1831 / 56 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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unter Anderm 5 Tage lang durch tiefen Schnee waten mußte, mit dem ihr eigenen Muth und mit der festen Ueber- zeugung vorwärts geht, duß nichts den siegreihen Waffen Ewror. Kaiserl. Maj. widerstehen kann.////

¡¡„Diesem Berichte hat der Ober-Befehlshaber die speziellen Berichte der einzelnen Heerführer der in das Königreich Po- len cingerüten Truppen. beigefügt. Ein Auszug aus diejen Berichten wird gleichfalls zur öffentlichen Kenntniß gebracht werden. “/

Die Gouvernements Witebsk, Mohileff und Smolensk hab?-n sich erboten, dem Oberbefehlehaber der aftiven Armee 25,000 Tschetwert Zwieback nebst einer entsprechenden Quan- tität Graupen und 75600 Tichetwert Hater oder Gerste zu stellen. Auf Befehl Sr.. Majestät is dieses Anerbieten an- genommen worden.

Polen. Warschau, 21. Febr. Vorgestern hielten beide Kam-

mern nieder eine Sißung,- in welcher zwei Geseß-Entwürfe | Der erste derselben, welcher zuer|t in

angenommen wurden.

die Landboten-Kammer eingebracht wurde, erklärt den Reicis« |

tag für permanent und enthält zugleih Vorschristen hinsicht- |

li der Versammlung desseiben in außerordentlichen Fällen, sowohl im Jn- als Auslande. Der andere zuerst in die Senatoren- Kammer eingebrachte Geseß- Entwurf seßt Be- lohnungen für die Krieger fesi, welche in dem gegenwärtigen Kriege zu Juvaliden und dadurch zum ferneren Dienst un- tauglih werden. Nachdem beide Encwürfe einstimmig ange- nommen und in Geseke verwandelt worden waren, wurde eine Deputation aus den Senatoren Gräâäfen Buinsfi und Mencinski und den Repräsentanten Wenzyf, Dembowroski und Desfkur , Alles ehemalige Militairs, zusam- mengestellt, um der Armee den Beschluß zu verkündigen, wo- ces, bas fünftige Schicfsal der Krieger sicher gestellt wer- den joll.

hige Mannschaft nun auf das rechte Weichselufer begeben und L nach dem 4 Meilen von Warschau entfernten Städt- chen Radzimin marschirt, woselbst sich die Polnische Armee foncentrirt, und wo cs wahrscheinlih zu einer Hauptschlacht fommen wird, da die Russen in Eilmärschen nahen. Alle in der Hauptstadt getroffene Maaßregeln lassen vermuthen, daß tieselbe auf das. hartnäckigste vertheidigt werden soll; doch if die Theurung der Lebensmittel {hon sehr groß. Der linke Filigel der Russen erregt in diesem Augenblick der Hauptftadt große Besorgnisse. Die Weichsel ist zwar noch mit Eis be- dect, dasselbe wird jedoch schon an verschiedenen Stellen mit Wasser übergossen, so daß: man siündlich dem Eisgang ent- gegensieht; es findet dann mehrere Tage gar keine Communi- cation zwischen beiden Ufern statt, da nirgends feststchende Brücken über die Weichsel vorhanden sind; während dieser Zeit fönnte die Polnische Armee leiht in die Gefahr gera- then, im Fall eines Unglücks nicht wieder über die Weichsel zurückzukommen. Die mit 120 bespannten Geschüßen, steht jeßt mit dem Rücken fast. an der Weichsel und zieht sich zwischen Praga und Mod- lin hin. Bei herannahender Gefahr sollen die Landboten beschlossen haben, den Sib der Regierung nach Czenstechau zu verlegen.

Unter der Rubrik: „Amtliche Nachrichten// enthält die

hiesige Allgemeine Staats-Zeitung folgende Berichte

vom -Kriegsschauplaß: „Laut dem an den Hauptstab des Oberbefehlshabers, des Nachts vom 16ten auf den 17ten,

aus Kaluszyn eingesandten Rapport des Generals Zymirski, .

