1831 / 136 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Nufßland und Bessarabien übertragen worden sind, ift vorgestern hier eingetroffen, Bom 1. (13.) Fanuar d. F, bis zum 11ten (23,) d, M. betrug die Einfuhr in den hiesigen Hafen 1,950,236 und die Auéfuhr 3,164,188 Rubel; unter der lebteren belief sich der Werth des verschisften Weizens auf 1,604,320 Rubel.

P o'1.% n.

Warschau, 12, Mai. Jn dec Sizung der Landboten- Kammer vom 9ten d. M, rourden zuerst einige Anträge von geringerer Bedeutung eingereiht; einer darunter nahm jedoch die zufnerksamfeit der Kammer mehr in Auspruch ; der Deputirte K r y- fin sfi nämlich trug darauf an, die Anfertigung cines Geses-Entwur- fes zu beschleunigen, wodurch eine diplomatische Kommission orga- nisirt würde, da in deni bisherigen organischen Statut über die Nepräsentation für eine solche nicht gesorgt seh. Hierauf fam der Vorschlag zur Distkussiou, wonach die Zusammenseßung der Kamnier crneuert werden soll, und zwar ließ fich sogleich der Landbote Swirsfki gegen dieses Vorhaben vernehmen und suchte zu beweisen, daß für eine solche Erueuerung weder die dringende Nothwendigkeit, noch die Gesezmäßigkeit sprächen, und daß auch jeßt gar nicht die geeignete Zeit dazu wäre. Was zuerst die Nothwendigkeit anbelange, meiute der Redner, \o sey die An- ficht ganz grundlos, daß die öffentliche Meinung sich deshalb ge- gen die gegenwärtigen Nepräsentauten erkläre, weii fle unter Ein- fluß Sr. Kaiserl. Hoheit des Cesarewitsch gewählt worden, und er glaube, daß nur zwei Klassen von Menschen sich der bestehen- den Kammer abgeneigt zeigten, nämlich diejenigen, welche ver- lorene Titel, Aemter, Orden und Gratificationen nicht verschmer- zen konnten, und die Klasse der na< Anarchie gierigen Leute; während dagegen die ganze Nation die Verdienste dieser Kammer zu schäpen wisse, die sich die leßtere von: Augen- blick ihres ersten Zusammentretens an, na< dem 29, November, erworben habe, indem fie die Nevolution für national anerkannt, das Manifest an Europa erlassen, die Erledigung des Thrones defretirt u. #. w. Hinsichtlih der Behauptung aber, daß eine Auflösung der Kammer dur< das Geseg begründet sey, stütte sih der Redner auf die Constitution und erflärte, so lange diese ni<ht verändert werde, habe er die innere Ueberzeugung, daß er die Würde eines Repräsentanten, ohne Rücksicht auf die vorge- fallenen Ereignisse, für die Zeitdauer, auf die sle ihm verliehen worden, geseßlich bekleide, und das Mandat eines jeden Reprä- sentauten dauere 6 Jahre hindur<, von dem Augenblick an, wo er erwählt worden, ununterbrochen fort. Endlich stellte derselbe der Bersammlung vor, daß jetzt fast die Hälfte des Landes von den Russen beseßt sey, daß daher eine phhsishe Unmöglichkeit stattfinde, im ganzen Lande die Wahl - Versammlungen auszu- schreiben, und daß der größte Theil der Wähler und der Perfonen, welche vielleicht zu Repräsentanten erwählt werden möchten, in den Reihen der Krieger fämpfe; aus allen diesen Gründen fönnte 1nan also wohl nicht behaupten, daß der gegenwärtige Augenblick besonders geeignet dazu wäre, die Landboten-Kammer zu erneuecn. Diese Meinung unterstüßten auch die Herren Fr. Soltyfk, Wo- lowsfi, Krhsinsfi, Bonaventura Niemojowsfki und Graf Gustav Malachowski; der Deputirte Wolowsfki aber fügte noch hinzu, daß, seiner Meinung nach, der Erneue- rung der Kammer die Feststellung eines neuen Wahlgeseßes oder die Umáänderung des bestehenden vorhergehen müsse. Dagegen sprachen die Landboten Modlinsfki, Kaczkowski, Johann Jeziersfi und Andere für die Erneuerung der Kammer, und der Deputicte Chomentowsfki meinte, wenn auch die Kam-

mer selbst ihr Vecfahren in der leßten Zeit lobe, so gewähre dies noch nit die geringste Ueberzeugimng davon, daß die ganze Na- tion mit demselben zufrieden seh, welches man nur dann anneh- men fönnte, wenn sie der Kammer irgendwie vermittelst Bür-

ger - Deputationen oder Adressen ihre Gesinnungen zu er- “kennen gegeben hätte. Auch führten mehrere Mitglieder an, daß das Mandat, welches die Nepräsentanten zur Erledi- gung von Gegenständen besäßen, die dur<h die Constitution angedeutet wären, feine Gültigkeit mehr habe, oder, wenn es au<h beim Beginn der Revolution noch gegolten, doch jebt er- loschen sey; und endli behaupteten sie, daß selbst in den von den Russen deseßten Distrikten an Orten, welche dieselben noch nicht eingenommen hätten und die von der National- Regierung zu diesem Zweck bezeichnet werden sollten, neue Wahlen vorgenom- men werden fönnten. Auf alle diese Einwürfe erwiderte unter Auderen der Minister des öffentlichen Unterrichts, wel- cher an diesem Tage allein auf der Regierungsbank \aß, daß die Llebereinstimmung der ganzen Nation zu einem und demselben Zweck der beste Beweis dafür sey, wie sehr diese Nation das Verfahren der Reichstags - Kammeru gutheiße. Nach langen Erörtertmgen schritt die Kaminer endlih zur Abstimmung über die Frage, ob die. Kommissionen soglei<h und vor allem Ande- ren einen Gesez- Entwurf hinsichtlih Erneuerung der Kantmer anfertigew und vorlegen. sollten; das Resultat ergab jedo, ‘daß die Antwort darauf mit einer Majorität von 46 gegen 22 Stim- men verneinend ausfiel,

