1899 / 229 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Xnmeldung na< Natweisung gültiger Verhinderungsgründe zu ent- juldigen as en. Behufs Wer Vmmatrifulation Paben N die- gen Studierenden, welche die Universitätsstudien beginnen, insofern änder \ind, ein vorshriftsmäßiges Schulzeugniß und, falls sie Ausländer sind, einen Paß oder sonstige ausreichende Legitimations- papiere, 2) diejenigen, wel<he von anderen Universitäten kommen, außer den Verftelend bezei<hneten Papieren no< ein voll- ständiges Abgangszeugniß von jeder rüher besuchten Universität vor- ulegen. Diejenigen Inländer, welche keine Maturiit pel "9 be- nden, beim Besu der Universität au< nur die Absicht haben, eine allgemeine Bildung für die höheren Lebenskreise oder eine esondere Bildung für ein gewisses Berufsfach F geren ohne daß sie für den eigentlichen gelehrten Staats- oder Kir endienst bestimmen, ónnen e Grund des $ 3 der Vorschriften vom 1. Oktober 1879 immatrikuliert werden. Bonn, den 26. September 1899. i Die Immatrikulations- Kommission. K. Koester.

Angekommen:?

Seine Excellenz der Präsident des Neichs-Eisenbahnamis, Wirkliche Geheime Rath Dr. Schulz.

Nichfamlliches.

Deutsches Reih.

Preußen Berlin, 28. September.

Seine Majestät der Kaiser und König begrüßten am Dienstag Nachmittag nah der Ankunft auf der Rhede von Danzig zunächst die Besaßung dcs aus Ost - Asien heimgekehrien großen Kreuzers „Kaiser“ und besichtigten hierauf denselben. Abends hörten Seine Majestät an Bord der Yat „Hohenzollern“ den Vortrag des Admirals Köster, Jnspekteurs der Marine. Gestern orgen wohnten Seine Majestät von 71/4 bis 101), Uhr der Jnspizierung des Kreuzers „Kaise1““ dur<h den Admiral Köster bei und hörten demnächst auf der Fahrt von Danzig nah Rominten die Vorträge des Chefs des Militärkabinets, Generals der Infanterie von

ahnke und des Staatssekretärs des Reihs-Marineamts, Staaits- nisters, Kontre-Admirals Tirpiß. E

Die Ankunft Jhrer Kaiserlichen und Königlichen

Majestäten in Rominten erfolgte gestern Abend um 9 Uhr.

Der Vize-Präsident des Re<hnungshofes des Deutschen Reichs Mand ist von seiner Urlaubsreise nah Potsdam zurückgekehrt. l

it: S M. ¿Si

Laut Mittheilung des „W. T. B.“ Graf von

„Habicht“, Kommandant : Korvetten-Kapitän Oriola, gestern in Loanda eingetroffen.

Oesterreich-Ungarn.

Der Kaiser is gestern Nachmittag mit zahlreihem Ge- folge, in wel<hem d au< mehrere Minister befanden, in Berndorf eingetroffen, um der Eröffnung des von dem e Krupp aus Anlaß des Regierungs-Jubiläums Seiner Majestät gegründeten, den Namen des Kaisers ee rbeiter - Theaters beizuwohnen. Der Kaiser esihtigtee zunächst die Fabrikanlagen und Wohlfahrts- einrihtungen und wohnte sodann der Festvotrstellung im Theater bei, worauf die Arbeiter des Etablissements“ von der Bühne aus Allerhöchstdemselben eine Huldigung darbrachten. Sodann begab si<h Seine Majestät zum Wohn ause Arthur Kiupp's und trat hierauf die Rückreise na Wien an. E wurden dem Kaiser enthusiastishe Kundgebungen dar- ebracht.

f Der Fürst Ferdinand von Bulgarien empfing selern den türkischen Botschafter in Wien Mahmud Nedim ey und trat Abends die Reise na< Varna an.

Etwa 1000 Sozialdemokraten veranstalteten gestern Abend in Budapest einen Aufzug, um für die Gewährung des allgemeinen Wahlrehts Propaganda zu machen. Als die Menge einc drohende Haltung annahm, schritt die Polizei ein und verhaftete etwa 100 Personen.

Grofbritanuien und Frlaud.

Der Prinz und die Prinzessin Friedrich Leópold von Préußen trafen, wie „W. T. B.? meldet, gestern in London ein und sehten Abends die Reise nah Balmoral fort, um der Königin einen Besuch abzustatten.

Jn einer Rede, welhe der Staatssekretär des Jnnern Sir William Ridley am Dienstag Abend in Bla >- pool hielt, erklärte derselbe: falls Großbritannien zum Kriege mit Transvaal gezwungen werden sollte, so werde dies nicht wegen der Suzeränität oder des Stimmrechts der Fall sein, sondern zum Zwe>e der a der Beschwerden der Uit- lander. Die britishe Regierung Habe si<h während der Ver-

andlungen durhweg höchst versöhnlich gezeigt, aber sie habe Fe Hand an den Pflug gelegt und beabsichtige niht umzu- ren.

In der nächsten Woche po der Dampfer „Braemar Castle“ mit 1200 Mann Soldaten und 200 Offizieren nah Süd-Afrika abgehen.

Frankreich.

Die Arbeiten des Schiedsgerichts für die british- venezolanishe Frage, welches unter dem Vorsiß des russischen Geheimen Raths von Martens in dem Ministerium des Auswärtigen tagt, D wie „W. T. B.“ meldet, dem Abschluß nahe. Diese rbeiten betreffen die Aan eines Gebiets von 55 000 Quadraimeilen. Nachdem die mündlichen Verhandlungen gestern nah 55 Sißungen zu Ende ge maren, traten die Schiedsrichter zu ciner geheimen Sißung

zusammen, um decn Schietsspruh auszuarbeiten.

* Der Marine-Minister Lanessan hat den Bau von 4 neuen Unterseebooten in Nochefort-sur-Mer angeordnet.

