1831 / 24 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Herr Graf! Wenn Sie mir nur auf einen Augenblick eine Unterredung bewilligen wollen, so hoffe ih, daß meine offfe- nen Erklärungen den unangenehmen Eindruck zerstôren wer- den, den die Bekanntmachung meiner Schreiben an die provisori- sche Meeung durch die Journale auf Sie gemacht hat. Jch abe bereits Gelegenheit gehabt, Jhnen zu sagen, wie ärger- < mir diese Oeffentlichkeit ist, welche Dokumente erhalten haben , die cines offiziellen Charakters entbehrten und nur dem diplomatischen Comité mitgetheilt werden sollten. Jch bedaure um so lebhafter, daß ih, von der Zeit gedrängt, feine Abschrift von meinem leßten Schreiben zurückbehalten fonnte, als ih jeßt nicht beurtheilen fann, in. wie weit meine Ausdrücke dur<h die Blätter entstellt worden sind. Der Belge und der Messager des Chambres lassen mih zum Bei- spiel sagen: ,/ „Der König der Franzosen werde seine Toch- ter niemals dem Sohne eines Beauhaktnais geben.//‘/ Sie werden es mir glauben, daß ich feine solhe Ausdrücke ge-' brauchen fonnte, um einen der berühmtesten Anführer der Franzdsishen Heere und einen Fürsten zu bezeichnen, der so edle und ruhmvolle Erinneruagen hinterlassen hat. Indem ich aber über Worte, die vielleicht nicht genau die- jelben sind, die Sie gebraucht haben mögen, ein Verdam- mungs-Urtheil ergehen lasse, trage i< dennoch feine Scheu, mich in Betreff des Wesens der Sachen selbst auf Jhr eige- nes Gedächtniß zu berufen. Lebhaft würde ih es bedauern, Herr Graf, wenn diese Bekanntmachung meiner Schreiben plôolih Verhältnissen ein Ende machte, die auf eine für mich so angenehme und shmeichelhafte Weise begonnen haben. Diese Unterbrehung würde keine der geringsten Unannehm- lichkeiten seyn, die auf der Laufbahn, auß welche ich gerathen bin, meiner warten. Genehmigen Sie u. s. w. __ Firmin Nogier.“/ Der Mehner des Chambres bemerkt, daß einige durch ihre Anhänglichkeit an die alte Dynastie bekannte Fa-

milien, die sich während des Prozesses der Ex - Minister ent- fernt hatten, wieder hierher zurückkehren. ide

Das Journal du Commerce will na<h Briefen aus Madrid vom 6. Jan. wissen, daß- der Graf v. Harcourt, obgleich er bei der am 2. d. M. stattgefundenen Ueberreichung

seines Beglaubigungsschreibens die beste Aufnahme beim Kö- nige von Spanien gefunden, denno<h dem Minister der ‘aus- wärtigen Angelegenheiten eine Note in Bezug auf die Kriegs- rüstungen Spaniens eingehändigt habe. Derselbe Diplomat habe Berichte nach Paris gesandt, welche die große. Ausdeh- nung, die Spanien seinem Militairwesen zu geben suche, au- ßer Zweifel stellen sollen. (i u N

Aus Toulon wird untern 10. Jan. geschrieben: „„Die

Fregatte „„Armide‘/ wird unverzüglich nah Algier unter Se-

el gehen, um den General Clausel mit seiner Familie und einem Generalstabe nah Franfkreih zurückzubringen. Die Korvette „la Perle‘/ ist gestern mit dringenden Depeschen nah Alaier abgesegelt ,/ die den Zweck haben, die Rückkehr unserer Armee zu beschleunigen. Es sollen nur 5000 Mann unter dem General Danremont in Algier bleiben, um diese Eroberung zu behaupten. Das 18te und 40ste Linien-Regi- ment, welche hier in Garnison liegen, haben Befehl erhal- ten, na<h Straßburg zu marschiren; an ihre Stelle werden die aus Algier zutückkehrenden Truppen treten.“

Der Bey von Titeri, der, wie es hieß, am 11lten d. von Marseille hierher fommen wollte, hat die erstere Stadt zu seinem Aufenthältsorte gewählt, da ihm die Regierung in dieser Hinsicht freie Wahl gelassen hat. :

- Niederlande.