wurde eine Abtheilung Kavall:rie nach dem Dorf Boimia in der Richtung von Siedlce zur Rekfognoscirung ausge- \chiét. Die Scharmübel waren nicht bedeutend. Man traf nur auf feindliche Reicerei. Eine zur Ausfundschaftung des von Liw fommenden Weges abgesandte Schwadron stieß auf einige funfzig feindliche Reiter. Der Oberst Bukowsfi, welcher dieses Rekognoscirungs - Corps kommandirte, griff dieselben mit ei- nem Peloton an und brachte sie zum Weichen. Vou Seiten des Feindes blieben der Adjutant des. General Sacken und zwischen 10 bis 20 Mann auf dem Pla6, gefangen genommen wurden 8 Kosaken und 1 Uhlan; von unserer Seite wurden 2 leicht verwoundet, Eine Ab- theilung der Sandomikrschen Kavallerie hat in einem Ge- feht mit dem Feinde 3 Kofaken gefangen genommen. Der Oberst Kuszel, welcher im Vorrücken begrissen ist, hat den ersten Bericht aus Kuflew, jenseits Siennica, einge- sandt.// Ein von demselben Blatt mitgetheilter Ar- mecbericht des dienstthuenden Generals Morawski, aus dem Haup'quartiler Grochow vom 17cen Abends 9x Uhr datirt,

Cheimicfi,

iesigen Blättern zufolge, hat sich alle waffenfä-

vom General Sfrzynecki hier ein. Zwei unserer Jyufanterie- Regimenter, das 3te und áte, mit 8 Kanonen, haben gegen 12 feindliche Jnfanterie- Regimenter, welche 26 Stück Ge- \{chüßb bei sih hatien, von 5 Uhr Morgens bis 5 Uhr Abends in der. Gegend der Stadt Dobre gekämpft. Der Kampf war mörderisch; doch vermochte der Feind nicht, den General Séfrzynecki aus seiner Stellung zu ver- drängen. Nach Aussäge der Gefangenen hat der Feldmar- schall Diebitsch selbst die Russishen Truppen befehligt. Das

2e Bataillon des Zten Regiments hielt den Feind bei einem.

der Uebergangspunkte 3 Stunden lang auf, und 100 Mann vom ten Regiment sprengten ein feindliches Bataillon. Au- ßer den Todten und Verwundeten haben wir keinen Verlust an Gefangenen oder Geschüß erlitten. Der genauere Rap- port üver diese Schlacht ist noch zu erwarten.“ (Den in der neuesten Warschauer Zeitung befindlihen ausführ-

| licheren Bericht über dieses Treffen ,* welchen der Brigade-

General Skrzynecki, Befehlshaber der Zten Jnfanterie-Divi- sion, an den Fürsten Nadziwill unterm 17ten d. aus Ofu- niew erstattet at, müssen wir uns aus Mangel an Raum noch vorbehalten.)

Die Staats-Zeitung enthält auch einen Rapport des am linfen Weichsel-Ufers kommandirenden Divisions-Generals Klicki, folgenden Jyuhalts: „Jch beeile mich, zu allgemeiner Kenntniß zu bringen, daß der Stabs - Offizier Czynsfki, ‘der aus dem Hauptquartier des Generals Dwernicki angekommen ist, folgenden mündlichen Bericht erstattet hat: Gestern (den 19ren d.) um 10 Uhr Abends kam ih in Magnuszew an, wo ich den Major Osinsfi vom Stab des Generals Dwer- nicki, den Adjutanten des Generals Sierawski und einige JInfanterie-Offiziere antraf, welche mir versicherten, daß zwi- jchen Ryczywol und Kozienice ein Treffen vorgefallen sey, in dessen Folge der Feind 5 Stück Geschüß und 2 davon mit vollsiändigem Gespann verloren -haben soll. Der Artil- lerie- Oberst Paul Pulowitsch, welcher dieses Geschüß befeh- ligte, ist {wer verwundet in unsere Gefangenschaft gerathen ; ich habe selbst persônlih mit ihm gesprochen.‘

Jn der Warschauer Zeitung befindeu sich noch fol- gende, als amtlich bezeihnete Armee-Berichte: „Vom 17ten. Jn diesem Augeublik heißt es, daß zwischen Stanislawow und Ofuniew ein bedeutender Kampf begiúnen soll.“ „Vom i9ten. Der Generalissimus, Fürst Radziwill, hat mich um 57 Uhr benachrichtigt, daß der heutige Tag für uns wieder günstig gewesen ist, und daß die von unserer Armee eingenommenen Stellungen von derselben behauptet worden sind. Die näheren Details dieses, auf unserem rechten Flügel

| stattgehabten, Kampfes werden später bekannt gemacht werder. (Unterz.) Der Divisions-General Klicki./‘

rmee, ungefähr 70,000 Mann stark, |

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Unverbürgten Nachrichten zufolge, sollen in Folge dieses Gefechtes, das bei Grochow, einem üngefähr eine Stunde Weges von hier entfernten Dorfe stattgefunden hat, die Rus- sischen Truppen nah den Waldungen auf der Straße von Mink eine rúcgängige Bewegung gemacht haben. Dieses foll am 20sten parhenen seyn, an welchem Tage man sich, so wie am vorhergehenden , mit großer Erbitterung schlug. Mehrere Tausend Menschen sind auf beiden Seiten geblie- ben, und fortwährend werden Polnishe Verwundete nach Warschau gebracht, unter denen man einige hohe Stahs- Offiziere bemerkt hat.