Dem General-Gouverneur von ergenen O ein Telegramm mit der M egangen, pes die Expedition Foureau-Lamy vor 6 den zwei Gefechte mt Tuaregs gehabt habe, bei denen einige zwanzig der lehteren getödtct worden seien. Die Expedition habe darauf ihren Marsch auf Tadi (?) fortgeseßt. /

Dem „Temps“ wird aus Liverpool telegraphiert, daß der Dampfer „Olenda“, welher von der Wesiküste Afrikas eingetroffen sei, die Nachricht überbraht Habe, in Akassa sci das Gerücht von der Ankunft einer französishen Expedition in der Umgegend von Kano verbreitet. Der „Temps“ glaubt, diese Expedition sei diejenige Voulet’s. Die „HLiberté” meldet, Der Minister der Kolonien sei noh immer ohne Nachrichten über die Offiziere, welhe den Hauptmann Voulet begleiteten, aber man glaube, daß sic sich von ihm getrennt hätten und sich Via der Expedition Foureau-Lamy anschließen würden.

Schweiz,

Der Nationalrath hat, dem „W. T. B.“ zufolge, mit 98 gegen 15 Stimmen beschlossen, auf die von seiner Finanz: kommission zur Finanzierung des Krankcn- und Unsfallver- sicherungsgeseßes gemachten Sparvorschläge einzugehen. Damit ist das von der „äußersten Linken vorgeschlagene Tabakmonopol abgelehnt.

Amerika.

Jn Paris eingetroffenen Meldungen aus Carácas zu- folge wäre dort der Versu< gemaht worden, das Gebäude des Ministeriums des Auswärtigen in die Luft zu sprengen.

Der „Times“ wird aus Montevideo tclegraphtiert, daß die Deputirtenkammer den technischen Theil des Plans für den neuen Hafen in Montevideo genehmigt hat. Die Depesche meldet ferner, daß der Finanz-Minister, der Handels- Minister, der Minister des Jnnern und der Minister des Aeußern wegen persönliher Diffcrenzen mit dem Präsidenten Cuestas zurü>getreten seien. Jhre Nachfolger seien noch nicht ernannt.

° Afrika.

Die „Times“ veröffentliht folgende Depesche aus Pre- toria vom gestrigen Tage: Die Antwort Transvaals auf die leßten Depeschen der britis<hen Regierung stehe no< zur Be- rathung. Eine starke Partei dränge die Regierung, die Ent- scheidung ohne Verzug herbeizuführen. Jm Falle des Aus- bru<s der Feindseligkeiten werde den britischen Unterthanen cine bestimmte Frist geseßt werden, innerhalb deren sie das Land zu verlassen hätten. Diejenigen, welhe im Lande zu bleiben wünschten, hätten eincn entsprehenden Antrag ein- zureichen, der sahli<h werde geprüft werden.

Aus Johannesburg wird der „Times“ vom 26. d. M. gemeldet: Einflußreiche Beamte der Transvaal-Regierung be- zeichneten gesprähsweise den Beginn des feindseliaen Zu- standes innerhalb einer Woche als wahrscheinlih. Während der Nacht zum Dienstag scien 4000 Gewchre und eine aroße Menge Munition im Hause des Johannesburger Feldkornets abgeliefert worden, welche, wie es heiße, in der Nacht zu gestern an die Burghers hinausgegeben werden sollten. :

Aus Bloemfontein von gestern berichtet das „Reuter- che Bureau“, der Raad des Oranje-Freistaats habe be- \chlossen, die Regierung zu beauftragen, alle Mittel 1n An- wendung zu bringen, um ohne Verleßung der Ehre und der

Unabhängigkeit des Oranje-Freistaats und Transvaals den

Frieden zu sichern. Ferner wünsche der Naad der Anschauung Ausdrud zu geben, daß der Krieg ein Verbrechen sein würde. Es möge kommen, was da wolle, der Freistaat werde die Ver- pflihtungen getreulih erfüllen, welhe ihm aus dem Bündnisse mit Transvaal erwachsen würden. y

Der „Daily Telegraph“ meldet aus Kapstadt vom

gestrigen Tage, daß sich Beweise für das Bestehen einer großen

olländishen Verschwörung gegen die britische Vor- T eriatt in Süd-Afrika anhäusten. Man glaube, daß der Oranje-Freistaat an derselben betheiligt sei. Auch hege man keinen Zweifel, daß die Negierung des Freistaats den Krieg erstrebe. Vicle Buren in den nördlichen Bezirken der Kapkolonie dürften si< dem etwaigen künftigen Feinde anschließen.

Polynesien.

Nach einem Telegramm des „Reuter'shen Bureaus“ aus Apia vom 20. d. M. herrschte daselbst völlige Ruhe, doch hegten die Europäer die Befürchtung, daß neue Unruhen be- vorständen.

Statistik und Volkswirthschaft.

Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik. I1.*)

Fn der vorgefirigen Nachmittagbsißung der Generalverfammlung des Vereins für Sozialpolitik zu Breslau, in welcher der Geheime Justiz- rath, Professor Dr. Gierke (Berlin) den Vorsit führte, theilte zunächst Profesor D%. Schmoller das Ergebniß der am Vormittag vorgenommenen

rsatzwahl für die seit der letzten Gencialversammlung auëgesctievenen zwei und die in der gegenwärtigen cuss<eidenden se<3 Mitglieder des ständigen Vereinsaus\{<u}es mit. (ewählt wurden, wîte die „Schlef. Qtg.* berichtet, der Vize-Präsident des Staats-Ministeriums, inanz: Mizister Dr. von Miquel, der Ministerial-Direktor im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten Dr. Thiel, der Geheime Kommerzienrath Freiberr Heyl zu Herrnsheim, der Fabrikbesiger Seyffardt, die Professoren Dr. Shmoller, Dr. von Philippovich, Dr. Sombart und Geheimer Regterung8rath Dr. Wagner. Sodann nabm zu dem Thema „Die Entwic(kelungs-

‘tendenzen im modernen Detailhandel“ als. Generalreferent

Preienor Dr. Sombart das Wort. Er définierte zunä den etailbandel als „diejenige wirlhschaftlihe Thätigkeit, mittels deren ein Unterbalt oder cin Gewinn erzielt wird dur<h den Absay von Waaren an den lezten Konsumenten“. Speztielle Kennzeichen seien gewöhnli der ofene Laden und der Umfay in kleinen Quanti- täten. Die drei wi<tigsten Entwi>elurgstendenzen scien : 1) die Tendenz zur quantitativen Ausgestaltung und MWeiterent- widelung, 2) die Tendenz zur Neuorganisation, 3) die Tendenz zur Aus\schaltung des Detaithandels. Der Detailtanvel habe, wie der Redner dann näher Zarlegte, die Tendenz, ju wachsen, und zroar in einem ras@eren Tempo als vie Bevölkerung. In Breslau hätten 1846 3,1 9% der Einwohner eine Handelsthätigkeit etrieben, 1895 {on 69%, und im übrigen Deutschland zeige- die tatistik das gleihe Bild.- Darauf zu shelten und die Kane als „unprodultiv“ zu bezeichnen, fei faish, denn von lchterem Begriff habe