Aus dem nigin und Jhre Königl. Hoheit die Prinzessin Friedrih wer- des heute von Jhrer Reise nach Berlin zurück erwartet.

Der beim hiesigen Hofe neu beglaubigte Kaiserl. Oester- reichische Gesandte, Baron von Binder, ist dieser Tage aus der Schweiz hier angekommen.

Die Haarlemsche Courant meldet in einem vom 42ten d. datirten Schreiben aus der Nähe von Mastricht : ¿¿Am Iten und 10ten d.-sind aus Lättich und Namur ungefähr

Z0 Stúck Geshäß, worunter einige von s{<hwerem Kaliber, vor |

Mastricht angekommen, und seit gestern hôren wir den Don- ner der Kanonen. Jn Mäástricht dürste es an weiter nichts als an Brennholz und Kohlen fehlen. Alles, was die um die Stadt liegenden Truppen bedürfen, muß von der Pro- vinz Limburg geliefert werden. Es scheint, als ob man diese

rovinz ganz: verwüsten wolle; Lüättih wird dagegen ver-

ont. Die dermalige Belgische Regierung genießt nament- lih im Auslande gar. fein Vertrauen; kürzlich bemühte sie sih, in einer benachbarten Gränzstadt die Lieferung von 40,000 Hemden und 600-Pferden zu erhalten, sie wollte sehr

aag, 17. Jan. Jhre Majestät die Kö-

hohe Preise bewilligen , fonnte [abe 1 feinen Lieferanten fin- den, weil ein zweimonatlicher Kredit verlangt wurde. - Ein Spefulant machte das Anerbieten, die Lieserung übernehmen zu wollen, wenn sich der -Graf von Merode. als Selbst- Giíäubiger für den Betrag verbürgen wolle, fand jedoch feine

Geneigtheit dazu bei diesem Mitgliede der provijorischen Re-

gierung.“‘/ i i Jn Herzogenbus< is ein junger Advokat, der zu der Schutterei dieser Stadt gehört und von mehreren seiner Ka-

meraden eine Bittschrift hatte unterzeichnen lassen, in der sie -

im Namen der. Schutterei vorstellten, daß dieselbe in keinem Falle zum Dienste außerhalb der Festung gebraucht. werden. môge, zur Haft gebracht worden. : Amsterdam, 18. Jan. Verschiedene an der hiesigen Börse verbreitete Gerüchte bewirkten heute eine merkliche Steigerung unserer Fonds - Course. (Vgl. „„Auswärt. Bör- sen‘/) Diese Gerüchte sollen hauptsächlich die baldige Aus- gleichung der Belgischen Angelegenheit betroffen haben ; au fam dazu, daß aus London ansehnliche Aufträge zum An- faufe Holländischer Fonds eingegangen waren. L Antwerpen, 16. Jan. Gestern hat der Hiesige Eng- lische Konsul folgendes Schreiben erhalten : ¡¿Auswärtiges Amt, London, 13. Jan. 1831. Herr! Lord Palmerston beauftragt mih, Jhnen zur Be- fanntmachung an die Englischen Schiffs - Capitaine in Vlie- ßingen und im Jnceresse des Englischen Handels im Allge- meinen anzuzeigen, daß die Fahrt auf der Schelde am 20sten d. M. offen, und daß nach dieser Frist von den fünf Mäch- ten kein Hinderniß der Schifffahrt auf diesem Flusse gedul- det werden wird. ; G. Shee.“‘ Brüssel, 18. Jan. Ueber das, was im vorgestrigen General-Comité vorgefallen, erfährt man no<h Folgendes : Hr.

