1831 / 272 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Vor einigen Tagen starb der Commandeur des 4ten Linien- Infanterie-Regiments der Polnischen Armee, Herr Majewski, im Lager dieser Armee.

Gestern zogen verschiedene Regimenter {nebst Artillerie von der Russischen Armee durch die Hauptstadt.

Auf den leßten Warschauer Märkten bezahlte man für den Korzez Roggen 28— 32 Fl. , Weizen 38 42 Fl., ordi- naire Erbsen 24 30 Fl.,, Zuckererbsen 30 32 Fl. , Gerste 20 24 Fl., Hafer 15 17 Fl., und für ein Stück Rindvieh 13 18 Dukaten.

Warschau, 2. Sept. Den hetite hier eingegan- genen Nachrichten zufolge, ift das Rozhzkische Corps am 24sten d. in das Krakfauische Gebiet gedrängt und dort entwaffnet worden.

Srantre1G.

Pairs-Kammer. Die Sizung vom 21, Sept. er- öffnete der Handels-Minister mit der Vorlegung des von der Deputirten-Kammer bereits angenommenen Geseß:-Entwurfs wegen Bewilligung einer Summe von 2 Millionen Fr. zur Be- endigung verschiedener im Bau begriffener Kanäle. Der Graf von Haubersart berichtete sodann über die in der Sibßung vom ten vorgelegten 5 Gesez-Entwürfe von örtlihem Interesse und trug auf die Aunahme derselben an. An der Tagesord- nung war hierauf der Bericht des Grafen Siméon über das von drei Gläubigern des Vicomte Dubouchage bei der Kammer eingereichte Gesuch, ihren Debitor wegen einer Wechselschuld von circa 22,600 Fr. gerihtli<h belangen zu durfen. Befkannt- li sit der Vicomte bereits seit dem 30. Juni d. J. auf den Antrag zweier anderer seiner Gläubiger im Gefängniß, von wo aus er si< am 12. Juli und wiederholt am 20. August in einem Schreiben an den Präsidenten der Pairs-Kammer, so wie dem- náchst in einer in Druck gegebenen Denkschrift darüber beschwerte, daß er, ohne gehört zu werden, gefänglich eingezogen worden seh, und im Allgemeinen die Behauptung aufstellte, daß ein Pair im Laufe einer Session Schulden halber nicht verhaftet werden könne, wobei er sich auf den 43sten Artikel der Charte berief. Der Berichterstatter be- merfte jeßt, daß dieser Artikel ledigli die Deputirten angehe ; die Frage an si<, ob ein Pair au< im Laufe der Session ge- fangen gehalten werden dürfe, habe die Kammer s<on dadurch entschieden, daß sle bereits am 29, Januar d. J. auf den An- trag anderer Gläubiger des Herrn Dubouchage ihre Genehmi- gung zur Verhaftung dieses Leßteren ertheilt habe; der Vicomte berufe sh darauf, daß er dur<h seine Gefangenschaft behindert werde, dem Schreiben des Königs zu gehorchen, das ihm gebiete, vei Eröffnung der Session zugegen zu seyn; ein solhes Gebot fasse indessen immer den Vorbehalt re<htmäßiger Behinderung in sich; eine solche sey aber hier vorhanden, und wenn sonach Hrn. Dubouchage ein Vorwurf treffe, so seh es nicht sowohl der, daß er an den Sizungen der Kammer feinen Theil nehnie, als daß er Schulden mache, die ihn daran behinderten. Aus diesen ver- {chiedenen Gründen trug daher au<h der Graf Siméon am Schlusse seines weitläuftigen Berichts darauf an, den obgedach- ten drei Gläubigern des Vicomte die von ihnen nachgesuchte Er- laubniß zu ertheilen. Die Versammlung beschloß, s< mit die- sem Gegenstande in ihrer Sibung vom 24sten zu beschäftigen. Die Herzoge von Choiseul und von Laforce, so wie der Graf von St. Priest, statteten hiernächst no< drei Petit1ions- Berichte ab, worauf die Kammer sich bis zum-nächsten Sonn- abend vertagte.

Deputirten-Kammer, Sibung vom 21. Septem- ber. (Nachtrag.) Hr. Dupin d. Aelt., der im Laufe der Debatte über die äußere Politik des Ministeriums Hrn. Mau- guin auf der Reduerbühue folgte, fand fl durch die Behaup- tung dieses Leßteren, daß das Ministerium den Volksaufläufen nicht fremd geblieben seh, veranlaßt, die verschiedenen seit der Zuli-Revolution stattgefundenen Unruhen näher zu charakterisiren.