*) S, die gestr. Nr, des „Res U, St.-A.*

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eder eine andere Auffassun , und man habe no<h keinen wissenschaft-

lichen e aA ‘um die wirklih zulässige, ökonomish beste Ziffer der e tzuftellen, weil hier zahlreiche Amponderabilien in Betracht men: außer der Zunahme der D euas auch der wachsende Wohlstand, die E der Waoren und der Qualitäten, die Bequemlichkeit der Konsumenten was alles von Enus auf die Zabl der Händler sci. Um n>n wissenschaftlih vorzugehen, müsse man die leßten ÜUrfahen der im Detailhandel hervortretenden Crs>einungen aus der R unserer Wirthschaftebrdnung heraus erklären, und so laute au hier die Frage: „Où est le capital?*“ Das Kapital habe an die Stelle der hauswirth- \<haftlihen Produktion die verkehrswirtbshaftlihe gefeßt, die vielfach nicht ohne Vermittelung des Händlers auskommen könne, und das Kapital schaffe die Vorbevingungen für die Ausdehnung des Detailhandels, weil es uns reiher mahe und die Menge der Waaren ins Ungemessene gesteigert habe. Es {affe diese Vorbedingungen ferner, indem es durch die N der Produfktionsarten die Handwerker deklassiere, sie nöthige, neben ihrer gewerblihen aud eine Handelsthätigkeit aus- zuüben, und es s{<afffe neue Träger des Detailhandels* au< insofern, als der Arbeiterstand dur die Entwickelung gehoben und das Niveau des Existenzminimums überschritten werde, wodur kicine Vermögen entständen, die mit Vorliebe in kleineren Handelegeshäften angelegt würden. Endlich schaffe es die Vorbedingungen, insofern es in der Sphäre des Zwischenhandels Organisationsformen ins Leben rufe, welche die Existenz tleinerer Detaillisten in immer größerer Zahl er- wöglihten. Aber bas Kapital befördere au< den Detailhandel selb} zunä&st indirekt. Dem Bestreben des Kapitals, fich überhaupt eine Ver- werthung zu verschaffen, entspringe es, daß die Bedingungen für die Ueber- lassung der Waarétn immex mehr zu Gunsten des Detailhändlers gestaltet würden; die Waaren würden dem Händler {hon geradezu in den Laden ge- tragen. Etne interessante Erscheinung jet neuerdings das Streben des Baukapitals, die Verwerthung seiner Objekte dur Anziehung der Händler zu bewirken; die Baupolizei, welhe die Souterrains verbiete, bewirke, daß die Bauunternehmer nunmehr die Erdgeschosse fo gut als mögli zu verwerthen suchten und felbst in den Vor- städten die Häuser glei) mit Verkaufsläten bauten. Endlich dringe dann tas Kapital in die Sphäre des Detail- handels selbst ein, indem es die modernen grofen Waaren- äuser u. dgl. etabliere. Die Tendenz der Neuorganisation des Detailbandels zeige si< na<h dret Richtungen hin. Erstens finde cine Neugestaltung in der Gruppierung der Waaren statt, die in einem Laden feilgehalten werden, ferner eine Neugeftaltung des Betriebes im engeren Sinne und \<ließli® eine Neu- gestaltung der Geschäftéprinzipien. Die Gewerbefreihe:t, die man vielfa Vierfür verantwortli< machen wolle, sei ni<ht die Ursache, sondern die nothroendige Folge diefer Entwickelung gewesen. Während in der alten Zeit die „Gemischtwaarenhandlung“ dem Kunden alle möglichen Artikel dargeboten und no<) in den vierziger Zahren z. B. in Breslau nur vier Kategorien von Detailgeshäften Manufaktur- waarengeshäfté, Metallwaarengeshäfte, Glas-, Porzellan- und Steinguthandlungen, Kurzwaarenhandlungen bestanden hätten, sei seitdem die Differenzierung, die Theilung in Brancen- geschäfte immer weiter fortgeschritten. Durch die Tapitaliftische Gniwi>elung, welhe die produktiven Kräfte und die Waaren- mengen vermebrt habe, sei zum ersten Mal der Absaß der Waaren ein Problem geworden. Die Verschlehterung der Absaßzbedingungen babe zur Folge gehabt, daß die Preise sanken, wofür man sich dur< gesteigerten Unisatz zu ents@ädigen gesucht habe. Es sci der Kampf um die Kundschaft entstanden, die man dur Reklame und möglichste Toulanz anzulo>en und festzuhalten sh bemühte. Ferner habe man die Betriebe mögli zwc>mäßig einzurichten gesuht, um einen mögli gürstigen Effekt in Bezug auf Qualität, Pre'egestaltung, Kuéstaltung u. \. w. zu erziclen. Die Gruppierung der Waaren im Laden babe, nachdem die kapitaliftis@e Entwickelung eine Masse von Konsumenten über und unter dem alten Mittelstand gescaffen hatte, eine Aenderung dahin erfahren, daß si Luxusgeschäste und Geschäfte für Masscnartikel von einander S És sei eine Spezialisfierung in ver Anordnung der Waaren eingefteten, gleichzeitig aber auch neue Kombinationen von Waarengattungen. An die Stelle des alten Branchen- ge\<äftes fei das Bedarfsartikel. Geschäft getreten, welches die Waaren iur cinen einhcitlihen Gebrauhtzwe> in si< zusammenfafse. Das Ergebniß aller dieser Entwi>keiungätendenzen im Verein aber fei das moderne Waarenhaus, bei dem jedo zwei ganz verschiedene Typen zu untersheiden seien: die Waarenhäuser für Massengüter cder Bazare und die Waarenbäuser für Qualitätswaaren oder Grofimagazine. Die außerordentli lehrreihe dritte Tendenz gebe dabin, den Handel aus- zuscalten, und zwar suche immer ein Händler ten anderen und \hließli< das Publikum den Händler auszuschalten. Der Importeur suche den Grossisten auszuschalten, der Grossist wolle felbst importieren oder selbs detaillieren, eder der Detaillist wende si direkt an den FTmrorteur dur< Bildung von Einkaufsgenossenshaften u. dergl. Schließlich bekundeten au<h die Konsumenten eine solde Aus- scaltung8tendenz dur< Organifation der Konsumvereine. Zum Schluß gab der Redner der Ansicht Auédru>, daß 1xoß des mit diesen Entwickelungstendenzen verbundenen Interessen- fampfes das Ende des kleinen Händlers noch lange nicht cekommen sei, wie {hon cin Gang dur< Breslau zeige, wo an allen E>en und Enden si< kleine, moderne Geschäfte entwi>elten. Zweifellos sei der alte handwerkemäßige Kleinhandel tem Unter gange geweiht, aber dauernd weiterentwi>eln würden sih die in fapitalistishem Geiste, chne den es feine wirthschaftliche Zukunst gebe, betriebenen fkleinkapitalistis<cn Unternehmungen, dei denen ein entspreWendes Sachvermögen vorhanden se! und die Arbeitskraft des Inhabers dem Geschäft voll zu gute komme. Das letzte Ziel in der Gestaltung des Wirthschaftélebens könne nur tas sein: die wirths<aftlichen Kräfte so zu gestalten, daß bei einem testimmten Aufwande ein möglichst hohes Maß wirthschaftiicher Güter gewonnen werde. Das gelte au< für den Detailhandel, der sich seine Existenzbere<tigung immer dur eine den gegebenen historishen Ver- bältnifsen möglichst angepaßte Organisation werde sihern müssen. Auf die Frage, wie diefes Ziel am beften zu erreichen sei, könne der Nedner nur mit der trivialen Weisheit antworten, daß man wohl am besten thue, die Dinge sih weiter entwi>eln zu lassen, wie sie sih_ bisher entwi>elt hätten, d. h. dem Kleinhandel au<h weiter völlige Freiheit in der Bewegung zu lassen: Freiheit in der Wahl der Artikel, der Gestaltung der Gesäftsprinzipten u. st. w.

