1831 / 47 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Die Witterung i hier in diesem Winter , selbst fär dieses

Klima, außerordentlih, und es giebt fast mehr schdne als Regentage. Dabei ist es so mild, daß das Thermometer in der Nacht nie weniger als 5 Grad, am Tage aber zwischen 10 und 12 Grad Wärme gezeigt hat. Die Russische Fre- gatte „Fürstin Lowicz'/, die den von Konstantinopel hierher brachte, liegt noch immer im hie- sigen . Hafen. Sie wird aber nächstens nah Griechenland “zurüsegeln.

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Hn efnem von der Allgemeinen Zeitung mitgetheil- ten Schreiben aus Triest vom 1. Febr. heißt es: „„Jn Smyrna is| man sehr besorgt wegen des Ausbruchs eines Europäischen Krieges und des vernichtenden .Einflusses eines folchen auf den Handel jenes Plaßes. Der Pascha von Aegypten befindet sich in großer Verlegenheit um Geld und sucht sich solches auf jede Weise zu verschaffen. Er schlägt jekt mancherlei Artikel selbst unter dem Preise los. - Die große Marine und die Unterwerfung Kandiens, dessen Grie-

cchishe Bevölkerung sich in einigen Distrikten noch mit Ent- |-

schiossenheit zur Wehre seßt, erschöpfen seine Mittel.“ Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

Nachstehendes ist die Fortseßung der=gestern abgebroche- nen Botschaft des Präsidenten :

Unser Handel hat angeblich durch Portugiesische Schiffe mehrere Verluste erlitten, was Veranlassung zu ungesäumten Vorstellungen und Reclamationen gegeben hat. Bis jet bin ich nicht im Besiß hinlängliher Auskunft über diese Angelegenheit

und fann daher über ihre Natur noch keine entschiedene Meinung

abgeben; ih hoffe iedoch, diese Auskunft bald zu empfangen, und

es sollen keine geeignete Maaßregeln verabsäuwmt werden, um

unseren Mitbürgern jede rechtmäßige Entschädigung auszuwirken. Beinahe im Augenblicke der Vertagung Fhrer lehten -Sißung wurden mir zwei Bills ju Bestätigung vorgelegt; die. eine der- elben bezog sich auf eine von der Regierung zu bewilligende umnie zur Erbauung von Leuchtthürmen, Leuchtbooten u. dgl. ferner zur Verbesserung von Häfen und Veranstaltung von Mes- sungen; die andere verlangte cine Autorisation zu Actien-Unter- cihnungen für die Louisville - und Portland-Kanal-Compagnie. ch hatte bis zum Schluß der Sizung nicht mehr Zeit, diese

ills so in Erwägung zu zichen, wie es ihre Natux und Wich- tigkeit erforderte, und sah mich gezwungen, sie zu=diesem Behuf urück zu behalten. Jeßt benuyze ih die ersie Gelegenheit - sie em Hause, von dem fe herstammen, zurückzugeben, mit den Gründen begleitet, die mich nah reiflicher Ueberlegung dazu nôthigten, thien meine Zustimmung zu versagen Daß die Re- ierung die Kosten trage, welche dur die Erbauung und Unter- altung von Leuchtthürmen, Signalen u. \. w. in den Baien und Häfen der Vereinigten Staaten verursacht werden, um die Schifffahrt gefahrlos und leicht zu machen, is verfassungsmäßig und hat fortwährend ohne Unterbrechung oder Streit stattgefun- den. Bet zunehmendem Handel haben ch auch jene Kosien ers hdht, und ebr wahrscheinlicher Weise waren sic- zu Zeiten Über- trieben und unverhältnißmäßig groß. Die örtlichen Vortheile, die aus der Verwendung dfentlicher Gelder entspringen, lassen befürchten, daß man sie zu oft für Gegenstände fordern dürfte, die weder nothwendig noch nüßlih sind. Die Zahl der Leucht- thürme z. B. ist dermalen {hon sehr bedeutend, und die vor mir liegende Bill verlangt noch 51 mehr. Nach zuverlässigenErkundigun- en, die ich cingezogeit, muß ich glauben, daß die Regierung in ihren Îus aben für diese Gegenstände früher nicht nur sehr wenig haushäl- kerish war, sondern auch, daß durch Vermehrung der Leuchtthürme und Veränderung der Feuer die Schifffahrt unsicherer geworden ist. Jn dieser sowohl als in jeder andern Hinsicht is es unsere Schul- digkeit, alle unnöthige Ausgaben ju vermeiden und die Begün- ftigung von Einrichtungen, die niht von der Gesammtheit der Staateit erheischt werden, nicht noch weiter auszudehnen. Was die Bill betrifft, in welcher man meine Autorisation verlangt, um in allen Staaten der Union Unterzeichnungen für die Kanal-

