1831 / 17 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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zum Theil die Mittel der Redaction der frühern Gazette des Pays - Bas, in deren Offizin es erscheint, zu Gebote, daßer es auch in seinem auslándischen Theile sorgfältiger redigirt wird, als die meisten andern Blätter; seine Ausfälle gegen die provisorische Regierung und den Kongreß sind minder heftig, als die der „Emancipation“ und des „„Belge‘/, aver geistvoller und manuigfaltiger; das Biatt hat sich daher auch während seines kurzen Bestehens chou sehr viele Lefer- er- worben. Den drei genannten Blättern gegenüber Hat der „Courrier des Pays-Bas‘/, der sich jest schlechtweg „„le Cour- rier‘/ nennt, ungemein verloren. Sonst das mächtige Organ “der vereinigten Opposition, hat er, seitdem die Opposition Herr geworden ift, auch den Ton des Hexrn angenommen, der sich in die Brust schlägt und auf das pocht, was er be- reits gethan hat. Dies will jedoch die Menge, die in dem herbeigeführten Resultate nur ihre eigene Noth wahrnimmt, nicht anerkennen; ihr behagt die neue Opposition mehr, als das alte Unions-Lied des „„Courrtier‘‘, der bald in der Weise feines Französischen Namensvetters und bald in der des La- mennai’schen „„Avenir// schreibt und schreiben muß, weil die Bedingungen der fatholisch - liberalen Union, deren Glieder die Actionnairs des Blattes sind, ihn dazu zwingen. Die Priester - Partei, die in Brüssel fei so felbst\tändiges Organ wie in den meisten Provinzial -Hauptftädten besibt, hâlt sih streng an dena Kontrakt, und so sieht der Courrier sich genöthigt , das lange Gceshwäß des Grafen Robiano v. Boersbeefk eben so zu honoriren, wie die farkastischen Bemer- kungen seines Haupt-Redacteurs Jottrand, der auch im Ken- gresse nicht ohne Einfluß ist. Die „Union Belge,‘/ ein Blatt, das von- der provisorischen Regierung gegründet wurde und in der Staats-Druckerei gedruckc wird, spielt die Rolle des Belgischen Moniteur und ist das amtliche Organ der jeßigen Machthaber ; es verschmäht es jedoch nicht, auch die unzäh- ligen Lügen feiner zahlreichen Belgischen Kollegen mit gewis- senhafter Treue aufzunehmen. Außer dem kürzlich gegrün- deten fleinen Blatte „„Mephistophiles,‘/ das, wie der Pari- ser „„Figaro‘/, jedoch ohne Franzöfischen Wiß, mehr Geklätsch úber Politik, als Raisonnemeuts enthält, ist als Brüsseler Zeitung nur noch das „„Journal de la Belgique‘/ zu erwäh- nen, das, das âlteste unter seinen Brüdern, wegen seiner bésonnenen Unparteilichkeit auch das achtbarste Blatt ist. Auf

fleinem Raume enthält es die übersichtlichsten Berichte aus

allen fremden Ländern theilt die Belgischen Ereignisse treu mit und weiß mit weiser Mäßigung alle Uebertreibungen sei- ner Kollegen von seinen Berichten über tas Jnland auszu- scheiden. Unustreitig hat dieses Blatt unter den friedlieben- den Bärgern die meisten Leser; fann es auch durch selue pas- sive Tugend das Gute wenig fördern, so hilft es doch manche Nachricht verbreiten, die, wiewohl gegründet, doch ihrer Natur wegen von den anderen Blättern mit Stillschweigen übergangen wird. Gehen wir von den Brüsseler Blättern zu denen der Pro- vinz úber, so finden wir hier zunächst eine Gattung, die in Brüssel selbst weniger repräsentirt ist, nämlich die Jefuitische. Dazu gehören vornehinlich das „, Journal des Flandres ‘/ (le Catholique) in Gent, der „Courrier de la Meuse‘/ in Lüttich, der „„Courrier de la Sambr?// in Namur und der ;, Courrier de l’Escaut‘/ in Doornik. Zu den Blättern,

