1875 / 47 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

M | h M f H P P E O

Baarvorrath beschränkt hat, während im vergangerèn Jahre durh- \chnittlih immer 1,946,000 Crt.-A4 Privatbanknoten im Umlauf waren. Die Bank ist übrigens an verschiedenen jüngeren Falliments betheiligt, bot aber ni<t dadur< gefährdet zu werden, seht indeß denno< 8791 Crt. 11 Sch. für etwa entstehende Verluste ab. Der Gesammtumsay betrug 177,564,994 Crt.-/( 4 Sch., das ift 23 Millionen mehr als 1873.

Die nordbrabantis<-deuts<e Eisenbahn-Gesell- schaft (Boxtel-Wesel) legt, wie aus Amsterdam gemeldet wird, behufs Ausbau der Linie bis Wesel eine neue fünfprozentige hypothekarisde Anleihe von 4,509,000 Fl. zum Course von 78 % auf; davon fommen 14 Million in Holland, 3 Millionen Fl. in Lon- don bei der confolidated Bank zur Subscription.

Antwerpen, 23. Februar. (W. T. B.) In der heute fort- gescßten Wollauktion waren 1778 V. angeboten, von denen 1564 B. verkauft wurden. Die Auktion war belebt, die gestrigen Preise wurden voll behauptet.

London, 23. Februar. (W. T. B.) Zu der Wollauktion, die heute begann, sind 213,405 B. inländisher und ausländischer Wollen angefahren. Der Markt ist bis jeßt ganz unbelebt. Für australis<he Wollen wurden die Preise von der leßten Maiauktion, für Kapwollen die Preise von leßter Novemberauktion erzielt.

Kopenhagen, 23. Februar. (W. T. B.) Die National- bank wird von morgen ab den Diskont für Wechsel auf 453—54%, den Lombardzinsfuß auf 43% herabseßzen.

Weltausstellung in Philadelphia 1876.

Mit Bezug auf ihre allgemeine, die Anmeldungen zur Welt- ausstellung in Philadelphia betreffende Bekanntmachung vom 10. d. M., bringt die unterzeihnete Kommission zur öffentlichen Kenntniß, daß einem Erbieten des Hauptvorstandes der deutschen Kunstgenossenschaft zufolge, die Vorbereitung der deutshen Be- theiligung in Gruppe IX., plastishe und graphische Künste, dur Vermittlung der gedahten Genossenschaft erfolgen wird.

Es wird daher ergebenft ersucht, die Anmeldungen für diese Gruppe nit direkt bei der unterzeihneten Kommission, sondern bei den Vorständen der Lofkalgenossenschaften zu machen, welche, au rü>si<tli< der ihrem Verbande nicht angehörigen Künstler, für die Weiterbeförderung derselben Sorge tragen werden. Die Anmeldungen haben unter Berußung besonderer Formulare zu erfolgen, zu deren Mittheilung an die Betheiligten die Lokal- genossenshaften in den Stand geseßt sind.

Uebex die Zulassung der angemeldeten Kunstgegenstände wird demnächst durch innerhalb der Deutschen Kunstgenossen- \chaft gebildete JIuries entschieden werden.

Hierüber, sowie über die no< zu erwartenden näheren Vor- \<hriften der Centennial-Kommission bezüglih der Ausftellung in Gruppe IX. bleibt weitere Mittheilung vorbehalten.

Im Uebrigen bleiben au<h für diese Gruppe die allgemeinen in der Bekanntmahung vom 10. d. Mts. enthaltenen Bestim- mungen maßgebend. Es is daher insbesondere der auf den 15. März d. I. festgestellte Anmeldungstermin au<h für die An- meldungen bei den Lokalkunstgenossenschaften einzuhalten.

Berlin, den 21. Februar 1875.

Die Reichskommission | für die Weltausstellung in Philadelphia 1876. Dr. Jacobi. Dr. Stüve. Reither. v. Nostig-Wallwigt. Frhr. v. Spißemberg. Dr. Neidhardt. J. Kauffmann. Pr. Krüger. v. Holleben. Nieberding. v. Zedlig.

Der VI. Kongreß Deutscher Landwirthe.

In der zweiten Sißung, über deren Anfang wir bereits in geftriger Nummer berichteten, fuhr Graf Zedliz-Trüßschler in seiñtem Referate über Zwe>k und Wirkungskreis des Kongresses Deutscher Landwirthe fort und {loß mit der Bemerkung, daß der $. 3 aus- drüden solle, daß dcr Kongreß nicht neben oder gar gegen den Deut- schen Landwirthschafisrath, fondern lediglich mit ihm arbeiten solle.

Der Korrefcrent Hr. v. Lenthe-Lenthe stimmte dem Referate voll- ständig bei.

Der Stadtrichter Wilmanns referirte über den übrigen Theil des vom Auéschuß vorgelegten Statutenentwurfs.

In der sih an die Referate anschließenden Debatte wünschte zu- nächst der Freiherr v. Ow-Wacbendorf, daß der Kongreß ‘abwechselnd seine Sitzungen in Nord- und Süddeutschland halte, da andernfalls leicht aus dem Kongreß deutscher Landwirthe ein lediglih norddeutscher werde. Hr. v. Wedemcyer-Schönrade wandte fich zunächst gegen das Verhalten und die leßten Auslassungen des Hrn. v. Benda und wiederlegte die von Hrn. v. Ow gehegten Befürchtungen. An der Debatte betheiligten fih no< die Hrrn. Könnemann, v. Langsdorff, v. Diest und Anders.

Dex Vorsißende verlas darauf ein soeben eingegangenes Schrei- ben des zweiten Vorsitzenden v. Wedell-Vehlingédorff, wonach derselbe wegen andauernden Unwohlseins sein Amt niederlegt. Der Kongreß wählte darauf Graf Zedliß-Trüßschler zum zweiten Vorfißenden.

Bei derx hierauf erfolgenden Abstimmung wird $. 1—5 unyver- ändert angenommen, ebenso Artikel 6 mit dem Amendement Karlowa, daß der Vorstand nicht von den „ständigen Mitgliedern“, sondern „von dem jedcêmaligen Kongresse und zwar den ständigen Mitglie- dern“, $. 7 und 8 unverändert, $. 9 mit dem Amendeméènt Pabst zu Alinea 2 von Absaß 5: „Der Auss{<uß Hat sein Domizil in Berlin und hält daselbst seine ordentlihen Versammlungen ab, ist jedoch ber-tigt, hierzu auch andere Orte zu bestimmen.“

Sc{luß der Sißung: 4 Uhr.

