1831 / 39 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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üärchten hat, sobald es aus dem Kreise seiner bisherigen An- sichten ‘und Handlungsweisen tritt, ist immer furchtbar. Nichts widerlegt sogar die abgeshmacttesten Berichte auslän- discher Journale über des Königs Person und der Nation Stimmung besser, als die mit jedem Tag gesteigerte Vereh- rung für die erstere. Gehärtet dur< Widerwärtigkeiten, tritt Wilhelm I. immer flarer in seinem Wollen und immer ent- schiedener in seinem Handeln auf. Die großherzigen Schwä- éhen einzelner Perioden fallen ab, wie die Schlacen vom ge- diegenen Gold, wenn das Feuer es läutert; und wenn der Haß und der Jrrthum auch tausend Vorwände für sich er- greifen und ein Leben voll treuer Sorgfalc für Menschenbil- dung und Volfkserhebung, für Gerechtigkeit und Wahrheit, Licht und Recht, und eine auf starken Geseßen fußende Frei- heit , von Willkühr und Zügellosigkeit gleich unabhängig, în der Meinung Europas zu verunzieren gesucht ,- so blicket an- dererseits . selbst aus den wüthenden' Angriffen der Gegner eine Art innerer Hochachtung füv den Charakter dieses

Fürsten hervor. Das, was die Zeitgeschichte der Parteiung

Etigensinn nennt, wird das unbefangene Urtheil der Nach- welt Beharrlichkeit nennen. Es liegt ein innerer Grund für das gute Recht des Königs Wilhelm in allen Begebuissen der leßten drei Jahre. Wäre seiu System ein System der Heuchelei gewesen „- wie man es vielfach zu nennen beliebt at, so besaß dieser Fürst genug Verstand (welchen ihm über- aupt die Feinde nicht abstreiten), um aus den Leidenschaften und Mißgriffen der Gegenwart Nußen zu ziehen ; es hätte ¿hm éin paar blinfende Phrasen und allgemeine Lockwoorte zefostet, Und die Belgier, welche, den Kindern gleich, für süße

onigteden und hochtönende -Redensarten - jo empfänglih

d, hätten dur< solche Machiavellistische Bonbons leicht ge- rrt und gefangen werden- können; derjenige, der wirklich

nur Herrschaft und Willkür sucht, vershmäht die Wege der .

Reberlistung niemals, sobald sie sicherer zum Ziele führen, als die Wege der Gewalt. Aber ebén darum, weil der Kô- nig der Niederlande eines edlern Zweckes sich bewußt war, weil er mit Ueberzeugung von der innern Güte seiner Sache han- delte, vers<hmähte er die gemeinen Kunstgriffe, derey- Dema- n und Despoten gleich sehr sich bedienen , sobald sie die Völker - verführen oder verderben wollen. Er trat dem Je- suitismus seiner Widersacher mit dem ganzen Stolz eines roßakttigen si< selbst bewußten Willens entgegen ; er han- delte darin vielleicht“ unvorsichtig als Politiker, aber edel als Fürst. Dies ist der Gesichtspunfe, von dem man bei Beurtheilung der “Akte seiner Regierung ausgehen muß. Es ist nichr die menschliche Berechnung, welche dies und je- nes dur< gewandtes Einschreiten, Zuvorkommen , Ableiten, verhindern fann , was zwishèn Holland und Belgien ent- schied ; es ist das Schicksal im Allgemeinen, welches an dies Ereigaiß höhere weltgeschichtliche Pläne vielleicht fnüpft; es T der bôse Genius Deo selbst, welcher zum zweitenmal das ebäude freier Entwickelung und Selbstständigkeit, im Verein mit den ursprünglichen Stamm - und Nation - Genossen , zu- sammengeworfen ‘hat. Um eine dienstbare Magd der Frem-

den zu werden, hat es die Beschwerden, welche es als Toch-

ter des gemeinschaftlichen Familienhauses führte, als Vorwand zur Scheidung genommen ; es ist, mit seinem Pflichttheil wuche- risch abgefertigt, von hinnen gezogen ; aber es sieht sich nun über- all in der Fremde, überall in der Wüste; die listigen Leiter, welche zu Anwalten und Beiständen si<h ihm aufgedrungen und seine Unerfahrenheit verführt, haben aus derjelben für | reges nur allen Nußen gezogen; sie haben sein Erbgut chon aus der Hälfte des Weges zur neuen Bestimmung Üp- pigerweise vergeudet ‘und zum Ersaß ein nichtiges Spiel- eug ihm in die Hände gegeben. Aber das Spielzeug fährt die

dlfer so wenig glúcflih durch das Leben, als die einzelnen Menschen. Mit Schaudern erkennt der bessere Theil in ihm nunmedr den ungeheuren Betrug, den Leichtsinn, oder Un- verstand, oder Bosheit ihm gespielt; aber es hat sich selbst

den Rückweg versperrt. Der Fluch, welchen es im Ueber- , muth des anfänglichen. Sieges, in dér Trunkenheit eines vor- {

