1831 / 77 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

638

würde im J. 1780 zum Kriegsrath ernannt. Durch die be- friedigende Ausführung mehrerer verwickelter Aufträge, un- ter Anderm der Auseinandersezung mit England wegen der in Ostindien ‘gebrauchten Hannöverschen Truppen, fand er bald Gelegenheit, seine Tüchtigkeit zu jeder Art von schwie- rigen Unterhandlungen zu zeigen und sich eine Laufbahn zu erôfnen, auf welcher ihn bis an das Ende seiner Tage die öffentliche Achtung und die Liebe derer, die ihm nahe gestan- ‘den, begleitet hat. Jm Jahre 1792 ging er mit dem Comitial - Gesandten von Beulwiß zur Krönung des leb- ten Römischen. Kaisers nah Frankfurt, wurde noch in dem- selben Jahre zum Geheimen Kriegsrathe und Gesandten am Kur-Mainzischen Hofe befördert - und im folgenden (1793 als solcher zugleih am Kur-Köillnischen Hofe beglaubigt. Die Unruhen , welche den Verlust eines shônen Deutschen Land- striches für viele Jahre nach sich zogen, störten hier seine Wirksam- keit ; indessen fand er bald einen bedeutenderen Kreis für dieselbe in dem lebten verhängnißvollen Jahrzehend des Rômisch-Deutschen Reiches als Gesandter am Friedens - Kongresse zu Rastadt (1797 1800), am Königl. Preußischen Hofe zu Berlin (1800 1803) und endlich als Comitial- Gesandter am leß- ten Reichstage zu Regensburg (1803 1866). Als Beweis seiner Gesinnung und seines Benehmens in jenen schwieri- gen und traurigen Zeiten, verdient seine kräftige Protestation gegen die Französische Fnvasion seines Vaterlandes und ge- gen die Gefangennehmung -des- Herzogs von Enghien auf Badenschem Gebiete erwähnt zu werden.

Seinem innersten Gefühle nach völlig außer Stande, einem andern, als seinem angestammten Herrn, zu dienen, lebte er, nah der Auflösung des Deutschen Reiches im J.

1806 (in welhem Jahre er noch zum Geheimen Nathe er-

nannt worden war), in stiller Zurückgezogenheit ganz seiner Familie, seinen ihn hohschäßenden bewährten Freunden und seinen literarischen, vorzüglih historisch - genealogischen For- schungen. Zuerst noch- in Regensburg selbst (1806 1810), dann in Aschaffenburg (1810 13) und zuleßt (durch Zeit- Umstände gezwungen , einen Zufluchtsort in den Oesterreichi- schen Staaten zu suchen) in Linz und Prag (1813 1815) als Privatmann lebend, erwartete er den Zeitpunkt, wo mit der Befreiung Deutschlands von dem Joche der Fremden, die Herstellung der rechtmäßigen Regierung seines Vaterlan- des eintreten würde. Fast zugleich mit diejer betrat er wie- der scine ehrenvolle frühere Laufbahn, indem er dem Wiener Kongresse zwar noch ohne öffentlichen Charakter beiwohnte, indessen bereits im Jahre 1815 zum Gesandten am Königl. Wärtembergischen Hofe ernannt wurde. Zugleich war er unter den ersten, welche das Großkreuz des eben damals-ge- stifteten Guelphen: Ordens erhielten.

Der wichtige Auftrag, ein Konkordat mit dem Pôäpst- lichen Stuhle zur Regulirung der Verhältnisse der katholischen Kirche im jeßigen Königreiche Hannover abzuschließen, führte ihn im Jahre 1819 nach Rom. Dieses Geschäft, desseu Resultat in der Bulle „Tmpensa Romanorum pontificum““ vorliegt/ fesselte ihn dort bis zum Jahre 1824. Der mehr- jährige Aufenthalt in der erinnerungsreihen Weltstadt, der in ihren Trümmern ewig lebendigen großen Roma, der Um- gang mit Staatsmännern, Gelehrten, Künstlern aller Zun- gen und Länder, welche hier zusammenstrômen , fonnte dem vielseitig gebildeten Manne, dem eifrigen Geschichtsforscher nicht anders als sehr erwünscht seyn ; niht weniger erfreulich war seine Gegenwart für alle diejenigen, welche mit ihm und seinem Hause auf irgend“ eine Weise in nähere Berüh- rung famenz allen diesen wird sein und der Seinigen An- denken unvergeßlih bleiben, den Einheimischen wie den Frem- B n Gelehrten wie den Känstlern, den Armen wie den