Die dritte Sibung des Kongresses wurde heute morgen um X11 Uhr dur< den Borsißenden, Hrn. v. Nath-Lauerédorf eröffnet.

Das Wort erhielt zunächst Hr. v. Langsdorff ans Dreêden, um über die Art und Weise zu referiren, wie eine Anzahl Anträge, die von Mitgliedern gestellt find, geshäftli<h zu behandeln seien.

Nach längerer Debatte entschied sih der Kongreß:

auf die Tagesordnung zu ftellen: die Anträge unter: 1) die Justizreorganisation (Ref. Knebel-Döberitz), 2) den Eisenzoll (Ref. Niendorf), 3) das Freizügigkeitsgesez (Knebel-Döberiß), 4) Stempel- abgaben (v Diest-Daber);

dem Ausschuß zur Berichterstattung an den nächsten Kongreß zu überweisen ; * die Anträge 1) zur Lebensversiherungsfrage (Su>ker- Fauljoppe), 2) über Anschluß an den Fabrikantentag (Possart), über 3) die landwirthschaftli<hen Schulen (Schulz-Brieg);

zur Tagesordnung überzugehen über den Antrag, Petreffend die Kloakenfrage (Pieper-Dresden).

Der Antrag, betreffend die Justizreorganisation, wurde in folgen- der Fassung angenommen:

Es erscheint dringend wünschenswerth, daß bei der bevorstehenden Sustizreform au< den besonderen Interessen der Landwirtl chaft gebührend Rechnung getragen werde und beauftragt der Kongreß seinen Aus\huß, die in dieser Beziehung erforderlichen Maßregeln zu er- greifen, (Schluß des Blattes),

Das se<steThüringishe Infanterie-Regiment N r. 95 im Feldzuge gegen Frankreich 1870—71 von August Niemann, Königlich Prenßischer Hauptmann a. D., Ritter des Herzoglich Sachsen- Ernuetzinischen Hausordens I. Klasse 2c, während des Feldzuges kom- mandír: zum Ersa, bataillon des Regiments. Nebst einer Uebersichts- karte des Kriegêschaup ‘aßes vom Oktober 1870 bis Januar 1871, ge- zeichnet von Otto Koffm,"bn, Lieutenant der Reserve 6. Thüringischen Infanterie-Kegiments, sowi" mit Anlagen, enthaltend die Verlustlisten und Nachweisungen der dem „Kegimente vexlichèenen Ordensauszeich- nungen, Gotha 1875. Veyxlag von E. F. Thienemanns Hofbuch-

Ati aan án É ass 4

s i I, von Sachsen-Coburg ind Ds Sr. Hoh ert jou n n U DEX Vorrede ausgesprochenen, Gotha gewidmete Werk soll nach

Verkehrs-:Anftalten.

Eine Sammlung aller auf das Postwesen des Deutschen Reichs bezüglihen Geseße, der Postord- nung 2c. ift so eben unter dem Titel Posthandbuch im Verlage Hy Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. De>er) er-

ienen.

Ueber die Kettens<lepp\< iffahrt auf der Havel und Spree gehen der „N. Ztg." folgende weitere Mittheilungen zu: Die Thôtigkeit der Kettenschleppschiffahrt auf der Havel und Spree fann im Laufe dieses Jahres no<h nicht vollständig zur Ausführung kommen, hingegen hofft man, einen Theil der konzessionirten Stre>en fertig zu stellen. Das Aktienkapital der Gesellschaft beziffert si< nur auf 405,000 Pfd. Sterl. gleich 8,100,000 Mark. Der Generalbevoll- mächtigte der Berliner Kettenshleppschiffahrts-Gesellshast, Herr F- F. Mever aus London, hat seinen dauernden Wohnsig in Berlin ge- nommen und ist alleiniger Vertreter derselben. Die Hauptbetheiligten find die Hamilton-Windsor Jron-Wo"ks, welche auch die erforder- lichen Ketten und Dampfer fertig stellen.

Nath der soeben ausgebenen „Betrieb sna<hweisung der Königlichen bayerishen Verkehrsan stalten pro 1873“ betrug der mittlere Jahresdurchshnitt der in Betrieb gestandenen Linien 277,54 Betriebêmeilen = 2057,996 Kilometer. Die Baukosten sämmtlicher Staatseisenbahnen beliefen si< Ende Dezember 1873 auf 236,395,066 Fl, auf die Bahnmeile 933,224 Fl. Der Fahr- park umfaßte 11,035 Wagen und 555 Maschinen. Die Frequenz

Absicht des Verfassers sowohl dem Lande, aus welchem das Negiment hervorgegangen ist, als au<h dem Regimente selbst dauernde Erinne- rung an eine große Zeit sein. h

In der Einleitung wird eine kurze Geschichte der das Regiment bildenden Kontingente von 1807—1870 gegeben. „Das Regiment der Herzoge von Sachsen“, wie es damals hieß, hat das Schi&sal so vieler anderer deutscher Kontingente in den Zeiten der Erniedrigung unseres Vaterlandes getheilt, es hat den Fahnen Napoleon I. nach Tirol, nach Spanien und nah Rußland folgen müssen. Erst das Fahr 1814 vereinigte das Regiment mit den deutschen Heeren, mit welchen es nunmehr Sieg und Ruhm glänzend getheilt hat.

Unter persönticher Führung des Herzegs Ernst von Coburg-Gotha gehörte es zu den Truppen, welchen mit ihren Batterien 1849 der Sieg von Ed>ernförde zu verdanken ift, A

