1831 / 8 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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‘und einen bestimmten Beweis. unserer Straffälligkeit zu liefern, oder! mindestens ein Mittel namhaft zu machen, unseren: Umtrie- ben auf die Spur zu kommen. Jch erkläre, daß-Nicmand mix von Zugeständnissen. gesprochen hat , die man dem Monarchen zu entreißen suchen müsse, und: daß ih auch Niemanden: das Recht eingeräumt hatte, mir einen solchen Vorschlag zu machen. Das einzige Versprechen, daß ih, und zwar nicht den Ruhestdrern, sondern dem Könige, dem Lande und meinem Gewissen gegeben habe, ist, daß ih mich für immer von dem vorigen- Regierungs- Sysiem loszusagen und den Grundsäßen unserer leßten Revolu- tion treu zu bleiben entschlossen sey. // Nach dieser Einleitung verlas Hr. Dupont zu seiner Rechtfertigung ein Schreiben, das er unterm 24. Dez. in seiner Eigenschaft als Großstiegelbe- wahrer an den General - Prokurator erlassen hatte, um die Ünru- hestifter den Händen der Gerechtigkeit zu überliefern, und schloß sodann in folgender Weise: „Nur mit Widerwillen, meine Herren, und bloß von dem Gedanken geleitet, daß jeder Volfsmann der neuen Regierung seine Mitwirkung und seinen Beistand schuldig sey, hatte ih mi< entschlossen, tn das Minisierium cinzutreten. Verschiedene Umstände hatten mich scitdem mehrmals bewogen, mich wieder zurückzuziehen. Jch that es nicht, weil ih besorgte, daß mein Ausscheiden in cinem Augenbli>e, wo der Prozeß der Minister der Hauptstadt Gefah- ren zu bereiten schien, der Regierung neue Verlegenheiten zuzie- hen möchte. - JFebt, wo diese Gefahren vorüber sind, habe ich ge- Verab daß der Augenblick gekommen sey, mi einer Last zu ent- edigen , die meine Kräfte Übersteigt. Der König hat mix meine Entlassung bewilligt, ohne daß er deshalb minder von meiner An- hänglichkeit an seine Person und setnen verfassungsmäßigen Thron Überzeugt wäre. Fc komme jeßt, meinen alten Plaß unter Fhnen, meine Herren Kollegen, wieder einzunehmen , und zwar mit der- selben Unabhängigkeit und denselben Gefühlen, die Sie stets gn mir gekannt ‘haden. Meine. Ansichten haben von denen der jeßi- gen Minister zuweilen abweichen können; doch habe - ich deshalb nie aufgehört , der Freund cines jeden dieser Minister zu seyn. Ich darf mich der Hoffnung hingeben, daß keine politische Noth- wendigkeit das Band unseres gegenseitigen Wohlwollens auflösen wird; vielmehr shmeichle i< mir, daß ich den Handlangen der Regierung und den Geseß-Entwürfen , die ste uns in dem Jn- teresse des Landes vorlegen wird, niemals meinen Beifall werde zu versagen brauchen.//

Nach Herrn Dupont ließ si{< der Baron Bignon wegen eines persönlihen Faftums und nach ihm Herr Au- dry de Puyraveau vernehmen, obgleih abermals von mehreren Seiten der Schluß der Debatte verlangt wurde. Die Ungeduld stieg mic jedem Augenblicke; nichtsdestoive-

