1831 / 156 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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bes Mal's, oder wohi gax vén den ieten des Uprilé datirr, und es gehe aus dem Briefe des Lords hervor, daß die Konferenz die in diesem Protokolle aufgesteliten Ansichten geäudert habe und die Räumung Luxemburgs ui<ht mehr von WBelgien verlange. Das 22ste Protokoll dürfe um so weniger zu Befürchtungeu An- laß geben, da {on ein 23stes und 2Ustes existire; dies sey ein Beweis, daß das 22ste Protokoll nicht gegen die jeßigen Gesin- nungen der Konferenz, welche in dem Briefe des Lords Ponsonby ausgedrückt sehen, als Zeuge dienen fönne. Herr Jottrand sprach sich heftig für den Krieg aus. Er stimme für den Prin- zen Leopold, aber nicht in dem jegigen Augenbli, nnd glaube, daß der Krieg das beste Mittel sey, um einen König zu erhal: ten, Herr Pirson erklärte sih für- den Prinzen von Sachfen- Koburg, aber unter der Bedingung, daß, wenn die Gebiets-Fra- gen ni<t in 25 Tagen eutschieden wären, der Krieg erklärt würde. Graf Felix von Merode äußerte, daß er, als Mit- glied der na< London abgeschicéten Deputation, wohl im Stande seh, einige Auskunst über den Gegenstaud zu gebeu, welcher die Versammlung jeßt beschäftige. Mau sey niht müde geworden, auf dieser Tribune und in einigen Journalen zu behaupten, daß die Schritte, welche man gethan habe, um die Geslnnungen des Prinzen von Sachsen-Koburg zu erforschen, eine reine Myhstifi- cation gewesen seyen; ein solches Wort sey allerdings im Staude, die besten dur<h Thatsachen unterstüßten Gründe zu entkräften, wri bie Gemüther der Verständigen sich dur< die Sicherheit, mit der es ausgesprochen werde, blenden ließen. Die Mission habe Thatsachen gesammelt, und diese Thatsachen wären durch den Brief des Lords Ponsonby bestätigt worden. Daß dieselben gänzlich mit seinen Wünschen übereinstimmten, wolle er nicht be- haupten, aber über einige wichtige Punkte sey dem Wunsche Belgiens gemäß entschieden worden. Die Sache Luxemburgs seh gewonnen; man solle daher des Protokolls vom 20. Januar nicht mehr erwähnen, da dessen Haupt - Bestimmung verändert sey. Es blieben allerdings den Belgiern noch gere<hte Ursachen zum Unwillen, und er, so wie seine Kollegen, hätten in London hefcig gegen das Verbot protestirt, daß Belgien nicht das Recht haben solle, diejenigen Gebietstheile, welche ihm re<tmäßig gehörten, durch Gewalt der Waffen zu behaupten oder zu erobern, Der Kongreß möge sih daher überzeugt halten, daß fein Mitglied der Deputation sich zu einer Mhstification hergegeben habe. Der Fall mit dem Prinzen Leopold sey anders, als mit dem Herzog von Nemours. Man habe si< bei Legterem nicht vorher der Einwilligung des Königs der Franzosen versichert, im Gegentheil habe derselbe siets erklärt, seine Genehmigung nicht ertheilen zu können, Da man auch die Aeußerung, daß die Nolle der Di- plomatie nur sehr furz seyn dürfe, für eine Mystification erklärt habe, so glaube er bemerken zu müssen, daß man in diesen Mauern keine Orafkelsprüche ertheile, sondern nur Meinungen ausspreche, die den Umständen unterworfen seyen. Der Redner \{loß damit, daß er unter ‘den drei Hypothesen, dem statu quo, dem Kriege und der Erwählung eines Prinzen, der sich der Fn- teressen Belgiens schon kräftig angenommen habe und am besten geeignet sey, noch fernere Zugeständnisse zu erlangen, sich für die leßtere entscheide. Nachdem si<_ no< Herr Helias d’Huddeghem gegen den Prinzen von Sachsen: Koburg aus- gesprochen hatte, verlangte Herr Lecocq, daß die Debatte ge- \{lo}en werde. Die Fortseßung der Diskussion wurde demge- máß auf den folgenden Tag verschoben.

Vents<G6lan.d.

Múnchen, 30. Mai. Das heutige Königl. Regierungs- Blatt enthält Folgendes: „Se. Majestät der König haben sich unterm 26. Mai d. J. allergnádigst vewogen gefunden, die von dem Staats - Minister des Innern, von Schenk, erbetene Ent- lassung von dieser Stelle (da Allerhöchstsle den edlen Beweg- grund, welcher ihn zu diesem Schritte bestimmte, erfennen und zu \{äßen wissen), unter Bezeugung der vollen Zufriedenheit mit seiner Geschäftsführung und der gegen Allerhöchstdieselben bewiesenen Trene und Ergebenheit anzunehmen und denselben zum Staatsrathe im außerordentlichen Dienste und zum Gene- ra! - Commissair und’ Regierungs-Präsidenten des Regen - Kreises, vom 1. Zuni d. J. an, zu ernennen. Ferner haben Se. Majestät der König dur<h weiteres allerhöchstes Reskript vom 96, Mai d. úF. zu beschließen geruht, da durch vorstehende allerhöchste Verfügung das Staats - Ministerium erledigt worden, den Staatsrath von Stürmer zu dessen Verweser vom 1. Juni d. F. an zu ernennen.

n der heutigen Sigung der legte das Prásidium nah WBefkanntmachung ‘des Eiulaufs die Fragen über den Antrag des Abgeordneten v. Klösen, die Ver- antivortlihfkeit der Minister und die Kabinets-Befechle betreffend, vor, Die Fragestellung wurde genehmigt. /