Er behauptete, daß diese Unruhen immer dasjenige voll- vracht hätten, was von den Journalen vorbereitet worden sey; vont Zeit zu Zeit habe sich zwischen den Karlistischen ünd den Opyofitionsblättern eine auffallende Zärtlichkeit und Uebereinstim- mung der Ansichten kund gegeben; von beiden sey der Radikalismus, die absolute Freiheit, gepredigt worden. Dieselbe Erscheinung habe sich bei den Unruhen gezeigt. Gleichviel, von wem sie angezettelt worden, jedesmal hätten alle Parteien daran Theil genommen ; auch die Missethäter, Diebe und Vagabunden seyen auf dem Schauplaße erschienen, um zu plündern, und hätten zunächst die Waffenläden angegriffen, um den Glauben zu verbreiten - daß es ihnen nur um Waffen zu thun sey; dann aber hätten ste sich auch an die Läden der Uhrmacher und Goldarbeiter gemacht, unter dem Vorwande, daß diese zur Partci der richtigen Mitte gehörten. Jede der Unru- hen habe cinen Vorwand und einen Zwe> gehabt; jenen habe man ofen angegeben, diesen aber geheim gehalten. Der ofene Vorwand der Oftober- Unruhen sey dieser gewesen, daß die Regierung die gefan- genen Ex-Minister retten wolle, der geheime Zweck dagegen der Sturz des Ministeriums. Der menschenfreundliche Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe sey bekanntlich von Hrn. v. Tracy gemacht und vom General Lafayette und dem damaligen Großsiegelbewahrer, Hrn. Dupont v. d. Eure, also von Männern unterstüßt worden, denen man jene Ab- sicht, die Ex - Minister zu retten, niht unterlegen könne. „Einen noch er:isthafteren Charakter‘, fuhr Hr. Dupin fort, „hatten die De= zember - Unruhen. Nachdem auch diese Krise überstanden war, glaub- ten Einige den Staat in so großer Gefahr, daß ste die Regterung ermahnten, ihr Verfahren zu ändern, um der Wiederkehr solcher Unordnungen vorzubeugen ; sie verlangten eine Modification în der bestehenden Ordnung der Dinge. Einige Tage nach jenen Unruhen forderte man vom ‘Könige die Auflösung der Kammern und die Ernennung eines neuen Ministeriums, befin meiste Mitglieder man dem Könige vorschrieb. Man wollte sogar das System un- serer Fnstitutionen ändern. Es is nicht meine Absicht, ir- gend Jemand anzufklagen , aber es bleibt immer ein woichtt- ges Faktum, daß man die Lage des Staates für ernst ge-= nug hielt, um eine Veränderung der Verfassung vorzuschlagen. Der Minister, dem man diese Vorschläge machte, erwiederte damals dem Urheber derselben mit unendlich viel Geist und Kraft: /, „Ste sind der Fürst v. Hohenlohe der Freiheit. // Herr Laffitte mit Wärme: „Fch erkläre, daß ich kein Wort von dem gesagt habe, was mir der Redner beilegt.// Herr Dupin: „Man hat es mir #0 er- zählt.// Herr Laffitte: „Es ist dennoch nicht wahr. Herr Du-= vin: „Graf Argout hat es mir erzählt, ich gestehe es ofen und bitte ihn um Erlaubniß dazu, es sagen zu dürfen.// Herr v. Argout: „Man nimmt mein Zeugniß în Anspruch, ich kann also nicht um- hin, es zu geben. Jch bedauere, daß den ehemaligen Prästdenten des Minister- Rathes in diesem Augenbli>ke sein Gedächtniß nicht richtig bedient. Er selbst hat mix diese Aeußerung wiederholt und mir erzählt, er habe sich nah einer lebhaften Eròrterung, deren Ge- genstand der von Herrn Dupin angegebene gewesen, jenes Ausdruk= fes bedient, der mir eben so richtig als malerish erschien.// Herr Laffitte: „Jch erkläre nochmals, daß ih nicht nur nichts der= gleichen zu Hrn. v. Argout gesagt habe, sondern daß ich gar nicht im Palais-Royal zugegen war, als der ín Rede sichende Antrag ge- macht wurde. Herr v. Argout irrt sich, und ih bin bereit , auf alle Einwürfe zu antworten.// Herr v. Montalivet: „Fh kann mein Zeugniß Über ein Ge! historisches Faktum zu dem des Herrn v. Argout hinzufügen. s ift alléxdings wahr, daß in den leßten

„aber sie kommt damit nicht vorwärts.

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Tagen des Dezember dem Könige Bedingungen vorgelegt wurden, daß ich diese Bedingungen gehört habe, und daß die Unterhaltung, in der sie zur Sprache gebracht wurden, wenigstens zum Theil, bei dem damaligen Befehlshaber der National - Garde in Anwesenheit des damaligen Präsidenten des Minister-Raths und meiner stattfand.// Hr. Laffitte: „Fch wiederhole, daß ich Niemand îm Palais-R0- yal gesehen habe, der Vorschläge gemacht hätte; wenn aber Hr.v. Mönta- livet von einer beim Gen. Lafayette stattgefundenen Unterhaltung spricht, so is das eine andere Sache. Jh berichtete getreulich dem Könige die Unterhaltung, dic ich mit dem General Lafayette an demselben Tage hatte, wo ex seine Entlassung verlangte. Vielleicht - habe ich es zu bedauern, daß der damalige Herr Minister des Junern_ zu- gegen war; ohne ihn würde jene Unterredung vielleicht ein besseres Resultat gehabt haben. Herr Berryer: „Um der Ehre der Kam- mer und des Landes willen verlange ich den Schluß der Debatte.// Herr Dubois v. d. Niederen Loire: „Jch bitte um das Wort, um an das Reglement zu erinnern. Viele neue Deputirte, wenn nicht alle, hôren mit schmerz;lichher Empfindung solchen Debatten zu. Das Reglement gesiattet nicht dergleichen Unterbrechungen und Persôn- lichkeiten. Bald sind es Verleumdungen der Journale, bald Ge- rüchte über Privat-Unterhaltungen, und wir gewähren dem Lande ein ärgerliches Schauspiel; ih bin kein Redner, fühle aber die Verleßung unserer Würde stark genug, um dite Erinnerung an das Reglement oder den Schluß der Verhandlung zu verlangen.“ Herr Dupin: „Man hâtte den Schluß vor der Anklage verlangen sollen. Es if sonderbar, daß man einem auf die Person des Königs bezüglichen Faktum, wobei es sih um eine Veränderung der Ver- fassung handelte, den politischen Charakter absprechen will. Genirt man si< denn, den jeßigen Präsidenten des Minisierraths auf die Scene zu bringen? Warum soll scin Vorgänger ein Vorrecht vor ibm haben? Fene Sache war von Wichtigkeit für das Land, wie für die neuen Deputirten, und wegen ihrer namentlich habe ich sie berührt, um zu beweisen, daß eine Reihe von Versuchen gemacht worden is, um den König zu einer Veränderung der Staats - Ver- fassung zu bewegen. Seine Antwort ist zu edel und schön, als daß ih sie niht wiederholen sollte. ¿/,-Man kann mih,‘/“/ sagte er, „in meinem Palaste angreifen; man kann mich in einem Volks - Aufruhr erschießen, aber ih habe der Char- te Treue geschworen und werde nicht meineidig werden. ‘/ ‘/ (Bei diesen Worten erscholl von allen Bänken rauschender Beifall und der Ruf: Es lebe der König!) Wie kann man die Regterung der Begünstigung der Unruhen beschuldigen, während die persönliche Sicherheit der Minister angegriffen wird. Daß die Minister in Lebensgefahr kommen und gendthigt werden, sich durch die dfentliche Macht beschüßen zu lassen, is in einem Lande unbegreiflich, das sich civilisirt nennt und so viel Freiheit zu besißen glaubt, daß es aller Welt davon etwas anbietet. Fch glaube, meine Herren, in meinem Vortrage mehr das wahre Fnteresse des Landes im Auge zu haben, als wenn ih von der Diplomatie spräche. Warum beschäftigen wir uns in unserer Lage 0 viel mit fremden Ländern? Man verlangt von der Regierung, ste solle allen Arbeitern Beschäf- tigung geben; das is aber hôchsi ungerecht. Wenn man 100 Mil- lionen, ja das ganze Budget, für diesen Zwe> zur Verfügung der Regierung stellte, so würde dies auch zu nichts fruchten. Das wahre Mittel, den Arbeitern Brod zu verschaffen, i, den Reichen und überhaupt den Besißenden Sicherheit zu gewähren; denn die a den Straßen - Unruhen Theil nehmenden Leute sind es doch gewiß nicht , die den Arbeitern Beschäftigung geben können. Die an den Unruhen Theil nehmenden Arbeiter verdienen diesen Namen nicht ; sie sind Müßiggänger, die es vorzichen, 40 Sous dafür zu empfan- gen, daß sie rufen: Nieder mit den Ministern! als ehrlich und müh- sam für si<" und ihre Familie das tägliche Brod zu verdienen. Fch spreche in dem wahren Fnteresse der arbeitenden Klassen. Die Pflicht der Kammer is es, die Bedürfnisse des Landes, und nament- lich die des gegenwärtigen Zustandes desselben, zu berücksichtigen ; Sie muß entweder dem ijeßt- gen oder irgend einem anderen Ministerium dîe Majorität geben ; denn nichts is nachtheiliger für uns, als eine shwankende Kammer ohne Majorität. Es gievt viele Männer, die nur um die Popularîi- tät buhlen und Alles zum Gegenstande der Opposition machen. Es fehlt bei uns nur noch, daß der König opponirt. Wohin soll das führen? Lassen Sie uns dem Könige und der Charte treu seyn und

