1831 / 57 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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wird derjenige dennoch nicht -entgebn ,- dem der größte Theil der Versammlung würklih völlig fremd is, und der vielleicht kaum in Einzelnen, eben so einsam stehenden, einen Anklang gleicher Jdeen findet, woran ein Vertrauen auf Gemeiaschaft- lihfeit der Ansichten in der “gemeinschaftlihen Wahlhzandlung sich ênúpfen föônnte. Es sind hier nicht, wie bei Parlements- und Deputirten-Wahlen, Kandidaten vorhanden, deren Na- men bereits dem öffentlichen Leben angehören. Vielmehr gilr es, wenigstens neben befannteren Männern, auch von der Einsicht und Redlichkeit deren Anwendung zu machen, die bisher nur in einem fleinen Kreise erprobt, zur Thätigkeit für das Gemeinwohl heranreiften , und eben deswegen zur Zeit noch einem großen Theile der Versammlung ganz unbe- kannt sind. Jun der That gehdrt kein geringes Maaß von Gemeinsinn und Gleichmut dazu, wenn unter solchen Vertr- hältnissen nicht in einigen Bezicken die Gebildetern, in an- dern die Minder-Gebildeten sich übersehn, zurückgeseßt und entbehrlich fühlen, und wenn nicht. bei dem Abstim- men über wenig befannte Kandidaten Gleichgültigk.it und Misbehagen eintreten sollten. Wie sehr viel lebeudiger würde die Theilnahme an den Wahlen, wie schr viel sicherer der Erfolg derselben sein, wenn Standes- und Gewerbs-Genossen , Männer von gleicher Bildung und glei- chem Interesse, Männer, die Geschäfts - und Gesell schafts- Verhältnisse mit einander verbinden, sich zur Auswahl! dessen vereinigten, welcher ihnen als der würdigste Rathgeber in Angelegenheit-n der O-tsgemeine erscheint 2 Mag in solche Wahlen sich immerhin auch die Absicht mi)chen, einen ein- fichtevollen und thätigen Vertreter des besondern Standes oder Gewerbe in die Stadtverordneten-Versammiung zu ‘sen- den: es {t doch nun nicht mehr der Zufall, welcher eiazelnen Scandes- oder Gewerbs - Jnteressen eine kräftige Vertheidi- gung sichert, wärend audre ihrer ganz entbehren. Bei zwecck- mäßiger Vertheilung der Stände uud Gewerbe in Wahl- versammlungen werden Alle des gleichen Vortheils hierin geniessen , das widerstrebende besondre Interesse roird gleich- mäßig zur Erwägung fommen, und um so leichter iich gegen- seitig ausgleic?u; die einseitigen Auforderungen werden ein- ander selbst beschränfen; und es scheint, daß eben auf diesem Wege der Sieg der Gemeiunükigkeit über die Selbstsucht am entschiedensten gesichert werde.

Mége úberall fein Vorwurf die Verschiedenheit der An- |

sichten treffen. Mögen nicht der Uebereilung oder gar der Schwäche beshaldigt werden , die sich liebec aller Würksam- keit des Korporationsgeistes entäußeru, als dieselde zügeln wollen. Ab.r mögen, auch nicht des unverständigen Behar- rens in verjährten Vorurtheilen diejenigen bezüchtigt wecben, die vermeinen, daß der Mensch durch das Familienleben zu der Körporation, welche auf der Achulichfe,c der Bildung und Beschäftigung beruht, durch diese zu g-dgern räumlich beschränkten Verbindungen, und durh Orts- oder Kreis-Ge- meinen zum öffentlichen Lebeau für den Staat erzogen werden müsse, und daß feines dieser vier Bildungsmittel vernach- läßigt oder gar ausgeschlossen werden dürfe, ohne die hôchiten mi en des menschlichen Lebens wesentli zu ge- Aren. i

Für den vorliegenden Zweck dürfte vollkommen guügen, daß die Zuläßigfeit beider Wahlformen, nach râumlichen Ab- theilungen und nach persönlichen, durch das Geseb anerkannt, und den örtlichen Statuten anheimgestellc werde, in wiefern es den Verhältnissen der Ortsgemeine angemessen erscheinen fönne, von der einen oder der andern, vielleiht selbst von einer anscheinend jedoch s{chwärigen Verbindung beider, Ge- brauch zu machen. Hierin dürften sich felbst die mehr oder minder städtischen Verhältnisse der einzelnen Ortschaften so flar aussprechen, daß es einer Klassififation der Städte näch der schwankenden Abstufung der Einwohnerzahl gar nicht mehr bedürfen, und nur das Hervortreten wahrhaft groß- städtischer Anstalten allein den Rang bestimmen würde, wel-

chen der Staat den Vorständen der Ortsgemerinen in Bezug

auf ihre Stellung gegen die Kreis - und Provinzial - Regie- zu bewilligen angemessen achten möchte.