übergehenden Festtages, ohne alle Ausnahme gegen eine Dy- nastie ausgesprochen, die ihm doch unläugbar zu beneidenswer- ther Wohlfahrt aufgeholfen, tritt hemmend ihm Pg es thürmt sich eine Mauer aus seinen eigenen Werken auf. Es hat den Thron wie eine Waare feilgéboten, und noch ‘hat kein Käufer sich gefunden, der ohne nähere Einsicht in die Aften die Sache sih gefallen lassen will. - “Amsterdam, 2. Febr. Es wird. jekt au< für die in Des befindlichen Holländischen Kriegsgefangenen hier eine Kollekte veranstaltet. Der Zustand dieser armen Leute, be- fonders derer, die in Mons und Doornik wider alle Princi- gien des Völkerrehtes und der Ehre zurückgehalten werden, wird mit jedem Tage beklagenswerther, da man ihnen nur

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unter der Bedingung, daß sie in den Belgischen Dienst ctn- treten, einige Erleichterungen gewähren will. -

Bergen-op-Zoom, 1. Febr. Wiewohl bereits in Seeland und Staats - Flandern eine ansehnliche Zahl von Tapfern unter den Waffen sih befinden, s<heint man doch Willens zu seyn, unsere dortige Macht no<h ansehnlich zu verstärken, da das 1ste Bataillon des 17ten Jnfanterie- Re- gimentes Befehl erhalten hat, sich heute von hier na< Mid- delburg einzuschiffen, und das zweite Bataillon ihm ebenfalls bald folgen wird.

Die Truppen, welche vorgestern von hier nach der Cita- delle von Antwerpen abgingen, sind wohlbehalten angelangt und unter dem Ruf „Es lebe der König!‘ „Es lebe der tapfere General Chassé !‘/ dort eingezogen. Vor ihrem Ab- marsche gaben dièse Truppen ihre Freude darüber zu erken- nen, daß sie die Ehre und das Glück haben sollten, unter die Befehle eines Generals gestellt zu werden, dessen Leben durch eine Reihefolge von ruhmvollen Thaten bezeichnet wird, und dessen Name jeßt in ganz Holland mit der größten Ehr- erbietung ausgesprochen wird.

Vor einigen Tagen gelang es fünf Belgischen Artilleri- sten, die früher “beim zweiten Bataillon Feld-Artillerie gedient hatten, mit großer Lebensgefahr das Thor der Antwerpener Citadelle zu erreichen, wo sie um Einlaß baten. Vor den Kommandanten geführt, erklärten sie, daß sie durch den Drang der Umstände genöthigt worden seyen, ihren König zu verlassen; im Anfange hätteu sle gar nicht gewußt, wem sie eigentlich dienten ; jeßt kämen sie jedo<h mit der Bitte, sie wiederum dem Corps einzuverleiben, bei dem zu stehen sie früher die Ehre gehabt hätten. Gestern kamen diese Leute mit einem Transport von 58 Kranken aus der Antwerpener Citadelle in der hiesigen Festung an. Sie werden na< Gor- fum gehen, um dort in das Bataillon freiwilliger Artilleriften einzutreten. Sie erzählten, daß im Belgischen Heere die Unordnung täglih mehr zunehme und daß oft der Soldat dort-dem Offizier befehle; ganz unbezweifelt sey binnen kur- zem von der bewaffneten Macht eine Umwälzung der Dinge zu erwarten. P

Antwerpen, 31. Jan. sechs Holländischen Kanonier-Boote sind -wieder zurückgekehrt und haben außerdem no<h vier neue mitgebracht, so daß sich jeßt im Ganzen 12 vor unserer Stadt befinden. Das Dampf- Boot „„Surinam“‘“ ist dagegen von hier abgegangen. ?

