1831 / 57 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Bataillone des 8ten Regiments schickre ich früh Morgens aus, um bei der Múhle von Osencizna cine Position einzu- nehmen, ein anderes Bataillon aber in das Dorf Brzezennica, um die Straße von Jadow zu observiren, von- wo aus ich am ersten bedroht werden konnte und wohin schon früher der Oberst Korytowski mit 2 Schwadronen abgegangen war, von denen jedoch eine nach Mionsza zurückkehren und die andere sich mit dem Sten Bataillon in dem Dorfe Brzezennica ver- einigen sollte. Das Bataillon der aftiven Veteranen stellre ih in Rzondza auf, eine Compaguie ausger. ommen, die ih zur Bewachung der Bagage kommandirt hatte. Nachdem ih auf solche Weise meine Position eingenommen und jeden Bataillons: Chef davon unterrichtet hatte, erklärte ih ihnen, daß es wahrscheinlich während des Kampses feiner Dispositionen bedürfen werde; ich ertheilte daher einem Je- den die gehdrige Junstruction, bezeichnete den einzelnen ‘Pojten den Weg zum Rückzuge und bestimmte dann zum Befehls- haber des rechten Flügels den Oberst Andrychewvicz und zum Befehlshaber des linken den Oberst Boguslawski ; mir selbi behielt ih die Disposition Über die NRejerve vor, indem ih zugleich erflärte, daß ih den Augenblick des Rückzugès selbsi bestimmen würde. So vorbereitet erwartete ih den Feind, der gegen 7 Uhr mit der Jnfanterie und Artillerie den vor Makomwiec gelegenen Wald anzugreifen begann; seine Flan- gueurs wurden einigemale mir Verlust zurúckgedräugt, und es blieben 2 Offiziere desselben, Der Rückzug in Echelons wurde in der größten Ordnung ausgesührt ; bei Mafkowiec be- hauptete sich der Oberst Dombrowski; da der Feind jedoch, von 2 Geschüßen gedeckt, eine Brücke aufzuschlagen anfing, mußte sich jener unter lebhaftem Widerstand nach Dobre zurückziehen, wo er die oben angedeutete Position ein- nahm. Der Feind drang mit bedeutenden Kräften vor; nach den glaubwürdigen Ausfagen der Russischen Gefange- nen hatte er zwei Divisionen Jufanterie und eine Di- vision Kavallerie. unter eigener Anführung des Marschalls Diebitsch ; anfangs stellte er 6 Stück Geshüßs auf der Straße auf, da er jedoch von uuserer auf der Anhöhe befindlichen Batterie bestrichen wurde, so fügte er denselben noch 8 Stück Zwölfpfüuder auf einer hochgelegenen Pofition bei der Brze- ziner Schmelzhütte hinzu. Die feindlichen Batterieen began- nen ein lebhaftes Feuer, doch konnten sie unseren Geschüßen wegen deren vortheilhafter Position nicht viel schaden. Nun

bildeten sh 4 feindliche Bataillone auf dem rechten Flügel | und sandten Tirailleurs aus. Der Oberst Boguslawski, wel- |