‘niger gelang es no< dem General Lamarque, sich Gehör

zu ver]chassen, um Franfreihs auswärtige Verhältnisse zu berühren : N i ¿Dex Präsident des Minister-Raths//, begann er, „hat uns vorgestern gesagt, der politische Horizont sey weniger als früher mit Wolken bede>t, und die Anerkennung der Unabhängigkeit Belgiens durch die fünf großen Mächte sey ein Unterpfand des Friedens. Darf man diese Hoffuung aber wirklich fassen, wenn das Protokoll ber die Anerkennung: Belgiens, wie man ver- sichert, die Worte enthält: daß man \sich so wenig wie möglich von den Grundlagen und dem Zwe>e, dem Geiste und den Bestimmungen der Verträge von 1814 und 1815 entfernen wolle? Vergißt man denn, daß diese Verträge uns unserer natürlichen Gränzen beraubt und uns die festen Pläße genommen haben, die dem Feinde den Zugang zu unserer Hauptstadt versperrten, so daß wir jcht beim bloßen An- schein cines Krieges. genöthigt sind, ‘die Hauptstadt durch Ver- schanzungèn zu de>en? Vergißt man, daß man damals Belgien zu etner Vormauer gegeti uns, zu einem Brükenkopfe für Eng- land machen wollte? Sollte es der Zwe> der fünf großen Mächte seyt, diesc frühere Bestimmung Belgiens fortbestehen zu lassen? Es Zzab ein Mittel, das Frankreichs würdiger gewesen wäre und lbst England befriedigt haben würde, nämlich Antwerpen zu einem Frethafen/, einer Hanse = Stadt zu machen und dann.das

" Anerbieten der Vereinigung Belgiens mit uns anzunehmen. Die

alte Frage über die Schelde wäre dann erledigt worden, und. alle National-Jnteressen wären befriedigt gewesen. Es sey mir: hier

‘erlaubt, ‘einer Aeußerung zu erwähnen , welche die . geheimen

Gedanken einiger “Staatsmänner über diesen Gegenstand an

“den Tag bringt. Als“ im Jahre 1814: ein Sranzösischer General |

mit eincm Englischén Minister beisammen war, der“ später eine roße Rolle spiclte, und thm seinen Schmerz darüber äußerte, aß:Frankreich- seine natürlichen Gränzen verloren habe, erwiederte

“der Englische Minister: „, „An den Rhein-Departements- und an

E liegt uns wenig, dié ganze Frage-beruht auf der Schelde; gland würde lieber 100 Fähre Krieg - geführt, seinen leßten Mann- und ege: leßten Tdaler aufgeop sert als: die Schelde clässen haben.-/// Dieser: Minister war der bexúhmte

ning. Eine zweite, nur Belgien betreffende Frage obi pee. red Hat man der Ag den zwischen Holland und Belgien ahb- eschlossenen Wáäffenstillstand zum Grunde gelegt? Will. man si<

arauf beschränken, die Citadelle: von Antwerpen gegen die Festung

Venloo IaL Dann würde Mastricht den Holländern bleiben. Ohtte den Waffenstillstand, der den Belgiern nur Nach= rabant seyn, das Über 300,000 Katho

Nord- en und nux 50,000

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60 dazu angewandt hâtte, das von ihm gestellte Problem zu lösen“

Protesianten enthält, und die Maas und das Moerdyk würdet die Gränzen des neuen. Staates seyn. Dieselbe Schwieriakeit is auf dem linken Schelde-Ufer vorhanden, wo Holländisch Flan- dern noch in den Händen der Holländer (f, die von der Sthleuse von Terneuzen, von Hulft aus, Gent und ganz Flandern citt- nehmen können. Solche Gränzen können nicht definitiv seyn. Jh würde unsere Minister zu beleidigen glauben, wenn i< der Absicht , die man ihnen unterlegt, einen En lichen Prinzen auf denBelgischen Thron seten zu wollen, den mindesen Glauben chenken wollte. Fch beschränke mich daher darauf, zu fragen: 1) ob es wahrist, daß das von den großen Mächten unterzeichnete Protokoll dahin lau- tet, daß man sich den Verträgen von 1814 und 1815 so viel als möglich nähern wolle; 2) ob man unter den Gränzen des neuen Staates diejenigen versteht, welche die Grundlage des Waffen- stillstandes zwischen Holland und Béèlgien gebildet haben?“ Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten er-

wiederte: „Ein- Freund des ehrenwerthen Generals, den i< auf

dieser Rednerbühne ablôse, hatte gestern die von Jhnen #o eben vernommene Rede Über unsere auswärtigen Angelegenheiten, und nameatlich Über die Belgische Frage, angekündigt. Bevor ih auf diese Rede antworte, will ich einige Bemerkungen über die

