1831 / 12 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Niederlande.

Aus dem Haag, 6. Jan. Die Staats-Courant bestätigt die Nachricht von dem am 1sten d. erfolgten Able- ben des Staatsraths Willmar, Civil - Gouverneur des Groß- Herzogthums Luxemburg, „„ein Posten, den er seit Jahren bekleidet, und in welchem er seinem rechtmäßigen Fürsten eine unwandelbare Treue erhalten hat.‘

Das Journal de la Haye enthält unter der Ueber- fehrift: „Unsere Lage‘/ Folgendes: „Die Feindseligkeiten haben wieder begonnen, dies is ohne Zweifel ein Glück. Für die Belgier ist jeßt nichts mehr zu hoffen, als etwa die Zu- geständnisse, zu denen uns die Kriegs-Ereignisse zwingen möchten. Die Diplomatie wird nichts von uns verlangen, das ist die Hauptsache. Die Londoner Konferenz und der Zranzösische Minister der auswärtigen Angelegenheiten ms- gen immerhin die Frage wegen der Schifffahrt auf der Schelde leihthin durhschneiden, die Schelde ist darum nicht freier geworden, denn wir wollen uns von Niemand Gesebe vor- schreiben lassen. Holland hat sih so gezeigt, wie es mußte, und man fängë endlih an, seiner Regierung Energie des Charakters zuzutrauen. Niemand konnte daran zweifeln. Das unglückliche und durch die von uns angenommene Kriegs- maaßregel ruinirte Belgien mußte entweder ein Zuge- sändniß von uns erlangen, das ihm sein Daseyn wiedergab, oder mit den Waffen in der Hand das Schifffahrtsrecht, das die Hälfte seiner Bevdlferung ernährt, wieder erobern. Im Vertrauen auf die Gerechtigkeit unserer Sache haben wir es vorgezogen, uns den Wechselfällen des Krieges auszu- seben, als uns zu Zugeständnissen herabzulassen, die man fúr Schwäche genommen hätte. - Man rüstet si{ch jeßt wider uns. Wohlan, laßt uns marschiren! Unsere Würde, unser Cha- rafter sind gerettet. Man appellirt an die Waffen, laßt uns durch die Waffen antworten. Selbst eine Niederlage wäre ehrenwerther, als ein Zugeständniß, Aber eine Niederlage ist nicht zu befürchten. Moralisch und physish sind unsere Kräfte durch die weisen Maaßregeln der Regierung und den treffüchen Geist der Bürger während des Waffenstillstandes verdoppelt worden. Man lese die revolutionnairen Blätter des Auslands ; sie wagen cs jeßt viel weniger als früher, von unseren Angelegenheiten zu sprehen. Die Beleidigungen ge- gen den König Wilhelm und das Holländische Volk werden jeßt seltner, und das Lob der Belgier, ihrer großen Män- ner und ihres Kongresses findet nicht mehr so star- fen Widerhall in England und Frankreich. Die Wahr- heit dringt endlih durch. Die lächerlihen Debatten in Brüssel, die nähere Kenutniß der Personen der Revo- iution und der Ereignisse, eine gerechtere Würdigung des Charakters unsers fonst so gut gefannten, jest aber so verfannten Monarchen, eine richtigere Kenntniß des wahren Holländischen Charakters, die Begeisterung dieser sonst o falten und ruhigen Nation, die Gegenwart der Freiwilligen unter den Fahüen, die Berichte über so viele patriotische Gaben in unsern Blättern, das Alles sollte dem Auge des Auslandes entgehen? Nein, so blind is es nicht. Wenn wir in dieser Beziehung unbeshränktes Vertrauen in die Vorsehung und in die Zeit seßen, so beruht unser Ver- trauen hinsichtlih unseres inneren Zustandes auf sicherern Grundlagen. Jn Breda verschanzt und durch den Kern unserer Jugend vertheidigt, kann unsere vom tapfern Gene- ral van Geen befehligte Armee sich nach den vom Feinde bedrohten Punkten wenden. Hier steht der tapfere Chassé, furchtbar den Re- dellen, von seinem Könige geachtet, von seinen Mitbürgern geliebt, und macht von seiner Citadelle aus den Feind {hon in der Ferne zittern, wie der Löwe in der Wüste den Wan- derer ershreckt, der von fern um seine Hôle irrt. Dort unten am andern Endpunkte unserer Linie erwartet der loyale Dibbets mit Ruhe und Entschlossenheit das - dro-