Das leßtgenannte Blatt meldet noch Folgendes über die Kriegsbegebenheiten : „Am 17ten d. sind mehrere Gefangene und die in dem Trefsea bei Stoöczek unbrauchbar gemachte Kanone, deren in dem Bericht des Generals Dwernicki er- wähnt wird, nah der Hauptstadt gebracht worden. - Der in denselben Gefecht verwundete General, von dem die Rede war, is der General Paschfofff, und soll derselbe bereits an seinen Wunden gestorben seyn. Bei Pulawy werden die Russen über die Weichjel gehen, haben jedoch erst aus Besorgs- niß, daß. das Eis unter ihren Kanonen einbrechen möchte, Vorkehrungen getroffen, um von Ufer zu Ufer eine Durchfahrt fúr die Fährèn einzuhauen. Ju dem Dorfe Gora, Pulawy gegenüber, stand eine Avant - Garde von Kosaken, die etwa 1000 Pferde stark seyn fonnte, Jn Lukow, Padzyn und an- deren Orten haben die Russen schon neue Beamten eingeseßt. General Kreuz befand sich am 14. d. in Gniewoszow, von wo aus er eine Patrouille von 18 Kosaken nach Kozienice ab- schickte, um Zeitungen und Briefe in Beschlag zu nehmen, mit der Versicherung jedoch, daß sie zurückgegeben werden

sollten. ‘/

Die National - Regierung hat vorgestern folgende Pro- clamation erlassen: ¿Da das Poslnijsche- Heer nah seinen Gefechten mit dem Feinde und in Folge der Kriegs - Opera- tionen wahrscheinlich weiter vorrücken wird, so hat ‘die Na-

enthält Folgendes: „„Jn diescm Augenbli trifft ein O|fizier | tional-Regierung, um die Hauptüadt gegen einzelne Demon-

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strationen des Feindes in Vertheidigungs- Zustand zu seßen, beschlossen und beschließt, wie folgt: Art. 1, Von heute an ist die Hauptstadt Warschau als in völligem Belagerungs- Zustand befindlich zu betrachten. Art. 2. Der Gouverneur der Stadt wird von diesem Augenblick an die Gewalt, wel- che ihm das Kriegsrecht in einer in Belagerungs-Zustand er- flärten Festung verleiht, in ihrem ganzen Umfang aus- üben. Art. Z. Alle Kriegs- und Civilbehörden, so wie auch alle Bewohner der Hauptstadt , sind verpflichtet, den Befeh-

‘len des Gouverneurs, sowohl hinsichtlih der Bewaffnung,

als hinsichtlih der Vertheidigung der Stadt durch äußere und innere‘ Befestigungen, unter Strafe der Kriegsgeseße zu gehorchen. Art. 4. Die Personen der Senatoren, Land- boten und auswärtigen Konsuln, die Situngssäle der Se- uatokïen - und Ländboten-Kammer, so wie auch die Wohnun- gen der erwähnten Personen, sind jedoch außerhalb der Ge- walt des ‘General-Gouverneurs. Art, 5. Die Vollziehung dieser Verordnung, welche. mittelst Drucks und Anschlägen an den Straßenecken bekannt gemacht werden soll, wird dem General-Gouverneur und der Regierungs - Kommission des Innern übertragen.“

Franfreid.*)

Paris, 17. Febr. Der König begab sih gestern früh um 92 Uhr, von den Prinzen, dem Marschall Gerard, dem General Pajol und mehreren anderen Generalen begleitet , auf den Caroussel-Plaß, um dort über 12 Bataillone der Na- tional- Garde der Hauptstadt und des Weichbildes, 2 Regi- menter Linientruopen und mehrere Kayvallerie-Detaschements der National-Garde und der Garnison Revúe zu halten. Se. Majestät wurden von dem General, Grafen von Lobau, Befehlshaber der National-Garde, empfangen und von den zahlreichen Zuschauern , die den Plaß bedeckten, mit einstim- migen Freudenbezeugungen begrüßt. Nachdem der König an sámmtliche Truppen vorüber geritten, hielt er folgende An- rede an dieselben, nah weicher sie bei Sr. Majestät vor- bei defilirten: „Meine werthen Kameraden! Stets treu

