1831 / 88 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

726 _

deutet nihts auf einen Friedensbruh. Klugheit und weise Mäßigung helfen am Ende über das Schwierigste.“/

Das genannte Blatt enthält auch folgendes Schrei- ben aus Bologna vom 12. März: „Gestern hielt Seneral Zuchi Revue über seine Leute. Sie standen noch ohne ihre Waffen, ungefähr 1000 an der Zahl, in langem Vierecck auf dem Prato di S. Antonio, d. h. auf dem Plake, wo gewöhnlich geköpft wird. Als Zucchi mit dem Offizier-Corps erschien, erschallte es zu wiederholtenmalen in den Reihen: es lebe Zucchi! Jn dem Rufe klang etwas düsteres, shmerz- liches mir; er schien das Freudengeschrei von Schiffbrüchigen beim Anblicke des Felsens, der sie gerettet, der aber mitten in unbefanntem sturmvollen Meere liegt. Zucchi selbst, klein und hager, von gelber Gesichtsfarbe, war sichtbar bewegt; ein bitteres Gefühl fchien in ihm vorzuwalten. Seine Leute zeigten vor ihm eine ehrfurchtsvolle Achtung. Viele darunter gehörten zu den s{önsten Männern, die ih je gesehen; manche aus den ersten Familien, aber auch vieles Gesindel. Zucchi ging mit ernstem Blicke und strengen Worten heftig gestifulirend auf und ab. Aber nachher im Chiostro von Sant’ Agnese, wo ihre Kaserne ist, sprah und that er freundlicher, ermahnte, ermuthigte: Alles würde schon gè- hen, sie seyen auf fremdem Boden , aber unter Brüdern; man werde ihnen bald“ ihre Waffen wiedergeben 2c. Heute sagte nun die Regierung in einer Proclama- tion, daß man die Modeneser an der Gränze entwasf- net und darauf zerstreut (dispersi) hâtte! Die Negie- rungs-Mitglieder stemmen sich thdricht prahlerisch auf die Nichtintervention, machen Adressen ans Französische Volk,

an Lafayette, an die Pariser Studenten l Dabei sind sie furcht-

sam wie die Hasen. Der Kongreß muß durch ein Cirkular

zurückberufen werden aus seinen Schlupfwinkeln, Die Vor- |

hut der Jnsurgenten ist noch immer in der Gegend von Civita Castellanag. Die Oesterreicher blieben bis jeßt dabei, - daß ihre Befehle nicht über Ferrara und Comachio hinaus- reichen. Der Herzog von Modena. hat Amnestie verkündet, und mehrere Modenesen möchten sich wohl entschließen, heim- zukehren. Heute leisteten die, welche bleiben wollen, der hiesigen Regierung den Eid der Treue. Jn den übrigen Staaten umher ist Alles still und ruhig; von Parma weiß ich nichts. Der General Grabinsfi hielt Heerschau in Forli. Da soll er gerufen haben : ah, brase pelle cioventu, me- ritereppe tutta esser fucilata! (brava e bella giovenotao, meriterebbe tutta essere fucilala!) schône brave Jugend! sle verdienten alle erschossen zu werden. Er wollte aber sagen, daß es Schade wäre, daß sie keine Gewehre, fucili, hätten! (Morgen ein zweiter Brief. )//

S panien.

Die Madrider. Hofzeitung vom 12. März enthält einen Bericht des General Quesada, welchem zufolge die Jn- surgenten der Jusel Leon am 8ten d., 400 Mann stark, die Waffen niedergelegt haden; auch meldet sie die Vernichtung eines Haufens, der sich nah dem Gebirge von Ronda ge- fluchtet“ hatte, und dessen Anführer Manzanares nebst 40 in der Nähe des Lagers voa San Roque gefangenen Jnsur- genten erschossen worden ist.

Inland.

Berlin, 27.,.März. Nach Jnhalt der im gestrigen Blatte der Gesek-Sammlung enthaltenen Allerhöchsten Kabinets-Ordre vom 24sten d. über die Abänderung der Fristen auf den Messen zu Naumburg, währt die herkömmlihe Meß-Freiheit in bei- den Messen vom Einläuten derselben am Montage der eigent- lichen Meßwoche Mittags 12 Uhr bis zum Ausläuten am Montage darauf ebenfalls 12 Uhr. Die Verfallzeit der in eine der beiden Messen unbestimmt lautenden Wechsel tritt in der Regel am Daunersiage der Zahlwoche ein. Jn bei- den Messen kann jedoch die Zahlung. am Dienstage oder Mittwoche der Zahlwoche, welche Tage zum Scontriren be- stimmt sind, geleistet werdèn, ohne daß der Remittent die - Zahlung, als zu: frúh geleistet, anfehten kann. Bei den in eíne-der beiden Messen lautenden Wechseln ist zum Präsen-