Die Staats-Zeitung enthält unter amtlichec Rubrik no< nachträglih einen Bericht des Generals Thomas Lubienski, Befehlshabers des 2ten Kavallerie-Corps, über zwei kleinere Ge- fechte, von denen das erste vor dem Treffen bei FJganie am 40. April bei Boimie, das andere aber am 14ten desselben Mo- nats bei Sucha stattgefunden hat, folgenden Inhalts: „Am 10ten z11ahm das 2te Corps eine Position bei Boimie ein, wo es die Sümpfe des Kostrzyn voor si hatte, dur< welche uur ein schmaler Damm und drei, damals aber abgeórannte, Brücken sühreu. Auf dem entgegengeseßten Ufer stand vie Russische Ar-

tillerie in einer’ Position, die von einer Abtheilung Infanterie |

und Kavallerie, den Ueberresten des bei Wawr, Dembe Wielkie und Kaluszha zersprengten Rosenschen Corps, unterstüßt wurde. Der Generalissimus langte in Boimie an, und das ganze Corps hacrte unter Gewehr der Kononade auf dem rechten Flügel un- jerec Armee, wodurch das Sigual zum Angriff auf die Front des Feindes gegeben werden follte, Sobald die erwarteten Schüsse vernommen wurden, warfen si<h sogleih das Grenadier-“ und das Zte Linien- Regiment unter Anführung des Oberst Wronicki mit Heftigkeit auf den Feind, gingen, ohue die Wiederherstellung der Brücen abzuwarten, dur die Fuhrten des Kostrzhn und bemeisterten sich, die in dem Dickicht befindlichen Tirailleurs ver- treibend, in einem Augenbli> des gegenüberliegenden Ufers. Schon verließ der: Feind die feste Stellung, welche er eigenom- men hatte, und zog si< eilig auf der Landstraße zucúck, indem er durch die fühne Bewegung des Generals Prondzyunsfki von Latowicz nach Siedlce abgeschnitten zu werden besorgte. Nach em lebergang über den Fluß bildeten si< Kolonnen zum Aù- griff, welche den Feind so haxtnäckig zu verfolgen beganuen, daß er sich nirgends mehr festseßen konnte und nur dur< Anfstellung von Tirailleurs in den Dickihten und Wäldern die Unversehrt- heit seiner Kolonnen zu erhalten su<hte. Erst nachdem er über die Brúcte des Muchawiec hiuliber und hinter Jganie angelangt war, konnte er Halt niachen und eine feste Position bei Siedlce

9386 einnehmen, dier - Negiment, von einer Kanonenkugel getroffen, seien Tod. Wie heftig und schnell der Angri des Grenadiec- und des ihm folgenden Zten Regiments wär, beweist die Gefangennehmung eines ganzen Russischen Infanterie - Regiments, welches, da es sich auf den Schall unserer Geschüge aus seiner Vosition in Louczka nach Siedlce zurückzog, unter unsere Kolonnen gerieth und mit dem Oberst und allen Offizieren die Waffen stre>te. Fn der folgenden Nacht de>ten das Grenadier - und 3te Linien-Regiment den Rückzug unseres Corps in seine alte Stellung mit Ausdauer und Ordnung. Am 14, April bewachte ein Bataillon des Grenadier-Regimentes mit 2 Schwadronen vom 6ten Uhlanen - Regimente, unter ge- meinsamer Aufühcung des Obersten Wolowicz, den wichtigen Posten in Sucha, welches den Schlüssel zu der Position bei Boimie bildete, Dieser Posten wurde des Morgens von "2 feind- ¡ichen Kavallerie:-Regimentern, 6 Kolonnen Jnfanterie und 3 Ge- schnißen angegrisfen. Die Kavallerie, weiche durch eine Fuhrt unterhalb Sucha den Fluß passirt hatte, wollte das Bataillon abschneiden, während zu gleicher Zeit die Artillerie mit Kartät- schen die Unsrigen bestrich und die Fnfanterie unter dichtem Ka- rabinier- Feuer das Dorf zu ercberu suchte. Fegt formirte sich das Grenadier-:Bataillen hinter dem Dorfe in 4 Kolonnen und hielt dur sein unerschro>enes Standhalten die Hartnäckigkeit der Kavallerie auf, die Tirailleurs avec, zwischen den Häusern umher zerstreut, bestrichen den Feind mit gutgerihteten Schüssen. Auf deu ersien Donner der Kanonen eilte das áte Grenadier- Bataillon, weiches das Dorf Suchocina beseßt hatte, dem ersten Bataillon zu Hülfe, und indem es seine Bemühungen unter- stübte, trug es dazu bei, den Feind zurtizudrängen, der sich, da er seine Austrengungen erfolglos sah, wieder über den Kostrzhn zurüc>zog. ‘‘

In diesen Tagen is der Krakauer Senator Soltykowicz, Verfasser vieler gelehrten Werke, mit Tode abgegangen.

Die hiesige Staats-Zeitung erklärt die von auswärti- gen Blättern gegebene Nachricht, daß die Polnische National: Regierung den Anführer der Samogitischen Fnsurgenten, Puszet, mit Stecibriefen verfolge, für völlig ungegründet,

Franfkreiw.

Paris, 9. Mai, Wie man vernimmt, wird der König sich am 16. nach seinem Schlosse Eu (Normandie) begeben und von dort die Reise nach Havre und Nonen antreten. Man glaubt, daß die ganze Abwesenheit Sr. Maj. 12 Tage dauern werde,

Gestern Nachmittag waren die Minister zu einer Konferenz bei dem Präsidenten des Conseils versamnielt.

An die Stelle des zu anderweitigen Functionen berufenen Herrn Paulze- d’Ivoh ist der ehemalige Präfekt, Herr Bouvier- Dumolard, zum Präfekten des Nhone- Departenieats ernaunt worden. Herr Bouvier- Dumolard stand im Fahre 1814 an der Spitze des Departements des Tarn; mau hált ihn allgemein für einen geschi>ten Verwalter.

Nach dem Inhalte einer vom 7ten d. M. datirten und von dem Kriegs-Minister fontraslgnirten Königlichen Verordnung sol len die Unteroffiziere, Korporale und Gemeinen, die entweder den mit den Details der Verwaltung in den Werkstätten der Regimenter beauftragten Offizieren zugetheilt sind oder zu Ver- rihtungen gebraucht werden, die sie von dem gewöhnlichen Dienste abhalten, nicht mehr in dem Effeftiv-Bestande der Com- pagnieen mitzählen, sondern unter der Beùennung einer Com- pagnie hors-rang einen integrirenden Theil des fleinen Stabes eines jeden Regiments ausmachen, Der Verordnung ist ein Tableau angehängt, woraus sih die Zusammenstellung dieser Compagnieen, sowohl nah dem Friedens- als nah dem Kriegs- fuße, näher ergiebt.