Lübeck, 2. Juni. Heute ist der Schiffer Wendiß von Bolde- raa in 5 Tagen- in Travemünde angetommen und hat Briefe | aus Riga bis zum 27, Mai mitgebracht, aus welchen hervor- ging, daß man dort seit 6 Tagen Spuren der Cholera: Krankheit bemerft hatte und den Tod von 16 Personen derselben zuschrieb. Nachdem der Inhalt dex gedachten WBriefe hier bekanut gewor- ! den, ist sogleich, obs<hon auf. dem Schisse Alles gesund ist, der Befehl ergangen, daß alle ‘Personen und Güter vorläufig am Bord bleiben und die {on gelandeten Passagiere mit allen ih- ren Effekten sich wieder aufs Schiff begeben müssen. l

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Berlin, 5. Xuni. Man schreibt aus Breslan vom 3. d. M. Der Wollmarkt hat gestern seinen eigentlichen Nufang genommen, wiewohl schon zwei Tage vorher Verkäufe der eingehenden Wolle stattgefunden hatten. Bis zum 1. Juni Abends waren etwas úber 39,000 Centner Wolle eingebracht worden, von denen 8125 Centuer auf hiesiger Wage gewogen wurden. Der Markt wird daher diesmal nicht stärker überführt werden, als im verflossenen Fahre, Nach den sichersten Nachrichten ift der Ertrag dec Woll- \chur nicht ausgezeichnet ergiebig gewesen. fien wird diejenige Mittelwolle verkauft, welche früher im Preise

Kammer der Abgeordneten |

Am besten und schuellz |

zu 50 bis 60 Rthlr. pro Centner gehalten wurde. Ju der Re- | gel .wicd diese Wolle um 5, 10 bis 15 pCt. be}er, als im vo- | rigen Jahre bezahlt. Die feinere Wolle, über 70 Rthlr. pro Centner, findet weniger vortheilhaften Absaß, und habeu einige | Producenten sogar mit einem, jedoch fehr geringen, Aufschlag ge-

en den Preis des verflossenen Jahres verkauft. Ganz feine Bolle scheint schwieriger und nicht zu den gewohnten hohen Prei- sje1 abseybar zu seyn. Doch hat das Dominiun Zroeibrodt für 34 Centner extra feine Wolle, die es hierher brachte, 120 Rthlr. pro Centner erhalten. :

Vn Danzig sind vom 28. Mai bis 1. Juni Mittags fiberhaupt 14 Kranfheits-Fälle im Civil und 14 im Militair, dar- unter 15 Todesfälle, vorgekommen, worunter nur 13 unbezweifelt als an der Cholera verstorben anerkannt wurden. Sämmtliche

Krankheitsfälle hatten si< nur in dex Altstadt in einzelnen am

Nadaunee und Mottlaue Flusse belegenen Häusern gezelgi, Bis zum Lten Mittags waren nur 5 Krankheitss und 2 Todesfalle hinzugekomnien. In Riga sind seit dem Ausbruch dex Krankheit bis zum 30. Mai bereits Z36 Persouen von dek Cholera befallen, davon 26 genesen und 189 gestorben. —— E R

Ueber die Verbreitung der Cholera im Fahre 1831.

A da (Schluß)

Es wáre voreilig, aus den bis jeßt vorhandenen nur man- gelhaîten Nachrichten über das Fortschreiten dieser Seuche all- gemeine Schlüsse als zuverlässig ziehen zu wollen (es würde hierzu namentli< eine Sammlung genauer Angaben über die Tage erforderlich seyn, an welchen die Cholera in dea einzelnen Orten ausbrach und aufhörte), nichts desto weniger lassen sich Vermuthungen lber diesen Gegenstand nicht zurückweisen.

Ein Rückbli auf den Gang, deu dieses Weltübel auf sei- ner Neise seit dem Fahre 1817 vom Ganges bis zur Weichsel zurückgelegt hat, wird hier am rechten Orte seyn. Neben mehreren Anderen hat Herr Dr, Schnurer in semer geistreichen, 1831 bei Cotta erschienenen Schrift, interessante Notizen hierüber der Nach- welt überliefert. Wir sehen hier die Meeresküsten und Strom- Gebiete besonders als Verbreitungs-Straßen der Cholera hervor- treten; allein sie hat auch über die Gebirge des Kaukasus einen Meg nach Europa gefunden! Die Küsten und schiffbaren Strö- me sind aber die Wege, auf denen der Welt-Verkehr sich bewegt, und oute dies nicht auf die Uebertragung dur< Menschen hin- weisen ?

Betrachtet man Brzesc - Litewsfki als denjenigen Ort, von wo die Krankheit in diesem Frühjahre sich zu verbreiten anfing, so ist das Verhältniß zwischen ihrem Borschreiten nach Norden und dem nah Westen ziemlich glei: von Brzese bis Wilna 45 Meilen, von Brzesc bis Sluzewo 48 Meilen; nicht so das nach Nord - Westen: von Brzesc bis Lomza uur 22 Meilen. Gerade diese Richtung, die Hauptrichtung ihres Fortschreitens von Jn- dien na< Europa, wird” von ihr über die Ostpreußische Gränze hinaus nicht verfolgt; es tritt vielmehr auf der südöstlichen Gránzspibe (in der Umgegend von Johannisburg) ein Spalten der Krankheitsverbreitung ein; sie legte in einem Monat gegen Westen (von Warschau bis Sluzewo) 25 Meilen und gegen Norden (von Bialhstock bis Wilna) 45 Meilen zurü, während Preußen bis jeßt noch verschont blieb. Die Cholera folgt alfo hier offenbar nicht einer Richtung nach Himmelsgegenden oder Luftströmungen, sondern dem Zuge der kriegführenden Heere, und zivar auf den Chausseen, und auffallend genug auch längs die- sen zuerst nur die zunächst gelegenen Ortschaften befallend,

Dieser Gang der Krankheit beweist offenbar, daß ihrer Verbreitung ein eigenes Contagium, ein Anste>kungzsstof, der von Menschen zu Menschen übertragen wird, zum Grunde liegen müsse, und daß polizeilice Maaßregeln allein im Stande sind, der no< weiteren Verbreitung der Krankheit über ganz Europa Einhalt zu thun.