tiren, Acceptiren und Protestiren wegen nicht erfolgter An- nahme die Zeit vom ersten Freitage der eigentlichen Meß-

woche, Mittags 1 Uhr, bis zum Dienstage vor“ dem Zahl-

tage, Mittags 12 Uhr, bestimmt. Geht der Wech-

sel nah diesem Zeitpunkte ein, \#\o muß er binnen

24 Stunden präsentirt und, wenn die Acceptation nicht erfolgt, der Protest deshalb aufgenommen - werden. Doch kann der Bezogene auch nachher noch acceptiren. Die Einlegung der Proteste wegen niche erfolgter Zahlung muß in beiden Messen am Donnerstage der Zahlwoche, von Mittags 1 Uhr bis Abends 8 Uhr, geschehen. Die in ci- ner der beiden Messen zahlbaren kaufmännischen Assignatio- nen müssen bis zum Donnerstage der Zahlwoche Abends 10 Uhr- präsentirt, acceptirt, gezahlt, oder bei nicht erfolgter Annahme und Zahlung dem anwesenden Assignanten zu- rückgegeben werden; ist dieser niht anwesend, so muß die Einlegung des Protestes bis zur bemerkten Zeit erfolgen. Jn

Ansehung der jüdischen Sabbat- und Feiertage bleibt es bei

den Vorschriften des Allgemeinen Landrechts Theil Il. Tit. 8. $$. 872, 989. 990.

Zu Bonn ‘ist unterm 18ten d. nachstehende Bekannt - machung des Rektors und Senats der dasigen Universität erschienen: „Der akademische Senat kann dieses Semester, in welchem er sich nicht ein einziges Mal in dem unange- nehmen Fallé gesehen hat, eine Disciplinarstrafe auszuspre- chen, nicht scheiden lassen, ohne die würdige Haltung, den ernsten Fleiß und die vaterländische Gesinnung, welche unter den Studirenden der Rheinischen Friedrih-Wilhelms-Univer- sität fich unverkennbar vorherrschend gezeigt haben, achtungs- voll anzuerkennen. *Wir dürfen hosfen, daß dieser gute Geist auf unserer Universität bleibend seyn werde, und so wünschen wir dem Vaterlande Glück, daß die Jünglinge, deren Pflege einst die hôchsten Jnteressen desselben anvertraut werden sollen, beseelt von Achtung gegen das Gesebß,. von Berufstreue und Vaterlandsliebe, sich auf einé würdige Weise zu ihrem hohen Berufe vdrbereiten.‘/

Königliche Schauspiele.

Montag, 28. März. Jm Opernhause. Zum erstenmale wiederholt: Kdnig Friedrich , historische Tragödie in 5 Ab- theilungen und einem Vorspiele, von E. Raupach.

Im Schauspielhause: 1) La chatte métamorphosée en femme, folie vaudeville, par Secribe. 2) La première représentation de: La dame et la demoiselle, comédie nou.- velle en 4 actes et en prose, par M.M. Mazères et Empis.

Dienstag, 29. März. Jm Opernhause: Die Braut, Over in Z Abtheilungen, mit Tanz; Musik von Auber.

Im Schauspielhause: 1) Ma place. et ma sfemme, chco- médie en 3 actes et en prose. 2) La première représen=

tation de la reprise de: Le matin et le soir, vaudeville

en 2 actes.

Königstädtisches Theater. Montag, 28. März. Fra Diavolo, oder: Das Wirths- pes zu Teëracina, fomische Oper in 3 Akten; Musik von Auber.

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 22. März. Niederl. vvirkl. Schuld 385. Kanz-Bill. 15. Oesterr. 5proc- Metall. 803,

d Exgdkäurt a. s 23. März.

esterr. 5proc. Metall. 82. 813. Aproc. 685, 683, 91

421, 1proc. 184 Br. Bank-Actien 1130. 1128." Part Du 125. 1127. Loose zu 100 FI. 1575. Poln. Loose 443. Br. ;

Oesterr. 4 Met me Sf a2 B Obl

esterr. 4proc. Metall. pr. ult. 702, Part.- 1s, 1133, BanL- Actien 945. Kuss. Engl. Abl 87. Nus. Anl, Hamb. Va f Poln. pr. Apr. 923. Dän. 547. : |

E ga Wieén, M Bes ; "_S5proc. Metall. . 4Aproc. 69 roc, 42. Loose zu 100 Fl. 1553. Part.-Oblig. 4133. Bank- Âlis 962. i F

Neuest

è Börsen-Nachrichten.