ne 9 / (99

Nach la Geschäft erhielt er (1325) zum zwei- tenmale den“Gesandtsehafcsposten in Berlin, in Verbindung mit: der Gesandtschaft am K. Sächsischen Hofe, und bekleidete diese beiden“ Stellen unter allgeineiner herzlicher Hochachtung bis än sein ‘Ende. —" Er’hatte hier die Freude, im Jahre 1826 von dem Könige von Baiern mit dem Großfkreuze des _Königl. Baierschen Civil-Verdienst-Ordens (statt des aufge-

hobenen vom Seite Carl Theodor früher ihm vartiebe- men Ordens ‘voni Pfälzischen Löwen), im Jahre 1828 von seinem eigenen Köuigé mit der Ernennung zum Staats-Mi- nister ‘Und nioch wenige Wochen ‘vor feinern Tode von Sr.

E #4F

"M Blan,

Span. 161. :

Part.-Vblig. 112, Bank- Act.en 93914.

Majestät dem Könige von Preußen mit dem rothen Adler- Orden erster Klasse begnadigt zu werden.

In der leßten Zeit beschäftigte ihn die Beendigung des Drucks eines großen unsäglich mühsamen genealogisch-tabella- rischen Werkes: „l'ableaux généalogiques et histeriques de l’empire Brilannique etc.“ fol, welches er in jenen Jah- ren der Muße begründet und “späterhin “unter allen Geschäften allmälig seiner Vollendung zugeführt hatte, eine Arbelt, welche ein bleibendes Denkmal is von der Le- bensfrische, der Unermüdlichkeit und den großen historisch-genea- logischen Kenntnissen dieses ehrwürdigen Greises. Wer je- mals irgend eine größere literarische oder auch andere Arbeit unternommen, hat es wohl gefühlt, wie nach Vollendung der- selben eine gewisse Leere eintritt, die bei gefchwächter Gésund- heit (cer war im Winter häuftgen Brustbeschwerden ausgesetzt) gefährlich werden kann; hierzu kamen die Ereignisse der leb- ten Zeit, welché alles dasjenige aufs neue erschütterten, was er aus heftigen Stürmen nun für lange Zeit gerettet und neu befestigt glaubte, und welche ihn um so s{hmerzlicher be- rührten, als sein eigenes Vaterland davon nicht verschont blieb, Dennoch behielt er bis zum leßten Augenblicke seines Lebens eine fast jugendliche Heiterkeit, die stete Begleiterin

des Bewußtseyns reiner Treue, des unerschütterlihen Ver-

trauens zu einer über allem Menschlichen stehenden göttlichen Vorsehung und eines für alles Wahre, Gute und Schône em- pfänglichen Sinnes. Von einer Lungenlähmung, welche ihn zu Anfang dieses Monates befiel, schien er sih der Genesung zuzuwenden, als ein sanfter Schlaf am 4ten d.,* Morgens gegen 65 Uhr, ihn zur Ewigkeit hinüberführte. So is er dahin geschieden, wie er es selbst so oft gewünscht hatte, ohne die Schwächen des Alters zu fühlen, durch einen sanften, schmerzlosen Tod hinweggenommen, in hohem Alter, aber immer noch zu früh für seine hinterlassene Gattin (geb. von Wurmöd), seine vier Kinder (zwei Söhne und zwei Töchter) und seine zahlreichen Verwandteu und Freunde. * g,

Königliche Schauspiele.

Donnerstag, 17. März. Jm Opernhause: Fra Diavolo, Oper ia 3 Abtheilungen ; mit Tanz ; Musik von Auber.

Wegen Unpäßlichkeit der Mad. Schröder-Devrient, kann diè zu heute angekündigt gewesene Oper: „„Die Vestalin‘, nicht- gegeben werden. i A

_Im Schauspielhause: 1)-La mére et la fille, comédie vaudeville en 5 actes, 2) La Demoiselle à marier, vau- deville en 1 acte, E :

Freitag, 18. März. Im Schauspielhause: Das zuge- mauerte Fenster, Lustspiel in 1 Aft. Hierauf: Hans Sachs, dramatisches Gedicht in 4 Abtheilungen.

Sonnabend, 19. März. Im Schauspielhause: Künst- lers Erdenwallèn, Lustspiel in 5 Abtheilungen,

Königstädtisches Theater. Donnerstag, 17. März. E Knicker, fomische Oper in 2 Akten; Musik von Dicttersdorf. : : _ Wegen Unpäßlichkeit der Dlle. Vio fann die angekün- digte Oper: „Die heimliche Ehe‘/, nicht gegeben werden, | Die zu dieser Vorstellung geldsten Billets sind an die- sem Abend geltend, oder is der Betrag dafür bis Nachmit- tag 3 Uhr îm Billet-Büreau entgegen zu nehmen.

