1899 / 154 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

uar erreichten wir die Jn!el Nufa, wo ein Händler der rima Herndheim u. Co. seinen Siß hat. Im Nu Dane éine danze Reihe von Händlern. Das Verhältniß W und Eingeborenen {ien durchweg gut zu sein. Die | O enes untereinander haben freilich auch hier noch nicht auf- ehört. So hatien in leßter Zeit die Leute von Bagail (Neu- ecklenburg) einige zu Nusfa gehörige Eingeborene auf der Jnfel : elon überfallen und zwei derselben getödtet. Wie sich herausstellte, E es ih um einen Nachezug für frühere Tödtung von Bagail- euten durch Eingeborene von Nusa, weshalb von einer Bestrafung der Eingeborenen von Bagail abgesehen wurde. Es gelang mir, die Häuptlinge und ältesten Leute beider Parteien zusammen- zubringen und einen förmlichen Friedens\{luß herbeizuführen. Von Nusa begab sich die „Alexandra“ am 3. März nah der: Insel Kahboteron, wo die Neu-Guinea-Kompagnie eine Pflanzung und Handelsstation unter einem Malaien angelegt hat. Bon hier be- jud:te ih mit einem Boot die Insel Cnok, deren Bewohner auf Kaboteron Kokosnüsse gestohlen und die dortigen Arbeiter bedroht hatten. Die Eingeborenen waren bei meiner Aukunft geflüchtet, t oh gelang es, eines alten Mannes habhaft zu werden, durch dessen Ver- mittelung dem Stamme eine bei Verweidung der Mieder- brennung ihrer Hütten binnen 24 Stunden zu zahlende Strafe von einigen Faden Tapsoka (Muschelgeld) auferlegt wurde. Die Strafe wurde mir innerhalb der festgeseßten Zeit nah Kaboteron überbraht. Weiterhin besuchte ich mit dem Boot einige bisher herrenlose, von der Neu-Guinea-Kompagnie occupierte Inseln sowie die im Eigenthum des Händlers Ruge stehende Insel Nusaum. | Am d. März fuhr die „Alexandra“ auf mein Ersuhen nah Kabien (Neu-Mecklenburg). Nah Aussage der Eingeborenen im Nusafahrwasser follten die Kabienleute vor zwei Monaten die Insel Lelikon überfallen und einige Leute - getödtet haben. Die übrig- gebliebenen Lelikonleute waren nah Kaboteron geflüchtet. Ich nahm drei der letzteren, von denen einer noch eine frische, von einem Ge- wehrshuß herrührende Narbe aufwies, mit nah Kabten. An leßterem laß waren alle Eingeborenen mit Einschluß der eingeborenen rbeiter des dortigen weißen Händlers bet meiner Ankunft ge- flüchtet. Von einein Vorgehen gegen dieselben oder ihr Eigen- thum nahm ich Abstand, da einmal Europäer nicht un- mittelbar dur ben Ueberfall ges{ädigt find, andererseits aber den Kriegszügen der Eingeborenen meist alte Febden zu Grunde liegen, und ein einsettiges Vorgehen daher möglicherweise ungereckchtfertigt sein würde. Die Kämpfe der Eingeborenen unter- einander dur Bestrafung eines jeden Friedensbru@s zum Aufhören zu bringen, war bei den bisherigen Machtwitteln der Verwaltung unmszlih. Am 6. Mätïz kamen wir mit der „Alexandra“ in Lawangati Neu-Hannover) an, wo die Neu-Guinea-Kompagnie einen chiñesishen ändler eingeseßt hat. Dize Eingeborenen machten hier einen zugänglihen und lTiebenswürdigen Gindr-ck. Ih besuhte die nächstgelegenen Pläße an der Küste. Am 10. März lief die , Alexandra" die kleine Insel Kung an, die im Besiß des Händlers Gangleff steht. Von hier aus besuchte ih cintge andere kleine Inseln, wo 1h überall eine freundlide Bevölkerung vorfand. Von Kung aus fuhr die „Alexandra“ nach der Insel Zent, einer mit ¿wei Chinesen beseßten Händlerstation der Neu-Guinea-Kompagnie. Auf Neu-Mecklenbdurg Offtseite wurden die Händlerstationen Lanan und Fissaua angelaufen. Die Eingeborenen zeigten überall ein zugängliches, friedlides Wesen. Die fast beständig währenden Kämpfe der Eingehorenenstämme untereinander in diesex Gegeud sind dur die Vermittelung des der Sprache kundigen Händlers Wagenbrett tin issaua vor einigen Monaten zum theil zu einem Abschluß gelangt. Es ist zwishen mehreren feindlihen Stämmen ein förm- lier Friede dur Uebersendung eines zerbrohenen Speerts und Aus- tausch von Tapsoka geschlossen und durch ein großes gemein- sames Festessen besiegelt worden. In dem unweit Fissau ge- legenen Leineru waren 1897 zwei weiße Händler angegriffen worden. Beide waren verwundet entkommen. Eine spätere ÜUnter- fuhung durch Herrn Dr. Hal hatte ergeben, daß die Händler durch unvo:fihtiges Benehmen den Angriff selbs ver- \{uldet hatten, weëbalb von einer Bestrafung der Eingeborenen ab- gesehen war. Jet befindet s{ch dork ein {chinefis&er Ländler. Der Menschenfraß gilt in diefen Gegenden noch als etwas Selbstverständ- lihcs. Jn Lcineru sah ih unter - anderem auf einem Baum neben einem Schweinsschädel einen Menschens{ädel aufgestellt. Auf mein Befragen wurde mir gesagt, daß es der Schädel eines im letzten Kamvyf getödtcten Feindes wäre, der beim darauf folgenden Festmahl verzehrt sei. Es wurde mir sogar der Name des Verzehrten, cines früher îin Herbertshöher Laden beschäftigt gewesenen Eizgeborenen, genannt, den nach seiner Nüdkehr in die Heimath dies Schicksak ereilt hatte. Aus dem Benehmen der Leute, welche ich gegen uns freundliÞ und entgegenkommend * zeigten, ging hervor, daß sie das Verzehren des getödteten Gegners als ihr gutes Recht kectrachteten. Die Unsitte wid erst dann auszerottet werden können, wenn die Verwaltung tin der Lage ift, häufiger in Neu- Medcklenburg Macht zu zeigen. Eine mir in Fissaua von Eingeborenen emacte Anzeige, wonach die Lauanleute mit &Gewchren des dortigen ändlers auf sie einen Ueberfall gemacht haben sollten, konnte ich niht mebr untersuchen, da bei den herrshenden Winden an eine Um- kehr des Schiffes im Auzenblick nit zu denken war. Am 17. März langte die „Alexindra“ in Teripax auf den Gar- dener-Inseln an, wo sie ziemlih dicht am Ufer ankerte. Die betden auf der Karte verzeihneten großen Inseln {heinen noch durch enge Kanäle durchschnitten zu scin. Durch einen solhen von Mangrove cingefaßten Kanal der r öcdlihen Infel, dex auf der Karte ntt angegeben ift, fuhren wir mit dem Boot dur. Auf Teripax sißt ein chinesi|cher Händler. Ih drang von dort aus ein Stück ins Iniere vor, zum theil unter Be- nußung des Beéttes“ eines Gebirgébaches, der köftlih fühles Wasser enthielt. Der Boden war, soweit i kam, fetter Lehmvoden, auf dem eine Üüppige Vegetation wucherte. Die Boden- gestal?unrg und der Pflanzenwuchs erinnerte mich in manchen Beziehungen an die Molukken-Insel Amboina, auf der ih bei meiner Auzreise cinige Fußtouren zu machen Gelegenheit gehabt hatte. Die Eingeborenen machten einen friedlihen Eindruck. Das Stammes-Odver- haupt übt hier im Gegenfaßß zu Neu-Pommern und auch ben berührten Mien Neu-Mecklenburgs anscheinend eine große Gewalt aus, die ch ogar auf das Privateigenthum: feiner Stammesangehörigen zu erstrecken cheint. In Lakurufanga auf Neu-Mecklenburg follen vor eintger eit 10 Bukas, welche* von dem bedeutend nörèliher in apsu fißenden Händler zum Koprahandel die Küste hinab- esandt waren, erschlagen sein, La ich {on in Lnan die ahricht erhalten hatte, daß der Eingeborenenstamm, der die That vollbracht haite, auf die Kunde vom Nahen der Poltzetir1: ppe in den Busch giflücbtet sei, nabm ih von einer Landung an dem Plabe umsomehr Abstand, als bei den wenig günstigen Winden und dem starken, dort herrschenden Strom im Fall eines nohmaligen Anlaufens der Küste eine Verzögerung unscrer Fahrt zu befürchten war. Bom 18. bis 28, März fkreuzten wir zwischen Neu -Mecklenburg und den Gardener- Inseln, ohne bei dem aen Strom aud nur eine Seemeile zu gewinnen. et O ieß der Kapitän das Schiff umdrehen, Mit günstigem Winde fuhren wir in einem Tage bis Nusa, hatten aber auf der weiteren Fahrt s theil wieder Windstille. Am 4. April, Vormittags 3 Uhr, Dee wir endlich mit Hilfe eines heftigen Nordwestwindes in Herberts- e an, E Aus meiner Fahrt habe ih bezügli ciner künftigen Gestaltung der Verwaltung folgénde Eindrücke gewonnen: Bei Stationtèrung einer Truppe im nörd a Theil Neu-Mecklenburgs, welWhe mit einem “Kutter und mehreren Booten auszurüsten wäre, sowie bet regelmäßig