| uns mit den organischen Staatsgesetzen, vor Allem mit der Pairie, |

und zwax mit Ruhe und Würde, beschäftigen.“

Herr Guizot, der si< na< Herrn Dupin vernehmen ließ, that dies nur in der Absicht, ein ihn persönlich betreffendes Faf- tum zu berühren.

Dieses Faktum, äußerte er, sey die von Herrn Mauguin zur Sprache gebrachte Angelegenheit der Spanischen Flüchtlinge; er wünsche, daß diese Sache völlig aufgeklärt werde. Als bald nach der Fuli-Revolutton die in Frankreich und England lebenden Spa- nischen Flüchtlinge den Plan zu einer Fnvaston in Spanten gefaßt hâtten, wären sie darin von vielen Mitgliedern der jeßigen Oppost- tion ermuthigt worden, die es sich zur Ehre gerechnet hâtten, die Sache jener Flüchtlinge zu unterstüßen; auch hätten unter den Blâät- tern alle Organe der Opposition dieses Unternehmen ofen gelobt und dazu aufgemuntert. Die Regierung dagegen habe ihrer- seits niht das Mindesie dazu beigetragen , vielmehr diese Sache als eine solche betrachtet, die fie nur in Verlegenheit seße; weit entfernt, das Unternehmen zu unterstüßen, habe ihr Futeresse sie wünschen lassen müssen, daß dasselbe nicht zur Ausführung kom- men môge. Allerdings habe die Regierung mehreren Spanischen Flüchtlingen Pässe ertheilen lassen, um fich nah der Spanischen Gränze zu begeben oder auch im Fnnern des Landes zu reisen, in- dessen habe man diese ihnen geseßlich nicht verweigern können; dte Bedürftigsten unter ihnen hätten auch eine Untersiüßung von 3 Sous für die Lieue erhalten. Die Regierung habe si</, indem sie den Flüchtlingen erlaubt, in Frankreich zu reisen/ streng an die Geseße gehalten und zugleich jeden Konflikt mit Männern vermet- den wollen, von denen das Minijteriuum, und namentlih er (Herr Guizot), täglich angegriffen worden sey, weil ex nichts mehr für das Unternehmen “der Flüchtlinge gethan habe. Die Spanische Regierung habe bald über die Anhäufung. der Flücht- linge an der Gränze gegründete Klage geführt, die von dem Fran- dstschen Kabinette hätte berücksichtigt werden müssen. Leßteres habe daber die Detaschements der Ausgewanderten von dort entfernen, zerstreuen und später entwaffnen lassen. Das Ministerium habe auf diese Weise seine Pflicht gcgen auf Franzdsischem Gebiete be- findliche Fremdlinge zu erfüllen gesucht, ohne dadurch seine Verhäâlt- nisse mit Spanien zu verwi>eln. Dies sey das genaue Sachver- hältniß. Nach Beseitigung dieser persönlichen Angelegenheit be- ¿ampfte Herr Guizot die von Hrn. Mauguin gegebene Darstellung der Lage der Dinge in Brüssel und Warschau. Fn ersterer Stadt sey fein Kampf zwischen den Orangisten und der National - Partekt, sondern zwischen den Leßteren und den Klubs geliefert worden; et- was Achnliches habe in Warschau stattgefunden. Herr Mauguin urtheile über die in Belgien und Polen stattgefundenen Ereignisse absichtlich schief, um auch dic Lage der Dinge in Paris aus einem falschen Gesichtspunkte betrachten zu können.

Deputirten-Kammer. Jn der Sißung vom 22. September erfolgte zuvörderst die Anfnahme mehrerer ueu ge- wählter Deputirten, worauf die von Herrn Manguin angeregte politische Debatte fortgeseßt wurde. Der General Lafayette gab unter Anderem seine Verwunderung darüber zu erkennen, daß Tages zuvor zwei Minister (Argout und Montalivet ; st. oben) der Versammlung von einem vertraulichen Gespräche Mittheilung gemacht hätten; der König, äußerte er, müsse es höchst seltsam finden, daß man die Kammer von solchen Dingen unterhalte ; was die Sache selbst betreffe, daß man nämlich dem Monarchen gerathen habe, an der Verfassung Hand anzulegen, so antworte er darauf, wie im Jahre 1792 vor der National-Versammlung

an

Wonal-Garde zufolge, leßtere nur im Falle eines drohenden Krie- s mobil gemacht werden folle.

auf eine Denunciation der Jakobiner - Partei: Dies ift nig wahr! Herr Ganneron bemerkte, es ‘ey anfangs seine Absi gewesen, Hrn. Mauguin auf die Gefahren aufmerksam zu mache, die die stets erneuerte Frage über Krieg und Fcieden dem Hand

und. Gewerbfleiß biete; seitdem hätten die Pariser Unruhen stat

gefunden, und er habe nunmehr gehofft, daß sein ehrenwerthz Kollege mindestens seine Proposition vertagen werde, um jen Unruhen keine neue Nahrung zu geben; da dies indessen ni( geschehen, die Sißung des vorigen Tages vielmehr höchst ärgy lich gewesen sey, so schlage er der Kammer vor, nunmehr zu flären, daß sie, zufriedengeftellt dur< die von den Ministern g gebenen Aufschlüsse und im Vertrauen auf deren Sorgfalt fi die äußere Würde und innere Sicherheit des Landes, zur Tage ordnung screite; es sey nothwendig, daß der Ungewißheit e) Ende gemacht werde; habe das Ministerium nicht mehr das Vy trauen der Kammer, so müsse es abtreten; habe es sich dageg (wie dies seine Meinung sey) stets des Landes und der Ka mer würdig gezeigt, so müßten jene ewigen Angriffe auf dassel) auch aufhören. Nachdem Herr von Trach verlangt, daß i}