Seb UiGaften in Louisville und Portland cinzusammeln, so ha-'

ben Erfahrung und N Ueberlegung mi von der Unzweck- mäßtgkeit solcher Maaßregeln Überzeugt. Ale zum allgemeinen Besten dienende Verbesserungen sollten allen unseren Mitbürgern unbelastet zur Benußung ofen flehen. Die Gewohnheit, Regie- xrungs-Angelegenheiten mit denen einzelner Staaten oder Perso- nen zu vermischen , verträgt si nee mit unserer Verwaltung und ist höchst unpolitish. Eine erfolgreiche Thâtigkeit des Fdde- rativ-Systems kann nur erhalten werden, wenn man sich auf die wenigen und einfachen, „wiewohl immer noch- wichtigen, Gegen- einem ursprünglichen Zwecke liegen. Jedes andere Verfahren, das man sich erlauben wúrde, müßte zuleßt, durch Verschmelzung der General-= GUN Na mit der Berwaltung der einzelnen Staaten, die ursprünglich immer ge- trennt von etnander gehalten werden sollten, den Charakter un- serer Regierung verändern. Es leuchtet mir nicht cin, wie Bills, die“ dergleichen Unterzeichnungen autorisirén, anders betrachtet werden können, als bur Rubrik der Stats - Einnahmen gehöri und folglich den in solchen Fällen von der Verfassung vorgeschrie- denen Regeln. unterworfen. Wo das Jnteresse dex Regierung

Herra von Ribeaupierre

bei Privat-Unternehmungen dem von einzelnen Personeu unter- cordnet ist, da ist die enubuno und die Kontrolle eines Theè- es der bfentlichen Gelder in Händen einer der Verfassung un- bekannten Autorität und der Ober- Aufsicht unserer Konstituenten entzogen; hat hingegen. die Regierung ein überwiegendes Fnte- resse, so schen sich thre Beamten und Agenten immerwährenden Vorwürfen von Begünstigungen und Bedrückungen ausgeseßt. Unmittelbarer Nachtheil für das dffentliche Fnteresse, oder eine Entfsremdung- der Zuneigung und Achtung eines Theiles der Natton, dürften daher, verbunden mit dem allgemeinen Miß- kredit, der nothwendig erzeugt werden muß, wenn die Regierung Mi mit ihren Konstituenten sich in Geldspeculationen ein- äßt, die wahrscheinlichen Resultate solcher Verbindungen seyn. Dieser Entwurf wird dadurch nicht beantwortet, wenn man sagt, daß einc beschränkte Autorisation von dergleichen Unternehmun- gen #0 große Resultate nicht hervorbringen fönne, indem uns bet anderen Gelegenheiten die Erfahrung, deren Winke wir nicht un- beachtet lassen dürfen, ee hinweist, daß, wenn diesen Autso- risationen nicht vôllig Einhalt gethan wird, es bald unmöglich werden dürfte, threr Anhäufung und den daraus entstehenden nachtheiligen Folgen vorzubeugen. Die Macht, welche die Ge- neral-Verwaltung in den einzelnen Staaten dadurch erwerben müßte, daß sie Haupt - Actionair in Compagnieen verschiedener Art würde, bet jedem Kanal nnd bei jeder cine Streckte von 60 oder 109 Meilen einttehmenden Landstraße die Kontrolle führte und verhältnißmäßigen Einfluß auf die Wahlen erhielte, is fast nicht zu berechnen und meiner Ansicht nah den Freiheiten der Nation gefährlich. Für das Fnteresse der Nation würde gewiß immer besser gesorgt werden, wenn- man allen dergleichen indi- reklten Maaßregeln, um Privat-Unternehmungen zu unterstützen, entsagen würde. Jch bin es der Sprache der Aufrichtigkeit so-