Die Gazette de France bemerkt in Bezug auf den gestri: gen Artikel des Moniteurs tiber das Juli- Kreuz: „Dieser Arti- fel entscheidet die Frage, um die es sich handelt, nicht ; lettere kann nur durch ein gerichtlihes Verfahren eine geseßliche Lösung er- halten. Und wie wollte man eine Strafe Männern, die eine National-Belohnung verdient haben, aus dem Grunde auflegen, weil znan ihnen diese Belohnung in einer Form und unter Be- dingungen zuerkennen will, die sie verwerfen. Die Belohnung wird dur<h ein Geseg, das keine Bedingung daran knüpft , vor- geschrieben; der Eid dagegen wird dur<h eine Verordnung einge- führt. Soll nun die Verordnung verhindern, daß das Gesez vollzogen werde? Seitdem das Princip der Volksherrschaft in die Berfassung eingestührt worden ift, verlangen die Juli z Män- ner auch die Folgen dieses Princips. Die Regierung beruft sich auf die Stimme des Landes, die PYartei der Republikaner auf die Logik.‘ Der Courrier français sagt über denselben Ge- genstand: „Die leßten Zeilen des Aufsaßes im Moriteux scheinen auf eine gerichtliÞhe Verfolgung derer hinzudeuten, die das Band des Zuli-Kreuzes schon jeßt anlegen würden. Ein solches Verfahren wäre aber jo abges<mac>t, daß wir umzöglich daran giauben fönnen. Man stelle sih nur 1000 odec 1200 De- forirte vor, die in Masse vor dem Zuchtpolizei- Gerichte erschie- nen. Im Uebrigen wäre eine gerichtliche Verfolgung, nachdem die Namen der Dekorirten im Moniteur erschienen sind, etwas Geseßwidriges. Yedenfalls giebt es jeut noch viele Bürger, die das Band nicht angelegt haben; man leite ein geri{tli<es Ver- fahren ein, und Alle werden es tragen.“ Der Constitu- tionnel äußert: „Was der Moniteur auch fagen mag, ein Eid kann nur mittelst eines Gesezes aufgelegt werden, Die Verord- nung vom 30. April ist daher geseßwidrig und nicht obligatorisch. Ulle gutgeslnnte Bürger müssen einen Zwist beklagen, der in seinen Folgen so wichtig werden kann. Den Patrioten des Zuli war. es nit im entferntesten in den Sinn gekommen, den Kb: nig, den sie auf den Throu gehoben, irgend zu betrüben; mit

Freuden würden sie die neue Decoration als ein neues Pfand |

des gegenseitigen Bündnisses aus seinen Händen empfangen, mit Freuden wtirden sle dem Könige einen freien -Eid geleistet haben. Da stót eine elende Politik ein Fest, das si< mit o großem Glanze anfündigte. Die Schuld trifft einzig und allein das Ministerium,“ Ungefähr in derselben Weise spricht sich auch das Journal du Commerce aus. Der National sagt ohne Weiteres: „Zwischen dem im Fuli umgestürzten legi- timen, und dem am 7ten August gewählten Königthum gab es ein Jnterregnum der Volks: Diftatur. Wie uun Ludwig Phi- lipp, König der Franzosen, seine Krone diesem Jnterregnum ver- danft, also wollen auch die Juli-Mánnuer die Decoration, das Zei- chen ihrer Ergebenheit, demselben verdanken. Dies ist unsere peremptorische Antwort auf das Manifest des Moniteurs.‘‘ Das Journal des Débats und der Temps geben den Ar- tifel des Mouiteurs, ohne irgend eiue Bemerkung hinzuzufügen.

Mittlerweile enthält der Moniteur die Protestation von 63 mit dem Juli: Frenze deforirten Fndividtieu gegen die am 6ten in der Versammlung der „Grande-Chaumière““ gefaßten Beschlüsse. Sämmtliche Unterzeichner gehören dem 8ten Stadt- Bezirke an, und die Protestation wurde no<h am 6ten selbst, glei<h nah auf:

Dort fand der Capitain Stokowski, vom Grenas

sle als gute Patrioten mit den gedachten Beschlüssen, tvonag der Eid verweigert, die Juschrift: „Gegeben vom Könige“( ju rückgewiesen und nur das von der Konmiission für die National: Belohnungen vorgeschlagene Kreuz angenommen und sofort an: gelegt werden solle, nicht einverstauden sehn könnten. Wag den

Pflichien durchdrungen, bei der Empfangnahme des Kreuzes dey: selben mit voller Ueberzeugung leisten. Eben so nähmen sie den Zusaß: „„Segeben vom Könige‘ danfbar an, weil nach ihr Ansichten die Belohnung dadurch nur noch einen höheren Werth

erhalte. Umsonst mühe man sich, zu beweisen, daß dur I Worte das Wesen der Decoratiou verändert und aus einer Na: tional:Belobnung eine Königl. Gunstbezeugung gemacht werden würde. Sie (die Unterzeichner) könnten dieses Bedenkey

nicht theilen, glauvten vielmehr, daß die Eidesleistung und die Annahme der Juschrift nur dazu dienen würden, die öffentli, Nuhe durch eine noch engere Anschließung an den Monarhey zu bewähren und zu befestigen. „Durch diese Ecklärung““, #0 schließt die Protestation, „wollen wir dec Regierung eine neue Bürgschaft unserer politishen Meinungen geben. Nicht ohne tiefen Schmerz sehen wir, daß einige unserer Mitbürger, die sih durch glänzeuden Muth und ehrenvolle Dienstleistungen

gen ; so lauter ihre Absichten aber auch seyn mögen, wir fönng ihre Meinungen nicht theilen. Wenn wir indeß bei dieser Gel genheit uns zu unserem Leidwesen von ihnen trenuen müssen, s sind wir deshalb nicht minder gewiß, mit ihnen an dem Tag wieder zusammenzutreffen, wo es darauf anfáme, für das Vatet: land zu fechten und zu sterben.“ Auch im Fournal de Débats liest man neuerdings drei Protestationen einzelner Ju dividuen gegen die Eiugangs erwähnten Beschlüsse.

