1831 / 269 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

B E T E E hres A E C Ee G L

der-Poleit dur unsere Minister verhindert worden, das Vaterland zu retten. Man erzählt nämlich , daß das Französische, Ministerium sih am 23. Juni oder am 7. Juli zum ersten Male günstig für die Polnische Sache ausgesprochen habe; man verlangte von Polen zwei Monate Geduld, dann werde scin Schicksal entschieden seyn und es in die Europäische Staatenfamilie aufgenommen werden; der Monat Juli werde für dasselbe die Epoche seines Triumphs, nämlich der Anerkennung sciner Nationalität dur< alle Europäische Kabinette, werden: inzwischen möge es sein Schtk>sal nicht dur eine allge- meine Schlacht gefährden, sondern warten und seine Kräfte schonen. Polen, den Versprehungen unserer Diplomatie Glauben schen- Éend, läßt - der Russischen Armee Zeit, Über die Weichsel zu gchen; Warschau wird berennt, angegriffen, es unterliegt, und das Ministerium sagt: Jeßt herrsht Ordnung in War- sau. Minister, Jhr habt Rechenschaft von Eurem Verfahren ge- gen die unglü>lichen Polen abzulegen. Ale cs wahr, daß Jhr ih- nen gerathen habt, das Loos der Schlachten nicht aufs neue zu versuchen, daß Fhr ihnen versprochen habt, ste würden im Fuli oder spätestens im August von Frankreich anerkannt werden? Und was thut Jhr jeßt, um die Ueberreste der Helden, die sih no< in War- chau befinden oder in den Ebenen Polens umherirren, der Rache der Sieger zu entziehen? Habt Fhr einen Französischen Agenten mit dem Auftrage hingeschi>t, eine Frankreichs würdige Sprache zu füh= ‘ren? Habt Fhr Schiffe nach der Ofisee gesandt, um die fliehenden Familien aufzunehmen, denen Jhr den Beistand versagtet,- und die

Euch icht um ein Asyl bitten? Mit einem Worte, sagt, was Jhr'

gethan habt, und was Jhr noch thun wollt, um dîe Ueher- reste der Polnischen Nation vor den Siegern retten? Viele scheinen zu glauben, daß der Fall Warschau's dic Fra e been- dige; diese beginnt aber jeßt vielmehr erst. Es fragt sich, was aus Polen werden wird, ob es eine Provinz des Russischen Reiches werden oder die thm durch die Verträge von 1815 verbürg- te Unabhängigkeit behalten wird. Die Minister haben in der Pol- nischen Sache noch mehr, als in der Belgischen, das Fnteresse Frank- reichs bloßgestellt. Nach der Belgischen Revolution konnte man ent- weder Belgien als cin Vice- Königreich mit Frankreich vereinigen, oder es als unabhängigen Staat konstituiren; vor allen Dingen mußte man es gber vermeiden, einen Englischen Prinzen auf den Thron zu seßen, und eine solche Combination hielt in der That an- fangs Niemand für möglich. England herrscht durch seinen Einfluß in Portugal bereits auf der Pyrenâischen Halbinsel: durch die Souve=- rainetät über Hannover Übt es guf den Deutschen Bund Einfluß; Durch Belgien erhält es eine 60 Stunden lange Gränze gegen Frankreich. Jn Are reeten hat England also zwei Operation s- punkte in Belgien und Spanien; in Friedenszeiten überschwemmt es unsere Gränzen mit seinen Erzeugnissen- die als Contrebande cinges<muggelt werden. Der Belgischen Revolution lag eine rein Französische Gesinnung zu Grunde, und dennoch erklärte das Mi- nisterium von Anfang an, daß Belgien nie mit Frankreich vereinigt werden könne, ia die wichtigen Enthüllungen des Belgischen Kon-