wohl, als meinem eigenen Gefühl schuldig, bet dieser Gelegenheit

das Widerjireben auszusprechen, das ich A empfinden muß, wenn von Ausübung des - der exekutiven Gewalt unbestreitbar PEREES Rechtes die Rede ist, 4e Einwilligung zu vorge-= egten Bills zu verweigern, insofern sich nämlich dieses Vertwei- gern auf andere Gründe übt, als auf das Unconstitutionnelle derselben. Jch will zugeben, daß man sich dieses Rechtes nur in wichtigen Fällen bedienen dürfe und daß die Ausübung des= selben nur dann den Beifall der Nation erwarten könne, wenn die Verfassung Gefahr läuft, beeinträchtigt zu werden. Den vorliegenden Fall nun, halte ich für einen solhen. FJn- dem ih bei diesex Gelegenheit ‘eine zarte und der bôchsten Verantwortlichkeit unterworfene Pflicht erfülle, süße ih mich auf das Beispiel mehrerer meiner Vorgänger und auf die Ueber- ¡¿ugung, daß, wenn libergle Jnstitutionen die Anmaßungen der gusübenden Gewalt zu fürchten haben, es doch nicht der Fall bei einer Gelegenheit seyn kann, wie die dermalige tis, wo die Autorität sich selv die Ausübung ciner Gewalt versagt, vermit- telst welcher sie sich cinen ausgebreiteten Einfluß verschaffen könnte. Nicht geringe Beruhigung gewährt mir übrigens der Gedanke, daß, wenn ich das Jnteresse und die Wünsche der Nation miß- verstanden haben solite, die Verfassung. die Mittel darbietet, mei- nen etwanigen Frrthum durch Erwählung einer andern Person an meiner Stelle, deren Ansichten mit denen der Nation über- einsiimmen, zu verbessern. Jch hoffe inzwischen „. das allgemeine Interesse gegen allen Nachtheil zu schüßen, wenn ich diejenigen dentlichen Gelder, dée sonst zu attdern Zwecken benußt werden fönnten, zu dem für uns wichtigsten Gegenstande, nämlich zur Tilgung unserer National - Schuld, verwende und zugleich. Vor- schläge mache, um diese Tilgung besser als bisher zu bewirken. Mit ver tiefsten Ueberzeugung von der Wichtigkeit des Ge- enstandes, aicht nur in Bezug auf die allgemeine Wohlfahrt des andes, sonder# auch auf die Festigkeit des Fdderativ - Systems,

kann ich nicht umhin, mich“ der Hoffnung zu Überlassen, daß alle

qute Bürger, denen es darum zu thun tf, unsere politischen

. Einrichtungen in gemeinsamer Uebereinstimmung fortblühen zu

schen, alle Privat-Rücksichten beseitigen und ihre ernstlichsten An- sirengungen vereinigen werden, um cinen allgemeinen Grundsaß aufzustellen- der dahin zielt, hinsichtlich dfentlicher Verbesserun- gen den allgemeinen Nußen so viel als möglich zu befördern und jeden Grund zur Unzufriedenheit einzelner Staaten aus dem

Wege zu räumen. Daß die Fnteressen der einzelnen Staaten, aus denen

die Union besteht, verschieden sind, kann nicht abgeläugnet werden ; diese aus Lage, Klima, Bevölkerung und Fndustrie entspringende Verschiedenheit wird übrigens der Natur der Dinge nach ‘durch gegenseiti Eifersucht größer dargestellt, als. sie wirklich ist. Es wird mithin die O derer, denen die Leitung des Ganzen an- vertraut ist, die sich widerstrebenden Fnteressen, \o viel es thun- lih, zu neutralisiren und wohlthätig für das Allgemeine zu ma- chen. Aus unbestreitbaren Thatsachen geht hervor, daß frühere,

