1831 / 1 p. 7 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

so daß sich die Liquidation in den lebten Tagett des Mottats und des Jahres um #o viel leichter wird zu Stande bringen lassen. Îm Wechselhandel war es diese Zeit über merklich still. Am- sterdam und Hamburg kurze Sicht waren etwas begehrt. Alle Übrigen Devisen waren zu haben und wenig gesucht.

Schweiz. Schaffhausen, 24. Dez. Aus Altdorf vom 20ften d.

__ wird gemeldet: „Wenn an so manchen Orten Europas die

Flamme der Empdrung furchtbar empor lodert, wenn auch in mehreren Kantonen der Schweiz Unzufriedenheit mit den Regierungen und Klagen des Völfes über Bedrückungen nur zu laut sh aussprechen, so wird es jedem Biedermann Vergnügen machen, zu vernehmen, daß Ruhe, Ordnung, Biedersinn, begründetes Zutrauen gegen die Regierung noch nicht aus allen Kantonen der Schweiz verbannt sind. Kaum war das Schreiben des hohen Vorortes, welh:s eine außer- ordentliche Tagsaßung auf den 23steu d. zusammenruft, an die hohe Regierung des Standes Ury gelangt, als dieselbe eine außerordentliche Landes - Gemeinde auf den l4ten d. zu- sammenrlief, wel<he die Ernennung der Ehren-Gesaudtschaft an genannte Tagsaßung und die derselben zu erthelende Jn- ftruction zu bestimmen hatte. Zahireich fanden sich die Land- leute von Ury bei dieser außerordentlihen Versammlung ein. Herr Landgmmannin und Zeugherr Lauener erdffnete dieselbe mit einer érgreifenden Rede, in welcher er die wirkliche fri- tische Lage der Schweiz deutlich und wahr schilderte, jedoch aber auch seine Hoffnung auf Rettung, auf Aufrechthaltung des im J. 1815 beschwornen Bundes unverholen an den Tag legte. Jn gleichem Sinne sprachen auch die übrigen Vorgeseckten. Zu Gesandten wurden erwählt: der Herr Landammann Laue- ner und Herr Alt -Landammann J. Z'graggen, Beide von Ury's Bewohnern hoh gefeierte Männer, welchen das Volk mit vollem Recht sein unbedingtes Zutrauen schenken durfte. Die Ausarbeitung der Jnstruction wurde dem Landrathe über-

tragen, als Grund-Basis derselben aber wurde angenommen : -

1) Alles zu thun, um die Ruhe und Ordnung im Innern wiederherzustellen, jedoch nur auf dem Wege der Güte und

weit entfernt, zu sirengen Maaßregeln greifen zu wollen. -

2) Aufrechthaltung des Bundes vom Jahre 1815, als einzige Grundlage der National: Existenz, und 3) Sicherung der wichtigsten politischen Jnteressen gegen das Ausland und Aufrechthaltung der Neutralität. Mehrere Landleute spra- chen bei diesem Anlasse ihre Meinungen frei und ofen aus,

‘und Alle zielten auf obgénannte Grundlage hin.

Auch im Kanton Wallis herrscht die glücklihste Ruhe.

Jtalien.

Neapel, 14. Dez. Vorgestern Morgens überreichte der Kaiserl. Oesterreichische wirkliche Geheime Rath, Graf

. von Lebzeéltern, Sr. Majestät dem Könige beider Sicilien. in

einer Privat - Audienz die Kreditive, die ihn in der Eigenschaft als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Mini- ster Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreih bei Sr. Si- cilianischen Majestät beglaubigen. Am selbigen Tage über- reichte auch. der Marquis vou Latour-Maubourg Sr. Maje- stät dem Könige beider Sicilien die Beglaubigungs - Schrei- ben,-durh welche er als Botschafter Sr. Majestät des Kd- lu der” Gr angosen am «Königlich Sicilianischen Hofe afkkre- tirt wird.