gresses zeigen, daß Französische Agenten s für den Prinzen von “Dranien thâtig waren. Nachdem man dîe Vereinigung zurü>ge- * wiesen, mußte Belgien als naa notger Staat konstituirt wer-= den: es wollte cine demokratishe Regterungsform annehmen, man hinderte es daran, weil man Fuikcht vor der Republik hatte. Belgien wollte jeßt einen Prinzen aus dem Blute, das Über Frank= reich geherrscht hat: man verwarf aber den Heros von Leuchtenberg, weil man vor dem Kaiserthum Furcht hatte. Belgien wählte den Herzog von Nemours, man schlug die Krone für thn aus, weil man vor dem Kriege Furcht hatte. Nachdem man also aus Furcht vor der Republik, dem Kaiserthum und dem Kriege alle für Belgten und Frankreich vortheilhafte Combinationen zurücgewtesen, endigte man damit, einen Prinzen aus dem Englischen Hause auf den Thron zu schen. Um ein Bündniß zwischen Frankreich und Belgien unmögli<h zu machen, erklärt man Leßteres fúr ci- nen neutralen Staat. Belgien is also neutral, und zwar nur für uns neutral, denn im Falle eines Angriffs gegen uns würde diese Neutralität nicht sonderlich respektirt werden. Man hat durch die Diplomatie so viel Schlimmes gethan, als nur der unglücklichste Krieg hätte thun können; man hat uns der Hülfe unserer Nachbarn, Freunde und Brüder beraubt. Unterdessen trat die Jnvasion Hollands in Belgien ein, die unsere Regterung in cine schwierige Lage versehte. Das Ministerium nahm ein System an und kündigte cs durch eines seiner Mitglieder an. Man sagte uns: Unsere Truppen rücéen in Belgien ein und werden es nicht cher verlassen, als bis keine Gefahr mehr zu befürchten und Alles zur Oròönung. zurückgekehrt seyn wird. Als der Kriegs - Minister so zu uns sprach, mußten wir dies natürli<h für das Werk des 4 zen Kabinets halten. Kaum aber war -das Einrücken unserer Truppen in Belgien angekündigt, als der Britische Stolz sich rührte und die Englische Aristokratie si<h_ dagegen auflehnte. Um den Vorwürfen Englands zu begegnen, ließ man sich cinen Brief vom Kdnig Leopold schreiben, worin dieser darum bat, daß man noch 12,000 Mann in Belgien lassen möge. (Hr. Cas. Périer: Wic, wir haben uns einen Brief schreiben lassen? Gelächter auf der Mi- nisterbank.) Mit Vergnügen sehe i< das Lächeln auf den Gesich- tern der Minister; sie haben aber wahrscheinlich vergessen, daß meine Behauptung nur dem Herzoge von Wellington Mever ift, der sie von der Englischen Rednerbühne herab aufstellte und nicht widerlegt wurde. Kurz, ein Schreiben des Königs Leopold gelangt an unser Kabinet, der Moniteur zeigt an, daß 12,000 Mann tn Bel- gien bleiben werden. Neue Protokolle der Konferenz, neue Unzufrieden- heit der Englischen Opposition, bis wir alle unsere Truppen zurückziehen. Das Ministerium mußte, als es die Truppen in Belgien einrü>en ließ, alle Folgen im voraus berechnen, nicht aber sich von einer frem- den Macht Befehle vorschreiben lassen. Warum sollten wir uns vor England fürchten? Sind wir nicht eine Macht, die mit E auf gleicher Hdhe seht? Und wenn Euch Ministern die Mittel un- bekannt sind, um E und seine olle Aristokratie zu bedrohett- so müßt Fhr doch wissen, daß diese Aristokratie, welche allein jeßt England von Frankreich zu trennen sucht, leicht verwundbar i| und einen Bruch insen beiden Ländern zu vermeiden suchen muß, da sie selbsi das erste Opfer desselben werden würde. Während wir in “unseren politischen Handlungen o s{<wa< sind, zeigen wir in unseren Reden den gläuzendsien Muth. Wenn z. B. von den Verhandlungen zwischen Frankreich und Eng- Tand in Bezug auf Belgien die Rede is, so tritt einer unserer Mi- ‘nister auf und sagt, wenn Zugeständnisse gemacht worden seyen, \o sey es nicht von Seiten Frankreichs geschehen. Fn der Thron-Rede fundigt man uns an , daß, wenn die Oesterreichischen Truppen die Römischen Legationen räumten, dies auf unser Verlangen geschehe, Behauptungen, dur<h die man sich diplomatischen Reclamationen an gens hat. Fch kehre va: Belgischen Frage zurü>. Sie is noch keinesweges Peendigt, die dortige neue Regierung ist noch nicht befestigt, Kdnig Leopold ist noch nicht von allen Mächten anerkannt, und Holland rüstet sich, um die Feindseligkeiten am 10.Okt. wiederzu beginnen Die Konferenz will dem Könige von Holland Luxemburg und Lim- burg lassen, ohne die der Belgische Staat aller Kraft ermangelt, und der Deutsche Bund hat erklärt, daß, wenn der König von Holland nicht in den Besiß dieser“ beiden oren gescßt werde, er selber sie beseßen werde. Das Ministerium weiß dies Alles, und dennoch ist es nicht gerüftet; traut es vielleicht den guten Absichten der Mächte zu schr? Fch glaube nicht , daß die Mächte uns angreifen wollen, abex eben #0 wenig, daß ste uns geneigt sind, und wir müs- sen daher cine Stellung etnnehmen/ nicht um anzugreifen, sondern um fremden Angriff nicht fürchten zu dürfen.// Der Redner suchte nun darzuthun, daß das Ministerium Alles vernachlässigt habe, um diese Stellung einnehmen zu können; er fragte, warum man noch nicht ei- nige hundert Bataillone mobiler Nationalgarden organisirt, warum man wenig oder gar keine. Pferde angekauft habe, warum man die ver- schiedenen Qruppen - Corps vereinzelt stehen lasse und sie nicht in Armee - Corps vereinige, damit die Soldaten ihre Anführer kennen lernten und sih ein militairischer Geist im Heere bildete. Die Gränzen seyen nux spärlich mit Truppen heseyt; von Besançon bis

1488

na< Marseille hinunter ständen nur 17 Jnfatterie- und 4 Kaval- lerie-Regimenter, während doch gerade Lyon und Marseille, die auf dieser Linie licgen, die Heerde der Karlistischen Partei waren und im Falle eines Krieges Oesterreich mit Sardinien zusammen 250/000 Maun in das südliche Frankreich schicken könne. „F weiß, {loß der Redner, „daß man Frankreich nur mit großer Vorsicht angreifen würde; es scheint mir aber, daß wir bereits mehrere indirekte Angriffe erz fahren haben. und dabei unterlegen sind. Vor einem Jahre hatten wir Belgien, Polen, die Schwetz zu Verbündeten und konnten auf Ftalien rechnen. Jeßt ist Jtalien und Polen unterworfen, die Schweiz in si< zerrissen, und was Belgten betrit, so haben wir, wenn wir uns mit ihm verbünden, den Krieg, und wenn es neutral bleibt, so geht uns auch let leßte Bundesgenosse ab. Seit einem Jahre haben wir unsere Kräfte, unsere Verbündeten verloren und dleiben allcin und unter uns seclb| uneinig, und unsere Uncinigkeit wird durch das Gold der Englischen Aristokratie genährt. Es ist Zeit, daß die Regierung die Augen dffne und wa sam sey, sonst würde sie treulos gegen ihre Pflichten werden.

Folgendes sind im Wesentlichen die Aufschlüsse, wozu der Minister der auswärtigen Angelegenheiten sich auf die Nede des Herrn Mangnin bewogèn fand: D

„Nicht ohne innere Bewegung,/‘/ so hob er an, „erscheine ich in diesem Augenbli>ke auf der Rednerbühne. Jn der Lhat/ spreche ih von dem JFntoresse, welches Polen mir einflößt, so wird man mich beschuldigen, daß mein Bedauern nur erkünstelt sey; berichte ih auf cine búndige und einfache Weise, 0 wixd man mir vorwer= fen, daß ih unempfindlich sey. Die Zeit-Umsiände, meine Herren, sind ernster Art, die Beschuldigungen gegen uns nicht minder. Fch werde JFhnen auseinanderseßen, was die egierung ethan hat, und Sie mògen danach urtheilen, ob wir noch ferner Jhres Vertrauens würdig sind. Es handelt si< jet nicht mehr von bloßen Worten,/ sondern von einem Beschlusse der Kammer. Sind dke Minister siraffällig, so steht Jhnen das Recht der Verschung in Anklagestand zu ; sind sie unfähig, so bleibt Jhnen der Weg eincr Adresse an den König übrig. Wählen Sie. Der vorige Redner sagt uns, er ver= lange keinen Krieg; er wünscht sonach heute, was er im _ vorigen Fahre nicht wünschte, nämlich den Frieden. Gestatten Ste nir, daß ih Jhnen noch einmal in gedrängter Kürze alles dasjentge ins Gedächtniß zurucrufe, was sich scit den Juli-Tagen in Europa zu- getragen hat. Ueberall machte unsere Revolution tiefen Eindruck. Fn Rußland wurde sie eine Folge der daselbst eingegangenen falschen Berichte mit wahrem Mißvergnúgen aufgenommen. Der erste Eindru> shwand indessen nach dem Eingange authenti- \cherer Nachrichten , und die Folge davon war ein friedliches Ver- hältniß zwischen beiden Staaten. Darüber brach dic Revolutton in Belgien aus. Die Errichtung des Königreichs der Niederlande, an der ganz Europa Theil genommen, war ein eere Werk gegen Frankreich gewesen; großentheils mit unserem Gelde hatte man eine Reihe von Festungen erbaut. Dies erinnert an eine unhcilvolle Zeit, die nicht wiederkehren wird, wenn Frankreich klug und einig ist. (Sensation.) Die P Revolution machte in St. Peters- burg großen Eindruk. s dauerte nicht lange, so verlangte der Kdnig von Holland den Beistand Rußlands, um in den Bestß Bel- giens wieder eingescht zu werden. Der Kaiser antwortete aver, und ih habe seinen Brief in Händen, daß er lebhaften Antheil an dem Unglúcke des Königs Wilhelm nehme, daß er ihm aber nur mit Hülfe seiner Alliirten Beistand leisten kdnne, und daß er Nichts allein unternehmen werde. Als bald darauf die Französische Regierung erfuhr, daß Rußland beträchtliche Streitkräfte im westlichen Theile sciner Staaten zusammenziche , ließ sie in St. Petersburg erklären , daß, sofern diese Strettkräfte den Deutschen Boden betreten sollten, ‘rankreich nur noch sein Juteresse und scine Wärde zu Rathe zie- H werde. Fm Dezember brach die Polnische Revolution aus; die unsrige, wie die Belgische, traten dadurch für Rußland in den Hintergrund. Die Französtsche Regierung begriff das ganze Gewicht dieses Ereignisses; frühere Erinnerungen machten, daß sie sich leb- haft für die Polnische Sache interessirte, aber sie täuschte fich zu-

