1831 / 49 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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chal rief: ¿Sie leihen uns Gesinnungen, die gar nicht die unsrigen sind!“ Herr Demarçay fügte hinzu, die Bettler séyen so gut, wie Herr Dupin. Herr v. Corcelles schrie: „Sie verleumden diejenigen, die das Juteresse ihres Landes vertheidigen; das is eine Jnfamie!// Als mehrere Reduer bei diesem Ausdrucke verlangten, daß der Unterbrecher zur - Ordnung gerufen werde, wiederholte derselbe noch zweimal dieselbe Aeußerung und wollte dagegen, daß der Präsident Herrn Dupin zur Ordnung aufruse. Dieser wartete ruhig, bis der Sturm sich gelegt hatte, und fuhr sodann fort, Nie- mand kdnne sih durch [cine Aeußerung persönlich - beleidigt fühlen; er wünsche aber auch nit, daß man ihn verleumde ; er wisse schr wohl, daß auch der Bettler sein Recht habe. Als bei diesen Worten Herr von Corcelles dem Reduer zurief, warum er alsdann denselben beschimpfe, äußerte der Präsident sehr lebhaft: „Wer einen Redner unterbricht, ver- leßt alle der Kammer schuldige Achtung; Niemand anders als Herr vou Corcelles selbst hat sih eine Beschimpfung er- laubt.// Der Aufforderung, Herrn von Corcelles zur Ord- nung zu verweisen, gab der Präsident keine Folge. Eine Stimme meinte aber, es sey ein wahres Glück, daß die Bel- gischen Abgeordneten nicht zugegen wären ; sie würden sonst Úber den ganzen Auftritt höchlih erbaut seyn. Herr Du- pin {loß hierauf in folgender Weite:

„Es ist ein großer Vortheil, Kaltblütigkeit zu behalten, wenn Andere sie verloren haben; in diesem Falle befinde ich mich; das macht, ih spreche weder aus Leidenschaft , noch im Zorne, noch zur Verthcidigung eines persönlichen Juteresse, sondern habe bloß das allgemeine Beste im Auge. Jch sagte also, daß cs mir nicht cheine, als ob man ein Privilegium begründe, wenn man an die Ausúbung eines dentlichen Amtes irgend eine Bedingung fnúüpfe. Der Grundsaß, man müsse auch die Aermsten an der Zufammenstelluug der Municipal - Conseils Thei nehmen lassen, weil sie bei den in diesen Conseils zu verhandeluden Gegenstän- den in der Regel am meisien interessirt wären, is eine reine Sophisterei. Allerdings beschäftigen die Municipal-Conseils" sich i p B. mit den Armenhäusern; wer anders hat diese abec gegrün-

et, als der reichere, aufgeklärtere Theil der Gejellschaft? Wollte matt behgupten, daß die Bettler sich mit den Armenhäusern he» schäftigen müßten, weil die Sache sie nahe angiuge, so müßten auch die Gefangenen bei den Berathungen Uber die Gefängnisse zugezogen werden, denn ohne Zweifel ist Niemand dabei mehr be- theiligt, gls sie. Und um gufeinen andern Gegenstand, z. B. die Wahl der Feldhüter, zu kommen, wird der Arme nicht immer gerade denjenigen Hüter für den besien erkennen, der zu: allem Unwesen die Augen zudrückt und ihnen niemals einen Prozeß an. den Hals bângt? Jch mag keine Beispiele weiter anführen; nur eines be- merke ih noch: Diejenigen, die den Volksmassen auf solche Weise zu schmeicheln suchen , thun dies keinesweges, um sich mit ihnen auf cine und dieselbe Stufe zu stellen, sondern um: sich eins zu thren Häuptecn aufzuwerfen. ( Ganz recht!) Hieraus erklärt sich, wie die Extreme sich berühren; wie z. B. die Ga- zette und das Avenir mit denjenigen Blättern, die sih die Or= gane der Revolution nennen, gemeinschaftliche Sache machett, um die nämlichen rädikalen und anarchischen Grundsäße heraus- ustreichen.. Jn solchen Fällen sage ih mic immer selbs, daß rgend: eine Gefahr im Anzuge is, und daß es der Vorsicht be- darf. Es ist gewiß nicht meine Absicht, zurück zuschreiten ; hon lange bin ih im Vorwärtsschreiten begriffen; aber ich laufe nicht, damit A nicht falle, Wenn es mir nach -drei Fahren scheint, daß der Kreis der Wahl-Befugnisse weiter, als -heute, ausgedehnt werden kann, so werde ih keinen Augenblick Anstand nehmen, dafür zu stimmen; aber ih mag nicht den Anfang damit machen, daß ih mich in das Bodenlose stürze und stimme daher gegen die Anträge des Generals Lamarque.‘