Paris, 21. März. 5proc. Rente pr. vonn, 80.80. fin cour, 80. 85. 3proc. pr. compt. 51. 90, fin éour..

U 61.-95. _Sproc. Neapol. fin cour. 57. Z5proc. Span.

ente perp. 4375.

___/ Franffurt a. M., 24. März. Oesterr. 5proc. Metall. 824. 82. 4proc. 68x. 6815. 2proc. 423. 1proc. 174. B. Bank-Actiea 1140. 1136. Part.-Obl. 113. 1123. Loose zu 100 Ff. 1574. B. Poln. Loose 443. 4. v \

“_Sedruckt bei A. W. Hayn.

Nedacteur Foh n. Mitredacteux Cottel.

k

Allgemeine

Preußische Staats-Zeitung.

N? 88.

Amtliche Nachrichten.

Kronik des Tages.

Im Bezirke der Königl. Regierung

zu Breslau is der Kandidat des Predigt-Amtes, A n- derson, zum evangelischen Prediger in Lossen, Briegschen Kreises, ernannt, und ;

zu Liegniß der Kandidat der Theologie, Gärtner, als Pfarr -Sübstitut zu Drehnow , Gränbergschen Kreises, und der Kandidat Brebel als Pfarrer an der evangelischen Kirche zu Weichau, Freistädtschen Kreises , bestätigt worden ;

zu Stettin ist der bisherige Prediger in Klein-Schön- feld, Döhling, zum Prediger in Buchholz, Mühlenbeck und Höckendorf bei Stettin; ferner der Kandidat der Thèéologie, Heinrich Gottlieb Hasper, . zum Prediger án- Nöôrenberg, Synode Jakobshagen; der Kandidat der Theologie, Friedrich Karow, zum Prediger in Neuen- Lirchen, Synode Labes; desgleichen die Kandidaten Frie- drich Wilhelm August Obenaus und Karl Jafob Wegner, Ersterer zum Prediger in Schillersdorff 2c., Sy- node Garz, und Leßterer zum Prediger in Lufow und Ahl- Heck, Synode Ueckermünde, ernannt worden.

Durchgereist: Der Königl. Französische Kabinets- Courier Giloux, von Paris fommend, nach St. Petersburg.

Zeitungs-Nachrichten.

N Ula: n.D,

Rußland.

St. Petersburg, 19. März. Am löten d. M. hat der Kaiserl. Hof, auf Veranlassung des “Ablebens Sr. Durchlaucht des Herzogs Friedrich Wilhelm von Schleswig- Holstein - Sonderburg - Glücksburg, auf drei Tage Trauer an- gelegt. - M Nes Capitain - Lieutenäánt der Marine, Stogoff I., ist zum Chef der Admiralität von Jrkubf ernannt worden. . Am 16ten d. M. is der Wirkliche Geheime Rath Engel, Präsident der provisorischen Regierung des Königreichs ‘Po- Ten, von hier nach dem Hauptquartier der aktiven Armee abgereist. :

# Auf Befehl der Regierung ist das Lutherische Konsisto- xium des Litthauisch- Wilnaschen Gouvernements aufgehoben and die Leitung der kirchlichen Angelegenheiten der dortigen Lutheraner (gegen 20,000 an der Zahl) dem Kurländischen Konsistorium übergeben worden. :

Die hiesige Handels-Zeitung giebt den Anfang eines Auszuges des Compte rendu des Finanz-Ministers für Das Jahr 1830, der sih auf die Operationen im Bereich des ‘Departements des auswärtigen Handels beschränft. Die- sem zufolge war der Ausfuhrhandel im Allgemeinen vortheil- hafter und bedeutender , als im Jahre 1829. Die Ausfuhr -von Getreide hatte schr zugenommen und sich bis auf den ‘Werth von 60 Millionen Rubel gehoben; dagegen war die Einfuhr fremder Waaren merklich geringer, als im Jahr 1829.

_— Die gesammte Zoll - Einnahme betrug 68,629,878 Rubel 232. Kopeken. Zur Beförderung der Ausfuhr von gesalze-

nem Fleish wurden besondere Maaßregeln fetoffffen, Die «Gränzzollwache, obwohl weit unter ihrer festgeseßten Zahl, wurde "weiter ausgebildet und leistete, nicht nur in Bezug auf den Schleichhandel, sondern auch in Bewachung der «Gränzen, wesentliche Dienste. Die Confiscationen von Con- trebande- Waaren betrugen nichts Bedeutendes.