Ch. Le Hon rechtfertigte in einem- ausführlichen Vortrage

das Verfahren des diplomatischen Comité. „„Als Jhnen‘/, sagte er, „Hr. de Potter am 10 Nov. die ohne Bedingung zu erwartende Räumung des Belgischen Gebiets ankündigte, waren Sie. von- Freude erfüllt. Uns war dies schon am 7.

Nov. von den Herren Cartwright und Bresson angezeigt

worden. Der König der Niederlañde* war es, der auf die Dazwischenfunft der Mächte antrag, was die Konferen- zen in London“ zur Folge hatte. Das FJnteresse beider Parteien erheischte eine Einstellung der Feindseligkeiten ; es wurde festgeseßt, daß sich die Truppen hinter die Gränzlinie von 1814 zurückziehen und gewisse geráumt werden würden. Am 10. Nov. erklärte sih die pro-

| visorische Regierung mit diesen Bedingungen einverstanden ;

am 17, Nov... verhandelte die Konferenz darüber, und am 21sten trat die provisorische Regierung dem Protokolle bei, wonach an diesem Tage um 4 Uhr Nachmittags der ee

stillstand beginnen sollte, der die freie Schelde- Schifffahrt,

so wie úberhaupt die freie Communication, in sih begriff. Am 23sten schrieb Herr von Larochefoucauld, Französischer Geschäftsträger lm Haag, daß der König der Niederlande diesen Bedingungen beigetreten sey. Als die provisorische Regierung ¿hren Beitritt zum Protokoll vom 17. No- vember anzeigte, verlangte sie ¡ugleich eine Erklärung über die dariti enthaltene Klausel, in der es heißt:

1; 1,Belgien verpflichtet sich gegen die Mächte u. s. w.//‘(

Sie erklärte, daß, wenn sie den Waffenstillstand annehme,

sle sich dadurch nicht auch gegen die Mächte verbindlih mas- chen wolle, denen sie fein anderes Recht als das einer freund- lihen Vermittelung zuerkenne ; sie bestand daher auf eine be-

stimmte Erläuterung des zweiten Artikels von jenem Proto- foll: Am 6. Dez. antwortete die Konferenz, daß der von ihr eingeschlagene Weg die Aufrechthaltung des Europäischen Friedens _ zum Ziele habe, daß die Mächte den Waffenstillstand als auf unbestimmte Zeit abgeschlossen atisehen, daß sie fer- ner zu größerer Sicherheit, und um alle Feindseligkeiten von - beiden Seiten zu verhindern, die Vollziehung der Waffenstillstands - Bedingungen garantirten und nöthigenfalls erzwingen würden ; endlih wurde uns angezeigt, daß selbige vom Könige der Niederlande ohne Reclamationen angenom- men worden. Vom 6. bis zum 20. Dezember führte die pro- visorishe Regierung fortwährend Beschwerde darüber, daß der König von Holland noch keine Bedingung des Wasfen- illstandes ausgeführt, daß er no<h immer die Schelde ge- <lossen und Antwerpen im Bereich seiner Kanonen halte.

Es erschien alsdann das Protofoll vom 20. Dezember, des-,

sen Jnhalt, so wie die weiteren Schritte der provisorischen Regierung, bereits bekannt sind. Hr. Le- Hon verlas dar- E auch das dem Kongresse offiziell noch nicht „mitgetheilte Londoner Konferenz-Protokoll vom 17. Nov., *) worauf auch

*) Dessen wesentlicher Fnhalt bereits in Nr. 331 der St. Z. vom vorig. Jahre mitgetheilt wurde.