___ Wie mangelhaft auch die vorstehenden Betrachtungen sein dürften, und wie Vieles auch daríiau anders- begründet, oder als gänzlich - irrig ausgestrichen werden müsste: so wer- den sie doch ihren Zweck erreicht haben, wenn sie den

Sedrucktt bel A. W. Hayn.

rungs Behörden und in dex Bezeichnung ihrer Ehrenrechte |

Blick einiger Leser auf. die Grundlagen der Gemeineverfas- sung richten, deren Prüfung jeder Würdigung derjenigen Geseße vorangehen sollte, wodurch der preußishe Sraat sei- “nen Ortsgemeinen die Verwaltung ihrer Angelegenheiten mit so viel Selbstständigkeit zu übertragen trachtet, als ihr Ver- hältniß aus der unbefangendsten Ansicht nur irgend verträgt.

| Königliche Schauspiele,

Freitag, 25. Febr. Jm Opernhause: Don Juan, Oper in 2 Abtheilungen, mit Tanz; Musik von Mozart. (Mad. Schröder - Devrient: Donna Anna, als Gastrolle.)

Im Schauspielhäuse: 1) Le jeune Mari, comédie en 9 actes el en prose, par Mr. Mazères. 2) La prémière re- présentation de: La Sonmambule villageoise, vaudeville nouvean en 93 actes, par MM. Mélesville et Dartois.

———

Königstädtisches Theater. Freitag, 25. Febr. Das Mäckchen- aus der Feenwelt, | oder: Der Bauer als Millionair, Zauberspiel in 3 Akten.

D T1 Uer. Bor as Den 24. Februar 1831.

Ami]. Fonds- und Geld-Cours-Zettel. (Preufss. Cour.)

|Z/.\ Brief | Geld. 867 | S6 977 957 T8F 4.86

86 ST

¡Zf. tirief. G eid. Üslpr. PtandrE. | 94 |

St.-Scuiuld-Sch. Pr. Engl. Anl. 18 Pr. Engl. Anl. 22 Pr. Engl. Obl. 30 Knim.Ob.m.l.C. Nzom.Tnt Sch.d. dal Ri A

óniczsbg. do, EIMbEA do. Danz. do. in Th. Westpr. Pfdb. | Grosshz.Pos. de. " R D E S D R622: .93

Pomm. Pfandbrf.! 4 [1031 Kur- u Neum do.| 4 1921 | - Schlesische . do.| 4 1031 Rkst. C.d K.-u.N.| | 56 Z.-Sch.d.K,-u.N.

D8

Toll. vollw. Duk. —— Neue dito —-

Friedrichsd'’or . 134 | 122

Disconto . ….. 35 | 41

917

397

907 89

R B R M M SGR L U O E SOT G A AR Le É E Ee O IIORC D D ULNE E OGDEZ E E

: _ [Preufs Cour.

Brief. Geld.

1422| T4

1491

A | ARRERRRONA

F EER L11451

Wechsel- Cours.

Anisterdam dito J Fl. KIOMBEE ¿a ab Urne Ede 300 Zik. dito . 300 Hk. [ondon Paris

Kurz 2 Mt. Kurz 2 Mt. 3 lt.

1501

1491

6 213 2 Mit, S mee 2 Mt. 1013 [1011 2 Nt. [1012 2 Met. 992 8 Tage [1022 | 2 Mt. li2 | 3 Woch. | | 292

Kurz m Ÿ alt

Augsburg

Breslau N

Leipzig

Frankfmt ¿. N VWZ Petersbarg BN. Warschau

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 19. Februar

Niederl. wirkl. Schuld 397 Kanz-Bill. 1511, Oesterr. 5prac.

Metall. 864. Russ. Engl. Anl. 83. Russ. Anl. Hamb. Cert. 842, Frankiurt a. M., 20. Februar.

S5proec. Metall. 894. 4proc. 763. G. 2X4proc. 451. sproc. 191. B. Bank-Actien 1200. Pari.-Oblig. 1151. G. Loose zu 100 FI. 1682, Poln. Loose 447 B.

Hamburg, 22. Februar.

Oesterr. 5proc. Metalliq. 90 Br. 4proc. pr. ult. 782 Bank- Actien 1005. Kuss. Engl. Anl. 87. Russ. Anl. Hamb. Cert. 854. Poln. pr. ult. 90. Dän. 568.