cher gegen jenen Flúgel fommandirte, schicîre die seinigen ebenfalls vor, und es entspann sich ein heftiges Gewehr- feuer, Der Feind wollte uns überflügeln und begann, auf unsere rechte Seite vorzudringen, aber Oberst Boguslawsfki hielt seinen Angriff mit den Tirailleur-Pelotons zurück, und nach dreistúndigem Kampyf-zeigte der Feind frische Kolonnen ; der Oberst Bogusluwski nahm das 2te Bataillon, rückte auf dem linfen Flügel vor und griff zugleich mir dem Capitain Borzencki die ganze Kolonne mit dem Bajonett an; mit Hülse zweier Tirailleur - Pelotons bewirkte er deren Rückzug in den Wald. Viermal drang der Feind mit seinen Kolonnen ein, wurde aber eben so oft von den Tirailleur-Pelorons zurückgedrängt, während die Haupt-Kolonnen nicht gedöraucht wurden und ruhig in ihren Stellungen verblieben. Auf dem rechten Flügel fand anfangs bloß eine Kanonade statt; später . sandte der Feind einige Bataillons gegen denselben aus, welche ein heftiges Gewehrfeuer begannen; aber dort befand sih der Oberst Andrychewicz, und alle Angrisfe der- selben wurden, obgleich durch kleine Abtheilungen, doch mit Ent- {chlossenheit und Geistesgegenwart abgewehrt. Jn dieser Lage verharrten wir fünftehalb Stunden lang, und zrwoar vorzüglich deshalb, um dem Feind durch hartnäckige Standhaftigkeit in Ver- theidigung der Position zu imponiren, dann aber auch, um ihn'zu überzeugen, daß die Zeit des Zurückweichens allein von mir abhânge , abgesehen von der Ursache, die id} hatte, die jun- gen Soldaten an den Krieg Zu gewöhnenz. ih mußte also ‘nur berechnen, daß ich den Rückzug so bewe igte, um.

noch” die gehörige Zeit zur Zurücfklegung des Weges bis

zur D e0 Osencizna zu ‘behalten und dort gegen Einbruch der Dâmmerung in der 6ten Stunde anzulangen , damit ih mich in jener Position halten konnte; deshalb behäuptete ih , wie schon oben gesagt, die Position Dobre bis in die 4te Stunde, indem ih berechnete, daß ich dann um 55 Uher in Osencizna eintreffen könnte. Jch gab daher den Be- fehl zu langsamem Rückzuge, und weil“ sich der rechte Flü- gel gleih anfangs zu weit gegen den Feind vorgescho- ben hatte, erhielt der Oberst Boguslawski die Ordre, nit eher zurücfzuweichen-, als bis der rehte Flägel eine rúcfgängige Bewegung: von 100 Schritten gemacht! häben würde ; dann sollten sie gleichmäßige rückgängige Bewegun-

gen beginnen ; diese erfolgten so unmerflich, langsam und or- dentlih, daß auch nicht die geringste Verwirrung stattfand and wir den Feind nicht ein einzigesmal seine Absicht aus- führen ließen; dern sobald er es versuchte, auf uns einzu- dringen, wurde er stets mit Verlust zurückgedrängt. Jch selbst begab mich zu meiner Reserve (deren mich zu bedienen ich

mich gar nicht genöthigt gesehen hatte), um zur Deckung.

unseres Rückzuges das leßte Echelon zu bilden. ch ver- sichere Ew. Durchlaucht, daß unser Rückzug so A von Statten ging, daß ih mich genöthigt sah, den Befehl zu ge- ben, denselben zu beschleunigen ; alle Offiziere und Gemeine haden sih in diesem Kampf ausgezeichner, doch muß ich vor Allem der Einsicht und Erfahrung der Obersten Andrychewicz und Boguslatwski erwähnen, welche den Rückzug selbst leite- ten; ihnen gebührt die ganze Ehre der Ausführung, da ich nur die Disposition dazu gegeben hatte; außerdem thaten si die Oberst-Lieuteuants Czaykowsfti, Dombrowski und Kindler besonders hervor. Der Lieutenant Cichocki, vom Z3ten Linien - Jnfanterie - Regiment, wollte * sch, - obgleih zwei- mal schwer verwundet, vom Kampsplaßke nichr entfer- nen und that dies nur auf meinen ausdrücflihen Be- fehl, Die Artillerie zeigte die größte Geistesgegenwart und Kaleblütigfeic ; aile Offiziere dieser Waffengattung erfúll- ten ihre Pflicht auf das genaueste und bewährten- große Fä- higkeiten. Unser Verlust an Getödteten und Verwundeten beträgt gegen 300 Mann; der Feind aber hat, nah den Aus- sagen der von mir nah Liw und Plennik gesandten Emissa- rien, über 1000 Mann verloren, Den Rest des-Napports werde ih Ewr. Durchlaucht erst später äbersenden kdnnen.“ __ Ueber den am 19ten d. bei Grochow stattgefundenen Kampf enthalten die Warschauer und Polnische Zei- tung vom 20sten d. folgende Nachrichten: „„Gestern von 10 Uhr Morgens an konnte man in Warschau bis spät in die Nacht hinein ein starkes Schießen deutlich vernehmen. Von hochgelegenen Orten aus sah man den Pulverdampf, ja sogar oft den Bliß des Abfeuerns, und zwar in der Rich- tung von Ofuniew und, wie es schien, in einer sehr ausge- dehnten Linie; es heißt, daß auf dem Kampfplaß 16,000 der Unsrigen einem 40,000 Mann starken feindlichen Heer ges genüberstehen. Alles in der Hauptstadt befindet sich in einer frampshaften Bewegung uud Spannung. Heute früh um