welche den unionistischen Charakter des Brösseler „„Courriers‘/ |

an sich tragen, gehören der „„Politique// in Lüttich, der unter dem Einflusse des provisorischen Reaierungs-Mitgliedes, Hrn. Charles Nogier, steht, und der „„Observateur du Hainaut“‘ in Mons, der ‘eine geistvollere Redaction als die meisten übrigen Belgischen Blätter hat, wiewohi er eine gewisse naive Unwissenheit mit den benachbarten Französischen Zei- tungen theilt. “Zu den unter republifanischem oder Franzósi- schem ‘Einflusse redigirten Provinzial - Blättern gehören das „Journal de Louvain‘/ und das „Journal de Verviers‘, von denen das lebtere die merkwürdigsten Lügen, die nur eine Zeitung enthalten fann, -täglich zu Markte bringt. Endlich * traaen den Charakter des Brüsseler ,, Vrai Patriote‘/ der „Messager de Sand‘/ und das „Journal d’Anvers‘/, und Zwar das erstere mit größerer Entschieden- heit und Energie; seine Redactionsweise erinnert noch jeßt an das „Journal de la Haye‘/, dessen Redacteur, Herr Charles Durand, chemals die Leitung jenes Genter Blattes hatte. Das Lütticher Blatt „Journal de la Province de Liège‘/ neigt sich zwar ebenfalls ein wenig zux Oranischen Partei hin, jedoch noch mit großer Unsicherheit, Die außer dem oben genannten noch in Antwerpen erscheinenden Zei- tungen, das „¿„Journal du Commerce‘‘ und die „Gazette d’Anvers‘/, haben eben so wie die 1n- Flamändischer Sprache erscheinenden Blätter seit dem Ausbruche der Revolution schon. mehrere Mal ißre-Farbe verändert. Da der Handels- und Fabrifstand von Antwerpen und Gent jeßt jedoch entschieden

ebenfalls bestätigt.

“ban‘er Fahne berufen

Oranish gesinnt ist, so hat auch diese Gesinnung in allen den zuleßt erwähnten Blättern wieder mehr Raum gewonnen.

Antwerpen „10. Jan Das Journal d’An vers widerspricht în seiner heutigen Nummer der vom Journal du Commerce gegebenen Nachriht von Ausrüstungen , die

hier ftattfinden sollen.

Gent, 8. Jan. Dem Journal des Flandres zu- folge hat gestern bei Eede zwischen den Holländern und den Belgiern cia Treffen stattgefunden, bei welhem mehrere der Ersteren getödtet und verwundet worden, die Belgier aber sämmtlich unversehrt davon gekommen seyn sollen.

Jn mehreren Dörfern unserer Gegend sind leichte Un- ruhen ausgebrochen, die man jedoch mehr lofalen als politi- schen Ursachen zuschreibt. General Duvivier hat nach allen Dörfern, wo sih der Geist der Unruhe gezeigt, Agenten zur Dämpfung desselben abgesandt.