Auswärtige Börsen. y Amsterdam, 11. März. - B Niederl. wirkl. Schuld 395. Kanz-Bill. 154. Oesterr. 5proc. Metall. 814. of | Hamburg, 14. März. Oesterr. 4proc. Metall. 692 Bér. Bank-Actien pr. ult. &, 930,

pr. April 925 bezahlt und Geld. Russ. Engl. Anl. pr. Cassa 862,

pr. ult. d. 86 G. Russ. An!. Hamb. Cert. 85 nomine!l. Dän. 545

Poln. pr. ult. d.'884 nominell

London; 1. März.

3proc.- Cons. T4. Brasil: 574. Dün. 584.

Russ, 894. 90. L - Wien, 11. Würz. 5próc. Metall. ‘841. A4proc. 6986. Loose zu 100 FI. 1562.

Redacteur. John: Mitredacteur ‘Cóôttel.

j j

Allgemeine

PBreußische St

aats-Zeitung

c

e 7 Ei |

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Bekanntmachung. i : Die Dampfschifffahet zwischen Hamburg und London ist wieder eröffnet worden, und es föônnen von nun an wieder Briefe nah England u. #. w. zur Beförderung per Ham- burg mittelst Damÿfschisses, angenommen werden. Um den Anschluß an das Schiff in Hamburg zu erreichen, müssen dieje Briefe aus Berlin Mittwoch 9 Uhr Abends abgefertigt werden. Dieselben treffen alsdann Montag Morgens in London ein. Die auf diese Weise zu befördernde Kor- respondenz muß auf der Adresse mit der Bemerkung: „per Hamburger Sicamboat” versehen werden. Berlin, den 15. März 1831. General-Post-Amt.

Durchgexreist: Der Päpstliche Kabinets - Courier Piatti, von St. Petersburg femmend, nach Rom.

| Zeitungs-Nachrichten.

Ausland.

Rußland.

St. Petersburg, 9. März. Am 6ten d. M. ist Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michael Pawlowitsch von hier nach Kowrono abgereist. |

Se. Majestät der Kaiser haben den General-Adjutanten und Chef des Generalstabes des 1sten Jnfanterie-Corps, Ge-

neral-Major Fürsten Gortschakoff Ul, zur Belohnung feines

‘ausgezeichneten Betragens in den Gefechten gegen die ‘Pol-

um General - Lieutenant , imgleichen den Befehlshaber des Kürassier - Regimentes Prinz Albrecht von Preußen, Obersten Baron v. Meyendorf IL, den Adjutan- ten des Grafen Diebitsch-Sabalkansfki, Obersten der Garde- Husaren, Baron Budberg, und den Rittmeister des Uhlanen- Regimentes Sr. Kaiserl. Hoheit des Cesarewitsch , Baron Prittwiß, zu Kaiserl. Flügel-Adjutanten ernannt.

Der Geheime Rath Graf Pahlen ist zum stellvertreten- den General-Gouverneur von Neu-Reussen und Bessarabien bestimmt worden, da Se. Majestät die Anwesenheit. des Ge- nieral- Lieutenants Krassoffsfi bei dem ihm anvertrauten Zten Infanterie-Corps für unumgänglich nöthig erachten.

Der Geheime Rath Lubjanoffsfki ist zum Civil, Gouver- neur von Podolien ernannt worden. - E J

Jn Folge eines Allerhöchst bestätigten Beschlusses des Neichsrathes ist, um das Stellen der Refruten zu erleichtern, befohlen worden, in solchen Provinzen, wo die Oertlichkeit es erfordert, die gagl der zur Entgegennahme der Rekruten bestimmten Behörden zu vermehren ; es wird zugleich verord- net, künftig auch sólche Leute zu Rekruten anzunehmen , de- uen vorn zwei Zähne fehlen, und die auf einem Auge, es sey das rechte oder das linfe, blind sind. |

Am sten d. M. fand u eine Versammlung der Mit- glieder des Actien-Vereins für Feuer-Versicherung satt. Aus dem vorgelesenen Bericht vom or ien Jahre ergiebc ch, daß im Laufe desselben 120,079 Rub. 53 Kop. für Brand- shäden ausgezahlt wurden ; die eingegar n Prämien hat- ten einen reinen Gewinn von 822,276 Rub. 43 Kop. úbrig gelassen, von welchen 600,000 Rub. unter die Actionairs ver- theilt und der Rest zum Reserve- Kapital geschlagen wurde, das, mit Ausnahme der von den Actionairea eingeschossenen

nischen Rebellen ,

Berlin, Freitag den 18ten März

1831.