Am 1. Juli 1861 {loß dieser Fücst mit Preußen cine Militär- fonvention, wona< das Regiment zu 2 Bataillonen formirt wurde und als sol<hes au< an den Ereiguissen des Jahres 1866 auf preu- ßischer Seite zuerst bei Langezsalza und dann bei der Mainarmee Antheil nahm. Am 1. Oktober 1867 wurden dann die sa<csen-mei- ningishen und die sahsen-cobura-gothaischen Truppen zu einem unter preußis{er Führung stehenden Regiment von drei Bataillonen, dem 6. Thüringis&en Infanterie-Regiment Nr. 95, vereinigt. Im Feldzuge 1870/71 gehörte dasselbe zu der 22. Division, wohl derjenigen Truppe, welche auf den verschiedensten Schlachtfeldern Frankreichs gefochten hat. In seinen Reihen stand der Erbprinz von Sachsen-Meiningen. Bei Wörth eroberte*der Musketier Wi>cl die erste französische Fahue und erhielt dafür den gesammelten Ehrenpreis von 1619 Thlr. Weiter ging der Marsch nah Sedan und von dort in die Cernirungslinie von Paris. Aber eine dauernde Verwendung sollte das], Regiment auh<h hier nicht finden. Am 6. Oktober \{<on- rü>te dasselbe an die Loire ab und bereits am 11. desselben Monats bivouakirten feine Bataillone unter dem Standbild der Jungfcau von Orleans und in den Straßen der eroberten Stadt. Die wechselvollen Kämpfe der deutschen Truppen zwischen der Loire und dem cernirten Paris führten das Regiment unter den Oberbefehl des Großherzogs von Me>klenburg- Schwerin und spätec uuter den des Prinzen Friedrih Carl, an deren siegreichen Kämpfen cs fast überall Antheil nahm. Schon war das Regiment nach dem Norden Frankreichs zur Verstärkung der T. Armee abgerückt, da traf die Division der Marschbefehl nah Versailles nud damit die Verkündigung des Waffenstillstandes. Als Besaßung der Pariser Forts sahen diese Truppen au< nech die blutigen Kämpfe der Kommune si) vor ihren Augen abspielen und crsst am 18. Sep- tember 1871 fennten fie die Rü>kfahrt in die Heimath antreten.

Eine ausführli<he Darstellung des Empfangs in den drei heîi- mathlichen Garnisonen: Gotha, Coburg und Hildburghausen, {ließt das Buch, Kriegsranglisten, Verlustlisten, sowie Listen über die De- korirten, geben ihm diejenige Vollständigkeit, welche von einer Regi- mentsgeschichte, deren Rahmen immer ein begrenztex ist, gefordert werden muß.

Die außerorden!lli< sauber ausgeführte Operationskarte giebt in farbigen Linien die Marschrouten und Gefechtsfelder während des Feldzuges gegen die französische Loire-Armee.

Das Comité des Cöluischen Dombauvereins hat jüngst den dritten Guß der Kaiserglo>e begutachtet; das s{öne, nunmchr vollendete Werk wird demnächst zu Frankenthal auf dem von König Ludwig erbauten Ryheinkanal eine Schiffahrt nah der rheinischen Hauptstadt machen. Ueber den Guß der Glo>e entnehmen wir der „Didaskalia“ u. A. Folgendes: Tief unten im Schooß der Erde ward zunächst der Kern, d. i. die innere Höhlung der Glo>ke, aufge- mauert, bier in gewaltigen Dimensionen, wenn man bedenkt, daß vierzelzn Männer unter dem Baldachin der {webenden Glo>ke bequem Plaß haben. Als der Kern fertig war, wurde eine Glo>e aus Lehm darüber cgeformt im genauen Verhältniß, wie die Erzgloke werden sollte; die Wappen und Verzierurgen modellirie der Meister, die Jn- \chriften wurden aus Waehsbuchstaben zusammengeseßt. Ueber diese falsche Glod>e, die für die spätere“ Lösung mit Fett bestriten war, formte man alsdann den Mantel. Zur Herstellung des leßteren wird der Lehm stark mit Kalbshaaren verseßt behufs größerer Festigkeit. Als der Mantel fertig wax, hob man ihn ab, nahm die falsche Glo>e unter ihm weg und seßte dann den Mantel wieder über den

Erz ausgefüllt wurde, entstand die Glo>e; oben in der Krone blicb zu dem Ende ein Lo<. Der Ofen, nicht mehr wie zu Schillers Zeiten mit Holz vom Fichtenstamme, sondern mit Steinkohlen bester Qualität geleizt, verschlang 200 Centner derselben und brannte volle 12 Stunden. Zweiundzwanzig französijche Kanonen im Gewichte von 570 bis zu 2570 Pfund wurden in den Ofen geshoben. Direkt über dem Kanonenmetall {lug die Flamme zusammen und als dasselbe in Fluß kam, s{<öpfte der Meister mit einem Löffel davon, ließ es er- falten, zerbra<h es und beurtheilte nun, ob das rihtize Verhältniß von Zinn und Kupfer vorhanden sei. Dann wurde der Zapfen aus- gestoßen und die glühende Fluth strömte 29 Minuten lang in die Form. Erst nah fast 3 Wochen war das Metall erkaltet. Die Höhe der Glo>e beträgt 3 Meter 70 C., der Durchmesser 3 Meter 50 C, der Umfang 10 Meter 80 C. und der Klöppel wiegt allein 16 Centner, indeß das Gewicht der Glo>e 500 (Lentner beträgt. Die vier anderen Gle>en des Cölner Domes find zusammen nicht so \{<wer als die Kaiserglo>e allein. Zum Läuten der Kaiser- glo>e werden mindestens dreißig Personen nöthig sein. Jm Gießhäuschen betrachten wix nun den ehernen Riesen, der einige Fuß vom Boden frei \{webt, und hören den gewaltigen Klang, wenn der Klöppel geshwungen wird. In einer \{<öngeform- tcn Arabeske steht die Inschrift, unter derselben hüben das Reichswappen, drüben der heilige Petrus. Die lateinishe Inschrift lautet zu Deutsch: „Wilhelm, der Allerdurhlauchtigste Deutsche Kaiser und König von Preußz:n, in frommer Erinnerung an die himmlische Hülfe, die ihm bei der so’ glü>lichen Beendigung des süngsten französishen Krieges zu Theil wurde, hat nah Wiederaufrichtung des deutschen Kaiserthums aus eroberten Geschüßen im Gewichl von 5000 Pfund eine Glo>e zu gießen befohlen, die auf diesem herr- lihen, seinem Ausbau endlih nahegerü>ten Gotteshaus aufgehängt werden foll. Solchem frommen Willen des sieggekrönten Fürsten entsprechend, hat der zur Vollendung dieses Domes gegründete Verein dieselbe herstellen lassen unter dem römischen Papst Pius IX. und dem Erzbischof Paul Melchers im Jahre des Herrn 1873“.