de Ungewitter, das alle Tage größer wird und um E erum auszubrechen droht. Und bereit, von Einem dieser unershrockenen Generale zum Andern zu fliegen, wählt ein tapferer und loyaler Krieger , die Ehre Deutschlands, der durch seine Liebe für Alt-Holland und seinen ehrwürdigeu Monarchen bei uns naturalisirte Herzog von Sachsen-Wei- Mar, seinen Posten uur da, wohin ihn der Ruhm und die Sefahr rufen. Ruhm werde diesem ehrenvollen Namen zu Theil! Der König und seine Negierung: haben edel ihre Pflicht erfüllt, indem sie in Nichts nahgaben. Die Armee wird jeßt die. ihrige thun und dem Vertrauen des Fürsten und des Landes entsprechen. Unsere tapfern Soldaten, un- sere Frelwilligen haben Zeit gehabt, sich in den Waffen zu üben und si die ihnen noch mangelnden militairischen Kennt- gisse zu erwerben. Muth! Much : und Ehre wird Euch ge- Febten Söhnen des alten patriotischen Landes zu Theil wer-

den. Die Greise beten für Euch zu dem Gotte, der ihre Väter schüßkte. Die Frauen sind stolz , Eure Mütter, Gat- tinnen und Schwestern zu seyn, und Eure Kinder werden sich einst mit dem Ruhme s{chmücken, den Jhr auf. dem Schlacht- felde einernten werdet. Beim ersten Schlachtruf , beim er- sten Kanonenschuß werden alle unsere Wünsche und Gefühle nach dem Orte hineilen, wo Jhr steht. Hoffnung des Va- terlandes , die Du diese Zeilen und in ihnen die Gesinnung unseres ganzen- Volkes liesest , lasse seine Achtung und Be- wunderung Deinen Muth verdoppeln. Unsere ganze Seele fliegt Dir entgegen ‘/

Dasselbe Blatt äußert: „Wir benachrihtigen aus- ivärtige Zeitungen , daß die in dem Lütticher Blatte „„Poli- tique‘“ enthaltenen Einzelnheiten über das bei Meersen zwi- schen unsern Truppen und den Rbellen stattgehabte Gefecbt durchweg fal sch sind.“

Unsere lebten Nachrichten, sowohl aus Mastricht als von dér Armee, bieten fein besonderes Interesse dar, doch sieht man ret bald erheblihen Neuigkeiten entgegen, da man unsererseits mit dem Plane umzugehen scheint, die Un- ternehmung der Jusurgenten gegen Mastricht dur einen Handstreich zu vereiteln,

Das aus dem Mittelländischen Meere kommende Hol- ländische Geschwader befand si, den lebten Nachrichten zu- folge, hon in Malta; zwei Briggs, die „,Heldin“/ und die ,; Drak, ‘/ werden jegt allein zum Schuße unserer Kauffahr- tei-Schiffe in den Gewässern kreuzen.