Die Hagelversiherung in Preußen 1898.

Im Anshlusse an frühere Mittheilungen über den Hagelschaden im Jahre 1898 berichtet die „Stat. Korr.“ über die Pagelverigerntg Allgemeine Erhebungen darüber, in weldem Umfange die Landwirthe Preußens ih gegen Hagels<haden dur) Ver derung zu de>en suchen, liegen zur Zeit ni<t vor. Bei der jährli<hen Aufnahme der Ernte- erträge und Feststellung der Hagelsh äden wird nur die Versicherung der dur< Hagel beshädigten Flächen ermittelt. Von diesen Flächen waren im Mittel der Jahre 1883—88 39 v. H., 1889—94 o1, in den folgenden drei Jahren 52 bezw. 55 und 54, , im Berichts- jahre 58 v. H. versichert. Hieraus if auf eine Zunahme der Ber“ \iherung der verhagelten Fläche und, da anzunehmen ist, daß ungefähr der qleihe Theil von der überhaupt dur Hagel bedrohten Fläche versihert war wie von der beschädigten, der Dage vermer über- haupt zu \<hließen. Auch die Höhe der Versicherung dürfte zu" genommen haben; denn die Versicherungssumme auf das Hektar der beshädigten und zugleih versicherten Fläche betrug im" Mittel der Jahre 1883—88 310 #4, 1889—94 322, in den folgenden drei Fahren 335, 327 und 332, im Berichtsjahre 366 #4 Bon den 1898 verhagelten 398331 ha waren 231280 ha zu einer Summe von 84536 319 Æ& versichert. Am umfangreihsten war dît Versicherung in Posen mit 66 v. H. der geshädigten Fläche ; es folgen Schlesien mit 64, Westpreußen und Brandenburg mit je 62, Pommern, Hannover, Sachsen, Rheinland, Shleswig-Holstein und Ostpreußen mit 61 bezw. 59, 58, 57, 56 und 50 Hundertthei!en. Am wentg en wurde in Hohenzollern mit nur 21, ferner in Wesifalen und Hessen-

Nassau mit 35 und 36 Hunderttheilen versichert. Die Höhe der Vet-

F sicherung \{<wankt zwischen 285 «für das Hektar in S <lcswig-Holftein

und 630 ä in Sa(sen. y / Eine Unterscheidung na< Landgemeinden und Gutsbezirken ut erkennen, daß die Großgrundbesißer sich ) gegen die elementaren Greignisse in höherem Grade zu hien suchen als die bäuerlihen Wirthe. Es war nämli< von der beshädigten Flä<he der Landgemelnben“ in den eben öftlihen Provinzen im Durchschnitte der Jahre 1883-—92 9,1 v. H., 1893 37,1, 1894 49,1, 1295 43,5, 1896 39,6, 1897 41,1 und 1898 42,66 v H. versichert, während das Verhältniß für die Gutsbezirke 78,5 bezw. 77,9, 83,5, 85,4, 80,8, 83,6 und 85,7 v. H. betrug.

Die Unterschiede in den einzelnen Regierungsbezirken jener Pro- vinzen zwischen der Gesammtheit der Landgemeinden (L.) und der der Eutsbezirke (G.) sind nachstehender Uebersi&@t zu entnehmen. Von der dur Hagel Lees Fläche waren versichert

bis 1893 1894 1895 1896

1892 Hunderitheile

20,2 52 52,9. 40,9 73,0 762. 760 77,8 19,8 442 36,11 41,4 71,6 827 Ao 0D 30,5 45/9 2L1 36,9 72,9 900 66,1 69,5 ¡ 29,5 53,0 43,0 29,4 81,6 36 8/2 872 741 43,2 533 63,1 57,1 85,5 73,4 96,4 94,1 26,5 3-400 401 €153 76,7 824 924 921 30,5 35/1 41/5 830,8 83,5 j 839 882 95,1 21,2 348 35,6 29,6 76,7 0-899 824 78.1 54,7 67,7 98,7 42,8 90,8 ) 93,9 90,2 83,5 23,9 48,0 46,3 32,7 78,2 864 90,5 67,83 32,4 56,2 50,2 45,5 81,3 822 899 82,0 369. 225 ‘67,2- 49. 46,4 81,9 3 839 870 S 33,8 604 5622 61,8 77,4 81,6 - 93,0 89,1 82,6 29,9 35, al 472 L 33,7 75,1 3 8 85D U S9 76,4 30,6 62,5 ‘595,4 67,2: 56,2 76,8 74,3 88,4 100, 73,8 005. T 58,2 49,2 7E D3,T 71,0 90,8 87,9 76,1. 95,9 15,4 26,2 21,5 25,9 18,9 75,0 84,9 93,3 89/6 100,0

