1831 / 286 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

chen. Wetttt Fhr aber die Volks-Souveraittetät nicht nachgeben wolit, o opfert Pen a unis nicht die noch vorhandenen Garantieen der Ruhe auf. Mehrere Redner, unter Anderen Hr. v Thiard, haben ofen geftanden, die gegenwärtige Zusammenseßung der Kanimer sey es, die man an=

reife; ihk Ursprung sey es, den man ihr niht vergeben könne. Die jehige Debatte Lar also nur den Zweck, die Patrie, welche ohne- hin dur) die untergeordnete Rolle, die sie im ¡SuguE v. F. spielte, und durch die Eliminirung von 93 ihrer Mitglteder Et genug erscheint, noch mehr zu demüthigen. Man will schen, ob die Pairs aus persdnlichem Jnteresse in die Schmädlerung threr eigenen Würde willigen, ob sie sich die größte Erniedrigung, die einem politi- schen Körper widerfahren kann, gefallen Aa werden. Welchen Einfluß, welche Kraft kann das Ministerium von etner so gedemüthigten Pairie, der siolzen und unabhängigen Deputirten-Kammer gegenübck, erwarten ? Das Ministerinm bringt also feig und unpolitisch seine Ueberzeu- gung einem persönlichen Hasse zum Opfer. Aber die Männer, die es haßt, werden und können das Geseh, das ihnen vorgelegt werden wird, nicht annehmen, sondern müssen ihre Würde, als eine ihnen anvertraute dffentliche Gewalt, behaupten. Sollen wir die Pairs von Frankreih um die Trümmer ihrer politischen Mannhastigkeit feilschen sehen? Leider haven wir zum Nachtheil für die Würde des Französischen Charakters seit vierzig Jahren viele traurige Beispiele eines schimpflichen Abkommens - zwischen Gewissen und Eigennuß im Augenblick ‘der Gefahr gesebes Ich finde nicht Worte genug, um guszudrücken, wie {chimpflich mir dieser Eigennuß erscheint. Man hat sich öfter auf die Nacht vom 4. Aug. 1789 bezogen; bei meinen bekannten Ansichten wird es Sie nicht überraschen , daß ich die in dieser Nacht gemachten Opfer nicht mit demselben Auge be- trachte, wie die Übrigen Redner. Der Französische Adel har cinc lange und gerechte Strafe dafür erlitten; denn die weitreichenden Blibe der Revolutionen kommen nicht alle aus des Menschen, son- dern oft aus höherer Hand, und um Ihnen meine Meinung ganz zu sagen, die gegenwärtige Berathung gleicht schon sehr einer ZÜch- tigung.//

Jn der Sibung vom 6. Oktober verlangte zunähft Hr. Laboissière (Vaucluse), daß die Versammlung sih möglichst bald eine von einem gewissen Dulac, Esfadrons - Chef der Mu- nicipal - Garde, bei der Kammer eingereichte Druckschrift, worin er persönlich angegriffen werde, vortragen lasse, damit er sich ge- gen die darin enthaltenen Beschuldigungen öffentlich vertheidigen fonne. Nachdem hierzu der nächste Sonnabend über acht Tage (15te) bestimmt worden, machte Hr. Bavoux, Namens der mit der Feststellung des Budgets der Kammer beauftragten Kom- mission, folgende Proposition: „Den Herausgebern des Sténo- graphe, Herren Blondeau und Chatard, sollen während der Dauer der Session monatlich 5000 Fr. unter der Bedingung gezahlt werden, daß sle jedem Deputirten ein Exemplar ihres Blattes verabfolgen lassen. Der gegenwärtige Beschluß gilt nur bis zum Schlusse der Session, insofern er nicht bis dahin verlängert wor- den ist.‘ Die Versammlung kam dahin überein, sih über die- sen Antrag in ihrer nächsten Sonnabend - Sißung zu, berathen. Hr. Arago berichtete hierauf über den Gese - Entwurf, wos durch nachträglich noch ein außerordentlicher Kredit von 500,000 Fr. zum. völligen Ausbau des neuen Saales der Deputirten- Kammer verlangt wird, und erklärte, daß die mit der Prüfung dieses Geseßes ‘beauftragt gewesene Kommission einmüthig für die Annahme desselben stimme. Er bemerkte, zuglei, daß der Saal alsdann bis zum nächften Monat März fertig seyn werde. Man beschloß, sich mit diesem Gegenstande erst nach der Erledigung des Pairs-Gesegzes zu beshäftigen. Jeßt wurden die Berathungen úber die Reorganisation der Pairs - Kammer fortgeseßt. Herr Viennet bekämpfte zunächst denjenigen Theil der Rede des Hrn. Berryer, worin ‘dieser es dem Ministerium zum Vorwurfe macht, daß es gegen seine Ueberzeugung gehan- delt habe. Er könne, äußerte er, dieses der öffentlichen Meiuung gebrachte Zugeständuiß nicht als einen Verrath betrachten; da die Mehrzahl der Mitglieder der Kammer {on im voraus WVer- pflic;tungen übernommen gehabt habe, so seh den Ministern nur die Wahl übrig geblieben, entweder nachzugeben, oder sich zurük- zuziehen; der- leßtere Entschluß wäre indeß unter den dermaligen \{wierigen Umftänden noch mehr als ein bloßer Mißgriff gewesen, und ec sey ein zu guter Bürger, als daß er ihnen für ihr Verbleiben am Staatsruder nicht Dank wissen sollte; der Dienst, den sie dadurch dem Lande geleistet, seh groß genug, um eine Jnkonse- quenz zu entschuldigen. Was die Erblichkeit der Pairie betreffe, so glaube er zwar nicht, daß der Sieg derselben sofort eine neue Revolution herbeiführen würde; gleichwohl müsse er aus Ueber- zeugung gegen die Erblichkeit stimmen. j