: Inland. Berlin, 31. Dez. Seine Majestäc ber König haben

des Herrn Fürsten zu Putbus- Durchlaucht zum Landtags-

Marschall des am 16ten Januar k. -J. in Stettin zu erôf- nenden 4ten Pommerschen Provinzial - Landtages , und den Herrn Geheimen Regierungs-Rath, Landrath von Schöning, a Stellvertreter des Landtags-Marschalls zu ernenne ge- ruht. i |

_— Aus Swinemünde schreibt may vom 27sten d. M. ¡Dex unterbrochen geweseie Eisgang im Strome hat heute

‘bei klarer Luft und- eingetretenem- härtern Frostwetter, als bisher, wiederum angefangen , der Strom läufc dabei nur

shwach aus ‘und dürfte, wenn das Frostwetter fortdauert, am nächsten Morgen wohl schon ganz belegt seyn. Das

am 25ssten d. M., ‘bei einer Wassertiefe von 197 20 Fuß

im Fahrwasser , eingelaufene Preußische Schiff „,Eiilie Marie‘/, von Kopenhagen mit Stückgütern kommend, wird vermuthli<h das lebte in diesem Jahre angekommene Schif

gewesen seyn.‘/

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“poleon war: gestúrzt , d

(Aus den Rheitlandet eingesandt)

Französische Blätter haben vor ciniger Zeit die Meinung aufgestellt: „Frankreich brauche nur ein geringes Truppen-Corps in die Preußischen Rheinlande zu senden, um diese Provinzen wieder für sich zu gewinnen, indem die Rheinländer mit Freu- den diese Gelegenheit ergreifen würden, um sich von dem Dru der- Preußischen Herrschaft zu befreien./ Jn dieser Behauptung liegt cine Beschuldigung für die Preußische Regierung und, wenn diese unwahr is, eine Beschimpfung für die Rheinlande insbesondere. Wir fühlen uns daher gedrungen, den Grund oder Ungrund dieser Behauptung näher zu untersuchen und den Fran- Icten zu zeigen, welcher Art die Liebe sey, die sie sich während hrer zwanzigiährigen Regierung in den Rheinlanden erworben, und welchen Werth sie demnach auf diese von ihren Zeitschriften aufgestellte Meinung f legen haben. i

Den meisten Aufschluß in dieser Sache wird ofenhar die Beantwortung der Frage geben: Unter welcher der beiden ge- nannten Regierungen ist es den Rheinländern physisch und mo- ralisch am besten ergangen? Damit jeder Leser sich diese Frage nach eigenem Urtheil beantworten kônne, wollen wir eine Pa- rallel- Schilderung des Zustandes der Rheinlande während der beiden in Rede stehenden Zeiträume catwerfen. V

Vor der Französischen Revolution hatten in decn Rheinlan- den, wie in dem übrigen Europa, dic liberalen Jdeen noch kei- nen Eingang gefunden. Die privilegirten Klassen des Adels und der Geistlichkeit, welche leßtere besonders schr zahlreich war, üb- ten Vorrechte aus, die dem Volke zum Nachtheil gereichten. eine politische Ausbildung der Geister war noch gar nicht vor- handen, die wissenschaftliche schwach, vielleicht schwächer , als in det meisten dex Übrigen Deutschen Provinzen. Gedruckt fühlte sich Niemand, weil die Steuern so gering waren, daß selbst die Steuer- freihcit des Adels und der Geistlichkeii von dem dritten Stande nicht empfunden wurde. Verbesserungen wurden nirgends ge- macht. Ein Aufschwung der Fdeen ging weder von den Regte- rungen no<h vom Volke gus. Ueberall herrschte die- Behaglich- keit cines Ruhenden, aber auch die Schlaffheit und Fndolenz eines Schlafenden. | .

Fn diesem Zustande befanden sich die Rheinlande, als im Fahre 1794 die Franzosen dieselben in Besiß nahmen. Da sîc als Eroberer kamen, fo behandelten síe die Provinzen, welche se ihrem Reiche einverleiben wollien, mit möglicher. Schonung. JFhre Annäherung erwe>te die schlummernden Gemüther und sies den - Keâftigen ein bisher ihm unbekanntes Feld seiner Thâtigkeit ahnen. Sie brachten uns die liberalen Fdeen, aber guch ihren Schwindel und ihre Kriege. Auch hiex wurde mit der rothen Müße um den Freiheitsbaum ge- tanzt , und auch hier is dic Gôttin der Vernunft ver- ehrt worden. Mit rü>sichtsloser Verlebung alles, Privat- Fnteresses wurde das tausendjährige Gebäude der gesellschaftlichen