alle drei bis vier Monate wiederkehrenden Rundfahrten des Gouverneurs “um die von der Station aus nit erreihbaren Theile Néu-Mecklen- burgs, würden die Kämpfe der Eingeborenen auf Neu-Mecklenburg “und den tleireren Inseln allmählich zum Aufhören gebracht“ und das Land damit einer friedliGen Entwidckelung exschlofsen werden können.

Ueber einen Zug gegen die Anapaparléute auf der Gazelle-Halbinsel erstattet der stellvertretende Kaiser-

Europäert

rwasser ißt riegszüge der

liche Gouverneur Sth nee unter dem 8. April d. J. folgenden Bericht: Ste f E 45 d

Die Eingeborenen ‘von Anapapar ‘im Junern der Gazelle-Halb- j

insel westlich von Varzin, welche bereits früher wiederholt mit anderen Stämmen im Kampf gewesen waren, hatten Wethnatßten v. I. die an der Küste des Weberhafens, nicht weit von der Piderlasung des weißen ändlers Strasser in Kabaira, wohnhaften Eingeborenen überfallen und dret Leute getödtet. Der Händler in Kabaira fühlte sh in seiner Sicherheit bedrokt und wandte s an das Kaiserliche Gericht um Hilfe. Jch beschloß, aus folgenden Gesichtspunkten cine Züchtigung der Anapapar- leute vorzunehmen. In Kabaira sind nah den mir gemachten An- gaben im Laufe der Jahre bereits 14 Europäer ers{lagen worden. Nachdem eine Zeit lang Kabaira von Europäern verlassen geblieben war, is vor etwa Jahresfrist wieder etne Händlerstation dort eingerichtet worden. Gleihfalls am Weberhafen, in Mandres, hat die fkatholishe Mission vom heiligen Herzen Jesu eine Nieder- lassung eröffnet. Am Massavahafen ist von der Neu-Guinea-Kompagnie mit der Anlegung einer Pflanzung begonnen worden. Alle diese Untere nehmungen erschienen, wenn au die leßtgenannte nur indirekt, be- drobt, wenn die That der Anapaparleute, welchen ein Theil der früheren Ermordungen von Europäern zugeschrieben wird, ungesühnt blieb. Außerdem würde im Fall des Nichteinschreitens bei einem folen nit sehr weit vom Siß der Verwaltung ausgeführten Veberfall das Ansehen der Verwaltung bei den übrigen Eingeborenen leicht eine Schädigung erfahren haben.

