1831 / 70 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Sn den durch die National-Regierung einberufenen Ge- meinde-Versammlungen hat der áte Stadt-Bezirk Herrn Do- minifus Krysinski, der 8te aber, oder die Vorstadt Praga, den Finanz-Minister Herrn Aioisius Biernacki zu Reichstags- Deputirten erwählt. N |

General Chlopicfki wird, wie die Warschauer Zeitung meldet, bald wieder ‘hergestellt und im Stande seyn, sich wie- derum zur Armee zu begeben. : : :

Oberst Geriß , von dem es hieß, er sey bei Jadow in Sefangen\schaft gerathen, ist. in der Wojewodscha{t Kalisch zum Vorschein gekommen und befindet sih gegenwärtig in der Hauptstadt.

Die Warschauer Staats-Zeitung enthält Folgen- des: „Es ist die Nachricht hier eingegangen, daß General Dryvernicki úber die Weichsel gejeßt und am Zren d. bei Ku- row jenseits Pulawy mit den Russen zusammengetrossen sey; er soll dieselben zum Weichen gebracht und ihnen 4 Scück Be- fchüß genommen haben. “General Dwernicki soll hierauf ge- gen Lublin vorgerückt seyn, und am ten d. will man in der Gegend von Markuszow wieder eine bedeutende Kanonade gehört haben. ‘“

Jn der genannten Zeitung {liest man auch Folgen- des: „Auf dem rechten Weichsel-Ufer in der Nähe von War- schau herrscht jeßt völlige Ruhe. Aus dem Russischen Haupt- ‘guartier ist der Oberst Kiel als Parlamentair nach der Festung “Meodlin abgesandt worden, um dieselbe zur Uebergabe aufzu- fordern ; diese Aufforderung ist jedoch ohne Erfolg geblieben. Es heißt, daß sich ein Theil der bei Warschau stehenden Rus- ‘Mchen Truppen ‘nah Pulawy zu begeben habe. Das Haupt- guartier des Feldmarschalls Diebitsh ist in Garwolin. Vor-

“gestern früh machte eite Abtheilung des Kurpen - Bataillons

_““pnter Anführung des Lieutenants Berowski von hier einen ‘Ausfall nach Jablonna. Es‘ befanden sih “daseibst über ‘70 Leibgarde ¿ Kosaken. Unser Corps befiand aus 30 ‘Mann. Nachdem dasselbe mit Mühe über die Weichsel geselzt ‘war, drang es auf die Kosaken ein und trieb diesetben zu- ‘t; 40 derselben und 2 Offiziere blieben auf dem Plaße; in die Hände der Kurpen fielen 21 Pferde und einé Menge “Effekten. Jn kurzem soll hier noch ein Regiment reiten- der Sensenträger, einer zum Flaufkiren sehr brauhbaren Waf- ‘fengattung, errihtet werden. Auch in der Gegend von Prasnysz werden noch “neue Abtheilungen von Jufanterie und Kavallerie organisirt. Die feindliche Abtheilung, welche jenseits Praga zurückgeblieben is, verbirgt fih sörgfäitig un- seren Blicken und ‘legt ihre Wachifeuer des Nachts in Gru- den an. Von derjenigen Abtheilung des Feindes, welche nach Plock zu marschirt seyn soll, hat man, nach Aussagen von

Reisenden , in der dortigen Gegend noch nichts wahrgenom- *

men. Dagegen will man mit Bestimmtheit wissen, daß ein Russisches Corps von den bei Praga stehenden Truppen sich în der Richtung nah Wolhynien in Bewegung gesebßt habe. Der Feldmarschall Diebitsch hat mehrere Polnische Kriegs- gefangene auf freien Fuß geseßt; jeder derjelben hat 2 Dukta- ten und eine vom General Gerjtenzweig verfaßte Proclama- tion an die Polen erhalten.‘

Fn Warschau ist, wie das leßtgenannte Blatt

erichtet, schon eine neue Múnze mit dem Nationa'-

Wappen, nämlich dem Polnischen Adler und der Litthaui-

0 schen Hand mit dem Säbel, ausgegeben worden.