Berathung fortgesezt werde, ließ si< der Kriegs: Minifi

ausführlich über die Lage des Landes in militairischer Hinsit vernehmen. Was zunächst die Armee betreffe, so gebe das Bu

get den Effektiv-:Bestand derselben an; sle sey überdies treu erz den, disciplinirt, lernbegierig, und ihr Betragen verdiene über das größte Lob; er verbürge sich dafür, daß Frankreich auf s} rechnen fönne, und daß sie eher untergehen, als den vaterlän chen Boden vom Feinde betreten lassen werde. „, Außer ds Linie‘, fuhr der Marschall fort, giebt es aber noch eine Nÿ tional-Garde;: ein Gese über dieselbe verfügt, daß im Falle di Gefahr einzelne Bataillone derselben mobil gemacht werden könj

ten. Man bereitet gegenwärtig eine Arbeit vor, wodurch di

Bestimmung ins Leben gerufen werden soll; natürlich bedarf |

dazu eines neuen Geseßes, und dieses soll Jhnen vorgelegt wi den, sobald die Umstände es erforderlich machen. Jch glau

hiernach, daß die Kammer über den Vertheidigungs-Zustand d}

Landes ganz unbesorgt sehn kann. Noch füge ih hinzu, dz nach Ausweis der mir zugehenden Berichte die Truppen üben vom besten Geiste beseelt sind. Jch gebe zu, daß auf eine Punkte (in Brest), auf Anlaß eines neu ernannten, übrige verdienstvollen, Stads-Offiziers, unruhige Auftritte stattgefundy haben. Dieser Offizier hatte aber, wie ih selbst nicht wußte, ai früherer Zeit ungünstige Erinnerungen zurüzelassen. Kaum erfuß

ich dies, als ich dem Könige vorschlug, ihn abzuberufen ; er 1st seitdnl wieder auf den Etat der disponibeln Offiziere gebracht worden.‘ DY

General S trol erhob sich gegen die von Hrn. Ganneron verlanz Tagesordnung. Es müsse, meinte er, über die wahren Absicht des Ministeriums hinführo auch nicht der leiseste Zweifel me walten; man solle den unbestimmten Beschuldigungen, die geg dasselbe vorgebracht würden , keinen Glauben schenken; oft ha der Ankläger dabei keine andere Absicht, als die Stelle des A geklagten einzunehmen; ohne Zweifel hätten die Minister Fehl begangen, dies sey aber das Loos jedes Menschen, und Niema hátte es in der verwickelten Lage, worin Frankreich und Euro) sich befänden, besser gemacht; das Ministerium habe \i< als t Ministerinm des Friedens angekündigt, und, obgleich Solda! lobe er dies, Herr Bodin unterstüßte die Tagesordnung, wi gegen Herr Tardieun die Diekussion fortgeseßt wissen wolli Der Lebtere tadelte namentlich die innere Verwaltung; Üübera meinte er, habe man die Anhänger der vorigen Dhnastie i Amte behalten ; gern wolle er glauden; daß sie ihre Pflicht th

ten; wenn aber schlechte Tage fämen und der Feind an di

Gränze erschiene, so würden sie das Land verrathen. Es nnmöglih, daß unter sol<hen Umständen aufrichtiges Vertrau wieder erwachen könne. Der General Bugeaud verlang! den Schlnß der Debatte: es sey die höchste Zeit, und Ac bau, Handel uud Gewerbfleiß mahutea täglich daran d mau Frankreich die Ruhe zurückgebe; jeder Tag koste dem Lan Millionen. Der Redner kam sodann auf die Polnischen Ang legenheiten zu spre<hen und stimmte zuleßt für die Tagesordnun

Der General Lamarque äußerte sl< über den Vertheidigunzi| ß

Zusiand des Landes, den er nicht so gut fand, als der Krieg Minister ihn geschildert hatte; namentlich tadelte er es, daß di

Französische Heer nicht längst, gleich dem Preußischen und Oest reichischen, in Brigaden, Divisionen und Armee- Corps gethe}

sey und sich, wie diese, fleißig im Manövriren übe; Beides nicht bloß für die jungen Soldaten, sondern anch für die alt Generale gut, die seit 15 Jahren die Hände in den Schoß le

ten und ganz und gar verlernten, wie es im Felde zugehe, Af

Schlusse seines Vortrages gab der Redner auch no< den Wuns zu erfennen, daß man der Armee eine Reserve gebe und die m bile National - Garde orgauisire, bemerfte, daß, was Herr Lamarque verlange, Bildung von Brigaden, Divislonen zum Theil bereits bestehe: nämlich bei der Nord - Armee. lich, fügte er hinzu, wäre es wünschenstoerth, wenn man d gleichen Formationen vervielfältigen könnte; indessen wisse

Kammer am besten, daß es ihm an den benöthigten Geld teln dazu fehle; die in Belgien stattgefundenen Ereignisse, | deren Folge eine Armee dorthin geschi>t worden seh und jeyt i Lager bei Givet aufgeschlagen werde, seßten ihn ohnehin in || Nothwendigkeit, von der Kammier einen neuen Kredit zu verl gen. Auf den von dem vorigen Redner gegebenen Wink, d

man die Armee im Manövriren üben solle, erwiederte der Mill ster, daß es dazu der Zeit bedürfe; man solle do<h nur bedenti daß das Heer überhaupt erst seit 6 Monaten bestehe; um dass! auf den Stand zu bringen, auf dem es si<h gegenwärtig befin habe es unendlich viele Mühe gekostet, und man dürfe sl< da}

nicht wundern, daß noch keine Uebungs: Lager aufgeschlagen noch feine Brigade - Generale für die einzelnen Truppen - Co!

ernannt worden seyen; übrigens bedürfe es hierzu des Geld und man ‘habe gewiß alle Ursache, die Ausgaben nit unnüh # Nach einer kurzen Erwiederung des Generals W marque ergris der Prásident des Minister: Rath!

vermehren.

das Wort. Er erklärte, es sey seine Abslht, die Diskussion, |

sich von ihrem wahren Standpunkte entfernt, wieder auf dens

den zurückzuführen; es sey nämlich die Tagesordnung in Antr!

gebra<ht worden; anftatt aber über diese zu sprehen, sey m noch einmal auf die allgemeine Disfussion zurückgekommen, |

daß es unmöglich werde, zu erkennen, was die Kammer eige! lih wolle; sle mög® sich daher darüber aussprechen, ob sie | allgemeine Berathung fortseßen, oder sich mit der motivirten

gesordnung beschäftigen wolle. General Lamarque habe al neue Punkte in Anregung gebracht, hinsichtlich deren die Ka mer bereits entschieden dem Shfteme der Minister beigetreten

Die Kammer habe in der Adresse den Wunsch einer baldi! allgemeinen Entwaffnung von Seiten der Mächte, oder, mit

deren Worten, der Erhaltung des Friedens, mit der Regierung theilt.

