1899 / 192 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

An dei Ausbau der Straße Victoria—Buea sind zur Zeit 200 farbige Arbeiter beschäftigt unter Aufsiht des Lentnan!1s Oskar Schmidt; ihm zur Seite stehen der Feldmessergehilfe Scholze, welcher

üher im Schwarzwald Vizinalwege gebaut hat, und der Forstauf- “Jeher Schroeder, welcher ebenfalls. von seiner heimischen Thätigkeit her mit Wegebau vertraut is, Mit diesen Kräten ift die Herstellung der Fahrstraße in den leßten Monaten \chnell vorwärts geschritten; wenn nicht unvorhergesehene Unglücksfälle eintreten, so ift die Straße am 1. Oktober dieses Jahres von Buea bis Boana, am 1. Januar nächsten Jahres bis Victoria soweit fertig, daß sie dem Fahrverkehr übergeben werden kann. Der weitere Ausbau der Wege am Kamerungebirge ift in fol- gender, dem Bedürfniß am meisten entsprehender Weise geplant: 1) Fortführung der Fährstraße Victoria—Buea bis Lisoka; später- hin dann weiter über den Nihard-See nach Johann Albrehts-Höh. Die Strecke Buea—Lisoka ist als Reitweg seit einigen Monaten

0.

2) Bau etnes Reitweges, dann Fahrftraße, von Victoria nach Boniadikombo, von dort quer durch das Terrain der Moliwe-Gesfell- schaft na dem Markt Buenga. Durch diesen Weg wird eine lang- n Landverbindung * zwischen Victoria und dem Mungo her- geftellt. | 3) Ausban des fertigen Reitweges Victoria—Kriegs\ciffhafen zum Fahrwege; Verbindung dieses Weges mit der Straße ad 2.

Abgesehen von kleineren, nebenher zu bewältigenden Arbeiten, sind dies Aufgaben für mehrere Jahre.

Großbritannien und Jrlaud,

Der General Sir Frederick Forestier- Walker, Kommandeur der Truppen von Devonport und früherer Be- fehlshaber der britishen Truppen in Egypten, ist, dem „W. T. B.“ zufolge, zum Kommandeur der Streitkräfte am Kap ernannt worden und wird unverzüglih dorthin abgehen.

Die in der leßten Hälfte des Zuli in Schottland abge- A Manöver waren, der „Army and Navy Gazette“ zu-

olge, großartiger angelegt als gewöhnlich. Sie fanden in der Nähe

von Dunbar Common, in Haddingtonshire, statt. Es wurden zwei Lager, das Nordlager in der Gegend von Castle Moffat, das Südlager bei Crickneß bezogen. Das Manövergelände um- faßte cine Fläche von 7 (englishen) Quadratmeilen. An diesen Manövern haben niht nur die regulären Truppen, sondern au 13 Volunteer-Bataillone theilgenommen. -

Der S see über das Volunteer-Korps für das Zahr 1898 ijt insoweit befriedigend, als die Zahl der ausge- bildeten Mannschaften zugenommen hat. Die Sollstärke betrug 262 680 Köpfe; es waren 224 300 Mann ausgebildet, und zwar besser als früher, und 6378 Mann unausgebildet. Bei einem Bestande von 230 678 Köpfen fehlten also 31902. Jin Laufe des Verichtsjahres wurden 20045 Mann befördert, davon 6388 zu Offizieren und 13 657 zu Sergeanten. Die Ausgaben für die Volunteers beliefen sich auf 624000 Pfund Sterling, worin die Gebührnisse der Adjutanien und Sergeanten des stehenden Heeres, welche die Ausbildung leiten, miteinbegriffen sind.

Frankreich.

Zwischen dem Minister-Präsidenten Waldeck-Rousseau und dem Polizei-Präfekten L épine haben, wie „W. T. B.“ meldet, im Laufe des gestrigen Tages Besprehungen über Guérin stattgefunden. Beide kamen zu dem Entschlusse, daß kein Menschenleben aufs Spiel gescßt und daher Guérin die Wahl zwischen freiwilliger Jnternierung und Ver- haftung gelassen werden solle. Der Deputirte Lazies begab Kd im Einvernehmen mit dem Minister-Präsidenten zu Guérin, um ihn auf die Folgen seines Widerstandes auf- merksam zu machen. Lazies verhandelte dreiviertel Stunden mit Guérin und begab fich sodann um 101/23 Uhr Abends zu Waldeck-Rousseau, den er jedoch niht antraf. Er wurde vom Kabinetschef empfangen. Beim Verlassen des Mini- steriums erklärte Lazies auf Befragen, er habe Guérin die Folgen eines eventuellen Zusammenstoßes vorgestellt. Guérin und seine Gefährten seien erschöpft durch die fort- währende Wachsamkeit der Polizei, unb er habe von dem Minister-Präsidenten erreiht, daß man die Belagerten diese Nacht schlafen lasse. Heute werde Waldeck-Nousseau sich über die Bedingungen der Ecgebung äußern. Lazies erklärte weiter, er habe nit nur in seinem eigenen Namen, sondern auch in dem Drumont’s und der ganzen Gruppe der „Libre Parole“ gehandelt, Voraussihtlich werde Waldeck- Rousseau gegen- über den Gefährten Guérin’s Nachficht walten lassen. Guérin werde verlangen, niht als Gefangener über die Straße

eführt zu werden, sondern si A im Kabinet des Unter- Pitaeclibters als Gefangener stellen zu dürfen. Man nehme an, Waldeck-Rousseau werde dies bewilligen.

Vei dem gestrigen Bankelt der bonapartistishen artei aus Anlaß des Napoleonstages verlas der frühere berst Mignot als Präsident ein Telegramm des Prinzen

Victor, in welchem dieser äußert, er rechne auf die Thatkraft der plebi8citären Comités unter den gegenwärtigen Ronalillen: Ein zweites Bankett wurde von seiten der Royalisten zur Feier des Namenstagcs der Herzogin von Orléans ver- anstaltet. Jn den KerspraKei: welche gehalten wurden, protestierten die Redner gegen die Maßnahmen der Regierung. Es wurde beschlossen, an den Herzog und die Herzogin von Orléans eine Adresse zu richten.

_ Dem „Matin“ zufolge hätte die Polizei die gesammte hiffrirte Korrespondenz des Herzogs von Orléans mit seinen Pariser Vertrauensmännern beshlagnahmt. Aus dieser Korrespondenz gehe deutlih hervor, daß zwischen dem offiziellen Vertreter des Herzogs von Orléans und gewissen Persönlichkeiten der nationalistishen Partei seit einem Zahre volles Einvernehmen geherrscht habe, und daß die Orléanisten F verschiedenen Ausständen Summen hergegeben hätten, um Ünrußhen anzustiften.