__ Nach Beendigung dieser völlig improvisirten Rede, die von den Centris ' mit großem Beifall aufgenommen „wurde, verlangte der Baron von Podenas das Wort, um die Angabe des Herrn Dupin, daß: er (Podenas) zwei Sähe aus dessen Schrift über das Kommunalwesen absichtlich aus ihrêm: Zusammenhange gerissen habe, zurückzuweisen. Jm Laufe. seines Vortrages beschuldigte Hr. von Podenas den

vorigen Redner, daß er s{ch immer- nur an die Majorität

- wende ünd die Leidenschäften zu erregen suche. Als er in die gedachte Schrift näher eingehen wollte , rief man ihm von mehrecenu Séiten zu, daß dies mit dem persönlichen Faftum, weswegen ihm das Wort bewilligt worden, nichts ¿n hasan habe - und die Versammlung wurde-mit jedem

ugeriblicfe tumultuarischer. Hr. Demarçay verlangte, däß der Präsident Hrn. Dupin, der bet aller seiner Kaltblú-

tigkeit und seinem Stoicismus den Redner unterbrochen habe,

zur Ruhe verweise. „„Ja wohl! Allerdings! ‘/ rief Hr. v. Corcelles gestifulirend, indem er sich erhob, sogleich aber ieder von Hrn. Mau tis am Röóckfschoße auf seinen S\ß zurückgezogen wurde. „M. H.‘/, äußerte der Präsident, „mir steht jar Aufeo@thalcuns der Ruhe und Ordnung -nur éine moralische Kraft s Gebote ;- diejenigén Deputirten, die ohne Rücksicht auf die Ermahnungen ihres Präsidenten das

Reglement verleßen , verstoßen gegen die Würde der Kam- mer und vergehen sich gegen sich selbst.// „Hätten Sie Jhre Pflicht gethan“‘/, erwiederte Hr. v. Corcelles, „so würden Ste Hrn. Dupin zur Ordnung aufgerufen haben.“ ,„„Nein‘‘, entgegnete der Präsident, „so würde ih Sie zur Ord- nung verwiesen haben.“ Nach Hrn. v. Podenas verlangte : Dupin zum zweitenmale, und zwar wegen eines per- sdnlichen Faftums, das Wort. Sodann ließ sich Herr v. Tracy zu Gunsten des Amendements des Generals Lamarque vernehmen, wogegen der Berichterstatter

bei dem Vorschlage der Kommission beharrte. Der Ge-

neral Lamarque hielt diesen Vorschlag in Gemeinden von weniger als 100 Einwohnern, deren es in manchen Des partements gar viele gebe, für unausführbar, indem man in diesen feine 30 Wähler von der Art finden würde, wie die Kommission sie verlange. Der Minister des Jnnern vertheidigte den Antrag der Kommission und bestritt die An- sicht derer, die da glauben daß die Wahl-Befugnisse úberall

im Lande dieselben seyn müßten; es gebe Gemeinden , deren

ganzes Einkommen 40 bis 59 Fr. betrage, wogegen er eine andere fenne, deren Ertrag sich jährlich auf 40 bis 50 Millio- nen belaufe (Paris); hiernach müsse es doch Jedermann ein- leuchten, daß, ‘wer dort roahlfähig sey, es nicht zugleich auch hier seyn fônne; ein anderer Vorrourf,- den man dem Sy- sicme der Kommission gemacht habe, sey der, daß cs von Argwohn gegen die Bürger zeuge; er glaube diese -Beschul- digung aber am besten durch die Erflärung zurückzuweisen, daß er erst vor wenigen Stunden die Vertheilung von 130,000 Gewehren unter die Ngtional- Garden verfügt habe, was ge- wiß von -feínem Mißtrauen zeuge. Als es hierauf zur Abstimmung fam, wurde das Amendement des Hrn. Lamar- que mit bedeutender Stimmen-Mehrheit verworfen. Nicht besser. erging es 5 andern Anträgen der Herren v. Mosbourg,

