1831 / 28 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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als der Apfel der Eris in der Mitte der europäischen Mächte ? Der Kongreß zu Brüssel beginnt mit der Forderung einex Dotation auf Kosten des Königreichs der Niederlande und des deutschen Bundes. Staatsflandern, Mastricht und Venlo nebst dem holländischen Gebiete auf dem rechten Ufer der Maas, Besißungen der alten niederländischen- Republif seit 1648, sôllen ihm überliefert werden. Was von vormals deut- hen Reichslanden längs der Maas unterhalb Mastricht im wiener Kongresse dem Königreiche der Niederlande übereignet wurde, um ihm den Besib dieses Flusses zu sichern, soll fortan diesem neuen belgischen Staate zu gehören: und es güc für eine Mäßigung, wenn die Uebergabe der Festungen Bergen op Zoom, Breda und Herzogenbusch, welche die Republik zu ihrem Schuße auf dem seit 1648 eroberten Boden Nordbra- bands erbaute, nicht auch noch zur Mitgift verlangt werdeu. Luxemburg, der Schlüssel zu dem Lande zwischen der Maas und Mosel, eben deshalb mit ernster Erwägung der Vexrtheidigungsllnie Deutschlands angeschlossen, soll gleichfalls diesem neuen belgischen Staate von dem deutschen Bunde abgetrécen werden. Der einzige Rechtsgrund für alle dieje Forderungen ist eine vermeinte Konvenienz, Die aufge{tand- nen“ Provinzen halten die Selbstständigkeit, wornach fie stre- ben, nur gesichert, indem sie dieses Bestkthum erlangen. Was aber würde aus Europa werden, wann würde: jemals ein [e- ser Ruhestand für dasselbe eintreten töônnen, wenn ein Recht gnerkannt würde, Abtretungen von Grundbesiß unter solchen Verhältnissen zu fordern? Hat ein Staat, durch Verleßun- gen seiner Rechte zur Vertheidigung derselben aufgefordert, seinen Gegner besiegt: so mag er als Unterpfand fküustiger Sicherheit auh solhe Gebietsabtretungen von ihm fordern, welche die Wiederholung neuer Feindjeligkeiten erfchweren. Dieser Fall it aber hier gar nicht vorhänden.

Ein Theil - der Prôvinzen des Königreichs - der Nie-

derlande fündigt seine? Regierung den Gehorsam auf, und verlangt einen cignen Staac " zu- bilden: so lange nur zwischen der Regierung und den Insurgenten “ein Zwist hierüber - besteht , "ist dieses eine innere Apgele-

genheit, und es findet nah dem angenommnen ‘Grunde j Verändert | gigen Regierung, wenn er nicht in feuchtlosen Kämpfen zu | einer ßlinden Macht entarten foll, die sich selbs nicht ‘ver-

saße feine fremde Einmischung in diefelbe statt. in Folge dieser Begebenheiten si{ch die innre Verfassung des Staats; so wird auch dieses so lange keine Veranlassung zu fremder Einmischung barbieten, als die äußern Verhältnisse desselben dadurch nicht verändert werden. Das Königreich der „Niederlande würde dieselbe äufre Stellung déhalten; wenn auch die Verwaltung der südlichen Provinzen gänzlich von der Verwaltung der nördlichen getrennt wäre ; ivenn selb in jenen wieder cine Scheidung der wallonischen Lan;- destheile von den flamändischen erfolgte: so lange nur der- selbe Monarch die gemeinschaftliche Selbstständigkeit des gan- zen Staats mit dessen ganzer Macht vertheidigen, und mit gleicher Verbindlichkeit für alle Landestheile desselben-mit aus- rwoârtigen Mächten verhandeln könnte. Es scheint nicht: wahr;

scheitlih, daß irgend cin Widerspruch von auswärtigen Mäch-

ten wider eine solche abgesonderte Verwaltung der Haupt- theile des niederländischen Reichs erhoben worden wäre, wenn der König dieselbe sogleich bei “der ersten Bildung des Staats atgeordnet, oder näch geäußerten Wünschen der Nation ge- nehmigt hátte. Auch in der Folgezeit {eint eine holche Trennung kein äußres ZFrtresse zu verteßzen; und wenn jeßt

nihts Andres beabsichtigt wurde: so könnté nur bedauert

werden, daß dieselbe niht auf dem Wege frièdlicher Unter- hautlung erfolgte, obwoohl die ee Verfassung felbst die Mittel dazu ‘bot. Auch scheint bis jet nur die Befugniß zu ciner Ttennung der Verwaltungen beider Landes- theile, nicht aber deren Verxeinzelung M gänzlich ab- gesonderte, den Umständen “nah nur feindselig einander ge- gertúber stehende Staaten, von den - vermittelnden Mächten ausdrickiich gebilligt worden zu sein: L F _" Luxemburg ober liegt gänzlich gußer dem Bereiche diejer Vérhandlungen. * Es gehört dem Hause Nassau als wesent: licher Bestandtheil des deutschen Bundes, welchem verfassungs- nápia die Erhältung der innern Ruhe im’ ganzen Umfange- des