Brússel, 2. Febr. ie gestrige Kongreß-Sibung be- gann mit der Berathung über die Protestation gegen das Londoner Konferenz - Protokoll vom 20. Jan. Zuerst sprach Herr Barthelemy, der nur eine kleine Aenderung im Ent- wurfe angebracht wissen wollte. Nach ihm nahm Herr van Meenen das Wort, der sih in einer langen staatsrechtlichen Abhandlung úber das den Nationen zustehende Recht der

- Einmischuag ausließ. Das auf den Tribunen befindlihe Pu- blifum wutde O und rief: „Das Staats-Oberhaupt,

das Staats-Oberhaupt!‘/ Der Präsident hielt eine An- rede und nannte diejenigen Jgnoranten ; die nicht einmal wüßten, daß man erst die eigene Unabhängigkeit sichern imü}sse, ehe man zur Wahi des Staats-Oberhauptes schreiten könne.

- Er drohte damit, die Tribunen räumen zu lassen, und die

Ruhe “wurde für den Augenblick wiederhergestelle. Als je- doch Herr van Meenen seine Rede wieder begonnen hatté, fing der Lárm von-neuem an. Man rief: „Einen König! Einen König! Leuchtenberg! Das Staats-Oberhaupt !‘/ End- lih befahl der Präsident dem Wachtposten der Búrger- garde, die Tribunen zu beseben und die Unruhigen sofort hin- auszubringen. Mehrere Amendemeuts wurden darauf für den Protestations-Entwourf in Vorschlag gebracht , jedoch sämmt- lih verworfen ; die Protestation seibst wurde mit geringer Abände- rung von 163 gegen 9 Stimmen angenommen. Bei der fort- geseßten Diskussion über die Wahl des Staats-Oberhauptes lie- pen sih die Herren Claus, v. Robaulx und A. Gendebien úr den Herzog von -Nemours, und die Herren H. von

roucfere und von Mooreghem für den Herzog von Leuchtenberg vernehmen. Hr. H, inzwischen, daß, falls die Majorität für den Herzog von Nemours sich entscheiden sollte, er sh ihr anreihen würde, um sie dadur< no<h imposanter zu machen. Die Sibung wurde um 57 Uhr aufgehoben. Man hofft, daß in der heu- tigen Sißung die Diskussion úber. die Wahl des Staats- Oberhauptes zu Ende gebracht werden wird.

Vorgeftern Abend riß das Volk zwei Französische Fahnen

herunter, die in der vergangenen Nacht -an- dem vor dem

Aer area riet gepflanzten Baume aufgehängt worden

waren. Man hörte dabei den Ruf: „Es lebe die Unabhän- gigkeit !- Nieder mit den fremden Farben !// Mehrere. F dividuen, die auf den Straßen mit Orange-Kokarden gesehen

Die gestern abgegangenen

v. Brouckere erklärte .

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wurden, "sind festgenom'nen worden; andere, die in den Kaffee - Häusern aufreizende Schriften vertheilen wollten,

wurden insuftirtc.

Deutschland.

Hannover, 5. Febr. Unter dem Titel: „„Aftenmäßi- ge Würdigung ciner Schmähschrift, welche unter dem Titel: 7, ¡¡Anflage des Ministerinms Münster vor“ der öffentlichen Meinung//‘/ in dem Königreiche Hannover verbreitet wor- den‘, ist in der Hahn’schen Hof - Buchhandlung hierselbsk eine 59 Seiten in groß Octav haltende Schrift so eben er- schienen und für 4 Ggr. zum Besten der Nothleidenden zu haben. Die D ame aaitdits Nachrichten sagen in Be- zug ‘auf die genannte Schrift: „Diese von einem mit der Verwaltung des Köduigreichs Hannover genau vertrauten Manne, dem die offiziellen Aften úberall zugänglich waren, verfaßte Schrift, beleuchtet, berichtigt und widerlegt nach der Rei-