Wie aus Nennes vom heutigen Tage berichtet wird, stellte Demange den Antrag, die Verhandlungen des Kriegs- gerihts wegen der Verwundung Labori's bis zum Montag zu vertagen. Der Tlärte v0 trat zu einer Berathung Alex zusammen und crklärte nah derselben einstimmig, dem ntrage nicht stattzugeben.

Rußland.

Ein Kaiserlicher Befehl an den Finanz-Minister be- sagt, wie dem ‘,W. T. B.“ aus St. Petersburg gemeldet wird: Durch die großen Besizungen Rußlands in Europa und Asien ist mit Gottes Hilfe eine Annäherung der Völker des Westens und des Ostens ermöglicht worden, und durch das freundliche Entgegenkommen Chinas is es gelungen, dieses historische Ziel in Er E zu bringen, indem wir die Be- nußung zweier chinesisher Häfen, Talienwan und Port Arthur,

mit einem großen Gebiet erhielten, wodurch der großen sibirishen Bahn ein es um Gelben Meere ermöglicht wird. Dank dem weisen d werden wir durch die im Bau begriffenen Eisenbahnen mit China vereinigt, was allen Nationen unschäßbaren Gewinn und bequeme Verkehrswege bringt sowie die Umsäße des Welthandels erleihtert. Unermüdlih Sorge tragend für die allgemeinen Vortheile, haben wir es für nothwendig ge- halten, nah Beendigung der Eisenbahnlinie bis zu dem Hafen von Talienwan, diesen als gle e den ganzen Zeitraum des am 27. März 1898 zwischen Rußland und China abgeschlossenen Pachtvertrags für die Handelsschiffe aller Nationen zu erklären und neben dem genannten Hafen eine neue Stadt „Dalnij“ zu erbauen.

Amuterika.

Das „Reuter she Bureau“ meldet aus New York, daß nah Telegrammen aus Puerto Plata bei der Regie- rung der Dominikanischen Republik die Meldung ein- gegangen sei, die Regierungstruppen hätten die Jn- surgenten vollständig geschlagen und vernichtet. Die Regierung betrachte den Kampf als das Ende des von Jimenez angestifteten Aufstandes.

Asien.

Nach einer Meldung des „Reutershen Bureaus“ aus Hongkong vom gestrigen Tage hätten, amtlihen Berichten aus Canton zufolge, 1000 Räuber 500 chinesishe Soldaten in Cotkon (?) am Westfluß umzingelt, angegriffen und ge- {chlagen. Von den Soldaten, welche si" verzweifelt wehrten, seien 250 getödtet und 100 verwundet worden. Eine Abthei- lung von 2000 Mann sei vorgestern von Canton aufgebrochen.

Afrika.

Aus Pretoria meldet das „Reuter{he Bureau“, daß der Ausführende Raad gestern Vormittag eine Sißung abgehalten habe. Den Feldkornets sei der Befehl ertheilt worden, die Martini-Gewehre gegen Mauser-Gewehre einzu- tauschen. Die Möglichkeit eines Krieges sei das einzige Ge- sprächsthema. Die Stimmung äußere sich dahin , daß die Meinung der O über die Lage eingeholt werden müfse; man glaube, die Burghers und das Land seien gegen äußerste Maßnahmen.

Parlamentarische Nachrichten.

Das Haus der Abgeordneten ehrte in seiner heutigen Sißung, welcher der Präsident des Staats-Ministeriums, Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, der Vize-Präsident des Staats-Ministeriums, Finanz-Minister Dr. von Miquel und der Minister der öffentlihen Arbeiten Thielen beiwohnter, zunächst das Andenken des verstorbenen Mitgliedes von Wedel in der üblichen Weise.

Auf der Tagesordnung stand die Fortsezung der am 15. Juni abgebrochenen zweiten Berathung des Vesekéntwuria, betreffend den Bau eines Sciffahrtskanals vom Rhein bis zur Elbe.

Hierzu lag ein Antrag des Abg. Grafen von Stra ch- wiß (Zentr.) vor, hinter § 6 folgenden 8 6a einzuschalten:

„Gleichzeitig mit der Fertigstellung des Mittellandkanals ist für Schlesien die Möglichkeit zu hafen, entweder auf dem Wafser- wege oder auf dem Wege der Eisenbahnverfrahtung Massengüter vom Scnittpunkt Kattoroiß zu folhen Säßen nah den Verkehrs- gebtcten Berlin, Brandenburg, Magdeburg, Dresden und Königreich Sachsen, soweit sie an und öftlih der Elbe liegen, zu verladen, daß die Parität der Frachtkosten zwischen dem obershlefishen Montan- revier, Schnittpunkt Kattowiß, und dem rheinländisch - westfälisGen Monianrevier, S@hnittpunkt Dortmund, auf dem Schnittpunkte Berlin gewährleistet wird.

Die Königliche Staatsregierung wird ermächtigt, zur Vor- nahme der hierzu erforderlitGen Vorarbeiten zwei Millionen Park zu verwenden.“

Das Wort ergriff zuerst der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen, dessen Rede wir morgen im Wortlaut nachtragen werden. Bis zum Schluß des Blattes sprachen dann noch die Abgg. Graf zu Limburg-Stirum (kons.), der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen, der Abg. von Eynern (nl.) und der Chef der Eisenbahn-Abtheilung im Großen Generalstab, Oberst Budde.

Beßwiß,"

Der Rittergutsbesizer von Zißewiß au meldet,

Mitglied des Herrenhauses, ist, wie „W. T. gestern gestorben.

Der Ober - Bürgermeister von Halberstadt Bödcher, Mitglied der Herrenhauses, ist, dem „W. T. B.“ zufolge, in der vergangenen Nacht gestorben.

Von den Abgg. Ring, Felisch, Henning, von Werdeck und Freiherr von Willisen is im Hause der Abgeordneten nachstehende Interpellation eingebraht worden:

e Welche Maßnahmen gedenkt die Königliche Staatsregierung zu ergreifen, um dem durh die Ueberschwemmüungen der Spree ein- getretenen Nothstande abzuhelfen ?*

Statiftik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung,

In Berlin sind die Klempner, der „Deutshen Warte* zu- folge, in cine Lchnbewegung eingetreten ; sie fordern 50 4 Minimal- lohn für die Stunde.