‘v. Férussac ck Gaujal, Petou und Bouchot; fein einziges

wurde von der Versammlüng genehmigt. Am Schlusse der Sibung kam noch ein Amendement des Hrn. Devaux fol- genden Jnhalts zur Berathung: „An den Wahlen nehmen die hôchstbesteuerten Einwohner, sobald sie das 21ste Jahr zurückgelegt haben, in folgenden Verhältnissen Theil: Jn Ge- meinden oon 1000 Seelen und darunter ein Zehntel der Gesammc - Bevölkerung; für jedes Hundert Einwohner mehr in Gemeinden von 1000 bis 5000 Seelen wächst jene Zzhl um 5 (statt 4, roie im Entwurfe- der Komtnission); für jedes Hundert mehr in Gemeinden von 5000 bis 15,000 Seelen um 4 (tatt 3), und für jedes Hundert mehr in Gemeinden von 15,000 Seelen und darüber um 3 (statt 2.// Nachdem Hr. Marchäl sich zur. Bekämpfung dieses Vorschlages hatte vernehmen lassen, wurde die Fortsehung der Berathung auf

den folgenden Tag verlegt.

París, 10. Febr. Der König arbeitete gestern mit den Ministern- der Marine, des Junern, des Krieges ,„. der Fi- nanzen, der Justiz und des dffentlichen Unterrichts.

Das Wagl - Kollegium des hiesigen 7ten Bezirks wird heute zu einer Depucirten-Wahl schreiten. Man zweifelt niche daran, daß Herr Barthe, der Minister des öffentlichen Un- terrihts, wieder gewählt werden wird. Jn Briey, Departes- ment der Mosel, wollen die meisten Wähler den Admiral Rigny als Kandidaten aufstellen; seine Erwählung wird als gewiß betrachtet.

Der Moníiteur enthält eine Königlihe Verordnung, wodurch die unterm 26. August v. J. erlassene Amnestie sür politische Vergehen auf die Junsel Martiniqus ausgedehnt wird.

Das Journal des Débats äußert in Bezug auf den (in den beiden lehten Nummern der Staats-Zeitung mitge- theilten) Aufsaß des Londoner Courier: „Wir brauchen die- jenigen, die die Polemik dieses Journals in der Belgischen Angelegenheit mit Aufmerksamkeic gelesen haben, nicht auf: dis veränderte Sprache desselben ausmerksam zu machen. Wir begreifen bis zu einem gewissen Punkte die Empfindlichkeic des Englischen Kabinets, in einer Angelegenheit, für die es, gleih den äbrigen Mächten, eine audere Lösung als diejenige gesucht hatte, die wir zuleßt doch für die unvermeidliche hal- ten. Auch wundern wir uns nicht über die erste Aeußerung übler Laune. Aber von der üblen Laune bis zur Drohung

und von dieser bis zur That ist ein weiter Weg. Wir hae

ben die Sprache der Englischen Presse und Rednerbühne beim Beginn des- Spanischen Krieges nicht vergessen. Wir wissen nicht, welchen Beschluß Frankreich fassen wird, beharren aber dabei, es für frei von jeder Verpflichtung zu halten. Man spricht ‘jest von einem neuen Kandidaten für den Belgischen Thron ; wir utserèr)eits halten eine neue Wahl und eine

neue Kandidatur für unmöglih. Auch spricht manu von

der Ernennung einer Regentschaft bis zur Großjährigkeit des Herzogs v. Nemours, der alsdann in seinem eigenen

Namen würde stipuliren können. Der leßtere Plan verdient |

vom Belgischen Kongresse ernstlich erwogen zu werden. Wir wollen für Belgien, Frankreich und Europa hoffen, daß die Zukunft balò die peinliche Ungewißheit über eine so wichtige Angelegenheit aufklären werde.‘ Der Temps, der in

der Belgischen Angelegenheit seine Angriffe auf dên Grafen |

Sebastiani fortseßt, äußert heute Folgendes: „Man schlägt jeßt der Belgischen Deputation einen Prinzen von Neapel vor, der eine Französische Prinzessin heirathen soll. Die Namen wären damit geändert; die Uebelstände würden die- selben bleiben. Wenn das Protokoll, wodurch die Verwand- ten der fünf großen Mächte ausgeschlossen werden, ange- nommen worden ist, so ist der Prinz von Neapel eben so gut ausgeschlossen, wie der Herzog von Nemours; er ist ein