Paris, 17. Februar, ;

5proc. Rente pr. compt. 92 Fr. 65. C. sin cour. 92 Fr.- 70 Cent. 3proc. pr. comp. 59 Fr. 15 Cent. fin cour. 59 Fr. 20 Cent. S5proc. Neap. pr. compt. 62 Fr. 15 Cent. fin couc. 62 Fr. 20 Cent. 5proc. Span. Rente perp. 435.

St. Petersburg. 15. Februar.

Hamburg 3 Mon. 93. Silber-Rüubel 3802 Kop.

Blatte -dieser Zeitung, S. 457, Sp. 1,-3.5 und 4 v. u. statt „Gleichstellung der Bedürfnisse zu Erwerbsmitteln““ lies

¡Gleichstellung der Béfugntsse zu- Erwerbemitceln““.

v ¿ S i A

Redacteur John. Mitredàéteur Cottel.

M 57.

95. Dez. 2029

Berichtigung. .Jn der zweiten Beilage zum gestrigen - *

Allgemeine

Preußische St

aats-Zeitung.

Amtliche Nachrichten.

Kronifl es Tüges

Des Kdönigs Majestät haben die Ober - Zoll - Jnspektoren . Kirch hof zu Langensalza ;

von Barreire zu Neidenburg;

Philippi zu Lüben;

Hähling zu Giershagen ;

Eichenberg zu Stallupöhnen ;

Rodab6 zu Warnow Í : und den Assessor bei ber Deputation für Gewerbesteuer in Berlin, Fribe, zu Steuerräthen, so wie die Bureau-Vorste- her Hach zu Danzig und Düsing zu Münster zu Rech? nungsräthen ernannt. i

Durchgereist: Der Königl. Großbritanische Kabinets- Conrier Kaye, von St. Petersburg fommend, nach London.

Zeitungs-Nachrichten.

Au stan d: | Rußland. |

St. Petersburg, 16. Febr. Jhre Majestät die Kat: serin haben dem Staatsrath. von Gretsch für ein Allerhöchst- derselben überreichtes Exemplar eines von ihm verfaßten Ro- manes: „Ausflug nach Deutfchland‘/ einen Brillant - Ring zu ertheilen geruht. i :

Jn Mohileff wurden am 18. Dez. v. J. die dortigen, un- ter der Ober-Leitung dev Regierung stehenden, öffentlichen Wohlthätigkeits- Anstalten, die insgesammt eine neue -Einrich- tung erhielten, feierlih- erdfffnet. An demselben Tage hielt auch eine dort neu organisirte Gesellschaft für Gefängnißpflege ihre erste Sißung. :

Amtliche Berichte geben folgende Uebersicht von dem Gange der Cholera in mehreren Gouvernements vom ersten Tage ihres Entstehens an. Jn Kasan erkrankten bis zum Persoñen ; es genasen 856, es starben 1132, und 14 blieben frank übrig. Jn Tula- erfranften bis zum 13. Jaan. 200; es genasen 109, 86- starben, und 5 blieben frank übrig. _ Jn Kaluga- erkrankten biszum 6. Jan. 52; es genasen 17, und 35 starben. Jn- Kursk erkranfteu- bis zum 7. Jan. 875; es genasen 269, es starben 530, und 77 blieben frank. nach. Jn Kieff erkrankten bis zum 3. Jan. 813; es genasen 213, es ‘statben: 439, und 161: blieben krank nah, Jn Podolien erkrankten biszum 25. Dez. 12483: es. genasen 447, es starben 542, undi 259 blieben .kéank übrig: Jn“ Ekaterinoslaff erkrankten. bis zum -24.-Dez. 13303. es ge-. nasen. 948; ‘es ftarben 353; und 29 blieben übrig. „Jn Taus: rien. erkranfkten bis - zu 415; -Dez:.-463; es genasen 166; es starben 276,-und- 21 blieben übrig. * Jm Lande der -Donschen. Kofaken erkrankten bis zum 30.‘Dej.- 296; es genasen. 176, und 120 starb A

Jn Moskau ist’ die-Cholera fortdauevud im Abnehmenz- am Z5ten d, erkrankten daselbst 5 Personen, es- genasen 2 und ftarben 3. Am 6ten erfranfÆæn 4 und starben 3. Am 7ten: erfranften 2 und starben 2. Am- s8ten- erkrankten-3 und -star- ben 2. Am Ken erkrankten 3 und-4 starb.

Der hier bei der Akademie der-Wissenschäften. angestellte geschickte Mechaniker Girgensohn- hat eine Thellungs -Ma- schine für die gerade Linie erfunden, die nach dein Ausspruche sahkundiger Männer hinsichtlich ihrèr Genauigkeit und prak-

Berlin, Sonnabend den WfÞ Februar

_mit:200. Mann. in Osowna stand, dorthin-zur

tischen Anwendbarkeit wenig zu wünschen übrig läßt. ?