És ist unlängst gemeldet worden, daß der bisher unter dey Namen der „Gesellschaft des Allgemeinen Bulletins zur Fotts pflanzung der wissenschaftlichen und industriellen Kenntnisse“ j, F fannte anonyme Verein damit umgehe, seinen Titel gegen de kürzeren einer „Allgemeinen Gesellschaft zur Fortpflanzung de F Wissenschaften und des Gewerbfleißes“/ zu vertausben und dazu die Genehmigung der Regierung einzuholen. Da indessen einigt öffentliche Blätter schon jevt die Gesellschaft bei diesem leßteren Namen nennen, so findet der Moniteur si< dadurch veran laßt, in einem dem Anscheine nach .amilichen Artikel darauf hin zuweisen, daß der Verein bei seiner Bildung nichts weiter beab; sichtigt habe, als ein Journal zu stiften, und daß das Unterneh inen au< bloß als eine Zeitungs: Entreprise bei dem Handels: Tribunale eingetragen stehe; der Verein könne sonach Zwe> und Namen nur frafi einer Königl, Verordnung ändern ; Federman wisse im Uebrigen, daß anonyme Gesellschaften gesebli<h da Zweck ihres Unternehmens im Titel führen müßten; dieser Zwet sch im vorliegenden Falle die Herausgabe eines- Bulletins; da her dieses Wort auch aus dem Titel nicht gestrichen wecden dürfe,

Auf der hiesigen Práfektur ist man fortwährend mit Anfer tigung der neuen Wahl-Lisien beschäftigt. Morgen werden di Listen ges{hlossen und ain Mitwoch zum erstenmale öffeutlich aus gehängt werden. Bei der Erniedrigung des Wahl-Census durh k das neue Geseß hatte man für Paris eine Vermehrung vou 10— 12,000 Wählern. erwartet ; dieselbe wird sich aber höchstens auf 5— 6000 belaufen. Die Gleichgültigkeit der Bürger, ihr Wahlrecht geltend zu machen, scheint die Hauptursache dieses un- erwarteten Nesultates zu seyn. Man spricht von raehr«&z Veränderungen in den Práfefturen, welche kurz vor den neuen Wahlen stattfinden würden.

Der verantwortliche Geschäftsführer des Blattes „la R volution“, Thouret, war wegen Aufnahme dreier Artikel: „Dw willkürliche Ministerium“, „Adresse des patriotischen Vereins de Freunde der Gleichheit an die- Italiänischen, Patrioten‘“ und ¡„¿Correspondenz‘“/ betitelt, auf gestern vex den Assisenhof geladen, Herr Thouret bekannte sich selbst als Verfasser. des einen diesa Artikel; die Verfasser der beiden andern, der Studirende dt Jurisprudenz Vidal und ein gewisser Giacobbi, waren ebenfalls vorgeladen. Lach vernommener Anklage und Vertheidigung et flärten die Geschwornen den Geschäftsführer wegen Aufnahme des von dem Studenten Vidal verfaßten Artikels des Vergehens der Aufreizung zu Haß und Verachtung gegen die Regierung für \huldig, sprachen dagegen die beiden andern Angeklagten frei Den Einwand des Auwalts des Verurtheilten, daß in dtr Entscheidung der Jury ein Widerspru liege, insofern sie de Verfasser eines Artikels freispreche, den Redacteur des Blattes, das ihn aufgenomnien, aber verurtheile, beantwortete der Ce rihtshof durch folgenden Ausspruch: „Ju Betracht, daß dle Geschwornen in Betreff des 2c. Vidal nicht geantwortet haben, daß der angeschuldigte Artikel fein Vergehen konstituire, sondern uur, daß der 2c. Vidal uicht strafbar sey; in Erwägung, daß das Gese untersagt, na< den Gründen des Ausfpruches der Auth zut forschen, daß diese Grüude ihr angehören und aus der mor lischen Beurtheilung der Thatsachen geschöpft sind; daß also in dem Ausspruche der Geschwornen kein Widerspruch liegt, und nachdem Thouret eines Vergehens für schuldig erklärt wordeu, er auch der durch das Geseß verhängten Strafe unterliegt; in Betracht alles dessen verurtheilt der Gerichtshof den Antony Thouret zu dreimouatlihem Gefängniß und einer Geldbuße von 5000 Fr.“

Der bekannte Herr Cottu, ehemaliger Nath anm hiesigen Königl. Gerichtshofe, schreibt von Lausanne aus an die Redac: tion des National, daß er in diesem ircthümlic als ein Mit: arbeiter des Vereins für die Bekanutmahung von Broschüren bezeichnet worden sey.

Die Vagd - Gerechtigkeit in den Staatsforsten wird, dem Veruehmen nach, nächstens ösfentlih dem Meistbietenden zuer kannt werden. j

Der diesseitige General - Konsul in Barcelona, Marquis von la Roche -St. - André, is von diesem Posten abberufen worden.

Die Nachricht von dem Tode des Abbé Gregoire , ehemali gen Bischoss von Blois und Mitgliedes der konstituirenden Versammlung, ist ungegründet, jedoch ist an einer Genesung zl zweifeln, und man erwartet täglich seinen Tod. Es haben bereits Unterhandlungen zwischen dem Ministerium und dem hiesigen Erzbischofe stattgefunden, um für jenen Geistlichen ein BVegräb- niß mit allen firhlichen Ceremonien zu erhalten ; Hr v. Quelel weigert sich aber standhaft, diese leßteren zu bewilligen.

In Toulouse wurde am Zten d. M. von der dortigen Aka demie der Blumenspiele das Blumeufest gefeiert und, der Sitte gemäß, mit einer Lobrede auf die Wiederherstellerin der Akademie, Clémence Jsaure, eröffnet. Den Beschluß des Festes machtt die Vertheilung der beiden Preise.