Mein

Punkte

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E E S E E L a

cite S P BE 5

worden sey. Hr. von Robaulx selb| behie‘t es sich vor, die-

in Bezug auf die fazasel Gränzlinien einige ‘von der Konferenz n egenbemerfungen mitgetheilt wurden. Jn einer Note vom 1. Dezember wird darzuthun gesucht, daß das linfe Ufer der Schelde nothwendig Holland zufallen músse, daß die von den Franzosen im Jahre 1795 bewirkte Vereinigung von Staats - Flandern mit den beiden“ andern Flandern 10 ner selbst das Recht Hollands anerkannt, indem sie durch ihre Gegenwehr gezeigt hätten, daß sie Holländer blciben wollen. Mastricht gehôre den Belgiern eben so wenig, denn es genüge nicht, die Rechte Hollands zu bestreiten, soudern man müsse auch seine eigenen beweisen können; die . aufgestellte Gränz- linie sey demna<h nicht bloß diejenige de facto des Jahres 1814, sondern auch diejenige de jure. Herr v. Robaulx machte darauf den (gestern erwähnten) Antrag zur Protesti- rung gegen die in dem Londoner Konferenz-Protofolle ausge- sprochene Jutervention der fünf Mächte. Jn einer Abeud- slbung wurde die Berathung darüber fortgej)eßt und endlich der Antrag des Hrn. v. Robaulx angenommen. Dem diplo- matischen Comité wurde jedoh angedeutet, daß, wenn Holland am 20. Dezember die Schelde geöffnet habe, Mastricht auch deblofirt bleiben solle; im entgegengeseßten Falle würden je- doch die Feindseligkeiten wieder beginnen. *) In der gestrigen öffentlichen Sißung des Kongresses ver- (as Herr Charles Rogier aus dem Französischen Moni- teur das (im gestrigen Blatte der Staats-Zeitung mitgetheilte) Schreiben des Grafen Sebastiani an Herrn Firmin Rogier und bemerkte, daß dies im Junteresse der provisorischen Re- gierung und des diplomatischen Comité nothwendig sey. Er fügte hinzu, das Lebtere habe die Briefe des Hrn. Rogier in Paris auf die vielleicht allzudringenden, vielleicht auch un- flugen Ane des Kongresses demselben mitgetheilt ; diese Briefe hätten übrigens die damaligen Ansichten des Französi- schen Ministeriums auf das genaueste ausgedrückt, zum Beweise diene das Schreiben des Hrn. Bresson, vom 11. Jan., in welchem ganz auf ähnliche Weise über die Ausichten Frank- reihs in Bezug auf die Erwählung des Herzogs von Leuch- tenberg gesprochen werde. „¿„Nachdem -ih‘/, fuhr der Redner fort, „„das Schreiben des Hrn. Bresson nochmals überlesen, möchte i<h unmöglih die Vertheidigung des Dementi úüber- aechmen, das in dem Schreiben des Hrn. Sebastiani ausge- drückt ist. Wenn úbrigens dieser Minister, Úber dle Bizar- rerieen verwundert, die im Kongresse vorgekommen - sind‘/ Hier wurde der Redner von einem lauten Murren unter- brochen. „Jch habe das Recht,“ fuhr er fort, „,der- lei Dinge Bizarrerieen zu nennen , denn gen solher Art, wie sie in dieser Versammlung statt - gefunden haben , sind etwas in der Diplomatie ganz Un- gem. Doch ich will jeßt wieder zu dem Schrei- en des Hrn. Sebastiani selbst übergehen. Sie sehen, wor- auf sich das vorgebliche Dementi dieses Ministers in Bezug auf das, ras über den Herzog von Leuchtenberg geschrieben worden, beschränkt. Habe ih wohl nun gar no<h nôthig, auch den andern Punkt zu berühren? „,,,Als Minister ‘/‘//, schreibt Herr Sebastiani, /, „habe ih mit dem Köd- nige : niemals von einem seine Familie betreffenden Ar- rxangemient zu sprechen gehabt u. s. w. ‘/// Sie wer- den zuvörderst das zweideutige diejer Stelle bemerken. Meint der Minister etwa damit die dem Könige gemachten Anträge, eine seiner Tôchter mit dem kleinen Otto zu ver- mählen , wie Einige den Prinzen zu nennen affeftiren, die nicht daran denfen , daß man eben jo gut vom kleinen Her- zog von Nemours reden könnte , oder meint er die Anträge Hinsichtlich der Belgischen Krone? Jch mag és nicht entschei- den, finde jedo<h auch von dem,. was in den mit- geit Briefen : hierüber gestanden hat, nur die estätigung in dem Schreiben des Herrn Bresson, so wie in den mündlichen Aeußerungen / des Herrn - Gendebien. Uebrigens ist uns au<h Frankreihs Wun|ch, den Prinzen Otto erwählt zu sehen, schon 6 Wochen vorher bekannt ge- wesen, ehe im See davon die Rede war.‘/ Herr v. Stassart gab seine Freude darüber zu erkennen, daß nach dem Schreiben des Grafen Sebastiani der Herzög v.-Leuchtenberg nun wieder der Kandidat von Belgien bleiben werde, den nur eine engherzige Politif habe ausschließen können. Hr.Le Hon brachte den unrichtigen- Bericht der „„Emancipation‘/ über die gestrige

