- arbeitern gegenüber eins<lagen möten. Herr Kropatshe> habe au die Meinung ausgesprochen, daß die Sozialdemokratie nit in den Reichêtag gehôre, weil fie die Gefellshaftsordnung nit anerkenne. Die Volksvertretung müsse aber alle Gesellshaftë- Pafsen repräfentieren, und so lange nicht die Arbeiterklafse be- seitigt worden sei, werde au< die Vertretung derselben nicht beseitigt werden tönnen. Wenn man auth eine ganze Reihe Marxistisher Auf- jafsungen beseitigt Habe, so werde die Sozialdemokratie do be- stehen, wie fie {hon vor Marx bestanden habe, ja fie werde mit der Entwickelung der kapitaliftishen Wirthschaftsordnung zu- nehmen. Daß das Uebergewiht der deutshen Industrie in der Disziplin der Arbeiterschaft liege, wie der Abg. Frei- herr von Stumm behauptet habe, sei nicht ri<tig. Allerdings sei e Disziplin vorhanden, aber ohne die Intelligenz würde sie nihts edeuten. Die Arbeitgeber hätten ja au< hon vielfa, wenn au

widerwillig, zugestanden, ; / ) demokraten es nden, daß die intelligentesten ihrer Arbeiter Sozial

Abg. Hilb> (nl.): Herr Büsing hat {on erklärt, daß nicht alle meine Parteifreunde dem Antrage des Freiherrn von Heyl zu-

stimmen. Aber troßdem nehmen wir dasselbe warme Herz für die Arbeiter in Anspru< wie die Antragsteller Wenn wir auf dem Gebiete der Sozialpolitik nicht fo shnell vorgehen wollen, wie Herr Bebel wünscht, so wissen wir sehr gut, daß erst das Alte si< bewähren, daß das Neue erst geprüft werden muß. Die Gewerbeordnung feiert insofern ein Jubiläum, als jeßt die fünfundzwanzigste Novelle dazu in Berathung ist. Die Gewerbeordnung ift dana< sehr maugelhaft gewesen und wird no< mancher Aenderung bedürfen. Ich habe niht gedaht, daß es unsere Aufgabe wäre, \{<öne lange Reden zu balten, die in der Parteiprefse nahher abgedru>t werden, um den Wählern zu zeigen, was für prächtige Vertreter sie haben. Fch hatte gedaht, daß in den Kommissionen die aründlihe Arbeit die Hauptsache wäre. Aber die Melsege werden ni<t gründlih genug vorbereitet, sonst hätten wir niht soviel Abänderungen zu machen. Ich habe die Schrist des Herrn Hiße über die Arbeitskammern mit großem Interesse gelesen. Aber ih habe vermißt, daß er die kritishe Sonde des täglihen Lebens und der Erfahrungen der Arbeitgeber angelegt hat. Denn die Vorschläge find nicht brauhbar, weil fie den Arbeitern niht nüßen. Die Ziele find viel zu weit geste>t. Wenn die Arbeitekammern ins Leben getreten wären, so würden die Gemeinden nur no< für die Aufbringung der Mittel zu sorgen baben, der eigentlihe Stadtdirektor würde der Sekretär der Arbeitskammer sein ; die Stadtverordneten würden garnihts mehr zu sagen haben. Die Sekretäre der Arbeitskammern würden doch mindestens dasselbe Gehalt haben müssen wie die Handelskammer- Sekretäre, also 8000—9000 # Welches Gehalt wird nun erst der Vorsitzende der Kammer beanspruhen? Wenn in Dort- mund cine Arbeitskammer mit 5 Sektionen à 5 Arbeiterbeisißern ein- geritet würde, fo würde eine solhe Sektion auf die ctwa 8000 Arbeiter beschâftigende Eisenindustrie entfallen, also auf 1600 Arbeiter ein Bei- sitzer. Wird man dadur< eine besonders euge Füblung mit den Arbeitern gewinnen ? Eine bessere und engere Füblung ift im kleineren Kreise wobl leichter zu erreihen als dur< solhe Organisation. Bei den Wablen werden natürlih die Sozialdemokraten siegen, aber nicht diejenigen, welhe mit den Arbeitgebern praktis zufammenarbeiten wollen. Redner trägt mehrfahe Erfahrungen aus dem Gewerbegerichte in seiner Heimath vor, die niht besonders ermuthigend feien.