Ordnung in cinem Augenbli> bis auf die Basis zertrümmert

und an dessen Stelle die langweilige, in der Natux nirgends an- zutreffende, Fläche der Gleichheit geebnet. Welch gewalt samer Schritt! Ein jeder Sprung in der geistigen Entwickelung des Menscheyr , auch selbs wenn es cin ‘Sprung zum Besseren ie ercicht zum Nachtheil. Die Natur fördert überall ihre Zwe>ke 1 vorbereitender Stufenfolge, und. sie, die große Lehrmeisterin aller lebenden - Wesen , fordert thr Recht in der physischen wie in der moralischen Welt und straft jede Zuwiderhandlung gegen ihre ewigen Gesche. Alle jene Parteiungen, welche noch bis: zu diesem Augenbli>k die innere Ruhe Frankreichs trüben und viel- leicht noch lange trüben werden, sind nur die Folgen jencs gewaltsa- men, auf keine Weise vorbereiteten Sprunges n der moralischen und politischen Entwickelung der Nation.

Wir wollen nun untersuchen, in welchem Zustande Preußen die Rheinlande antraf, und welches seine ersien Schritte nach deren S L waren. Als zu Ende des Jahres 1813 und zu Anfang 1814 die siegreichen Preußischen Heere die Rhein= lande betraten, fanden sie dieselben in dem Zustande der Buide- regtheit. Mit Jubel wurden die Truppen der Alliirten empfan- gen. Der zwanzigiährigen Französischen Regierung war es noch nicht gelungen, den Deutschen Sinn zu unterjiochen, und der all- gemeine Enthusiasmus, der sich des ganzen Deutschen Vaterlan des bemächtigt hatte, wgr auch hier erwacht. “Mit freudiger Zu- versicht traten unsere Fünglinge in die Reihen der Preußischett

‘Krieger, siegten mit ihnen in den Schlachten von 1814 und

nahmen Theil an dem unsterblichen Ruhme, den das Preußische Heer sich durch den S bei Belle- Alliance errungen hat. Na-

e Französische Herrschaft in Deutschland vernichtet und die Rheinlande dem Deutschen Vaterlande zurü><- gegeben. Wenn man nun in diesem Augenbli>e die Rheinländer 2 t hâtte: was soll jeßt mit eu< werden? #o würden sîc wahrlich in großer Verlegenheit gewesen seyn, diese Frage zu be- antworten. An die Wiederherstellung der alten geistlichen Kur- fürstenthämer war wohl kein Gedanke, und diese wurde auch nicht gewünscht. Was blieb also anders Me einem andern Deutschen Staate einverleibt zu werden? Eine besondere Vor- liebe war für keinen dex- besichenden Deutschen Staaten allge=-

mein verbreitet, doch blieb es immer wünschenswexther, einem

großen und mächtigen, als einem kleinen Staate anheimzufal= len. Das Einzige, was man gegen die Verbindung mit Preußen hâtte einwenden können, war die Verschiedenheit „der Religion, indem die katholischen Rheinländer, die liberale Toleranz der Preußischen Regierung noch nicht kennend , ‘unter der- Herrschaft eines cyangelischen Fürsten thr religidses Futeresse gefährdet glauh=

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ten. Dies war der einzige Grund, der zu Anfang einiges Mif- trauen gegen die Preußische Regierung einflößte. Genug, die Rheinlande wurden Preußisch, ohne eine besondere Vorliebe für, noch cine begründete Abneigung gegen E Staat. Die ersien Schritte der Regierung zeigten gleich eine #<{0- nende Berücksichtigung des Bestehenden. Die Worte des Königs: „Fch will das Gute beibehalten, wo ih es fin- de! ‘/ deuteten genugsam die Grundsäße an, nach welchen die Regierung zu handeln beabsichtigte. Kein Privatinteresse ward verleßt , die Verbindlichkeiten des Staates wurden gewissenhaft erfüllt, kein wesentliches Fnstitut wurde gewaltsam Über den Haufen geßürzt, welches leßtere sich schon hinlänglih aus dem Umstande ergiebt, daß dîe Stani sce Geseßgebung noch bis auf den heutigen Tag in r anden besteht. Alle Veränderun-= en geschahen, so viel es möglich war, in vorbereitender Stufen- olge, und dem Beobachtenden konnte das Besireben dey Regie- rung nicht entgehen, die Rheinländer erf zu ihrem System zu erziehen, bevor sie beabsichtigte, ihnen dasselbe gufzudringen.