im 1897 Negierungsbezirk

36,6 82,9 37,8 99,9 42,0 77,7 39,9 80,2 56,0 91,6 45,9 80,9 41,5 97,2 36,4 88,0 71,0 91,9 37,9 74,7 44,5 79,9 34,6 87,0 45,0

32,1 80,3 38,1 82,5 40,8 84,7 43,0 85,8 59,2 86,7 38,8 81,2 93,6 81,4 34,1 91,1 85,7 97,8 37,8 93,8 436 89,3 62,3 90,1 43,8 92,9 39,0

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Blihßschäden in Preußen.

(Stat. Korr.) Bleibt die preußishe Brandstatistik hinter den Erecionissen um Jahre zurück, so sucht fie dur immer neue Forschungen den Mangel der Zeitgerechtigkeit auszugleihen. Vor kurzem find die Blißschläçce, welhe während der Jahre 1891 bis 1834 mindestens 1 M Sgaden verursachten, hinfichtlich ihrer Wirkung 2c. näher unter- su<zt worden. Es ergaben \sih, ohne daß Bollständigkeit der Mel- dungen namentlih von kalten Schlägen behauptet werden darf,

von | beschädigte | vesMäd.| innerbalb der Bliy- 10 000| Besigurgen | Ge, Schaden Gemeindegruppen \<läge Arns bekaule Que bäude M. Berlin 37 18 34 3 34 übrige größere Städte 201 63 194 8 197 kleinere Städte ... 496 8387 486 26 539 Landgemeinden . . . . 3632 961 (3722 110 | 4709 13 577 992 Gutsbezirke 20. E022 471 51 617 | 6 034808 zusammen 4888 451 |4907 198 | 6096 [20 579 493

Am auffälligsten ift die Thatsache, daß nur 4 Waldungen durch Bliy beschädigt worden sind. Angesichts der vielen in Auen nieder- gebenden Gewitter geht hieraus hervor, daß sie dort geringen Schaden anrichten, vermuthlih weil der aufsteigende Saft das Abbrennen der Bâäume hindert.

6 009 144 819 815 865

Zur Arbeiterbewegung,

Mit dem Ausftand der Pußer in Berlin (vergl. Nr. 228 d. Bl.) befaßte sih, der „D. Warte" zufolge, der hiesige Arbeitgeber- bund für das Baue, Maurer- und Zimmerergewerbe am Mittwoch in einer Versammlung. Dieselbe faßte den Besu, auf dem Standpunkte zu beharren, daß die Forderungen der Puyer nicht zu bewilligen und diefe im Ausftande zu belassen seien. Ueber die vereinzelten Fälle, in denen wegen befonderer Verhältnisse zur Fertigstellung begonnener Bauten die von den Arbeitern gestellten Bedingungen- acceptiert worden sind, spra die Versammlung ihr Bedauern aus; sie bestimmte, daß nur da

ußarbeiten aufgenommen werden dürfen, wo nah Prüfung der Ver- ältnisse der Vorstand Dispens ertheilt hat. Gegen Mitglieder, die obne Diépens pußten lassen, soll nah dem Statut vorgegangen werden. Zur Durchführung der Beschlüsse wird ein Garantiefonds errichtet. Nach dêr „Volks - Ztg.“ sollen bereits 670 Pußer zu den neuen Be- dingungen die sich im wesentlihen auf einen garantierten Tagelohn von 8 M und 84 stündige Arbeitszeit beziehen arbeiten.

In Krefeld haben, wie die „Rhein.-Westf. Ztg." mittheilt, ast Een die Forderungen der Färber (vergl. Nr. 227 d. Bl.) ewilligt.

Aus Le Creuzot meldet „W. T. B.“, daß der Besißer der dortigen Werke sämmtlihe Forderungen der Ausständigen abgelehnt habe. Die Ausftändigen seien ents<lossen, auszuharren. (Vergl. Nr. 223 d. Bl.)

Kunst und Wissenschaft.

Am 21. September is im Oberlichtsaal des Königlichen Kupferstih-Kabinets eine Ausstellung von Kupferstichen und Holzshnitten Albre<t Dürer's in <hronologis<er An- ordnung eröffnet worden.

44 Dfe heute in den Räumen der Königlichen Akademie eröffnete Französis<he Kunst-Ausftellung, welche von einem Comits, an defsen Spiße Graf Georges de Dramard steht, arrangiert ift, umfaßt ctwa 200 Nummern. Sie ift von über hundert Künstlern beshi>t worden und gtebt dadur ein umfassenderes Bild von der Tünftlerishen Produktion Frankreihs als ähnliche Veranstaltungen früherer Jahre. Namen von gutem Klang, wie Jean Bórand, René Billotte, I. E. Blanche, Léon Bonnat, Carolus-Duran, Dagnan-Bouveret, Fantin-Latour, Gérôme, Henner, La Touthe, Raffaslli, Rochegrosse, Roybet und Ziem, zählt der Katalog auf. Zwar ist es niht gerade die aktuelle Gegen- wart der französisen Malerei, die uns hier vorgeführt wird, aber es gewährt ‘au Vergnügen, die dur< Generationen bewahrte tehnishe Tradition des Nachbarlandes tin arakteristishen Proben kennen zu ernen. Wie das Vorwort des Katalogs heryorhebt, (an es den Ausstellern besonders, die Höhe des Gesammtniveaus zu zeigen, „die eigentlih s{<le<te Bilder nicht gen und selbst den Leistungen geringerer Talente den Zug ins Kürnstlerische le R

r heben für heute nur einige Werke heraus, die besondere Auf- merksamkeit verdienen. Als solche sind die lebendigen Porträts von