Amsterdam, 6. Jan. Die geseßgebende Ver- sammlung der Belzier hat bekanntlich unmittelbar nach ih- rem ersten Zusammentritte zwei verschiedene Beschlússe dekre- tirt, die sie als Grundlagen und als bezeichnende Vorläufer ihres künftigen Verfahrens angesehen wisscn wollte. Der eine dieser Beschlússe betraf die Unabhängigkeits - Erklärung von Belgien und der andere die Ausschließung des Hauses Nassau. Nachdem diese Versammlung seitdem beinahe zwei Monate mit Berathungen über des Landes innere Angelegen- heiten uud mit endlosen Debatten zugebracht hat, die nur selten einmal durch den Lichtstrah!l einer glänzenden Rhetorik ein schwa- ches Relief erhielten, finden jene beiden Beschlüsse im Lande selbs, das längst schon dem Ende seines dermaligen Provisoriums unge- duldig entgegèn sah, die bündigste Widerlegung. Wir haben bereits bei früheren Anlässen Gelegenheit gehabt, nicht bloß auf den Kontrast der Stände und Begriffe in Belgien, sondern auch auf die verschiedenen heterogenen Volfksstämme aufmerksam zu machen, die dieses kleine Land bewohnen , das, ein Mit- teiding zwischen Germanien und Gallien, eines entschiedenen Charafters ganz und gar entbehrt und eben deshalb den Mäángela der ihm verwandten Völker immer zugänglicher war, a!s ihren abweichenden Vorzügen. Es ist schon so oft und“ fo viel von den verschiedenartigen Sprachen, Sit- ten und Gebräuchen der Holländer, die durchgehends dem großen Germanen - Stanm angehören, und der Bel: gier , die jenen gemischten Charakter an sich tragen, so wie von der unglücklichen Ehe, die aus dem poliri- schen Bündnisse des Königreichs der Niederlande entsprin- gen mußte, die Rede gewesen, daß es mindestens auch einer Beachtung würdig scheint, wie schr ein ähnlicher Unterschicd die Belgischen Volksstämme unter sich zu einer sriedfertigen Ehe eben so wenig tauglich macht, als die Belgier und dic Holländer. Ja, es neigt , wie es si jet auch {on zu er- weisen anfängt, der Flamänder sich eigentlich zu dem sprach: und temperamentsverwandten Holländer mehr hin, als zu: dem ungestümen Wallonen , dem die versührerische Nachbar- schaft, mehr noch als sein Ursprung, eine unvertilgbare Gal- lomanie eingeimpft hat. Abermals eine Mitte dieser beiden Mitteldinge bildet der eigentlihe Brabanter; er macht den Uebergang und, wie eben Brüssel; das Centrum aus, in wel- chem sich beide vereinigen und ihren gemeinschaftlichen Halt- punkt finden. Brüssel war es, wo, als im 16ten Jahrhun- dert der Kampf um religiôdse und bürgerliche Freiheit die Be- freiung der Holländischen Provinzen vom Spanischen Joch herbeiführte, die übrigen der neuen Lehre fremd gebliebenen Provinzen ihren Mittelpunkt suchten, von dem aus da _ent- fernte Spanien den eben nur n seinen Glaubenslehren"über-

„cinstimmenden Theil der Niederländer ferner auch ‘im alten

Joche zu erhalten wußte. Ohne diese Glaubenstrennung wäre Flandern seinen natürlichen Alltirten, den nördlichen Niederlanden , nie entfremdet worden. Eine Jahrhunderte lang fortdauernde Trennung, lange Kriege und gränznach- barlihe Reibungen mußten jedoch endlih eine Scheide- ivand aufführen, die in den wenigen Jahren der Na- poleonischen und Oranischen Vereinigung nicht wieder

Beilage

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9 Beilage zur Allgemeinen Preußishen Staats-Zeitung 4 19.

anz abgetragen werden fonnte. Junzwischen haben doch in Ls O, und die milde Herrschaft des, be- sonders dem Flamändischen Gewerbfleiße so sehr günstigen, Holländischen Regentenhauses die stämmverwandten Völker, wenn auch nicht zu Brüdern dem waren auch hier eine zahlreiche Klerisei und ein geschäftiger Adel im Wege doch mindestens zu versöhnlicheren Nachbarn gemacht. Die Ver- sdhnung würde binnen einigen Jahren völlig zu Stande ge- fommen seyn, wenn nicht eben wieder von jenem Brenn- punkte aus der Aufruhr seine verderblichen Flammen über das ganze Land verbreitet hätte. Brüssel war es wieder, wo, wie im Jahre 1789 der Brabanter Advokat van der Noot, der Flamändische Eiferer van Eupen und der Wallonische Gleichheitsprediger Vonck, fo auch im Jahre 1830 der Braban- ter Advokat van de Weyer, der Flamändische Eiferer de Potter und der Wallonische Freiheitsprediger Rogier sich zusammen- fanden und Jeder in seiner Weise den Kontagions-Stof der Empörung seiner Heimath mitzutheilen suchten. Der Zunder, der bereits durch die befannten Petitions-Umtriebe überall angehäuft worden war, und der nur eines Funkens dedurste, um Feuer zu fassen, ist indessen bald verzehrt worden. Die Declamationen der sogenannten patriotijhen Gesellschasten sind schon beinahe vergessen, und in Gent, wie in Brügge und Ypern, sehnen die friedlihen Bürger sich nach einer Herrschaft zurü, die unter dem sihernden Schirme der ge- seßzlichen Ordnung der Arbeit ihren Lohn, dem Fleiße seinen Segen verbürgte. Was hier aber den Wunsch einer An schlie- ßung an Holland, wenn auch unter dem besondern Scepter des Prinzen von Oranien, erzeugte, das hat in den Wallonischen Pro- vinzen den entgegengeseßten Wunsch, den einer Anschließung an das benachbarte Franfreich, hervorgerufen. Kämpfen auch in den Bischöflihen Residenzen Löttich und Doornik (Tournay) der Courrier de la Meuse und der Courrier de l’Escaut mit aller Macht dagegen , so übt doch der Hunger auf die unbeschäf- tigten Tuch-Fabrikanten von Verviers und auf die ohae Lôh- nung jeßt arbeitenden Köhler der Provinzen Namur und a nuegau noch eine größere Macht aus, als ihre Klerisei.