Zwei lateinische Distichen lauten in freier deutsher Ueberseßung: „Künd : i< mit meiner Stimme dem Volk die himmlishe Botschaft,

Kern. Wenn die Lücke zwischen Mantel und Kern nun durch das!

weist aus 8,160,356 Personen und 92,127,859 Ctr. Güter (mehr 15,648,442 Ctr.); die Einnahmen ergaben 9,024,170 Fl. für Personen (mehr gegen 1872 962,675 Fl.), für Gepä>, Gü- ter 2c. 29,037,721 Fl. (mehr 3,739,795 Fl.) Die Station München hat eine Einnahme von nahe 3,900 000 Fl., Nürnberg von über zwei Millionen Gulden, Augsburg von nahe 2 Mill, und Würzburg und Thalkirchen von je über eine Million Gulden erzielt. Das Anlaze- fapital verzinste si< zu 5,05 %. Die sämmtlichen bayerishen Ver- kehrsanstalten ergaben gegen den Budgetanschlag ein Plus von 2,314,607 Fl.

Die Geleiseführung dex Bahn vou Augsburg na@<G Ingolstadt (66 Kilom. lang), an wel<er seit vorigem Herbst von beiden Richtungen aus gearbeitet wird, erhielt ihre Vollendung dur de? vor Kurzem erfolgten Anschluß der Schienenlage bei Schroben-" hausen. Vor einigen Tagen konnte {hon die ganze Stre>e dur Kommissäre der General-Direktion mittelst Lokomotive befahren wer- den, so daß der Eröffnung der Bahn mit Einführung der Sommer- Fahrordnung ein Hinderniß sicher nicht mehr entgegensteht. Die zwischen den Hauptstationen Augsburg und Ingolstadt ¿ur Anlage gekommenen Zwischenstationen sind: Hochzoll (an der Abzweigung der neuen Bahn von der Ausgsburg-Müncener Bahn), Friedberg, Dasing, Obergries- QUA Aichach, Radersdorf, Schrobenhausen, Niederarnbah und

uchering.

New-York, 23. Februar. (W. T. B.) Der Dampfer „Ho0o- henzollern" vom norddeutschen Lleyd ift geftern Morgen 5 Uhr hier eingetroffen.

Schwingen die Seelen si< auf, stimmen voll Eifer mit ein! Der Du dur< meine Stimme des Tempels Hallen eröffnet, Deffne des Himmels Thor, himnlischer Pförtner, zuglei<h!“ Und eine deutsche Inschrift enthält die Verse: Die Kaiserglo>e heiß" ih, Des Kaisers Ehren preis* i<, Auf heil’ger Warte steh" ih, Dem deutschen Reich erfleh? ih, —« Daß Fricd* und Wehr Jhm Gott bescheer’! So lange der Ausbau der Domthürme nit vol- lendet ist, wird die Kaisergle>e im Thurme rechts (dem älteren) unter dem alten, jeßt oben genannte vier Glo>en enthaltenden Glo>en- stußle aufgehängt werden. Künftig erhalten dann alle fünf Glo>en ihren Plaß noch einige Meter höher, beiläufig 200 Fuß über dem Boden.

Von den ReiGs-Postbeamten haben die Stenographie erlernt: 548 na< dem Gabelsbergerschen, 451 na< den Stolze'schen und 21 na< anderen Systemen. Zusammen also 1020, darunter 18, welche der Stenographie nah mehr als einem System kundig find. Von der Gesammtzahl haben si<h 274 in der, bei der Ste- nographie bekanntlih vor Allem nöthigen Uebung erhalten und sind gegenwärtig .völlig lese- und schriftgewandt. Die Gabelsber- gers><e Stcnographie ist besonders verbreitet unter den Postbeamten der Bezirke: Leipzia, Dresden, Darmstadt, Erfurt, Königsberg i. Pr., Halle a. S.,, Cöln, Frankfurt a. M. und Oldenburg; die Stolze’ sche dagegen in den Bezirken: Berlin, Magdeburg, Breslau, Düsseldorf, Liegniß, Oppeln, Potédam und Stettin. Auf die einzelnen Beamtenklassen vertheilt sih die Kenntniß der Stenographie wie folgt: aus der Centralbehörde der General-Postdirektor Dr. Stephan (System Stolze) und vier der vortragenden Räthe; dann 53 höhere Postbeamte der Provinzial- und Kassenverwaltung, 431 Pcefstmeister, Post-Sekretäre und Postamts-Assistenten, 263 im Vorbereitungédienst begriffene Beamte, 85 Post-Expediteuxre und Poftagenten und 115 Hülfébeamte.

Daten.

Obgleich das pckuniäre Resultat der ersten Sonntag-Mittags- Vorstellung im Friedrih-Wilhelms städtischen" Theater kein allzu erheblihes war, so gedenken die vereinigten Direk- tionen dieses und des Restidenztheaters, in Anbetracht des fünsileris<hen Erfolges, dessen si<h die Aufführung des nach Reuter bearbeiteten Lebensbildes: „Ut de Franzosentied“ zu erfreuen hatte, denne< mit diesen Vorstellungen fortzufahren; indem die er- fahrenen Bühnenleiter niht mit Unrecht vorausfetßen, daß das seit einiger Zeit in weiten Kreisen rege gewordene Interesse für platt- deutsche dramatische Produkte die Bedenken hinsichtlich, der ungewohn- ten Theaterzeit bald in den Hintergrund drängen wird.

Im Friedri<-Wilhelmsstädtischen Theater findet am Sonnabend die erste Aufführung der neu einstudirten Lorßingschen Oper: „Der Wild\<übß“ statt. Die Damen: Frl. Meinhardt Fel. Csephanyi, M. Schulz und Tausch befinden si< im Be- fsiße der Hauptyartien.

Im Stadttheater seßte Hr. Friedmaun"gestern sein Gast- spiel in Shakespeare's gewaltiger Tragödie „Richard 111." als Träger der Titelrolle fort. Das Stü>k ist ziemlich gekürzt (die Figur der finstern Königswittwe Margarethe z. B. wird ganz fortgelafsen), aber dennoch ist eine im Ganzen (da man do< mit den Verhältnissen der Bühne rechnen muß), zwe>mäßige Bearbeitung hergestellt worden, welche etwa eine Miittelstellung den Forderungen gegenüber ein- nimmt, die Bodenstedt und Dingelstedt an Shakespeare'sche Dramen stellen. Jener verlangt die unveränderte und auch unverkürzte Wiedergabe des Originals, dieser will ni<ht nur Kürzun- gen, sondern au<h Abänderungen. Wer Hrn. Friedmann von seiner früheren Thätigkeit an unserer Königlichen Bühne kennt, wird ihm gern das Zeugniß ausstellen, daß er künstlerish gewachsen ift. Wer aber seinen „Richard II1.* mit der Leistung vergleicht, welche wir von Gun. Rabe: oder 00 von Q D e V und diesen Vergleichen können wir uns nicht entziehen der kann si< nur zum Theil mit seinem- Spiel zufrieden gestellt erklären. Durch einzelne, zum Theil recht gelungene Züge, wirkt dec Gast wohl, im Ganzen aber hat er seine Rolle no< nicht so erfaßt, um sie in ihrer ganzen Tiefe und in der nöthigen Kon- fequenz zur Erscheinung zu bringen. Da, wo er nur sarkastish zu sein braucht, so beim Segen der Mutter („Und laß als guten alten Mann mich sterben“), da gelingt es ihm, bedeutende Wirkung her- vorzubringen. Alles in Allem genommen, geht die Rolle Nichards 11, allerdings die s{wierigste Aufgabe der Schauspielkunft augen- bli>li< no< über seine Kräfte. Die Mitglieder unterstüßten den Gast nah Vermögen. Frl. Veneta (Herzogin York) war indeß eine auêgezeichnete Vertreterin ihrer Nolle.