.Lóon Bonnat 6

an Millet und Segantini anklingende

1898 -

nennen, sowie der Mandolinenspieler von

Emile-Auguste Carolus-Duran, bas klassizistishe Jtyll des

greisen Jean-Lóon Górôme, die reih modellierten N n

estalten von Jean Jacques Henner, die historischen

ostümbilder des Koloristen Ferdinand NRoybet und seiner Schülerin Mlle. Juana Romani, sowie die in südlichem Farben- \<immer leuhtenden Landschaften von L Ziem. Von Künstlern, die ter modernen Nihtung nähec \tehen, seien Jean Bórand mit einem wenig bedeutenden, aber in seiner Lebensfris<e anziehenden Bildchen vertreten —, Ren6 Billotte mit einem zarten Landschafis- motiy aus Argenteuil, B ompard's venetiants<hes Kanalbild, Camille Du four's vortrefflihes Seineufer bei Lavacourt, Gaston La Tou q es ke>es impressionistises Experiment „les sonneurs“, Henri Martins ; ernste Stimmungsbilder, Raffaslli?s geistreih gestrielte Pariser Veduten und Roche» gros\se’s grazióses Familtenporträt genannt. Plastik und Kunst- gewerbe sind, wennglei< nur in geringem Umfange, ebenfalls in den Rahmen der Ausftellung einbezogen worden, die die dieswinterliche Kunstsaison eigenartig eröffnet.

Die Gefell schaft für Heimathkunde „Brandenburgia“ hat gestern im Ständehause (Matthäikirhstraße) ihre Wintertbätigkeit wieder aufgenommen. Die erste Sitzung galt zunächst dem Köllnischen Rathhause, dessen Abbruch bevorsteht. Kustos Buchholz gab eine inter- essante Schilderung der Geschichte des Hauses. Wo das älteste Köllnische Nathhavs gestanden habe, lasse si< leider ni<ht mehr feststellen, sicher se aber, daß {hon im 15, Jahr- hundert der Siy der Köllnishen Stadtverwaltung an der Stelle des jeßigen Nathhauses sih befunden habe. Aus dem Jahre 1515 exi\tiere eine ganz bestimmte Angabe, der zufolge hier der Nathsstubl und eine Nüslkammer . gewesen seien. Im Jahxe 1612 sei der mittelalterliße Bau fo verfallen gewesen, daß er habe abgerissen und dur< einen Neubau ersézt werden müssen, der aber {hon im Jahre 1668 wieder v-rbesserunasbedürftig geworden und in diesem Jahre zuglei< ciner bauliGen Umänderung am Thurm unter- ¡zogen worden set. Das Bild dieses so abgeänderten Hauses fei in einer Zeichnung erhalten, die si im \tädtisGen Archiv befinde. Im Jahre 1708, na< Vereinigung der fünf Städte zu einem einzigen Gemein- wesen, si von dem König Friedrich 1. bestimmt worden, daß der Siy des gemeinsamen Rathes im Köllnischen Rathhaufe sein folle. Das Haus sei aber damals {on wieder baufällig gewesen, und €s fet daber im Jahre 1710 na< Grüneberg's Plan ein Neubau begonnen worden, dessen Grundstein der Graf Wartensleben im Auftrage des Königs gelegt habe. Die Vollendung des Baues habe si bis zum Jahre 1721 hingezogen, und no<h ehe das Haus fertiggeftellt, fet der Qwe> des Baues {hon wieder abgeändert worden, indem der Rath der Stadt von dem König Friedri Wilhelm I. das Berlinische Rathhaus als Siß angewiesen erhalten habe. Ins neue Haus feien eine Militärwache, die Königliche Servisdeputation und einige kleinere Verwaltungen verlegt worden. Im Jahre 1730 sei dann no< das Kölnische Gymnasium Vaciniomde dessen Gebäude ein- geäschert worden sel. Dasselbe sei hier bis zum Jahre 1868 verblieben. Bis 1821 habe s< au die Rathëwaage im Rathhause an der Scarrenstraßenseite befunden, erft im Jahre 1821 sei die Verlegung na< dem Petrikirhplaß erfolgt; an der alten Stelle aber si ein Anbau für die Zwc>e des Gymnasiums entstanden. Im Jahre 1822 sei das Haus der Siß der Stadtverordneten-Versammlung geworden, die bis 1870 hier getagt habe, worauf das Köllnise Rathhaus der flädtishen Beleuchtungs- deputation überwiesen worden sei. Zuletzt babe es bekanntli dem Gewerbegeriht und dem Märkischen Provinzial-Museum gedient. In derselben Sißung spra<h fodann Dr. Albre<t über märkis{e Denkmäler und Erinnerungen aus der Schwedenzeit, deren Drangsale si< nachhaltiger als alle übrigen geshihtligen Epohen im Volls- bewußtsein erhalten haben.