2 Millionen, am Schlusse des vorigen Jahres, in 962,576 Rukb. 20 Kop. bestand.

Am 26sten v. M, erkrankte in Mosfau an der Cholera 1 Person und 2 genasen. Am 27sten erkrankte 1; 2 gena- sen und 1 starb. Am 28fsten erkrankte 1 und 1 genas. Am 1. März erfranfte 1; 2 genasen und 1 starb. Am 2ten starb 1 Person. Am Zten Morgens waren 11 Kranke übrig.

Jn Tiflis hat sih unter Allerhöchster Bestätigung eine Actien-Gefellschaft gebildet, deren Zweck es ist, den Russischen Fabrik-Erzeugntssen einen bedeutenden Absab in den jenseits des Kaukafus belegenen Ländern und in Persien zu verschaf- fen. Es werden fürs erste 300 Actien zu 1000 Rubel aus- getheilt; der Finanz-Minister hat 10 Actien für Rechnung der Regierung genommen. Nach dem Plan der Gesellschaft wird sie theils für eigene Rechnung handeln , theils Waaren in Kommission nehmen. ch

Odesja, 25. Febr. Se. Majestät der Kaiser Haben în einem Schreiben an den General -Geuverneur von MNeu- Rußland und Bessarabien, Grafen Woronbßoff , Allerhöchst- Ihre Zufriedenheit mit den von ihm getroffenen Quarantaines Einrichtungen zu erkennen gegeben. Es geht aus diesem Schreiben hervor, daß mehr als 20,000 Mann -Truppen, die cs der Türkei zurückkehrten, dort Quarantaine gehal ten haben.

P olen,

Warschau, 14. März. Durch Verordnungen dex National - Regierung vom Iren d. M. sind folgende Ernen- nungen vorgenommen worden: der Landbote Xaver Czarnocfi zum General-Direftor der Polizei und der Posten: der Chef der politischen Section in der Regierungs - Kommission des Fnnern, Michael Lewinsfi, zum General-Direktor der Admis- nistration; - der ehemalige Bezirks - Kommissar von Sieradz, Valerian Kleszczynski, zum Chef der politisch-statistischen A theilung bei derselben Kommission; und Franz Zakrzewsfi zum Kriegs-Polizei- Kommissar ber Wojewodschafts-Kommission vow Masowien.

Die beiden Reichstags-Kammern hielten am Iten d. M. wieder eine Sißung, in welcher sie zunächst folgendem L ihre Bestätigung gaben: „Die Senatoren- und Landboten-Kammer haben in Betracht, daß das Budget für das Jahr 1831 aus Mangel an der zur besonderen Dis«e fussion desselben erforderlichen Zeit bis jeßt niht auseinan- dergeseßt und völlig bestätigt werden konnte, .in Betracht jedoch der Nothwendigkeit, daß vor der Festsekung des Bud- gets durch den Reichstag die Landes - Ausgaben - durch Eröff- nung angemessener Kredite gedeckt werden müssen, auf Vor- stellung der National-- Regierung und im weiteren Verfolg ihres Beschlusses vom 3. Febr. d. J. beschlossen und beschlie- ßen, wie folgt: Art. 1. Die National - Regierung wird zu Eröffnung eines außerordentlichen Kredits für die betreffen- den Regierungs-Kommissionen zu folgenden Ausgaben bevoll: mächtigt: a) für die öffentliche Schuld, und nie dens zur Auszahlung der dem landschaftlichenKredit-Verein für denJuni- Termin aus der auf die National- und Krongüter gemachten Anleihe gebührenden Summe, 1,771,662 Fl. 12 Gr. ; b) für die Regterungs Kömmission des Krieges 12 Mill. Fl. ; c) für Tos des Dienst-Ehrenzeichens. und für lebenslängliche

ilitair-Penfionen, welche dem Reichstags-Beschluß vom 19.

| Febr. zufolge bewilligt werden sollen, 600,000 Fl. d) für alle

andere ordentliche und außerordentliche Verwaltungs - usga: ben der áte Theil der im Budget proponirten Summe, nämli 7,414,873 Fl. 10 Gr.; e) ‘für außerordentlihe im Budget nicht vorhergeschene Ausgaben Z Millionen Fl.; zusammen 24,786,535 Fl 22 Gr. Art. 2. Die Vertheilung des gegen- wärtig zu erdffnenden Kredits, so wie die Steuererhebung, um diesen Kredit zu decken, und die Anwendung der. dexr Nation gehdrenden Kapitale zu diesem Zweck, follen nach deu