Wir fönnen uns daher au< nur der Meinung eines rühm- lichst befannten, allgemein geshäßten und vorurtheilsfreien Arz- tes, des wirklihen Staatsrathes Yr. Nemann, anschließen, weun er in der St. Petersburger Deutschen Zeitung Nr. 82 si< bei Gelegenheit der Recension der Lichtenstädtschen Schrift über diese Krankheit folgendermaßen ausspricht :

„Es is überhaupt, wie ih glaube, endlich hohe Zeit, in einem Augenblicke, wo si<h die Krankheit {on dem Centrum Europas nähert, jene spivfindigen und oft wohl auch kurzsichti- gen Vorurtheile, wodurch man dent Glauben an ein Contagiun entgehen will, abzulegen, dur<h widersprechende oder vorgefaßte Meinungen die höheren Behörden in ihren Maaßregeln nicht irre zu führen und sl{< \o vor dem übrigen Europa verantwortlich zu machen. Man möge nicht das Verhalten der Seuche an einem Orte, wo vielleicht gtinsiige Lokal-Umstände die Anfic>ung we- niger auffallend und die Empfänglichkeit für dieselbe feltener machten, immer vor Augen haben, sondern man werfe einen erusten und fritis<hen Forscherbli auf die ganze Geschichte und deu Verlauf der Seuche, von den Ufern des Ganges bis nach Wologda und an die Poluische Gränze ; man vergleiche dieselbe nicht immer mit der Pest, als dem gewöhnlichen Musterbilde anstef- kender Krankheiten ; sondern man stelle sie anderen gegenüber, und man wird endlich die überzeugendsten Beweise einer dur<h Com- munication der Menschen von der Mitte Asiens dis zu uns ge- langten Senche allgemein erkennen. Auch werden in keinen Falle die durch die Erfahrung erprobten und mit Erfolg gekrön- ten Sicherungs-Maaßregelu, wo dieselben mit der gehörigen Schnel- ligfeit, Ordnung und Gewisseuhaftigfeit ausgeführt wurden oder werden konuten, durch die von Einigen für die Nichtanstek- fung angefühcten unstatithafsten Ansichten oder bioß negativen Gründe in ihrem Werthe, in ihrer Wichtigkeit nnd Nothweu- digkeit für das öffentliche Wohl entkräftet werden köunen.““

Doch nicht einzelne am Krankenbette aemachte Ercfahrun- gen, sondern die ganze Gruppe der si darbietenden Erscheinun- gen muß also ins Auge gefaßt werden, wenn man über die Con-

| tagiositát des Uebels absprechen will; man muß vor Allem die

Fragen lösen, wie das Uebel nach Rußland gerommen? warum es nicht bis Petersburg vorgedrungen, sondern 24 Meilen vor der Kaiserstadt slehen geblieben ist, während es si<h von Moskau zroar nördlich, aber westlich fast gar nicht weiter verbreitet hat? wodur die Krankheit ferner bis nach Gallizien vorgedrungen ? wo- durch und ob fle überhaupt bis Warschau und von dort bis au unsece Gränzen gekommen wäre, wenn die gegenwärtigen äußeren Ver- háltnisse zwischen Rußland und Polen nicht existirten u. #. w., und man wird bald von dem Unglauben an die Contagiosität

| des Uebels zurückkommen.

Ein no< nit gehörig beachteter Hauptumstand ist die ge- ringe Empfänglichkeit der Menschen für das Cholera-Contagitum, welche vor Allem diesen Unglauben erzeugt und unterstüßt hat. Es gehört nämli< zu den Eigenthümlichkeiten dés Cho- lera - Contagiums, daß in der Regel nur wenig Men- schen dafür empfängli<h sind, d. h. angeste>t werdén fkön- nen. Eben so gehören auh begünstigende Verhält- nisse dazu, damit die Kranfkheit,. wenn einmal die Ueber- tragung stattgefunden hat, nicht bloß einzeln (sporadisch) erschei- ne und sich von selbst wieder auflöse, sondern zur verheerenden Epidemie gesteigert werde. Wir sehen sie auch in diesem Jahre, wenn in einem Orte die Fndividuen, denen solhe Empfänglich- feit inwohnte, als Opfer gefallen waren, nachlassen, wie solches jeßt in Warschau der Fall ist.

So gewiß nun beide Eigenthümlichkeiten der Cholera- Krankheit dieselbe weniger furchtbar und verheerend als man- <e andere contagióse Krankheiten für das MWMenschen- Ge- \{<le{<t machen, und so tröstend auch dieselben selbst für diejenigen sind, die si<h in der Náhe der herrshenden Seuche, ja selbst in ihrer Mitte befinden, so is es doch nicht zu läug- nen, daß gerade diese für die Menschheit günstigen Verhältnisse

| Babecl, oder:

das Meiste dazu - beigetragen haben, nicht bloß den Unglaud an die Contagiofität des Uebels zu eira, sondern au di Fortgang und die Verschleppung desselben von einem Orte, eiy Provinz, einem Land zum anderen zu begünstigen und die daz 4 getroffenen medizinish-polizeilihen Maaßregeln zum größt heile unwirksam zu. machen. Wenn z. B. von 100 Mensche die sich der Anste>ung ausseben, nur etwa Z wegen der ihn F;5 inhärirenden Enpfänglichkeit angeste>t werden und 97 davon q unanste>bar gesund bleiben, so ist es kein Wunder, daß m Menschen, wenn man bloß dieses Faktum vor Augen hat, an)

Allgemeine

Preußische Staats-Zeitung.