Aeußerungen des aco Redners machen. Leßterer hat vont

etner Angelegenheit gesprochen, die nicht verdiente , auf die- ser Rednerbühne berührt zu werden. Die Regierung glaubte, die Würde des Königs und Frankreichs erlaube ihr nit, wegett des unschi>lichen Benehmens eines Herzogs von Modena Rechen= schaft zu verlangen. Diese Würde fleht zu hoch, als daß sie von dem Ersten Besten verlegt werden könnte. Hätte der estrige Redner den Gang der diplomatischen Verhandlungen besser ge- kannt, so würde er wissen, daß ein Protokoll nur die w rtliche Angabe des in den Sizungen Unterhandelten is. Das Londoner Protokoll is in Paris wie in Brüssel bekannt. Sie haben Alle den von Herrn van de Weyer im Belgischen Kongresse darüber abgefiatteten Bericht gelesen. Das Princip der Trennung Bel- giens und. Hollands is darin bestimmt aufgestellt, die Unab- hangigkeit Belgiens ohne Vorbehalt, ohne Bedingang aner- kannt. Es fann im Protokoll von der alten Bestimmung des Königreichs der Niederlande die Rede seyn, aber, ih wieder- hole es, feine Bedingung ist stipulirt worden. Was die Grän- zen des neuen Staates betrifft, so ist diese Frage noch nicht ver- handelt worden; sie wird Unterbandlungen veranlassen, über welche

die Kammex meine Zurückhaltung ¡begreifen und billigen wird.

Noch habe ich einige Worte wegen des sehx natürlichen 6 chmerzes des ebrenwerthen vorigen Redners úber die Verluste, die Frank- reich. erlitten hat, zu sagen. „Diesen Schmerz theilen wir Alle; auch ich habe ihn mehr als ein Mal“ auf dieser Rednerbühne aus- gesprochen; aber diese Verluste sind die Folge von Ereignissen, die Ste alle kennen, und die, indem fie: die Gestalt Europas n-

derten, den Staaten gegenseitige Verpflichtungen auflegten. Hobe Rücksichten müssen wohl die S 9 L Se

f berhand Úber die National - Ge- sinnung behalten. Man hat von der Abtretung von Antwerpen und vou der Errichtung dieser Handelsstadt zu einem es e gesprochen. Man darf es sich nicht verhehlen, m. H , dies sind Fragen um Krieg und Frieden. Allerdings wäre nichts leichter für Sranfreich, als in, Belgien einzurü>en und die festen Pläbe, wie das Gebiet eines Landes, ‘das: uns gern sehen würde, zu beseßen. Dies würde aber das Signal zu einem Kriege seyn, dessen Fol- gen sich nicht abschen lassen, und. ih frage Sie, i| die Gefahr, ganz Europa in Brand zu seßen, nicht geeignet, die Regierung zu evnstem Nachdenken zu bewegen? Wir glauben dies; die Kammer und Frankreich können nicht annehmen, daß die Re- L jemals vergessen werde, was sie den Füteressen des jaterlandes, der Würde der Krone und der National-Ehre {hul- dig ist. Die hohen Functionen, mit denen der König mich be- auftragt hat, veroflichten mich zu einer Zurückhaltung , die ganz von den Fnteressen des Staates geboten wird. Konferenzen find in London erdffnet; Belgien wünschte dieselben, sie werden seine Hoffnungen nicht täuschen, Und bereits hat es glü>liche Früchte davon geerntet. Man hat sich Über den Waffenstillstand beklagt, man hat ihn als für Belgien ungünstig dargestellt. Jch frage aber: wer hat. diesen Waffenstillstand aufgedrungen? Niemand. Die Belgier nahmen ihn gern und dankbar an. Was dic Schwic- rigkeiten in Betreff der Eröffnung der Schelde betrifft, so will ich mich auf eine Bemerkung beschränken. Die freie Schifffahrt der Meere ift ein Princip, welches Frankreich proklamirt hat, und dem es’ Achtung zu verschaffen: wissen wird. Wenn ich auch bei diesen Aufschlüssen- einige Zurückhaltung habe beobachten müssen, so werden sie dennoch, wie ich hofe; Frankreich, Belgien. und auch Europa beruhigen, mit welchem wir nur in: freundschaftlichen Ver- bindungen ‘stehen, und dessen: Friede auf ehrenvolle Weise auf- recht erhalten und befestigt: werden wird.// (Allgemeiner Beifall.)