Die hiesigen Blätter enthalten je6t einen umfassen: den, als amtlih bezeichneten, Armee-Bericht Über die Schlach- "ten bci-Grochow- und Bialolenka, und außerdem noch par- ‘tielle -Berichie von den: Befehlshabern der cinzelnen Corps. Es wird darin unter Anderm gesagt, daß die Polnische Ar- mee ‘seit dem Beginn --des Krieges 9000 Mann an Todten «und--Verwundeten zähle, von denen sih 6700 inden Laza- épethen befänden; die Polnische: Armee stehe jest ‘um: War-

»Fchau: zusammengezogen - halte- die: Weichsel -Brücke ‘und--den

¿Brüûckenkfopf in Praga beseßt und warte auf. das Signal

thres: Anführers, um ‘von--neuem -dem'Feinde entgegenzugehen. | (Eine: ausführlichere Mittheilung aus: diesen Berichten 4nlssen P

UE mo vovbehalten.) : : 7 Die-neuen: Besebungen- des Genekal-Gouvernements ‘und

11Vice-Gouvernements der Hauptstadt durch den-General Kru-

«ckowitecfi und den Oberst Kaminski. haben von: der Regierung “vorgenommen werden müssen, weil. der bisherige: G eneral- -¿ Gouverueur, Divisions “General Woyczynsfki, und der Vice- «Souverneur, Brigade:General Niesiolöówski, beide ihre Entlas-

lung eingereicht hatten. :

“Dle Warschauer Zeitung meldet,am 4. d. sey eln Courier aus Paris bel der National: Regierung angekommen, der Jn- halt der von ihm mitgebrahten Depeschen aber noch nicht bekannt gemacht worden, ;

Von der Polnish-Scchlesischen Gränze, 7. März. Die wehrhaften Einwohner des von der Russi- shen Armee noch unbeseßten Theils von Polen haben am 3ten d. s{chwören müssen, das Vaterland bis auf den lebten Blutstropfen vertheidigen zu wollen, die vielen Ueberläufer von der lehten Aushebung stellen die Erfüllung dieses Eides aber sehr in Zweifel. Die Polnische Armee hat sich zum Theil über Sochazew und Gombin bis gegen Gostynin hingezogen. Die Lebensmittel in Warschau steigen sehr bedeutend im Preise, ein Scheffel Weizen wird bereits mit 8 Rthlr. be- zahlt. Den Gutsbesißern werden die Lebensmittel und Fou- rage, welche man findet, mit Gewalt genommen.

Von der Polnisch-Lithauishen Gränze, 4. März. Bei dem Städtchen Kolno haben sih am Lten d.

- einige Hundert Krakusen gezeigt, von denen einige sogar bis

an die Chaussee zwischen Szczuzyn und Lomza vorgedrungen sind. Nussisher Seits war ein Offizier mit 150 Mann Jnfanterie nach Kolno gesandt worden, um das dort befind- liche fleine Magazin zu schüßen. Kaum angekommen, erschies- nen auch schon die Krafusen, etwa 200 Pferde stark. Die Russen zogen sich in geschlossenem Quarree unter fortwährendem Feuern zurück und fonnten nicht verhindern, daß aus dem Maga- zin Hafer und Brod weggenommen wurde, und daß die: Krakusen die in Kolno- befindlichen Juden plunderten. Die Krakusen verloren viele Menschen und eilten in die Wälder zurück, worauf der Ort von dem Russischen Kommando wieder be- seßt wurde. Der Anführer der Krafusen soll der ehemalige Bürgermeister aus Kolno gewesen seyn. Im Städtchen Nowogrod wurden die Russen auch-von den Krakusen über- fallen, Leßtere jedoch durch ein paar“ Kartätschenshü}e zu- rückgetrieben, wobei zwei Häuser in der Vorstadt abbrannten. —— Der General von Fricken hat Anstalten-getrosfen,- um die Krakusen abzuschneiden und aufzuheben. Am Zten haben sich sämintliche Polnische Beamte der- Gegend von Neustadt und Wirbällen 2c. nach Mariampool' begeben, um Sr. Ma- jestät dem Kaiser von Rußland aufs neue: den Eid- der Treue

zu ‘schwören. : Franfkreidch.