Nichtanste>barkeit der Krankheit, als an das Gegentheil, gla ben; zumal die Stimme derjenigen, welche die entgegengesey Ueberzeugung erlangt haben, nicht bloß in der größeren Ma verhallt, sondern auch, da mindestens die Hälfte der Angeste> stirbt, gar uicht gehört werden kaun.

1831.

Aber gerade diese geringe Empfänglichkeit für die Chole

Krankheit und ihr unaufhaltsames Fortschreiten aus einem Lay) ins audere, ohne gerade allenthalben zur Epidemie auszuarty ist ein Beweis mit für ihre contagiöse Natur, Wäre sie d Produkt einer befonderen Witterungs - Constitution, eines in | Lust befindlichen Miasmas 2c., so würde sie in ihrer Verbreitusi nicht allein ganz andere Nichtungen nehmen , als sie bereits y nommen hat, sondern auch als ein weit verheerenderer Würgy gel auftreten und gräßlicher in die Masse der Population ej greifen, als dies bisher aller Orten, wo sie" si gezeigt, ge\cheh ist; dagegen bei Miasni1en in der Negel eine weit allgemeinere Ey pfänglichkeit der Menschen, als dies bei der Cholera wirklich i Fall ift, zu herrschen pflegt.

Uebrigens fehlt es auch niht an Beispielen von direkter A ste>dung. Ohne die Tausende von álteren Beobachtungen hhj 4 anzuführen, mögen bloß folgende neueste Erfahrungen hier nf eine Erwähmimng finden, die au und für si<h {hon hinrei wären, die contagióse Natur der Krankheit nachzuweisen, wei glei<h Hunderte von auderen Beobachtungen das Gegentheil df zuthun scheinen. h

Fn Warschau siud ganze Häuser nicht bloß von der Chole! befallen worden, sondern sogar ausgestorben. Viele Todten ber sind gestorben, und namentlich diejenigen, von denen es wiesen, daß sle die Leichen der Verstorbenen geplündert. Y dem Militair - Lazareth von Ujasdow is neben einem Krank der die Cholera hatte, der von der einen Seite dicht an ih befindliche Patient ebenfalls ergriffen worden, und die Kranfkh hat sich auf dieser Seite in dem Saale verbreitet; auf anderen aber, wo zufällig ein leer stehendes Bette den erster Kranken von seinem Kameraden trennte, seßte sih die M ste>ung ni<t fort. y

Jn Ostrolenka starb der Feldprediger des Finnländishy Scharfschlen-Corps, welcher mehreren sterbenden Cholera-Kraß fen das Abendmah! gereicht hatte ; i

in Ciechanowiez der Polizei- Diener, welcher mit den Ch lera-Krankfen häufig in Berührung gekommen war ihm fo ten seine Frau und Kinder; 9 __ bei Czyzewo erfkranfte ein Feldscheer des Russischen Gar Corps, welcher 3 Tage und 3 Nächte mit 3 Cholera - Kranken F N zugebracht hatte, und starb 12 Stunden nach df SALT Q

Nach diesen Erfahrungs-Nesultaten darf man also wohl v den Sperrungs- Anstalten auf der Preußischen Gränze eing wirklichen Schuß erwarten, um so mehr, als {ou im vorigt Jahre das nahe bedrohte Petersburg durch strenge Sicherheit maaßregeln vor der Krankheit bewahrt wurde. Die Russi O M anch E wieder ähnliche Vorkehru zum Schu ihrer Oftsce-Provinzen getroffen (indem von Polay ; La 1 ted ; óni - gen aus längs der Kurländischen Gene degtii Saal e, Beitung ist in dem Berzeichniss)e derer, A ‘ile der A4 g Cordon gezogen worden ist) und dadur ausgesprochen , daß seme der Künste die große silberne e i D erhaiten / niht an eine Uebertragung dur< die Luft, sondern dur Ma/sffstatt Getschke aus Berlin, zu lesen: Petschke. schen. glaubt. Auch Öesterreih hat neuerdings die Aufstellus eines Cordons gegen Gallizien angeordnet. J

Berlin, den 31. Mai. O

Amtliche Nachrichten.

Kronik des Tages.

Aus unabweislichen Rücksichten hat die Tmmediat-Kommis- on zur Abwendung der Cholera den Beschluß fassen müssen, bis auf Weiteres feine in Rußland, Polen und Gallizien usgestellte Gesundheits - Attesie für Reisende und Waaren ais nzweifelhaft betrachtet werden sollen, und daher verfügt, daß (de Atteste auch nicht mehr von der vorschriftsmäßigen Kontu- azirung auf dem Preußischen Gebiete befreien dürsen. Es wird on jet ab feinem Reisenden und feinem Waaren - Transport us jenen Länderu ohne eine 20tägige Kontumaz der Eintritt s Xnland gestattet werden ; und alle diejenigen Personen, welche G jeut \<on innerhalb der diesseitigen Gränzen befinden soll: en, ohne diese Kontumaz- Zeit abgehalten zu haven und sich durch ¡e Kontmnaz-Atteste darüber unzweifelhaft legitimiren zu können, der welche nicht schon erweislich über 20 Lage sich im diesseiti- en Gebiet befinden, sind entweder, wem sie noch in der Nähe er Gráuze seyn sollten, mit der gehörigen Vorsicht über dieselbe irúcézugeleiten, oder da, wo sie si befinden, einem vorschrists- 1äßigen Kontumaz: Verfahren zu unterwerfen. Waaren und ffeften müssen jedenfalls, wenn sie nicht hon in einer Kontu- az-Anstalt gehörig desinficirt sind, unter der Beobachtung der estehenden Vorschriften der 20tägigen Kontumaz - Zeit und Rei- igung unterworfen werden, falls sie nicht au< über-die Gränze ici>gewiesen werden. | : |

Fch bringe diese Maaßregel hierdur< zur öffentlichen Kennt- ; zu deren unverzüglichen Ausführung die betreffenden Königl, dber-Präsidien die nöthigen Anordnungen treffen werden.