Der Kriegs-Minist! nämlich t! und Armee - Corpl

Ful

Dessenungeachtet {lage jeßt General Lamarque Mobilmachung von 300 Bataillonen National - Garde v obschon er wisse, daß, dem Geseße über die Organisation der N

Die Regierung seh in Bezu f die Vertheidigung des Landes ohne Se En 6, Se vralet ize, wie der Kriegs-Minifter so eben dargelegt, eine gut or- nisirte und disciplinirte Armee, die von 1,500,000 Mann be- ffneter National - Gardiften unterstüßt werde. Ein Theil der ammer mache dem Ministerium Vorwürfe, weil es keine An- alten zum Kriege mache, ein anderer dringe in dasselbe, die all- meine Entwaffnung zu beschleunigen. Einerseits werfe man m Minifterium vor, es \preche nicht stolz genug zu den aus- (rtigen Mächten, andererseits fordere man es auf, sh zur Ver- eidigung gegen eine zweite Juvasion zu rüsten. Die Kammer óge diese Widersprüche mit einander ausgleicben und erklären, ) sie die in der Adresse auszesprochenen Ansichten noch hege, er ob sie den Antrag des General Lamarque aunehmen lle, Herr v. Mosbourg, welcher Herrn Perier auf der ednerbuhne folgte, äußerte, es scheine ihm, daß man e Kammer zu einem allen parlamentarischen Gebräuchen widerlaufenden Schritte verleiten wolle. Er für seine Person se den Absichten der Minister gewiß alle Gerechtigkeit wider- hhren; daß man aber die Gesinnungen eines Ministeriums lobe d das Talent der Mitglieder desselben ehrend anerkenne, sey < fein Grund, sein ganzes Shstem zu billigen, Nach seiner nsl<t dürfe die Kammer si<h niemals úber das Ganze eines [ystems aussprechen; sle würde daher durch die Annahme der annerouschen Proposition gegen den parlante1nItaris<hen Gebrauch rstoßen und gewissermaßen Verbindlichkeiten gegen das Mini: erium eingehen; er unterstüße daher die einfache Tagesordnung. Ein hestiger Wortwechsel, der sih nun zwischen den Centris d einigen Rednern der Opposition darüber entspann, ob über die nfache oder die motivirte Tagesordnung votirt werden solle, ranlaßte den Präsidenten zu folgender Bemerkung: „Fch aube an den wahren Stand der Frage erinnern zu missen. heit drei Sißungen beschäftigt sich die Kaninier mit einer Frage, ren im Reglement niht gedacht ist. Das erste Beispiel von digressionen dieser Art wurde in der vorigen Session gegeben; her ift über die dabei zu befolgende Ordnung , wie gesagt, im eglement nichts beftimmt. Herr Ganneron hat eine motivirte gesordnung vorgeschlagen , ein Fall, tiber den si<h das Regle- ent ebenfalls nicht ausspricht. Dennoch glaubte Jhr Präsident i dem gegenwärtigen Stande der Frage die Entwickelung die- Antrages erlauben zu fönnen, wird jedo< die Kammer, enu sle es wiinscht, darüber befragen.‘/ Herr Dupin d. Aelt. ahm jeßt das Wort für die motivirte TageSordnungz; diese ch ine Billigung des ganzen ministeriellen Systems, fein mit den tinistern abgeschlossener Vertrag, sondern nur die Erklärung, ß die von ihnen gegebenen Aufschlüsse gentigten, und daß das dertrauen der Kammer zu ihnen nicht erschautttert worden sey; enn cine motivirte Tages-Ordnung nicht in dem Gebrauche der ammer liege, so sey dies no< fein Grund, es auch heute nicht thun. Jeder Tages - Orduung liege ein Motiv zum Grunde; dieses au< ausgesprochen werde, ándere ni<t die Natur rselben; die einfache Tages: Orduung habe gewöhnli<h den rund, daß die Kammer einer Debatte müde seh mud zu etwas nderem übergeheu wolle; dies würde aber im vorliegenden Falle unangemessen seyn; die Kammer habe nicht nur dem Ministe- um Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sondern auch über das 1 ihrem Schoße Vorgefallene ein Urtheil zu fällen, Die bloße ages: Ordnung würde, insofern sie nur Ermäüdung oder Gleich- iltigfeit, oder das Bedürfniß, zu etwas AndDerem überzugehen, 1s\präche, weder die Opposition, no<h die Vertheidiger des Mi- isteriums, noch das als Beobachter dastehenDde Land befriedigen. halte die Kammer die Anklage für gegründet, so moge sle es gen; seh sle durh die gegebenen Aufschlüsse befriedigt worden, möge sle dasselbe thun; es bleibe der Kammer darum doch nbenoimen, in anderen Fállen das Minifterium zu tadeln. err Laffitte dagegen unterstlißte die einfache Tages - Ord- ung, zu welcher die Kamnmier, nach seiner Ansicht, um so mehr bergehen fönne, als die bisherige Debatte feine Anklage gegen as Ministerium gewesen sey; ein zweiter Grund für die ein: he Tages-Ordnung liege dati, daß die Kammer so eben in ren Bureaus zwei Propositionen, von dene die eine eine Un- rsuhung über den inneren und äußeren Zuruästand des Landes, je andere die Vorlegung aller auf die Französische Politik be- iglihen amtlichen Aftenstücke zum Gegenstande gehabt, bereits eriorfen habe. *) Er verlange daher zwei Dinge; ersteus, daß r Präsident den Schluß der Diskussion, rid zweitens, daß er e einfache Tages-Ordnung, welcher der Vorrang vor allen übri- n Propositionen gebühre, zur Abstimmung bringe. Die von errn Ganneron vorgeschlagene motivirte Tages-Ordnung seh iht nur reglementswidrig, sondern auch tíiberfliissig, da die ein- he den wesentlihen Zweck, nämlich die Debatte zu schließen, ben so gut erfülle, Herr Laurence verlangte das Wort, um gen den Schluß der Debatte zu sprechen : seit vier Tagen habe ) die Kammer nur mit den auswärtigen Angelegenheiten beschäf- gt, die inneren habeman ganz bei Seite liegen lassen, und dennoch stände zwischen beiden die innigfte Beziehung und Wechselwir- ng. Nach seinem Dafürhalten liege andes in seinem inneren Zustande, der, wenn er no< länger rtdaure, den Untergang desselben herbeiführen müsse; eben st finde sich die Regierung fast in einem Zustande der Auflösung d wisse uicht mehr, wie sle sich halten folle; er habe daher ne Bürgerpflicht erfüllen, die Lage des Landes, die Verhält- sse der Parteien zu einander náher auseinander segen und dem inisterium einige Mittel an die Hand geben wollen, um dem ebel abzuhelfen. Der Redner {loß seinen, dur den in der ammer herrschenden Tumult häufig unterbrochenen, Vortrag mit r Betheuerung, daß er nur das Beste des Landes im Auge abe, und mit der Bitte, daß die Versammislung die Debatte <t schließen möge, ohne eine Darlegung des inneren Zustandes rankreihs vernommen zu haben. Nachdem Herr Ganneron e Motive seines Antrages nochmals vertheidigt hatte, {lug err v, Tracy vor, die Kammer möge zunächst die Diskussior ber die auswártigen Fragen schließen und dan die Erörterunga ber den inneren Zustand des Landes anhören, 1 zulegt mit vollstn- ger Sachkenntniß bestimmen zu können, ob zu einer motivirten der r einfachen Tagesordnung Anlaß vorhanden setz. Hr. Guizo ‘ver: ngte, daß die Proposition des Hrn. Ganneron getheilt werè; es äre nämlich sehr möglich, daß die Kammer die auswärtige Holitif s Ministeriuwus billigte und dagegen die innere Vernaltung delte; man möge also zunächst ein Urtheil Über die erere fäl: n und si demnächst mit der leßteren bescháftigen ; fide man sdann, daß diese tadelnswerth seh, so könne man, eba so gut