Pairs-Kammer. Sißung vom 2. März. Unter den Bittschriften, worüber zunächst in dieser Sißung berichtet wurde, befand sich eine von einem gewissen Lindberg in Pa- ris, welcher die Vollziehüng der Königl. Verordnung wegen Verbots. dér Anlegung" des Heiligen Geists-, St. Michaels- und St. Ludwigs Ordens, sowie eine Revision sämmtlicher unter der vorigen Regierung: stattgefundener Drdens-Verlei- hungen verlangte. Der Marquis von Dreux-Brézé fragte bei dieser Gelegenheit, ob ‘es wahr sey, was von allen Seiten verlaute, daß nämli der “St. Ludwigs-Orden fôrrna- lich aufgehoben worden sey; er fêönne nicht glauben, daß dies des Königs Absicht gewesen, als er die obige Verordnung erlassen habe; der St. Ludwigs-Orden scy in älteren wie in neueren Zeiten der Lohn für- ehrenvolle Dienste gewesen, und

namentlich hätten ihn in den drei leßten- Feldzügen eine große-

Anzahl von Offizieren erhalten, die das St. Ludwigs - Kreuz jeder andeten Belohnung vorgezogen ‘hätten ; wollte man den Orden jeßt aufheben, so múßte man den Jnhabern eine an- derweitige Eptiditigung zu Theil werden lassen; er hoffe, daß das in dieser Beziehung verbreitete Gerücht ungegründet sey„utid.bitte den Minister der auswärtigen Angelegenheiten um nähere Auskunft. "Dieser erwiederte, daß díe Regierung hin- sichtlih der Beibehaltung oder Aufhebung des St. Ludwigs- Ordens durchaus noch keinen Entschluß gefaßt habe. . Die obgedachte Bittschrift wurde hierauf durch die Tagesordnung beseitige. Jebt wollte der Herzog v. Broglie die Red- netbühne besteigen, -um den Bericht der Kommission. abzustat- ten, die mit der Entwerfung ‘einer Adresse an den. König beauftragt. worden war. Dèr- Marquis v. Barbé¿Mar- bois veclangte aber, daß. die Kammer diesein Behufe sh in einen geheimen“Aus\{chUß bilde, da es möglicherweise zu einer Debatte-lommen. fönnte „. die sich zur Kenntniß des. größeren

üblifums ‘nit eignete. "Der Herzog Decazes widerseßte ch indeß diesem Vorschlage, indem er bemerkte, daß die De- putirten-Kammer sich bereits mehrmals mit den -inneren und

außeren Angelegenheiten des Landes beschäftigt habe, und es

endlich einmal Zeit sey, daß Frankreih auch die: Gesinnungen der Pairs - Kammer - kennen lerne. Da det Antrag dées Marquis v. Marbois feine 5 Vertheidiger in der Versamm- lung- fand (wie-das Reglement solches verlangt), \#o ergriff jeßr der Herzog v. Broglie das- Wort und- äußerte sich im

_ Wesetitlichen folgendermaßen : :

‘“p/Ein Mann, det Frankreich in Ehren hält , dexr Herr Mar- ‘schal’ Jourdan, hat darauf angetragen , daß auf -die- neulich von em Minister des Fnnern uns kommunicirte E iung des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten in Betreff Belgiens

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durch eine Adresse geantwortet werde. Dlesee:Sacschiig fand eine günstige Aufnahme, denn es schien natürlich, daß die Pairs- Kammer dem Könige dafür danke, daß er der Erhaltung des Friedens cin so großes Opfer gebracht. Die Kommisston, deren Mitglied ih zu seyn die Ehre habe, hat sofort Über das ihr aguf- getragene Geschäft berathschlagt, doch if ste alsbald auf Hinder- nisse gestoßen, an die im ersten Augenblicke Niemand in dieser Kammer gedacht hatte. Zunächst hat sie erwogen, daß die ge- dachte Mittheilung eine bloß ministerielle war, und daß es sonach