Am 15, Februar d. J. marschierte ich mit einem Theil der Polizeitruppe von Malagunan (Blanchebuht) nach Kabaira, wohin sich der Polizei-Unteroffizier Schuberth mit dem Nest der Truppe vermittels des mir von der katholishen Misfion zur Verfügung ge- stellten Kutters „Zevelde" bereits begeben hatte. Seitens der Anapaparleute war bereits die Nachriht nah Kabaira gesandt, sie würden vor uns niht davonlaufen, sondern uns erwarten und alle tödten. Da unter diesen Umständen an irgend welche Ver- handlungen nicht zu denken war, marschierte ich am anderen Morgen mit Sonnenaufgang unter Führung einiger Eingeborener sowie in Begleitung des Herrn Strasser mit dem Polizei - Unteroffizier und der Polizeitruppe in den Busch. Metne Truppe bestand aus 21 Mann. Nach fünfftündigem ununter- brohenem Mars durch den Busch auf Kanakerpfaden, \treckenweise in seiten Bächen watend, erreihten wir die ersten Anpflanzungen der Anapaparleute. Letztere waren auf unser Kommen vorbereitet, wir hörten s{chon von Weitem den Klang ihrer Trommeln. Auf | shmalem Pfade durch das hohe Gras, welches stellenweise von Anpflanzungen unterbrochen war, ging es weiter. Ein Kanaker wurde unterwegs von der Spiße üÜberrascht und erschossen. Die Anapxaparleute schienen vor uns eine Stellung eingenommen zu haben, warteten aber unser Näherkommen nit ab, sondern umgingen uns plößlich auf beiden Seiten, was wir des Busches und hohen Grases wegen nur hören konnten. Jh ließ auf einer Erhöhung Halt machen, welche wenigstens nah der Seite, von welder wir gekommen waren, verhältnißmäßig ie Schußfeld gewährte. Von dieser Richtung erfolgte nunmehr der feindliche Angriff, während dez erwartete Angriff von den Seiten unterblieb. Die Eingeborenen rückten mit Kriegsge|hrei, ihre Speere {wingend und eine Art Kriegttanz aufführend, heran, wurden aber durch Gewehr- feuer bald zurüdgetrieben und eiltcn in wilder Flucht seitwärts an unserer Stellung vorbei zurück. Jch benußte dies zu einem Vorstoß nah der Seite, der durch den Polizetunteroffizier mit einigen Mann erfolgreichß durhgeführt wurde. Im Ganzen hinter- ließen die Kanaker sieben, Todte. Wie groß die Zahl der Angreifer war, läßt fich bei dem unübersihtlichen Gelände auch nicht annähernd angeben. An Waffen waren außer den Speeren und einigen Schüssen nach zu urtheilen ein oder zwei alte SHrotgewehre vorhanden, ie Truppe hatte keine Verlufte. Nah kurzer Mittagsrast wurde der Nückmarsch angetreten. Wir langten nod vor Sonnenuntergang in Kabaira wieder an. Auf dem Nücckwege von Kahaira hielt ih an der Nordküste Gerihtstag ab. Die Bukas und Neu-Mecklenburger der Polizeitruppe benahmen \ickch, was persönlihen Muth anbetrifft, vorzüälih. Die von der Gazelle-Halbinsel stammenden Polizeisoldaten zeigten fich fast durchweg feige. Nach dieser Züchtigung haben sh die Anapaparleute ruhig verhalten. Da der Häuptling derselben inzwishen f{chon persönli, um Waaren zu kaufen, in Kabaira gewesen sein foll, steht zu hoffen, daß die Ankaüpfung friédliher Beziehungen mit den Eingeborenen von Änapapar der Ver- waltung bald gelingen wind. Damit dürfte, nahdem Herr Dr. Hahl im vorigen Jahre die in der Gegend am Varzin ausgebrochenen Ein- geborenenkämpfe durch thatfräftiges Eingreifen zum Aufhören gebracht hat, für die Gazelle-Halbinsel, soweit die Interessen von Europäern in Frage kommen, der Frieden vorläufiz gesichert sein. "

Oesterreich-Ungarn.

Der Kaiser hat si heute früh von Wien zum Sommer- aufenthalt nah ZJshl begeben.

An den diesjährigen großen Kaisermanövern, die in der Gegend von Böhmisch-Leipa stattfinden, nehmen theil: das VIIT. (Prager) Korps, unter dem Kommando des Feldzeug- meisters Fabini, mit zwei Jnfanterie- und einer Landwehr- Division und das IX. (Josephstädter) Korps, unter dem Befehl des Feldmarschall - Leutnants von Klobus, eben- falls mit drei Divisionen. Die Jnfanterie wird sih auf 57 Linien- und 26 Landwehr-Bataillone beziffern. Außer der in Böhmen liegenden Kavallerie (drei Dragoner- und cinem Landwehr - Ulanen - Regiment) wird voraussichtlich noch cin Kavallerie-Regiment des I1. Korps, das ngch Galizien verlegt wird, zu den Manövern herangezogen werden. Die Artillerie umfaßt aht Regimenter mit 12 fein Außerdem werden noch Telephon-, Telegraphen- und Luft|chiffer-Abtheilungen an den Manövern theilnehmen. Die Kaisermanöver im Puster- thal finden unter Theilnahme aller in Steiermark, Kärnten, Krain, Küstenland, Tirol, Oberösterreich und Salzburg liegenden Truppen zwischen dem II[. (Feldzeugmeistcr von Succovaty) und dem XIV. (Feldzeugmeister von Hold) Armee-Korps statt. Die Jnfanterie wird durch 835 Bataillone Linien-Jnfanterie, 13 Kaiserjäger- und 5 Feldjäger-, 3 Bosnische, 14 Landwehr- und 10 Landesshüßen-Bataillone, zusammen 80 Bataillone, vertreten sein; Kavallerie und Artillerie werden wegen der Geländeshwierigkeiten in geringerem Umfang zugezogen.

Großbritannien und Jrland.

_Cecil Rhodes ist am Sonnabend von- London nach Afrika abgereist.