Brüssel, 11. Jan. Gestern fand im Kongresse die monatliche Erneuerung seiner. Beamten statt. Herr Surlet v. Chofier wurte wiederum zum Präsidenten erwählt, und die bisher als Secretaire fungirenden Mitglieder wurden Als der Präsident seinen Plaß wieder einnahm, dankte er der Versammlung für das ihm wieder- holt geschenfte Vertrauen und fügte hinzu: „Wollte Gott, m, H. , daß dieses Mal die leßte Präsidenten - Wahl stattge- funden habe, und daz Sie bis zum 11. Februar das Staats- Oberhaupt erwählt, so wie die Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes auf festen Grundlagen fonstituirt haben mö- gen!‘“/ Hr. v. Gerlache stattete den Bericht úber eine Bittschrift der in Doornik (‘Tournay) gefangen gehaltenen Holländischen Offiziere ab. Diese stellten vor, daß se nicht mit den Waffen in der Hand ergriffen worden seyen, und verlangten daher, in Freiheit geseßt zu werden. Ein beige- fügtes Schreiben des Magistrats von Mons, wo die Offi- ziere festgenommen worden waren, bestätigte deren Angabe, insofern nämlich bei {hrer Festnehmung gar kein Kampf statt- gesunden habe und sie nur als Geiseln angesehen worden seyen, Ein ebenfalls beiliegender Bericht des Obersten v. Buzen, bisherigen Kommäaändanten von Mons, betrach- tete jedoch die Frage aus einem andern Gesichtepunkte und {ch{chloß damit, daß die Holländischen Offiziere sehr wohi als Kriegsgefangene anzu]ehen seyen. Hr. v. Get- lache erflärte, daß die Bittschriften - Kommission durch dea vorliegenden Fall in Verlegenheit gesebt worden sey, und nichts Xnderes vorzuschlagen wisse, als- die Ueberweisung der Bittschrift an den Kriegs-Minister, der, nachdem er die pros- vijorische Regierung darüber fonfultirt haben wird, sein Gut- achten über die Petition der Holländischen Offiziere abgeben joll. Herr Duval von Beaulieu meinte, daß selbst nah den Worten einer ältern Proclamation der provisos rischen Regierung, worin die Belgier unter die Brg- und nächstdem aufgefordert wur- den, „die Holländer aus ihren Reihen zu verabschieden , um fie nah ihrer Heimath zurücfehren zu lassen“/, die Holländischen Offiziere vollklommen berechtigt seyen, auf ihre Freiheit zu dringen, Mehrere andere Mitglieder traten cbeafalls dieser Meinung bei, Herr A. Rodenba ch erklärte sich jedoch auf das entschiedenste dagegen. Da Hr. Claus unter Anderm auführte, daß die Holländer in Mons auf das Volf gar nicht geschossen hätten und der Bericht des Obersten von Buzen unrichtig sey, entzegnete Herr A. Gen- debien, der am vorigen Tage von seiner Sendung nah Paris zurückgekehrt war: „Die Holländischeu Offiziere sind ergrifsen worden, als Belgien mit Holland Krieg führte, und dies reicht hin, sie als Kriegsgefangene gelten zu lassen. Der

Bericht des Herrn von Buzen ist übrigens das Werk eines

erfahrenen Oifiziers, der die Kriegs -Geseße besser versteht, als Herr Ciaus. Die Holländer haben sh noch mehrere

Tage, nachdem unsere Proclamation erlassen worden, iín Mons

vertheidigt.‘/ „Wenn übrigens“/, fügte das genannte Mit- glied der provisorischen Regierung hinzu, „„die Holländer uns feine Gefangenen auszuliefern haben, so kommt es daher, daß sie die gefangenen Belgier todt schlagen.// Und zur Be- fräftigung dieser Aeußerung erinnerte Herr Gendebien an die befannten -Mährchen von den Gräuelthaten der Holländer in Brüssel, bei Esschen (wo ein Franuzösisch-Belgischer Freiwillis ger, der sich jeßt noch wohlbehalten in Löwenstein befindet, von einem Holländischen Offizier erschossen worden seyn soll) und fürzlih bei Mastricht. *) Diese Argumente bewo- gen endlih die Versammlung, den Beschluß der Bitt- schriften - Kommission zu genehmigen. Als der Kongreß sodann zur fernen Berathung der auf das Staats-Oberhaupt

*) Vgl. den-Artikel aus der Niederländischen Staat s-CouU- rant im gestrigen Blatte der Staats-Zeitung.