íIn der Aula der Universität Straßburg wurde am Dienstag in Verbindung mit dem ersten allgemeinen deutswen Archivtag, zu dem zahlreiche Theilnehmer aus Deu:s{land und Oesterreich-Ungarn eine getroffen sind, die G encralversammlung des Gesammtvereins der deutschen Ges<hi<ts- und Alterthums vereine eröffnet. Die Versammlung wurde von dem Ministerialrath Hamm namens der Landesregierung, von dem Bürgermeister Bo>k im Namen Straßburas und von dem Rektor , Professor Dr. Ziegler namens der Universität begrüßt. Alsdann nahm Professor Dr. VarrentrapÞp das Wort zu seinem Vortrage über „Straßburgs Einwirkung auf Goethe's historische Anschauung“. S<&on in „Dichtung und Wahrheit" ift hervorgehoben, wie mächtige Eindrü>ke Goethe gerade nach dieser Rihtung in Straßkturg empfing; um genauer würdigen ¿zu können, wie sie auf feine Geschichtsauffassung und dur< ihn auf die unserer Nation wirkten, glaubte der Redner dieses Thema einmal besonders behandeln und dabei auf weniger beahtete Punkte hinweisen zu follen. So besprach er, der „Straßb. Post“ zufolge, u. a. die auf Straßburg bezügliwen Mittheilungen des Buches, aus dem Goethe zuerst Geschichte lernte, der Chronik des Straßburgers Abekin, und die Thätigkeit der beiden Schüler S<öpflin’s, Koh und Oberlîin, die Goethe’s historishe Studien besonde1s förderten. Sie daten daran, wie Goethe selbst erzählt, ibn „für Geschichte, Staatsreht und Rede- funft zu erwerben“ ; er aber konnte fih zum Eingeben auf ihre Vor- {läge niht entschließen, und zwar gerade nah den Eindrü>ken, die ibm scin Straßburger Leben gebra<ht hatte. Denn eben dort war er sich seiner Dichternatur und Deutschbeit und seines Gegensatzes zu den damals in Frankrei herrshenden Anschauungen bewußt geworden, Ginen mächtigen Einfluß übte auf ihn Herder. aus, der ihn in eine neue Geshichtsauffassung einführte. Noch mehr als Herder hat dann aber Goethe für ihre gemeinsamen Anschauungen gewirkt, so namentlich dur seinen „Göß von Berlichingen“, der zuglei das Gefühl für Deutsch- heit und den Sinn für historishes Denken nährte. Kein Zufall war es, daß mit der im „Göß“ behandelten Periode Goethe gerade in Straßburg sich bes<äftigte. Ueber man<e wi>tige Frage urtheilte er freilih später anders als dort; do erklärt fih au dies mit aus scinem Streben na univexsaler Bildung, das eben damals erft sich entfaltete. Der Vortragende bespra< die hierfür R lehrreihen, in der Straßburger Universitäts-Bibliothe® auf- bewahrten Ephemeriden Goethe's, seine Schrift über Erwin's deutsche Baukunst und die spätere Schilderung seiner Straß- burger Reise in seiner Selbstbiograpbie. Bei ibrer Charakte- ristif hob er besonders Gocthe's Würdigung Friedrichs des Großen hervor. Zum Schluß wies ex auf den Einfluß hin, den Goethe auf die bedeutendften deutschen Historiker unseres Jahrhunderts übte, und auf die Verehrung, die sie sämmtlich ihm zollten; so zeigte auch diese Betrabtung die bedeutsame Einwirkung von Socthe's Auf- enthalt in Straßburg auf seine cigene und die Entwi>elung des deutschen Geisteslebens.

Auf die erste Hauplverlawa nl des Gesammtvereins folgten Sektionssißungen. n der geshihtli<hen Sektion l-gte zunächst der Shlettstadter Stadtbibliothekar, Priester Göny in einem Vortrag die Entwickelung Schlettstadts zur Stadt und Reichsstavt, sowie ihre Verfassungs- und Re<tsgeshichte an der Hand der Stadtrechte, derSchwör- briefe und der Eidbücher dar. Den Ausführungen Göny's {loß si ein längerer Vortrag von Professor Witte (Hagenau) über den Burg- grafen Friedrich 111. von Nürnberg und den altzollern- \hen Besiy in Oefterreih an. Wie der Vorsitende in der Anerkennung, die er den umfassenden gelehrten Forf{<ungen des Redners zolte, hervorhob, hat es einen besonderen Retz, zwei hervorragende Vorfahren der beiden Geschlechter, die so be- deutungsvoll für Deutshlands Geschi>e geworden sind, in ihren gegenseitigen Beziehungen zu beobahten. Der Vortragende \prah von der Hingabe, die man an Friedri< II1. für udolf von Habsburg Und seine Interessen bewundere, und führte aus, daß man als Grund für dieselbe s{lteßli< nahe Verwandtschaft Friedrich 111. und Rudolf von Habsburg seien Geschwisterkinder gewesen festgestellt zu haben glaubte. Professor Witte wies nah, daß diese Verwandt-

saft nit bestanden habe, sondern ein materiellexer Grund für riedrih's politische Thätigkeit in häbsburgisch-österreichis<jen An

., h

erns{en Besißungen in Ober- und Niederöfterreih und in Friaul,

die dur< Ottokar von Böhmen bedroht gewesen scten. Die Resultate

der ausgedehnten genealogishen Forshungen, zu denen der Redner

dur das Entgegenkommen des Kaiserlichen Statthalters in Stand geseßt worden ist, werden seiner Zett v-röffentliht werden.

Jn der archäologischen Sektion eröffnete Professor Wolf - Frank- furt a. M. die Reihe der Vorträge mit der Erörterung eines für alle west- deutshen Alterthumsvereine prinzipiell wichtigen Punktes: ihrer offiziellen Betheiligung an den von der Regierung in Angriff genommenen Aufgaben. Der Redner betonte, daß bei dex Gründung der Reichs-Limeskommission im Jahre 1891 die west- deutschen Vereine in bedauerliher und ihrer bisherigen Wirksamkeit niht entsprehender Weise übergangen worden seien. Infolge dessen habe {ih mehr und mehr einezbedenklihe Resignation bemerkbar gemacht. Dieser entgegenzutreten und eine erneute Betheiligung der Vereine an den wissenshaftlihen Arbeiten durhzusegen, hielt der Redner den jeßigen Zeitpunkt für besonders geeignet, da man an leitender Stelle beabsichtige, ein Zentralinstitut für rômish-germanishes Alterthum zu gründen, welches als Sektion des Kaiserlichen Arhäologisczen Instituts in Berlin gedacht sei und ih aus einem Dirigenten und einer Kom- mission zusammenseßzen folle. Profeffor Wolf beantragte daher, daß bci der Bildung der Kommission Mitglieder der Vereine zugeiogen werden sollen, daß ferner die Regierung für die Förderung der Lokal- Museen, an denen die Vereine besonderes Interesse haben, eintreten möge. Diese Forderungen fanden bei den anwesenden Mitgliedern des Ärchäologishen Instituts, General-Sekretär, h inan Conze und Profefsor Michaelis, bereitwillige Zustimmung. Ersterer erklärte, daß für ihn die Lokalvereine die festgewurzelten Organisationen für die Fortentwi>elung der römishen Forshung seten, und daß er sih eine ersprießliche rbeit des neuen Neitsinstituts nur im Zu- sammenhang mit denselben denken könne. Auh in der Museenfrage war er mit dem Vortragenden einverstanden, wünschte allerdings Zentralisierung des auf den Funden beruhenden wifsenschast- lihen Apparats an einer Stelle, als wel<he zunä<st Mainz in Aus- E genommen sci, da dort shon ein Grundstü> vorhanden set, Da- elbst solle au< jüngeren Kräften Gelegenheit zur Ausbildung gegeben werden. Nachdem von den beiden Vertretern des Archäologischen Instituts den mancherlei Bedenken, die s< aus der E gegen eine derartige Anstalt erboben, entgegengetreten war, fanden die beiden Anträge des Professors Wolf einstimmige Annahme, der zweite mit dem Zusatz, bei Errichtung des Zentralinstituts die Selb- ständigkeit der Lokalvereine gewahrt werden solle.