Berlin, den 6. Juni 1831. :

Der Chef der zur Abwehrung der Cholera niedergeseßten Fmmediat : Kommission, v. Thile.

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Fm Bezirk der Königl. Regierung

zu Köln ist an die Stelle des abberufenen Pfarrers Büren, er Kandidat des Prediger -Amts, Abraham Breithardt, um Pfarrer der evangelischen Gemeinde Ruppichteroth im Sieg- Freise erwählt und als solcher bestätigt, und an die Stelle des Franz Adam Clemens, der bisherige Vikar zu Kierdorf, Franz Noseph Wirz, in gleicher Eigenschaft nah Rheinbach verseßt orden.

Berichtigung. Ju der gestrigen Nummer der Staats-

/ Angekommen: Der General - Konsul der Vereinigten Staaten von Nord:Amerika für die diesseitigen Rhein-Provinzen, Wöcker, von Basel,

Köntgliche Schauspiele. /

Montag, 6. Juni. Jm Schauspielhause, zum funfzigs Male : Die Schleichhändler, Possenspiel in 4 Abtheilungen, va E, Raupach, In Folge Allerhöchster Genehmigung ist die Einf nahme dieser Vorstellung zur einen Hälfte für die Orchester-WiF wen-Kasse und zur anderen Halfte sür die Unterstüßungs - Kass hülfsbedürftiger Theater-Mitglieder (Spontini - Fonds) bestimm Vorher: Der Degen, dramatischer Scherz in 2 Abtheilungen. Die freien Entreen und Abonnements zu dieser Vorstellun

slnd oßne Ausnahme nicht gültig. d

Zeitungs-Nachrichten.

Ausla. nd.

Rufßland.

St. Petersburg, 28. Mai. Se. Majestät der Kaiser

aben mehrere von Seiten des General - Feldmarscalls Grafen

“KDiebitsch -Sabalkanski , laut der demselben zustehenden Macht-

"Wollfommenheit, ausgegangene Ordens-BVerleihungen an Offiziere

“der Armee, die si< in den Gefechten gegen die Polen auszeich- eten, zu bestätigen geruht. j

Hier ist von Seiten des Finanz-Ministeriums folgende, vom

14. (26.) Mai datirte Bekanntmachung erschienen: ¡Da in ei-

nigen Set B Ns T A QURRSSVdIn ist, P P

Der Biehhäudler aus O ura, Wi ¿pt ür jeden Fall Vorsichts-Maaßregeln genommen worden, und die

Boe mit Gesang in 3 Akten, von A. Gieih, (Dlle. Schreib Briefe werden in Narwa durchstochen werden. Dies dem Pu-

F. Theater an der Wien: Sophie, als zioeite Antritt: Plifum zux Nachricht, um unnöthiger Furcht vorzubeugen.“

: : 7 Î Der zeitherige Professor in Schulpforta, Dr. Chr. Friedr,

2 Nene, bekannt durh seine Schriften über die Sappho und den

Aae Ea R A j WBaschhlides, ist als Professor der Literatur: Geschichte altflassi-:

GHIA S 4 } S E N. cher Philologie und Pádagogik nach der Universität zu Mona ee

Ntedóil Wini, SOuIA 208 Kade B 15° Rus! Gt R S B Reise:Geld von 200 Dukaten bewilligt

belicf si< zu Ende des Jahres

Ta) Jesterr. 5proc. Ne A A worden.

89. Qesterr. óproc. Metall. 8 Nah amtlichen Berichten , 41829 die Gesammt - Bevölkerung Rußlands mit Einschluß des [Königreiches Polen, Finnlands, der Völkerschaften jenseits des ‘\Katkasus, der Civil- und Militair-Beamten, einiger Sibirischen WVölterschaften und der Individuen weiblichen Geschlewts auf St. Petersburg, 27. Mai. 49 Millionen, worunter 17,558,898 leibeigene und freie Bauern _ Hamburg 3 Mon. 41. Silber - Rubel 373 Kop. 6proc. Ind und 243,548 Geistliche. Abgaben an den Staat zahlen 18,771,812 in Banknoten 111. 5proc. in Silber 88. TAJndividuen und 325,809 Familien. Dem Militairdienst unter: Miegen 747,557 Judividuen, nämlich 189,870 zu den Militair- Kolonieen gehörende Bauern, 262,105 Kosaken, 167,269 Basch- iren, 31,159 Metscheriaken, 28,344 nomadisirende Kalmucken Mund 68,810 RKirgisen. Auf den im Gouvernement Perm belegenen Appanage- Gütern hat. mau ein neues Mineral entde>t und dasselbe zu 5proc. Rente 90. 70, 3proc. 65. (Ehren des Ministers des Kaiserl. Hauses, Fürsten Wolchonsfi, Imit dem Namen Wolchonsfkoit belegt, Dieses Mineral hat eine grüne Farbe und liefert cinen grünen Farbestof, der dem Ma-: lahit und Grünspan gleicht; auch gewinnt man durch chemische perationen ein {ónes orangegelbes Chromium. Fn der Stadt Ribinsk (Gouvernement Jaroslaw ) hat die Kaufmannschaft zur Aufnahme von Volksschulen ein steinernes e nebst dazu gehörigem Lande, über 10,000 Rubel an Werth, geschenft. ¿ Im Yahre 1829 hat man auf den Kurilishen Jnseln die

ememen

Könktbgstädtisches Theater. |

Montag, 6. Juni. Zum erstenmale ‘wiederholt : Die lusti MWerkung, komische Oper in 2 Aften, na< dem Französische) Muff von Konradin Kreußer. i Dienstag, 7. Juni, Zum erstenmale: Herr Joseph und Frä

voni R rolle.)