o ist denn aber durch diesen ausgesprochenen Wunsch eini- ger Provinzen, dem benachbarten Frankreich sich anzuschlie- gen, der erste Beschluß des Kongresses und durch das eben so starf in Flandern und zum Theil auch in der Provinz Antwerpen laut gewordene Verlangen nach dem Prin- zen von“ Oranien der zweite Beschluß des Kongres- ses schon so gut als annullire. Das Land protestirt durch die That gegen die Lehren des Kongresses, der, falls er jeßt von neuem erwählt werden möchte, ganz andere Mit- glieder in seinem Schoße sehen würde. Weder jo viele Prie- ster einerscits, noch solhe wüthende_ von Haß erfüllte Eife- rer, wie der gelehrte Herr Constantin Rodenbach anderer- seits, sondern Fabrikanten, Kaufleute und Gutsbesißer wüúr- den als die wahrhaften Repräsentanten der beiden Flandern sich darstellen. Herr Rodenbach ist es, der jeßt seinem al- ten, den ersten Neuerungs- Eifer des Kongresses überraschen-

den Vorschlag zur Ausschließung des Hauses Nassau zu

Hülfe zu fommen sucht, indem er die Sectionen zur unver- züglichen Unutersuchung der Frage über die ahl des künftigen Staats - Oberhauptes antreibt. Welches ist je- do, bei der allgemein den Belgischen Thron ablehnenden Gesinnung auswärtiger Fürsten, die Wahl, die dem Kongresse- gelassen wird, wenn sie niht entweder auf den einzigen legitimen Kandidaten, den Prinzen von Ora- nien, oder, was bei der jeßigen Zusammenseßung des Kon- gresses das Wahrscheinlithere ist, auf eine einheimische Kapa- cität, wie den Grafen von Merode, fällt, dessen klügstes Ver- fahren bisher noch darin bestand, daß er sich im Kongresse über die wichtigsten Fragen gar“ nicht und hin und wieder nur mit wenigen Worten vernehmen ließ? Die Wahl möge jedoch ausfallen, wie sie will, ein Jet unglückseliges Land und eine schwere. sorgenvolle Aufgabe wird dem Er- wählten zu Theil, der, selbst unter den günstigsten Umstän- den, sich doch nicht die Liebe des Volks, das gar nicht be- fähigt dazu ist, wird erwerben fônnen. Was aber bleibt dem edlen Herrscher, wean ihm diese Liebe nicht wird, Anderes, als die Last seines Berufes? Das Londoner Konferenz- Protofoll vom 20sten Dezember wird uns so eben dutch die ier eintreffenden Belgischen Zeitungen bekannt. An der Antwort, die das diplomatische Comité darauf ertheilt hat, erfennt man den ehernaligen Napoleonischen Präfekten, Gra- fen von Celles, der später durch seine Sendung nah Rom

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zum Diplomaten sich bildete. Minder rabulistisch als sein jekt auf Reisen befindliher Kollege, der Advokat van de