An dem Auústand der Berliner M ALILeE eiligen sich, wie die „Voss. Ztg.“ weiter meldet cverat: ir. 191 d. Bl), seit

estern 612 Arbeiter bet 51 Firmen; 31 Firmen mit 412 Arbeitern aben die Forderungen der Arbeiter bewilligt. Dem Ausstande nicht augestPlofen haben fi gegen 360 Mann, die jedoch zum theil ftill- \{chweigend die in dem geforderten Tarif enthaltenen Löhne erhalten. In den Vororten arbeiten bei etwa 40 Meistern gegen 550 Mann theils zu geforderten, theils zu alten Bedingungen. Der Ausftand in den Vororten utnfaßt etwa 36 Werkstätten mit 400 Mann.

Der Arbeitgeberbund für das hiesige Maurer- und Zimmerergewerbe hat, nah emieaven Blatte, soeben einen „Muster - Bauvertrag*" ausgearbeitet, in welchen eine sogenannte R Gugeimoen ist. Diese lautet: „Die bedungenen Lermine, die Rohbauabnahme, Gebrauhsabuahme und die {chlü}sel-

ulte der chinesishen Regierung, |

fertige Uebergabe der gesammten Räume an den Bauherrn betreffend, |

verlängern ih in entspreendem Mafe, wenn über den i Ausführung begriffenen au von den Arbeitnehmern eine Sperre E hängt wird, oder während der Bauausführung ein Ausftand der Arbeite nehmer ausbrechen und hierdurch ein gänzlicher oder theilweiser Stis[a stand der Bauarbetten eintreten sollte; in diesem Falle verlängern sih die angeführten Termine um die Dauer der Arbeitssperre oder a ‘An Dort d berichtet die „Rhein.-Westf. Zt us Dortmund berihtet die „Rhein.-Westf. Ztg." un

15. d. M. über eine Maurer- Versammlung, in welcher beileitE der Lohnverhältnisse beschlossen wurde, an die Meister mit der Fordes rung heranzutreten, pro Stunde 50 .Z§ Lohn zu zahlen und eine Ays beit6zeit von 9 Stunden pro Tag einzuführen. Bis zum 28. d. M. sollen die Unternehmer eine Antwort ertheilen. Gegebenenfzllg werden die Zimmerer, welche {hon früher ähnliche Fordecungen gestellt haben, mit den Maurern gemeinschastliGe Sache machen.

Zur Lohnbewegung im Hamburger Baugewerbe meldet der „Hamb. Korresp. “, daß die Unterhandlungen zwischen der Baus gewerts-Innung „Bauhütte“ und dem Gesellenaus\{chuß weaen ins führung einer neunstündigen Arbeitszeit mit 70 4 Mindeststunden- lohn 2c. im Zimmerergewerbe am Montag ihren Anfang genommen haben. Am Dienstag hatte der Verband deutscher Zimmerleute eine Mit gliederversammlung berufen, in der Bericht über diese Verhandlungen erstattet und weitere Maßnahmen getroffen werden sollten. An demselben E nahmen auch die Unterhandlungen zwischen der Kom- mission der Baugewerkls-FInnung und den Vertretern der Bauhilfgs arbeiter wegen Aufstellung eines neuen Lohntarifs ihren Anfang, en Nr. 189 d. Bl.)

ie „W. T. B.“ unterm 15. d. M. aus Kladno (Böhmen)

meldet, mat \sich unter der dortigen Arbeitershaft neuerdings eine Vewegung kemerkbar. Ein Theil der Arbeiter vom Adalberts{acht der Poldihütte, insgesammt 368 Personen, stellte die Arbeit ein, Gestern früh versuhte ein Trupp von 300 Personen die zur Arbeit gehenden Arbeiter davon abzuhalien. Die Gendarmerie [ritt ein und verhinderte dies.

Literatur.