“nicht angemessen seyn möchte, durch eine Adresse an den König

darauf zu antworten oder eine Meinung über Unterhandlungen abzugeben, welche die Pairs-Kammer nicht nach amtlichen Aften- stüden , sondern bloß durch die Mittheilungen des Ministe- riums fennc. Daß uns diese Afktenstúcke noch unbekannt sind, erklärt sich ganz einfach daraus, daß die Belgische

‘Angelegenheit noch nicht beendigt is. Bis dahin aber

mässen wir uns auch, um nicht ein falsches Urtheil zu fällen, jeder Meinung enthalten, und dies umsomehr, als wir sonst viel- leiht mit der Regierung in Widerspruch gerathen, und, statt ste zu unterstüßen, ihr Hindernisse in den Weg legen könnten. Nichts desiowentiger beguftragte die Kommission, um die ihr gewordene Aufgabe zu lösen, mich mit der Entwerfung einer Adresse; ich brachte mehrere Entwürfe zu Papier; keiner von allen schien mir aber würdig, Jhnen vorgelegt zu werden. Als ich denjenigen, der mir noch der beste dúnfkte, Fhrer Kommisston mittheilte, fand es sich, daß wir alle Über die darin ausgesprochenen Gesinnungen einerlei Meinung waren, und doch, nachdem wir die verschicde-

‘nen Paragraphen in ihrem Zusammenhange gelesen, hielten wir es für unmöglich, sie Fhnen zur Genehmigung vorzulegen. Eine.

der erften Handlungen der jeßigen Regierung war, das Europäi- \che Staats-Recht auf seine wahren Grundlagen zurückzuführen, und fich sonach laut zu dem Grundsaße der Nicht - Einmischung zu bekennen. Demgemäß hat -auch Fhre Kommission einmüthig

anerkannt, daf jede Macht das Recht. hat, ihre inneren Angele-

Vie ju ordnen, ohne d eine andere sich darein mischen dürfe. Eben so einmüthig is Jhre- Kommission darüber ge- wesen, daß das Land dem Könige für die Aufítellun

dieses Princips im Allgemeinen Dank \chuldig sey. Do

{chien es nothwendtg, dasselbe einigen Einschränkungen zu unter- werfen und nicht Überall damit hervorzutreten , damit die frem-

¿den Mächte dadurch nicht besorgt gemacht würden. Die Koms-

mission hat geglaubt, daß. man jenes Recht scinem Principe nach anerkennen, nicht aber Überall sich zum Kämpen för dasselbe auf- werfen dürfe; daß es einer Regierung nicht gegeben sey, alle Un-

ercchtigkeiten wieder gut zu machen und aller Welt Hülfe zu

“bringen. Als Frankreich das Princip der Nicht-Einmischung zu ‘Gunsten Belgiens geltend machte, wax zugleich sein persönliches ‘¿Futeresse dabei im Spiele, und darum that es wohl, als es das-

selbe in Anwendung brachte. Die Kommission glaubt aber, daß

„die Regierung sich für jeden einzelnen Fall, und je nachdem

Frankreichs Futeresse solches erheischt, das Recht vorbehalten müsse, den Grundfaß der Nicht - Einmishung in Anspruch zu nehmen oder nicht, Der zweite Theil der Eingangs erwähnten amtlichen Mittheilung betrifft die Anerkennung der Unabhängig- keit Belgiens :- auch in dieser Beziehung glauben wir der Regie- rung Dankï schuldig zu seyn. Es hat Fhrer Kommission geschie-

mnen, daß das Betragen Frankreichs nicht bloß deshalb Beifall

verdieno, weil die Belgier sich, wie wir, in der traurigen Noth- wendigkeit befunden , eine Revolution zu machen, sondern weil thr Land an das unsrige gränzt, und weil zwischen beiden Vdl- kern eine Aehnlichkeit in Sitten, Sprache und Religion besteht. Hieraus geht aber noch nicht hervor, daß wir die Sache aller Länder, die sich gegen ihre Regierung auflehnen, verfechten müs- Fen. Frankreich wünscht die Freiheit, es wünscht ste auch allen übrigen Völkern, aber es reizt nicht zu Revolutionen an, es be-