1831.

D ol em

Warschau, 21. Febr. Das Eis der Weichsel ist am 17ten d. oberhalb der Brücke aufgegangen, hat sich aber an den CEisbôöcfen festgesest.

Der Oberst Koß, berichtet die Warschauer Zeitung, iff gegenwärtig Kommandaut von Praga.

Folgendes ist der (gestern vorbehaltene) Rapport des Generals Sfrzynecki über das am 17ten d. bei Dobre vor- gefallene Treffen: „Aus meinem lebten Bericht haben sich Ew. Durchlaucht úberzeugt, daß, nachdem sich General Zy- mirsfi zurúcÉgèzogen Le meine Position in Dobre sehr bloßgesteilt war, da sie beide Flanfen unbedece hatte; wenn ich jedoch diese Position an und für sih- betrachtete, so war fie fehr starf: vor dex Front fließt eine halbe Meile von Dobre das kleine Flúßchen Oforoniçca, welhes in Groß-Ma- fowiec einige schwierige Uebergangspunfte, in Mafowiec selbsk aber 3 auf dem Wege gelegene Brücken als die einzigen für eine Armee tauglichen Uebergangsorte hat; durch wie- derholte Manöver auf dieser weiten Fläche machte ich mi

| binlänglich mit meiner Position bekannt, und nahdem ich

alle Uebergangspunfkte von Czarnowo bis zum Dorfe Osowni- ca besest hatte, war ih gewiß, nur von vorn angegriffen werden zu fônnen; indem ih mich noch durch eine Patrouille überzeugt hatte, daß in Jadow keine feindliche Truppen stän- den, sicherte ih denuoch diese Seite dadurch, daß ich ein Ba- talilón Jufanterie und eine Schwadron Kavallerie in Brze- zeunicá aufstellte. Auf der Seite von Puiewniki war der ganze Wald bis an das Dorf Zafrzew von mir besekt, und meine Vorposten berührten sih daselbst mit denen des Fein- des. Der beste Beweis davon, wie gut ih bewacht war, isk der, daß nirgends eine Patrouille d unseren Hauptposten nähern fonnte, ohne sogleih bemerkt zu werden und einige

ann und Pferde einzutüßen , deren man täglich hèrbei- brachte. Der Feind fonnte also nur auf dev. Hauptstraße durch) den Wald heranrücfen, in welchem Polen vom Lten Bataillon des Zten Linien : Jnfanterie - Regiments aufgestellt waren. Die Position Dobre ist ein shlechtes Städtchen ohne Mauern, welches keine starke Vertheidigung vou den Häusern aus zuläßt; die alte Kirche desselben ist von-Holz, auch der Kirchhof hat nur einen hölzernen Zaun ; das ganze

Feld: ist ringsum von schwer zu passirenden, diefen und wei-

ten Waldungen umgebew; nux einen Weg gab es, guf deni der Feind: sich nähern fonnte, und auf diesem hatte ih 4 Stuck Geschú6 aufgestellt; etwas rechts von da hatte ih eine hochgelegene Position eingenommen und- dieselbe so an- geordnet, daß. dieje Anhöhe mit der Geschäblinie- auf dem. Wege unten ‘einen .spizey Winkel bildete, so daß der Feind. - bei seinem: Herausrücken. aus dem Walde von einem Kreuz- feuer. -beftrichen wurde. Auf dem. reten Miel wo. der Ls: 2: in die Flanfe fallen fonnte, stellte ih bei den Jeschüßen das 2ts Bataillon .des. Zten Linien- Infanterie: giments. auf; auch sollte: sich der Major Wodzynsfi, s tO.:: zieyen ; eswa 150 Schritt von dem Bataillon. stand. eine Schwadron. Ka- - välberie. vondem 2ten Uhlanen : Regiment und dener, dersel; ben inder 2teu Linie das Zte, Bataillon. des Zten Linien-Jn- fanterie-Regimeuts. Das Centrum bildeten 4. A nen, 2 Compagnieen des. áten:Negimants von dem Geschüß gedeckt, und- weirer. links in der Kolonne der Rest. des. Bataillons, sodann: das 2te Bataillon desselben. Regiments mit, den Ti - raillèurs. im Vordertreffen, um. den Wald zu beseßen. Das - 2te Bataillon des Zten Regiments, welches, id von. Mako- wiec zurückzog, stellte ih ini der ersten Linie links von dexr zweiten auf; auch das áte Regiment blieb auf dieser Seite in der zweiten Linie. Zur Reserve ließ ih auf dem Wege das Zte Bataillon des áten Regiments, 3 Schwadroneñ des 2ten- Uhlanen-Regiments, uad 4 Stück Geschüß zurück ; zwei

pay