Bundesgebietes ‘obliegt. Anerfannt in diefer Befugniß von T ; 4 / » G it errn EOR A C ODR O E E A R I E S E E E R di c6aecnn remen» - L is I . Gd aide

_ Gadrudckt_ bei A. W. Haun.

| zu neutralisiren vermochte.

allen europäischen Mächten wird er die Mittel zu wäh- len wissen, roodurch die Unverleßlichkeit dieses Gebietstheiles gesichert wird, wenn der Aufstand im Königreiche der Nie- derlande dieselbe beharrlich antrasten wollte.

Vergebens werden Erinnerungen an eine s{ône Vorzeit in Anspruch genommen, um das Beginnen des Augenblicks zu rechtfertigen. Ein burgundishes Reich des Mittelalters kann nicht wieder auferstehen. Seine südliche Hälfte is fran- zösischer Boden, seine nördliche ward_ ursprünglich dem deut- hen Kaiserreiche âls burgundischer Kreis angeschlossen. Die Provinzen , welche jeßt aufgestanden sind, waren der Reihe nah spanisch, ôstreichisch, französisch, niederländisch : aber zu keiner Zeir bildeten sie einen abgesonderten selbstständigen Staat. Dieser dreihundertjährige Schauplaß der Kriege zwischen Franf- reich und dem Hause Oestreich spani]\cher und deutscher Linie, mit Festungen besät und mit dem Blute aller Völker Europas ge- tränift, sollte endlich cines bauerhasten Friedens unter dem Schirme einer Mittelmacht genießen, welche fähig seinem Kunstfleisse den Weltmarkt zu erdfffnen, und seinen Verkehr in beiden Jndien zu \{hüßen, seinen verhängniß vollen Boden den fernern Kämpfen um Uebermacht zu entziehn, und im friedlichen Aufblühen seiner Bildung und seines Wohlstandes

Welches auch das künftige Schicfsal dieser Läuder werde: fie fônnen in einem dauerhaften Friedensstande niemals in einem Abhängigkeitsverhältnisse zu irgend einer der großen Mächte stehen. Eben so wenig Bestand kann aber die Sélbst- ständigkeit haben, wornach sie jebt ringen. Die Entwickelung ihres Kunstfleißes bedarf einer Seemacht, die sie nicht. besißen. Die Sicherung des Rußhestandes in ihrem Jnnern bedarf einer Bildung des Velfs, welcher der herrschende Fanatismus widerstrebt, Es ist unmöglich, daß immitten von Deutschland, Frankreich und Großbritannien ein Sraat bestehe, worin die

_Verewigung des Gewissenszwanges , der Unduldsamfkeit und

der Unwissenheit der großen Masse des Volks das leitende Prinzip der Regierung wäre. Der edlete Sinn, welchen dex friedlihe Wohlstand und die wachsende Einsicht der hô- hern Klassen auch im Lande selbst unausbleibllch entwickelt, bedarf der Unterstütung einer von der Hierarchie unabhän-

steht. und diese Unabhängigkeit kann bei dem jezigen Zustande des Landes nur eine Verbindung mit anderm Landbeslß ge- währen, worin die Regierung bereits auf der Grundlage der

allgemeinen Bildung befestigt steht. H

Königliche Schauspiele, : Donnerstag, 27. Jan. Jm Schauspielhause: Der Blit, Lus'piel in 1 Aft. Hierauf, zum Erstenmale: Die Narur- finder, Lustspiel in 3 Aufzügen ; nach Jünger?'s: „Geschwister vom Lande‘‘ bearbeitet von Alex, Cosmar. Und: Die Múller, komiiches- Ballet in 1 Akt. (Herr Fleury, erster Comischer Tänzer des K. K. Hoftheaters am Kärnthnerthore zu Wien, wird hietin die Parthie des Lambin' ausführen.)

Königstädtisches Theacer. Donnerstag, 27. Jan. Die Brautschau auf Kroustein, fomische Oper in 2 Akten.

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 2s. Jannar. Niederl. wirkl. Secliuld 402, Kapvz-Biüll. 152. Metall. 86, Russ. Engl, Anl. 89.

Oesterr. proc.

Hamburg, 24. Jänuar.