Hamburg, 3 Jutl. Qeaterr. 5proc. Metall. 844. 4proec. T3.

i Ö Bank - Actien 1067} Russ. Engl, Anl. 905. Poln. 495 ;

Wien, 31. Mai.

5proec. Metall, 814. 4proc. 717. Bank-Actien 1035.

NEUESTE LŒRSEN -NACHEKICHTEN.

Paris, 30, Mai. 5proc. Neapol. 72. 75.

Frankfurt a. M., 2, Juni. Oesterr. 5proc. Metall. 847 84s. 4Aproc. 72i3. 724. 2zäproc. 425. 1proc. 183, Br. Bank Actien 1278. 1276. Partial - Oblig. 117d. 117. Loose zu 1008 Fl. 1597. B. Poln. Loose 432. 43. f

Medacteux Fohn. Mitredacteur Cottel.

Wasa-Roggen und Himalaja-Gerste, leßtere auch ganz vorzüglich in den Gegenden jeuseits des Baikal.

B ole n Warschau, 1. Juni. Jun der Sipung der Landbotens- | fammer vom 2ten v. M, wurden die am Sonnabend vor Pfingsten begonnenen Verhandlungen über einzelne Anträge und den Ministern gestellie Fragen fortgeseßt. Zuerst verlangte der Landbote Graf Fohanu Ledochowski, daß die in der Mes tropolitan-Kirche zu St. Fohann aufgehängte Türkische Fahuc, welche von den Russen im leßten Türkenkriege erobert worden, und die Se. Majestät der Kaiser Nikolas den Polen geschenkt hatte, na< Konstantinopel zurückgeschickt würde. Der Landbote Swidzinski fügte hinzu, daß man sie mit den vier der Russi: schen Armee abgenommenen Türken, welche ‘auf Kostcu der Pol- nischen Nation in ihr Vaterland zucüctkehren sollten, dorthin sen- den möge. Zu Erledigung dieses und mehrerer -anderen An- träge beschloß .die Kammer, daß der Marfchall mit dem Senats - Präfidenteu Rücksprache nehmen und in Gemein- {haft mit diesem der Regierung den von dem Laudbo- ten Ledochowski gemachten Vorschlag zur Vollziehung vor- legen, übrigens aber ihrem Gutachten die Wahl der Mittel und Wege überlassen solle, wie die besprochene Fahne den Ttirkeu zu- rücgestellt werden könne. Sodaun maŸÿte der Landbote Yo- seph Ledochowskfi die Kammer auf die wichtigen Geschäfte und häuslichen Juteressen aufmerksam, welche jedes Mitglied der Landbotenkammer im nächsten Monat erwarteten, und trug darauf an, daß entweder die Reichstagssizungen für den Monat Funi suspendirt würden, oder daß für die Dauer der beiden nächsten Monate der Reichstagsbeschluß, wodurch die geseßlich erforderliche Mitgliederzahl in beiden Kammern auf ein geringe- res Quantum herabgeseßt wird, wieder in Krast treten solle. Der Marschall aber meinte, daß die erste von Herrn Ledo- chowsfi vorgeschlagene Maaßregel, nämlich die Prorogation der Kammerslßungen für den Mouat Juni, uicht angenommen wer- den fönne, und zwar hauptsächlih deshalb, weil mit dem Schluß dieses Mouats gerade das zweite Quartal zu Ende seh, für wel: ches der Regierung der provisorische Kredit bewilligt worden ; daher wäre es umungänglich nöthig, innerhalb des Monats Juni das Budget festzustellen. Nach langer Diskussion entschied die Kammer, daß die Kommissionen ihr in der Sonnabendsißung über den Antrag des Landboten Joseph Ledochowsfi Bericht er- statten sollten.