hefolge der \ogenannten Anklage alle Punkte derselben und giebt |

daneben, besonders über die Finanz-Verwaltung des König- reichs, und namentlih über die Verwaltung der verfassungs- mäßig von der Landes- Kasse getrennten landesherrlichen Kasse theils aus den gedruten ständischen Verhandlungen , theils aus anderen Quellen , die wichtigsten Aufschlüsse, aus denen sich ergiebt: daß die Steuern hauptsächlih nur für das Mi- titair- und das Landesschuldenwesen verwandt, die gejamm- ten úbrigen Kosten der Landes-Administration aber, mit Aus- nahme einer Summe von etwa 400,000 Rthlrn. - aus der landesherrlichen Kasse bestritten werden, auf welcher außer- dem ein Zuschuß zum Militair -Etat von 381,000 Rthlrn., viele mit der Erwerbung von Osnabrück und Hildesheim verbunde Pensionen an weltlihe und geistliche Diener der ehemaligen Fürsten dieser Länder und die von den Landes: Schulden immer getrennt gewesenen sogenannten Kammer-- Schulden ruhen. i j Se. Majestät der Köntg haben geruht, einen allgemei- nen Landtag für die Provinz Ostfriesland und Harrlinger- land auf den 8ten k. M. ausschreiben zu lassen, dessen Zweck ist, in Berathung zu ziehen, dur< welche Mittel dem gegen- wärtigen ar arts eines großen Theiles der Einwohner der Provinz abgeholfen werden könne. : _ Schwerin, 3. Feb. Der diesjährige Mecklenburg- Schwerinsche Staats - Kalender , welcher in diesen Tagen ex:

scheinen wird, giebt die Zahl der Volksmenge in -unferm, Großherzogthume auf 448,668 Seelen, auf 3687 mehr als»

im vorhergehenden Jahre, an, so daß auf jede unferer 228 geograph. [] Meilen etwas mehr als 1967} Seelen kommen. Die Zahl der Geburten betrug 15,372, die der Gestorbenen (mit Ausschluß der Todtgebornen) 9266; 3244 Paare wur- den getraut, 9897 Söhne und Töchter konfirmirt.

Nassau, 1. Febr. Se. Durchl. der Herzog haben die Eröffnung der diesjährigen Versammlung der Landstände

auf den 21sten d. M. festgesekr.

S <h<we iz.

Bertn, 26. Jan. Die Neue Schweizer-Zeitung meldet: Ein von sicherer Hand erhaitener Brief vom 24sten Zan. meldet , daß seit dem 19ten alle unruhige und stôrri- \<e Auftritte zu Delsberg und in der Gegend gänzlich aufgehört haben und aller Orten im Leberberg die geschß- lihè Ordnung wieder - eingetreten ist; au<h scheinen da- bei nur einige Mißverständnisse zum Grunde gelegen zu haben. Eine förmliche Beistimmung zu allen von der Regierung getroffenen Maaßnahmen und Verfügungen ist von Pruntrut son seit mehreren Tagen eingesandt worden, so daß diese Gegenden vollkommen beruhigt und Friede und Ordnung hergestellt sind“ und man nun dort, wie im ganzen übrigen Kanton, mit-Ruhe und Vertrauen der beginnenden

neuen Gestaltung entgegen sieht. Brasilien. ,

Jn England sind Berichte aus Rio de Janeiro bis zun 95. Nov. eingelaufen. Deny)elben zufolge , hatte dort in den beiden Kammern ein lebhafter Kampf zwischen der absoluten Partei und den Constitutionnellen “stattgefunden, der- jedoch durch die am 17. Nov. erfolgte Vereinigung der Deputirten- Kammer und des Senats glücklich beendigt wurde. Dieser Vereinigung nämlih, welche, einem Artikel der Verfassung

gemäß, die Deputirten Kammer vorgeschlagen hatte, um ge-. meinschaftlih Über gewisse Veränderungen zu berathschlagen,

die im Senat mit einem Geses über Staats - Ausgaben. und Einnahmen vorgenommen worden waren, hatte sih leßterer anfangs widersekt. Die endliche Einwilligung des Senats machte einen ‘lebhaften Eindruck auf ‘das Publikum, daß sich, nachdem sie bekannt geworden, eine Masse Menschen um