Fraukre1 «

_In Saint-Cloud wurde, wie „wo. . «O. vei.hta, geslern für Déroulède von den Zeugen in seinem jüngsten Prozesse ein Ehrenpunsh veranjtaltet. Déroulède erklärte in einer Ansprache, daß er Dreyfus für s{uldig halte, doh werde er si, falls das Kriegsgeriht in Rennes Dreyfus für unschuldig erkläre, vor diesem Urtheils- pruch beugen. Wenn das Kriegsgericht in Rennes die Un- chuld i rot aussprehe, sei keine Strafe zu streng für jene sechs Kriegs-Minister, welhe die Schuld Dreyfus? be- theuert hätten. Schließlih forderte Déroulède, daß die“ ganze Wahrheit in der Verhandlung in Rennes zu Tage komme, denn es bestehe nicht die Möglichkeit eines Krieges,

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[ während die Campagne für Dreyfus die Landesvertheidig

| desorganisieren sirebe, Gs wuden no6 weitere Neven? Ce:

j M tén; Georges Thiébaud wandte sih gegen die von der Regierung bei der Rückunft Dreyfus* ergriffenen Maßnahmen.

Die Ordnung wurde nicht gestört; nur wurden zwei wegen aufrührerischer Nufe verhaftet, zwei Personen

Jtalien.

JZnfolge des Dekrets, durch welches die Parlamentssession geschlossen worden ist, hat, wie „W. T. B.“ erfährt; die äußerste Linke ein von 65 Deputirten unterzeihnetes Mas nifest an das Land gerichtet, in welchem sie über ihre Arbeiten während der leßten Session des Parlaments Rechenschaft giebt.

Der sozialistishe Deputirte Andrea Costa wurde vor- en Abend, als er das Parlamentsgebäude verließ, ver- haftet. Derselbe hat noch wegen eines im Jahre 1894 be- ang n Boergehens eine Gefängnißstrafe von 2 Monaten u verbüßen.

Spanien.

Der Kriegs-Minister, General Polavieja hat, wie dem „W, T. B.“ berichtet wird, in einer Unterredung mit dem Minister:Präsidenten S ilvela erklärt, daß er geneigt sei, die Friedenspräsenzstärke des Heeres axf 80000 Mann festzuseßen, anstatt auf 108000 Mann, die im Budget gefordert worden sind.

Jn Barcelona ist cs am Sonnabend zu Ausschreitungen R P Bei dem Amtsantritt des neuen Munizipalraths and ein Zusammenstoß zwischen den verschiedenen Parteien statt. Aus der Mitte der Menschenmenge wurden Schüsse abgegeben, durch welche drei Personen getödtet wurden. Am Schlusse einer vorgestern Abend zu Gunsten der Revision des Prozesses der Gefangenen in Montjuih abgehaltenen Versammlung zogen die Theilnehmer nach einem Jesuitenkloster und ver- anstalteten dort eine Kundgebung. Die Gendarmerie, welhe hiergegen einschritt, wurde von der Menge mit Steinen beworfen und machte infolge dessen von der Waffe Gebrauh. Die Gesammtzahl der Verwundeten beläuft sich auf 50. Auch in Valencia fanden in der Nacht zum Sonntag Excesse ftatt. Die Unruhen begannen damit, daß zahlreiche Gruppen den Verkehr der Pferdebahn- wagen zu stören suchten. Als dann die Gendarmerie ein- schritt, wurde sie von der Menge mit Steinwürfen empfangen. Die Gendarmerie und die Truppen waren infolge dessen ge- nöthigt, zu schießen, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Abends nahmen die Unruhen noch größere Di- méensionen an. Die Hauptpunkte der Stadt wurden von Truppen beseßt. Die Aufrührer exrihteten Barrikaden, von denen eine von der Kavallerie genommen wurde, nachdem von beiden Seiten lebhaft gefeuert worden war. Die Aufrührer wollten auch gegen ein Kloster eincn Angriff richten, wurden aber von den Truppen und der Gendarmerie daran ehindert. Zahlreihe Verhaftungen wurden vorgenommen. n der Nacht traten die Generale zu einer Berathung über die Lage zusammen. Der Bürgermeister veröffentlihte eine Proklamation, in welcher er die Bevölkerung zur Ruhe aufs fordert. Gestern kam es zu weiteren Unruhen. Eine Menschen- menge bewarf die Gendarmcrie-Kaserne mit Steinen, Dabei foll ein Hauptmann der Gendarmerie verwundet worden sein.

Schweiz. Die Session der Bundesversammlung ist am Sonn- abend geschlossen worden.

Niederlaude.

Die zweite Unterkommission der Il. Kommission der Sowfedena hielt, wie „W. T. B.“ aus dem Haag meldet, vorgestern unter dem Vorsiß des russishen Geheimen Naths von Martens eine Sißung ab und nahm in zweiter San) eine Erklärung, betreffend Vorschriften und Gebräuche für - den Landkrieg, an. Der Auss{chuß für die Redaktion des Schiedsgerichtsvorshlages ist vor- gestern Nachmittag wieder zusammengetreten und hat auf Antrag des amerikanischen Delegirten L in dem Kodex über das schiedsgerihtlihe Verfahren noch eine Bestimmung hinzugefügt, welche von der Zulässigkeit der Nevision shieds- gerichtliher Entscheidungen handelt. Der Ausshuß ging dann zur zweiten Lesung des von dem britishen Dele- girten Sir Julian Pauncefote gestellten Antrages über. Jn diesem wurde die Aenderung getroffen, daß das Schiedsgerichts- tribunal den Namen „Ständiger Schiedsgerichtshof“ tragen solle. Die von den amerikanischen Delegirten aufgeworfene Frage des Schußes des Privateigenthums auf der See wird vielleiht in der nähsten Woche in der Plenarkommission vor- *gebraht werden, eine Verhandlung dürfte aber nicht stattfinden.

Belgien.

Die Bürgermeister von Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Gent wurden vorgestern Mittag von dem König in Audienz empfangen und erklärten Allerhöchstdem- selben, wie „W. T. B.“ berichtet, daß sie nicht mehr für die Aufrechterhaltung der Ordnung einstehen könnten, wenn das Ministerium die Wahlvorlage nicht N In feiner Antwort stühte sich der König auf die Konstitution, welche ihm sein Verhalten vorzeihne. Später hatte der König eine längere Unterredung mit dem Minister-Präsidenten

Vandenpeereboom.

Der Präsident der Repräsentantenfammer Beernaert wird heute aus dem Haag nach Brüssel zurückehren und nit mehr an den Arbeiten der Friedenskonferenz theilnehmen.