Im Nationaltheater findet heute Abend zum Besten des Hrn. A. Wiedeke, welcher als Kapellmeister dieses Theaters feine Vers dienste hat, eine Vorstellung statt, in welcher das Benedixsche Lust- spiel „Das Lügen" und Lumbyes „Traumbilder“, Phantasie mit Ge- dicht und lebenden Bildern, zuc Aufführung gelaugen.

Der Circus Renz wird zu dem bevorstehenden S<luß seiner Saison noch eine neue gläzzende Ausstattung8pantomime, ein afrikanishes Fest darstellend, zur Aufführung bringen, die alle ihre Vorgängerinnen an Pracht übertreffend geschildert wird und mok- gen, Donnerstag, zum ersten Male in Scene gehen soll. Unter An- derem erscheint darin ein imposanter Prunkwagen von Girasfent und Elephanten gezogen und wird die Schlußscene dur< Vorführung des mit prächtigem Baldachin geshmüd>ten, mit afcikanischen Tableaux beseßten dressirten Kameels El-Kahn des neu engagirtes Mr. Schmo> ausgefüllt. Die neue Pantomime wird hier nur drei Mal zur Auf- führung kommen, um dann fofort in ihren gesammten Requisiten vor aus no< Wien befördert zu werden.

Die durch hiesige und auswärtige Zeitungen laufende Noti, Se. Dur<laucht der Fürst Heinrih X1V. wolle das Hoftheater in Gera als sol<hes aufgeben und einem Direktor verpachten, ent- behrt der Begründung. Der Intendant, Freiherr v. Cramm, wird dasselbe nah wie vor unter seiner tüchtigen Leitung behalten.

Barlik e Redacteur: F. Prehm. * Verlag der Expedition (Kessel), Dru>t W. Elsner.

Drei Beilagen

(einschließli Börsen-Beilage).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

M 7.

"g

Personal-Veränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Offiziere, Portepee-Fähnriche X; Ernennungen, Beförderungen und Versetzungen. arti 18/0 Im stehenden Heere.

rlin, 13. Februar. Johannes, Major, aggreg. dem J Regt. Nr. 85, in das Inf. Regt. Nr, 43 einrangirt, L Fiedîee; Hauptmann und Comp. Chef, im Juf. Regt, Nr. 45, dem Regt., unter Beförderung zum Üüberzähligen Major, aggregirt. Bar. von Meerheimb, Oberst à la suite des Inf.- Regts. Nr. 75 und vom Neben-Etat des Großen Generalstabes, ein Patent seiner (Sharge ver- liehen. v. Staszewski, Sec. Li. vom Gren. Regt. Nr. 1, - unter Beförderung zum Pr. Li., in das Gren. Regt. Nr. 4 verseßt. Hardt, Sec. Lt. vom Gren. Regt. Nr. 4, zum Pr. Lt. befördert. “A 1 In s B und Laudweßr.

erlin, 13, Februar. Dund>er, Rittmeister von d des Res. Landw. Bats. Berlin Nr. 35, der Charafter ald Mui verliehen. S

Abschiedsbewilligungen. Gat 2 i Im Sn Heere.

erlin, 13, Februar. v. Normann, Oberst-Lt. vom Inf. Regk. Nr. 43, mit Penfion zur Disposition gestellt. Schadens Sec. Lt. vom Gren. Regt. Nr. 4, mit {li<tem Abschied entlassen. Kruge, Oberst-Lt. a. D., zuleßt Commandeur des Train-Bats. e r vons E E E Ns bewilligten Uniform es gedachten Bats,, die Erlaubniß zum Tragen der Uniform Ges Drag. Regts. Nr. 14 ertheilt. d E

; Inder Neserve und Laudweßr.

Berlin, 13. Februar. Zander, invalid. Vize-Feldw.“ zuleßt von der Res. des Inf. Regts. Nr. 85, der Charakter als Sec. Lieut. terlichen. Jün>e, Sec, Lt. von der Kav. des 1. Bats. Landwehr- Regts. Nr. 45, mit shli<tem Abschied entlassen.

Berlin, 18. Februar. Trittel, Sec. Lt, a. D,, zuleßt von der Inf. des 1. Bats. Landw. Regts. Nr. 5, der Charakter als Pr. Lt verliehen. N

Beamte der Militär-Verwaltung.

S Durch Verfügung des Kriegs - Ministeriums. datfateilee E Ls mmann und Bütow, Hülfs0 r bei d royen Gen, Stabe, zu äßig. Registra- loren ernann f e, zu etatêmäßig. Registra

en 95. Februar. Panthen, Garn. Verwaltungs-Ober- Inspektor in Meß, zum Garn. Verwaltungs-Direktor, Schu iidet At in Gebweiler, zum Garn. Verwaltungs-Inspektor ernannt.

Den 10. Februar. Wittkamp, Zahlm, Aspirant Zahlm. beim 2. Bat. Juf. Regts. Nr, 70 nau E e

Königlich Bayerische Armee. Offiziere, Portepee - Fähnriche 2c. Ernennungen, Beförderungen und Versetzungen. Im stehenden Heere. Durch Allerhöchste Verfügung. L Hohenschwangau, 17. Februar. Sinner, Major und E T S E E mit der Wahrnehmung der Funktion eines Chefs der Central-Abtheil1 Friegs-Mini- steriums beauftragt. E E Abschiedsbewilligungen. Im steheuden Heere. bobeúse Durch e Verfügung. Hohenschwangau, 12, Februar. eilmair L Ll Vo 9, Inf. Regt., mit Pension verabschiedet. 9 d E Hohenschwangau, 13. Februar. Dürr, Hauptm. vom topo- graph. Bureau des Generalstabes, mit Pension verabschiedet. Hohenschwangau, 14. Februar. Lidl, Major vom 6. Juf. Regt., mit Pension verabschiedet.

| N weg des Betrages der in den acht altländischen preußischen Provinzen im Jahre 1873 für evangelish-kirchli<e Zwe>e vorgekommenen Geschenke und Vermächtnisse einschließlih des Geldwerths geschenkter Gegen- stände, soweit leßterer ermittelt worden ift.

