1831 / 288 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Artikels der Charte von der Kammer genehmigt zu sehen. Wie die ubrigen Punkte, die zur Vervollständigung der Reorganisation der Pairs-Kammer erforderlich slud, demnächst entschieden werden durften, is heute noch nicht mit einiger Wahrscheinlichkeit vor- herzusehen. Darüber aber sind die Ansichten aller Unbefängenen einig, daß, im YFuteresse des neuen Thrones und der Befestigung der Ruhe in Frankreich, unbedingt diejenige Conibination den Vorzug verdienen würde, welche am besten das Problem löste, eine zweite Kammer zu schafffen, die Wurzel in der öffentlichen Meinung hätte und zugleich als wahrhaft vermittelnde Gewalt zwischen dem Throne und der demokratischen Kammer zut wirken fähig wäre; und man sieht die Frage von der Dauer der jeßigen Französischen Verfassung als durch die Realifirung dieser Aufgabe bedingt an. Sehr gespannt is man hierbei auf die von Herrn Odilon-Barrot am Schlusse seiner gestrigen Rede angekündigten Vorschläge, die als diejenigen der linken Seite zu betrachten sind. Mit der Entscheidung der Pairs - Angelegenheit wird jedenfalls die große zwishen den Doctrinairs und der Linken bisher bestan- dene Partei- Frage erledigt werden; und man hört hier oft jeßt Vermuthungen darüber aufstellen, ob Herr Périer, falls jene Entscheidung gegen die Doctrinairs ausfiele, nicht dadurch ver- anlaßt werden dürfte, eine Annäherung an den gemäßigten Theil der Linken zu suchen und dessen Popularität dazu zu benußen, der Regierung in den Departements eine moralische Kraft wie- derzugeben, die, nach den legten bekannten Vorgängen zu Straß- burg, Perpignan, Narbonnéè und Toulouse zu urtheilen, einiger- maßen geshwächt scheint. Man behauptet, daß der erwähnte Theil der Linken der Geradheit des Charakters und der Reinheit der Absichten Herrn Périers die verdiente Gerechtigkeit wider- fahren lasse und“ seinerseits einer solhen Annäherung nicht so ab- geneigt seh, als man es nach der leidenschaftlihen Sprache der Oppositions:Blätter glauben möchte.» Beachtungswerth bleibt es mindestens, wie die gemäßigteren Männer der Opposition in den bisherigen Verhandlungen über die Pairs-Frage beflissen gewesen siud, die Zweifel zu beseitigen, die der leidenschaftlihe Angriff des Vicomte v. Cormenin über den Ursprung der jeßigen Charte háätte erregen fönnen.

Großbritanien und Xrland.