Wir kehren wieder zurü> zu dem Französischen Zeitraum. Nachdem nun der erste Revolutionsschwindel etwas verraucht war und] der Französische Staat unter Napoleons mächtigem Scepter cine solidere Gestalt anzunehmen begann, würden die vor- theilhaften Folgen davon auch in den Rheinlanden verspürt. Ein neues Geseßbuch, der Code Napoleon, erschien, für welches wir an und für fih den Franzosen vielen Dank schuldig sind, wenn woir, ohne Rükbli>k auf die Vergangenheit, vergessen woilen, daß die Einführung desselben ohne alle Berücksichtigung der seit un- denklichen Zeiten bestehenden Gewohnhcitsrechte wiederum un- endlich viele Fnteressen verleßte. Ferner erschien eine Verwal- tung, ganz im Sinne desjenigen, der damals das Ruder führte. Diktatorisch und entscheidend waren ihre Formen, und ihr Zwe>

ing hauptsächlich nur auf zwei Gegenstände, nämlich guf die Er- ebung der Steuern und auf die Conscription. Alle Übrigen Zweige der Verwaltung hatten sich nur wenig der Vorsorge der Regierung zu erfreuen. Geld und Soldaten waren das Einzige- was Napoleon gebrauchte, um die Welt zu erobern, und mit dem Ruhme, der aus diesen Großthaten floß, glaubte er, scine Völ- Eer für das Entbehren einer für Alles besorgten, väterlich- milden Regierung zu entschädigen. Die Geseße, Verordnungen und Verwaltung cines Souverains tragen immer den Stempel seines Charakters. Militairische unerbittliche Strenge und Subording- tion waren die Grundzüge der Napoleonischen. So wie der Kai- ser sclb| auf dem errungenen Thröne mit unumschränkter Gewalt die Zügel der Regierung in Händen hielt, so eigenmächtig han- delten auch seine Beamten in ihren Wirkungskreisen. Ein Prä- fekt verwaltete sein Departement gleich cinem Vice-König, dem von den Verwalteten, auch bei den cigenmächtigsten Handlungen, auf keine Weise beizukommen war, wenn er nur nach oben den an ihn gemachten Anforderungen genügte. Es darf Udrigens nicht vergessen werden, daß diese strenge militairische Ver- roaltung au<h Gutes förderte, wohin besonders die zwe>- mäßige Verbesserung der Polizei und die Einführung der Gendarmerie zu re<hnen sind. Die Polizei kann in ihrett Formen nicht zu streng gehandhabt werden, und die Gen-

darmerie bewährte dadurch hauptsächlich ihren Nußen , daß ste | | | und die Versammlung der Kreisstände zur Seite hat. Nicht al-

lein die Kreis - Deputirten und die Vertreter der Gemeinden auf

die Provinzen von Landstrceichern und losem Gesindel säuberte- deren Anh T so leicht verbrecherische Handlungen veranlaßt. Ein anderes Jníti i wescn wäre, um cine Regierung verhaßt zu machen, war die ge=- heime Polizei, deren der Machthaber, welcher immer noch bedeu- tende Parteien im Staate gegen sich hatte, zu seiner Existenz zu bedürfen glaubte. Sie erzeugte ein dumpfes Mißtrauen in den Gemüthern; unterdrü>te die Vertraulichkeit im gesellschaftlichen Umgange, bewirkte cin vorsichtig - ängstliches Zurückhalten auch in den unschuldigsten Reden und drang A in das Heiligthüm der Familienzirkel. An keinem dentlichen Orte, nur zum er- prohten Freunde, durfte man es wagen, sich tadelnd über die Re- icrung N Fhre unbekannten Agenten ,- auf Kund- haft ausgehend, feuerten oft selbst zu solhen Reden an, und der Unbesonnene, der sich verleiten licß, wurde das Opfer seiner Unvorsichtigkeit. Diese geheime Polizei war es hauptsächlich, welche die natürliche, der Würde des Menschen p emen, Grei- heit unterdrü>te und alles Auffeimen einer U e ang verhinderte. Napoleon Me sich das Ziel der Weltherr- schaft vorgeste>t, und fast alle Anordnungen , die er in seinen Staaten machte, geschahen nur in LON Sinne und mußten mehr oder minder auf die Erreichung dieses Zweckes hinwirken. Geld und Soldaten brauchte er zum Erobern, die I und Gendarmerie mußten seinen Besehlen Kraft und {nelle Aus- führung sichern, und, die geheime Polizei diente ihm zum Schuß vor innern Feinden. Daher kam es denn auch, daß auf alle übri-