gleich nicht Über die Schwierigkeit des Unternehmens. Mittlerweile

ließ sle kein Mittel unbenußt, um in Petersburg Worte der Ver- (tenun hôren zu lassen. Die Wechsclfälle des AEIcget in Polen sind Jhnen bekannt. Nach der Schlacht von Ostrolenka suchte das Französische Kabinet dem Kaiser von Rußland begreiflich zu ma- Gen, daß es sich hinsichtlich Polens um zwei Fragen handle, wovon die eine Rußland allein, die andere aber ganz Europa angehe; daß der Wiener Kongreß aus Polen ein besonderes Reich gemacht habe, . und daß es dies bleiben müsse. Auf die dieserhalb verlangten Erklärungen wurde uns die, auch heute no < wicderholte, Versicherung zu Theil, daß Polen ein besondercs Königreich bleiben solle. Diese Versicherung is allen großen Mäch- ten ertheilt worden; um ste zu erlangen, hatten diese sich mit Frank- reich vereinigt. Fch bitte um die Erlaubniß, Fhnen einige Auszüge aus einem St. Petersburger Schreiben vom 31. August mitzuthei- len: /, Der Herr Botschafter wird Ew. Exc. bereits angezeigt ha- ben, mit welcher Mäßigung das Russische Kabinet den Einmarsch der Ede in Belgien betrachtet hatte. Natürlich war es, daß die Einwohner dieser Hauptstadt bet den ersten Nachrichten von den von den Holländern über die Belgier errungenen Siegen ihre Freude zu erkennen gaben. Diese Theilnahme für cine Armee unter dem Oberbefchle eines Schwagers des Kaisers ist leicht erklärlich. Der Räckzug der Holländer vor der Franzöfischen Armee mehrt schr die Hoffnung, daß die Unterhandlungen eine Verwi>kelung, die für die Ruhe von Europa hâtte gefährlich werden können, lösen werden. Der Herzog von Mortemart hat die bestimmtesicn Versprechungen mitgenommen, daß die traktatenmäßigen Bestimmun= gen tn Bezug auf Polen streng in Erfüllung gchen werden. Wenn die Kammer im Namen Frankreichs die Zuversicht äußert, daß den Polen ihre Nationalität erhalten werden würde, \o giebt ste nur ei} nen Wunsch zu erkennen, den man nach den bestimmten und wie- derholten Versprechungen des Kaisers als sehr gegründet betrachtet darf. Der Herzog von Mortemart hat in seinen Gesprächen mit dem Kaiser oder dem Grafen Nesselrode nie den leisesten Zweifel úber die Verwirklichung dieser Bere ugen geäußert; diesc leh- teren finden Überdies eine Bürgschaft in dem Spruche, daß das Wort eines Souverains unverleßlich, wie der Rathschluß der Vor- schung, seyn müsse. Diese Grundsäße sind auch die unsrigen ; mit- lerweile habe ih Hrn. v. Nesselrode geschen, um ihn an die von der Preußischen Regierung gegebenen Versicherungen zu erinnern und ihn aufzufordern, nah Kräften zur Linderung des Schicksals der Polen beizutragen. Er hat mix dara erwîiedert, daß der Kaiser Nikolaus die bestimmte Absicht zu erkennen gegeben habe, sïh mit Preußen und Oesterreich, als den bethciligten Mäch- ten, über die Maaßregeln zur Pacificirung Polens zu besprechen.// ¡(Sie sehen hieraus‘, fuhr dexr Minister fort, „daß die Politik Frank- reichs ofen is. Nachdem wir unsere Vermittelung in St. Petérs- burg angetragen, sind auch die Übrigen großen Mächte aufgefordert worden, sich uns zu diesem Behufe anzuschließen. Diese glaubten aber, daß der Augenbli> dazu noch nicht gekommen sey, und lehn- ten daher den Antrag ab. Was sollten wir nun thun? Zu der An- nahme zwingen? Dies hätte zum Kriege geführt. Als wir unsere Vermittelung anboten, schte ich zugletch die in Paris befindlichen Lm u Al d von dem beschlossenen Schritte in Kennt- niß. an behauptet, wir hätten ihnen zugleich versprochen, daß wir unsererseits Polen innerhalb zweier Monate anerkennen wür- den. Nie haben wir so etwas gesagt. Wir sollen ihnen fer- ner gerathen haben, den Offensiv-Krieg cinzustellen. Nie ist dies genten, Wäre wirkli<h ein Minister unvorsichtig, ja unfinn gg gewesen, jenes Versprechen zu ertheilen, wer hâtte Capo fontnten, daß dasselbe sich schon binnen 2 Monaten ver- wirklichen lassen würde? Wie läßt sich Überdies irgend annehmen, daß, wäre ein solches Versprechen wirklich gegeben worden, die Po- len sh dadur< würden haben verleiten lassen, ihre Operationen einzustellen? Die Aktenstü>e, die ih in Händen habe, bezeugen, m. H./ daß die besten Freunde des Generalissimus Skrzynezki ihm,

bei allen seinen eminenten Eigenschaften, das Talent absprag, einen Offensiv-Krieg zu führen. Französischen Reg Pläne in Polen verantwort