Vesterr. 3proc Metall. 882. Bank-Actien 1013. Engl. Russ. 853. Russ, Anl. Hamb. Cert. 864. Dän. 573. Poln. pr. 31. Jan. 814. - Fale. 612,

Wien, 21. Jar uar, |

óproc. Metall. 914. Aprnec. 197, 1prcè, 25. 130 Fl: 169, Bank-Actien 103075.

Loose Zt:

Redacteur John. Mitredäcteur Cottel.

Allgemeine

Preußische Staats-Zeitung,

M 28

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Des ma Majestät- haben die von der hiesigen Afa- demie der L enschaften getroffene Wahl des Hofraths und Professors Heeren in Göttingen zu ihrem ordeutlichen aus- wärtigen Mitgliede zu bestätigen geruht. :

Abgereist: Der Kaiserl. Russische Legations-Secretair von Adelunñg, als Courier über Wien nach Neapel,

- jrLeibes ———_— —_— e

_ Zeitungs-Nachrichten.

Ausland. Rußlanmd.

St. Petersburg, 19. Jan. Se. Majestät der Kai- ser haben den General von der Jnfauterie -Rimsfki - Korßa- kof} seines Póstens als Kriegsgouverneur von Litthauen in Gnaden enthoben und zum Mitgliede des Reichsrathes er- nantik;“ dagegen hat der Kalserliche General - Adjutant, Ge- neral Lieucénant Chrapowisfy die Stelle eincs provisorischen Kriegsgouverueurs von Wilna und Grodno und eines Diri- irenden der Civil Angelegenheiten jenes Gouvernemeuts er- halten. mit Vorbehalt ‘aller diesem Amte zustehenden Ge- rechtsatne’ und Obliegenheiten, :

Am {15ten d, M. ist hier der Senator und Ober - Hof- meister am H aus Shitomir und der General - Adjutant Graf Krasinski aus Polangen angekommen.

Bald nach Eingang der ersten Nachrichten über die in Warschau ausgebrochene Meuterei, gaben Se. Majestät der Kaiser durch besondere Reskripte an die Vorgesebten der an das Königreich Warschau gränzenden Gouvernements den Befehl, das Vorgefalleñe in den ihnen anvertrauten Gou- verneméents bekatint zu machen und ihnen die feste Zuversicht Sr. Majestät zu erkennen zu geben, daß der Adel und sämmt- liche Stände jener Gouvernements, vollkommen mit allen wahren Söhnen Rußlands, den gerechten Unwillen gegen die verbrecherischen Stöôrer der allgemeinen Ruhe theilend, nicht. unterlassen werden, unter“ den gegenwärtigen Verhältnissen, ihre treu unterthänige Ergebenheit durh- die That zu bewci- sen, indem sie sich unbedingt den Maaßregeln unterwerfen, welche die Regiérung ergreift; Ruhe und Ordnung strenge

beobachten und alle durch die Gesel vorgeschriebene Oblie- |

genheiten pünktlich erfüllen. Der proviforische Kriegs-Gou-. verneur von Podolièn und Wolhynien hat bei dieser Gelegen-

heit von dem Adel des le6tgetnänniten Gouvernements, bur |

dessen diénskthucnden Adelsmärschall, ein Schreiben vom 22, Dezember (3. Jan.) folzendén Jnuhalts erhalten :

¿Dex Adel des Wolhynischen Gouvernenents hat nach Vor- trag des durch Ew. Exc enx E an Sie Nrtteten Al- ler Quai Bs ‘Sr.’ Kaiser O ät’ vom 7. Dezember, - der auf Vêranlassüng des’ die allgenmtéêine Ruhe sidrenden meineidi- gen WVéèrfahrèns im Königreiche ‘Polen veranlaßt worden is und en ? väterlichen Aufruf ‘des Monarchen an die Bewohner der Gränz-Gouvernements enthält, den Pflichten ihrer Unterthanen- treue gew enhaft nachzukommen , —- zugleich von aufrichtigen Gefühlen für den Thron ergriffen und mit der wahren Sdhünen Rußlands eite unbegränzte Liebe un igeberyelt für ihren grô- ßen Kaiser theilend, aus der Füllé des Herzens, einmüthig

‘mit ‘den übrigen Ständen, vor Ew. Excéllettz sch bereitwillig er-

klärt, allen von der ‘Regiétufg- ergriffenen Maaßregeln zu gehor- samen ind mit allen Kräften zur Erhaltung p: nhe Tae Beke D e C I L eere ett PEAO ane Ent:

| gender Feinde der: dentlichen Rühe beschüßt worden is. Fndem der Adel Wolpynient mich zu: se fet Bertte

Berlin, Freitag den 28fen Januar

ofe des Königreichs Polen, Fürst Jablönowski

terhín etflärte er, die regulairen Truppen vermehrten der Bürger greife zum. Schwerdt, der Bau ch Tue