Gräflich von Westphalenschen

das Senatsgebäude sammelte und die Senatoren bei ihrem Nach- hausegehen mit allgemeinen Achtungs- und Freudensbezeugun- gen empfing. Am genannten Tage wurden in der Deputirten- Kammer Berichte des Kriegs - und des Verfassungs-Ausschitf}ses vorgelesen und in Folge derselben der Ex-Minister Pereira und der derzeitige Kriegs-Minister einer Verlesung der Constitu- tion angeflagt, weil“ sie, ohne dazu von der geseßgebenden Versammlung autorisirt gewesen zu seyn, in den Provinzen Rekrutirungen ausgeschrieben hatten. Es wurde darauf ein Speclal-Ausschuß ernannt, um diese Angelegenheiten zu un- tersu<hen. Jn den später vorgelegten Berichten der sür die Finanzen lastenden Ausschüsse wird erklärt, daß den auf der Nation bestehenden Uebeln abgeholfen werden könne, wenn das Land noch neue Opfer bringen und die Regierung redlich ihre Pflicht thun wolle. Mehrere unter dem lebten Ministerium gemachte Ankäufe von Kupfer zu Múnzen , eine Verschreibung von Waffen aus London, während sich Brasi- lien des Friedens erfreute; eine durch selbiges zu ungese6mä ßigen Zwecken gemachte Anleihe von 400,000 Pfd; die Ver- abschiedung mehrerer Beamten und Anstellung anerkannter Gegner der Verfassung und am allermeisten der Verdacht, daß im Geheimen die Regierung sih zu anti-constitutionnellen Maaßregeln hinneige, werden mit scharfen Bemerkungen in diesen Berichten erwähnt.

Tul 06 n d.

Berlin, 7. Febr. Das Amtsblatt der Königl. Regie- rung zu Münster enthält folgende an das hohe Staats-Mé- nisterium ergangene Allerhöchste Kabinets - Or dre :

¡; Jch habe beschlossen, dem Grafen Clemens von West- phalen, als dem Besiber der zum Familien - Majorate des eschlehts gehörenden Güter in der Provinz Westphalen, eine Viril-Stimme auf dem dor- tigen Provinzial - Landtage in dem Stande der Fürsten und Herren für si< und seine Nachkommen im Besiße des ge- dachten Majorats zu verleihen. Demnächst habe Jh Mich bewogen gefunden, in Betreff der künftig zu bewilligenden ähnlichen Bevorrechtungen anderer Mitglieder des in West- phalez angesesseuen Adels, Folgendes zu bestimmen :

1) Ein Majorats-Besiber, welther eine solche Bevorrechti- gung na<hsuchen will, soll sih dieserhalb, unter Bei- bringung des Nachweises, daß außer ihm no< andere Mirglieder seines Geschlechts sich in dem Besiße von laudtagsfähigen Rittergútern in der Provinz befinden, sein Geschlecht daher, vèrmöge der ihm zu ertheilenden Viril-Stimme, aus der dortigen Ritterschaft nicht gänz- lih aus\scheide, an Mich wenden. i

27 Bevor Jch hiernächst auf dergleichen Gesuche entscheide, werde Jh di-selben während des Provinzial-Landtages zuvörderst der dort versammelten Ritterschaft zu ihrer gutachtlichen Aeußerung zufertigen und, sobald diese er- folgt sey wird, die Erflärung des Standes der Fürsten und Herren mit der Maaßgabe erfordern, daß die Mit- glieder dieses Standes, in so weit sie befugt sind, sich auf dem. Landtage vertreten zu lassen, ohne Rücksicht, ob sie auf dem Landtage anwesend sind odér nicht, ihre Erklärung persdnlich und nicht dur<h ihre Stellvertre- ter abzugeben haben. j

Berlin, den 13. Januar 183i. : Friedrich Wilhelm.‘

Der Kammerherr Freiherr von Fürstenberg auf Stammheim , der bereits bei mehreren Gelegenheiten sich durch freigebige Unterstüßung gemeinnüßiger Anstalten und dur< Wohlthätigkeit auszeihnete, hat im Dezember v. J. den Gemeinden Mülheim, Flittard, Stammheim und Düänn- wald (Regierungsbezirk Kdln) zur Bekleidung ihrer Armen ein Geschenk von 150 Rthlr. überweisen lassen.

Die Sparkasse in Hal le liefert erfreuliche Resultate :

Ju dem- Rechnungsjahre 1822 sind 27,022 Rthlr. zu dem

estande_von 51,406 Rthlr. eingezahlt, mithin 78,428 Rthlr. in Summa in Kasse gewesen. Ausgezahlt wurden 23,322 Rthlr. , so daß der jeßige Bestand 55,106 Rthlr. „- worüber 1661 Scheine außenstehen. - | Nachrichten aus Königsberg zufolge waren da- selbst am 29sten- und 30sten vorigen Monats so ungeheure Schneemassen gefallen , daß die Passage in den Straßen gehindert wurde. Von Seiten der Polizeibehörde ist deshalb und mit Hinsicht auf die Gefahr, welche bei plôblihem Thau- wetter aus dem raschen Schmelzen der gehäuften Schnee- massen in der Stadt entstehen könnte, eine Aufforderung an

die Einwohner wegen Weg!chaffung des Schnees ergangen.