Wie will man nun aber voy ierung verlangen, daß sie für die milifa lich seyn solle? Wie will man ih Vorwurf daraus machen, daß nur 24,000 Mann in Wars 36,000 aber in Podlachien standen, ein Umstand, wodur Fall der Hauptstadt herbeigeführt worden sey? uns, ftanden Euch nicht Mittel zu Gebote, um diese Kataäsiry Konntet Fhr nicht Polen anerkennen? tet Jhr keine Flotte in dîe Ofisce zu schi>en? Der Reh der so fragt, weiß wahrscheinlich nicht, daß es für Polen der Ostsee keinen Hafen giebt. (Hr. Mauguin : Js Polangen h, Hafen?) Allerdings; Polangen kann aber nur Schiffe zu hd 50 Tonnen aufnehmen. Man fragt uns ferner, warum wir M Flotte nach dem Schwarzen Meere geschi>t haben? Würde ¡F aber die Türkei wohl die Durchfahrt durch die Dardanellen un) Bosporus erlaubt haben? (Stimmen zur Linken: Warum nij In Konstantinopel, wirft man uns endlich vor, hätten wir eh Botschafter gehabt, der Frankreichs Jnteresse richtig verstanden hz dafür aber auf Rußlands Verlangen desavouirt worden sey. F wissen, m. H., daß wir uns siets für das Friedens- System bes haben; in diesem Sinne waren auch alle Fnstructionen an j erfährt der Graf Guillemi nah Briefen aus Deutschland, daß zwischen Frankreich y wischen Frankreih und Ruß d úÜbergiebt ex dem Divan Note, worin er ihn zum Kriege gegen Rußland auffordert, f Türkci, ganz bestürzt Über eine solche Mittheilung, theilte am folgenden Tage diese Note den Repräsentanten aller M mit; freilih hatte der Gesandte es mit einem bloßen Leichnay thun. Die Französische Regierung erfuhr bald auf indirektem Y, dieses ganze Sachverhältniß; da indessen der Gesandte in zw Schreiben darüber gänzlich s{<wieg, so mußte sie e Fabel halten; sie versicherte daher dfentlich, daß jene Note yj existire; wenige Tage darauf crfuhr sie das Gegentheil. schung des Botschafters is von keiner fremden Y den; aber Frankreich glaubte, daß seine Agenten ihren Jnftructit Der Himmel bewahre nj hm eines tapferen Offiziers, eines aufgeklit und unterrichteten Mannes verdunkeln will. geirrt; wie leicht iff aher dieses in solcher Entfernung. destoweniger mußte ' Warum, fragt man uns," habt Fhr Polen nicht anerk Glaubt man denn aber etwa, daß Warschau nicht eben o gut 4 len wâre? Und was hätten wir dann thun sollen ? Wir hâtten ganz unnüy kompromittirt. Der lehte Vorwurf, den man uns ml ist der, daÿ wir Preußen nicht zu einer reellen Neutralität gew Wir hätten, so sagt man uns, dasselbe ollen, was wir für Belgien gethan haben, wir hätten nämlid klären sollen, daß kein Preußischer Soldat in Polen cinrü>en d Wie mir scheint, ist dies aber auch sagt man ferner, Preußen zwingen zungen an Geld und Waffen nach Polen gelangen lasse. Dies wi aber zu cinem Kriege, einer Forderung wegen, „gefährt haben, cin unabhängiger Staat sich niemals gefallen läßt. Geseht, Fi sh in derselben Lage, wie Preußen, befunden, würd wohl geduldet haben, daß cine andere Macht ihm sage: ;,,„Fhr m diesen Waffen und Geldern freie Durchfuhr gestatten, weil als y Nein, m. H., #o lautet durch solche Anforderungen würden wir Preußen gezwungen ben, uns den Krieg zu erklären, und dies wollten wir nit Der Minister wandte sich nun zu der Belgischen Angelegen und suchte darzuthun, daß Frankreich Belgien Reutralität beobachtet habe. tung des vorigen Redners, da ich als Republi feuille der auswärtigen Angele bereits dic Monarchie ‘proklamirt was Hr. Mauguin in Betreff der reich gesagt habe; diese sey nicht der Wuns nux einiger Fnudividuen seine Thronrede gezeigt , Wenn Frankreich sth der Wahl des Herzogs von Leuchtenher derscßt habe, #0 wisse man jeßt nur zu Was die Wahl des Herzogs von 2 Belgien sîe wider den Willen des Französischen Kabinets gettif das, Familienvortheile wegen, keinen Krieg habe beginnen wel Wenn die Neutralität Belgiens von einer anderen Macht vetl werden sollte, so kônne dies nur zum Vortheile Die Fnvasion Hollands sey dem Kabinet so wenig unen tet gekommen, daß es einige Tage früher schon dem Könige le 59,000 Mann zur Verthetdigung seines Landes angeboten ge} Frankreich hâbe seine Armee in Belgien einrü>en lasset, bald es die Nachricht von der Fnvasson Hollands erhalten | König" Leopold Hülfe verlan in ihre Gränzen zurü>gewie

Aber, fragt y

zu verhindern ?

sere Gesandten abgefaßt. Oesterreich , vielleicht auch Uneinigkett herrsche.

acht begehrt

leisten müßten. daß ich den

Kabinet thun ,

en hâtten.

nicht geschehen. sollen, daß es unsere Unterki

reich hâtte

ser Wille i|!//// as Staatsrecht nil

egenüber dite rén hm aber die Beh Belgien dur< Frankreich verhin onstituiren; als er das P enheiten Übernommen, habe Bel Eben so fals s ereinigung Belgiens mit Ft der Ration, sónèé König Leopold habe di er kein Englischer Prin

Ganz neu sey

worden \ey-

ut, daß es Recht emours betreffe, 0

rankrcichs gel

Die Holländische Armee wiesen worden, und das Französische Y sey lange genug tn Belgien geblieben, um das zu erfüllen, wai Kriegs - Minisier angekündigt gehabt, daß nämlich unsere A nicht cher das Land verlassen wúrde, als bis die Unabhängij! Ein Waffenstillstand sey abgeschlossen l rankreich habe etl sogleich wieder d

desselben gesichert wäre. von allen Mächten garantirt worden, und daß bei einem zweiten Einfalle Hollands au dsische Truppen in Belgien einrü>en würden. Die Beschuldigt das Ministerium von dem Kdnige Leopold das Gesuch, die W pen zurü>zuziehen, erbettelt habe, verdiene keine Widerl Frankreih habe scine Truppen cinrü>en lassen, weil eine geblät sche Pflicht es erheischt habe; es habe dieselben zurú>ge e Maaßregel ebenfalls geboten der hauptungen von einem Bündnisse zwi Sardinien und Oesterreih und von einer dem Lande vo Seite drohenden Gefahr als grundlos dargestellt , die Wider der die Organisation der Armee betreffenden Vorwürfe des Mauguin aber dem Kriegs - Minister überlassen hatte, {lo folgender Weise: „Man fragt uns, welche Fricdens-Versichekul uns ertheilt worden wären, und worauf sh unser Vert in die Aufcechthaltung des jeßigen Standes der Dinge Es gründet sich auf das Juteresse aller Mächte, auf wirkli gangene Verbindlichkeiten und guf den' uns von sämmtlichen ten wiederholt geäußerten Wunsch, gleich uns, ihre Streitkräfte | mindern zu wollen Diese Versicherungen und die damit verbut Ersparnisse verdienen wohl das Fnteresse der Kammer.‘