9 Uÿr wurden 1200 ter Unsrigen verwundert in die Stadt -

gebracht; gestern {hon wurde der Nationat- Regierung aus dem Hauptquartier die Standarte eines Regiments übersandt, dessen Befezlshab:r mit etrva 100 Mann in die Gefangen- schaft dés Feindes gerathen ist. Unter den Verwundeten von unserer Seite befinden sich, so viel uns bekannt, der Gene- ral Czzzewsfi, der Artillerie- Oberst-Lieutenant Chorzewski, die Oberst Lieutenants des áten Regiments, Kindler und Czaykowsfi, und der Major des Grenädier-Regiments, Bort- fiewicz; anter den Gebliebenen ist der Oberft-Licutenant Ki- weszki./ Der Warschauer Kurier vón demselben Datum fügt noch hinzu, daß der Fürst Radziwill fommandire und der Fürst Czartorysfi, so wie auch General Chlopicti, sich an seiner Seite befänden; der Feldmarschall Diebitsch sey seibst auf dem Kampfplaß. Die Warschauer ung voin 2lsten d: meldet: „Gestern früh begann der Kampf bei Grochow von neuem und dauerte den ganzen Tag; über den Ausgang desselben hat man noch keine Nachricht.‘

Dex Divisions-General hat einen Tagesbefehl folgenden Juhalts an die Truppen erlassen: „Amtliche Anzeigen und zahlreiche Privat-Beschwerden, welche von allen Seiren ein-

ehen, warnen mih vor den Mißbräuchen, welche sih- die

ruppen hinsichtlich der Fuhren erlauben, indem sie dieselben eigenmächtig auf den Straßen wegnehmen „oder ohne - Be- oollmächtigung von den Einwohnern dèrgleichen erpressen, ja sogar die, welche ihnen geseßlich bewilligt wurden, über die Zeit zurückhalten, Dieses ungese6mäßige Verfahren bedroht nicht nur die dffentliche Ordnung und Sicherheit, sondern wird auch für die Zukunft Veranlassang zu unerseblichem Schaden für die Einwohner und die Armee. Jch befehle daher den Militairs jedes Ranges, sih ferner dergleichen Mißbräuche nicht zu erlauben, da ähnliche Vergehen unver- züglih durch die Kriegsgerichte bestraft werden sollen.“ Eine öhnliche Warnung hat der Municipal-Rath an die Bür- ger erlassen. N ) _-* Die Bewohner der Hauptstadt werden dagegen von dem Municipal-Rath aufgefordert, Wagen, Pferde und Gespann zur Transportirung der Verwundeten herbcizuschaffen, wofür fie entschädigt werden sollen; im Fall der Zögerung aber, und wenn die nôthige Quantität nicht durch gutwilligen Käuf

“angeschaä}t werden fônne, werde man zu Reguisitionsmitteln

seine E nehmen, auch alle Aerzte werden von derselben Behörde aufgeboten, ihre Thätigkeit den Lazarethen zu widmen ;

Í

theilhaft vertheidigt wird.

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in einer andern Proclamation des Municipal-Raths werden die Frauen ebenfalls aufgefordert, den Verwundeten Hüise zu leisten.