«In Brüssel veranstalteten gestern Nachmittag zahlreiche Sozialisten im Park eine Kundgebung. Sie fangen die Makfeillaise und stießen Rufe gegen das Ministerium aus, Ein Sozialist richtete eine Ansprahe an die Menge und forderte das Volk zu weiterem Widerstande auf. Die Sozialisten dürhzogen sodann \singend die Stadt und begaben sich nach dem Voltshause, nachdem sie unters wegs vor den Gebäuden der klerikalen Blätter feindselige Kundgebüngen veranstaltet hatten. In Antwerpen zog am Sonnabend Abend eine Menge von etwa 9000 Personen unter der Führung von liberalen bnd \w'alistishen Deputirten dur@ die Stadt. Vor den Häusern “M e w ter würden SHmähkundgebungen veranstaltet ;, dem Bürgerm-.stet « or “seiner Wohnung eine Pa aung dargebraht. Später anden ehrere Versammlungen tatt, in denen die Redner dazu riethen, niht abzurüsten, bis man den Versöhnungsvorschlag des Minister-Präfitenten kenne. Es - kam zu keinem Zwischenfall. Nach einer gestern in Lüttich abgehaltenen

arade der Bürgergarde begaben sich etwa 250 Bürgergardisten K und die Gewehikolben \{wingend näch einem Versammlungs- lokal der Sozialisten. Dort wurde sofort eine Flam atung abge- balten, in welher die Redner, unter denen sich auch mêéhrere Bürger-- ardisten befanden, die AOOeO der Regierung mißbilligten und auf- ordert: die Agitation gegen diese Vorlage forhuseßen. Mehrece Sa richteten vom Balkon herab Anspraben an die auf der Straße befindlihe Menge. Es kam zu keiner Ruhestörung. In

weitere Reden ge=

f

veranstaltete gestern nah einem Konzert des dortigen katholischen ALE a Theil der Zuhörer eine Kundgebung und G „Es lebe das allgemeine Stimmrecht!“ Die Mole Wereuts die Manifestanten und! nahm mehrere Verhaftungen vor. Ciwa zehn Personen wurden dur Säbelhiebe verwundet. In Mon s kefshloß gestern Abind-eine im Volkshause abgehaltene sozialistishe Versammlung, baß, wenn die Negierung am Dienstag die Wahlvorlage Ee zurückziehe, oter wenn sie eine neue Vorlage Furinge, welche nit das allgemeine Wahlrecht einführe, sofort der Ausstand im Koßlenbecken von Mons werde er- klärt werden.

Türkei.

Die Pforte beantwortcte vorgestern, wie das Wiener Telegr.-Körresp.-Bureau“ meldet, die serbishe Note vom 36, vor. M. mit einer Note, in welcher sie erklärt, sie habe aus Anlaß der Grenzvorsälle keine Zirkularnote an die Botschafter, sondern auf Ersuchen einiger Botschafter eine Notiz an dieselben gerichtet, welhe auf dem Ergebniß der Unter- suchung und den amtlihen Mittheilungen des türkischen Ge- sandten in Belgrad und des Vali von Kossowo basiere. Die Notiz habe nicht besagt, daß der König sein Bedauern aus- edrückt und an den Sultan telegraphiert habe, sondern daß er König seine Befriedigung über die Untersuhung aus- gedrückt habe. Die Pforte sei für Meldungen der Zeitungen nicht verantwortlih. És liege kein Grund vor, den türkischen Truppen und den Albanesen die Schuld an den Grenzvorfällen uzuschreiben ; im Gegentheil, die Haltung der Truppen sei forrett gewesen, und von seiten der Albanesen seien keine Provokationen erfolgt, wohl aber von seiten der Serben; auch habe der serbishe Kommissar, Oberst Deschitsch, dem türkishen Kommissar gegenüber sein Bedauern über die Uebertrcibungen der Presse ausgedrückt. Jm übrigen hält die Note die in der Notiz an die Botschafter gemachten An- gaben aufrecht. | Der serbische Gesandte hat in Beantwortung der Note der Vforte vom 22. vor. Mts. der Pforte eine Note über- reiht, welche besagt, daß die an der Grenze angestellten Unter- suhungen zu Ergebnissen geführt hätten, welche weit entfernt seien von den Angaben, auf welche die Note der Pforte fich stüße. Das vorläufige- Ergebniß habe gezeigt, daß der Angriff gegen die serbishen Wachthäuser vorbereitet gewesen und von türkishen Soldaten und Albanesen im Einvernehmen ausgeführt worden sei. Jn Erwartung des definitiven Ecgeb- nisses halte die serbishe Regierung ihren in der Note vom 16. vor. Mts. erhobenen Protest vollinhaltlich aufrecht.

Rumänien.

Das Bureau des Senats wurde, wie „W. T. B.“ meldet, gestern von dem König zur Ueberreichung der Adresse empfangen. T M00 Sl

Die Deputirtenkammer nahm nahezu einstimmig die Adresse an den König an, in welcher Befriedigung über die freundschaftlihen Beziehungen zu allen Staaten sowie über die Echaltung des Friedens ausgesprochen wird.

Amerika.

Ein Gegenseitigkeitsvertrag- zwishen den Ver- einigten Staaten und Jamaica is, dem „W. T. B.“ zu- folge, vorgestern in Washington abgeschlossen worden.

Afrika.

Jn Pretoria is, wie „W. T. B.“ meldet, vorgestern ein Grünbuch veröffentliht worden. Dasselbe enthält eine Depesche des britishen Staatssekretärs für die Kolonien Chamberlain vom 15. Dezember v. J., in welcher es heißt, die britishe Regierung sei nicht in der Lage, den von Dr. Leyds aufgestellten Saß, daß es keine britishe Suzeränetät gebe, und daß die Einleitung der Konvention von 1881, die sich mit der Frage der Suzeränetät befasse, durch die Konveniion von 1884 O RRA sei, als richtig anzuerkennen.

* Aus Kapstadt berichtet das „Reuter she Bureau“, daß

Hofmeyr und der Minister Hertholt vorgestern früh von

dort nah Bloemfontein abgereist seien. Der Minister Hertholt

gehe an Stelle te Water's, welcher durch Unpäßlichkeit an der eise verhindert sei.