¡Die Pairie mödge erblich seyn, oder niht‘/, fügte der Redner hinzu, sie ist deshalb nicht minder unwandelbar und nur in ihren Mitgliedern veränderlih. Nachdem aber die Frage also gestellt wor- den, scheint es keinem Zweifel zu unterliegen, daß die aufgeklärte Wahl des Monarchen geeigneter is, der Pairie jenen Geist der Er- haltung, den man von ihr verlangt, zu verleihen, als der Zufall der Geburt. Herr Guizot selbs hat uns, ohne es zu wollen, das ftärkste Argument gegen die Erblichkeit geliefert. Fndem er uns nämlich an jene Masse neuer Namen erinnerte, woraus die Englife Pairie besteht, bewies er uns zugleich, daß dkeses lebendige Vorbild einer politischen Aristokratie seinen Glanz und seinen Erhaltungsgeist einer anderen Ursache, als dem Zufalle der Geburt, verdankt. Die Aristokratie der neueren Zeiten if die des Verdienstes, und diese reicht nicht Über das Grab hinaus. Auch in den Argumenten des Hrn. Royer-Collard vermisse ich eine richtige Folgerung des Prinzips. Derselbe erkennt nämlich bloß die Souverainetät der Vernunft an und beruft danach die höheren Klassen der Gesellschaft zur Pairie; zugleich aber stimmt er für die Erblichkeit. Dics scheint mir nicht konsequent; denn wenn die höheren Klassen der Gesellschaft wirklich die einzigen Elemente der Pairie sind, #0 müssen auch alle Männer von ausgezeichnêtem Talent und' Verdienst dazu berufen werden können. Niemand ist mehr als ich von der Nothwendigkeit einer monarchischen Regie- rungsform in Frankrei durchdrungen; gleichwohl kann ih meine Ueberzeugung în Bezug auf die Erblichkeit nicht ändern, dent ich sage mir, daß die Erblichkeit Nichts retten , wohl aber Alles in den Abgrund stürzen kann, daß eine erbliche Aristokratie noch nie eine Stüße für den Thron gewesen ist, daß sle zehnmal mehr Dy- naftieen untergraben hat, als das Volk, und daß das Königthum in Frankreich selbst nur deshalb es gesunken ift, weil es den Rath- \chlägen der Aristokratie Gehör gegeben und sich auf diese gestüßt hatte. Aber auch die Einführung eines Wahl-Systems bet der Er- nennung der Patrs scheint mir unzulässig. Wir sehen {hon jeßt, wte viel Gleichgültigkeit das Volk für das Wahl-Geschäft zeigt, wie leer die Wahl - Kollegien sind. Wie könnte man unter solchen Um- fiänden von den Wählern die Ernennung der unabsebharen Bewah- rer des wichtigsten politischen Amtes im Staate verlangen? Unsere Kommission hatte daher vollkommen Recht, als sie den Wählern niht einmal die Präsentation von Kandidaten bewilligen wollte.//

Der Redner hob hierauf die Nachtheile hervor, die úber- dies daraus entftehen würden, wenn beide Kammern gleicharti- gen Ursprungs-wären, und {loß mit folgenden Worten: „Mein Wahlspruch ist: die Aufhebung der Erblichkeit, die Ernennung durch den König, beschränkt auf gewisse Klassen der Gesellschaft, endli feine nochmalige Revision des 23ften Artikels der Charte. Dieser leßtere Vorbehalt war ein unglückliher Gedanke; das Provisorium würde dadurch noch verlängert werden. Wäre man in der Sitzung vom 7, August v. F. meinen Nathschlägen ge- folgt wnd hátte sofort alle durch die Revolution angeregte Fra- gen entschieden, so würde die Presse nicht nachträglich diese Fra-

E E r MEO e A E r E TE- s R S E E E C E E dai nant in otdei B O Aibutzióre 6

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gen benußt haben, tim die Leidenschaften zu bewaffnen, die Abs slhten der Regiecung anzushwärzen und die Gemüther zu er- hiben. - Machen Sie diesem Zustande der Ungewißheit ein Ende, m. H., und entfernen Sie den verderblichen Gedanken, daß die Charte immer aufs neue einer Revision unterworfen twerden könne.‘ Der Marschall Clausel erhob si gleichfalls gégen die Erblichkeit der Pairie, Die Abneigung, die das Volk gegen dieselbe hege, äußerte er, seh feine Anwandlung einer vorubergehenden Laune, sondern das Resultat vieljähriger Erfahrungen uud. das lángft gehegte Gefühl des Bedürfnisses nah Gleichheit. Die Vortrefflichkeit der Nicht - Erblichkeit ergebe sih {hon hinlänglich aus dem Widerspruche, der zwischen dem von Hrn. C. Périer vorgelegten Geseß-Entrourfe und der Darlegung der Motive, wo- mit er ihn begleitet habe, bestehe; beide erinnerten gewisserma- ßen an die Klagen, die im vorigen Fahre in beiden Kammern úber das Unglück Karls X. ertönt wären und \s\ch zuleßt iu einen Eid der Treue für Ludwig Philipp aufgelöst hätten; da- mals, unter der eisernen Hand des Volkswillens, habe manu die Mitglieder des älteren Zweiges der Bourbonen, so schr man sle anch beweint, si ruhig nach England einschiffen lassen; heute ließen sl ähnliche Klagelieder vernehmen, so daß man meinen sollte, die Erblichkeit der Pairie seh ebenfalls auf der Reise nach Cherbourg begriffen (Gelächter) ; man solle aber wie damals, ohne- auf die ver- ossenen Thränen Rücksicht zu nehmen, seine Pflicht thun und ranfreich mit den Fustitutionen ausftatten, die es mit so ge- rechter Ungeduld erwarte. Der Redner deleuchtete hierauf die von den Ministern gentachten Vorschläge zur Einführung einer nicht erblichen Pairie, verwarf sie und entschied sich für einen Wahl-Modus, Folgendes sind die Anträge, die er in dieser Hinsicht machte: „Der König erneunt einen Pair unter den ihm von jedem der 86 Departements vorzuschlagenden ünf Kandi- daten. Alle übrige Pairs werden direft vom Könige ernannt. Sämmtliche Pairs müssen zu einer der von der Kommission in Vorschlag gebrachten Klassen der Gesellschaft gehören. Das Minimum beträgt 200, das Maximum darf niemals die Zahl der Mitglieder der Deputirten- Kammer (459) übersteigen.“ Herr André vom Ober-Nhein gab seine Meinung in folgenden sechs Punkten ab: „1) Die Pairs- Kammer nimmt an ihrer Neorganisation Theil; 2) der König allein ernennt die Pairs; 3) er wählt sle unter den von der Kommission vorgeschlagenen Kategorieen; 4) das Minimum beträgt 250, das Maximum 300; 5) die Erblichkeit wird abgeschafft; 6) dieser neue Artikel der Charte ist definitiv.‘ Herr Follivet betrachtete ein Wahl- Shstem als die nothwendige Basis für die Bildung der Pairs-

Kammer und vertvarf sonach den vorgelegten Gese Entwurf.