Jn Bezug auf den von den Kammern genehmigten Gesetz- Entwurf, daß die Fsraeliten, anstatt selbst Truppen ins Feld zu stellen, eine vierfache Refruten-Steuer entrichten solleu, sagt ein hiesiges Blatt unter Anderem: „Die Annahme des Gesetzes über eine neue von-den Jsraeliten zu zahlende Refruten:-Steuer muß, als Verurtheilung von 400,000 auf Polnischem Boden ge- borenen und erzogenen Menschen zur Demüithigung und Eruie- drigung, die Aufmerksamkeit eines jeden Edelgefinnten auf sich ziehen; und um bei Erörterung dieses Gegenstandes denen, welche mit der Lage der Dinge und der Befähigung der in Polen woh- nenden Fsraeliten wenig bekannt sind, zu Hülfe zu fommen, hal- ten wir es für unsere Pflicht, einige Bemerkungen in dieser Hin- sicht bekannt zu machen. Dem beredten Vortrag des Kriegs- ministers ist die Annahme des erwähnten Projekts vorzüglich zu- zuschreiben; doch betrachten wir zuvörderst, inwiefern diese Rede sich auf die Grundsäße der Wahrheit und Gerechtigkeit stübte, und dann, in wie weit der Erfolg, den sie hatte, dem Lande Nubgen bringen wird. Im Anfang seines Vortrags that der Kriegsminister Aeußerungen, deren er sich, wie es scheint, nur bediente, un1 seinen folgenden Anträgen einen Anstrich von Ge- rechtigfeit und Wahrheit zu geben, deren sie jedoch für jeden der Sache Kundigen völlig entbehren, Denn was die Bemerkung des Ministers anbetrifft, daß es, um Polnischer Soldat zu seyn, ni<t an dem gewöhnlihen Muth genüge, sondern daß dazu Wunder der Tapferkeit nöthig schen, fo erdreisten wir uns, zu fragen, ob alle Polnische Soldaten sogleich von cinem so un- vergleichlichen alle Schranken durchbrechenden Geist durchdrungen waren ; wir erdreisten uns, zu fragen, ob einen \folhen Geist am 19. und 20. Februar die Grenadier-Regimenter zeigten, ob ihn am 25ften die Masuren und Giden, eine aus der am meisten fürs Vaterland deflamirenden Jugend bestehende Schaar, zeigten, ob endlich das 2e Kalischer Kavallerie-Regiment bei Kurow ei- nen solchen Geist zeigte. Einige dieser Regimenter haben, an den Kanonendonner und die Gefahren des Krieges gewöhnt, be- reits die in sie gesekte Hoffnung auf eine schöne Weise gerecht- fertigt, andere werden sich mit der Zeit daran gewöhnen, aber mit einem Male haben sle sich ni<ht emporges<hwungen; warum also von den Fsraeliten etwas fordern, was selbst das 1sie Ka- lischer Kavallerie: Regiment, das zu unseren tlichtigsten Truppen gehört, nicht leistete. Auch Die Jsraeliten können, wenn sic sich, so zu sagen, einschließen , gute Soldaten werden; es habeú dies ihre Freiwilligen bewiesen, die zur Armee gezogen sind, und wir selbst kennen deren zwei, welche ihrer Wunden wegen in War- chau verweilen, und die bei Wengrow mit Ehrenkreuzen ge-

* Aufschlagung der Brücke beigetragen hätten. | „Der Kriegs-Minister schließt damit, daß er die Kammern warnt, i sich zu hüten, daß nicht dem am 29. Nov. gepflanzten Baume

gegründet ist) befinden si< unter ihnen die meisten Spione. Wo siud diese Spione? Warum hangt man sie nicht? ha- ben sie vielleiht um ein Ausnahmegericht für si< nachge- sucht? haben sie viellziht an den Neichstag appellirt? wo sind sle? Sie sind freigesprohen worden. Bis jeßt sind 3 Fsraeliten und ein Vürgerneister des Spionireus überführt und gehängt worden; in voriger Woche wurde über einen Jsrac- liten und 2 Christen das Urtheil gefällt, den viel protegirten Herrn Cichozfki uicht gerechnet; das Resultat ergiebt also 3 Îsrae- siten und 4 Judividuen anderen Glaubens, diejenigen niht zl záhien, welche entkommen sind, welche man freigelassen hat und welche jet bloß deshalb gute Polen sind, weil fle sich nicht auf der geschriebenen Liste der Spione befinden.‘““ Sodann wird die Bemerkung des Ministers hinsichtlich der israelitischen Feste nd Lebensart, welche ihrem Eintritt in die Arniee entgegenftänden, widerlegt und zum Beweis angeführt, daß gerade die Fsraeliten in Ostrolenta an ihrem ersten Pfingstfeiertage am meisten zur Ferner heißt es:

der Unabhängigkeit und Freiheit Zweige mit exotischem Saft ein- eimpft würden, welche später bittere Früchte tragen möchten. Wir wissen aber nicht, wie dem die Kammer vorbeugen könnte, wenn z. B. die Fsraeliten 20,009 Freiwillige stellten, oder, was no< schlimmer wáre, wenn si< alle Fsraeliten taufen ließen; dein daun müßte man sie ja nothwendig als würdig anerkennen, für Polens Erde zu sterben.‘““ „Wenn die Revolution‘, wird weiterhin gesagt, „das heißt die Umwäl- zung der Dinge, die Polen befreit hat, so würde die Revo- lution, das heißt die Veränderung des sktatus quo, auch den der Fsraeliten verändert haben aber die Kammer hat davon nichts wissen wollen, ungeachtet der s{önueu, wahren und edlen Vor- träge der Herren Swidzinski, Lempizki, Klimontowits< und Gu- stav Malachowsfi, daß man 400,000 freie Menschen, die durch Dankbarkeit an das gegen sie wohlthätige Land gefesselt wáren und gern ihr Blut für dasselbe hingeben würden, einer Geld: summe von 4 Milliouen Gulden vorziehen müsse; die Kammer hat der Annahme jenes Gesez-Entwurfes nicht entsagt, weil der Kriegsminister die Besorgniß in ihr erwe>>te , daß man fagen werde: die Poleu, die keiner Hülfe bedürften, hätten doch sich ohne die Jsraeliten nicht behelfen können; als wenn die in Po- len geborenen Jsraeliten keine Polen wären , oder als ob nicht jest Femand sagen könnte, sie hätten si<h zwar ohne israelitische Soldaten beholfen, aber ohne israclitis<hes Geld hätten sie nichts vermocht, und als ob es uicht shöner und der Civilisation un- seres Jahrhunderts würdiger wäre, zu sagen: Die Fsraeliten ha- ben seit Jahrhunderten unsere Erde bewohnt, sie shud Bürger un- seres Landes und sollen die mit diesem Naméñ verbundenen Frei: heiten genießen; mögen sie in die Reihen unserer Krieger eintre- ten, jedoch für die Erwerbung solcher Privilegien zur Unterstüßtnig des Schaßes bei den gegenwärtigen dringenden Umständen 3 Mill. Gulden niederlegen. Dann würden die Jsraeliten nicht das Blut der Polen, sondern das ihnen ertheilte Bürgerrecht bezahlt ha- ben, das Bürgerrecht, welches bis jegt Ausländer und Fremd- linge so leiht in unserem Lande erwerben fonuten.“/ ¡„„Dage- en‘, heißt es am Schluß, „werden die Jsraeliten von allen Búürgerrechten ausgeschlossen und sollen den. Namen Polen nicht führen, obgleich sie dem Lande 15 Jahre hindurch 45,500,000 Fl. Steuern gezahlt haben, deren Summe sich gegenwärtig nicht we- nig vermehrt hat.‘“ Jn der Staats-Zeitung befindet sich ein Aufsaß, worin úber die ungleihe Gehaltsvertheilung unter den Beamten und die Bevorzugung der Einen vor den Anderen Klage geführt wird; es heißt darin unter Anderem: „Je eher das so lange erwartete Budget den Reichstags-Kammern vorgelegt wird, um desto näher ist der Ruin, welcher alle Beamte und alle besoldete Stellen er- wartet. Man sollte indeß doch bei der Verminderung der Ge- halte auf Maaßregeln denken, welche, indem sie die Bedürfnisse des Landes befriedigten, nicht so vielen Familien, die mit einem Male aller Erhaltungsmittel beraubt werden, zur Last fie- len. Denn jede Sparsamkeit, welche nicht auf Gerechtigkeit gegründet ist, muß als Mißbrauch betrahtet werden und führt nie zu dem beabsichtigten Zweck. Vor allen Dingen müßte der Abzug an den Gehalten in gehörigem Verhält: niß geschehen, deun derjenige, welcher 12,000 Fl. Gehalt bezieht, faun leichter ein Drittheil davon missen, als der, welcher nur 5,000 Fi. erhált.‘‘ Hierauf wird gefordert , daß den Beam- ten, welche sich im Ausland befänden und dort eine zweideutige Rolle spielten, ihr oft sehr bedeutendes Gehalt geuomnmen, daß nicht mehrere besoldete Aemter von einem Einzigen be- kleidet, und daß nicht die no< aus der Zeit der Russi: {en Regierung herstammenden Beamten den aus der Revolu: lution hervorgegangenen vorgezogen werden sollten. Ju dieser Beziehung heißt es: „„ Niemand wird wohl die Ansicht des Fi- nanz-Ministers theilen, der, als er befragt wurde, warum die zur Flucht des Vice-Präsidenten Lubowidzki behülflich gewesenen Beam- | fen beibehalten würden, die großen Fähigkeiten dieser Männer vor- \{lißte und damit die Nothwendigkeit begründen wollte, sle in Aus-

{mü>t wurden. Wenn, wie der Kriegs-Minister sagt, die Zahl der Freiwilligen nicht viel mehr als zehn beträgt, so zeigt es fich um fo klarer, daß sie nicht unwürdig sind, ihr Blut für Polen zu vergießen, da sich sogar unter einer o kleinen Zahi Einzelne ge- funden haben, die fl< dur Muth und Tapferkeit auszeichne- ten.‘ Hierauf heißt es, daß sich der Minister übrigens in der Angabe jener Zahl irre, indem aus Warschau allein 145, aus Kalisch über 80, aus Sochatschewo über 70 Jsraeliten freiwillig Kriegsdienste genommen hätten; dam wird fortgefahren: „Aber wenn auc nicht ein einziger Freiwilliger aus ihrer Mitte vor- handen wäre, fönnte man es den Fsraeliten übel nehmen, daß sie nicht in das Heer eintreten ; sollen sie ihr Blut dafür ver- gießen, daß man sie für unwürdig hält, den Namen Polen zu führen, sollen sie dafür untergehen, daß das Baterland sie nicht für seine Söhne anerkennen will ? Sogar zum Train der Ar- mee, heißt es, sind sle nicht taugli<, denn aus Furcht (welche

Gedru>kt bei A. W. Hayn. ersten Kartoffeln und auch einige Küchen - Gewächse angepflanzt.

n Kamtschatka bei dem Hafen St. Peter und Paul gedeihen

Beschuldigung jedoch, wie wix oben gezeigt haben, durchaus un:

| übung ihrer Pflichten zu belassen. Jn einem conftitutionnellen | Staat, wo seit so langer Zeit Schulen und Akademieen bestehen, wo selbst so vicle Personen si mit der Finanz-Verwaltung des | Auslandes bekannt zu machen streben, verleßt eine solche Necht- fertigung von Seiten eines Ministers das Land, erniedrigt die in demselben blühende Bildung, ersti>t die Lust, sih der Admi: nistrations-Carrière zu widmen, eröffnet falschen Meinungen freies Feld und macht mit einem Wort weder dem Minister, no<h dem Bürger Ehre, der in demselben Lande, wo er feine tüchtige Mánner gewahrt, do< seine Bildung erhalten hat.‘ Hierzu macht die Redaction der Staats- Zeitung folgende Anmerkung : „„Der Verfasser des Aufsaßes wird erlauben, daß auch wir mit dem Finanz-Minister dem Lande dur<h die Erklärung zu nahe treten, daß es bei uns wenige zur höheren SiuanVätwaliung tüchtige Mänuer giebt ; Liebhaber viel, aber Kenner wenig; und daß jeßt eben nicht die Zeit ist, wo si< die Ersteren in unserem

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