_halgeist sammle frische Kräfte, Abgesandten

‘sung der Nation feyn. sondern nur auf die Gesinnung. Die constitutionnellen Völfex

an tate ny

1831.

ter beruft, hat er mich beauftragt, Ew. Excellen nochinals sei nen lautern Wunsch zu bezeugen, sich des Allecbdchüien Bew trauens Sr. Kaiserl. Maj. würdig zu mgchen und die Versicherung R, daß die Heiligkeit der Verpflichtungen, unter deren Aufrechthaltung bis jezt der Wolhynische Adel verfährt, und der herrliche Gedanke, daß das Schicksal nie das Vaterherz des Mo- narchen betruben dürfte, ihm Muth geben, Ew. Excellenz gehor- samt zu bitten, zu den Füßen Sr. Kaiserl. Majestät die - rung der gränzenlosen Dankbarkeit hlederzulege/ welche wir für die Allergnädigste Sorgfalt des landesväterlichen Kaisers für unser Wohl empfinden und unverleßt unserèn syätesten Nachkommett überliefern ollen: zugleich aber auch unsern Schwur zu wiedet- holen, unserm Unterthanen-Eide nicht abtrünnig zu werden, sott- dern durch Aufopferungen aller Art, den gerechten Erwartungen, die Se. Kaiserl. Majcsiät von der getreuen Herzensmeinung des Wolhynischen Adels hegen, zu entsprechen. Jm Namen die- ses Adels. bringe ich Ew. Excellenz dieses offenherzige Bekennt« S s es, e ans das und bitte Sie, die aufric- Versicheru cer lebhaftesten Hochachtun mit der ich die Édre habe, zu feyn 7 Cas 2: Se e Auf Allerhöchsten Befehl sollen in Zukunfc alle Mili- tair - Kantonisten, deren Väter in der Garde gedient haben, zuin abgesonderten Garde-Corps gerehnet werden und ems T S antreten. :

_Auf den Antrag des Finanz-Ministers iff ein Kaiserlich Befehl erschienen, demzufolge alle Waaren: Einfuhr ate es Königreiche Polen bis auf weitern Befehl verboten, und die Verordnung erlassen is, keine Ursprungs-Zeugnisse der Woje- V MINE) NEMU Pie und anderer Behörden mehr ‘anzu-

ehrt?

Sm 8- Januar erfcänften in Mosfau an der Cholera

14 Persone; es genasen 5 und starben 6. Am 92ten erfranfi

ten 13; es genasen 7 und starben 6. Am 10tes erkétnkten 9z es genas 1 und 4 starben. Am {llten erfranften 5; es genasen 24 und starben 4. Am Lten des Morgens warten 68 Kranke übrig, von denen 31 eine baldige Genesung er- warten ließen.

Ein inländischer -Kaufmann, Namens Stolbfkoff, hat As

zehnjähriges- Privilegium erhalten , Dampfschiffe auf * den

A Boloje- Osero und Onega zu erbauen und zu unter- alten. /

P o len.

c Rd 24, Fan. A8 s am s d. die Lan d- zu ihrer ersten. Sißung versaminelt hatte, eröffnete der Marschäll Ostrowski dieselbe mit einer B 6s in welcher er darstellte, daß es nothwendig sey, sih jeßt ent- scheidend über das fünftige Schiksaî Polens u berathen. Man hätte dies, meinte er, vielleicht schon frühér thun sol- len, jedoch sey die Zwischenzeit ‘von dèr ersten Zusammen- kunst des Reichstages bis “zu seiner jeßigen Wiedervereini- gung nicht verloren gewesen. „Die Einen von uns“, sagte er Redner, „welche am Steuerrüder der Regierung saßen, - bemühten sich, die inuere Ordnung zu sichern, nah außen híu aber sich in unseren Verhältnisse zu den Völern Europa'’s und 6: Ansichten zu orlentiren ; die Anderen eriveckten an allen Enden des Königreichs den Geist der: Eintracht, wel-

cher unsere Dezember - Berathungen auszeihüete, und über-

zeugten sih_ überall davon, mit welchem Eifer die ga tion dén Verordnüngen der Réichskatiunern beitraCt erwaltung" kehre N LnOd Gn a dée atlo: j jandtén der Nation werde von befreundeten Nationen Unterstüßkung zugesichert.

alle Zweige der

“sey dâher der entscheidende Augenblí ; wo die versammélteu

Volks - Repräsentanten das begonnéènè Werk vollenden müß- ten. Lieber untergehen, als sich unterwerfen , müsse die Lo- Man dürfe nicht auf die Zahl sehen,