Polynefien.

Nach einer Meldung des „Reuter’shen Bureaus“ aus Washington nehmen die Arbeiten der Samoa-Kom- mission einen - befriedigenden Fortgang. Sollte das Ab- kommen der Ariglare auh den Rücktritt des Oberrichters Chambers einshließen, so würde derselbe wahrscheinli für einen anderen Posten bestimmt werden. Es werde indessen vermuthet, daß Chambers freiwillig zurücktreten werde. Be- treffs der Abschaffung des Königthums werde in amtlichen Ie eine Uebereinstimmung der Mächte als wahrscheinli angesehen.

Parlamentarische Nachrichten.

Die Berichte über die vorgestrigen Sißungen des Herrenhauses und des Hauses der Abgeordneten be- finden sih in der Ersten Beilage.

Jn der heutigen (14.) Sißung des Herrenhauses, welher der Minister für Landwirthschaft 2c. Freiherr von Hammerstein, der Justiz-Minister Schönstedt und der Minister des Jnnern Freiherr von der Recke beiwohnten, wurde zunächst in die Statistische Zentral-Kommission an Stelle des verstor- C Geheimen Raths Dambach Hérr von Rochow gewählt.

Alsdann folgte die Verlesung folgender Jnter- pellation“ der Herren Graf zu Lynar, Graf von Houmwald, Freiherr von Wackerbarth und Graf von der Schulenburg-Lieberose:

Bene durch die großen Wassershäden des Jahres 1897, hatte die Staatsregierung eine Regulierung des Spreegebtets in Aut cht

enommen, einen diesbezüglihen Plan vom Meliorations-Bauinspektor egner ausarbeiten und diesen Plan auch einer größeren Versammlung von Interessenten vorlegen lassen. Seitdem seinen seitens der Staatsregierung - weitere Schritte nah dieser Richtung hin nicht gethan zu sein. Die in diesem Jahre. erneut und vergrößert auf- getretene Wassersnoth im Spreegebiete zwingt uns zu der Anfrage:

Was gedenkt die Königliche Staatsregierung zu thun, um das -Spreegebiéet, insonderheit die Gegenden des Ober- und Unter-Spree- waldes vor ferneren Schäden zu: {üen ?"

Nachdem der Minister für Landwirthschaft 2c. Freiherr vonn Hammerstein sh zur sofortigen Beantwortung der Znterpellation bereit erklärt hatte, erhielt zur Begründung der- selben Graf von Houwald das Woit, dessen Rede bei

Auf der agene una der heutigen (87.) Sißung | des Hauses der Abgeordneten, welher der Justiz- | Minister Shönstedt beiwohnte, stand zunächst die zweite Be- rathung des Gesezentwurfs, enthaltend ‘die landesgeseß- lichen Vorschriften über die Gebühren der. Rechtsanwälte und der Gerichtsvollzieher.

Abg. Dr. P ors (Zentr.) beantragt die en bloc Annahme der Vorlage, gegen die Abg. Krawinkel (nl.) Widerspruch erhebt. Der Anirag des leßteren, in Artikel 8, 9 und 10 die Negierungsvorlage wiederherzustellen, wird abgelehnt und die Vorlage unverändert nah den Beschlüssen der Kommission an- genommen.

Es folgt sodann die dritte Berathung des Entwurfs eines preußischen Geseßes über die freiwillige Ge- richtsbarkeit. Die Vorlage wird auf Antrag des Abg. Dr. Porsh mit Ausnahme der Artikel 78, 83 und 126 en bloc angenommen. Y

Art. 78 enthält die Bestimmung, daß in der Regel nur Rechtsanwälte zu Notaren zugelassen werden sollen. Der zweite Theil des Artikels, wonach im Bezirk des Oberlandes- gerichts Köln Rechtsanwaltschaft und Notariat getrennt werden können, ist gestrichen worden. : i

Jm Einverständniß mit dem Justiz-Minister Schönstedt wird auch der bestehen gebliebene Rest des Artikels gestrichen. Nach Art. 83 sollen Notare zur Uebernahme eines Ge- meindeamts der Genehmigung der Aufsichtsbehörde nicht be- dürfen. Auf Antrag des Abg. Kolish (fr. Vgg.) wird au die Genehmigung zur Uebernahme eines Amts bei einer D On G auf Gegenseitigkeit oder bei einer Ge- sellschaft mit beshränkter Haftung für unnöthig erklärt. Der Justiz-Minister Schönstedt hatte dem Hause die Beschluß- fassung anheimgestellt. ; Zu Art. 126 beantragt Abg. Dr. Hahn (b. k. P.), nicht bloß für Ostfriesland und Harlingerland, sondern (wie au in der Regierungsvorlage \chon vorgeshlagen war) auch im Negierungsbezirk Osnabrück vereidete Auktionatoren zuzulassen, ferner in dem Regierungsbezirk Stade und in den Graf- haften Hoya und Diepholz. /

KFustiz-Minister Schön stedt erklärt si für die Wiederherstellung ua E MFDNGCDOAdG: aber gegen jede weitere Aubdehnung des Art. é

Nach kurzer Debatte wird der Antrag Hahn in seinem ersten Theile angenommen, der zweite Theil aber abgelehnt. Im übrigen wird die Vorlage unverändert angenommen. Eine von der Kommission vorgeschlagene Nesolution, welche eine thunlichst baldige spezielle Revision des dritten Theils der Allgemeinen Gerichtsordnung verlangt, wird ge- nehmigt. /

Darauf werden Petitionen berathen.

(Schluß des Blattes.)

StatiftikX und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Zum Ausstande der Bergarbeiter in Herne wurde dem „W. T. B.“ vom Sonnabend aus Essen a. d. Ruhr gé- meldet: Auf den Zechen „Julia“, „Constantin der Große“, „Shamrod“ und „Pluto“ find bei der Miitags\chicht alle Arbeiter augefahren. Auf der Zehe „v. d. Heydt" fehlten 42 von 350 Mann, auf der Zehe „Friedri der Große“ 39 von 550, auf „Mont Cenis*-37 von 722, auf „König Ludwig“ 584 von 725 und auf „Blumenthal“ 300 von 500 Mann. Aus Dortmund wurde gleichzeitig berihtet : Gin Bataillon des 39. Infantecie-Regiments ist, wi2 der „Dortm. Gen.-Anz.“ meldet, näch Necklinghausen abge- gangen, weil in dem dortigen Revier Unruhen befürhtet werden. Nom heutigen Tage wird aus Herne telegraphiert , daß auf allen Zechen sämmtlihe Arbeiter angefahren sind.