E E E : Zux

U |

Armen-

|

|

Sum- Provinz.

Kirchen-| x

dotatio- Bur

nen, | Witt-

| o

bauten, | Wene a lig e Kirchen- | Pfarr-} und | tranken-| sie- geräthen | pflege | dene und son-| dota-

weden [tio Cet) i i dés tionen. Geist- Aer | liche Kirchen- lien. | milden \Zwe>e. euie | Zwe>ken. ung. |

Kirchen- Zu Wais- | | i A _ftigen fen der Und irh» Thlr. | Thlr. Thlr. | Thlr. | Thlr. Thlr. Thlr.

Preußen . 17,354 290| —— 8,897 11,731 288| 38,060 Brandenburg] 6,808| 1,000 2,900| 150} | 10,458 Pommern . .| 20,941| 5,246 | 64,979| 1,987 82| 93,489 Posen... | 2486| 1,105 4/200) - 659) 722/ 6466 S l 17,26 111 7,319| 2,758) 11,989] 39,953 Sachsen, ein- ließli der Stol- bergischen | Frafshaften 34,274| 1,350 37,890| 1,728! 3,952| 79,194 estfalen ._.| 25,775 545 30| 35,774|/ 15,175) 47,557|124,856 heinprovinz | | | i

einschließli | | Hohenzollern 35,858 8,621| 7,000| 27,166/ 52,081/ 16,100]146,826 Summa | 161,222] 18,268] 7,334 185,225, 86,263 /¡00,690/539,002

Nic<htamtlihes.

fi Großbritannien und Jrland. (Monatsüber- eht für Januar.) Die Königin, wel<he bereits Mitte m Monats na<h Windsor zurü>zukehren beabsichtigte, ver- et no< immer in Osborne, wo Prinz Leopold nicht Bei entlich erkrankt war. Bei dem \c<hon seit längerer el eideiden Prinzen traten mehrfa<h Blutstürze ein, denen Zeit! ne ungemeine Abnahme der Körperkräfte zugesellte, so daß eine Beit ang an feinem Aufkommen gezweifelt wurde. In neuester fert hat fi<h das Vesinden desselben in erfreulihster Weise gebes-

und scheint die drohende Gefahr als völlig beseitigt angesehen

. worden und soll demnächst au< Trincomale auf Ceylon mit

Berlin, Mittwoch, den 24. Februar.

werden zu können, nihtsdestoweniger hatte die Königin si<h bewo- gen gefunden, ihre Absicht aufzugeben, das Parlament in diesem Jahre in Person zu eröffnen. Der Premier - Minister, Herr Dixraeli, dessen Gesundheit wieder vollständig hergestellt ift, er- ließ ein Circular an die Mitglieder seiner Partei, worin er den- selben mittheilte, daß die Eröffnung des Parlaments auf den 9. Februar festgesezt fei und si< das Unterhaus sofort an die Erledigung wichtiger Geschäfte begeben - werde, weshalb er die konservativen Mitglieder des Unterhauses ersuche, bei der Er- öffnung anwesend zu sein. Der frühere Premier-Minister Glad- stone hatte am 183. in einem an den Earl of Granville ge- rihteten Schreiben die Führung der liberalen Partei nieder- gelegt, und ist aus diesem Grunde der Erlaß einer ähn- lichen Einladung an die Mitglieder der Opposition unterblieben. Die Wahl eines neuen Führers der Liberalen wurde auf den 3. Februar angesetzt, und fiel dieselbe auf den Marquis of Har- tington, den ältesten Sohn des Herzogs von Devonshire. Die in Folge des Rü>tritts Gladstone's eine Zeitlang drohende Spaltung der Liberalen, von denen der radikale Flügel den unter dem Ministerium Gladstone an der Spigze des Unterrichts- wesens stehenden Herrn Foster zum Führer auserschen hatte, ift namentli<h dur<h die Bemühungen John Brights, glü>lih ver- mieden worden. Der Marquis of Hartington gehört, wie der Leiter der Libéralen im Oberhause, der Earl of Granville, der gemäßigten liberalen Partei, den früheren Whigs, an und hat * die Wahl desselben in allen Theilen des Landes große Befriedigung hervorgerufen, da die Stimmung im Allgemeinen einen den gemäßig- ten Liberalen entschieden günstigere ist, als den vorgeschrittenen, welche die Freunde aller möglichen neuen Reformen sind. Bezeihnend für diese Stimmung ist die geringe Beachtung, welche ein neuer- dings von Manchester aus verbreitetes liberales Programm ge- funden hat. Die Hauptpunkte desselben find die Assimilirung des Wahlre<hts der ländlihen Bezirke mit dem der städtischen, Neueintheilung der Wahlbezirke, Aufhebung der Staatskirche, Regelung des Verhältnisses zwis<hen Arbeitnehmern und Arbeit- gebern und Reform der jeßt in Betreff des Erwerbs von Grund- besig bestehenden Geseßge. Die Aufnahme, welche diesem Pro- gramm zu Theil geworden, ließ deutli<h erkennen, daß das Land der fortwährenden Reformen müde ist und ni<ts als Ruhe verlangt.

Zum Vertreter der Universität Dublin im Parlamente wurde Herr Gibson, Q. C., erwählt, Derselbe gehört der kon- \ervativen Partei an. Bei der Nahwahl in Osft-Kent wurde an Stelle des bisherigen konservativen Mitgliedes C. W. Miles, jeßt Lord Sondes, Sir Wyndham Knatchbull, ebenfalls konser- vativ, gewählt, Gegen die Gültigkeit der im November stattge- habten Wahl in St. Ives, bei welcher der konservative Herr Praed den Sieg davon getragen hatte, ist dur<h Sir Francis Lycett Protest eingelegt worden.