Herr Maug uïn' beschwerte sich. darúber, daß der Mi- nister der auswärtigen Angelegenheiten die Tages zuvor von ihm gemachte Förderung wegen Vorlegung: ‘des: Londoner Protofolls vom 20. Dezember umgahgen habe; er wieder-

hole dahex seinen Antrag; úbrigens ‘freue er ‘sich, daß er si{<

nicht getäuscht habe, als. er von der von einèm Jtaliänischen Fürsten begangenen Unschicklichkeit gesprochen; er würde auf

‘diese Angelegenheit nicht zurückommen, wenn er- darin nicht

[ein Zeichen ‘der Gesinnung anderer Mächte sähe; ay fianer

‘theil gebracht hat, würden sie gegenwärtig Herren von ganz “Fürst R s nicht wagen, ‘einer großen Macht, wie Frank- i

Beilage

Zweite Beilage zur Algeméihen Preußishen Staats - Zeitung F 8.

S < weiz.

Bern, 21. Dez. (Schluß des vorgestern ab- gebrochenen Schreibens.) Jun Bern selbst ist es bisher no<h ruhig geblieben. Jn Burgdorf und dem Emmen- thale waren Umtriebe, Sammlung von Unterschriften, aber feine große Volks - Versammlungen. Man hat verhört, er- mahnt 2c., und die Sache ist bis jeßt niht ârger. Jn Ni- dau, Biel und Büren haben sie später angefaugen, sich zu rühren, Petitionen entworfen und Volks-Versammlungen auf gestern angesagr. Man hat einen Regierungs - Commissair mit Vollinacht hingesandt (den Oberst Koch, einen tüchtigen Mann). Jn Pruntrut treiben sie es viel ärger, wie überall, wo wir an Frankreich gränzen. Auch dahin haben wir zwei Regierungs-Commissaire geshi>t. Die Rebellen tragen dort Freiheitsbäume herum, und singen die Marseciller Hymne, Hin und wieder hat man .Arrestationen vorgenommen, deren es noch mehr geben wird. Jn einigen Gegenden Berns haben die Bauern die fremden Aufwiegler geprügelt, zu den Dör- fert hinaus gejagt und ihnen mit dem Tode gedroht , wenn sie wieder fommen. Die Kommunal-Garde der Stadt hat si, 2500 Mann stark, gebilder und fann leicht vermehrt werden. Die Dörfer in der Nähe der Stadt sind alle guc esinnt, und gewiß überhaupt È der Einwohner. Um die Ruhe der Sißbung uuseres großen Rathes, der vom 6ten bis 18ten versammelt war, zu handhaben, wurde cine Compag- nie Artillerie, eine Compagnie Kavallerie und ein Bataillon Infanterie in die Stadt gezogen (alles Miliz); sie zeigten sich anfangs etwas mürris<, famen ungern. Ciner wurde tüchtig besttaft, in wenig Tagen zeigten sich alle willig, und beim Auszuge, als sie na< beendigten Sißungen entlassen

wurden, versprachen sie volle Treue, boten sich von seibst zur Besaßung der Stadt an, so bald man sie nôthig habe, und baten ihre Offiziere um Verzeihung wegen des früher Vor- gefallenen. Jn dem großen Rathe it eine Kommission zur Untersuchung aller Petitionen niedergeseßt worden, die aber etst im Februar Bericht erstatten joll, wo der große Rath wieder seine gewöhnlichen Sißungen hälce. Bis dahin wird sich Manches gestalten, das no< unsihrbar ist, aber alle Vernünsftige im Lande haben diese Maaßnahme gebilligt.