—s88— Der Backsteinbau romanischer Zeit, besonders iîn Ober-Jtalien und Norddeutschland von O. Stiehl, Regierungs- und Stadtbaumeislter zu Berlin. Leipzig, Verlag hqy Baumgärtner. Der Verfasser liefert mit dieser Arbeit einen ly merkenswerthen Beitrag zur Kunstgeschichte des Mittelalters, der au unsere märkishe Heimath näher berührt. Das Werk ift ges{müt mit 113 Abbildungen im Text; 27 Tafeln nah Original-Aufnahmen, die der Verfasser von den bedeutendsten Bauten des behan delten Zeitalters in Jtalien und Deutshland gemacht hat, bilden eine anziehende und für die Wissenshaft der Bay geschichte bedeutsame Beigabe des {önen Werkes. Es handelt d dabei um die wichtigsten Fragen der Baugeschichte des früheren Mittele alters. Wir haben in der Altmark und in der Mark Brandenburg eine große Zahl künstlerish hervorragender Backsteinbauten aus romanisher Zeit, welhe die Aufmerksamkeit der Forscher längst ein- ehend beshäftigt haben. Um nur das Allerbedeutendfte zu nennen, G sind die Kloster-Kirhe zu Jerihow und die Stadtkirhe eben- daselbs, St. Lorenz zu Sálzwedel, der Dom zu Brandens burg und St. Nicolaus vor dieser Stadt, die Kloster-Kirche zu Lehnin, die Pfarrkirche zu Treuenbzrießen, die Kloster-Kirce zu Dobrilugk, ferner die Kirhe zu Schönhausen, die Stadtkirche zu Sandow, die Klosterkirhen zu Arendsee und zu Dies- dorf Denkmäler eines hochgesteigerten Kunstsinnes und einer rei) entwickelten Technik. Von anderen norddeutshen Bauten seien hervors ehoben die gewaltigen Dome zu Lübeck und zu Ratzeburg, und weiter jo anziehende Werke wie die Kirchen zu Gadebusch und zu Alten- rempe. Das Aufkommen des Backsteinbaus in Gegenden, wo man bis dahin auf das ungefüge Granitmaterial beschränkt gewesen war, das der Boden darbot, bezeichnet eine äußerst merkwürdige Epoche in der Geschichte der Baukunst. Das neue Material gebot au eine neue Technik, und die damit gestellten Aufgaben wurden in ganz vershiedenen Gegenden in auffallend übereinstimmender Weise gelöst, Eben erst war die norddeutsche Tiefebene den Slaven abgerungen, von Deutschen besiedelt, der westliGen Kultur unterworfen worden, da erboben fi auf dem neu errungenen Boden diese echt monumentalen Bauten in einem neuen Material, das, mit sicherer Technik bewältigt, die edelsten künstlerishen Wirkungen ergab. Da drängt sich die Grage nah den geschichtlichen Zusammenhängen von selber auf. Wenn die technishe Behandlung des Badcksteins in diesen Bauten von vorn herein auf einer so hohen Stufe stebt, daß sich weder ein Schwanken noch ein Probieren zetgt, sondern die frühesten Leiftungen auch die besten bleiben, so drängt ih die Vermuthung auf, daß diese Technik zuvor an anderer Stelle burhgebildet und fo erft in unseren Gegenden übernommen worden ist. ODiefen geschihtlihen Fragen ist der Verfafser in irg Forschung fast ein Jahrzehnt lang nach- gegangen. Ex hat mit Ausdauer die Bauwerke befragt über alles, was sie auszusagen im stande sind, und dabei au die verborgensten Spuren nicht Îberfeben: er hat die Urkunden und Bauinschriften, die Chroniken und Geshihtsbücher durchforscht und die Nachrichten mit dem noch vorliegenden Bestande an Thatsachen verglichen; er hat ch in die Einzelheiten der Tehnik mit Sorgfalt auch dur eigene xrperimente versenkt und die Chronologie der Bauten auf der fiherften Grundlage bestimmt, die erreihbar war. Dies gilt nit nur für die nieverdeutshen, sondern: au für die oberitalienischen Bauten. Denn wenn ältere DEURAIANQEN, die Dänemark oder die Niederlande als das Mutterland des mittelalterlichen Baccksteinbaues ausgaben, 4 den Thatsachen gegenüber als unhaltbar erwiesen, o drängte sch die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs unserer deutsden Bauten mit der früher entwickelten lombardis{hen Kunft in den Vordergrund und legte die gründliGe Durhforshung der romanischen Basteinbauten Ober-Jtaliens unter diesem Gesichts- punkte nahe. Der Verfasser hat ein außerordentli reiches Material gesammelt, um jenen vermutheten Fuarntenzans zur gesiberten Thatsahe zu erheben, und seine mühseligen Forschungen verdienen daher gewiß Anerkennung. Er hat das Interesse an einer Reihe vou Baudenkmälern unserer märkischen ge neu belebt und die künstlerishe Bedeutung derselben in elles Licht gerückt. Mag auch im Einzelnen das Ergebniß seiner Forschungen über Zeitfolge und geshichtlichen Zusammenhang durch künftige Aufschlüsse abgeändert oder berichtigt werden: jedenfalls ift ein umfangreihes Material für die Kunstgeschichte neu gewonnen, und der Freund der vaterländischen Geschichte wird für den Einblick dankbar sein, den die Aufnahmen und Zeichnungen des Verfassers in so viel anmuthige und zierlihe Erfindung, so viel ernsten Sinn für monumenatale Würde, so viel bescheidene Sachlichkeit in der Ver- wendung der Kunstmittel geftatten, wie sie im niederdeutshen Bal- steinbau romanischer Zeit zur Erscheinung kommen. Die pontifikalen Gewänder des Abendlandes nach ihrer geschichtlichen Gntwicklung, Von Joseph Braun. Mit 27 in den Text gedruckten Abbildungen und einer Tafel. Freiburg |. Br.,, Herder'she Verlagshandlung, 1898. Pr. 2,80 G Die vorstehende Arbeit ift eine Fortsetzung der in Nr. 281 des „N.- u. St.-A.“ vom 28. November 1898 angezeigten Studie Braun's über - die priefterlihen Gewänder des Abendlandes, Unter eingehender Verwerthung bes mkundlichen und erneuerten Materials wird eine Uebersicht über den Ursprung, die spätere Ausgestaltung und gegenwärtige Beschaffenheit und liturgisdhe Verwerthung der pontifikalen Sakralgewänder und über den mit diesen Kleidungsftücken verbundenen [ymbolischen Sinn gegeben. Es handelt \ih dabei hauptsächlich um dié Mitra, die bi hdflichen Handschuhe, Schuhe und Strümpfe, das erzbischöflihe Pallium 2c. Die fleißige Studie enthält manches Beachtenswerthe für bte christlihe Archäologie, Mit Recht weist der Verfasser auch auf die Bedeutung hin, welhe der Kenntniß der üm etre der Pontifikalgewänder für die Zeitbestimmung rühmitte alterliher Denkmäler und illuminierter Pandseristen zukommt. E den Text erläuternden Abbildungen sind zweckmäßig gewählt un durchgehends gut ausgeführt. :

Mea Siu, Weltfrohes und Weltfreies aus Seneca?s3 philosophishen Schriften, Von B. A. Betinger. Freiburg i. Br, Herder’\he Verlagshandlung, 1899, Pr. geb. 4 „4 Der Verfasser, welcher 1896 eine beifällig aufgenommene Auswohl der {önfen und wichtigsten Stellen aus Dante's Divina Commedia veröffentliht hat, bietet in diesem Seneca-Album eine geschmackvolle Sammlung der zahlreichen Sprüche vraktisher Lebensweisheit aus den philosophischen Werkétn des großen Stoikers. Seit den Tagen des AUTgNinus galten die Schriften Seneca's als Fundgrube goldener Lebensweisheit. Später hat Erasmus die s{chönsten Sentenzen als Flores Senecae gesammelt, und au neuere order und Denker haben sid, wie Bezinger zutreffend hervorhebt, in der weltfrohen, weltfreien Geistesatmo|\phäre erquidt, welche uns aus Seneca’'s Schriften entgegenweht. Der Stoff ist Üübersihtli® geordnet und die Ueberseßung wobhl- gelungen. Dem Text sind erläuternde Anmerkungen beigegeben. In einem Anhange folgen bemerkenswerthe Mittheilungen über Seneca?s Leben und Werke und über die vielfach behandelte Frage der Stellung Seneca's zum Christenthum. Mögen si viele Leser an der kräftigen Kost der stoisGen Moral erfreuen. i

Geschichte der Revolutionszeit 1789—1800 von Heinrich von Sybel. Wohlfeile Ausgabe. Stuttgart, Verlag der I. G. Cotta’shen Buchhandlung, Nachfolger. Vollständig in 60 Lieferungen zu je 40 Z. Jn den neu ausgegebenen Lieferungen 36—43 tritt als größte der Gestalten der Revolutionszeit Napoleon Bonaparte in den Vordergrund der Ereignisse. Seine ersten Thaten als Führer des Heeres in Italien bilden den Inhalt des 14. Buches, das mit den Siegen von Arcole und Rivoli \{ließt. Die beiden folgenden Bücher \ildern die Verhandlungen von Leoben und die Ereignisse bis zum Frieden von Campo Formio. Die Kurst des erzählenden Historikers, der den Leser mit sicherer Hand und klarer Zeidumg S An Wirrniß der Geschehnisse geleitet, bewährt si auch in diesen Heften.