Unter lautem Beifall des größeren Theils der Versa iung verließ der Minister die Rednerbühne. Play zurückkehrte, trat Herr Casimir Périer ihm entgegen, ® ihm seinen Glückounsh darzubringen; au< eine große M! von Deputirten drängte si< in derselben Absicht um ih einer kurzen Debatte zwischen den Herren Prunelle un anin liefen si< in dieser Sizung noch der Präsident ? Minister-Raths und der Großsiegelbewahrer, Lehttl über die innere Lage des Landes, vernehmen, worauf d seßung der Diskussion auf den folgenden Tag verlegt und Sigung um 65 Uhr aufgehoben wurde. j

(Die Tages- Neuigkeiten aus Paris \, in der Beilage-

Großbritanien und YXFrland.

Parlaments-Verhandlungen. Oberhaus, S vom 19, Sept. Eine vom Herzoge von Devonsf reihte Bittschrift aus Derby zu Grmnsten der Reform- zunächst zu einer kleinen Kontroverse Anlaß, Die Bittsh f

die Aufrichtigkeit ihm die dem der Minister die Be

Als er auf seil

námli< {on im Moriat März zu Stande gekommen un sih mithin eigentlich auf diejenige Réfórm? hause vor seiner lezten Auflösung vorgelegen hatte.

116 von Londonderry, der Herzog v. Cumberland, Lord nh on, Graf von: Eldon und andere Tories behaupteten, daß

an unter solchen Umständen die Bittschrift gar nicht annehmen

inne. “Da Lord E idon unter Anderem äußerte, daß der Lord- (nzler dafür Sorge tragen múßte, daß dergleichen Bittschrif-

dem Hause. gar nicht vorgelegt werden, so nahm Lord Broug - am das Wort und sagte: „Eine solhe Befugniß steht weder jr, no< irgend einem anderen Lord zu. Ein wesentlicher Untec- jed besteht zwishen dem Grade vou Autorität, welcheu- der

Zyrecher des Unterhauses, und dem, welchen ih als Sprecher

f Hberhauses besige. Mir seheint, daß meine Macht, die Ord- ung hier zu behaupten oder die Verhandlungen des Hauses zu jen, nit viel größer ift, als die jedes anderen edeln Lords; (sonders habe ich mich, seitdem i<- die Ehre habe, ein Mitglied jeses Hauses zu seyn, davon überzeugt, wie sehr hier jene Ord- ing und Regelmäßigkeit, die im Unterhause vorgeschrieben und eng behauptet wird, ganz und gar fehlt. Seit mehrecen Mo- ten habe i< nur zu häufige Gelegeuheit gehadt, wahrzunehmen, ¿ wenig Ordnung in den Debatten Eurer Herrlichkeiten hercscht. iht daß ich dies meiner Unsähigkeit zum Sprecher - Amte odec zend einem edeln Lord besonders beimessen sollte; mir scheint (mehr der Fehler darin zu liegen, daß Sie dem Sprecher nicht ¿ Macht verleihen, das Reglement des Hauses zu behaupten. jn solches Reglement besteht; Niemand aber deachtet es. Der ne edle Lord erhebt sich zehn Mal hinter einander, um zu re- n, ein Anderer erregt dur< Fragen eine lange Debatte, wie- hl dem Hause fein eigentli<er Gegenstand vorliegt, und zwar (hieht dies ni<t ein Mal, sondern in jeder Sizung. Mir fre es ganz re<t, wenn mir eine Befugniß, wie i sie i nöthig halte, zu Theil werden möchte.‘ Der Herzog von evonshire sah sich inzwischen dur< die Bemerkungen der ads veranlaßt, die fragliche Bittschrift zurückzunehmen. af von Aberdeen, der in der Sipung vom 1áten Septem- (S. Nr. 263 der St. Z.) nicht zugegen gewesen war, fand h dadurch veranlaßt, in Bezug auf die Portugiesischen Ange- ten no< einige Aufs{lús}sse von dem Grafen Grey si< ¡bitten „Fh weiß nicht genau//, sagte er, „in welchen Ausdrücten mei- früheren Angabe widersprochen worden is. Meine Mittheilung ¡tete dabin, daß der Französische Admiral von der Macht, welche j im Hafen von Lissabon besessen, Gebrauch gemacht und von der hrtugiesischen Regierung Handels-Vortheile zu Gunften Frankreichs langt habe. Der edle Graf hat, wie ih vernehme, gesagt , daß “Französischen Regierung etwas der Art mitgetheilt worden sey, (selbe sey abér darüber schr erftgunt gewesen und habe erklärt, 1ts davon zu wissen. Der edle Graf hat diese Aufklärung mit ner großen Lobrede Über die Aufrichtigkeit der Franzdsischen Re- ng begleitet. Jch habe dagegen zwar keine Einwendungen zu hen; aber Per hade ich mich doch, als ih erfuhr, daß der dle Graf, auf eine solche Autorität hin, dem Bericht über eine itsache widersprochen hat, deren Richtigkeit ich zu beweisen im inde bin. Fch sehe mich daher gendthigt , diesen Gegenftand ge- u zu erdrtern, und wenn dies auf Kosten der Franzdfischen Re-