Herr Keratrhyh äußerte sich etwa folgendermaßen :

/¿M. H., ein Prozeß is weder gewonnen noch verloren, bevor beide Parteien nicht vor ihrem kompetenten Richter erschienen sind. Man behauptet, Frankreich sey einer erblichen Pairie abgeneigt. Wer wirft sich aber hier zum Dolmetscher des Landes auf? Die Zeitungen und die Wähler. Waren indeß diese beiden wohl befugt, einen bdchsten Beschluß in einer so ernsten Sache, wie die vorlie- gende, zu fassen? Waren jene nicht vielleicht die bloßen Organe ci- ner Partei, die entschlossen is, unsere Regierungsform von Grund aus zu ândern? VBilden diese wohl eine geseßlich erwiesene Majo- rität, die ein Mandat erlassen könnte, das einen Feden unter uns verpflichtete? Gewiß wird Niemand so etwas behaupten. Es würde in der That unserer eigenen Würde und der des Landes wenig ent- sprechen, wenn wir uns im voraus schon gegen unsere Kommitten- ten gebunden hätten. Nein, m. H., gewiß hat Keiner von uns schon vor Erdffnung diesex feierlichen Diskussion ir- gend eine Verbindlichkeit übzrnommen, und in dieser Ueberzeugung

ehe ih zur Sache Über. Wir Alle fühlen, daß die Lage unseres Landes nicht so ist, wie ske seyn sollte. Verschiedene Ursachen sind daran Schuld. Eine der ersie sind ohne Zweifel die Anforderungen der aufgeregten Leidenschaften. Aber macht sich nicht auch der Mangel einer dritten Gewalt, die bei unserer Regierungsform un- ertäßlih is, überall fühlbar? Man wird mir vielleicht einwenden, daß die Pairs-Kammer ja bestehe. Hierguf erwicdere ich aber, daß sie in ihrer gegenwärtigen Lage, nämlich in steter Erwartung ciner definitiven Organisation, ihres Lebens - Prinzips beraubt is. Man spricht uns beständig von einem populatren Throne, umgeben von republikanischen Fnftitutionen. Obgleich der Name des Manuces, der sich dieser Worte bedient hat, mir Achtung gebietet, so glaube ich doch, daß ein solcher Thron bald umgestürzt seyn würde, wenn man ihm nicht noch eine andere Stübe liche. Glauben Sie mir, m. H., es handelt sich hei der vorliegenden Frage um die Existenz der ganzen Monarchie. Da wir die Stifter des Königthums von 1830 sind, so müssen wir min- destens auch den Muth zeigen, dasselbe zu vertheidigen, und es nicht den Leidenschaften des Volkes preisgeben. Man schlägt uns zu die- sem Behufe vor, die Pairie durch die Volköswahl zu stählen. Das Wesen dieser leßteren besteht aber nicht darin, das Bestehende zu erhalten, sondern stets Neuerungen einzuführen; wollte man dieselbe daher auf einen permanenten Staats-Körper anwenden, so würde man ihren Standpunkt völlig verrúcken, um Dinge von ihr zu ver- langen, die sie gar nicht zu gewähren im Stande iff; denn nah 3 Fahren schon würde das Volk in den Pairs, wozu es die Kandida- ten gestellt, eben so wenig mehr seine Auserwählten wicderfinden, als es solche in dem Senate Napoleons erkannt hat. Die Erblich- keit“allein kann das Bestehende erhalten; ste läßt sh aus unseren Institutionen nicht verbannen, ohne das Land den größten

efahren auszuseßen. Bevor Sie daher, m.- H., einen Be- schluß in dieser. Sache fassen, ersuche ih Sie, Fhre Blicke nur einen Augenblick auf dasjenige zu heften, was sich um uns zuträgt. Eine gewisse Bangigkeit macht sh Überall bemerflih. Fs das Volk etwa für seine Freiheit und Gleichheit besorgt? Gewiß nicht; man fühlt aber allgemein, daß es in unserer gesellschaftlichen Ordnung ein hôchst {chwaches Element giebt, und dies ist even die Königliche Macht. Allerdings geben Sie sich alle Mühe, m. H., dieselbe zu unterstüßen und die Lücke, die durch den Mangel ciner starken Pairie entsteht, möglichst auszufüllen. Aber der Wille, der Jhnen die Thüren dieser Kammer geöffnet hat, ist seiner Natur nach wan- delbar , und eben aus diesem Grunde muß es noch einen anderen Körper im Staate geben, der einer solchen Veränderlichkeit nicht unterworfen is. So wenig wie die Erblichkeit überall an ihrer Stelle wäre, eben so wenig wäre es die Volkswahl. Zwischen zwet unsiäten Staatskörpern müßte der Thron unaufhörlich hin und her wanken; zwischen die Erblichkeit und die Volkswahl gesellt, hat er zwei Stüßpunkte und kann selbst der öffentlichen Ordnung den dauerhaftefien von allen gewähren /

Der General Lafayette erklärte zunächst, daß er si der Kommissson anschließe, insoweit diese darauf antrage, daß man die Frage über die Pairie gleich definitiv erledige; eben der ge- genwärtige Zustand des Provlsorischen, bemerkte er, seh grofen- theils mit Schuld daran, daß das öffentliche Vertrauen nicht zurücffehren wolle. Der Redner ließ sich hierauf in eine Wider- legung desjenigen Theiles der Rede des Herrn Noyer- Collard ein, worin dieser eine Definition von der Volks-Souverai- netát gab, und suchte sodann aus den Ereignissen der letz- ten Revolution zu beweisen, daß der Deputirten- Kammer in der vorliegenden Frage allerdings eine fonstituirende Gewalt zustehe, gleichwie den Deputirten eine solhe im Juli v, F,, wo sle die vorige Dynastie des Thrones für verlustig erklärt und einem ihrer Mitbürger, ungeachtet seiner Verwandtschaft mit die- ser Dynastie, die Krone übertragen hätten, zugestanden habe; es wäre vielleicht besser gewesen, wenn man damals glei eine fon- stituirende Versammlung zusammenberufen hätte; auch gestehe

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er, daß dies sein erster Gedanke gewesen seh; da indessen ,

allen Seiten die lautesten Beitritts- Erklärungen zu demjieniz

was die Kammer gethan, eingelaufen wären, so habe man h

als eine Bestätigung von fast ganz Frankreich gehalten ; als y

Deputirten : Kammer slch zu jener Zeit die Rekonftituirung |

Pairs - Kammer ausdrücklich vorbehalten, habe er nicht any,

geglaubt, als daß es ihre Absicht seh, sh diesen Rest der fyj

tuirenden Gewalt allein vorzubehalten; in der That könne |

Pairs - Kammer nimmermehr Nichteriu in ihrer eigenen &@

he sehn. Herr Lafayette vertheidigte demnächst seine Ans über das Spezial - Mandat und verwies dabei auf das {|,

lische Unterhaus, in dem es gewiß nicht ein einziges Mit

gebe, das man nicht vor seiner Erwählung gefragt habe, wie

itder die Neform-Frage denke; es lasse sih schwerlich anneh daß, wenu einer von ihnen das in dieser Beziehung gegeh