®) Diese beiden Propositionen waren (wie unseren kesigen Le- n bereits durch die gestrige Nachschrift bekannt is), di erstere von )rn. Mauguin, die leßtere von Hrn. Salverte „- Tageszuvor cinge- aht und vor obiger Sißung, jene von sämmtlicher9 Bureans,

Bese von 8 gegen 1 verworfen worden, o daß keine om beiden in

er Kammer weiter zur Sprache kommen wird.

das wahre Uebel des |

Kur i 503 wie dort ein billigendes, hier ein mißbilligendes Votum abgeben. Hr. Odilon-Barrot, der dem vorigen Nedner auf der Tri- bune folgte, stimmte dafür, daß man uber die ganze Frage zur einfachen Tages - Ordnung übergehe. „Es ist Zeit‘/, äußerte er unter Anderem, „„daß diese Debatte ein Ende nehme, da sie zu keinem nübßlichen Resultate sühren kann. Hätte das Ministerium nur eine Genugthuung für die gegen einige seiner Mitglieder erhobene Beschuldigung, daß sle einen mehr oder minder direkten Antheil an den Unruhen und geheimen Verbmdungen mit der vorigen Regierung genommen, verlangt, so würde ih selbst für eine ausdrücflihhe und glänzende Ehren:Erklärung stimnten; man muß auch gegen seine Gegner gerecht sehn, und es ist Keiner un- ter uns, der si< nit gegen solche Beschuldigungen erhöbe. (Zeichen der Verwunderung; alle Blicke sind auf Hrn, Mauguin gerichtet.) Will man aber die Kammer dazu verleiten, eine feierliche Beitritts - Erklärung zu der äußeren oder inneren Poli: tif des Ministeriums abzugeben, so behaupte ih, daß man sie dadurch auf eine fals<he- Bahn bringt, Die Kammer darf ihren Beifall oder Tadel dem Ministerium nicht durch eine motivirte Tages-Ordnung zu erfennen geben, indem fle dadur<, im völligen Widerspruch m1t den weisen Anocduungen des Reglements, eine Frage von höchfier Wichtigkeit der vorherigen Prüfung der Bu- reaus entziehen würde. Durch eine Theilung des Urtheils uber das Shstem des Ministeriums würde die Würde der Kam: mer aber vollends fompromittirt werden. Wie läßt sich eine scharfe Gränzlinie zwischen der auswärtigea und inneren Politif ziehen? Beide stehen zusammen in genauer Berührung uud lassen sich nicht von einander trennen. Aus zwei Gründen also muß die vor- geschlagene Theilung verworfen werden : einmal des Reglements we- gen und zweitens aus einer höheren Rücksicht auf das allgemeine Jn- teresse des Landes; denn man darf woh! einzelne Handlungen eines Ministeriums, nie aber sein ganzes Shstem, billigen. Jh stimme daher für die einfache Tagesordnung; auf die inneren Angele- genheiten werden wir ohnehin bei den Berathungen über das Budget zurückommen,“/ Herr Laurence bemerkte hierauf: als man beim Begiun der Sizung die einfache Tagesordmmg in Antrag gebracht, habe er geglaubt, daß man es bei der Auf- regung, worin si<h die Kammer seit zwei Tagen befinde, für ge- fährlich halte, so wichtige Fragen, wie diejeuigen , die er an die Minister habe ri<ten wollen, in Anregung zu bringen. So viel Mühe ihm daher auch seine Arbeit gekostet , so würde er sle mit Bergnügen zurücklegeu, wenn er irgend der Meiuung wäre, daß die öffentliche Ruhe solches erforderli<h ma<he. Jundessen habe der vorige Redner mit dem ihm eigenen Talente die Frage wie: der auf das Terrain zurückgebracht, wo sie si<h bei der Eröffnung der Sißung befunden; er erkläre sonach, daß, wenn man irgend glaube, daß die Ruhe in der Versammlung durch seine Worte gestört werden könnte, er bereit sey, zu s{weigen. Als der Red- ner bei diesen Worten durch zahlreiche Stimmen in den Centris mit dem Ausrufe: „Nein, nein! fsprehen Sie immer zu!‘ un- terbrochen wurde, fuhr er also fort: „Es thut mir leid, daß das, was ich für ein Bersöhnungsnmittel hielt, einigen Mitglieder nicht als solches erscheint ; dennoch wiederhole ich, daß ich, um die Eintracht aufrecht zu erhalten, bereit bin, meinen Antrag zurtüictzu- nehmen, insofern die Kammer zur einfachen Tages-Ordnung schrei: ten will. (Stimmen in deu Ceuntris: „Das genügt nicht! Sa- gen Sie, daß Sie FJhre Proposltion unbedingt zurücknehmen ! ‘‘) Hr. Laurence: „Nun gut, so erkläre ¡<, daß ih meinen An- trag zurücknehme.‘“ Sofort riefen melhkere Stimmen, daß man eine so wesentliche Proposition nicht cht&Weiteres zurücknezme, und der Präsident des Minister-Raths bemerkte, daß Niemand durch die Ankündigung einer solchen Proposition die Kammer im Laufe ihrer Berathungen stören würde, wenn man ¡ihr niht Dinge von höchster Wichtigkeit mitzutheilen hätte. „Herr Laurence“‘“, fuhr der Minister fort, „if Geueral - Advokat. Bevor er seine Pflichten als Deputirter erfüllt, liegen ihm Pflichten als Staats- Beamter ob. (Unterbrechung. ) Wenn mich auch die Meinungen eines Beamten in seiner Eigeuschaft als Depu: tirten nichts kümmern, so bin ih doch, als Chef der ganzen Verwaltung, und der Herr Großstegeldbewahrer, als Chef der Justiz, berechtigt, einen solchen Deputirten zu mahnen, daß, wenn er der Regierung wichtige Dinge zu offenbaren habe, seine nächste Pflicht ihm gebiete, solches zu thun. Jch ‘fordere also Herrn Laurence hierzu auf. (Abermalige Unterbrechung. Stimme zur Linken: Sie haben kein Recht, eineu Deputirten zu etwas aufzufordern! Herr Jollivet: „Wir waren schon an! Ziele, und Sie fangen die ganze Diskussion von vorn wieder an!) Man beschwert sich über die Regierung, daß sle si< nicht zeige, daß sie schlecht berichtet sey. Wie if dies aber anders möglich, wenn ein Beamter uns von dieser Rednerbühne herab anschuldigen darf, ohne zuvor seine erste Pflicht gegen die Nes gierung erfüllt zu haben? (Neue Unterbrechung: „Es giebt hier feine Beamten, sondern bloß Deputirte! ‘‘) Noch einmal, m. H., es ift uiht meine Absicht, die Unabhängigkeit und Freiheit Fhrer Berathungen irgend zu beeinträchtigen ; aber ich wiederhole es : wenn man gleichzeitig Beamter und Deputirter ift, so muß man vor Allem die Regierung aufklären. Wir beschwören Hrn. Laurence daher, wenn irgend eine wichtige Thatsache zu seiner Keuntniß ge- fommen is, sle uns mitzutheilen, was auch daraus entstehen mag.“ Herr Laurence erwiederte Folgendes: „Jch weiß voll- foinmen, daß ih General-:Advokat bin, glaube indessen, meine Pflichten als Beamter und als Deputirter mit einander verbin- den zu fönnen, Sobald ih die Thore der Hauptsiadt erreicht und meinen Siß in dieser Versammlung eingenommen hatte, hörte meine Eigenschaft als Beamter für mich auf, und ich de- trachtete mi<h uur no< als einen Bürger, der, wie jeder andere, dazu berufen is, sl< mit den Angelegenheiten seines Landes zu beschäftigen und seine Meinung darüber, befraat oder unbefragt, abzugeben. Erst, nachdem die Thüren dieses Saales wieder ge- thlossen worden, werde i< mein Amt als General-Advokat wie- der antreten, wenn anders man es mir läßt. Jch hatte die Ab- siht angekündigt, meine Proposition zurückzunehmen; das Ministe- rium befürchtet aber, daß diese Zurücknahme Besorgnisse fortbeste-