ung geschicht, so if das der Fehler des edlen Gra-

, und nicht der meinige. Man wird s\< erinnern, daß 1 Ee des verflossenen Monats Juli eine Caypitula- (n - zwischen dem Französischen Admiral im Tajo und den httugiesischen Behörden abgcschlossen wurde. Ungefähr zehn ze später, am 22sten Juli, wurde cinc andere Capitula- it abgeschlossen, in welcher der Admiral die Handels - Vortheile t Frankreich zu erlangen ftrebte, von welchen ih früher gespro- 1 habe; und als ih dîes that, befand sich jene Capitulation in inen Händen. Sie besteht aus $2 Artikeln. Der er fte giebt als fund dieser zweiten Capitulation an, daß einige Unrichtigkeiten 1 Bezug auf die frühere in den Zeitungen erschienen seyen und an deshalb Úbereitigekommen sey, daß ein genauer Bericht in der sahonner M errans erscheinen solle. Der zweite bezieht si uf Manlscde Reisende, welche na<h Lissabon kommen, und uf den Shuß und die Erleichterungen, die ihnen zu gewäh- en sind. Der dritte betrifft eine angebliche Beleidigung, fc der dreifarbigen Flagge bei ihrem ersten Erscheinen im Tajo gefügt scyn soll. Der vert e i? der, welcher dieses Land ganz onders angeht, und auf den ich daher die Aufmerksamkeit des hauses vorzüglich zu lenken wünsche. Der von dem aner dmiral gemachte Vorschlag war noch verschieden von dem, welcher 1 diesem Artikel der Convention erschien. Der Französische Admi- l verlangte, daß die Portugiefische Regierung den Handel Frank- hs mit Portugal auf gleihen Fuß mit dem der degünfstigtsten tionen, also auf gleichen Fuß mit dem Englischen Handel, sehe. Je verlangte man von der Regierung eines Landes, welches unser alter ürter war und noch unser Alliirter is, obgleich wir Alles thun, was unserer Macht steht, um die dort bestehende Regierung umzu- vA n. Der Artikel enthält, daß die Portugiesische Regierung ge- 0t it, mit Frankreich in Bezug auf den Handel unter den Bes gungen der Reeiprocität zu unterhandeln. Der fünfte seßt Entschädigungen fest, welche einigen in Lissabon wohnenden Fran- it dewilligt werden sollen. Der ses e verspricht die Befreiung : er igen politischer Vergebungen verhafteter Franzosen. Der „ente betrifft die Art und Weise, wie die Französtschen Unter= ien in Lissabon s den Schuß der Geseße genießen sollten. r achte bestimmt, daß die Portugiesen ihre Stellungen am Tajo ft befestigen durften, so lange die Franzdsische Flotte daselbst ver- d, Der edle Graf wird die Existenz dieser Convention nicht Weiten, sollte dies aber der Fall. seyn, so erbiete ih mich, die Au- ftiticität derselben zu beweisen. Fch enthalte mich jeder Bemcr- h über dieses Aktenstü>k, welches ih dem Hause nur mitgetheilt t, um die Richtigkeit meiner früheren Angaben darzuthun.

_ Graf Grey antwortete zunächst, daß er die lezthin gegebene i sihecung in WVezug auf Frankreich aus einer amtlichen De- he ges<öpft habe, die er bereit sey dem Hause vorzulegen. pr müsse er zugeben, daß der Vicomte d’Asseca Portugiesischer vi hon früher, als der edle Graf, hier bemerfli< gemacht hl: es seyen von der Französischen Regierung Handels - Vor- v e verlangt worden; da jedoch weder der Britische Konsul in bon, noch die daselbst wohnhaften Englischen Kaufleute, die "e am meisten interessirt gewesen, eines solhen Umstandes E hätten, so hátte er auf jene Anzeige at viel ven, bis auch der edle Graf (Aberdeen) mit feinen Bemer- „hen in dieser Hinsicht e seh. Ju der oben erwähn- k Depesche des Britischen Botschafters in Paris werde jedoch b, iderlegung dieser Bemerkungen gemeldet, daß der Graf ' ftiani das größte Erstaunen darüber zu erkennen gegeben Bote: daß im Parlamente geáußert worden seh, die Französische “A bleibe im Tajo, um Handelsverträge mit Portugal zu er- h Tr Graf Sebaftiani habe ihn (Lord Granville) zu Q lärung autorisirt, daß der Admiral Roussin durch:

m le Unterhandlungen mit der Portugiesischen Negie- m G diesem Zwecke gepflogen habe. Er (Graf Grey) tifte rund, in die Versicherungen des Grafen Sebastiani das 6 G ertrauen zu seyen und seh der offenen Auseinandersepung Vi rafen Aberdeen mit einer eben so offenen Erklärung entge- zetommen. Der Herzog von Wellington bemerkte inzwi-

V assen, daß ihm Aktenstücke zu Gesicht gekommen seyen, aus wels

d Wen hervo j ill, die dem gehe, daß die Franzosen jeßt Handelsvortheile besäßen,

viel günstiger wären, als diejenigen, die sle vor der Expedi:

n nach ‘dem Tajo besessen hätten, Mit Leidwesen habe er

1469

von der Ausrüflumg einer anderen Flotte na< dem Tajo ehört, indem er besorge, daß diese Schritte nur einen

urgerkrieg in Portugal hecvorrufen wtirden. Lord Holland meinte , jene Bemerkung von angeblichen Französischen Handels- Vortheilen beruhe zwar auf Portugiesischen Zeitungs-Nachrichten, sey jedo< ganz unbegründet. Graf Grey machte benmerflic, wie schr. es überhaupt dem Staatsdienste nachtheilig sch, wenn man so vielerlei ungenaue Angaben im Publikum zu verbreiten suche; untec Anderem werde sogar gesagt, daß die Britische Re- gierung die dem Dom Miguel opponirenden Parteien mit Geld unterstüße; er frage jedo< den Grafen von Aberdeen, ob er selbst wohl einer solchen Augabde den mmdesten Glauben \henfe? Graf von Aberdeen ftand nicht au, diese Frage so- fort zu verneinen. Der Minister fügte dann hinzu, daß, eben so wie diese Nachricht, au< die von den Absichten der Franzo- sen und der Fcanzöslschen Flotte undegründet sey. Danmiit \{!oß die Debatte, und das Haus ging sodann zur ferneren Erwägung der auf die Fagd-Gescye si< beziehenden Vill über.