Wort verleßte, seine Kommittenten sh durch eine gelehrte A

sertation über die Theorie des Mandats hinlänglich ents\{ch) fühlen wfirden, Man berufe si bei der Vertheidigung der (;

lichkeit auf die großen Dienste, die die Aristokcatie von jeher d

Throne geleistet habe; er seinerseits könne diese Leistungen y gends erblicken, wohl aber wisse er, daß die Aristokratie der F

nastie des álteren Zweiges der Bourbonen den ersten Stoß y seyt habe; wäre Ludwig XVI. damals, ftatt sich dem Y

in die Arme zu wersen, vertrauensvoll dem dritten S;

de entgegengefommen, so würde er sich niht ins Very ben gestürzt haben. Der Redner stimmte am Schlusse s nes Vortrages nicht bloß gegen das Priazip der Erblichl sondern anch gegen die ausschließliche Wahl der Pairs durch j König. Nachdem er die Tribune verlassen hatte, verlangte i Graf v. Lameth das Wort wegen eines persönlichen Faktun Dasselbe wurde ihm indessen nicht bewilligt, Gleichzeitig trug mehrere Deputirte darauf an, daß man die allgemeine Berathuy ließe, und Hr. v. la Pommerayhe forderte den Prásidenten 4

daß er hierüber abflimmen lasse. Dieser nahni jedoch keine Ri sicht darauf, und als jener bei seiner Forderung beharrte, rief j der Piäsident zu, er werde ihn zur Ordnung verwei wenn er noch ferner die Ruhe stöóre. Herr ars s sonach die Diskussion fort. Zu Anfang seines Vortrages sp er die Hoffnung aus, daß mir der gegenwärtigen Diskussion h Zwiespalt zwischen der Opposition und dem übrigen Theile | Kammer aufhören, und daß daun die veralteten Benennunj von ministeriellen Bänken und Bänken der linken Seite (E Bedeutung verlieren und außer Gebrauch kommen würden, || rechne es sich tibrigens zur Ehre, daß man ihn und seine Freu in den Standpunkt der richtigen Mitte stelle, in den es Vi so {wer werde sich zu verseßen, und den man in Zeiten h Unruhe und Zwietracht verächtlich zu machen suche, auf den m aber durchaus zurüctfommen müsse, wenn man wahr, gerecht u verständig sehn, wenn man das Wohl seines Landes ausfricht ohne Stolz und ohne Ehrgeiz wolle. Die Frage über | Erblichkeit der Pairie, fuhr der Redner fort, seh besy ders darum so \{wierig und gefährlih, weil in Fra reih eine dem Systeme beider Kammern und vielleicht a dem Königthume abgeneigte geheime Partei vorhanden s Diese verlange zunächst die Abschaffung der Erblichkeit der Y rie, um diese späterhin ganz zu vernichten und auch den Stu des Thrones herbeizuführen. Die Besorgniß, welche die T denz dieser Partei einflöóße, werde durch die Nachgiebigkeit d Minister bei der vorliegenden Frage noch vermehrt. Eine Hül unter diesen shwierigen Umsiänden sey nur von der durch dir f genwärtigen Debatten aufgeklärten Vernunft und Einsicht Frau! reichs, von der Erkenntniß der dem Lande drohenden Gefahn! von der Mitwirkung aller rechtlichen Männer, von dem in} gewerbtreibenden Klassen vorhandeuen Bedürfniß, der Ordnu und Stabilität, tund endlich vou der Eintracht und Unabhänzj keit der Kammer, so wie von dem Gefühle zu erwarten, d diese von der Größe und Wichtigkeit ihres Berufs habe. Y vorige Kammer habe emen König gemacht, der jeyiz bleibe übrig, eine Monarchie zu gründen. Bis jest habe die R gierung nur den Namen einer monarchischen gehabt, und

republifanischen Einrichtungen, wie man deren fortwährend ti lange, wecde es nie gelingen, eine constitutionnelle Monarchie j errichten. Die Schwäche der Regierung, so wie der unbehi liche Zustand des ganzen Landes, haben darin seine Quelle, d es derselben an Charafter fehle, daß sle oft entgegengeseßten MPii zipien folge, und daß man von ihr verlange, fie solle sich d Bedingungen der Republik unterwerfen, nahdem man ihr d! Namen und die Formeu einer Monarchie gegeben. Hieraus «1 stehe für Land und Regierung eine eben so schiefe als gefáhrlit Stellung, welche die Gegenwart und Zukunft unsiher mat und über die, wenn man fich nicht jeßt beeile, aus ihr hera

zukommen , später nur der Despotismus den Sieg davontraj! werde. Bei der gegenwärtigen Debatte entstehe die höchft wichti Práäjudizial-Frage, ob die ganze Natur des Staats geändert 1 den solle? Hege man diese Absicht, so sey es erklärli daß man die Erblichkeit der Pairie abschaffen und die Woh Kammer in zwei große Sectionen von ähnlichem Ursprunge thi len wolle. Wenn hingegen, wie man bis jet habe glaub müssen, Frankreich die Monarchie verlange, so müsse es a

diese auf monarchische Fnstitutionen gründen wollen. Nach ner Ueberzeugung, so {loß Herr Jars, gebe es ohne Erblichk feine Pairie, ohne Pairie keine conftitutionnelle Monarchie, u müsse man, wenn man das Königthum und die Charte von 18 zu erhalten wünsche, auch die Erblichkeit der Pairie beibehaltd ia diesem Sinne werde er ftimmen und sey geneigt, die Am dements, die an diese Ansicht geknutipft werden möchten, zu 1 terstüßen. Nach diesem Vortrage, der von einem großen Thi der Versammlung mit Zeichen des Beifalls aufgenommen wur ward die Sißung aufgezoben und die Fortseßung der allgemein! Diskussion über das Pairsgeseß auf den-nächsten Tag anberau

an welchem sie wahrschein!ich auch geschlo}en werden wird. der Sißung vom nächsten Montag würden dann die Debatt über die einzelnen Paragraphen und Amendements beginnen,

Paris, 7, Oktober. Der König führte gestern im Minist Nathe den Vorsig und arbeitete dann mit dem Minister des i fentlichen Unterrichts.

__ Der Polizei- Práfekt hat in einer Verordnung vom 2ten| seinen Beamten die ftrenge Vollziehung der verschiedenen, d! Aufenthalt der Fremden in hiesiger Hauptstadt betreffenden, 1 lizeilicheu Bestimmungen anempfohlen.

Der diesseitige Botschafter in Neapel, Graf von Latol Maubourg, ift von hier abgereist, um sich wieder auf seinen Posi! zu begeben.