hen lassen möchte, die im Jnteresse des Landes selbft verscheucht | Royal - Sovereign - Yacht nach Loudon zurück.

werden müßten. Es führt mich auf das Terrain zurück, das ich nicht aufgegeben, sondern nur augenbli>li< verlassen hatte, Jch folge ihm dahin. Sie wissen, m. H., daß zur Erörterung von Fragen über die höhere Politik die Gelegenheit nie fehlt, I< werde daher meine Proposition vertagen und nicht zurück: nehmen, damit mich ni<ht der Vorwurf einer Jnkonsequenz treffe, den ih mir nicht zuziehen mag. Bleibt also das Minifterium bei der Meinung, daß meine Proposition in dem eigenen Jnte- resse des Landes entwickelt werden müsse, so erkläre ih hiermit, daß ich sle wieder aufnehme, jedo< einzig und allein auf feine Aufforderung und um meine Pflicht als guter Bürger zu er- füllen.““ Der Großsiegelbewahrer bemerkte hierauf, daß er an dem Patriotismus des vorigen Redners nie gezweifelt habe ; beharre derselbe bei seiner Absicht, von den Ministern Auf: \{lü}e über die innere Verwaltung zu verlangen, so würden sie solche ohne Zaudern und ohne Rückhalt geben, Mehrere Stim:

men verlangten hierauf, daß die Fortsekung der Berathung auf den folgenden Tag verlegt werde, während die Centra sie no< an demselben Tage zum Schlusse bringen wollten. Die Majorität entschloß sich zu den Lebteren, so daß Hr. Salverte noch um 75 Uhr die Rednerbühne bestieg, um die motivirte Ta- ges-Ordnung, a!s eine Uebertretung der Befugnisse der Kammer und als eine Verleßung der Vorrechte der Krone, zu bekämpfen. Der Präsident wollte hierauf zunächst tiber die motivirte Tages- Ordnung, als diejenige, die deu weitesten Spielraum biete, ab- stimmen lasen. Der General Demarçay verlangte dagegen die Priorität für die einfache Tages-Ordnung. Hiernah mußte also zuvörderst über die Frage, welcher von beiden der Vorzug zu geben sey, abgestimmt werden. Die Majorität entschied fich für die erstere; sie lautete, na< der von Herrn Guizot verlangs ten Theilung, also :

i ,,Die Kammer, zufriedengeflellt dur< die von den Herren Ministern gegebenen Aufschlüsse und im Vertrauen auf ihre Sorgfalt fur die Behanptung der äußeren Würde Frankteichs, geht zur Tagesordnung iiber./“