geheime Sißung zur Sprache und meinte, daß namentlich |

nicht der Antrag des Hrn. von Robaulx in - seiner die ver- bündeten Mächte höchst beleidigenden Fassung angenommen “R R D E

*) Dieser Bericht is aus dem Fournal de la Belgique ence, das ihn nach der „Emancipation“ giebt. Fm Koitgresse L urde jedoch am 17ten erklärt, das leßtgenannte Blatt habe meh-

ere Unrichtigkeiten über jene geheime Sißung aufgenommen.

< fein Besibrehr gewähre, und daß die Einwoh- |

Mittheilun- |

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sen Antrag, der zwar niht angenommen 7 aber au< nicht verworfen worden wäre, in einer künftigen Sißung zu er- neuern. :

Wie mehrere Blätter berichten , soll hier eine an das Belgische Volk gerichtete Proclaraation des Prinzen von Oranien insgeh.im cirfuliren. :

Der Graf von Celles ist vor einigen Tagen in einer diplomatischen Mission nach Paris abgereist.

Luxemburg, 15. Jan, Die Deputation der Stände des Großherzogthums Luxemburg hat unterm 11. d. nachfol- gende Bekanntinachung erlassen :

¿Bewohner des Großherzogthums! Eure Abgeordneten füh- len sich gedrungen, Euch heute Über Eure theuersten Fnteressen, Uber die unschäßbaren Wohlthaten des heimischen Friedens , o wie über die Mittel ja unterhalten, denselben unter Euch herzu- stellen und zu befestigen. Luxemburger! aus dem Brennpunkte der Umtriebe, unter denên Belgien scufzte, wurden auch einige unserer Gemeinden entzündet und zu verderblichen Empörungen verleitet, die bald ihre Verheerungen über andere Theile der Pro- vinz verbreiteten. Die Unruhestifter, auf sich selbs zurÜ> gewor: fen, schen heute ihren - Ehrgeiz gefährdet, reifen zu neuen Ge- waltthätigkeiten , shreien nah Hülfe, suchen alle Leidenschaften in Aufruhr zu seben, und sollte au<h Alles mit ihnen zu Grun- de gehen. Sie suchen Euch zu dbereden, daß das Großherzog- thum zum empörten Belgien gehdre , daß Jhr mit demselben ge- meinschaftliche Sache machen mÜßtet, und daß eine solche Empi- rung nur zu Eurem Befien gereichen könne. Aber worauf grún- den sie die Blendwérke, die sle Euch vormachen wollen? Etwa auf die Verträge von 1815? Aber hat man Euch nicht schon fonnenflar bewiesen, daß diese so ausdrü>lichen als feierlichen Verträge Euch zu eincm von Belgien gänzlich unabhängigen Staate machen , zu einem Staate, mit dem eigenen und natio- nalen Namen eines Großherzogthums Luxemburg , und der, als solcher, cine besondere dem Hause Oranien - Nassau übertragene Souverainetät bildet , unter dem Schade des Deutschen Bun=- des und verbürgt von allen Europäischen Mächten? Oder rechnen fie vielleicht auf die jeßigen Gesinnungen dieser Mächte? Allein scht Jhr niht in allen Aeußerungen, in allen Pro- tokollen ihrer Botschafter, daß ihr ausdrü>licher Wille is, alles in den Verträgen Fesigescßte gewissenhaft zu beobah- ten und zu behaupten , Feden in seinen Berechtigungen zu er- halten und nicht zuzugeben , daß Femand sich dieselben anmaße? Hört Jhr nicht täglich, daß sie besonders die Eingriffe der Bel=- ter in die Verwaltung des Großherzogthums mißbilligen; daß ie denselven zur Pflicht’ machen , davon abzustehen, und daß ihr Entschluß unveränderlich is, alle Unterhandlungen mit ihnen ab- O thnen jeden Schug zu versagen, wenn sie nicht diese dch<stbillige Bedin q Malig i Ff diese Widerseblichkeit ge- gen so ausdrü>liche Einschärfungen auf diese Beschlüsse des Fd nigs Großherzogs gestüßt? Allein erinnert Euch nur an deren Inhalt: Durch Beschluß vom 20. Oft. v. F. erklärt Se. Mai. der König Großherzog, daß seine Verwaltung sich auf die nbrdli=- chen Provinzen und das Großherzogthum Luxemburg beschränken werde, bis, durch Uchbereinstimmung mit seinen Alliirten, das Loos der südlichen Provinzen entschieden sey. Durch einen anderen Beschluß vom 31. Dez. v. F. erklärt ferner Se. Maij., daß die Geschäfte des rafen künftig von jenen des Königreichs abgesondert wer- den; daß Sie dieselben- mit dem Beistande eines unter Jhrent unmittelbaren Befehlen stehenden geheimen Referendars (des Hrn. C. E. Stift) persönlich verhandeln werde. Durch cinen dritten Beschluß endlich, vom A4ten dieses, welcher heute bekannt gena worden , erfahrt Jhr, daß die Schlachtsteuer für Euer