Aus Algier schreibt man unterm 21. September: „D! Kommandant Huder is in Bona angekommen, Die Belagell haben sich fünf Stunden weit von der Stadt zurückgezogen. bensmittel sind dort in Fülle vorhanden. Die Zuares f@ ren fort, im Dienste Tapferkeit, Hingebung und Man" zucht zu zeigen,“ i

Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten erbi inen Courier aus Könstantinopel. MREOS hielt gestern

Das Journal des Débats bemerkt über die Sizungen er Deputirten-Kaminer vom Zten, 4ten und 5ten d, M.: „Fn llen drei Sißungen war die Ueberlegenheit des Talents , der Beredtsamfeit und, wie wir meinen, auch der Vernunft auf Sei- m der Vertheidiger der Erblichkeit der Pairie. Am Montag jar es Hr. Thiers, am Dienstag Hr. Noyer-Collard, am Mitt- joch Hr. Guizot (Siehe das vorgestrige und gestrige Blatt der Bt. Zeit.), die in drei vortrefflihen Vorträgen , den besten, die

Laufe der Diskussion noch gehalten worden , jener so laut ershrieenen Sache das Wort redeten. Wir sehen also hier drei usgezeihnete, als Redner bewunderte, als Schriftsteller berühmte Nänner eine liberale und erhaltende Juftitution gegen die Bor- rtheile des Landes, gegen die Leidenschaften des Augenblicks erfechten. Der eine, noch jung, entwielt in seiner Vertheidi- ung eine frühzeitige Neife des Verstandes, großen Scharfsinn nd eines der seltenften Redner - Talente , die noch in unseren olitishen Versannmlungen ausgetreten sind; der andere, ein be- ¡hmter Professor, ein mit tiefer Gelehrsamkeit begabter Schrift- eller, ein vortrefflicher Jmprovisator, zeigt dabei einen aus hiftori- hen Studien geschöpften Scharfblik und eine durch die geistreichsten orshungen geuübte Vernunft; der dritte endlih, ein ausgezeich- eter Metaphysiker, ein scharfer und beredter Logiker, ein Mann oll von praktischer und spekulativer Erfahrung, ein unvergleich- cher Redner hinsichtlich der Kraft, des Glanzes und der Origi- alität seiner Vorträge, drückt jener Frage gleichsam das Siegel nes Rufes, dem sih noch vor kaum 4 Jahren Aller Augen zu- andten, so wie einer Art von politischer Divinations-Gabe auf, je sh leider so ziemlich bewährt hat. Js es nun aber wohl laublih, daß drei Männer, deren verschiedenartige Stellung ih- r Meinung ein so großes Gewicht leiht, die \chlechte Sache, nd daß umgekehrt diejenigen, die ihnen verderbliche, abgeschmacte

d widersprehende Systeme, wobei sie unter einander selbst un- nig sind, entgegeuftellen, die gute Sache verfechten sollten ?‘“

Der Vicomte v. Martignac is hier angefomnien.

Aus Bayonne wird gemeldet, daß ein Spanisches Schiff uf der Höhe von San Sebastian ein mit Geld und wichtigen apieren beladenes Fahrzeug, das angeblich an den General ina und die Spanischen Ausgewanderten gerichtet war, weg- nommen hat.

Großbritanien und YXrland.

Parlaments-Verhandlungen. Oberhaus, Sißung om 5, Okt. Fortwährend is der Andrang des Publikums zu n Sizungen des Oberhauses sehr groß. Auch Damen, na- jentlih Pairinnen mit ihren Töchtern, sieht man an jedem bende in großer Anzahl auf den Tribunen. Jhre Theilnahme ir oder gegen die Reform spricht slch unverkennbar aus, und die imes macht die Bemerkung, daß in der Regel die älteren Damen der Opposition ihren lauten Beifall schenken, während e jungen und s{önen sich mit großer Lebhaftigkeit für die Bill teresslren. Der Raum in der Nähe des Thrones is gewöhn- ch von Mitgliedern des Unterhauses und ausgezeichneten Fcen- n beseßt, unter welchen Leßteren man heute auch den berühm- n Braminen Ramohun Roy bemerkte, der von Sr. Königl, oheit dem Herzoge von Cumberland eingeführt worden war. Bittschriften zu Gunften der Reform-Bill wurden wiederum in oßer ‘Menge überreicht. Lord Wharncliffe hatte eine von 0 Banquiers, Kaufleuten U. #, w. der Londoner Cith unterzeichnete, gen die Reform gerichtete, Petition zu übergeben und benerfte bei, daß die Bittsteller einen großen Theil alles Vermögens

der City repräsentirten, wo der Eifer für die Reform s Bill derhaupt nachgelassen habe, indem die daselbst zu Gunsten der- ben fkfürzlih unterzeichnete Petition nur 4700 Uuterschristen lige, während eine im vorigen Monat März zu Stande gekom: ene deren 9600 getragen habe. Seiner Meinung nah fände an in allen Läden der Stadt Loudon, Wesiminsters und des irchspiels Marhlebone den größten Widerioillen gegeu die Bill d eine besonders große Furcht vor den Folgen derselben. Wie fahrdrohend die von dem Ministerium angeregte Maaßregel set, he unter Anderem aus einer Beschreibung hervor, die er von r leßten Versammlung der Birminghamer politischen Union er- lten habe. Wenn das Oberhaus sich gezwungen sähe, den Vor- jriften der Leute zu folgen, die bei dieser Versammlung das Wort ührt, so seh die Revolution, weihe von Vielen antizi- t und besorgt werde, nicht bloß begonnen, sondern sogar jon geschehen. Die aus 150,000 Personen bestandene Ver- mlung seh unter Anderem von einem gewissen Herrn Haynes gendermaßen angeredet worden: „Jch danke Gott, daß die ige einer geheiligten Herrschaft vorüber sind, und daß meine gend, durch eine Versammlung, wie die gegenwärtige, die den rfassungsmäßigen Zweck hat, der politishen Unterdrückung Wi- rstand zu bieten, zu vermehrter Thatfraft angefeuert wird; ich ge, den verfassungsmäßigen Zweck, weil das Englische Gese n Volke das Recht zuerkennt, gegen die Tyrannei zu protesti- und sich ihr zu widerseßen. Widerftand gegen Thrannei ver- ) unseren Vätern die magna charta, derselbe Widerstand verlieh s das Glü, einen König, wie den gegenwärtigen, auf dem Thi on haben, und dieser Widerstand wird endlich uns und unseren Kindern e Segnungen wieder verleihen, deren uns die Burgfleckenhändler derfassungswidrig beraubt haben. Wenn ih Euch jedoch von Eurem chte, Widerstand zu leisten, belehre, so will ih nicht etwa zu waltthätigkeiten anrathen. Des Volkes Macht ist am größ- , nicht wenn sle niederschlägt, sondern wenn sle droht und im um hält, Ostendite bellum, pacem habebitlis, so sagte anlius zut den Römern, und so sage ih Euch auch: Zeigt uur, 3 Jhr fechten könnt, und Fhr werdet dann niemals zu fechten hig haben. Von der ruhigen Weise, in der das Volk bisher e Macht ausübte, schreibt sich sein Erfolg her. Als die Re- m-Bill in das Haus der Lords fam, waren diese wie Bel- azar bei seinem unheiligen Feftmahle aufgeschreckt ; zwar profa- en fle niht, gleich ihm, die Gefäße von Gottes heiligem are, aber se profauirten das, was diesem Altare# zu- hst steht, und was dem Allmächtigen am meisten ge- t, das Glück und die Freiheit seines Volkes. Jhre Dyna- nähert sih jedoch dem Ende; die Handschrift an der Mauer sih ihnen gezeigt. Die Macht des Volkes is triumphirend ; können nicht widerstehen, eben so wenig als die Teufel in