me Zweige der Verwaltung, die nicht mittelbar oder unmittel-

ar auf das große Ziel der Weltherrschaft hinwirken konnten, wenig oder gar keine Sorge verwendet wurde. JFustitute zur Ra des physischen und moralischen Zustandes der mensch= lichen Gesellschaft wurden nirgends errichtet. Die Handwerke

und Gewerb&‘hatten sich nicht’ einmal einer Beaufsichtigung, wie

viel weniger cinex- Vorsorge, dexr Regierung zu erfreuen. Der Volksunterricht „wurde so vernachlässigt, da auf dem Lande un- ter der geringeren Klasse fast kein Mensch mehr lesen und rei ben lernte. Hdhere Bildungs-Justitute, Afademieen und Kunst- Lu gab es in den Rheinlanden eigentlich gar nicht, #0 daß ie wenigen Jünglinge, die sich no< den Studien widmeten, sich genöthigt sahen, wenn sie eine Deutsche Bildung genießen

tut aber, welches allein schon hinreichend ge- :

darthun. Fast ina

Da“die Kinder

wollteit , die Universitätett des Auslandes zu besuchen. Für die Medizinal - Angelegenheiten, welche ohne Zweifel einen Haupt- zweig jeder genen Verwaltung ausmachen sollten, geschah nichts , und das Leben der erkrankten Landleute war einem Heer - von Pfuschern L B di Die kirchlichen A Es waren ganz in Verfall. Fur die Bildung der Geistlichen geschah nicht allein nichts, sondern es wurde auch keine ADOIRs von ihnen in Anspruch genommen. Daher fam es denn auch, daß die Re- ligion anfing, zu einer bloß geist- und herzlosen Beobachtung der Form herabzusinken. Genug, alles dasjenige, was man un- ter Polizei im höheren Sinne des Wortes versicht, und was-die Förderung des physischen und moralischen Wohlergehens des Vol- kes im Ganzen, fo wie jedes Einzelien im Volke, bezwe>t, wurde von der Französischen Regierung auf cine unverantwortliche Weise varmwachläjsigt.

Um die uns vorgeseüte Parallele genügend durchzuführen, wenden wir uns nun wieder zu dem Preußischen Zeitraume. Mit dem Beginne dieses Zeitraumes fingen die Rheinlande scit lan- ger Zeit zum erstenmale wieder an, die Ruhe des Friedens zu emp|ndent und unter der Aegide einer milden und humanen Re- gierung, deren höchstes. Besireben das wahrhafte Wohl ihrer Un- terthanen bezwe>t, die goldenen Früchte desselben zu genießen. Was gut war, blieb bestehen, das Mangelhafte wurde verbessert, und wo die Vorsorge der Regierung ganz gefehlt hatte, wurde Neues geschaffen. Nach dem Code Napoleon wird, wie schon den gejagt, die Justiz n den Rheinlanden noch jeßt verwaltet ; die Polizei und Gendarmerie blieben nicht nur bestehen, sondern der König führte die leßtere, weil er sie als gut erkannte, auch in den übrigen Provinzen scines Reiches ein. Die geheime Polizei, die Geburt eines Usurpators, der dieses Mittels bedurfte, um sich auf dem errungenen Throne gegen innere Feinde zu shÜßen, verschwand unter ciner Regierung, die das Bewußtseytt hat, nur das zu wollen, was zum Heil ihrer Unterthanen ift, und die entfesselten Zungen konnten sich nach freier Willkähr Über jede Maaßregel des Staates, wenn nur die Decenz des Aus- dru>es beobachtet wurde, ungefährdet in den lautesten Tadel er- gießen; welches Vortheils sich die Rheinländer zu Anfange, be- vor thnen die Tendenz der Preußischen Regierung bekannt war, auch redlich bedienten. Hierdurch war es wteder möglich gewor- den, daß sich eine Stimme der Oeffentlichkeit bilden konnte, de- ren Ertdnen nicmals unbeachtet von dem Preußischen Gouver- nement vernommen wird, zumal, da dieselbe durch die Provinzial- Stände, welche gewissermaßen als das Organ der dffentlichen Meinung zu betrachten. sind, auf geseßlichem Wege direkt zum Throne. gelangt. Der difktatorische, keine Rücksicht nehmende militatrijche Charakter der vorigen Verwaltung verwandelte sich in eine milde, mit shonender Berücksichtigung zu Werke gehende, Humanität , verbunden mit der gewisscnhaftesten Sorgfalt , kein Unrecht zu thun und nirgends ein Privat - Fnteresse zu kränken. So wie die Französische Verwaltung den Stempel desjenigen, der ste geschaffen hatte, auf der Stirne trug, so erkennt man auch in der Preußischen den Charakter ihres Urhebers. Die eigen- mächtigen Präfekten wurden abgeschafft, und an ihre Stelle tra-