auf den in Rede stehenden Gegenstaud sich beziehende Maaßre--

geln der Regierung nicht diesen Zweck erreichten; diese bewilligte nämlich Über 5 Millionen Dollars zu inneren Verbesserungen und vertheilte sie sehr N Ema unter die verschiedenen Stag- ten. Der Betrag der theils vorgeschlagenen, theils schon begonnenen Verbesserungen kann auf mehr als 96 Millionen Dollars angeschla- gen werden; auch bei diesen war-cine verhältnißmäßige Vertheilung nicht hinlänglich berücksichtigt und dadurch-ein reichlicher Stoff zur Aufreizung der einzelnen Staaten gegen einander geliefert worden. Es liegt beständig vor Unseren Augen, daß der große Eifer für innere Verbesserungen ‘und die Neigung, öffentliche Gelder zu die- sem Zweck zu verschwenden, von Leuten ausgehen, die nach Macht

streben und sich guf diese Weise bei dem Volke heliebt machen:

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wollen. Würde es etwa befremdend seyn, wenn unter solchen Umständen und in Zeiten großer Aufregung die Bewegungsgründe zu dergleichen Geldbewilligungen von Seiten der Regierung nicht mit dem allgemeinen Besten Übereinstimmten? Wer die Andeutungen, die solche Besorgnisse rechtfertigen, nicht in der Vergangenheit erkannte, is glücklicher in seinen Beobachtungen der dentlichen Angelegenheiten gewesen, als ich es war. Meiner Meinung nach fann hier nur eine radikale Veränderung in dem Verfahren der Regierung dem Uebel abhelfen. Jch habe es zu diesem Behuf für meine Pflicht E ; die Annahme irgend eines Planes anzuempfehlen, um den Ueberschuß der Gelder, die einst nach Abtragung der dffentlichen Schuld übria blei- ben dürften, unter die Staaten nah Verhältniß der Zahl ihrer Repräsentanten zu inneren Verbesserungen zu vertheilen. Fn meiner vorjährigen Botschaft gab ih mcine Meinung zu er- kennen, daß ein den Wünschen der Nation entsprechender Tarif, für die nächsten Zeiten wenigstens, der Regierung einen beträcht- lichen Ueberschuß im Schaß nachlassen müsse. Jch habe scitdem feinen Grund gehabt, diese Meinung zu ändern , vielmehr dran- gen sich mir viele Gründe auf, die sie bekräftigten. Geschieht das, was ich erwarte, so muß sich ein hinläuglicher Fonds bil- den, um meinen neuen Plan in Ausführung bringen zu können. Daß übrigens die Vertheilung der Gelder, die demgemäß zu in- neren Verbesserungen bei Seite gelegt werden, am zweckmäßigsten unter der Leitung der einzelnen Staaten erfolgen würde, unter- liegt wohl keinem Zweifel. Dieser Gegenstand cignet fich jedoch zu künftigen leidenschaftlosen Verhandlnngen. Die Schwierig- Feiten, die sich der Ausführung meines Vorschlages entgegenstel- len könnten, bicten feinen Grund dar, ihn nicht versuchen zu wollen. Auch die Urheber unserer Verfassung hatten Schwierig- keiten, und zwar viel größere zu Überwinden, und haben sie über- wunden. Damals war das Resultat der von der innigen Ueberzeu- gung der Wichtigkeit der Union gelciteten Vaterlandslicbe des Volkes : gegenseitiges Nachgeben und Mäßigung. F die Amcrikanische Na- tion nicht entartet, fo mußauch jeßt das nämliche Resultat stattfinden, \obald die Erfahrung die Nothwendigkeit darthut, zu denselben Mitteln zu schreiten, um das Werk unserer Väter aufrecht zu erhalten. Es ficht nicht in menschlicher Macht, ein Regierungs- System, wie das unsrige, oder irgend ein anderes zu bilden, das guf Staaten, wie die unsrigen, gleihmäßig einwirken sollte; auch ist Ungleichmäßigkeit nicht immer Ungerechtigkeit. Feder cinzelne Staat darf nit fordern, daß die Maaßregeln der General- Verwaltung gerade seinen besonderen Fnteressen entsprechen müs- sen. Die Ursachen, die dem entgegenstehen, sind in der Natur aller Dinge zu suchen, und können durch menschliche Kräfte nicht völlig aus dem Wege geräumt werden. Daher wird gegenseitige Nachsicht eine unerläßliche Pflicht für Alle, und es if nicht zu erwarten, daß man Uer Stm amäßig unbedeutende Opfer scheuen werde, um Rechte aufrecht zu erhalten, für deren Erlangung die Bewohner anderer Theile der Erde vergebens durch Strôme von Blut gewatet sind. Die Bahn, auf der wir vorschreiten , it eine sichere Bahn, wenn wir ihr getreu bleiben. Ergebung in den verfassungsmäßig ausgesprochenen Willen der Majorität und eine von Mäßigung, Gerechtigkeit und brüderlicher Gesinnung geleitete Vollziehung dieses Willens muß der Union eine uner- shütterliche Dauer sichern. Wir müssen hoffen, daß das unver- kennbare Jnteresse unseres gemeinschaftlichen Vaterlandes und eine wahrhaft aufgeklärte Vaterlandsliebe dem allgemeinen Stre- ben diese Richtung geben werden. Ucbrigens läßt die Natur die- ses Gegenstandes keinen Plan zu, gegen den sich nicht etwas einwenden ließe. Der seit einiger Zeit befolgte ist der schlech- teste, den es geben fann, und jeder Schritt , der zu sciner Ver- besserung führt, verdient Fhre höchste Aufmerksamkeit. (‘Fortseßung folgt.)