Hölle den Vorschriften der göttlichen Gerechtigkeit widerstehen nen. Wir sind hier, Fhr seht es, unserer 150,000 versan- it, um die Lords in einer Bittschrift anzugehen. Werden sle wagen, die Bill zu verwerfen?‘ „Dieje Frage“‘‘, fuhr der d fort, „richtete der Redner an eine Versammlung von ),000 Menschen, die in lauten Beifall ausbrachen und daher eits entschieden haben, daß wir es niht wagen dürfen, die ll zu verwerfen. Wenn das keine Drohungen und Einschüch-

ngen seyn sollen, so wüßte ich niht, wäs sonft mit diesem amen belegt werden fönnte. Habe ih unn niht Recht, zu sa- M, daß, wenn wir diesen Leuten folgen, die Revolution

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nicht bloß begonnen, sondern \{chon dur eführt sey? Der Lord-Kanzler hielt si für verpflichtet. U Bi Wei kungen Einiges zu autworten, da er es war, der geftern die Bitts schrift aus Birmingham übecreicht hatte. Zunächst bemerkte er

daß eine ganze Versammlung für die heftige Sprache , die etwa ein Einzelner dabei geführt, niht vdrautwortlich gemacht werden könne. Wie loyal dicse Versammlung gewesen, gehe unter An- derem daraus hervor, daß sämmtliche Anwesende, bevor sie si getrennt, ihre Hüte abgenommen und die Königl, Namens- hiffre mit enthusiastischen Anháänglichkeits - Bezeugungen begrüßt, und für die Wohlfahrt ihres Souverains gebetet hätten. Wie un- gegründet übrigens die Bemerkungen des edlen Lords in Bezug auf die Londoner R clio sehen, würde am besten daraus her- vorgehen, daß man bald eine neue Bittschrift von dieser Scite zu Gunsten der Reform würde erscheinen sehen. Da Lord Wharncliffe die Bemerkung hatte fallen lassen, daß das Ober- haus die Bill hon deshalb verwerfen müsse, weil die Minister gar feine Veränderung daran gestatten wollten, so sah sich der Graf Grey zu der wiederholten Erklärung veranlaßt, daß er geneigt sey, Aenderungen zuzulassen, die mit dem Prinzipe der Bill nicht im Widerspruche slch befänden, und daß er nur dieje- nigen Aenderungen nicht gestatten werde, die ihrer ursprünglichen Wirksamkeit etwas àân Kraft nätmen, Es würde anmaßend von ihm sehn, wenn er den edeln Lords ieden Vorschlag eiuer Aenderung im Ausschusse untersagen wollte ; do behielte er es sich vor, im Ausschusse zu beweisen, daß jede Aenderung, die das Prinzip der Bill beträfe, eine Täuschung des Volks sehn würde. Nachdem die in Folge dieser Bemerkungen entstandene De- batte beendigt war, trug Lord Kenyon endlich auf die Tages- Ordnung, die Fortseßung der Debatte über die zweite Lesung der Reform : Vill, an. Zunächst erhob \sich der Graf von Dudley und Ward (bekanntlih Minister der auswärtigen Angelegenhei- ten unter Canning) und erklärte si gegen die Bill, die er re- volutionair nannte, weil sie alle Gewalt im Unterhause konzen- trire und das bisherige glüliche Gleichgewicht ganz vernichte. Er be- shuldigte dasMinisterium überhaupt, lauterMaaßregeln begünstigt zu haben, die dem Lande unheilbringend seyen; es habe si, sagte er, Englands Feinde zu Verbündeten erwählt und dagegen seine alten Alliirten in Feinde verwandelt. Eben so täusche es jeyt das Voik, indem es ihm goldene Berge von der neuen Maaß- regel verspreche, von der das Volk nichts Geringeres als einen ledhafteren Handel, vermehrte Arbeit und einen erhöhten Ar- beitslohn bei wohlfeilen Lebensmitteln sich verspreche. Von sol- chen trügerischen Hoffnungen verblendet, ja berauscht , seh die Masse des Volks unfähig, über die möglichen Folgen der Bill ein verständiges Urtheil zu fällen, und die verderbliche neue Philosophie mache sich dies zu Nuve, um den Einfluß und- die Privilegia des Oberhauses zu untergraben. Die Bill werde Englands freundschaftlihe Verbindungen mit dem Auslande auflösen und zugleich seine inneren Angelegenheiten zu Grunde rihten. Das Kabinet selbst werde sich erniedrigen müsen, die Launen der Menge zu ftudiren, Stolz auf das bisherige System, unter wels ckchem England eine lange Reihe von Triumphen zur See wie zu Lande sich erworben, wolle er es gegen keine Neuerung vertaus schen. Altar sowohl als Thron, das Recht der Erstgeburt und die ganze Existenz des Adels, wie die Privilegia des Oberhauses, sähen sich durch die unglückschwangere Reform-Bill kompromittirt. Darum erwarte er zuverlässig, daß das Haus die Bill ohne viele Ceremonien verwerfen und sich dadurch, wenn erft der geroertge Schwin- del verflogen seh, deu Dank der spátésten Nachkommenschaft er- werben werde. Der Marquis von Landsdowne nahm uun das Wort und suchte zuvörderst die Angriffe des vorigen Redners auf das jeßige Ministerium zurückzuweisen, sodann äußerte er sich über den eigentlichen Gegenstand der Debatte folgendermaßen :