ten Regierungs - Kollegien; an die Stelle der Unter - Präfekten

wurden Landräthe ernannt, von denen jeder zwei Kreis-Deputirte

den Kreistagen, sondern sogar die Landräthe werden gewählt, durch welche Maaßregel die Verwaltung sehr an Volksthümlich- keit gewonnen hat. Es ist zwar nicht zu läugnen, daß der Ge- schäftsgang etwas weitläuftiger und langsamer geworden is, weil da, wo früher einzelne Diktatoren herrschten , “jeßt bera- thende Kollegien handeln, doch kann man dafür auch Überzeugt seyn, daß jeßt Alles reiflicher erwogen und mit mehr Gerechtig- keit und Unparteilichkeit zu Werke gegnagen wird. Da nun die Preußische Regierung nicht, woie Napoleon, die Motive ihrer Handlungen aus der Eroberungs\ucht und Ruhmbegier hernimmt, sondern da sie den Willen hat, in Ruhe und Frieden das Wohl threr: Unterthanen besimöglich| zu befördern , so hat sie in dieser Beziehung, wo keine Spuren einer föcdernden Einwirkung der früheren Regierung zu finden waren, fast Alles neu \chaff}en mÜs- es und diese Schdpfungen sind és, hervorgchend gus einer Al- es umfassenden väterlich milden Sorgfalt, wofür die Rheinlande der M ANR G Regierung nie genug danken können. Eine nur oberflächliche Schilderung derselben wird schon hinreichen , die Wahrheit dieser Behauptung darzuthun. 1) "Einer besonderen Aufmerksamkeit des Staates hât sti

der Volïks- Unterricht ‘zu erfreuen, der“ dur< ihn eigentlich er

geschaffen ist. “Schullehrer - Seminarien sind errichtet, nach den verschiedenen Konfessionen, wo Fünglinge, die cis dem Elemen-

‘tar - Lehrfache widmen, auf eine methodische Wrise gebildet *wer-= den: Bevor diese die Anstalt: verlassétt , müsse si

e durch strenge Prüfungen. ihre ana ied um Antritt eines Schullehrer=Amtes : en Dorfgemeinden sind neue Schulhäuser erbaut’, um auch“ auf diese: Wetse der Würde dés Gegenstandes eine angemessene Form zu verlethen: “Die alten, ‘engen, ‘dunpfi- gen, ungesuttden und unanständigen Räume , in welchen früher, zum großen Nachtheil für die Gesundheit der Kinder, der Unter- Gt ertheilt wurde, sind" vérschwunden, und an threr Stelle sieht man jeßt das Schulhaus, als das zierlichste und geräu- migste Gebäude im ganzen Dorfe, sich auszeichnen. i den vierten oder dritten Theil der Zeit ihrer körperlichen Entwickelung in der Schule zubringen, so muß selbst= rédend die gesunde oder ungesunde Beschaffenheit der Schulzim- :