gus igt sie niht. Doch würde es gefährlich seyn, dergleichen

estrictionen in ciner Adresse niederzulegen: man würde unsern Worten einen falschen Sinn unterlegen und mehr darin erblik- Fen, als wir eigentlich damit hatten sagen wollen. Noch schwieriger schien es uns ein Urtheil Über denjenigen Theil der amtlichen Mittheilung abzugeben, der die Unterhandlungen der Londoner Konferenz betrifft. Hier zeigt sih einerseits cine Meinungs- Verschiedenheit zwischen den Repräsentanten der 5 Mächte und den ‘hetheiligten Parteten, andererseits eine gleiche Verschiedenheit S der Französischen eus und ihren Verbündeten. Was sollten wir unter solchen Umständen: thun? - Wem: sollten wir Recht, wem Unrecht geben? Es. fehlt uns sogar an Akten-

Múcken, worauf wir unser Urtheil hien slüben- können. - Der leßte Theil der mehrerwdähnten Mitthe

: lung betrifft die Ausschlicßun des Herzogs von Leuchtenberg von dem Belgischen Throne, un die Ablehnung der Krone für den Herzog von Nemours. Auch ier können wir dem Verfahren. unserer Reli nur unbedingt beipflichten. Und doch möchten wir es nicht wagen, der Pairs- Kammer vörzuschlagen, daß sie Alles unbedingt billige , was in dieser Bezichung gesagt, geschrieben und gethan worden ist. Alle Elemente zu einer Adresse scheinen hiernach zu verschwinden. Ein

“Mitglied dieser Uma Mes Vicomte Latisné) hatte ver-

Ug, daß man in die Adresse einige Worte mit cinfließen lasse, urch die Kammer ihr Bedauern über die lezten beklagenswer- then Auftritte in der Hauptstadt zu erkennen gebe. So groß auch der N ist, den wir Über diese Auftritte gewiß Alle empfunden haben, n würden wir doch, indem wix eine solche innere Frage mit einer-außern politischen vermengten, nur die eine durch die an- dere entkräften. Es bliebe also allcin noch übrig, dem Könige

gattz einfach dafür zu dankett „, daß er die Ruhe Frankreichs und Europas der Größe Feiner Familie vorgezogen hat. Eine solche Adresse aber, die denen der lebten 15 Fahre ziemlich ähnlich se- hen würde, möchte sih s{chwerlich auf die Höhe der Gedanken erheben, die gegewärtig alle Geinüther beschäftigen, und wir müssen befürchten, daß sle des Fürsten, dem wir se Überreichten, nicht würdig wäre. Unter diesen Umfiänden is die Kommission der Meinung, daß ‘es besser sey, gar keine Adresse als cine nichts- mea zu erlassen; sie sieht darüber den Befehlen der Kammer

Der Vicomte Laisné ließ sch namentlich über die lebten Ereignisse in der Hauptstadt aus; es sey nicht hin- reichend, meinte er, daß eine Regierung sih durch ein zahl- reiches und gut disciplinirtes Heer dem Auslande fucchtbar mache; sie müsse auch im Junern die Geseße aufrecht zu er- halten wissen, Der Minister der auswärtigen Ange- legenheiten, der bei dieser Gelegenheit zum erstenmale das Wort in der Pairs-Kammer führte, dankte zuvörderst dem Herzog v. Broglie, daß er den Charakter der von der Regie, rung gemachten Mitcheilung so richtig aufgefaßt habe; in der That sey es nicht möglich, den Kammern die auf die Bel- gische Angelegenheit bezúglichen Aftenttücke schon jeßt mitzu- theilen, wo die Unterhandlung, von der Krieg oder Friede abhänge, noch nicht beendigt sey. Ueber das Princip der Nicht-Einmischung äußerte der Minister sih folgendermaßen : „Als die Franzôfi;he Regierung dieses Priucip als- Richt- schnur ihrer fünftigen Politik annahm, war es feinesweges ihre Absicht, sich des Prúfungs-Rechtes hinsichtlich der An- wendung desselben zu begeben. Bei einer solchen Präfung steht das Juteresse des Landes oben an. Erheischt dieses, daß das Princip der Nicht-Einmischung in seiner ganzen Strenge