Auf den Antrag mehrerer Mitglieder der Centra erfolgte hierauf die Abstimmung mittelst Kugelwahl. Während des Na: mens - Aufrufs, der 357 anwesende Deputirte ergab, herrschte in der Versammlung eine ungemeine Bewegung. Jun den Wahi- Urnen fanden si<h 221 weiße und 136 \{<warze Kugeln vor, so daß die Tagesordnung in der obigen Form mit einer Majorität von 85 Stimmen durhging. Die Zahl 221 machte großes uf: sehen, da sie zufällig gerade dieselbe ist, aus der, nach Ausiveis der leßten Adresse an Se. Majefiät Karl X., die Opposition des Polignacschen Minifteriums bestand. Einiges Geiächter - erregte es, daß der General Lafayette, bevor er seine s{<warze Kugel in die Urne warf, sie dreimal dem Präsideuten zeigte. Mehrere andere Mitglieder der Opposition stimmten ebenfalls offen. Die Versammlung trennte sih erst um $ Uhr. Am folgenden Tage wollte Herr Laurence angekündigtermaßen über die innere Lage des Landes verschiedene Aufschlüsse von den Minisiern verlangen,

Paris, 23. Sept. Vorgesiern Abend stattete der Kaiser Don1 Pedro mit seiner Familie der Königlichen Fanilie einen Besuch ab.

Der General Jacqueminot, den seine Dienstgeschäfte als Chef des Generalstabes der Nationalgarde mehrere Tage lang abgehalten hatten, den Sizungen der Kammer beizuwohneu, aut- wortet heute im Moniteur und im Journal des Débats auf die von Herrn Audry de Puyraveau in der Sißung vom 2Wsien d. gegen die Nationalgarde erhobenen Beschuldigungen durch die Bekanntmachung des Berichts, den ihm der mit dem Befehle tiber die am -19ten d. vor der Deputirten-Kammer aufgestellten Nationalgarden beauftragt gewesene Stabs - Offizier erstattet hat.

Dem Journal du Commerce zufolge, würde der vou Herrn Salverte eingebrachte Antrag auf Vorlegung der diploma- tischen Aftenstücke günstiger aufgenommen worden sehn, wenm1 der Minister der auswärtigen Augelegenheiten uicht in mehreren Bureaus erklärt hätte, die auf bereits abgeschlossene Verhand- lungen bezüglichen Aftenstücke ständen in so imniger Verbindung mit den noch uicht beendigteu, daß der Erfolg derselben durch die Mittheilung der ersteren fompromittirt werden würde; er werde übrigens den einzelnen Herren Deputirten alle von ihnen ver- langte Aufschlüsse geben, nur von der Nednerbühne herab foune er dies nicht thun. Diese Erklärung habe großen Einfluß auf die Verwerfung der Proposition des Herru Salverte gchabt.

Der Temps sagt: „Man hat bemerkt, daß die Minorität der Kammer bei der Diskussion über die Adresse nur 73 Stim: men gegen 282 war, gestern dagegen hat sie sih auf 136 Stim- men vermehrt; das Ministerium zählt also jeßt 63 Geguer mehr, als damals.‘ Der Messager des Chambres dringt dar- auf, daß die Kammer durch eine nene Adresse oder ein Manifest ihren Beitritt zu dem System des Ministeriums ausspreche.

Mehrere Oppositions- Blätter hatten gemeldet, unter die Linien-Truppen, die am 17ien d. M. Abends die Räumung des inneren Hofes des Palais-Royal bewirkten, seh vorher Wein ver- theilt worden. Das Journal des Débats enthält in Be- ziehung hierauf eine Ecflärung der Offiziere und Unter: Offiziere des Bataillons, das an jenem Abend den Dienst im Palais- Royal versah, daß eine solche Vertheilung durchaus nicht statt: gefunden und daß jene Behauptungen der Blätter Verleum- dungen seyen.

Die Gazette des Tribunaux meldet, daß mehrere in der geflrigen Nacht an den Straßenecken angeschlagene Zettel, in denen die Bürger zu den Waffen aufgerufen werden, am Mor- gen von der Polizei abgerissen worden schen.

Herr Lebrun, Mitglied der Französischen Akademie, is zum Direktor der Königl. Druckerei ernannt worden.

Geoubritanien Uo Sra o.

London, 23. Sept. Gestern hielt der König ein Lever, bei welcher Gelegenheit der Amerifanische Minister, Herr v. Bu- ren, vorgestellt wurde. Der Fürst Lieven hatte eine Audienz und überreichte ein Schreiben seines Souverains. Jun der Ge- heimen Naths-Versammlung wurde Sir Frederif Adam als Geh. Rath deeidigt.

Das neue Linienschiff, der „Donnerer‘/, wurde geftern in Gegenwart des Königs, der Königin, mehrerer Prinzeu und HPrinzessimmen und vou nahe an 50,000 Zuschauern zu Woolwich vom Stapel gelassen. Die Herzogin von Sachsen-Weimar taufte das Schif, indem sle eine Flasche Wein an den Bug warf und dabei die Worte sprah: „Jn die Tiefe send? ih Dich, o Don- nerer, und lange mögest Du gedeih’n.“/ Das Schiff wurde so- dann nach dem neuen Bassin, welches 10 Kriegsschiffe der er- sten Klasse halten kann, gebracht. Der Hof ging in den Docks umher und besah unter anderen die auf Befehl Georgs [V. ge- baute Miniatur- Fregatte ,„Eagle‘/ von 32 Kanonen, welche den vierten The1l der Größe einer wirklichen Fregatte von 32 Kano- nen hat und in furzem vom Stapel gelassen werdeu wird. JI. MM. fehrten nah eingenommenen Erfrishungen au Bord der

Eine vorgestern in der Behausung des Lord Ebrington statt: gefundene Versammlung vieler Mitglieder des Unterhauses hatte eine Berathung über dasjenige zum Zwe>, was zu thun wäre, falls die Bill im Oberhause verunglúcken sollte. Die Times meldet über jene Versammlung: „Es waren da Leute von gro: ßem Ansehen, die, wie sich leicht denken läßt, bei der s{<wierigen und gefährlichen Neise, welche die Vill jegt dur< das Oberhaus zu machen hat, ihre heißesten Wünsche für deren glücklihe Voll: endung laut werden ließeu und Maaßregeln für den Fall einer Verunglückung vorschlugen. Vorsichtige Leute orduen selbs für das unwahrscheinlichste Resultat Vorkehrungen an. Unbezweifelt dürfte das Unterhaus, sobald eine wirkliche Gefahr sl< voraus- sehen läßt, die förmliche Erflärung abgeben, daß die Minifter das Vertrauen des Landes und des Hauses besißen, und es ift auc< wohl von der Versammlung entschieden worden, daß man einen