. , j j Gelingt es uns, den Sturm zu überleben, ohne zu scheitern,

und wix machen dann gerechte und nüßliche Modificationen in der Verfassung, so werden die andern Kantone ihr Ue- bermaaß von Nachgiebigkeit bereuen, und Manches wird wie- der ins Geleis fommen, was davon abgewichen ist. Aber die Partei der Exaltirten in Franfreih will nicht, daß es uns ge- linge; sie werden neue Künjie brauchen, wenn die aiten an uns fehlschlagen, und so fan man wirklich nicht auf einen Tag hinaus vorsehen, was geschehen wird. So viel aber is ge- wiß, daß selbst die alten demofratischen Kantone ihren Haß gegen unsere Befreier von 1798 nicht aufgegeben haben und zur Aufstellung von Truppen gegen die westliche Gränze s2hr bereit sind. Das ist nun der Hauptpunktt, daß wir, un- geachtet unserer inneren Unruhen, zur Behauptung der Un- abhängigkeit uus willig und einig zeigen.‘ Darum hat un- ser fleine Rath (der bis Ausgang Dezembers noch das Di- reftorium der Schweiz ausmacht ) aus Übermorgen die Tag- faßung (außerordentlich) einberufen, *) und obschon viele Mit- glieder der neu revolutionirten Kantone als Deputirte hier eintressen werden, so wissen wir doch ziemlich bestimmt, daß die größte Mehrzahl die Aufstellung des Bundes-Kontingents verlangen wird. Um nun dies zu erleichtern, sind schon heute vier Bataillone aufgeboten worden, die zur Disposition der Tagsaßung gestellt werden sollen. Die Milizen werden hierzu eben so willig seyn, als sie ungern sich gegen ihre Kantons- Bürger hätten anführen lassen. Beschließt die Tagsaßung (woran ih nicht zweifle) die Aufstellung des Kontingents (33/000) oder doch eines Kerns' davon, so muß das, nah mei- ner Ansicht, eine sehr wohlthätige Diversion in den Gemü- thern machen, zugleich aber auch den Unruhestiftern mponi- ren, deren Stärke um so- mehr- gebrochen wird, je

mehr sie dadurch vereinzelt werden. So stehen die Sachen heute; aber ob sie morgen noch so seyn werden, das kann . Niemand wissen. So viel ist indessen gewiß, daß, wenn eine Volksbewegung gegen Bern statthaben follte (was ich nicht

*) Vergl. die in Nr. 5 dieser Zeitung mitgetheilten Nach- viibten aus Schaffhausen, worin von der erfolgten Erdôffnung der

Tagsaßung Meldung geschehen.