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Bezuz habenden Artikel des- Verfassungs- Entwurfes schritt, machte zunäh#t Herr Fransman den Antrag, daß man dem Staats-Oberhaupte das Recht nehme, den Krieg zu er- fláren und Frieden abzuschließen, welcher Antrag jedoch ver- worfen wurde. Angenommen wurde dagegen ein anderer An- trag, wonach zwar das Staats-Oberhaupt Verträge mit an- deren Staaten soll abschließen können, jedoch sollen alle Han- dels- so wie solche Verträge, wodurch dem Staate zu nahe getreten wird oder die Belgier individuell zu etwas verbun- den werden, vorher der Genehmigung der beiden Kammern unterliegen. Jn der nächsten Sißung wird man sich mit der Wahl des Staats-Oberhauptes beschäftigen.

Gestern Abend war man hier in der Stadt schr unru- hig, dba tausend Gerüchte von einem zu kefärch{chtenden Anf- stande verbreitet waren. Es hieß, daß nah Beendigung des Schauspiels die Menge sich nach dem Kongreß begeben wolle, um die Versammlung für aufgelöst zu erklären. Zahlreiche Bürger-Garden durchstreiften jedoch die Straßen der Stadt, und fo ist es denn auch mit Húlfe derselben gelungen, die Ruhe bisher aufrecht zu erhalten,

Ein im Lútticher Journal de la Provence enthal- tenes Schreiben aus Brüssel schildert den Zustand der Re- gierung als im hôhsten Grade aufgelôs. Fm Kongresse seyen die Laien mit den Priestern entzweit, wagten es jedoch nicht, offen wider dieselben aufzutreten. Die Mitglieder schie- nen-mic dem Plane umzugehen, nah und nah ihren Ub- schied einzureichen, so daß der Kongreß bald nicht mehr voll- og und genöthigt seyn würde, sstlch aufzulösen. Ju der Verwaltung ständen große Veränderungen bevor: Herr Ch. Hrn. Goblet das Kriegs-Ministerium und Herr Le Hon an der Stelle des Herrn Tielemans das Ministerium des Jnnern übernehmen. Die Mitglieder des Kongresses hätten sich zuleßt besonters stark für die Er- wählung des Herzogs von Leuchtenberg zum Könige von Bel- gien ausgesprochen, inzwischen sey noh vor der Erwählung des Staats-Oberhauptes ein Bürgerkrieg zu befürchten, den das aberg!äubische Volk in Brüssel um fo mehr erivarte, seitdem fürzlich das Nordlicht zu sehen gewesen sey. " Jn Brüssel, heißt es schließlich in diesem Schreiben, erwarte man die Ankunft von vier Französischen Generalen, unter denen sich die Herren Fabvier und Excelmans bcfinden sollen.

Die provisorische Regierung hat angeordnet, daß die noch im Gebrauche befindlihen Holländischen Stempel des König- reichs der Niederlande mit dem 1. April 1831 abge|chafft scyn und an deren Stelle neue, mit dem Belgischen Löwen verzierte, creten sollen.

/ Herr Destrivaux hat am 6ten d. M. seine Entlassung als Mitglied des diplomatischen Comité’s eingereicht.

__Die Belohnungs-Kommission. von Brüssel hat das pro- vijorische Gouvernement ersucht, den Herrn de Potter zum Mitgliede dieser Kommission zu ernennen.

DEeuUutl.chl.a und,

Göttingen, 9. Jan. (Aus dem Hamburger Kor- respondenten) Ein gestern hier erschienenes gedrucktes Plakat lautet wörtlich, wie folgt :

„Um den durch die bisherige allgemeine Noth erzeugten Beschwerden abzuhelfen und zugleich die durch dieselben be- reits entstandenen und noch drohenden Unruhen für die df: fentliche Ordnung gefahrlos zu machen, haben sich die Unter- zeichneten mit uns vereinigt, in eine National-Garde zusam- menzutreten, deren Organisation alsbald stattfinden soll. Wir verpflichten uns Alle für Einen und Einer für Alle, die df- fentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, zugleich aber, sobald als es irgend geschehen fann, Sr. Majestät unserm vielgeliebten Zöônige unmittelbar die geeignete unterthänigste Vorstellung zu thun, Allerhdchstdenselben zu bitten, allernächstens in einer durh freie selbstgewählte Volksvertreter gebildeten Stände- Versammlung das Wohl und wahre Beste seines getreuen Volfs berathen und für das Haundversche Land eine voll- fominen freie Verfassung errihten zu- lassen. Die Hoffnung, daß alle unsere und auswärtige Mitbürger in den Städten