Unterhaus. Sizuug vom 19, Sept. Der an die Mitglieder des Hauses ergangene Aufruf wurde als nicht an- wendbar auf die heutige Sißuüung angesehen und als für den be- vorstehenden Freitag gültig eckläcrt. Es ergab sich jedo, daß, als Lord John Russell, der Ankündigung gemäß, auf die dritte Lesung der Neform:Bi!! antiug, nuc etwa 170 Mitglieder anwesend waren, vou denen Niemand sl< erhob, um si sofort dem Antrage zu widersesen. Erst nahdein der Sprecher in üblicher Weise gesagt hatte: „Diejenigen, welcze dieser Mei- nung slud, sagen „Ja“, und dicjenigen, welche entge- gengeseßter Meinung sind, sagen „Nein“, und nachdem das schwache „Nein“ von dem lauten „Ja“ überstimmt worden war, erhob si< Sir F. Scarlett, das einzige anwesende Op: positions-Mitglied von Bedeutung, um gegen die dritte Lesung zu protestiren. Es war jedo<h zu spät; die Zählitng der Mitglie: der sand statt, und es zeigten si< 113 Mitglieder für die dritte Lesung und 58 dagegen, so daß fie duch eine Majorität von 55 Stimmen beschlossen wurde. Diese Eitscheidung kam so unerwar- tet rasch, daß mehr als 80 Mitglieder, von denen der größere Theil den Freunden der Bill angehörte, eintraten, als die Abstimmung eben beendigt war. (Während jeder Abstimmung if der Sißungs- saal ges<losen, und es wird feinem Mitgliede verstattet; in die- ser Zeit einziitreten.) Unter den zu spät Anfommenden befan: den sh Sir Fr. Burdett, Sir Rob. Peel, Sir Ch. We- thereil und Andere. Als der Leßtgenannte eben so eilig als zornig über den verfehlten Moment eintrat, echob s< ein lautes anhaltendes Gelächter. Nachdem der daduc< verursachte Lärm etwas aufgehört hatte, erhob si) Lord FYohn Ruf- sell umd s<{lug, als Anhang zur Reform - Bill, einen Paragraphen vor, ia welchem festgesest werden soll, daf, wenn die Auflösung des gegenwärtigen Parlamentes er- folgen sollte, bevor beide Häuser den König in einer Adresse erfucht hätten, die in der Reform-Bill enthaltenen Be- stimmungen eintreten zu lassen, die Wahlen des neuen Parla- ments so erfolgen sollten, als ob die Bill noch gar nicht existirte ; sollte die Auflosung jedoch erfolgen, nachdem beide Häuser jene Adresse votirt, und na< dem 20. April 1832, so finden die Wah- len nah den in der Bill enthaltenen Bestimmungen unter eini- gen geringfügigen Modificationen statt. Sir Robert Peel widerseßte sich diesem Vorschlage und wurde darin von Sir Ch. Wetherell unterftüßt. Der Paragraph wurde jedoch, ohne daß eine Abstimmung darüber erfolgte, nit kurzen Unterbrechungen drei Mal hinter einander verlesen. Eben so ging es mit eini- gen anderen fieinen Zusäven. Als nun aber Lord John Ru sell unter lauten Beifallsbezeugungen, in welhe auch sogar die She Sa arte mit einftimmte, den Antrag stellte, daß die Bill durchgehe, erhob si Sir Names Scarlett, um den opponirenden Vortrag, mit welchem er vorhin zu spät gekommen war, jetzt jk halten. (Wegen Mangels an Raum fönnuen wir für heute keine Mittheilung von diesem Vortrage machen.)

Diesen Vortrag, der von dem lauten Beifalle der Opposition be- leitet war, suchte zunächst Lord Morpeth zu beantworten.

erselbe bedauerte, daß der vorige Redner den Details der Bill ni<ht mehr Aufmerksamkeit im Ausschusse geschenkt und seine Bemerkungen nicht fcüher gemacht habe, wo sie nüglicher hätten sehn können, als jezt. Die Oppösition, und zwar deren unge- schi>kter Theil, zu welchem er den vocigen Redner nicht zählen wolle, habe, seitdem sie bemerft, daß es ihr im Unterhause uicht gelingen werde, die Bill zu unterdrleken, den ganz eigenen Weg eingeschlagen, plôglih mit der Behauptung hervorzutreten, daß die Gesinnungen des Landes in Bezug auf die Bill sich geän- dert hátten. Nichts sey jedo< unbegründeter. Von den endlo- sen Wiederholungen derselben Declarnationen gegen die Bill sey das Bolf ¡war ermüdet und gelangweilt, aber von einer Reac- tion seh nicht die Rede. Höchst seltsam sey die Behauptung des vorigen Neduers, daß das Manufaftur:Fnteresse durch die Vill ein so bedeutendes Uebergewicht erhalten würde, daß es das Kirchen- und am Ende auch jede andere Art von Eigenthum angreifen würde als ob der Mauufakftur- und Handelsftaud bestehen fönnten, wenn nicht auch für alle andere Stände die erforder- lihe Sicherheit im Staate vorhanden seh. Da außer dem zuerst genannten Redner nun no< mehrere Andere gegen den Antrag des Lord John Nussell auftraten, so wurde um ein Viertel auf 2 Uhr na< Mitternacht die Fortsepung der Debatte auf den folgenden Tag verschoben.

Oberhaus. Sigzung vom 20. Sept. Die von dem Lord-Kanzler herruhrende Bill zur Verbesserung des gericht- lihen Verfahrens in Failliten- Sachen kam heute an den Aus- {uß und erregte lange Diskusslonen unter den anwesenden ju: ridischen Autoritäten, Namentli<h nahmen Lord Lyndhurst, Graf von Eldon und der Lord-Kanzler selbst lebhaften Theil an der Diskussien.

_— Unterhaus, Sibung vom 20. Sept. Hr. Hunt wollte eine authentishe Erklärung darüber haben, weshalb die Herzogin von Kent und die Prinzessin Victoria bei der Krönung nicht zugegen zetwesen sehen. Lord Althorp erwiederte, es seh in diesem Bezuge von den Zeitungen Vieles entfiellt worden. Die Herzogin von Kent habe si, als sie vernommen, daß die Krönung auf einen gewissen Tag feftgesezt, bei dem Könige ent- huldigt, daß sle an diesem Tage nicht erscheinen könne; der König habe die Gründe vernommen, fie für triftig befunden und demnach die Herzogin des Erscheinens bei der Weit 6- Teges monie entbunden. Dies würde hinreichend sehn, um die Sache zu erflären. Die Debatte über den gesirigen Antrag des Lord Y. Russel wurde sodaun fortgeseyt, kam aber aueh heute noch niht zum Sehlusse.

London, 21. September. Vorgestern - Abend trafen Fhre Majestät, die Königin, in Begleitung der Herzogin von Sachsen- Weimar und der Prinzessin Louise, in Brighton ein. x

Der Fürst Lieven, der Fürst Talleyrand und der Graf Ma- tuszewicz hatten geftern im auswärtigen Amte eine lange Konferenz mit dem Viscount Palmerston,

Der Marquis von Palmella stattete am Moutag dem Vis-

count Palmerston einen Besuch ab.

In Edinburg hat der Kaufmannéstand eine Versamnilung

gehalten und eine Bittschrift an das Oberhaus zu Gunsten der

Reform-Bill beschlossen.

Die Vürgerschast der City von London war heute zu glei- <em Zwe> unter dem Borsiß des Lord Mayors versammelt. Ss wurde eine Bittschrift-zu Gunsien der Bill an das Oberhaus beschlossen, worin gesagt wird, daß Jhre Herrlichkeiten sl{< von dem anhaltendeu, tiefen und unverminderten Juteresse überzeugt halten fönnten, wel<hes die Bürgec von London an dieser gro- ßen National: Maaßregel nehmen, und daß dieselben “die voll: kommene Ueberzeugung hätten, daß von dem Erfolge derselben des Friede und die Ruhe sowohl als die künftige Wohlfahrt der Nation abhinge. Die Bittschrift soll den Lords Brougham und Baux durch den Lord-Mayor und 24 Vúrzer überreicht werden.