für wahrscheinlih halte), man die Thore schließen und den Angreifern Kanonenschlúnde zeigen würde. So leicht also, wie in den andern Städten, würden sie hier ihren Zwet nicht errei<hen. Die Garnijon von etwa 500 Mann und die Bürgerschaft von 2500 sind sicher. Die Richtigkeit der in Vorste- hendementhaltenenAndeutungen hinsichtlich dér geheimen Unstif- ter der Unruhen in unserm Lande, ergiebt sich wohl klar aus einer von mehreren in Paris wohnenden Schweizern, an alle Kantone gerichteten lithographirten Adresse, worin sie sagen: „Die jebigen Verfassungen seyen uns von den-Allürten aufgedrun- gen, wir seyen also niht unabhängig und sollten wieder eine Helvetische Central-Regieruug machen, die Souverainetát der Kantone aufheben : dann befämen wir einen sichern Alliirten an Franfreich, und dann erst sey unsere Unabhängigkeit eine Wahrheit!“ Noch dürfen wir indeß hoffen, dem uns bedrohenden Unheil vorzubeugen; gelingt es uns in die- ser Unordnung, uns als Macht zu, zeigen, Truppen aufzu- stellea, auf die roir uns verlassen könauen , die Verfassung so viel zu modificiren, als es dem Lande núblich ist, in unserem Kantone jeden gewaltsamen Ausbruch von Aufruhr zu hin- dern, jo fann dies nicht ohne Einfluß auf andere Kantone blei- ben, wo beide Parteien baid wünschen werdet, sich wieder zu nähern. Daun kann man sich allenfalls gegenseitig zu einer stär- feren Centralisation der Eidgenössischen Regierung verstehen, die wohl zwe>Emäßig wäre, wenn sie von uns selbst ausgehen solite, und dann ein ganz anderes Personal aufstellen würde, als das, welches die Revolutionnairs wunschen. Sollte aber au<h Bern so von allen Seiten bestürmt werden, daß es sich nicht halten fönnte, bis die Krise vorüber ist, und das ist wohl nur denkbar auf den Fall, daß die Tagsaßung sich den hierseitigen Maaßregeln widerseßen oder gar in rèvolu- tionnairem Sinne vorwärts schreiten wollte, so ist ein anar-

ch ischer Zustand für die Schweiz leider vorhetzusehen. Das

Gesagte erklärt übrigens, warum alle Französische und 'Schwei- zer - Blätter einhellig ihre Galle gegen Bern auslassen, von Belagerung durch 2000 Mann sprechen und andere Lügen mehr verbreiten. Sie sind um so mehr aufgebracht, je fester bisher unsere Haltung war.

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Berlin, 7. Jan. -Fúr den am 16. Jan d. J. zu er- d\\nenden Provinzial-Landtag der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausiß haben des Königs Maje- stät den General - Lieutenant Herrn von der Marwiß auf Friedersdorf zum Landtags - Marschall, und den Landrath Herrn von Waldow auf Fürstenau zu dessen Stellvertreter zu ernennen geruht.

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Ueber die Verlegung der Nanmburger Messen.

Die Verlegung der seither in Naumburg an der Saake ah- chaltenen Sommer- und Winter -Meßen und deren Verwand- ung in eine Frühlings - und Herbst- Messe if eine Anordnung von hoher Wichtigkeit für den inländishen Handels = und Ge- werbsstand, die gewiß von demselben mit dem grbfßiten Beifall aufgenommen und mit Dank anerkannt werden wird. Es konnte in dey That wohl nichts Zwe>mäßigeres geschehen, als diese Veränderung der- Zeitpunkte zur Abhaltung der“ beiden Naum- burger Messen; denn die bisherigen waren gewiß die am wenig- sten geeigneten und unbequemsten, die man hâtte wählen können. Bis zum Jahre 1819 wurde nur cine Messe in Naumburg ge- halten, die sogenannte Petri-Paul- oder Sommer - Messe. Sie hatte sich in früherer Zeit aus einem Landmarkt entwi>elt und fonnte spâter eder en. und zu einem gewissen Grade des Flors gelangen , weil sie den Handels -Verhältnissen. entsprach , welche zur Zeit bestanden, als das jehige Herzogthum Sachsen noch zum

- Königreich Sachsen gehörte. Damals waren die Umstände auch

von der Art, daß der Zeitpunkt ihrer Abhaltung als günstig für den Verkebr angesehen werden tonnte. - Anders G ich aber die Verhältnisse, als Laie Theil von Sachsen, worin Naumburg liegt, mit der Preußischen Monarchie vercinigt wurde und das Preußische Handels - System auch. auf den Naumburger Meßhandel angewandt werden mußte. Nun traten ganz andere Beziehungen und Verbindungen cin, und die Zeit, an welcher die Naumburger Sommer - Messe abgehalten wurde, war nicht bloß für den Preußischen Verkäufer und Fabrikanten, sondern auch Ér den Preußischen Einkäufcr oder Kleinhändleë, der die

Messe besuchen wollte, die am wenigsten geeignete. Wik werden dies nachher näher zeigen.