Walter Scott arbeitet gegenwärtig an einem neuen R0: mane, der den Titel: „Robert, Graf von Paris‘ führen wird,

Aus Genf wird gemeldet, daß der Zug mit der Leiche des hochseligen Königs von Sardinien si< am verwichenen Dienstage

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gehobener Sizung, von ihnen abgefaßt. Sie ecklaren darin, daß

vou Turin nach Haute-Combe, am See Bourget, dem ehemalis

verlangten Eid betreffe, so würden sie, von ihren Rechten un

2 «: n : empfeh: F len, audere Wünsche und Grundsäge als die unsrigen verfü

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m Vorzimmer saß, und daß er, nachdem er gesprochen hatte, ermaßen ershöpft war, daß man ihn nach einem Ruhebett tras

¡ Begrábniforte der Grafen vou Savoyen, in Bewegung ges { hat und in funfzehn Tagen an leßterem Orte ankommen d, Die Kosten dieses Transports und des Begräbnisses den auf 600,000 Fre. abgeschäst. Der neue König Karl Al-

wird an die Stelle der bisherigen Gardes du Corps eine jnigl, Garde errichten. ;

Aus Toulon vom 3. Mai meldet man: „Die Linien- ffe „Tridént‘‘, „Algesiras‘/, „Algier‘/ und „Marengo“‘ liegen ht mehr auf der großen Rhede vor Anker, sondern sind nur andere festliegende Shhisffe angebunden, so daß sie beim ersten igznal nur die Taue zu lösen brauchen und sogleih unter Se-

ehen können. Man versichert hier, die Flotte des Englischen mirals Pulteney Malcolm sey auf dem Wege von Smyrna erher, und das Französische Geschwader erwarte nur seine An- i, um si< mit ihm zusammen vor die Mündung des Tajo

(egen, Die Effekten und die Küche des Contre - Admirgls ugon sind bereits einges{sifft, woraus man auf eine baldige fahrt schließen will, Der Bey von Titeri ist no< hier und (hnte vorgestern der großen Revue über die hiesigen Truppen j; er sah mit seinem Sohne vom Balkon der Marine-Práfeks 1 zu und schien die {ne Haltung der Truppen zu bewundern.

Jn Havre eingegangenen Nachrichten aus Port-au-Prince gaiti) vom 14. März zufolge, staud der Präsident Boyer im fegrisf, sl< nah les Cayes und verschiedeuen anderen Punkten g südlichen Theiles dec Jnsel zu begeben. Alle in Haiti woh- nde Ausländer stimmen in ihrem Urtheile über Boyer dahin herein, daß ex gute Absichten habe und die Europäer nach Kráäf- n beshüße; seine Umgebungen sind aber {le<t. Die Nedac- mre der in Port-au-Prince erscheinenden Blätter bemühen sich iglich, die Ausländer zu überzeugen, daß es besser für sie sey, 16 Land zu verlassen, und wenden alle Mittel an, um das Volk igen sie aufzureizen.

Großbritanien und Frlan d.

London, 8. Mai. Es wird an die Hand gegeben, im enen Parlamente, oder in der nächstfolgender Session, darauf nzutragen, daß die Britischen Kolonicen berechtigt werden sollen, titglieder zu dem fünftigen reformirten Parlamente zu senden, nd man macht bereits einen vorläufigen Anschlag zu 32 dersel- en, als: für Bengalen (50 Millionen Einwohner) 4, die Präs dentschaft Bombay 2, die Präsidentschaft Madras (10 Millio- en) 2, Ober- Kanada 2, Unter- Kanada 2; Neu-Südwales 1, andiemensland 1, Süd-Afrifa 2, Mauritius 2, Ceylon 2, Ja- ifa 2, Barbados 1, Trinidad 1, Neufoundland’ 1, Neu- zraunschweig 1, Malta 2, die Jonischen Jnseln 2, Jersey und huernsey 1, Man 1.

Ein Englisches Provinzial-Vlatt (der Lancaster-Herald) jebt folgende Notiz über Lord John Rufßell, den ministeriellen (nwalt der Reform-Bill. „Der Lord ist der zweite Sohn des erzogs von Bedford; er is klein von Figur und hat ein {wäch- ¡hes und fränkliches Ansehen; sein Gesicht ist mager, aber kfüns igt einen Mann von Taleat an; seine Augen strahlen von Ener- je und Feuer. Nusseil nimmt selten das Wort, und es heißt, er nach jeder Rede einige Tage lang leidend ist. Man ers (hlt, daß er, ehe ec seine Rede über Parlaments-Reform hielt, ährend zwei Stunden wie eingeshlummert auf einem Sopha

m mußte, und daß er dort liegen blieb, ohne an der folgenden Nebatte Theil nehmen zu können, Er spricht so laut, wie es ne {wache Stimme erlaubt, aber da er sie zuweilen über ih: n gewöhnlichen Umfang erhebt, so geht das Ende seiner Säbve as immer für den größten Theil seiner Zuhörer verloren. Sein Körper ist beständig in Bewegung, und er gestikulirt unaufhörlich, ¿ber ohne Grazie; man sieht, wie sehr er wünscht, seine Ueber- eugung und seinen Eifer denen mitzutheilen, welche ihm zuhören. \m Ganzen hat Lord Russell von der Natur wenig von den Figenschaften erhalten, welche den Redner ausmachen ; man be- lerft die großen Anstrengungen, die er gemacht hat, um dies ur< Studium zu ersezen. Ei spricht mit Feuer, mit Eifer, mnd macht dadurch Eindru>. Bei dem gegenwärtigen Zustand des Hauses nimmt Lord Russell eine bedeutende Stelle in dem- «lben ein. Da er überdies ans einer alten aristofratischen Fa- milie stammt, so macht es einen doppelt starken Eindru>, wenn r die Rechte des Volfes vertheidigt. Hierzu kommt, daß er ein tann von sehr ausgebildetem Verstande is, und obgleich er seine Reden selten mit Citaten aus dem flassischen Alterthume aus\{<müc>t, so sieht man do sehr wohl, daß er vortreffliche

Studien gemacht hat. ‘“ ‘Yis : Hiesige Blätter melden: „Das Gerücht von einem Leider haben

Aufstande auf Antigua bestätigt sih vollkommen. wir au<h anzuzeigen, daß auf Monserrat und auf den benachbar- ten Inseln ebenfalls Vewegungen stattgefunden haben. Auf An- tigna sind eilf Besibungen von den Negern verbrannt und zerz- siórt, und man hielt dafür, daß die Stadt in großer Gefahr schwebe.

Niederlande.