F nta n-d,

__ Berlin, 15. Febr. Aus Danzig meldet mau: Sehr er- Foeulich sknd die Fortschritte, welche das Schulwesen im vor. J. in Elbing gemacht hat, und zwar verdienen die diesfälligen Bestrebungen der dasigen Kommune mit Hinsicht auf die schwierigen Zeitverhältnisse um so mehr Anerkennung. So- wohl für die Vermehrung, ‘als für die zweckmäßigere Ein- richtung der schon vorhandenen Schul-Anstalten, ist mit rühm-

lihem Eifer wirksam Sorge getragen worden. Die Verbes- serungen haben sich, wie auf das evangelische, so auch auf das fatholishe Schulwesen erstreckt. Man hat die Stiftung einer öffentlichen Arbeitsschule begonnen, die Flementav-Schule für Mädchen mit Nußen erweitert, für dle verwahrloste Fugend durch Einrichtungen in verschiedenen Anstalten gesorgt, den wohlthätigen Plau einer Sonntags- \chule zur Reife gebracht; feruer hat man Vereine gebildet,

um dem Bedürfniß der Bekleidung armer schulfähiger Kinder

abzuhelfen ; auc is es, durch Stiftung von 350 Fréistellen möglich gemacht worden, daß die Kinder unvermögender Ael- tern die Schule unentgeltlich besuchen könnén. i

Als rühmliche Beispiele von Religiosität im Stral- sunder Bezirk verdient erwähnt zu werden, daß die Einge- pfarrten des Kirchsplels Lassan 519 Rthlr. 13 Sgr. frei- willige Beiträge zusammengebracht haben ,

um für diese |

Symme mit Hülfe der Ersparnisse der Kircheukasse eine Orgel fúr die Kirche zu Lassan anzuschaffen, und n. der Schulze Müsebeck zu Conerow und dessen Frau der Kirche zu Wusterhuse am ersten Weihnachtsfeiertage eine schr fost- bare roth sammetne mit ächten goldenen. Frangen besekte Altardecke und eine grün sammetne eben so verzierte Pult- decke geschenkt haben.

Im Regierungs - Bezirk Stralsund sind während des Jahres 1830, und zwar vom Monat April an bis zum Schlusse des Monats Dezember, 41,876 Wispel Gecreide ver|hiedener Art, worunter über 16,800 Wispel Weizen befindlich waren, theils seewärts, theils durch die Binnen- gewässer verschifft worden. Jn den 49 Salzereien des Be- zirks wurden im verflossenen Jahre 9446 Tonnen Heringe, 5975 Tonnen mehr als im Jahre 1829, gesalzen.

Bei Gelegenheit der vor furzem erfolgten Einrvei- hung der neu erbauten evangelischen Kirche in der Stadt Schmiegel (Reg. Bez. Posen) hat sich ein Verein ter beiden christlicheir Konfessions - Verwandten zu dem Zwecke gebildet, eine Anstalt für Waisenkinder zu stiften.