Rogier wúrde statt des

| Und auf dem Lande sich zu demselben Zwecke mit uns verei-

nigen werden, ist um so mehr begründet, als die Ursache un- seres Zusammenbleibens allgemein ist.

So geschehen Göttingeu, den 8. Jan. 1831.//

Hierauf sind bereits in Göttingen wehr als 2000 Un- terschriften von den Bürgern und mehr als 500 von den Studirenden erfolgt. - Die National - Garde ist bereits voll- kommen gebildet worden.

N Hannover, 13. Jan. Ein Extrablatt der hiesigen tachrihten enthält folgende Proclamation :

du ,¡Während Wir mit unablässiger Sorgfalt bemüht sind, der rch außerordentliche Natur - Ereignisse, durch Mißernte und

andere unabwendliché Verhältnisse in mehreren Theilen des Latt- des hervcigeführten Noth abzuhelfen, und alle Uns zu Gebote se- hende Mittel zu diesem Zwecke verwenden, haben einige Uehbel- wollende sich angelegen seyn lassen, die Treue des ihrem crhabe- nen Landesheren und Seiner Regierung von jeher ergebenen Vol- kes durch Verbreitung boshafter Unwahrheiten, durch freventliche Entstellung bekannter Thatsachen zu erschüttern und -dasselbe zu ciner Auflehnung gegen die öffentliche Ordnung zu verleiten. Lei- der sind diese verbrecherischen Versuche nicht gon ohne Erfolg geblieben. Zu Osterode is dic einen Augenbklick gestörte Ruhe wieder hergestellt worden, ohne daß es der Anwendung der gesech- lichen Gewalt bedurft hätte. Zwet anscheinende Rädelsführer sind zur Haft gezogen und erwarten die Entscheidung ihres Schick- sals von dem Spruche der ordentlichen Gerichte. Jn Göttin- gen, einer durch die Durchlauchtigsten Fürsten des Guelphist,en RKegeutensigmmes scit länger als cinem Jahrhundert mit beson- derer landesväâterlicher Lieve hoch begünstigten Stadt, ist ein Theil der Einwohner durch zu dem Verderben der Staaten vielfach be- nußte Mittel zur offenen Widerseßlichkeit gegen die Regierung verleitet worden, und von dort aus wtrd, dem Vernehmen nah, der Saamen des Aufruhrs in der umliegenden Gegend ausge- fireut. Wir, deren Händen des Königs Majestät das Wohl des Königreichs anzuvertrauen geruht haben, die Wir nie gerechten, auf verfassungsmäßigem Wege an uns gebrachten, Klagen und Be- schwerden ünser Ohr zu verschließen gewohnt, deren {hönster Lohn cs bisher gewescn, zu helfen, wo Wir vermochten, sind jeßt ge- zwungen, die Hülfsmittel, weiche Wir mit ernster Anftrengun herbeigezogen haben, um die zu Unserer Betrübniß das Lan drÜckenden Leiden zu lindern, die Kräfte des Staates, welche zu dessen Wohl benußt werden sollten, auf den Schuß der vern: chen Ruhe und Sicherheit der ruhigen Bürger gegen ihre auf- rührerischen Brüder zu verwenden. Es hat Une tief geshmerzt, die unter allen Stürmen des nahen und fernen Auslandes sich stets gleich gebliebene Liebe zur Orduung in Unserm Vaterlande wanken zu Pen Wir haben indeß das Vertrauen in den guten Simn der großen Mehrzahl des getreuen Volkes nicht aufgegeben und halten Uns Überzeugt, daß dasselbe die verbrecherischen Rath- schläge von sich abwersen werde. Unsere Pflicht aber erheischt es, des Königs Unterthanen aufzufordern, die alte Treue zu bewah= ren, in der Ucberzeugung von den liebevollen Absichten der Re- ierung nicht irre zu werden, auf geseßlichem Wege Hülfe zu fden; nicht auf sich und thre Mitbürger das von inneren Un- ruhen nicht zu trennende unabsehbare Elend zu laden, nicht gänz= liche Zugrunderichtung des schon erschütterten Wohlstandes mit Gewalt herbeizuführen, nicht die Strafen der Gerechtigkeit her= vorzuriafen. Wir sind stets und gern bereit, gerechten Beschwer= den, nach angestellter Untersuchung, so weit die Mittel reichen, abzuhelfen. Auch jeßt noch werden Wir es verstehen, an den Orten, wo bekflagenswerthe Unruhen stattgefunden haben und noch stattfinden, den Frregeleiteten von dem Schuldigen zu un- terscheiden. Fortwährende Widerseßlichkeit aber wird Uns zur Anwendung der äußersten Uns zu Gebote stehenden Mittel zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe zwingen: denn Unsere Pflicht und das Wohl des Landes gestatten nicht die Existenz ci= ner Gewalt, die der geschlichen Regierung nicht unterthan seym will. Hannover, den 12. Januar 1831. Ö i