Aus dem Haag, 11. Mai. Se. Kénigl. Hoheit der Yrinz Friedrich ift gestern zur Armee zurückgekehrt, /

Von den Ufern der Schelde wird berichtet, daß am vorigen Sonnabend zwei zur Korvette „„Nehalennia‘“ und zur Brigg „Echo“ gehörende Schaluppen, die vor Lillo stationirt waren ind sich nach der Citadelle von Antwerpen begeben wollten, ders maßen von fleinenr Gewehrfener beschossen worden sehen, daß sie es für gerathen eratct hätten, umzukehren. Eine dritte zum „„Ko- meet‘“’ gehörige Schaluppe, die den Auftrag hatte, dem General Chassé von dieser neuen Verlegung des Waffenstillstandes Bes iht zu erstatten, wurde ebenfalls beschossen, doch ist sie, des Äugelregens ungeachtet, vorüibergefahren. L

Man schreibt aus Axel unterm áten d. „Gestern Abend verbreitete si< hier das Gerucht, daß die Rebellen die Absicht hätten, mit einer bedeutenden Macht Hulst und Axel anzugreifen. Die Konminunal - Garde und die Linientruppen stellten sich at- genblikli< unter Waffen , fest entschlossen, den Feind fräftig zu- rü> zu weisen: derselbe zeigte si<h indeß nicht. Späteren Nach- tihten gemäß, hatten einige Hundert bewaffnete und unbewaff- nete Vagabonden den Regenten aufgefordert, das Holländische Flandern besezen zu lassen; und da sie hierauf feine bestimmte Antwort erhieiten, so haben sie sl< auf eigenen Antrieb auf den Weg gemacht und befinden si<h, unter der Anführung einit- ger Auftwoiegler, {hon an unseren Gränzen,“/ |

Gent, 9. Mai. Die hiesige, nah Brüssel abgefertigte De- putation, bestehend aus den Kongreß-Mitgliedern Coppens, Ber- gautoen - Goethals, Helias- d’Huddegem, Lebegue uud dem Abbé van Crombrugghe, fam heute früh von dort zurück. Offene Aus- tinandersezungen, wie sle sich zwischen dem Oberhaupte und den Repräsentanten eines freien Volkes geziemen, haben alle Besorg- nisse beseitigt, Gent behält seinèn Gouverneur, seine Kommis- son und fein Geschüs, Um halb se<s Uhr Morgené in Brüs-

menberief, Um 9 Uhr wurden die wohnten der Sigung bei, die bis halb zwei Uhr dauerte.

National-Vereins unterzeichnet.

Sen M el Cie Sue an die Einwohner Brüssels erlassen: „Mitbürger! Einige Fremde, Feinde unserer Fustitu: | handen zu seyn, wenn auch Einige, wie das obige s eispiel zei

tionen und unserer Ruhe, suchen das Volk aufzuregen und möch- R L d N Ia ten es dahin bringen, daß Unordnung und Anarchie im Schoße | G unserer s{önen Stadt herrschten. Treu dem Vaterlande und ihrem Schwure, is sie ents{hlo}en, den gegenwärtigen Zustand der Dinge aufre<ht zu erhalten. Ohne Ordnung feine Freiheit. Für die eine haben wic gekämpft, die andere werden wir zu erhalten wissen. ‘Die Unruhestifter mögen ziitern. und dem Negenten bleiben, den wir erwählt haben.

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Delegirtén eingeführt und err von Robaulx is hier eingetroffen und hat die Afte des

Brüssel, 10. Mai, * Der General en Chef der Bürger-

Die Bürger : Garde wacht!

Die Gewalt wird den Geseßen, unseren Fnstitucionen Alle gute Búrger theilen diese Gesinnungen. Sie mögen nach dec ersten Aufforderung, welche an die durch Neugierde Herbeigezogenen err geht, die Gruppen der Nuhestörer verlassen, die man mit Gee | w walt aus einander treiben wird. Baron Vanderlinden-Hoogvorst.‘“

Fm Courrier liest man Folgendes: „Hier und an anderen Or- ten ist Geld vertheilt worden; die Orangisten und Franzosen \a- gen, man müsse der Verwirflichung eines Systems vorbeugen, welches ihrem beiderseitigen Zwecke zuwider wäre. Gestern, sagte man, sollte Brüssel der Schauplaß einer patriotischen, aber ei- gentlich einer Bewegung im Sinne der Orangisten und Franzo- sen werden; das Volk erfaunte bald, von wo der Fmpuls fam, und verhielt sih ruhig. Die beiden dem Lande feindlichen Fac- tionen sind in ihrem Unternehmen gescheitert, welches, wie wir hoffen, das leßte dieser Art seyn wird; und Alles hat si< dar- auf beschränft, einigen Leuten aus den geringeren Klassen die Mittel zu verschaffen, einige vergnügte Stunden in der Schenke zuzubringen, Die Bürgergarde war einen Theil der Nacht auf | t den Beine:i, indeß blieb Alles ruhig; die ganze Bevölkerung, der Ordnung zugethan, durchzog lange lusiwandelnd die Straßen, Die in fremdemn Solde stehenden Unruhestifter wurden dur diesen Anblick im Zaum gehalten. Der National - Kongreß wird sich am 18ten versammeln; das Land erwarte es in Ruhe. Bis zu diesem Zeitpunkt wird in der diplomatischen Welt Alles entschieden sehn; wenn der Prinz von Sachsen - Koburg die Belgische Krone unter allen den Bedingungen anuimmt, welche unsere Constitution vorschreibt, so werden wir keinen Krieg ha- ben; wenn er sie auss{<lägt, so bekommen wir Krieg. Anm 18ten wird die Frage über Krieg oder Frieden im Angesicht Europa?s entschieden werden. Vis dahin laßt uns warten; lassen wir den Ereignissen ihren natürlichen Lauf; erlauben wir der Diplomatie, alle ihre Hülfsquellen zu erschöpfen; ihre Rolle ist furz, das Ende derselben fesigesezt. Acht Tage des Harrens find nicht zu viel, bevor man den Degen zieht und die Scheide wegwirft, bes vor man den exsten Kanonenschuß abfeuert, der einen so langen Wiederhall in Europa hervorbringen dürste.““ Fn Mecheln hat gestern eine tumultuaris<he Bewegung fstatt- gefunden, Jn Brüssel ist Alles wieder ruhig; man hat mehrere betrunkene Personen verhaftet, welche „es lebe der Prinz von Oranien, oder es lebe die Republif!‘/ gerufen hatten. General Lafayette hat dem Comité der Belgischen Afsocia- tion einen Brief geschrieben, in welchem er si< dafür bedanft, daß die Association in ihrem legten Manifeste seiner so ehrenvoll gedacht hat. Er versichert jedoch, daß er dieses Borzuges sowohl durch seine Bewunderung für die Belgische Revolution, als attch durch seine Theilnahme für alle Folgen der Restauration beider Nachbarvölker, so wie endlich dur< seine Ehrfurcht für den Pa- triotismus, welcher- die Association gebildet habe, vollfonimen würdig sey. Er schließt damit, daß er überzeugt sey, wie seine Ansichten in Bezug auf Belgiens Souverainetät und Unverleß- lichkeit von allen seinen Landsleuten getheilt würden, und wie sie alle si< danach sehnten, dies durch die That beweisen zu können.