Im Warschauer Kurier hat sich wieder ein Streit zwischen Mitgliedern des patriotischen Vereins erhoben, -wor- ín Einer, der Adjutant Skrodzki, dem Andern, dem Seccre- tair des Vereins, Janowsfi, vorwirft, daß er -niht in den Krieg ziehe, sondern die Zeir mit Schwaßen und Ptojeftiren vergeude; dazu sey Zeit gewesen, als der Feind der Haupt- stadt noch fern war, jeßt aber heiße es: „, Handle: ‘/ - Der

Andere fühlt sich dadurch beleidigt und behauptet, man könne | dem Vaterlande auch noch auf andere Weise, als mit dem :

Bajonett, dienen ; junge Leute müßten dies allerdings , aber unmöglich fônne man verlangen, daß ältere Bürger, Beamte und Familienväter die Waffen ergreifen sollten; warum soll- ten diese sich nicht berathen, gegenseitig ihre Gedanken aus- tauschen und den Behörden ihre Entwürfe vorlegen; warum solle dies einer Versammlung von 200 Personen nicht noch mehr, als einzelnen Judividuen, freistehen; ja, wenn der Feind {hon in Praga wäre, würde er noch ausrufen : „„Ge- danken - Freiheit und Erlaubniß, sich ofen zu berathen. ‘/

Die Mitglieder der Lithauisch - Wolhynischen Legion be- schweren sich in der Polnischen Zeitung über den Zwang und die Anmaßung, welche die Besehlshaber derselben in aristofrati\chem Sinn úÚber sie auszuüben anfingen, und be- haupten, daß alle Soldaten dieser Legion zu dem Privile- gium der Repräsentation ihrer Provinzen zugelassen werden múßten, da sie Freiwiilige seyen.

Herr Gabriel Niemojowski ist zum Präsidenten der Wo- jewodschaft Kalisch ernannt worden und hat scin Amt bereits angetreten. is

Die Staats-Zeitung meldet, es seyen gegen 20 Fran- zosen in Warschau angekommen und sogleich zur Armee ab- gegangen. : : .

Warschau, 21. Februar. Seit drei Tagen le- ben wir schon in großer Beängstigung. Die Russische Ar- mee ist bis gegen Praga vorgedrungen. Der Kampf wird von beiden Seiten mit großer Erbitterung geführt. Der Weg vôn Minsk bis Praga is mit Leichen bedeckt. Die Nussen haben eine vortheilhafte Stellung in einem Gehölze bei Gro- chow, eine fleine halbe Stunde hinter Praga; sie vermeiden eine allgemeine Schlacht und ziehen sich bei den Angrissen der Polen in gédachtes Holz zurü, was mit Kanonen vor- Hierdurch wird es wahrscheinlich, was man hier behavptet, daß die im- Kampf begriffenen Russen nur aus dem- Corps des Generals Rosen besteheñ und der Feldmarschall Diebitsch mit dem Gros der Armee noch nicht angelangt is. Von den Thütmen und hohen

Punkten Warschaus ist das Gefecht deutlich zu sehen. Viele | Verwundete werden nach Warschau hereingebracht. Die |

im Kampfe gewesenen Regimenter haben sih musterhast | : ' jeder Nachforschung entrinnen? Wie geht & zu, daß die Na- tional-Garde laut darüber klagt, daß mehrere wegen Shmähun=

brav gehalten und über ein Viertel ihrer Mannschaft ver- loren. Beim Zten und áten Jnfanterie-Regiment soll kein Offizier unverwundet geblieben seyn. Der linfe Flügel der Polnischen Armee hat seine Stellung verlassen und sich auf das Centrum zurücgezogen. Man is hier in großer Sorge, daß dadurch die linke Flanke unserer Armee preisgegeben wird und es dem rechten Flügel der Russischen Armee auf diese Weise gelingen möchte, unterhalb Warschau den Ueber- gang über die Weichsel möglih zu machen. Zwar hat es allen Anschein , daß der Eisgang der Weichsel nahe ist und den Uebergang verhindern wird, in diesem Falle würde aber auch die Communication zwischen Praga und Warschau meh- rere Tage unterbrochen werden und die ganze Polnische Armee in große Gefahr kommen, wenn sie bei einem. allge- meinen Angriffe der Russischen Armee zum Rückzuge gend- tigt würde, der ihr dann ganz abgeschnitten wäre..