In elfter, vermeßrter Auslage erschien in A. Eblinger?s Verlag zu Innsbruck „Trautweins Tirol“, Wegweiser für Neisende (außer Tirol und Vorarlberg au das bayerishe Hochland und das Algäu, ferner die Alpengebiete von Sal:burg, Obker- und Niederöfterreih, Steiermark, Kärnten und Krain umfassend), mit 60 Karten und Plänen (XXVI und 661 S,; Preis in grünec Leinwand geb. 7,90 #4, Brieftaschen-Ausgabe 8,50 M). Das von dem bekannten Alpinisten und Redakteur der

ublikationen des „Deutschen und Oesterreichishen Alpenvereins“ \orgtiltig bearbeitete und weiter geführte Buch hat seine in Touristen- freisen längst gewürdigten Vorzüge, Reichhaltigkeit und uverläfsig- keit, vraftische Eintheilung des Stoffes und übersihtliche arstellung, au in dieser neuen Ausgabe beibehalten, seinen Geltungsbereih aber {on

in der vorleßten Auflage auf das gesammte Ostalpengebiet ausgedehnt. Ar in dieser neuen Auflage sind die beliebteren Touren und Gipfel- besteigungen ausfü hrli behandelt, wogegen Touren vou nebensächlicer BVedeutang und \olche, die selten gemacht werden oder als Klettersport bezeichnet werden müssen, kürzer oder nur Se berüdsichtigt werden, Musterhaft ist das Kartenmaterial, bestehend aus 60 Karten und Plänen, darunter 31 Blätter, welche der bekannten großen Navenstein’shen Spezialkarte der Ostalpen s a entnommen und sorgfältig revidiert und ergänzt worden sind. Zu erwähnen ift noch, daß an der Redaktion au dieser Ausgabe zahlreiche hervor- ragende Alpenkenner und insbesondere die Sektionskeitungen des Deutschen und Oefterreichishen Alpenvereins durch Einsendung von Korrekturen und Ergänzungen werkthätigen Antheil genommen haben.

Die illustrierten Ofktav-Hefte von „Ueber Land

und Meer (Stuttgart, Deutsche Berlags-Anstalt) beginnen in dem soeben zur Ausgabe gelangten 11. Heft mit der Veröffentlihung eines neuen Romans von Wilhelm von Polenz, betitelt „Wald“, der den leihen Beifall finden dürfte wie des Verfassers frühere Grzählungen „Der Pfarrer von Breitendorf", „Der Büttnerbauer“ und „Die Graben- häger“. Außerdem bringt das wieder außerordentli reichhaltige Heft die Fortseßung des Romans „Sand*® von Friedri Jacobsen, cine Humoreske aus dem Offiziersleben von Gustaf Dickhuth und in Stimmungsfkizze von Rudolf Greinz. Unter den \lustrierten Artikeln seien _Hervorgehoben die „Marinebilder aus tem Bordleben S. M. Seekadetten- und Schiffsjungen-S(ul- dfe, eine Serie von interessanten Aufsäßen aus dem Leben der deutschen Kriegsmarine vom Marine - Pfarrer Rudolf Schneider. Dem Artikel „Berliner Hofwinter 1899" von G. von Wilkau sind 26 Porträts von Damen beigegeben, welche bei den Hoffesten des leßten Winters besonders hervorgetreten sind, Andere Artikel erinnern an Max QhneEeabueger, aus Anlaß seines fünfzigsten Todestages, und an Hans Joachim von Ziethen, anläßlich des zrei- hunderlsten Geburtstages. Weitere Beiträge endlich schildern das Rhein-Elbe-Kanalprojekt, Münchener Neubauten, die Londoner Parks, die neue Synagoge in Köln 2c. Das Heft ist au mit Kunstbeilagen reihlich ausgestattet.

VBautwvoesen.

Einen Wettbewerb um Entwürfe für eine Soolbad-Anlage in Bernburg schreibt der dortige Magistrat unter dea in Deutsch- land ansässigen Architekten aus. Für die besten Entrwoürfe stehen, wie das „Centralblatt dec Bauverwaltung“ meldet, drei Preise im Gesammtbetrage von 6000 M zur Verfügung, Das Preisgeriht bilden, neben dem Bürgermeister von Bernburg, der Hof- Baurath Böttger in Dessau und die Bauräthe Schmieden und Shwechten in Berlin. D e Einlieferungsfrist währt bis 1. November d. J. Die Bedingungen und Unterlagen des Wettbewerbs können nun Einsendung von 3 A vom Magiftrat in Bernburg bezogen erden,

Land- und Forstwirthschaft.

Saatenstand in Ungarn.

Das ungarisdße Ackerbau-Ministerium veröffentliht, der „Wiener

0, zufolge, folgenden Saatenftandsbericht vom 10. d. M.: eizenertrag 37 357 986 gegen 36 133 535 Meter-Ztr. am 830. Juli, Roggen 11993 182 gegen 11 840676, Gerste 12594 416 gegen 12 404 426, Hafer 11 250 649 gegen 11042 369 am 30. Juli. Der Vericht hebt hervor, daß im erften Drittel des August ständig trockene, stellenweise drückend heiße Witterung vorherrschend gewesen sei, In Verbindung mit lokalen Regengüssen seten an vielen Orten orkanartige Stürme aufgetreten, welche in Verbindung mit Hagel groyen Schaden angerichtet hätten, sowohl an den Feldsaaten als au an den bereits gemähten, aber noch nit eingeführten Körnergattungen. am großen Vortheil hätten die Regengüsse den Halkfrühten gereickt, iôbesondere dem Mais und Taba, wele durch die Dürre sehr gelitten hätten, durch welckche auch Kartoffeln und Rüben in der Ent- wickelung zurückgeblieben seien. Durch das trockene Wetter gas, îtten in etwa fünf Sechfteln des Landes die ODruschproben beginnen hnen, in vielen Gegenden, besonders in Bauernwirthf{aften, seien die Druscharbeiten ganz turchgeführt worden. Wiewobl der ¡rührend der Entwickelung der Saaten entstandene Schaden, namentli wu Alföld und jenseits der Donau, nicht unbedeutend sei, habe das Begährige Ergebniß im Verhältniß zum leßten Ausweise wieder eine cllerung erfahren. Dies gelte vornehmlich in Bezug auf Weizen D Korn, theilweise auch auf Gerfte und Hafer. Qualitativ dürfte a großen Duchschnitt das Gewicht zwishen 76 und 78 kg ariteren, wobet bemerkt werden müsse, daß ftellenweise 72 bis kg nidt felten seien, andererseits aber der Weizen 79 bis 80, in cpéndes auch. 81 -bis 83 kg wiege. Auch die Noggenquali-