Weyer, tritt er entschieden mit den Forderungen der neuge-

bornen Europäischen Puissance auf. Diese oerlangt nit nur

die ganze Provinz Limburg und das Großherzogthum Luxem-

burg, die sie bisher nur zum Theil inne hatte , sondern auch

noch Holländisch Flandern, von dem sie bekfauntlih noch gar

nichts besißt, und das den Belgiern höchstens, sobald sie es

anzugreifen wagen, seinen Ueberfluß an Wasser durch die ge-

öffneten Schleusen abtreten wird. Wohlweislich hat man bis-

her im Kongresse jede Erörterung über die bei Mastricht

vorgefallenen Kämpfe vermieden. Es würde hier sou|

der treulose Bruch des Waffenstillstandes, den sich die Ju-

surgenten abermals haben zu Schulden fommen lassen, zur

Sprache gekommen seyn. Während unsere Regierung alle

Nachrichten, die ihr in dieser Hinsicht eingehen, zur Kennt-

niß des Publikums bringt, schweigen die amtlichen Organe

der Belgier über Begebenheiten, die sich 12 Meilen von der

Hauptstadt ereignen, die jedoch der neugebornen Macht nicht

sonderlich zur Chre gereichen. Janzwischen wird dafür ge-

sorgt, daß Lütticher Blätter so viele Gräuel als möglich von

den Holländern erzählen, denn dies ist das Mittel, dessen man

sich bedient, um sowoh! das Volk gegen die alten Batavis

schen Bundes-Brüder noch mehr zu erbittern, als um die

leichtgläubigen Franzöfischen Nachbarn zu überzeugen , wie

edel es sey, dem Unterdrückten gegen seine Tyrannen bei:

ustehen.

E e U s 5. Jan. Die Provinzial - Stände von Nord-Brabant haben eine allgemeine Kollefte zur Un- terstüßung hülfebedürftiger Frauen und anderer Verwandten der ins Feld gezogenen Krieger angeordnet. Bei dieser Ge- legenheit hat die katholische Geistlichfeit eine dffentliche, an ihre Pfarrkinder- gerichtete Ermahnung zur Ruhe und zum Vertrauen auf die Regierung, so wie zur Warnung gegen die verkehrten Rathschläge einiger Menschen erlassen, die ih- neu eine Regierungs - Veränderung als wünschenswerth dar- ellen. f Am Neujahrstage sind etwa 50 bewassnete Jnsurgenten, dem Anscheine nach von Moergestel kommend, im Dorfe Oosterwyfk erschienen ; sie gingen jedoch bald wieder ab, nach: dem ste einige Erkundigungen über die Beamten der Gegend eingezogen hatten. :

Am 3. Januar um 7 Uhr Abends erschienen abermals, und zwar in Meersel, ungefähr 100 Belgier, die, wie män glaubt, von Hoogstraten kamen. Selbst im Dorfe Bavel, nicht weit von Ginneken, ist man durch die Erscheinung von 600 Insurgenten beunruhigt worden. Sie warteten jedoch sämmtlich das Ausrúcken unserer Truppen nicht ab, sonderu fehrten bald wieder zurü. j

Bei unsern Truppen in Tilburg herrschte gestern eine starke Bewegung; man vermuthete, daß ein Theil derselben sich nah der -Seite von Mastricht begeben werde. Durch einen in der heutigen Nacht hier eingetroffenen Courier hat man die Nachricht erhalten, daß jene Festung jeßt von allen Seiten eingeschlossen ist. j

Gent, 4. Jan. Es ist hier jest eine an den Kongreß gerichtete Bittschrift in Umlauf, in der zunächst die fürch- terliche Lage geschildert wird, worin sich die Einwohner von Gent seit dem 25. Aug. in Folge der seitdem eingetretenen Stockung ihres Handels und ihrer Fabriken befänden ; sos dann wird als das einzige Mittel, dem gegenwärtigen Un- glúck abzuhelfen und aA größerem vorzubeugen, dem Kon- gresse die Zurücknahme seines Beschlusses vom 24. Nov. 1830, wodurch die Mitglieder der Familie Oranien - Nassau von aller Gewalt über Belgien für immer ausgeschlossea worden, auf das dringendste empfohlen. Bereits ist diese Bittschrift von den achtbarsten hiesigen Einwohnern , von den vornehmsten Kaufleuten , Rhedern , Fabrifherren und Hüttenwerks - Besikern, die nicht allein ihr eigenes , sondern auch das Interesse der ganzen Bevölkerung repräsentiren, unterzeichnet. . s G

Im Laufe der leßten 5 Jahre bis zum Eintritte der Belgischen Revolution, hat das an die hiefigen Fabrik: Arbei- ter bezahlte Lohn- wöchentlich 170 180,000 Gulden betra- gen. Jebt werden im Ganzen etwa noch 5000 Gulden wS- chentlih durch Fabrik-Arbeit erworben.

Brüssel, 6. Jan. Herr Pieson trug in der gestri gen Kongreß-Si6ung auf folgenden Beschluß an: „Jn Bes tracht, daß das Londoner Protofoll vom 20. Dez., das aus