Aus M.-Gladbach wird der „Köln. Ztg.“ geschrieben: Nachdem die Weberei von Moriß Steinberg thren Arbeitern eine zehn- vrozentige Lohnerhöhung und die zebnstündige Arbeitszeit bewilligt hatte, zogen diese ihre Kündigung zurückl,

Aus Augsburg schreibt man den „Mün. N. N." unter dem 23, v. M.: În der Ac etylenfabrik von Keller. u. Knappih im benahbarten Oberhausen haben heute Morgen 21 Arbeiter die Arbeit aus dem Grunde niederçelegt, weil ihr Werkmeister mit einem Mogazinbeamten Streitigkeiten gehabt und deshalb um seine Ent- lassung nahgesuht hat. Einigungsversuche sind im Gange.

Laud- und Forstwirthschaft.

Saatenstand in Oesterreich.

Triest, den 23. Juni 1899. Von den Wintersaaten hat Roggen gut geblüht. Jn Dalmatien geht er der Reife entgégen. Weizen erweckt gute Hoffnungen, in den südlichen Distrikten steht er theils in Blütbe, theils ist dieselbe hon vorüber. In den Alpenläntern feßt er Aehren an. A0 |

Die Sommersaaten stardzn weniger günstig als die Wintersaaten, haten \sich aber durch neuerdings eingeseßte anhaltende Regen; sehr erholt. Hafer zeigt in Görz ein gutcs Buésehen. Mais fteht eben- falls in Görz gut, während man in den Alpenlöndern nur eine Mittelernte erwartet. Von der Wiesenheuernte ist man in den Alpenländern befriedigt ;

Die Weinstöck? baben in Dalimaiten troß Einsegens von Wind und Regen zur Blütbezeit reihlich angesckt und zeigen meist einen recht bejriedizenden Stand. An einigen Orten wurden indessen die aünstigen Aussichten durch Hagelshauer vernichtet. VDidium und Peronospo1a madièn sich bemerkbar, wogegen durch bäufizes Einsprigzén mit Schwefel und Kupfervitriol vorgegangen wird. Bon Ungeziefer hat der Heuwurm einizen Schaden angerichtet. :

n Görz und den übrigen Theilen des Küftenlandes gedeiht der Wein gut. Die Fruchtansäße find infolge häufigen Neger. 8 zwar nicht reihlih, abér {ôn entwickelt.

Ernteergebniß des Jahres 1893 in der Türkei.

Konstantinopel, den 20. Juni 1899, Das Geïammt- ergebniß der Getreideernte des Jahres 1898 war in fast allea Theilen der Turkei ein \hle{chteres als in früheren Jahren. Infolge dessen zeigte der etnheimishe Markt eine Auswärtsbewe, ung der Preise, die Ausfuhr ging zurück und in einigen Gegenden wurden jogar nicht unbeträhtlihe Mengen Getreide und Mehl vom Auélande bezogen.

Der Grund für das schlechte Ergebniß der vorjährigen Ernte liegt, fast durchrveg in der trockenen Witterung ; in den Bezirken Messul und Jerusalem vernichteten außerdem Heuspreckenswärme einen be- trähtlihen Theil ‘der Ernte.

Im einzelnen is Folgendes zu bemerken :

Die Grnte des Bezirks Adrianopel war nicht im flande, den Lokalbedarf zu deck-n. Es mußtin erbebliche Mengen Getreide, nawmentlih-Weizen, Ma?ts und Hirje, aus Ostrumelien bezogen werden, und an E, lieferte über Marseille größere Quantitäten Mebl.

ür die Vilajeis Aidin, Konia und die zum Vilojet Brussa ge- börenden Bezirke von Uschak und Afium Karahissar ergab die Grnt? nur eiwa zwei Drittel des vorjährigen Ertrages, und der Erport

fer . oggen

Weizen I eicid ate

Gerste . atis Í

SIODNIEN a es imi ubiie

Weißer Mais sogen. Dari .- i

R. Neues Atl alias Lei 7

Mais . . . . * . 2500 i

zusammen . «1999500 1171730 dz

An dér Ausfuhr war in erster Linie Großbritannien mit 1 041 730 dz betheiligt; nah den türkfischen Insela wurden 25 000 r verladen, der Rest mit 105 000 dz entfiel auf Frankreich, Oefterreih, Belgien und Griechenland. s Die Ernte in den Provinzen Beirut und Syrien war gleichfalls am: mittelmäßige und überstieg den lokalen Bedarf nur um ein

eringes. / Fn den nördli von Beirut gelegenen Distrikten von Homs, Hama und Tripolis zeigte die Ernte einen Ausfall von 10 9/9 gegén» über 1897 und von 6009/9 gegenüber dem Durchschnitt der früherèn Jahre; der Export von den Häfen Tripolis und Lathakia ging auf 80 000 dz Weizen und 35 000 dz Gerste zurü. l In der Provinz Aleppo verminderte \sih die Ernte infolge großer Kälte im Winter und anhaltender Dürre im Frühling um 50%, gegen den Durchschnitt früherer Jahre. Es wurden im Ganzen geerntet: Wetzen. . ._.. . auf 13750 gkm 20900000 dz Gerste E E S 5 000. 740000 ,„

Wien . 1202 110 000 3750 +5 138 000

62 000 1375 6 250 28 000

zusammen ó 084 250 dz

Die verhältnißmäßig günstigsten Nachrichten liegen aus dem Vilajet Adana vor. Die Weizenernte wird mit dem zwölffachen Ertrage der Avsfaat als befriedigend bezeihnet, und auch die übrigen Getreidearten fielen derart aus, daß beträchtliche alla nach aus- wärts verladen werden konnten. Die Ernte von En tina wird in allgemeinen als mittelmäßig bezeihnet. Für den Bezirk Jaffa wird der Ertrag an Weizen auf rund 910 000 dz angegeben. In den Eigen Dees fehlt jeder Anhalt, welher au nur eine ungefähre ung zuließe. L S 2A m 9 étliailiältèn lagen die Verhältnisse des Vilajets Mofsul, das si seit drei Jahren in einem nahezu an Hungersnoth grenzenden Zustande befindet. Eine kleine Heuschreckenart, „Soon“ genannt, hat B feit E 2 une von Fi voi Zahr ! rius Maße die eizenfrucht beimgesucht und fast völlig vérnichlet.