/¡Fch muß die Behauptung, daß die Minister die Es

Absicht hätten, die Constitution umzuftoßen und die geheiligten Einrichtungen unserer Vorfahren niederzureißen, für durchaus un- begründet. erklären. Die meiften der Argumente, welche die Gegner der Bill vorgebracht haben, sprachen mehr zu Gunsten des Grund=- saßes, als gegen denselben. Nachdem ich gestern die Rede des edlen Grafen (Harrowby ) gegenüber angehört hatte, konnte ich nicht be- greifen, wie er gegen die Maaßregel stimmen mochte Er räumt cin, daß man ein langes Verzeichniß derjenigen Personen anfertigen könne, welche durch den Ausdruck der dentlichen Meinung in Be- zug auf Reform anderen Sinnes geworden seyen. Jch gehe noch weiter und behaupte, daß von allen edlen Lords gegenüber, die sih gegen jede Veränderung aufgelehnt haben, kein ein- ziger is, auf den nicht die Macht der dffentlichen Meinung thre Wirkung ausgeübt hätte. Alle haben mehr oder weniger zugegeben, daß irgend eine Veränderung nothwendig sey. Fch bin der Meinung , daf jede Veränderung, besonders bei einem so komplizir=- ten und civilisirten Zustande der Gesellschaft, wie die unsrige, ein Uebel is, und eben so muß ih zugeben, daß die Lage keiner Gesell- schaft sicher is, in welcher das Eigenthum nicht einen sehr großen Einfluß ausübt (Beifall ), und daß lange bestandene Verhältnisse zwischen Regierer und Reglkerten leichter aufrecht zu erhalten ind, als neue, wenn diese auch noch so vollklommen sind. Wenn ich aber diese Grundsäße einräume, so läugne ih cine aus denselben gezogene Folgerung durchaus ab, daß es nämlich der Charafter der Fnstitutionen und der Constitution dieses Landes sey, sich allen Modificationen, welche durch den Wechsel der Zeiten bedingt werden, streng und starr zu wider- seßen. Fch habe die Geschichte unserer Fnstitutionen mit anderen Augen gelesen. Jch blicke in das Statuten-Buch und frage mich: was für Gesche begleiteten die große Veränderung in der öffentlichen Mei- nung die Reformation? Was für Gejeße bestimmten und ver- theidigten die Prärogative der Krone unter dem unglücklichen Hause Stuart? Welche Gesche sicherten dem Hause Hannover die Thron- folge? Durch welche Geseße wurde die Vereinigung Schottlands mit England begründet? Ja, und endlih: was war die Wirkung derjenigen Veränderung, welche, keiner früheren weder an Stärke noch an Umfang nachgebend, kürzlich durch den edlen Herzog (von Wellington) eingebracht, und wodurch dret Fünfteln der Frländi- schen Wähler ihr Wahlrecht entzogen wurde? Alles dieses sind Beispiele von Aenderungen in unseren Fnftitutionen, und es geht daraus hervor, daß ich in den Grundsäßen mit dem edlen Herzog Übereinssimme, wenn wir auch in der Anwendung verschiedener Mei- nung sind. Jch kann nicht verhehlen, daß ich die Bemerkungen des edlen Herzogs Über das, was ich noch immer seine unglückliche Erklärung in Bezug auf Reform nennen muß, mit Erstaunen gehört habe. Er sagt uns, wenn ich ihn anders recht verstanden habe, daß er da- mals als ein Minister und nicht als Privatmann gesprochen habe, und daß, was auch immer seine individuelle Meinung gewesen scyn möchte, er als Königl. Minister verpflichtet gewesen wäre, sich gegen Reform zu erklären, und dem Parlament jede Einmischung abzu- rathen. Wenn ich an das Betragen des edlen Herzogs bei anderen Gelegenheiten denke, so hätte ih erwartet, daß er der Leßte seyn würde, einen solchen Unterschied zu machen. Bet der katholischen Emancipation erklärte der edle Herzog, daß eine solche Maaßregel nothwendig von der Regierung ausgehen müsse, und bei der vorlie- genden Bill ist er der Meinung, daß ste auf keinen Fall von einem Mi- nister eingebracht werden dürfte. Darin wird Niemand eine Konsequenz auffinden kdnnen. Dem sey indeß, wie ihm wolle, so viel ist gewiß, daß alle die edlen Lords, welche gegen die Bill gesprochen, doch die Nothwendigkeit einer Veränderung eingeräumt haben; keiner von den edlen Lords aber giebt irgend einen Plan an, nah welchem er die Reform be- werkstelligt zu sehen wünscht, und obgleich die Debatten über diesen Gegenstand schon länger als 6 Monate dauern, so haben wir doch

» worin anders, als in

das geheime Arzneimittel noch nicht in Erfahrung bringen können, welches als Gegengift gegen die traurigen olgen unseres Systems dienen soll. (Höbrt, hdrt, vom Marquis v. Londonderry.) Fh würde mich sehr freuen, wenn der edle Marquis, der mir so ede seinen Beifall ertheilt, mich mit diesem Plane bekannt machen wollte; viel- leiht wird er so gütig seyn, dies bei nächster Gelegenheit zu thun, und mich zu gleicher Zeit überzeugen, daß dieser Plan mit aller Klugheit und Ueberlegung, der ihn nothwendig cha- rakterisiren muß, ausgearbeitet is. Das Englische Volk hat cin Recht, sih zu beklagen, daß die edlen Lords gegenüber, wenn sie wirklich einen Reform - Plan besigen, denselven #o lange verborgen halten , da sie doch die Nothwendigkeit einer Ver- änderuug einräumen. Es wurde dem anderen Hause eine Reform-= Maaßregel vorgelegt das Parlament wurde wegen dieser Frage aufgeld| die Maaßregel wurde von neuem eingebraht die Bill ging în jenem Hause durch und wir befinden uns jeßt auf dieser vorgcrückten Station, ohne daß das Englische Volk weiß, was es zu erwarten hat, wenn diese Bill verworfen würde, oder ) l der von uns vorgeschlagenen Maaßregel, seine Sicherheit bestehen soll. (Beifall.) Es ist sehr hart von denen, welche uns und namentlich meinen edlen' Freund-(Grey) neben mir für Betrüger und Empiriker ausgeben , und die behaupten , daß sie die eigentlichen Staats-Aerzte und allein im N einer heilsamen Me= dizin scyen , es ist sehr hart von jenen, sage ih, daß fie das Englische Volk den Quacksalbereien meines edlen Freundes úber= lassen, anstatt demselben die Mittel anzugeben , wodurch es sich sei ner Uebel entledigen könnte. ;

_ Nachdem der Redner noch einige Bemerkungen der Oppo- fition in Bezug auf die Reform der Schottischen Repräsentat1on widerlegt, dann die Reform im Allgemeinen zu vertheidigen ver- sucht und unter dem lauten Beifall des Hauses seinen Play wie- der eingenommen hatte, erhob sich der Marquis von London: derrh und erklärte, daß er die Aufmerksamkeit Jhrer Herrlich- keiten einen Augenblick in Anspruch nehmen mü}e, um auf ei- nen persönlichen Angriff des edlen Marquis zu antworten, dec ihm um so unerwarteter komme, da er sich nicht bewußt sey, den edlen Marquis jemals persönlich beleidigt zu haben. Auf die Erklärung des Marquis von Landsdowne , daß er nicht die Ab- sicht gehabt habe, den Marquis von Londonderry persönlich zu ne gab sich Lezterer zufrieden und fuhr folgenderma-

en fort:

¡Jh denke nicht, daß der edle Marquis ein einziges vot den vielen Argumenten widerlegt hat, die von dem edlen Grafen (Har- rowby) neben mir mit so vielem Talent aufgestellt worden sind. Der edle Marquis hat sich in Declamationen ergangen, worin er o sehr excellirt; der Unterschied zwischen jenen Declamationen und den Ar=

umenten des edlen Grafen besteht darin, daß die Rede des edlen

rafen die Bill in Stücken zerrissen hat, und daß der cdle Marquis troß der großen Macht seiner Phrasen nicht im Stande gewesen is, auch nur einen Theil derselben wiederherzustellen. Fch selbs bin der Mei- nung, daß die Bill ungerecht, verfassungswidrig und grundsaßzlos ist. Un- gerecht ist sie, weil sie cinen großen Theil des Volkes sciner Rechte beraubt ; verfassungswidrig, weil fie alle große Fnstitutionen des Landes umstößt, und grundsaßlos, weil die Regierung in dem anderen Hause im Laufe der Verhandlungen von allen ursprünglichen Grundsäßen ab- gewichen ift und alle ¡Wege eingeschlagen hat / welche sie fúr die geeignetsten bielt, um im Amte zu bleiben. Jch beschuldige ferner die Minister der Parteilichkeit in den Details der Vill / Rächdem der Redner einige einzelne Fälle angeführt hatte, um diese Behaup- tung darzuthun, sagte er: „Fch glaube nicht, daß die Reformers mit der Bill, so ausgedehnt die Veränderung is, welche sie heryor- bringt, zufrieden seyn werden. Der edle Graf muß einschen, daß das allgemeine Wahlcecht und das Balottement hinter ihr liegt und unvermeidlich nachfolgen muß. (Nein, nein!// vom Grafen Grey.) Ungeachteë dieser Verneinung des edlen Grafen, behaupte ich, daß das Volk nicht mit dieser Bill zufrieden seyn wird. Wenn die Re- formisten einmal den ersten Laufgraben geiogen haben, so werden sie nicht. eher ruhen, bis der Plas erobert if. Als Frländer empfinde ich die Uebel, welche aus dieser Maaßregel hervorgehen müssen, mit dop- pelter Stärke. Frland, welches unglücklicherweise durch ein einziges Organ geleitet wird, wird sich mit der Reform- Bill nicht begnü= gen Es wird dieselbe lediglich als einen Schritt vorwärts ¡ur Auf

ebung der Union betrachten, und ih bin vollkommen Überzeugt, Es wenn die Bill durchgeht, Jrland ganz den Katholiken in die Hände fallen und das protestantische Fnteresse und die protestan= tische Kirche daselbst ganz veénichtet werden wird. So weit ich es be- rechnen kann, würde Frland, nach den in der Bill enthaltenen Beitim- mungen, ungefähr 72 Mitglieder ins Unterhaus senden, welche dem pro- testantischen Juteresse feindlich gesinnt und der Aufhebung der Union geneigt wären. Die neuen Ernennungen von Pairs halte ih für un- passend und für ungerecht, weil dadurch dieselben Personen an verschie- denen Orten über denselben Gegenstand zweimal ihre Stimmen abgeben.

ch hofe auch, daß man nicht ferner versuchen wird, sich dés Namens des

ónigs zu bedienen, um eine die Constitution zerstörende Maaßregel durchzubringen. Es ist durchaus unpassend und unschicklih, den Namen des Souverains mit der Souverainetät des Volkes zusam- menzubringen. Eben s#o protestire ih gegen den Styl und die Act des Aufrufs, welchen der edle Graf ( Grey) an die Bank der chr- würdigen Bischöfe erlassen hat. Es ift dies ein höchst unconstitu- tionnelles Verfahren. Was berechtigt irgend cinen Pair, zu glau- ben, daß der Muth, der Geist und die Ehre jener sehr chrwürdigen Bank geringer sey, als sein eigener? Fch will indeß Ew. Herrlich= keiten nicht dur fernere Bemerkungen lästig fallen. Fch erkläre, daß ich mich der Bill widerseßen werde; vorher aber bitte ih den edlen Grafen, welcher sih an der Spiße der Regierung befindet, den vorliegenden Gegenstand noch einmal wohl zu überlegen und sich zu besinnen, bevor er uns zu einem Schritt zwingt, der nicht zurückgethan werden kann.‘

Nach dem Marquis von Londonderry nahm der Viscount Goderich das Wort, der einen Rückblick auf die Geschichte der Reform warf. Jun den Jahren 1793 bis 1795 habe die Re- form-Frage in England in blem Rufe gestanden; im Laufe des darauf folgenden Krieges hätten sich jedoch Ereignisse zuzetragen, die in dem Volke den máchtigen Wunsch erwet hättez, die Verfassung verändert zu sehen. / Mitten unter den großen Trim: phen, die sich England zur See wie zu Lande erworben, hätten doch die zunehmende Armuth, die wachsende National-Schuld und die immer drücender werdenden Abgaben das Bedürfniß einer Aenderung des bisherigen mangelhaften Repräsentativ-Sh- stems immer mehr fund gethan, Das im Lande herrschende Elend habe man hauptsächlih der Art der Zusammenseßung des Unterhauses beigemessen, nachdem sich gezeigt, daß der \o schr herbeigewünschte Friede dem Nothstande kein Ende gemacht. Nachdem noch der Graf von Haddington gegen und der Graf von Raduor für die Bill gesprochen hatten, wurde die Debatte für heute geschlossen und deren Fortsesung auf den náchs ften Tag verschoben. Das Haus vertagte sich um halb 2 Uhr.

Unterhaus. Signung vom 5. Okt. Da anf cine Frage des Lord Ebrington Herr O’Connell erwiedert hatte, daß es nicht seine Absicht sey, auf seine für den nähsten Mou- tag angeseßte Aufforderung an das Haus zum Erscheinen sämmt- licher Mitglieder zu bestehen, so erklärte der Erstere, daß er, in Rücksicht auf den Zustand des Landes, es für seine Bflicht halte, die Aufforderung an das Haus seinerseits ergehen zu lassen, in: dem er einen Antrag in Bezug auf den Stand der öffentlichen Angelegenheiten zu machen habe. *) Das Haus ging darauf zur

eventuell auf en werde.

*) Die Times bemerkt, daß sich dieser Antra die Verwerfung der Reform-Bill im Oberhause betiet