Brüssel, 9. Mai. Der Kongreß ist hente auf den 18ten d. M. wieder zusammenberufen worden, und zwar um zu- náchst den ministeriellen Antrag, dem Prinzen Leopold von Sach- sen-Koburg die Krone anzubieten, in Berathung zu ziehen. Man zweifelt ni<ht an der Genehmigung dieses Antrages von Seiten des Kongresses, wiewohl er au von einigen Mitgliedern nicht unerheblichen Widerstand finden dürste. Seit einigen Tagen steht man das Bildniß des Prinzen in und vor allen Vilderläden, und die Einwohner suchen mit Begierde in scinen Zügen die trefflichen Eigenschaften, die er besißen soll, und das Gure, das man si< von ihm verspriht. Das Voik hat zwar auch allen früheren, mit einem Anschein von Verwirklichung in Vorschlag gekommenen Combinationen, namentlich dem Herzog von Leuch- tenberg und dem Herzog vou Nemours, zugejubelt; dies mal dúrfte jedo< sein Beifall minder die Wirkung des Augenblictes seyn, denn Jeder wünscht mit Sehnfucht ein Ende des gegenwärtigen unsicheren Zustandes, Wie sehr man in einem solchen Zustande geneigt ist, beunruhigenden Gerüch- ten, und wären sie auch noch so abgeshmad>t, Glauben beizu- messen, hat sich erst dieser Tage wieder erwiesen, wo es hieß, daß 6000 Hollánder in einem Walde bei Löwen si< verborgen hielten und am bten d, Abends in der Kleidung von Bürger- garden Brüssel beseven würden, um fich hier mit den Oranzisten zu vereinigen und den NRegeuten zux Niederlegun der Negie- rung zu zwingen. Viele Landleute, die in die Stadt famen, bestätigten diejes Máhrchen, das nicht ohne Absicht verbreitet zu wecden schien. Andere behaupteten, die Republif solle pro- flamict werden, und wirklich sollen auch bereits Aufforderungen an das Volk zu Versammlungen auf öffeutlichen Pláven ergangen | sehn; diese untecblieben jedoch, und zwar, wie es heißt, weil mehs rere hiesige Pfarrer, in Folge eines aus Nom erhaltenen strengen Be- fehles, den niederen Einwohner - Klassen ernstlich untersagt haben sollen, solchen Versammlungen beizuwohnen. Die in Gent stattfindenden Unruhen und Widerseblichkeiten gegen die Nu- toritát des Regenteu geben zu ernsten Betrachtungen Stoff und scheinen zunächst von der Partei erwe>t worden zu sehn, die der Erwählung des Prinzen Leopold entgegen ist. Auch bei der Ar- mee nimmt die Jnsubordination immer mehr zu, und der Haß der sogenannten Freiwilligen gegen die Linien : Trupyen ist auf das Höchste gestiegen. Kürzlich wurden sogar drei Offiziere des hier garnisonirenden Liuien- Regiments von solchen Freiwilligen auf öffentlicher Straße insultixt; um einem heftigeren Aus- bruche dieses in einem wohl! organisirten Staate beispiellosen Beneh- mens zu entgehen, mußten si<h die Offiziere ruhig fort be- geben. Was die hiesigen Einwohner neuerdings beunruhigt, ift der Umsfiand, daß die sogeaannte Belgische Association dieser Tage 2500 Gewehre erhalten hat. Der Kriegs - Minister halte die Absicht, die mobilen Bürgergarden mit Pifken zu bewaffuen ;

Regenten melden, der um 7 Uhr einen Minister - Rath zusam! | Waffen-Fabrikäanten einen Accord abges<lo}en, demzufolge 25,000 Gewehre von geciuges Qualität zu 72

fert werden soll

gergarden vertheilen.

derselben ist jedo< no< immer nicht festgesest, wiewohl die

Listen des ersten Aufgebots bereits angefertigt sind. Große Lust

dazu scheint auch unter den designirten Bürgergarden nicht vor-

| 72 Gulden pro Stück gelies en; diese Gewehre will man später an die Bür- Die Zeit der wirklichen Mobilmachung

die Piken zurückwiesen und voll Begeisterung für untaugliche

ewehre waren.

DeutsG la nd; Haunover, 11, Mai. Nach einer in der heutigen Ge-

sebsammlung publicirten Bekanntmachung des Königi. Kabinets- Minifteriums, haben Se. Königl. Majesiät zur Bereinfachung und Beschleunigung des Geschäftsganges die verschiedenen Mint- sterial-Departements für die LQufunft unabhängiger zu stellen ges ruht und verordnet, daß nur einzelne Departements - Sachen von besonderer Wichtigkeit an das Gesammt-Ministerium gebrac! t

erden sollen, ingleichen, daß in Abwesenheit und Behinderung

der Departements-Chefs die den verschiedenen Departements be1- geordneten Geheimen Kabinetsräthe eintreten sollen, um für den Minister die Besorgung der laufenden Departements - Gescháfte wahrzunehmen. Cambridge beigelegten Befugnisse sind dergestalt erweitert, daß in eiligen, wenn au< an si< wihtigen, Fällen, nah dec Sr. Königl. Hoheit dem Vice - Könige darüber zustehenden Bestim- mung, auch ohne vorgängige Berichtserstattung an des Konigs Majestät, die den Umständen nach erforderlichen Bestimmungen sofort getroffen werden dürfen, und daß alc in anderen nicht eiligen Sachen die Nothwendigkeit einer solhen vorgängigen Berichtserstaitung auf die wichtigeren Gegenstände beschränkt wor- den ift.