Im auswärtigen Amte überréihte der \spanishe Gesandte am 23. dem Earl of Derby ein eigenhändiges Schreiben König Alfons X11, in welhem derselbe der Königin seine Thron- besteigung anzeigt und zugleih die Zusicherung ausspriht, daß er in dem Reiche, zu dessen Regierung er berufen worden, konftitutionelle, bürgerlihe und religiöse Freiheit fördern werde.

Der si< seit einiger Zeit immer mehr fühlbar machende Mangel an Matrosen für die Königlihe Marine hat den Marine-Minister bewogen, dem Minister des Innern einen Plan vorzulegen, behufs Benußung der Polizei in den von der Küste entfernt gelegenen Städten als Agenten für die Anwer- bung von geeigneten Knaben für die Flotte. Wenn das vor- ges<lagene System angenommen wird, fo \oll für jede der- artige Anwerbung eine besondere Gratifikation gezahlt werden. In Folge des mangelhaften Zustandes, in welchem sih eine große Anzahl englischer Flottenstationen befindet, sind von dem Marine- Ministexium besondere Anordnungen für die Bewaffnung von Malta, “Bermuda und Halifax vermittel| Torpedos getroffen

Torpedos versehen werden. Bei der großen Bedeutung, welche der- artige Kriegsgeräthe in neuerer Zeit in offensiver uad defensiver Be- ziehung gewonnen haben, ist eine besondere Kommission gebildet wor- den, welche aus dem Direktor des Marine-Artillerie-Wesens, dem Ober-Flottenbaumeister, dem Kapitän der Marine-Artillerie-Schule und dem Kapitän des einzigen Torpedoshisses der Marine be- steht, und der alle dahin bezüglihe Fragen zur Entscheidung vorzulegen find. Auch die Beschaffenheit der britishen Armee im Vergleich zu den Armeen der kontinentalen Mächte fängt neuerdings die öffentliche E mehr als bisher der Fall war in Anspruch zu nehmen und hat bereits eins. der lei- tenden konservativen Blätter, die Morning Post, die Einführung der allgemeinen Dienstpfliht als nothwendig bezeichnet.

Durch ein Königliches Dekret find die bisher getrennt ver walteten Niederlassungen an der Sierra Leona und am Gambia zu einem gemeinsamen Verwaltungsbezirke, dem der Name west- afrikanishe Kolonien beigelegt ist, vercinigt worden. Zum Gou- verneur des neuen Distrikts wurde Hr. Cornelius Henderi>sen Kortright, bisher Verwalter der Niederlassungen am Saw ernan. E In Folge einer in leyter Zeit mehrfa<h ausgesprochenen Klage, daß die Bisthümer der analt Ee Fi T und daher zu \s{<wer zu verwalten seien, beabsihtigt Lord Lyttelton im Oberhause eine Bill einzubringen, worin eine neue Eintheilung der Diözesen vorgeshlagen wird. Der Minister des Innern s<heint einem sol<hen Vorhaben nit abgeneigt zu fein, wie sein Verhalten dem Plane gegenüber, Liverpool von der Diözese Chester zu trennen und zu einem eigenen Bisthum zu erheben, andeutet, Auch der Bischof von Chester hat fih mit leßterem Vorschlage einverstanden erklärt.

Der Führer der Dissidenten, John Bright, hielt am 25., in Birmingham vor einer zahlreih besu<hten Versammlung seiner Wähler eine Rede, worin er die von der Regierung getroffenen Maßregeln. in Bezug auf das Patronatsre<t in Schottland und den Ritualismus in der anglikanishen Hochkirhe entschieden tadelte und die Entstaatlihung der leßteren als eine Wohlthat für England und den Protestantismus hervorhob.

„_ Der seit dem Erscheinen der Gladstone'\hen Brochure ge- führte Krieg unter den Katholiken, welher eine Zeitlang nah- gelaffen zu haben \{ien, ist ‘in Folge des vom Bischofe von Salford, Dr. Vaughan, erlassenen Cirkulars, worin derselbe allen Geistlihen seiner Diözese bei Strafe der Suspendirung vom

von neuem ausgebro<hen. Dr. Newman, einer der angesehensten englischen Konvertiten, hat eine Gegenschrift gegen die Brohure Gladstone's erscheinen lassen, worin er si< bestrebt, der Ungefährlichkeit der Lehre an der päpftlißhen Un- fehlbarkeit und ihre Verträglihkeit mit der Geschichte und Vernunft na<zuweisen. Von Gladstone selbt: ift ein neuer Artikel erschienen, in wel<he die vom Papste in den Jahren 1870 bis 1873 gehaltenen Reden einer Kritik unterzogen werden, und namentli<h die Brod in denselben vorkommende Entstelung von Thatsachen hervorgehoben wird. Der Erzbishof von West- minster, Dr. Manning, hat sofort eine Entgegnung auf diesen Artikel veröffentlicht, ohne indessen der ganzen Sache eine neue Seite abzugewinnen. Bei einer in Dublin abgehaltenen Ver- sammlung der katholishen Union wurden in den gefaßten Re- folutionen die den Lehren der katholishen Kirche antagonistishen Bestrebungen und Entde>kungen der modernen Wissenschaft ver= worfen, die Anhänglichkeit der Versammlnng an die von katho- lishen Prälaten über Elementar-, Gymnasial- und Universitäts- Unterricht aufgestellten Grundsäße ausgesprohen, und die Ver- träglihkeit der vatikanishen Dekrete mit der Pfliht und der Ausübung der Unterthanentreue hervorgehoben.

. Das fortdauernde Darniederliegen des Handels und der Industrie, welche eine Herabseßung der jetzigen übertrieben hohen Arbeitslöhne nothwendig machen, fangen an, die Arbeitgeber zu einem energis<hen gemeinsamen Vorgehen zu bringen. Wenn bisher die Arbeiter, sich auf die Stärke ihrer Vereine stüßend, jeden billigen Anforderungen der Produzenten Hindernisse in den Weg legten und dadur<h häufig ihre Forderungen geltend zu machen im Stande waren, so haben \i< jetzt die Besizer von Kohlengruben und Eisenwerken in Monmouthshire und Süd- Wales veranlaßt gesehen, die gleiche Taktik zu verfolgen und am 29. in Cardiff einstimmig den Beschluß gefaßt, ihre sämmt- lihen Werke zu {ließen und die Arbeit auf denselben am 1. Februar vollständig einzustellen. Niht weniger als 120,000 Arbeiter werden von dieser zwar überaus harten aber ents<huld= baren Maßregel betroffen werden, do< dürfte wohl ein baldiges Nachgeben derselben zu erwarten sein, da es der Privatunter- stüßung nit gelingen könne, eine \o große Menschenzahl auf längere Zeit zu unterhalten. Ein allgemeines Herabgehen dex Löhne in der nächsten Zeit erscheint, sofern die Arbeitgeber an ihren bisherigen Entshlüssen festhalten, unvermeidlich.