Die Senats - Zeitung - bringt ein Allerhöchst bestätigtes

(I R FD T Ele e ati rut A rede

indi, y T: Via E p E A T P O 1c Bo 8 WEN «I C E U Ee e O M A A

Berlin, Dienstag den 2er März

1831.

neues Reglement für Börsen- und Schiffsmäfkler, Hof-Agens ten, Notare, Disposcheure, Auctionatoren und für das Bör- sen-Comité zur öffentlichen Kenntniß. Die Zahl der St. Pes tersburger Börsen-Mäkler ist für die Zukunft auf 100 fest-

gesest worden, dagegen bleibt die Bestimmung der- aus den

drsen-Mäklern zu wählenden Zahl Hof-Agenten dem Gut- dúnken des Finanz-Ministers überlasscn. Das Börsen - Co- mité wird unter dem Vorsibe des Stadthauptes aus 3 Kaufleuten 1ster Gilde und einem Hof-Agenten bestehen.

Im Laufe des vorigen Jahres wurden in den Städten und Dörfern der Smolensfischen Eparchie 26,267 Knaben und 24,854 Mädchen, zusammen 51,121 Kinder, geboren ; es starben 21,795 Jndividuen männlichen und 21,749 weiblichen Geschlechts, zusammen 43,544; mithin wurden 7577 mehr geboren, als starben.

Aus den Geburts - und Sterbelisten des Konsistoriums der Griechisch-Russischen Konfession geht hervor, daß in Mos- fau im Laufe des vorigen Jahres 8934 Geburten und 10,229 Sterbefälle stattfanden; es starben mithin 1295 Jndividuen

mehr, als geboren wurden, was man den Verwüstungen der

Cholera zuschreibt. Unter den Geborenen befanden sich 4568 Knaben und 4366 Mädchen, und unter den Gestorben 5303 Individuen männlichen und 4926 weiblichen Geschlechts.

Am Iten d. M. erkranfte in Mosfau an der Cholera 1 Person. Am 10ten erfranften 2; am 1kten genas 1. Am 12ten Morgens waren 4 Kranke übrig. Jn der Stadt Wo- logda zeigte sich die Cholera am 26sten Februar aufs neue; bés zum 2en März waren 4 Personen erkrankt und 3 ge- fiorben; im Gouvernement gleiches Namens dauert die Kre zwar fort, ist aber doch augenscheinlih im Ab- nehmen.

Der Revalsche Hülfs - Verein zur Unterstüßung der Ar- men hatte im Laufe des vorigen Jahres eine Einnahme von 10,836 Rubel, zu welcher Jhre Majestät die Kaiserin 1000 und Jhre Kaiserl. Hoheit die Großfürstin Helena 300 Rubel beitrugenz die Ausgabe belief sich auf 7926 Rubel.

Der hiesige Afademifkfer Staatsrath von Frähn stellt in einem, in der hiesigen Afademischen Zeitung aufgenommenen Artikel die Ansicht auf, daß das älteste im Norden, und namentlich-in Rußland, beobachtete Nordlicht, insoweit man darúber Kunde erhalten, dasjenige sey, welches der Araber Jbur Foßlan im Lande der Volpa- Bulgaren deobachtete,. wo er sih- im Jahre 922 n. Chr. Geb. im Gefolge einer Ge- sandtschaft befand, die der Chalife- Muftedir von Bagdad dahin hatte abgehen lassen.

Am 11ten d. M. starb hier in hohem Alter der Staats- rath und einstige Musik - Direktor der Kaiserlichen Theater, Joseph Kosloffsfy, der in früheren Zeiten durch mehrere Polonaisen , die er auf Volksgésänge des berühmten Russî- schen Dichters Derschawin fomponirte, ‘ein Liebling des Pu- blifums geworden war; man hat von“ ihm außerdem ein

Requiem und eine Musik zu- einem Trauerspiel Öseroff's, -

Fingal. Bei dem im. Allgemeinen- stattfindenden Mahgel an- Russischen Komponisten, nimmt der Verstorbene eine der ersten Stellen in der Geschichte der Russischen Musik ein.

Ein Kaufmaun in Kiachta hat einer vor | kurzem in Werchnei -Udinsk eröffneten Kirchspiels - Schule ein Haus zum Geschenk gemacht. i

Frankrei.

Paris, 21. März. Der König musterte: gester Mit- tag, von den Herzogen von Orleans und Nemours,“ dem Kriegs - Minister und- einem zahlreichen Generalstabe begleis

tet, im Hofe. der Tuilerien sechs Bataillone der National -

Garde, so wie zwei Jufanterie- und zwei Kavallerie - Regis mente.

stimmte Prinz von Joinville im Monat Mai auf der Fre-

Dem Temps P wird der für die Maríne be:

P d E E n

E T)

N