Bourbon und würde eine Prinzessin aus Bourbonschem | Geblúüt heirathen. Wir wollen diesen SBesichtspunkt der Di- | | Capitain Spyck den verzweifelten Entschluß, sein Boot in

plomatie überlassen; vom Minister der auswärtigen Ange- legenheiten aber verlangen wir eine Antwort auf folgende

zwei Fragen: Wenn Ihr elinen- Prinzen von Neapel ! in Vorschlag bringt, so entsagt Ihr der Krone fúür | den Herzog von Nemours, und warum sprecht Jhr dies | dann nicht aus? Ferner, wenn Ihr die Krone für | den Französischen Kandidaten ausschlagt, warum bringt Jhr, | die Jhr das Princip der Nicht-Einmischung aufgestellt habt, |

eine andere Wahl in Vorschlag und knúpft von Seiten Frank: reihs gewisse Bedingungen daran? Was sollen in einem wie in dem andern Falle die beiden Artikel bedeuten, die ge- stern und vorgesterr in einem halb - offiziellen Morgenblatte erschienen und worin von Plänen der Vereinigung beider Länder oder der Krone die Rede war, während diese Pläne in London, vor Europa, auf der Rednerbühne, in der Kam- mer und selbst gegen die Belgischen Abgeordneten abgeläugnet

werden? Was sollen diese Widersprüche heißen? Welcher | Mann von richtigem und geradem Sinne begreift etwas in die- }

jer Sache ? Wen betrügt man hier ? fragen wir nochmals. Die

Börse übrigens, die anfangs, weil sie diese diplomatischen Feinhei- |

ten nicht begreift, Besorgnissen Raum gegeben hatte, beruhigt sich heute in dem tiefen Gefühle, welches die Massen durchdringt und aufflärt, daß nämlich im neunzehnten Jahrhunderte nur das Gerechte und Vernünftige möglich ist.“

Die Nachricht von der Wahl des Kardinals Cappellari zum Papste ist gestern Abend durch den Telegraphen hier E :

ournal des Débats meldet, einer telegraphi-

- as J

schen DBesesehe aus Lyon zufolge, seyen in Reggio, Bologna und | Modena zu gleicher Zeit unruhigeBewegungen ausgebrochen und von den Jnsurgenten sey die dreifarbige Kokarde angenommen '

worden; in der leßteren Stadt seyen beim Abgange der Nach-

richt die Jnsurgenten mit den Herzoglichen Truppen im Ge- |

fecht Fewer en. *)

er Präsident von Griechenland hat der Regierung ein | | gearbeitet. Das Wasser wurde mit Pferden ausgepumpc. | Am 6ten d. Mittags hoffte man, gegen Abend das Ziel zu

kfostbares Bruchstück eines marmornen Basreliefs, das die Arbeiten des Herkules darstellt und auf der Stelle des alten Olympia gefunden worden ist, zum Geschenk gemacht. Es ist E hier angekommen und nah dem Louvre gebracht worden.

An der gestrigen Börse ereignete sich folgender sonder- bare Vorfall. Nach drei Uhr Loge plôó6lih durch fleine, über dem Gesimse angebrachte Fenster gegen die leßte Re- volution und gegen den König gerichtete Shmähschriften und Gedichte in Menge in den Saal. Als man auf den Korridor eilte, auf welchen diese Fenster stoßen, war Nie- mand mehr zu sehen.

Gestern Abend zeigten sich bei der Municipal - Garde, die sih in der in- der Straße Tournon gelegenen Kaserne befindet, nah eingenommenem Abendessen Spuren der Ver- giftung; 60 70 Mann mußten nach dem Lazareth gebracht werden ; auf mehreren Posten, die von dieser Kaserne aus beseßt werden und auch ihr Essen von dort erhalten hatten, zeigte sich dieselbe Erscheinung, und sie mußten von der Na- tional-Garde abgelóst werden. Die Aerzte schritten sogleich zur Untersuchung der Cette, dia in Kartoffeln mit Del und

ssig bestanden hatte. Die Ha in denen das Essen zu- bereitet worden war, sind von Gußeisen. Auf dem Marché des Junocens und dem Plake des Pantheon hatten sih in Folge dieses Ereignisses mehrere Volkshaufen gebildet. Der Königl. Prokurator be ab sich nach der Kaserne, ließ die Köchin, welche die Speisen bereitet hatte, verhaften und die Übrig gebliebenen Speisen, die chemisch analysirt werden sol-

*) S. Art. Jtalien.

E den Polizei- Kommissarius in einem Gefäße ver- legeln.