Spanien. Madrid, 20. Februar. Die amtliche „Gaceta de Madrid“ veröffentliht unterm 10. Februar das nachstehende Dekret :

„Das Geseß vom 18. Juni 1870 seßt bei Seite, daß die Ehe unter Katholiken ein Sakrament ist und würdigt nicht ei, daß dle heilige (katholische) Religion, welche dies vorschreibt, mit wenigen Ausnahmen, die einzige ist, zu welcher si< die spanische Nation be- kennt. Es machte die Gültigkeit des geheiligten Bandes der Ehe hinsichtli< seiner geseßlihen Wirkungen nicht so sehr von den durh die Kirche vorgeschriebenen, als vielmehr von den neuerdings dur< den Staat eingeführten Bedingungen abhängig. Bis dahin hatte in Bezug auf diesen Hauptpunkt zwischen dem gemeinen und dem kanonischen Rechte vollständige Uebereinstimmung geherrscht. Untere Monarchen, wel<he dem religiösen Glauben der Spanier volle Gerechtigkeit widerfahren ließen, hatten si{< darauf beschränkt, mit ihrer Autorität innerhalb der weltlichen Gefeßgebung die von Gott eingeseßte und durch die Kirche regulirte Ehe zu sanktioniren. Neue Geseße, entftanden inmitten der politischen Wirren, dieser heiligen Ein- rihtung jede Wirkungskraft abspre<hend und an ihre Stelle profane Dingen und Verwaltungsformalitäten seßend, welche unserem Herkommen zuwider sind, haben dieser gedeihlihen Harmonie zwischen beiden Geseßgebungen ein Ende gemacht, die Würde der Ele und der Familie ernicdrigt. Wenn das Eingehen einer Verbin- dung (consorcio) oÿúne geheiligten Charakter da nöthig fein kann, wo verschiedene religiöse Bekenntnisse vorhanden sind, welche in Bezug auf die Chebestimmungen wesentli< auseinandergehen, fo ist es dem Staate darum nit erlaubt, sie als maßgebend in seine Geseße aufzunehmen, so ist nicht das Gleiche in Spanien der Falk, wo troß der in den leßten Jahren zugestandenen Freiheit glü@>licher- weise kaum eine andere Religion ausgeübt wird, als die katholische. Wenn bei der Vollziehung der Ehe die Vertretung des geistlichen dur< den weltlichen Beamten unerläßlich sein kann für diejenigen, welche die Autorität der Kirche nicht anerkennen oder si zu Religionen bekennen, deren Diener weder die Organisation no< die Vorbedingungen be- sißen, welche geeignet sind, daß der Staat si< an ihr Zeugniß halte, insofern dieses si< auf die Ausübung eines so wichtigen sozialen Aktes bezieht, so ist nicht dasselbe der Fall, wenn die Mehrheit oder beinahe die Gesammtheit der Unterthanen es vorzicht, diesen Akt dem Diener der (katholischen) Kirhe anzuvertrauen und es ist kein Grund vorhanden, daß vex Staat ihm dies aus Mißtrauen verweigere, Daraus, daß man diesem wesentlichsten Umstande nicht gehörig Re<hnuv- getragen hat, ist eine beklagenswerthe Uneinigkeit unter “x öffentlichen Meinung erwachsen, wel<' leßtere inspirirt ist

dv den religi¿‘en Glauben, den Gin cengewurzelter V woynhetk

und durch die Vorschriften und Darlegungen do? L die Civilehe, eine Uneinigkeit, welche die S ewissen beunruhigt, G E Eve sotgnng eben dieses Geseßes unter erheblicher Schädiguna der Rechte der gamilie anxeïz, und welche \ließli< die Wirkung desselben mit ofen; barer Ungere<ti eit auf unschuldige Opfer zurü>fallen läßt, Aus viesen wihtigen Gründen glaubt die Wregterung me gebteterische Pflicht zu haben, si zu beeilert, die erforderlihe Harmonie zwischen der gé- meinen und der kanonishen Gefeßgebung in Bezug auf die Ehe- \{ließung von Katholiken „wieder herzustell-n, indem sie diesem heiligen Sakramente alle die Wirkungen, welhe ihm unsere alten Gefeße zuerkannten zurü>erstattet, und es wieder unter die aus\<{ließ- liche Botmäßigkeit „(jurisdiccion) der Kirche stellt. Wenn der sub- alterne und mit Führung des Civilstandsregisters betraute Beamte des öffentlichen Vertrauens niht würdiger ist, als der Priester, wel- cher sein ganzes Leben der Ausübung feines heiligen Amtes widmet so ist kein ernstlicher Grund vorhanden, daß das Geseß seine Sanktion dem feierlichen mit sakramentalen Charakter vollzogenen Kontrakte verweigere, welchen der Priester einsegnet und dur sein Zeugniß re<tfertigt. Da aber daraus nicht folgt, daß der Staat nicht reht= zeitig alle die Handlungen diefer Art kennen muß, denen er seinen S{huß zu gewähren hat und da es anderen Theils offenbar für ihn von Werth ift, die Jrrthümer Und Fehler zu verhindern, welche be- gangen werden können, indem er fie konstatirt, so hat die L egierung die Verpflichtung, in das Civilstandöregister. unmittel- ar na<._ ihrer Vollziehung alle kanonischen Ehen ein. zutragen. Sie wird ni<t wie bisher von den durch dieses heilige Band Vereinigten verlangen, daß sie vor dem Richter erscheinen, v ein anderes profanes zu knüpfen, dagegen aber wird sie dargy® „t fegen, daß sie die Q desselben na<suchen, indem “Le daraus bezügliche kirhlihe Attest vorzeigen. Und wénn es, y- „„!!€ 20 irksamkciï des Sakramentes anerkannt ist, us K 4<dem die her

mögli< ift, seine Gültigkeit von einer v4 L UeNTes nicht

Amte untersagt, Hrn. Henry Petre die Sakramente zu reichen,

äfulore Geseß vorges<riebenen Forma";tät dur< das e ‘c es au< nit nyr zulässig, sondern Vats oubin0is Ju machen,