Die Sr, Königl. Hoheit dem Herzoge von

In der Erwartung, daß Sée. Majestät der König den An- rag der Stände „auf Bearbeitung eines Staats-Grundgesetzes““

genezmigen werde, sind von der zweiten Kammer die zu jenem Geschäft zu ernennenden ständischen Kommissarien gewählt. Die Wah! fiel auf den Staatsrath Stüve, Syndikus Lünbel, YFu- stizrath Kettler, Stadt-Direktor Rumanun, Pr. Freudentheil, Hr. Sermes und Yr. Meyer. Schagrath Eichhorn und der Syndikus Ebell.

Zu Substituten wurden gewählt : der

In der zweiten Kammer if in voriger Woche der An-

trag, „der Presse dur eln Gefes sobald wie thunlich eine n1g- lichst vollstandige Freiheit zu ertheilen und den Entwurf des Geseges den Ständen zum rathsamen Gutachten mitzuthe1len““, zur Berathung gefommen und bei den beiden ersten Abstimmun- gen von der Majorität angenommen. Kammer bei der ersien desfallfigen Berathung den Antrag „„auf die Erlassung eines allgemeinen Hypothek-Geseues“/ mit großer Majorität an.

Auch nahm die zweite

Der in der vorigen Woche gefaßte Beschluß der zweiten Kanimer wegen Reform und Verbesserung des Ad- votaten-Siandes, isl bei dex zweiten und dritten Abstimmung an- genommen. Außerdem wurden in zweiter Kammer folgende nene Anträge gemacht: 1) Fn Beziehung auf die Militairpflicht die Beschränkung der Stellvertretungs- Distrikte gänzlih aufzu heben und die Begünstigung der ersten Reserve nicht auf den, dessen Bruder persönlich dient, zu beschränken, sondern auch auf denjenigen auszudehnen, dessen Bruder durch einen Stellvertre- ter dient. 2) Das Königl. Ministerium zu ersuchen, die von der K. Kammer no hier und da geforderten Abgaben der Kam- mer-Accise von ausländischen Spirituosis und des Blasenzinses von inländishem- Wranntwein, als mit dem seit 1817 eingeftühr- ten Steuer:Shsteme unverträglich, nicht weiter zu heben und des- falls eine óffentlihe Bekanntmachung zu erlafsen.

Braunschweig, 13. Mai, Die hiesigen Annalen ent- halten Folgendes: „Se. Majestät der König von Großbritanien und Hannover- haven das Allerhöchstdenselben von den Ständen des Herzogthums Braunschweig allerunterthänigst offerirte Wild- niß des bostseligen Herzogs Ferdinand von Braunschweig, des unsterblichen Helden des siebenjährigen Krieges, auf das huldz reic)ste angenommen. Fn cinem UAllergnädigsten Schreiben d. d. St., James den 19ten April 1831 an den engeren Ausschuß der Landschaft äußern fi Se, Maj. folgendermaßen:

¡Unserer Zusage gemäß, werden Wir ehestens sowohl Unser Eigenes Vild, ais das Unseres vieigelicebtesten verewigten Herrn Bruders, Königs Georo 1V. Majestat, nah Braunschweig abz senden, um daselbst, dem Wunsche der Stände zufolge, in dem standishen Sikungs:-:Saale aufgestellt zu werden, wo lesteres zum beständigen Denkmale der Jahre dieuen wird, in wel<hen Unuse- ces höchstseligen Bruders Majestät als Vormund und Regent der Braunschweigischen Lande Wohlfahrt zu befördern und zu be- festigen sich aufs eifrigste angelegen seyn ließen, das Unsrige aber, wie Wir Uns s{meicheln dürfen, als eine feste Zusicherung der fortdauernden Bestrebung betrachtet werden wird, welche Wir für die Wohlfahrt der Braunschweigischen Lande ferner zu ma: <en immer gern bereit seyn werden.“

Die Freude, welche diese Nachricht bei einem Jeden, der sie in Erfahrung gebracht hat, erregte, gleiht an Größe den Gefuhz len der Daufoarkeit, welche jeder trene Braunschweiger gegen unseren erhabenen und mächtigen Königlichen Ve- \schuber hegt.

Kassel, 11. Mai. Jn der vorgestrigen Sigung der Stánde-:-Versammlunng wurde die Wahl der Landgemein- den des Distrikts Hofgeismar, welche den Ober-Appellations-Ge- richtsrath Dr. Pfeiffer getroffen hatte, für ungültig erflärt. Der Berichterstatter, Herr Jordan, beschwerte sich bei dieser Gele- genheit darüber, daß der Beschluß der Stände - Versammlung von dem Landtags-Conmmissair angefochten und einer unangeme/j- senen Kritif unterworfen worden seh, worauf der Lestere erftlärte, daß- das Zusanimentwirken dex Organe der Staats-Regierting und der Stande in einec gegenseitigen Kritik bestehe, und so wenig die vorgelegten Gesez-Entwtirse Schonung bei der Beurtheilung verlangten, even so sehr werde von sciner Seite, so oft es heil: sam scheine, alle Macht der Argumentatión zum Kampfe aufge- boten werden. So oft dur< einen Beschluß eine bedenkliche Praxis herbeigeführt werden könnte, seh es Pflicht, darauf ‘auf: merfsam zu machen. Herr Wiederhold berichtete sodann im Nanien eines Ansschusses über den Autrag des Hercn For- dan, die Bekanntmachung der Anstelluugs-Neffkripte mit der‘ Hin- zusügung der Formel, ob die Eruennung, Beförderung oder Wer- segnng auf den Vorschlag der Ober-Behörde erfolgt sey, betreffend. Ec- machte im Namen des Ausschusses den Vorschlag, die Staats- Regierung darum zu ersuchen: 1) daß alle Ernennungen, Wes förderungen mnd Verseßungen in der Kasseler Allgemeinen Zei tung unter der Rubrik: Amtliche Nachrichten, dem Publittum zur Kenntniß gebracht werden; 2) daß stets die vorzescßte Be- hörde, auf deren Vorschlag die Ernennung erfolgt sey, und zwar nicht. bloß die Ministerien, sondern au< die Kollegicn und die

da diese Maaßregel jedoch von den betheiligten Individuen mit

sel angekommen, ließen si< unsere Delegirten sogleih bei dem

Widerwillen aufgenommen wurde, so hat mau mit mehreren

Chefs der Landesftellen, bezeichnet iverden, weil hierdur<, wenn auch die oberste Staats Wehörde das Recht habe, vou ihren

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