i ain 7 at mafgebend gewesen sei, nämlih das Interesse an den alt- o

Fm großen Saale des Künstlervereins zu Bremen wurde am Dienstag die 45. Versammlung deutscher Philologen und Shulmänner mit einer allgemeinen Sißung eröffnet, in wel<er der Schulrath, Profefsor Sander die Versammlung als Vor- sitzender begrüßte und der Bürgermeister Shuly als Präsident des Senats die Grüße der Stadt Bremen überbrachte. Nah diesen Begrüßungen ertönten die Klänge griechischer Mui? aus der flassishen Zeit: drei altgrichishe Tonstü>ke, denen der Nosto>ker A. Thierfelder dur< seine Bearbeitung zu neuem Leben ver- holfen hat. Auf Vorshläg des Schulraths Sander wurde fodann von der Versammlung folgendes Huldigungs-Telegramm an Seine Majestät den Kaiser abgesandt: i

„Deutschlands Philologen und Schulmänner, zur 45, Versamm- lung ihres Wandervercins, der lehten dieses Jahrhunderts, zablreih in der Freien Hansestadt Bremen versammelt, bitten, Gurer Ee lihen Majestät ihre ehrfur<tsvolle Huldigung darbringen zu dürfen. Die Versammlung beginnt soeben ihre Arbeit mit dem feierli< er- veuten Gelübde, die Liebe zu Kaiser und Reich treu festzuhalten und in den Herzen der Jugend zu pflegen. Das Präsidium: Schulrath Sander, Professor Wagener.“

Den Vortrag der erstea Sißung hielt der Privatdozert Dr. Kraeger (Zürich), ein geborener Bremer, über „Bremen im Spiegel der Literatur“. Jn der gestrigen, zweiten Plenarsitzung sprach Pro- fessor Dr. Kehrba< (Berlin) über „Die Gesellschaft für deutshe Er- ziehungs- und Schulgeschichte, ihre Veröffentlihungen und der deutsche Reichstag“. In f{wungvoller, klarer und überfihtli<er Weise schilderte der Redner zunächst in kurzen Zügen die Entstehung und Entwi>elung der Gesellshaft und beleuhtete dann ihre Arbeiten, ihre Publikationen u. \. w., um {ließli< der dankentwerthen Unterstüßung, welche der deute Reichstag der Gesellschaft zu theil werden laffe, mit anerkennenden Worten zu gedenken. Nach diefem Vortrage gelangie folgeide Resolution zu einstimmiger Annahme : „Die von Professor Dr. Kehrba<h im Auftrage der Gesell schaft für deutshe Erziehungs- und Schulgeshichte plarmäßig und in großem Stile betriebenen historischen orshungen auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrihts und die daran si< anschließenden bibliographishen Arbeiten haben ni<t nur für die Entwi>elung der pädagogischen Maio und des gesammten Schulwesens eine weittragende L S, fondern sind aud wegen ihrer engen und mannigfachen Beziehungen zu anderen Wissens- und Kunslzweigen in hohem Maße geeignet, deren bistorishe Erkenntniß zu erweitern und zu vertiefen. Nachdem die Reichsregierung und der Reichstag die Mittel zur gedeihlihen Weiter- entwi>lung dargeboten haben, erachtet es die 45. Derlaminlua deutscher Philologen und Schulmänner für ihre Pflicht, dem hohen Bundesrath und dem hohen Reichstage Dank zu fagen für die Förderung deutscher Wissenschaft". Weitere Vorträge hielten Professor Dr. Wendt (Hamburg) über „Neue Bahnen im de Migat é Unterricht“ und Direktor F. Wernicke (Braunschweig) über „Weltwirthschaft und Nattionalerziehung". Kurz vor Schluß der Sißung ließ Seine Majestät der Kaiser der Versammlung ouf deren Huldigungs- telegramm, der „Weser-Ztg.“ zufolge , vaSDebnude telegraphische Antwort zugehen:

„Seine Majestät der Kaiser und König lassen für den freund- lien Gruß der 45. Versammlunrg deutscher BNON und Schul- männer bestens danken. Auf Allerhöchsten Befehl: von Lucanus,

Geheimer Kabinettrath.“

Land- und Forftwirthschaft.

aris, 27. September. (W. T. B.) Die Regierung {äßt die diesjährige Produktion Frankreihs in Weizen auf 129 005 500 hl. Im Vorjahre betrug dieselbe nah endgültiger Feststellung 128 096 149 hl. Die Produktion in Roggen wird auf 24 054 000 hl geshäßt gegenüber 23 524 318 im Vorjahre.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Der Ausbru< der Maul- und Klauenseuche unter Schweinen ift dem Kaiserlichen Gesundheitsamt gemeldet worden vom Sÿhlachtviehhofe zu Berlin am 27. d. M., der Ausbruch der Seuchc ferner yom S@lachtviehhofe zu München und das Er- E derselben vom S(hlachtviehhose zu Dresden an demselben

age.

Oporto, 27. September. (W. T. B.) Während der lehten Tage ist die Pest mit größerer Heftigkeit aufgetreten. Am 23. Sep- tember wurden 3 Pesterkrankungen mit 2 Todesfällen gemeldet; am 94, erkrankten 4 und ftarben 2, am 2. fam eine Erkrankung vor und am 26. d. M. 4 Erkrankungen. Auch find außerhalb des Militärkordons und zwar in Vendanova 10 Pesterkrankungen und 5 Todesfälle vorgekommen. Man hat deshalb beschlossen, Dei Morg zu T September. (V. X. B “Au Key W

ew Or r . em er. . . . n e e f: kamen gefiern 46 neue Erkrankungen an gelbem Fieber Ton: 2 Die Zahl der Erkrankungen in Mississippi-City ift nit bekannt.