„aufrecht erhalten werde, so wird die. Regierung, um ihm

Achtung zu verschaffen, nöthigenfalls zu- der Gewalt der Waffen ihre Zuflucht unehmen; kann dagegen das National- Interesse dadurch \{chwer fompromittirt werden, so muß dis Regierung in ihrea Entschließungen blos den - Rathschlägen der Vernunft Gehdr geben. Wir haben niemals behauptet, daß wir bis ans Ende der Welt alle Völker, . die* sich gegen -ihre Regierung auflehnen möchten, unterstüßen würden ; wohl aber haben wir verfündigt und verfündigen auch noch, daß die Regierungen nicht das Recht haben, sih mit bewaffneter Hand în die Angelegenheiten ihrer Nachbaren zu mischen, indem ein solher Grundsaß zerstôrêènd für die Unabhängig- feit der Nationen und hemmend für die Fortschritte des menschlichen Geistes ist. Die -Regierung hofft , daß- sie Eu- ropa den Frieden erhalten roerde, und zwar einen rühmlichen ehrenvollen Frieden, wie roir ihn nur immer wünschen köôn- nen; und ich schäße mich glücklich, m. H., Jhnen bei dieser Ge- legenheit ertlären zu können, daß die Europäischen Kabinette uns bisher nur solche Erôffaungen und Vorschläge gemacht haben, die sich mit unserer Wúrde und Unabhängigkeit vertragen.““ Der Graf Sebastiani {loß mit einer Slrcbelertiuma des Betragens der Regierung während der leßten Unruhen in der Hauptstadt, so wie der von ihr verfügten Maaßregeln (na- mentlich der Haussuchungen), um den eigentlichen Anstistern jener auf die Spur zu fommen. Der Graf Portalis hielt nah den Erklärungen des Herzogs v. Broglie die Ent- werfung einer Adresse an den König für úberflússig und meinte, daß die gegenwärtige Diskussion hinreichen werde, um die Regierung von den Gesinnungen der Kammer in Kenntniß zu sezeu. Nach ihm ließ der Herzog v. Fiß-Ja- mes fich vernehmen. (Einen Auszug aus seiner Rede, die aroße Sensation. erregte, so wie aus den beiden Antwort- Reden des See-Ministers uud des Herzogs Decazes müssen wir uns vorbehalten.) Am Schlusse der Sibung fragte

der Präsident die Versammlung, ob sie durch die abgegebenen Erklärungen zufsriedengestelle sey. Als darauf ein einjtimmi-

ges: Ja! erfolgte, fügte der Baron. Pasquier hinzu, daß un- ter solhea Umständen feine Adresse an den König abgefaßt werden würde. Am folgenden Tage wollte: die. Kammer si mit dem Municipal-Gesebe beschäftigen. bir

Deputirten-Kammer. Jn der Sißung. vom 2. März wurden die Berathungen über das. Wahlgeseß Pre! geseßt. Herr v: Salverte machte, damit die Diskussion uicht allzusehr in die Lánge gezogen - werde, den Vorschlag, die Abgränzung der Wahlbezirke der nächsten Legislatur vor- bay und vorläufig nur: zwischen den beiden Systemen er Regierung und der Kommi|sion,- wovon jene den Gebiets- Umfang und den Steuer - Beitrag, diese die Volkszahl als Grundlage annimmt, zu beschäftigen. Nachdem sich 13 Red ner theils für den Antrag der Regierung, theils für den de- Kommission erklärt hatten, verlas der Präsident sowohl den (gestern mitgetheilten ) Vorschlag des Herrn Viennet, als noch 5 andere Amendements, für die man die Priorität ver-

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