d en würden an vielen Orten bemängelt, nichtsdestoweniger entspreche G. Ergebniß im Landesdurhscnitt ben gehegten Erwartungen. Das werd lönne im großen Durchschnitt a 71 bis 72 kg fixrtert Beg Im Ergebniß der Eerste könne ebenfalis eine wel nd verzeichnet -; werden, ‘Die später gereifte Sast, be e Gon in trockdener Witterung ge\chnitten worden fei, habe ntitatiy und qualitativ einen besseren Ertrag geliefert. Dasselbe

gelte vom Hafer. Wetzen sei auf 5 515 000 Katastraljoch produztert worden; als Durchschnittsergebuiß könnten 7 Metor, Zee L Jod angenommen werden. Der Schnitt von Loggen und Halbfrucht sei beendét und der Probedrush habe bessere Resultate ergeben, als die Schäßungen hätten erwarten lassen. Die mit Roggen und Halbfrucht bebaute Fläche betrage 1 841-000 Katastraljoh. Das Durchschnitts- ergebniß sei 6,5 Meter-Ztr. per Joh. Das Ergebniß der Drusch- proben in Gerste sei zufciedenstellend, im allgemeinen aber nur quantitativ. Qualitatiy befriedigend sei nur die gebirgige Ländgegend, insbesondere Oberungarn, wo auch Braugerste vorhanden sei. In einzelnen Gegenden mangele es auch an s{chöner weißer Gerste nicht, überwiegend fei jedoch die Farbe gelblich, mitunter braun. uh bei Gerste könnten noch immer 3% für ElementarsGäden ab, gerechnet werden. Die bebaute Fläche betrage 1 788 000 Katastralioch, welche zu einem Durhschnitisertrage von 7 Meter-Ztr, per Joch berechtigte. Hafer set auf 1685 000 Katastraljoh angebaut worden ; der Durchschnittsertrag betrage 6,7 Meter-Ztr. per Joh. Die Qua- lität sei im Durchschnitt befriedigend; vorwiegend fei der Hafer weiß und dickörnig; nur vereinzelt wecde über schwache Qualitäten geklagt. Die Maiépflanze habe von der Dürre im Monate Juli sehr stark gelitten, doch häiten die Regentage des August die Pflanze wieder erfrisht; von einer allgemeinen Erholung könne nur dann die Rede sein, wenn in kurzer Zeit. ein ausgiebiger Landregen niedergehe, Hülsenfrüchte lieferten im allgemeinen ein ziemlihes Erträgniß. Hirse und Buchweizen bedürften auch des Regens. Hanf und Flachs lieferten im allgemeinen cin gutes Erträgniß. Zucker- und Futterrüben be- dürften des Regens, ständen jedoch noch befriedigend. Die Kartoffeln litten durch das Auftreten der Peronospora. Futtergewächse und utter gäben gute Erträgnisse. Die Weinernte versprehe einen Mittelertrag. Obst sei sehr wenig vorhanden.

Ernteaussihten und Getreidehandel in Rußland.

Nicolajew, den 7. August 1899. Die Ernteaussichten sind, was Getreide anbelangt, in dem nächstliegenden Rayon von ca. 100 km Umkreis sehr s{chlecht. Dagegen hat fh nah dem im Juli gefallenen Regen ein guter Nahwuchs an Gras ein- gestellt, wodurch wenigstens in unserem näheren Bezirk eine ausg- reidende Futterernte als gesihert anzusehen i. In den weiter nach Norden liegenden Distciktén is man mit der Ernte bes{äftigt und scheinen Weizen und Roggen na einigen hier bereits gezeigten Proben theilweise von recht guter Qualität zu sein; hin und wieder zeigt si ziemli viel Brand.

Ein endgültiges Urtheil über den Ausfall der Qualität und Quantität läßt \ich jeßt indeß nicht fällen.

Das Exportgeschäft liegt andauernd still, ta ein Nendement mit den Konsummärkten, wegen der hier herrschenden hohen Preise, selten eintriit. Die Zufuhren bleiben bis {eßt noch \{chwach, obglei bereits neue Waare in kleinen Quantitäten angeboten wird,

Angeführt wurden seit 1. Jan. bis 25. Juli 1899 10 543 846 Pud, Ausgeführt , L e 2D y 1890/18068 893

Der augenblicklihe Lagerbestand stellt si wie folgt auf:

1 340 000 Pud, und zroar: Beftand am 1. Januar 1899 8855 047 Pud, Angeführt per 25. Juli 1839 1054386 „_

19 398 893 Pud,

1899 18 058 893

Ausgesüht „B. Bestand 1340 000 Pud.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Der Ausbruch der Maul- und Klauenfeuche war dem Kaiserlichen Gesundheitsamt gemeldet worden von der Abtheilung für Großvieh des Viehhofes zu Nürnbera arm 15. August, ÎIn- Ie Hes getroffenen Maßnahmen wird die Seuche «als erloshen erachtet.

Sierra Leone.

Durch Bekanntmahung der Regierung in Freetown vom 30, Juni d. J. ist die französische Elfenbeinküste mit Aus- nahme von Grand Bassam wieder für seuchenfrei erklärt worden. Infolge dessen werden Schiffe wit reinem Gesfundhbeitspaß von Häfen der Elfenbeinküste mit Ausnahme von Grand Bassam nit mehr der Quarantäne unterworfen. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 124 vom 29. Mai d. J.)

Oporto, 15. August. (W. T B,) Nach der offiziellen Liste sind in den leßten 9 Wochen 29 Erkrankungsfälle und 10 Todesfälle an der Pe f vorgekommen. Gestern haben die Aerzte zwei neue Er- [rankungen festgestellt, und zwar bei einem Manne, der noch an dem- selben Tage verstorben ist, und bei einem Kinde.