Dem Cork Reporier zufolge, verbreitet sich das Gerücht, daß das Geschwader unter dem Befehl des Sir Edwacd Co- drington nah Cove segeln und dott 5 6090 Mann Solida- ten, welche gegenwärtig in Jrland dienen, einnehmen soll; úber die Bestimmung dieser Truppen habe indeß nichts verlautet. Sg viel seh indeß gewiß, daß die Flotte England verlasse have, und daß in der Gegend von Fermoy viele Truppen zujammengezo- gen sehen. /

__ An der Heutigen Börse haben faft gar kein€ Veränderung in den Fouds stattgefunden; aber es gab si ein unbehagliches Gefühl zu erkennen, wel<es seinen Grund in den nächsten Nach- richten, die man von Paris erwartete, hatte. Die Schwierig- keit, sih eine rihtige Ausicht über diesen Gegenstand zu bilden, hat dazu beigetragen, daß tein Geschäft von Bedeutung zu Stande gekommen ift.

M e d.erlaude,

Brüssel, 21, Sept. Ju der gesirigen Sibung der S e- natoren- Kammer wurden die Geseß - Entwürfe wegen Liuf- nahme fremder Offiziere in die Belgische Armee, Entlaffung der Offiziere ohne Gehalt oder Pension und wegen des dem Kriegs- Minisier zu bewilligenden Kredits von 19 Millionen Gulden ein- flimmig und chne Veränderungen angenonumen.

Jun der Revräsentanten-Kammer wurde ein Geset be- rathen, welches zum Zwe> hat, die Schwierigkeiten hinweg u- räumen, die aus den Koutrasten mit den Stellvert:ete:n in den Milizen entstehen könnten, und wurde dafcive na kurzen De- batten mit 39 Stimmen gegen 21 angenommen. Ueber einen , Vorschlag des Herrn Jamme , daß die Bewaffaung und Equui- pirung der Bürger s Garden dem Staate zur Last fallen solle,

sey, zur Tagesordmmg geschritten, Im Belgischen Moniteur liest man: „Am 16. Sept. ist der General Goblet, Bevollmächtigter des Köni:s der Bel-- gier, in dieser Eigenschaft dur< Lord Palmerfion deu Gesandten Oesterreichs, Preußens und Rußlands vorgestèllt worden.“ Fe:- ner: „Das Protokoll Nr. 40 bezieht si< auf die Auswechsciung der Gefangenen und auf die Wiederherstellung der Dämme. Das legte Protokoll Nr. 41 vom 14. Sept. letrifft einzig die Räumung Belgiens dur< die Franzosen. ““

Die Emancipation will wissen, daß die Londoner Kon- ferenz entschieden habe, daß der Waffenstillstand zwischen der Belgischen und Holläudischen Armee während dec ganzen Dauer der Unterhandlungen fortbeftehen solle. Drei Mächte hätten gleichzeitig der Holländishen und Belgischen Regierung ange- zeigt, daß sie sich jeder Wiederaufnahme der Feindseligkeiten am 10. Oft. widersezen würden. Das genannte Blatt fordert das Ava auf, diefe Nachricht, im Fall sie offiziell sey, zu be-

átigen.

Man sagt, daß die Regierung eine bedeutende Bestellung von Gewehren in London gemacht und einem dortigen Banquier bereits die Summe von 6000 Pfd, Sterling als Vorschuß auf diese Bestellung übersandt habe.

Herr Lion, General -Seccetair im Finanz - Minifterium, ist vorgestern Abend, a!s Kommissarius der Belgischen Regierung, nach London abgereist.

Der Politique enthält einen Bericht aus Tongern vom 21lfien d., worin gemeldet wird, daß die Holländer eine Reko- gnoscirung bis diht vor -die Thore von: Tongern vorgeschoben hätten, Auch sey cine Eskadron Kürassiere in dem Dorfe Berg angelangt und habe mehrere Fngenieure bei sich gehabt, welche Piáäne anfgenommen und eine Lager - Linie adgefte>t hätten. Diese unerwartete Erscheinung habe Furht und Schre>en unter den Einwohnern des Distrikts Mastricht erregt. -

Do len)

Krafan, 22, Sept. Jm hiesigen Kurier liest man folgende Bekanntmachung:

Der präsidirende Senator der Abtheilung für die inneren An- gelegenheiten und die Polizei im dirigirenden Senat der freien, un- abhängigen und fsireng neutralen Stadt Krakau, nachdem er in Deutschen und namentlich in Berliner Zeitungen unter dem Artikcl : „aus Wien vom 28. August d. F.// gelesen, daß der Hof-Kriegsrath dic Nachricht erhalten habe solle, als wären 2 Bataillone und einige 100 Mann Kavallerie von der Polnischen Armee in das Gebiet der freien Stadt Krakau cingerü>kt und hätten sich den Kaiserl. Oesterrei- chischen Gränzen genähert, welches Anlaß dazu gegeben hätte, den Gränz- Behörden die Befehle cinzuschärfen, daß sie Ntemand in das K. Oesterr. Gebiet ohne vorherige Untersuchung seines Gesundheits-Zustandes und Abhaltung der vorschriftsmäßigen Quarantaine hereinklassen sollten, sicht sich E ur dentlichen Kenntniß zu bringen ,- daß die oben erwähnten Gerüchte ungegründet sind, indem in die Gräân- zen unseres Gebiets keine Armee- Abtheilungen eingedrungen find und sogar zu erwarten scht, daß der auf den Kaisérl. Oefterreichi- schen und Königl. Preußischen Gränzen ausgedehnte Cordon in kur- zem zurückgezogen werden wird, da die Cholera in unserem Gebiet beinahe ganz aufgehört hat. Krakau, 19. September.“/

Dasselbe Blatt meldet aus Kielce vom 19ten d. M.: ¿Der Präsident der Polnischen Regierung, Furft Czartoryski, ift hier angekommen; es werden auch die anderen Regierungs-Mit- glieder hierher fommen. Der General Kaminski steht in der Náhe von Kielce, etwa 6 Meilen von hier, und manövrirt immerwährend gegen die Feinde. Rozhzki hat einige 1000 Mann; auch no< andere Generale sollen hier zusammenteffen. Es heißt, daß die Unsrigen bei Zamosc den ATaiin /arofen Verlust beigebracht haben: von Modlin aus wissen wir nichts Bestimmtes, da uns die Communication mit dieser Feftung ab-

geschnitten ift.“

—— Von der Polnischen Gränze, 25. Sept. tb- wtirdigen Nachrichten zufolge, ist das Polnische Cords, e bei Zafroczhn geftanden hatte, na<hdem es seinen bisherigen Com- mandeur, General RNybinski, aufgehängt und mehrere andere Schändlichkeiten verübt hatte, plöplih aufgebrocen, in der Nacht vom 21ften zum 22sten d. oberhalb von Plozk über die

*) Die geftern vorbchaltene Mittheilung aus / der Beilage, ) heilung Warschau \. in

wurde, weil schon ein Geseß über diesen Gegenstand vorhauden"