egen - Frankreich , stets Meinem Vaterlande ergeben, habe

ch nur für dieses und einzig und allein in seinem Juter- esse .den Thron angenommen , auf den die Stimme der Na- tion Mich berufen har. Jch werde diesein ruhmvollen Auf- trage treu bleiben; Jch werde dieses ehrenvolle, Mir anver- traute Gut mit Loyalität bewahren, um es gegen unsere Feinde zu vertheidigen , wer sie auch seyn mögen, um unsere Jnstitutionen, Geseße und Freiheiten aufrecht zu erhalten und jene Nationalität zu behaupten, die Mein Französisches Herz in den lebten Jahren mit großem Schmerze so oft ver- fannt gesehen hat. Jch werde sie zu vertheidigen wissen, mag man nun unsere glorreichen National - Farben zu be- schimpfen und ihnen offen die weiße Fahne gegenüberzustellen wa- gen, oder im Finstern folche Versuche zur Wiederaufrichtung der leßtern machen, wie deren einer so cben den gerechten, öffentlichen Unwillen erregt hat. Diejenigen , die sich dieses Versuchs schuldig gemacht haben, sind in den Händen der Gerechtig- feit, und werden nach der Strenge der Gesete bestraft wer- den. Jener Unwille hôre aber auf, sich durch Unordnungen so wie durch jene shmählichen Verwüstungen kund zu geben, von denen der gestrige Tag Frankreich und Europa ein trau- riges Schauspiel gegeben har! Vergesset nicht, daß da, wo die ôffentliche Ordnung nicht ununterbrochen aufrecht erhal- ten wird, weder die Freiheit, noch eine Regierung möglich ist. Laßt uns daher diesen Aufregungen ein Ziel seßen, laßt uns unsere Feinde, mit welchen Farben sie sich auch s{chmük- ken mögen, verhindern, jenë Unruhen zu ihrem Vortheil und um Schaden Franfkreihs und unserer nationalen Sache zu enuben. Der National-Garde fommt es zu, mich in diesem patriotischen Unternehmen zu unterstüben ; sie ist es, der Jch Mich mit Hingebung anvertraue.…..// Bet diesen Worten erscholl der Beifall und der Ruf: Es lebe der König! mit solcher Gewalt, daß Se. Majestät sich nicht länger. vernehm- bar machen konnten und zu sprechen aufhörten. |

Der Moniteur enthält folgenden Artikel: „Der Kd- nig sah, indem er die Lilien auf dem Staatssiegel beibehielt, darin nur ein Zeichen, das mehrere Jahrhunderte lang- das von Frankreich gewesen war, und an das sich Erinnerungen kaúpsten, die für’ seine Vorfahren ehrenvoll, wie für die Na- tion glorreih waren. Seitdem aber strafbare Versuche dar- aus ein. Vereinigungaszeichen für die Feinde der neuen Dy- nastie und unserer Jnstitutionen gemacht haben und die ôf- fentliche Meinung in diesem Emblem nur noch frische und verhaßte Erinnerungen sieht, so hat der König jedè andere

*) Die Verhandlungen der Deputirten-Kammer am 16. Fe- bruagr \. in der Beilage.

_ durch den General -Marsch zusammenberufen.

! hat aber nichts der Art stattgefunden.

Rücksicht bei Seit: geseht und díe im officiellen Theile die- ses Blattes befindliche Verordnung zur Veränderung des Staatsfiegels erlassen. Zu gleicher Zeit hat Se. Majestät Befehle ertheilt, die Lilien úberall fortzunehtnen, wo dies thun- lich ist, ohne die dffentlihen Denkmäler zu beschädigen und die Verstümmelungen zu wiederholen, welche im Jahre 1814 die Abnahme der Embleme der Republik und der Regierung Napoleons veranlaßte. Schon werden auf Königl. Befehl am Triumphbogen des Caroussel-Plates die alten Basreliefs wieder hergestellt, die zur Zeit der Wiederherstellung der Mo- narchie davon abgenommen worden waren. “/ :

Die im obigen Arkitel erwähnte, vom Großstegelbewah- rer contrasignirte Königl. Verordnung lautet: Art. 1. Fn Zukunft wird das Staatssiegel ein offenes Buch mit den Worten: „Charte von 1830// darstellen, darüber die ge- schlossene Krone mit dem Scepter und dexr Hand der Ge- rechtigkeit, freuzweis Úber einander gelegt, und den dreifar- bigen Fahnen hinter dem Schilde, im Abschnitte die Worte: Ludwig Philipp l., König der Franzosen. Einer andern Verordnung zufolge, soll das Amt éines At vokaten in den Französischen Koionien, den im Mutterlande geltenden Geseßen und Reglements gemäß, frei ausgeübt werden.