Der Königl. Niederländische General - Konsul hierselbst, Herr' Thuret , hat in den angesehensten der hiesigen Blätter

| über das am Iten d. M.- vor Antwerpen auf. der Schelde ¡ vorgefallene unglüflihe Ereigniß einen Bericht einrücken lassen, der, wie er sih ausdrückt, bestimmt ist, das Andenken

eines Mannes zu rechtfertigen, der für die Ehre seiner Flagge gestorben- ist. Aus diesem Berichte, für dessen Richtigkeit sich der General-Konsul verbürgt, erhellt, daß die Hafen-Ar- beiter, die sich unter Anführung eines gewissen Groter- an Bord des ans Ufer getriebenen Kanonierboots begaben , den Capitain van Spyck und seine Mannschaft beschimpft und sie für Gefangene erklärt hatten; der Capitain erwiederte ih- nen, daß er nicht ihr Gefangener seyn fönne, da der ‘Waf- fenstillstand noch in Kraft sey, und daß er eben so wenig seine Flagge einziehen werde. Als hierauf die Belgier die Hollän- dische Flagge herunterrissen und mit Füßen traten , faßte

die Luft zu sprengen, den er auch unter dem Vorwande, seinen Hurt aus der Kajüte zu holen, sogleih ausführte. Das hiesige Tribunal erster Jnstanz hat sih gestern in der Sache des Herrn von Genoude für infompetent erklärt, indem zu entscheiden war, ob die Verleumdung, deren \sich Herr von Genoude gegen den Baron Méchin \chuldig* ge macht, von politischer Natur sey oder nicht. “Sein Anwalt, Herr Hennequin, behauptete das Erstere und wollte deshalb die für fruhere politische Vergehen von der jeßigen Regie- rung ausgesprochene Amnestie auch auf den gegenwärtigen Fall angewendet wissen; der Substitut des Königl. Profuras

- tors bestritt dagegen die Kompetenz des Gerichts. Die Strafe,

zu welcher Herr v. Genoude als verantwortliher Gescháfts- führer der Gazette de France vor der Revolution des Juli wegen Diffamation des Baron Méchin als Beamten und Deputirten verurtheilt wurde, bestand in 15tägigem Gefäng- niß und einer Geldstrafe von 500 Fr. Er hat sich nunmehr an den Präfidenten des Königl. Gerichtshofes gewendet, um ein definitives Urtheil in dieser Sache zu erlangen.

In einer Steinkohlen - Mine bei St. Etienne arbeiteten vor einigen Tagen 18 Bergleute, als plöblich Gruben-Wasser eindrang, das ihnen jeden Ausweg verfperrte; man hofft, daß sich- die Mehrzahl derselben in einen Gang gerettet ha- ben wird, der gegeu das Wasser ges{chüßt ist, aber feinen Ausgang hat; er ist so gelegen, daß die Arbeiten zur Be- freiung der Unglücflichen von unten beginnen müssen. Aus der ganze Umgegend eilten sogleich die Gruben- Arbeiter zur Rettung ihrer verschútteten Gefährten herbei. Man ver- nahm deutlich den Lärmen, den die Unglücklichen machten, fonnte aber die Richtung, auùs der er fam, nicht genau be-

| flimmen. Zunächst war man bemüht, eine Oeffnung von

unten nach oben nah jenem Gange zu bohken, um mit den Verschürteten in Verbindung zu fommen und ihnen Speisen reihen zu föônnen. Zugleih wurde an einem neuen Gange

erreichen. i

Die Quotidienne zeigt an, daß den 14ten d. M. n der St. Rochus - Kirche eine Todtenfeier zu Ehren des Her- zogs von Berry gehalten werden wird.

Privatbriefe aus Madrid vom 1. Febr. melden, daß der Oberst Bordas, der im Oftober v. J. an der Sue eines Haufens in Gallizien die Fahne des Aufruhrs erhob, um die Jnvasion Mina’s zu unterstüßen, vor furzem bei dem Dorfe Mezquita todt gefunden worden ist. |

Die Gazette de France giebt folgende Anekdote: Eine hôchst liberale, ja fast republikanisch gesinnte Dame sagte neulich, als sie aus dem Palais-Royal von einem Balle fam: Die Revolution des Juli fostec meinem Manne zwei Millionen; dafür gehe ih aber auch an den Hof, und der König spricht mit mir.“/ |

Gvyoßbritanien und Jrland.

Parlaments-Verhandlungen. Den 8. Februar. Im Oderhause machte Lord King wiederum die Zehnten zu einem Gegenstande der Unterhaltung. Er hatte mehrere

ittschriften in diesem Bezuge zu überreihen und meinte, daß, da ihn einer der ehrwürdigen Prälaten am vorigen Tage gefragt , ob er wohl einen ‘Plan entworfen habe, wie dem gegenwärtigen Systeme ohne Benachtheiligung der Kirche abzuhelfen sey, er sich heute veranlaßt --finde, folgende drei Pläne der Beurtheilung des Hâäuses vorzulegen. Der erste Plan, der vielleicht der einfahste und der beste wäre, be- stände darin, das Land, ‘und zwar verhältnißmäßig nach sei nem Ertrage, mit der Erhaltung der Geistlichkeit zu belasten ;

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