Lissabon, 15, August. (W. T. B.) Heute is in Oporto e Berin an der Pest erkrankt und eine Person an dieser Krankheit geftorben.

Madrid, 15, August. (W. T. B.) Der Sanitätsrath hat beschlossen, die Proventienzen aus den Häfen Portugals einer vierzigtägigen Quarantäne zu unterwerfen und an der Grenze gegen Portugal Quarantäne-Anstalten zu errichten. Bis zux Einrichtung dieser Quarantäne-Anstalten foll jeder Verkehr zwischen Spanten und Portugal eingeftellt werden.

Rio de Janeiro, 15. August. (W. T. B.) Die Regierung ordnete eine Quarantäne an für Herkünfte aus kentinentalen und insularen portugiesischen Häfen des Atlantishen Meeres und dem spanischen Sen Vigo für Schiffe, welche die genannten Häfen seit dem 1. August verlassen haben.

Handel und Gewerbe.

Konkurse im Auslande.

Galizien.

Konkurs ift eröffnet über das Vermögen des protokollierten Kaufmannes Israel Aszkenazy in Tarnopol mittels Bescheides des K. K. Kreisgerichts, Abtheilung 1V, _in Tarnopol, vom 7. August 1899 Nr. 8. 6/99. Provisorisher Konkursmafseverwalter : Advokat Dr. Promiúélki in Larnopol, Wahltagfahrt E zur Wahl des definitiven Konkursmasseverwalter8) 21. August 1899, Vormittags 9 Uhr. Die Forderungen sind bis zum 7. November 1899 bei dem genannten Gerichßte anzumelden. Liquidierungstagfahrt (Termin zur Feststellung der Ansprüche) 7. Dezember 1899, Bor- mittags 9 Uhr.

Tägliche Wagengestellung für Koblen und Kols an der Nuhr und in ODberschlesica,

An der Ruhr find am 15. d, M. geftellt 14605, nicht reht-

zeitig geftellt keine Wagen. In Oberschlesien sind am 14. d. M, geftellt 6202, niht recht-

zeitig gestellt keine Wagen; am 15. d. M. sind geftellt 5860, nicht reht- zeitig geftellt keine Wagen,

Berlin, 15. Zun Marktpreise nach Ermittelungen des

Königlichen Polizei-Präsidiums. (Höchste und niedrigste Preise.) Per 1 UPeE tr. Poli *Weizen 15,90 M; 50 ot oggen 14,80 6; 13,8 *Futtergerste 13,20 #4; 12,80 A —— Hafer, gute Sorte 15,60 4; 15,00 A Mittel-Sorte 14,90 4; 14,40 A; ‘geringe Sorte 14,30 Æ; 13,80. A Nichtstroh 4,32 S;

3,76 M; Heu 6,00 M; 3,80 A ®Erbsen, gelbe, zum Kochen

40,00 4; 25,00 A *Speisebohnen, weiße infen 70,00 4; 30,00 # Kartoffeln Rindfleish von der Keule 1 kg 1,60 6; 1,20 1 kg 120 #4; 1,00 A Schweinefleish 1 k Kalbfleish 1 kg 1,60 4; 1,00 «4 Hammelllei 1,00 A Butter 1 kg 2,40 4; 2,00 A Ei 4,00 4; 2,20 A Karpfen 1 kg 220 4; 2,00 «A Aale 1 kg 2,80 4; 1,20 M Jan er 1 kg 2,60 A; 1,20 6 Hedte 1 2,40 M; 1,20 A arsche 1 kg 1,80 A; 0,80 A Séhleie 1 kg 250 M; 1,20 A Bleie 1 kg 1,40 A; 0,80 A Krebse 680 Stüdck 12,00 4; 2,00 46

* Ermittelt pro Tonne von der Zentralstelle der preußischen Land- wirthschaftskammern Notierungsstelle und umgerechnet vom Polizei-Präsidium für den Doppelzentner.

** Kleinhandelspreise.

Spiritusmarkt in Berlin am 15, August. Spiritus loko ohne Faß mit 70 4 Abgabe wurbe, der „Berl. Börs.-Ztg.“ zufolge, von den Kursmaklern zu 43,4 4 gehandelt.

Berlin, 16. August. Die kürzlih an der Berliner Börse zum Bente und zur Notiz zugelassenen neuen 49/6 bis 1909 unkündbaren fandbriefe der Preußischen Pfandbrief-Bank in Berlin, Emission XIX, im Gesammtbetrage von 30 Millionen Mark, sind nunmehr auc an der Frankfurter Börse eingeführt und daselbst erst- malig mit 101,30 amtlich notiert.

Vom oberschlesishen Steinkohlenmarkt berihtet die „Schl. Bn: Der Kohlenmarkt bietet fortgeseßt das Bild leb- haftester INtachfrage, die nunmehr noch weiter dadurŸ vertieft worden ist, daß die Preiserhöhung der Gruben, welche im vorigen Bericht als wahrscheinli bezeihnet wurde, inzwischen thatsählih beshlofsen worden ist, sodaß die am 1. September in Kraft tretenden Notie- rungen, abgesehen von dem gewohnten Winieraufsclage für die Groh- forten, noh eine weitere allgemeine Erhöhung in dur@schnittlich demselben Umfange aufweisen werden. Infolge defsen ist natürli das Bestreben sowohl der Konsumenten „wie der Händler allgemein darauf ge- richtet, noch zu den derzeitigen niedrigeren Notierungen die Bezüge nach Möalichkeit zu verstärken. Die gegenwärtig an die Gruben gestellten Anforderungen sind daher a umfangreiche, daß erstere zum theil beim besten Willen nicht in der Lage sind, alle Wünsche zu befriedigen, sondern sich im allgemeinen darauf bes{hränken müssen, ihren Kontraktsabnehmern die vershlossenen Mengen zuzuweisen. Es involbiert dies {on eine recht wesentlihe Steigerung der Abgabe seitens der Gruben, da auch die Abnehmer in Oesterrei und Ungarn, wo der Markt {on seit Monaten niht die gleiche Lebhaftigkeit zeigt wie der inländishe, nunmehr die Vertrags- mengen fordern, während sie bisher mit ihrer Abnahme vielfach dahinter zurückoölieben. Daß alle Kohlenforten zur Zeit gleihmäßig drängend gefragt und knapp sind, braucht bei den geschilderten Ver- bältnissen niht noch besonders hervorgehoben zu werden. Auf dem Koks8markt haben fd Veränderungen nicht vollzogen. Die Nach- frage ift anhaltend so ftark, daß ihr dur die laufende Produktion nicht voll genügt werden kann, sondern f{chon jeßt aus den geringen Beständen, die für den Herbft angesammelt worden waren, verladen werden muß, Der Ammonitakmarkt zeigt jeßt, vor Beginn der Herbstkampagne, eine festere Tendenz, und die Preise haben in den leßten Tagen rit unerheblich angezogen. Auch für die näcsten Wochen erwartet man bei reger Nachfrage Frigenpe Notierungen. Vom Benzol- und Theermarkt ist Erwähnenswerthes nicht zu eien für Pech herrscht weiter eine günstige Tendenz bei anziehenden

reisen.