Beim Schlusse dieses Biiefes (Abends 6 Uhr) erfahre ih, daß der Kanonen-Donner sih von Praga mehr entfernt,

- und daß- also die Russen ihre eingenommenen Positionen

niht'zu halten beabsichtigen. |

s 1274 Sara n:Èv ei; A _ Deputirten-Kammer. Bèi Erdffnung der Sißun.g vom 17ten Februar bemerkte man, daß die Lilien die noch

Tages zuvor den Plafond des' Saales zierten , fortgeschaf}t-

worden waren. An die Stelle der dreifarbigen Fahne, die bisher über dem Sessel des Präsidenten wehte, hatte man eine Tropháe von 5: Standarten mit den National - Farben angebracht. Jm Laufe der an sich wenig erheblichen Be- rathungen, die in dieser Sißbung noch über die Artikel 43 47 des MuünicipalGeseß - Entwurfes gepflogen wurden, *)

*) Die gestern versprochene Mittheilung der leßten Artikel

des obgedachten Geseß-Entwurfes müssen wir uns heute , wegen Mangels an Raum noch vorbehalten.

fand Herr B. Délessert ein? xassende Gelegenheit, auf die lebten Unruhen in der Hauptstadt zurückzukommen.

„Das Geschß//, bemerkte er, „roomit wir uns in diesem

Augenblicke beschäftigen, läßt noch Manches zu wünschen Übrig;

indessen sind auch in seiner jeßigen Gestalt glükliche Resultate davon zu erwarten, denn es wird dazu beitragen, das dfentliche Vertrauen wiederherzustellen und die Vollziehung der Geseße zu sichern. Es schmerzt mich, daß Bares hiervon kürzlich eine Aus- nahme gemacht hat: die Hauptstadt sollte, mehr noch als die Pro- vinz, eine zugleich weise und gemäßigte Municipal - Verfassung haben. Wenn wir aber an die Ereignisse denken, die seit einigen Tagen diese Stadt betrüben, müssen wir da nicht die Sorglostg- keit des Ministeriums beseufzen, das nicht vorhergeschen hat, was doch #\o leicht vorherzusehen war und sich so leicht hâtte ver- meiden lassen. Es if unbegreiflich, wie die Behörde, die den Trauerdienst in der St. Rochus-Kirche zu vereiteln gewußt, thn niht auch in der Kirche St. Germain - l’Auxerrois vereiteln fonnte, da fle doch durch die Quotidienne und die Gazette îm voraus davon unterrichtet war. Wollte man etwa der dfentli- chen Meinung Troß bieten, als man eine mehr politische als religidse Feier, die schon scit Jahren niht mehr stattgefunden hatie, an eincm Orte zugab, woran sich so schmerzliche Erinnerun- gen gus der leßten Revolution knüpften? Wie fonnte man so etwas dulden? Wie konnte man nicht die Folgen davon vorausschen? Welche Unyvorsichtigkeir oder welche Kühnheit! Bei der Aufregung der Gemüther war es der National-Garde, troß ihres bewunderungs- würdigen Eifers, unmöglich, den begangenen Unfug zu verhin- dern, ein Unfug, der in Frankreich wie im Auslande falsche Ansichten von den Gesianungen der Pariser Einwohner verbrei- ten muß; denn, ich erkläre es laut, die Pariser hassen, wie alle Franzosen, die Scheinhciligkeit, den Fanatismus und alle seine abergläubischen Fntriguen; aber sie chren die Religion und ihre Diener , sobald diese Achtung verdienen. Wenn daher die Zer- stôrungs-Wuth alle Gränzen überschritten hat, so geschah es bloß, weil sie von Männern genährt wurde, die ohne Zweifel die ge- heime Absicht hatten, dem Lande zu zeigen, daß die Religion ver- bannt sey, und daß es in Paris keine dfentliche Ordnung mehr gebe, indem man die Kirchen entweihe und das L Kreuz umstoße. Nicht dic Religion allein war aber der Gegensiand des Unfugs; auch ein politischer Zweck knüpfte sich daran; es war auf die National - Repräsentation abgeschen. Wie oft is nicht die Deputirten - Kammer schon bedroht worden! Wie sehr muß es sie nicht s{merzen , siets umgeben von der bewafne- ten Macht berathschlagen zu müssen! Wen mußte es nicht empôdren, als er erfuhr, daß die Wohnung eines unserer Kollegen ( Hrn. Dupin des Aelt. ), bekannt dur seinen lang- jährigen . Haß gegen die Anarchie, den Despotismus und die Scheinheiligfeit, und der zu allen Zeiten die Macht seines Ta- lénts und Sis Beistand seiner beredten Stimme der Vertheidi- gung der Unterdrückten gewidmet hat; daß dessen Wohnung,