and abgeschafft worden. So erkennt Fhr Euch überall als konstituirter Separat-Staat, und Alles zeigt Euch unter Eurer ehemaligen Nationalität, welche Euch wieder eine cigene Regie- rung verschafft. Alles ladet Euch ein, unter dem Schirme eines Fürsten zu verharren, der Euch als unabhängi- ges Volk regiert, und die thdrichten Ansprüche derjeni= gen zurückzuweisen, die Euch aaen entreißen möchten, ohne zu wissen, was noch aus ihnen selbsi werden wird. Diese Erstlinge eines Verwaltungs - Syftems, welches aus-_ shließli<h Euer Land umfaßt und Euch in ein unmittelbares Verhältniß mit Eurem Fürsten seßt, müssen Eu<h um \o mehr Vertrauten einfldßen,- da Fhr sowohl als Eure Abgeordneten nie vergebens sein Wohlwollen für das Großherzogthum arge chen habt. Dies beweisen und verbürgen die sehr beträchtlichen Hülfsgelder, die Er immerwährend M Kirchen und Pfarreien, für Schulhäuser und Lehrer, für in Dienst stehende oder in Ru- estand verschte Priester / zum Bau der Provinzial - oder Kunst- straßen, und endlich für dfehtliche oder Privat - Anstalten und industrielle Unternehmungen jeder Art bewilligte. Wer könnte besonders die unzähligen Wohlthaten verkennen, die Euch theils in der thätigen Ausbeute Eurer Bergwerke, theils auch bei An-' legung des wichtigen Kanals zwischen der Maas und Mosel, dieser \o riesenhaften als sinnreichen Unternehmung, welche die Macht Eures Fúrsten allein zu beendigen vermag, zu Theil geworden! Was bringen Euch dafür diejenigen, die Ens diese kostbaren Vortheile entreißen möchten? Sie bringen Eu mit vieler Ruhmredigkeit eine Art von Budget, welches sie Euch als einen Beweis der Sparsamkeit und der Schonung Eu-= rer Jnteressen anpreisen. Enthält“ aber dieses sogenannte Budget