Abg. Roesi>e- Deffau (b. k. F.): Herr von Stumm und s bon Kardorff haben mih versönli< beftig angegriffen; Herr von Stumm hat mi< meinen Berufsgenofsen gegenüber verdächtigt und dadur jedenfalls meinen Feinden eine Angriff8waffe gegeben. Beide P baben mir Popularitätehasherei vorgeworfen; warum follte ih aber nah Popularität baschen? Die Sozialdemokraten werfen mi mit den Herren von Stumm und von Kardorff zur reaktionären Masse. Herr von Stumm zwingt mi, als Arkeitgeber mich gegen meine Stande8genossen zu wenden. Er stellt eben einen sonderen Typus der Arbeitgeber dar und besorgt dadur viel mehr die Geschäfte der Sozialdemokratie als die Arbeitgeber, die auf dem Boden der vorgelegten Anträge stehen.

r von Stumm verlangt ein Vorreht für die Besißer ; während ih im Besiß hauptsählih die Pflichten gegenüber den Besißlofen

erkenne, will Herr von Stumm nicht nur der Arbeitgeber, sondern au< der Vormund feiner Arbeiter fein; er will für si, aber nicht für seine Arbeiter das Koalitionére<t; er will die Sozialdemokratie unterdrü>en dur<h Zwangëmaßregeln, wir wollen fie zurü>drängen dur<h Reformen unter Anerkennung der Gleichberehtigung der Arbeiter. In dieser Gleihberehtigung liegt au<h die befte Disziplin, die niht allein von der Furcht beberrsht wird. Die gemeinsame Thätigkeit auf einem neutralen Boden kann in den Arbeiteraus- shüfsen, wo das Gefübl der Abhängigkeit von dem Unternehmer vor- banden ist, nicht gefunden nerden. Die Woblfahrtseinrihtungen find für die Arbeiter von großer Bedeutung, aber fie würden dieselben wobl gern preisgeben, wenn sie dafür ihre Gleihbere<tigung aufgeben sollten. Die Kaiserlichen Grlafse von 1890 nehmen wir zum Aus- angépunkt für unsere Aktion, während Herr von Stumm diese irlafje hier garniht zur Berathung stellen möchte. Wenn die Vor- lage zum Schuß Arbeitswilliger kommen wird, so werden wir uns wahrscheinli dagegen erklären. Eine Interpretation der Kaiserlichen Erlafse liegt in der Entlaffung des Minifters von Berlepsh nicht. Er ift nit entlafsen worden, sondern hat sein Amt aufgegeben, weil er sah, daß die Absichten der Kaiserlichen Grlafse zur Zeit nit aus- geführt werden konnten. Herr von Stumm findet bei den Kon- \servativen keine Unterstüßung; selbft die Nationalliberalen, welche gegen Arbeitskammern sind, dürften nit auf feiner Seite stehen. Die Koalitionsfreiheit ift einzig dur die Liberalen geschaffen worden, die Sozialdemokraten baben dabei ni<ht mitgewirkt ; Sozialdemokraten haben die Koalition8freibeit als das [<höônste Kind des Liberalismus bezeihnet. Die Sozialdemokratie wird nicht aufhören. I< möthie es als ein günstiges Omen betraten, daß zwishen unseren gestrigen und heutigen Ver- handlungen eine Verfammlung getagt hat, welche bes{lofsen hat, eine internationale Vereinigung zur Förderung des Arbeiter- {ues in Aussicht zu nebmen und eine deutshe Sektion zu begründen. Die Sozialdemokraten werden sih vielleicht nahträglih dieser Ver- einigung aller politishen Parteien no< anschließen. An einem solchen Frieden2werk mitzuarbeiten, werden wir uns nicht hindern lassen dur< die Herren von Stumm und von Kardorff und au niht dur die Verhandlungen des Abgeordnetenhaufes, welhe an die Stelle des Arbeitershußes den Schuß der Arbeitgeber seten wollen.

| Dl Freiherr pen zu Herrnsheim (nl.): Die Erklärung meines dilegén Büsing hat zu Mißverftändnissen Anlaß gegeben, als ob die große Mehrheit meiner Freunde gegen unseren Antrag wäre. Gr spra aber nur von einer großen Zahl. Die Mehrheit meiner reunde steht binter meinem Antrage. Wenn man uns zwar eine eblerbafte Methode, aber lautere Absichten zuspriht, so sollte man dieselbe vornehme Art der Kritik in der grofien Prefse ausüben, die unser Kollege Hilb> ausgeübt hat. In der Knappf aft8organisation find auch son die Sozialdemokraten vertreten, sodaß Herr von Stumm Gefahr läuft, durh Empfehlung dieser Organisation in das Fahr- wasser der Sozialdemokratie zu gerathen. Unsere Anträge sind nicht aus sozialdemokratis<en Anträgen hervorgegangen. Wir ftüßen uns auf die Grundsäße, die heute {hon im Gewerbegerihtsgeseß zum