Nob erd i Dre 15. August. (W. T. B.) Getreidemarkt. Weizen ruhig, Roggen unverändert, to, loko pr. 2000 Pfd. Zollgew. 137,590. Gerste kleine inländishe ruhig. Hafer rubig, do. loko pr, 2000 Pfd. Zollgewiht —,—. Weiße Erbsen pr. 2000 Pfd. Zollgewit 135,00. Spiritus pr. 100 1 100% loko 43,90 Gd., pr. August 43,60 bez.

Danzig, 15. August. (W. T. B.) Getreidemarkt. Weizen loïo matter, N 90 t, do. inländischer bochbunt u. weiß 153—155 do. inländisher bellbunt 153,00, do. Transit hocbunt u. wetß 119,00, do. hellbunt 116,00, do. Termin zu freiem Verkehr pr. August —, do. Transit pr. August —, NRegulierungspreis zu freiem Verkehr —, Roggen loko matter, inländisher 135,00, do, russischer und polnischer zum Transit 100,00, do. Termin pr. August —,—, do. Termin Transit pr. August —, do. Reguliernngspreis zum freien Ver- fehr —. erste, große (660—700 g) 124,00. Gerste, kleine (625—-660 g) 113,00. Hafer, inländischer 132,00. Erbsen, inländ. 130,00, Spiritus loko kontingentiert 62,75, nit kontingentiert 42,75.

i p TLETEUN, 15. August, (W. T, B) Spiritus loko ,30 nom.

Bre?lau, 15, August. (W. T. B.) S&luß-Kurse. Schles. 34 %/0 L.-Pfdbr. Litt. A. 96,00, Breslauer Diskontobank 120,00, Breslauer Wechslerbank 110,60, Schlesisher Bankverein 147 00, Breslauer Spritfabrik _—,—, Donnerêmark 226,30, Katiowiger 223,40, Oberschles, Gif. 133,40, Caro Hegenscheidt Akt, 185, Oberschles. Koks 173,50, Oberschles. Pg 208,75, Opp. Zemen 207,29, Giesel Zem. 207,25, L-Jnd, Kramsta 161,00, Sthles. Zement 262,00, Sl. Zinkh.-A. —,—, Laurahütte 264,75, Bresl. Delfabr. 82,00, Koks-Obligat. 101,00, Niederschles. elektr. und Kleinbahn- getell/Gaft 88,90, Gelulose Feldmühle Kosel 180,60, Swhle| E und Gasgesellschaft —,—, Oberschlefische Banka!

Produktenmarkt. Spiritus pr. 100 1 100 9% exkl. 50 4 Verbrauchsabgaben pr. August 63,20 Br., do. 70 M Verbrau@sabgaben pr. August 43,20 Br.

Magdeburg, 15. August. (W. T. Di, uckderberi{t. Korn- zuder exfl, 88% Rendement —,—. Nahprodukte exkl. 75 0/0 Nendement L Still. T O L, 25,00. Brot- raffinade IT. 24,75. Gem, Raffinade mit Fa 25,00—25,25. Gem. Melis I. mit Faß 24,25. Ruhig. Rohzucker 1. Produkt Transito f. a. B. Hamburg pr. August 10,374 Gd., 10,423 Br., pr. Septbr. 10,30 bez., 10,274 Gd., pr. Oktober 9,60 Gd., 9,625 Br., pr. Oktober-Dezember 9,524 bez, 9,50 Gd., pr. Jäñuar-März 9,65 bez, N e Ee 16. August. (W, T / rantsurt a, M, 15. Auguft. (W. T. B.) Sthluß-Kurse, Lond. N 20,485, Pariser do. 81,083, Wicner D A 39/0 Reiche-A. 89,70, 3 9/0 Hessen v. 96 85,90, Italiener 92,80, 3 9/4 vort. Anleibe 24,20, 50/0 amort. Rum. 99,40, 4 0/ russische Konf, 100,50, 40/0 Russ. 1894 99,50, 49/6 Spanter 60,20, Konv, Türk. 23,00, Unif. Egyptér —,—, 6 9/0 tons. Mexikaner 100,30, 99/0 Mexikaner 100,50, Meichsbank 155,70, Darmstädter 150,60 Diélonto-Komm. 195,10, Dresdner Bank 1665,20, Mitteld. Kredit 116,20, Nationalbänk f. D. 145,20, Dest.-ung. Bank 150 00, Oeft. Kreditaët. 242,80, Adler Fahrrad —,—, All . Elektrizit. 268,90 Schuckert 239,40, Höchster mae 404,00, Bo umer Gußflahk 265,90, Wefteregeln 215,00, Laurabütte 264,00, Gotthardbahn 143,10, Mittelmeerbabn 104,40, Privatdiskont 44,

Wffeften-Sozietät. (Schluß.) Oesterr. Kredit-Aktien 243,30, Franzosen 149,60, Lomb. 33,50,-Ungar. Goldrente —,—, Go 42,90, Deutsche Bank —,—, Disk.-Komm. 195,50, Dresdner —,—, Berl. D —,—, Bochumer Gußst. 266,00, Dört- munder Union —,—, Gelsenkirhen —,—, Harpener 198,50 “Hibernia 214,70, Sarahütte 264,00, Portugtesen —,—, SFtalien. —,—-, Schweizer Zentralbabn 142,50, do. Nördostbahn 98,20, do. nton §1,70, Italien, Möridionaux —,—, 7

"86,70, 69/0 Mexikaner —.—, Staltener 92,90,

—,—, Schuckert 238,30, Spanier —,—, Türkenloose 196 60" Allge- | meine Elektrizitätsgeselischaft 265,20, Northern —,—, Nationalbank

Köln, 15, August. (S. T3 20a 0 0 40 pr. August ‘48,80 au ( ) RübB1 Toko 51,50,