jage ih, von einem Haufen Wüthender erbrochen worden ift,

und daß er scin Heil nur der National-Gardeverdankt hat, die man überall antrifft, wo der Unordnung und Plünderung zu wehren isi. Und doch sind die Urheber dieses Verbrechens noch nicht verhaftet worden! Wie konnren die Häupter dieser Bewegungen

gen von ihr verhaftete Fndividuen fast unmittelbar darauf wic-

der in Freiheit geseßt worden sind? Was mich ‘betrisst, #6

kann ih unmöglich glauben, daß es der Regierung nicht ein Leichtes gewesen wäre, alle diese Ereignisse vorauszusehen. Wir haben eineñ gelichten Ang, eine National-Garde, die kein Opfer scheut, brave und gut disciplinirte Linientruppen, Kammern, dîe bisher vielleicht allzugeneigt gewesen sind, das Ministerium zu unterstüßen. Warum geht daher nicht Alles nach Wunsch? Wes=- halb nehmen die Bedrängnisse des Handels und Gewerbfleißes mit jedem Tage zu? Warum schwindet das Vertrauen? Sollte nicht die Schwäche der Regierung allein hieran Schuld seyn? Einerseits zu viel Willfährigkeit für die Anhänger Karls X., an- dererseits zu viel Schlaffheit gegen cine Partei, die noch weit gefährlicher als jene ist, weil ste zahlreiche Freunde unter fenen

jungen Hibkdpfen zählt, die nur die Republik’ von ihrer glänzen-

den Seite betrachten, ohne die Nachtheile derselben zu kennen. Dies sind die Ursachen unserer gegenwärtigen Lage. Möge. das Minisierium gegen beide Parteien, die sich nur allzu gut verstehen, um das gemeidlgme. Ziel ihrer Anstrengungen , den Umsturz der bestehenden Ordnung, zu erreichen, mit Festigkeit guftreten! Die Karlistische Partei muß die Regierung nieder- halten, indem sie eine unüberfsteigliche Schranke zwischen E reih und der gefallenen Dynastie aufführt; indem sie, wie im Fahre 1816 gegen die Familie Buonaparte, geseßliche Maaß- regeln ergreift, um jener Dynastie jede Hoffnung auf einé - fehr nach By zu benehmen , und sie zwingt, in möglichst kurzer Frist alles ihr im Lande verbliebene Eipeys um zu verkau- fen. - Zugleich entferne man - von den ae chen Aewtern alle diejenigen, sie mögen Karlisten oder Republikaner seyn die die Entwickelung unserer verfassun smäßigen Jristitutionen zu hemmen oder diese ganz umzustürzen suchen. Gegett alle Ruhestörer verfahre man mit Nachdruck und Festigkeit, dée Verhafteten lasse man nicht im Gefängnisse {machten, sondern verurtheile sie rasch, oder spreche sie frei; keine Macht darf sie vor der verdienten Strafe {hüßen. Bei solhen Maaßregeln wird bald die Ruhe wieder eintreten; das Vertrauen wird allmälig zurückfchren, uud wir