Zu dem Vilajet Bagdad lauten die Nachrichten erfreulicher. Die Ernte ist dort bedeutend günstiger ausgefallen als im Jahre 1897. Dot lassen sich über die Höhe derselben keine genauen Angaben machen. .

Volns den in Nord-Afrika gelegenen Gebietstheilen des türkischen Reichs liegen Erportziffern vor, aus welchen erhellt, daß die Ernte bort gut ausgefallen is. Es aelanzten über die Häfen Tripoli, Homs, Zliten, Misrata 40 000 dz Braugerste im Werthe von 550 009 Fr. zur Ausfuhr nah England. Ueber Bengasi wurden 101 250 dz Brau- gerste im Werthe von 1512500 Fr. nah England und 5000 dz im Werthe von 72500 Fr. nah Kreta ausgeführt. i

Sesam, ‘Reis ‘u. f w.

Ueber Grootfontein in Deutsh-Südwestafrika berichtet der Bezirkshauptmann von Estorff im „Deutschen Kolonialblatt“ Folgendes: Die planmäßig und sorgfältig ausgeführten Gntwässerungen der Sümpfe haben bis jezt einen überraschend guten Einfluß auf die Gesundheit der Weißen wie Gingehorenen ausgeübt. Der Gesund- heitszustand dec Vannschaft kann im Vergleich mit 1896/97 als vor- treflich bezeichnet- werden. Fieber gehören jeßt zu den Sesltenheiten. Ein æVvandcrer großer - Erfolg der - Arbeiten ist bier in den Gartenanlagen zu erkennen. Das dur die Entwässerung gewonnene Wasser hat jene ermögliht und bei dem guten Boten ebenfalls überrasende Erfolge gezeitigt. Z. B. Mais gedeiht in außerordentliher Ueppigkeit, und Kartoffeln in der Giöße von zwei Fäusten sind keine Seltenheit. Bei diesem Erfolge ist zu erwarten, daß in nit allzulanger Zeit die Anlagekosten gedeckt sein werden und in weiterer Zukunft der Distrikt He abwerfen ann. Diese Gartenanlagen sind mit der gewonnenen Wassermenge stetig vergrößert worten und können noch viel weiter ausgedehnt werden. Wie Oberarzt Dr. Kuhn sich seinerzeit ein großes Verdienst ‘du:ch die Bekämpfung der Rinderpest er- ward, so beschäftigt er sich jegt mit der Bekämpfung der Pferdesterbe und hat bereits die Hoffnung, zu einem guten Ceg:bniß zu kommen. Alle biese Ecfolge, die in so kurzer Zeit gezeitigt wurden, veranlassen mi, dem Kaiserlichen Gouvernement einen Plan vorzulegen, von dem i hoffe, daß er dem Schußgebiet viel Nußen bringen würde: nämli den, in Grootfontein eine boianishe und landwirthscha}tliche Versuähs« station in größerem Umfange anzulegen. Das Gebiet von Groot- fontein is, wie kein anderes im Schuhgebiete, geeignet für eine lardwirtbshaftlide Besiedelung, und sobald erst die South West Africa Co. günstige Bedingungen gewährt, wird sie sicher ohne bésonderes Zuthun in kürzester Frist vollzogen sein. Dann würde etne laudwirthscaftlihe und botanische Ver|]uchsstation außer- ordentli belebend einwirken. Schon j yt ficht man das Beispiel von Grootfontein Früchte tragen. Die Wirkiamkeit wicd sih äußern ‘aís Anleitung in Entwässerungen, Gemüse-, Korn- und Baumanlagen, Viehzucht und Bekämpfung von Viehkrankbeiten. Hier kommt mit in erster Linie die dauernde Bekämpfung der Lungenseuche in Betracht, die ab und zu noch in Erscheinung tritt.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln,

Türkei. Der internationale Gesundheitsrath in Konstanti- nopel hat folgende Bestimmungen getroffen.

1) Die Post-Felleifen von Cholera, Pest oder Gelh- fieber verseuhter Herkunft werden nur eingethrert zugelassen und nur in den Lazarethen in Empfang g-nommen, Sie wöérden geöffnet, und die darin enthaltenen Briefe, Pakete und Zeitungen in hermetisch ve-scklossenen Kasten während 12 Stunten Formoldämpfen ausgescßt. Die Säcke, Kelleisen 2c., welde die Post enthalten, werden in gle-her Weise desinfiziert. Die Detinfektion findet mittels des Schering’shen Apparats statt.

2) Schiffe aus Egypten. welhe sch eiver elftägigen Quarantäne in dem Lazareth von D:los (Griechenland) unterzogen haben, und deren Schiffêräume vorher ' debinfiztert und ver si-gelt roorden sind, können ihre für Korstantinopel“ bestimmten Getreides ladung in Leichtern je nah Belieben in dem Lazareth von Monastir-

Aghzi oder in dem von Tuzla löschen.

Kairo, 1. Juli. (D, T. B.) Jan den leßten drei Tagen D a

ieben neue Pesterkrankungen gemeldet worden; zwei P ranke sind gestorben und zwei als geheilt entlaffen. s

Verdingungen im Auslande.

Spanien. l A2 H 8. Jali. PDirección general de Correos y Telégrasoós Madrid, Calle Carretas 10: Lieferung von 16 t Kupfervitrio!. *

Schluß des Blattes noch -fortdauerte. -

ging um ein Driitel zurück. as ziférnmäßige Ergebniß war un- gefähr das folgende:

is Tonne ift von 820 auf 861 Pesetas erhôht w y ite an spanishem U etra a de ard e Sielle.