Königl. Großbritanisch-Hanndoerscher zum Kabinets-Ministerium

verordneter General-Gouverneur und Geheime-Räthe. Adolphis' Tredersek :

Ferner enthält. jenes Blatt folgende, an die Universität Göttingen ergangene Verfügung: „Wilhelm der Vierte, von Gottes Gnaden König des

vereinigten ichs Großbritanien und Frland 2c., auch D von Hannover, Herzog zu Braunschwocig und Lüneburg zc. 2c. Da die Einwohner Unserer Stadt Göttingen, welche von Uns und Un-= sern Vorfahren an der Regierung mit zahllosen Wohlthaten über- häuft i, wider die geseßlich bestehende Ordnung undankbar sich aufgelehnt und unter trügerischen Vorwänden cigenmächtiger Wetse cinen sogenannten Gemeinde-Rath gebildet und ohne Er- laubniß ihrer Obrigkeit cine Bürgergarde errichtet haben, mit den hierdurch entstandenen unruhigen Bewegungen eine irgend erfolgreiche Betreibung der Studien aber nicht zu vereinigen ist; so finden Wir Uns bewogen, die Vorlesungen an Unserer Uni- versität hiermit vorerst bis Ostern zu schließen, und befehlen allen Professoren und Lehrern, der Fortseßung derselben von Stund an sih zu enthalten. Zugleich befehlen Wir allen zu Gôt- tingen - studirenden Hanndverschen Unterthanen, die dortige Stadt unverzüglich zu verlassen, unter der Verwarnung, daß alle diejenigen, welche diesem Unseren Befehle E dessenungeach= tet daselbst zurückbleiben sollten, einer jeden Aussicht auf eine Anstellung im dentlichen Dienste des hiesigen Königreichs - in welchem Fache es auch seyn sollte, für immer verlustig seyn sol- len. Nicht minder fordern Wir auch alle in -Göttingen studi= rende Ausländer auf, aus dortiger Stadt ohne Aufschub sch zu entfernen, da nach erfolgter Schließung der Vorlesungen die Ver=

anlassung ihres dortigen Aufenthalts aufgehört hat und Wir ihr

läângères Verweilen daselbst, so wie ihr Anschließen an die. BÚr=- ergarde , nur als cine strafbare Theilnahme an den aufrühreri- han Bewegungen der sich auflehnenden Bürger und Einwohner der Stadt Götkingen würden betrachten können. Wir NonD tragen den akademischen Senat Unserer Georg-Augusts-Universt= tät, dieses sämmtlichen Studirenden fördersamst zu eröffnen und