Am 10cen d. M. ist, Nachrichten aus Köln zufolge, die Rheinbrücke vor jener Stadt wieder aufzefahren worden. Historische Paxallelen und Zeitstimmen, Belgien

und die Belgier betreffend.

Bei Beurtheilung der Begebenheiten in den Niederlan- den und der Verhältnisse zwishen Belgien und Holland, zwischen Dynastie und Nation, haben nicht selten wesentliche Jrrthümer dadurch sich eingeschlihen, daß man die alten Zeiten und Bezeichnungen durchaus nicht gekannt, den Cha- rafter und die Stimmung, der Belgier namentlih, aus frú- heren Perioden nicht gehörig gewürdigt und narnentiich der Idee Raum verstattet zu haben scheint, als hätten Leßtere in früherer Zrit eine selbstständige Nation gebildet, welche nach- mals unterdrückt, erobert und vermöge des Eroberungs- rechtes an die Holländer, somit in einen neuen Zustand von Un- terdrúckung, gekommen seyen. Diejenigen Judividuen, welche die- ser Jdec huldigen, müssen entweder die Geschichte des Volkes gar nie studirt haben, oder vielmehr sie affektiren vôllige Unwis- senheit von Dingen, die durchaus zu unbefangener Wärdi- gung der Geschichte des Tages gehören, da die Gegenwart, sowohl was den faftischen als rechtlichen Bestand betrifft, aus déx Vergangenheit nothwendig erklärt werden muß.

_ Die Belgier haben, wie die Holländer, eine Reihe von geschihtlihen Verwandlungen durchgegangen, ohne jemals eine Nation gewesen zu seyn; der Beweis- dafür läßt sich von Cásar’s Zeiten bis auf Van de Weyer nachliefern. Wäre der Gegenbeweis möglich, so würde dies für ihre Re- volution einen günstigeren Maaßstab zur Beurtheilung ihrer Legalität oder Entschuldbarfkeit darreichen ; aber leider bleibt er durch alle Thatsachen im Zusammenhang, wie im Einzel- nen, verspertt. Wir finden bis zur Burgundischen Periode bloß einzelne Herzögthümer, Grafschaften, Herrschaften, Städte, mit einer Unzahl von Privilegien und Rechten,

von Anmaßungen und Reclamationen , bald wechselseitig ge-

gen einander felbst, bald von den Unterthanen und Vasallen gegen die Herrscher, bald von Herrschern und Vasallen ge- gen diè Kaiser und den Reichsverband, zu dem sie gehörten, ausgeübt. Nicht cinmal der Kollefktiv-Begriff eines Belgischen Volkes findet sich bis zu Ende des 15ten Jahrhunderts irgendwo ausgesprochen; die Jdee ciner Bel- gischen Nation, als solcher,- fehlt ganz; eben so wenig stellt sich ein solcher auch im Norden dar ; aber. früher, als in Belgien, ward doch bei Holländern, Seeuwen und -Frie- sen das Gefühl vorherrschend, daß sie einen Bruder- Bund, dem Auslande gegenüber, bildeten, ‘und die glorreichen Erin- nerungen au die alten Kämpfe und Unternehmungen “der Bataver weckten schon in früherer Zeit eine Art Nas tionalität. Alle Geschichtschreiber früherer und "späterer Zeit stimmen darin überein , ‘daß es niemals eine Völker- schaft von unruhigerem, ungestümerem und tumultliebende- rem Geiste gegeben, als die Belgier im engeren Sinne. Sie zeigten sich mit keinem Zustand der Dinge jemals zu- frieden, mit einem guten, so wenig als mit einem shlechten, und merkwürdig genug , mißhandelten sie die Guten am’ mei- sten, und -die Schlechten imponirten ihnen am sichersten. Jn

' feiner andern Volksgeschichte findet sih eine so frühe und

uugemessene Ausdehnung von individueller Freiheit, und- in feiner ein so unmäßiger und unzähmbarer Mißbrauch der- selben, also zwar, daß namentlih durch die Annalen und Rechtsgeschichte der Flandrischen und Wallonischen Städte dargethan werden fann, „wie wenig für die Herrschaft ciner wohlverstandenen Freiheit, einer géseßlichen Ord- nung und eincs festen Kultur - Zustandes . die Demo-