Der gestrige Tag ist zwar ruhiger, als die beiden vori- gen, verflossen ; denuoch war diè Hauptstadt noch in großer Aufregung und bot einên sehr be!ebten Anbli| dar, welchen die hiesigen Blätter in folzender Weise schildern: „Gestern frúh wurden die National-Garde, der sih auch die Nationaï- Garde des Weichbildes anschloß, und die Linien : Truppen Um die Kirs- chen„in dem Hofe des Palais-Royal, auf dem Carouss.splaß, beim Palaste der Deputirten Kammer, in den Tuilerieen, im Louvre und an vielen andern Punften waren starke De- taschements aufgestellt. Auch in den Hdfen des Justiz -Pa- lastes bivouaquirten mehrere Truppen-Abtheilungen, und es was ren Vorsichtsmaaßregeln getroffen, so daß alle Eingänge im Falle eines Aufstandes augenblicklich geschlossen werden konnten ; die im Justiz - Palaste befindlichen Christusbilder wurden verhangen und jollen ganz weggebraht werden. Man hatte von An- griffen gesprochen, die gegen den Palast der Deputirten-Kam- mer und des Palais-Royal unternommen werden sollten ; es Ein zahlreicher Hau: fen junger Leute, der über die Brücke Ludwigs XVEI, auf dem Plaße vor dem Palaste Bourbon anfam, wurde bald erftreat. Auch die Bewegungen, die auf dem Plabe des

antheon besorgt wurden, unterblieben. Die größten Vor- sichts: Maaßregeln waren überall getroffen, um Unordnungen vorzubeugen. Die öffentlihe Ruhe wurde daher den ganzen Tag úber nicht ernstlich gestört. Die Kaufleute und Bürger, an deren Häusern und Läden sth noch das Emblem der Lie lien befand, beeilten sich, es fortzunehmen. Am linken Seine- Ufer bildeten sih einige wenig zahlreiche Gruppen , die bald zerstreut wurden. Jn Sainte - Pelagie - versuchten die Séhulden halber Verhafteten einen ‘Aufstand; sie woll- ten die Thúren des Gefängnisses durchbrehen, und da es lhnen nicht gelang, so zerbrachen sie alle Möbel und Tische; auch fielen mehrere Pistolenschüsse im Jnnern ; die im Dofé aufgestellten Truppen schossen anfangs blind, dann aber scharf nach den Fenstern der Gefängnisse, wobei einige Gefangene leicht verwundet wurden. Die Ruhe war bald wiederhergestellt. - Die Personen, welche die Gefangenen besucht hatten, wurden erst am Morgen herausgelassen. Zwanzig der“ Gefangenen hat man nach der Conciergerie ge- braht. Jm Laufe des Vorwittags fand sich auf dem Carous- selpláße zahlreiches Volk ein und verlangte die Zerstörung der auf dem Triumphbogen befindlichen, die Ereignisse des Spa- nischen Feldzuges von 1823 darstellenden, Basreliefs, nah denen es mit Steinen warf. Die National-Garde hielt jedoch die Menge “so lange von weiterer Beschädigung der Denfmäler ab, bis aus dem Palais - Royal Maü- rer anfamen, ein Gerüst errichteten und die Basreliéfs abnahmen. General Pajol wohnte, von seinem Stabe um- geben, dieser Operation bei. : Vor der Magarethen-Kitche in der Vorstadt St. Antoine verlangte ein Volkshaufen die Abe nahme des Kreuzes, so wie die Zerstdrung eines an der Kirche befindlichen Steins mit Lilien; der Polizei - Kommissar des Stadtviertels eilte herbei, und Kreuz und Stein waren bald vershwunden. Wenige Augenblicke darauf erfuhr man, daß das Seminar Picpus erbrochen sey und geplündert werde. Derselbe Polizei- Kommissar versügte sich sogleih mit einer starken Patrouille der National: Garde dahin, ließ das Se- minar räumen und mehrere Judividuen, die gestohlene Ge- genstände bei sich führten, nach der Polizei-Präfektur bringen. Die úber der Thúr des Museums befindliche Büste Lud- wigs X VIII, wurde Nachmittags herabgenommen- und zer-