VBarlaments-Verhandlungen. Oberhaus. Siz- zung vom 7. Okt, (Nachtrag.) Der Marquis von Weft - mister gab bei der Ueberreichung einer Bittschrift zu Gunsten der Reform scine Meinung über die Ansichten mehrerer verstor- benec Staatémáänner ab, deren bei der lezten Debatte zum Oeftern gedacht worden war. Zunächst war er der positiven An- sicht, daß, wiewohl Canning zu denjenigen gehört habe, die sich der Reform immer widerseßt hätten, er doch, wenn er bis zum heutigen Tage gelebt und die Veränderung wahrgenommen ha- ben würde, die in den Gesinnungen des Volkes vorgegangen seh, in seiner Abueigung gegen die Resorm \{hwerlich beharrt wäre, Dasselbe glaube er von Huskisson, von welche:n sh durchaus nicht annehmen lasse, daß er, als ein so ausgezeichneter \{arf- blickender Staatsmann, es gewagt hätte, der vereinigten Gewalt der öffentlichen Meinung zu widerstehen. Was hinsichtlich Pitt s und einer vorgeblichen Veränderung, die in den Gesinnungen dieses be- rúühmten Ministers in Bezug auf Reform vorgegangen, hier ge- sagt worden, sey durchaus unbegründet. Pitt habe seine Ansich: ten úber diesen Gegenstand niemals geändert, und er (Marquis von W.) erinnere si deutlich, daß er, als der genannte Staats- mann wieder in das Minifterium eingetreten seh, ihn gefragt habe, ob es seine Absicht seh, die Aufmerksamkeit der Legislatur auf die Neform-Frage zu lenken? Darauf habe Pitt geantwor- tet, seine Gesinnungen sehen noch immer dieselben, er fühle je- do, daß er nicht im Stande seh, die Oligarchie zu bekämpfen, die fi in jener Zeit vereinigt hatte, um jedem Versuche zu einer Reform der Volfks-Vertretung zu widerstehen. Pitt habe nicht ange- Fanden, ihm seine Ueberzeugung von der Nothwendigkeit der Neform darzulegen, und nur dieSchwierigkeiten, mit denen er damals als Mi- nister zu fämpfen gehabt, hätten ihn verhindert, eine Maaßregel zur Befördecung derselben ins Leben zu rufen. Es entspann si jeßt zwisczen mehreren Lords ein Gespräch in Bezug auf die vor einigen Tagen vom Lord Wharnclisfe gemachte Aeußerung, daß die Handelsleute Londons, namentlich die in der Bonde Street, ihr Înteresse für die Reform - Bill ganz verloren hätten. Der Marquis Cleveland erklárte, er habe sich in den Straßen Londons umgesehen und den Eifer für Reform nicht allein nicht nachlassend, sondern sogar neu und stärker hervorbrechend gefun- den. „Es fann gar fein Zweifel darliber obwalten‘, slgte der Herzog von Richmond hinzu, „daß das Volk für die Vill aufs höchste eingenommen seh, und ich zweifle darum auch eben so wenig, daß si Ew. Herrlichkeiten über furz oder laug zu Gunsten einer wo möglich noch ausgedehnteren Maaßregel erflären werden wenn Sie nämlich die vorliegende verwerfen, was ich indessen so lange nicht glauben mag, bis ih es wi. fklih gesehen habe.‘“ Als nun die eigentliche Debatte über die zweite Lesung der Bill wieder aufgenommen wurde, behauptete Lord Wynford, daß mau den Eifer für die Bill nur systematisch zu erhalten suche; in der That aber existire er gar nicht mehr. Nichts Un- passenderes, fügte er danu hinzu, habe das Minifterium thun fönnen, als das Parlament auflósen, wie es dies vor einiger Zeit gethan, denn dadurch erst habe es die Aufregung im Lande ver- breitet; auch zeichnetea slch die leßten Wahlen durch die höchste Ordnun gslosigkeit aus, Un vahr seh der Ausspruch, daß das Ober- vans jest zu Gericht uber das Volk von England sige. Dieses Bolk, das gebe er zu, verdiene die Vorrechte, die es be- îige, und die er ihm gern lassen wolle; aber unvecnünftig würde es sehn, demselben solche Rechte zu gewähren, die es mit kei- nem Vortheile für sich in Ausübung bringen könne. Die Ra- dif al - Reformers, die im Stillen fortarbeiteten, warteten nur anf die vorliegende Bill, um sie als Ueberzánge zu anderen Maaßregeln zu gebrauchen. Die allgemeine Stimmberechtigung liege dieser Bill gar nicht \o fern, welche überall die Bevölke- rung mehr als das Besibkthum berucsichtige. Sowohl das Acterbau-Fnteresse, als das Juteresse der Kirhe würden darun- ter leiden, iudem die Bill die Barriéren niederreiße, von denen beide vertheidigt werden. Die Burgflecken machten den Schul des Ackerbau - Futeresse ans, das durch die Bill seiner Vertreter im Parlamente beraubt werde. Die physischen sowohl als die moralischen Juteressen des Volkes würden durch diese Reform leiden, dec er sich darum aus allen Kräften widerseße. Der Graf von Eldon erhob sich nun und äußerte sich im Wesent- lichen folgendermaßen :, /

„Fch hahe noch viel mehr, als der vorige Redner, ein Recht , für mein Alter um Rachsicht zu bitten; aber troß Alter und Ge- brechlichkeit halte ih es für eine heilige Pflicht, besonders wegett der Drohungen, deren man sich gegen Ew. Herrlichkeiten bedient hat, zu erklären, daß ich lieber fierben will, als die leßte Veryflich- deren ih mich vielleicht gegen mein Vater- land zu erledigen habe. Jh will niht ins Grab steigen, ohne meine Meinung gegen eine für das Land so verderbliche Maaßregel abgegeben zu hahen eine Maaßregel, die in der Folge das Land

tung unerfüllt lassen,

570 zu alle deni Elende führen würde, welches jeßt die Mchrheit unse- rer Kontinental - Nachbarn heimsucht. Fc gebe zu, daß in meinem Alter cine Schwachheit des Geistes sich zeigen könne; aber so lange ih noch im Stande bin, mir nach reiflicher Ueberlegung ein Urtheil zu bilden, muß ih es aussprechen. Was die Burg- flecken betrifi, so hdrt man jeßt oft die Meinung aus- sprechen, daß das Wahlrecht derselben nur anvertrautes Gut, aber fein Eigenthum sey; meiner Meinung nah is es bel- des. Wenn man fie zum Nachtheil des Volkes mißbraucht, so muß man sie abschaffen; aber nicht ohne ihnen zuvor Gelegenheit gege- ben zu haben, sih an der Barre Ewr. Herrlichkeiten zu verthcivt- gen, und nicht ohne dieselben einem richterlichen und geschmäßigen Verfahren unterworfen zu haben. Jn Bezug auf die geschlossenen Corporationen frage ich, ob dieselben nicht so gut ihre Rechte durch Urkunden unterm großen Siegel besißen, als die edlen Lords die th- rigen? Es ift ein Gerücht im Umlauf, dem ih indeß unmöglich Glauben schenken kann, daß nämlich die Meinung dieses Hauses früher oder später durch eine neue Pairs - Eruennung überwältigt werden soll. Fh habe ein #0 pflichtschuldiges Gefühl der Ver- ehrung gegen das Haus Hannover, daß ih mich niemals verleiten lassen kann, anzunehmen, daß dasselbe einen Schritt anempfehlen werde, der so schädlich für die Junteressen der Unterthanen, #9 verderblich für die Rechte dieses Hauscs und ih füge hinzu sicherlich so zersiörend für die Monarchie seyn würde. Jch kann nicht glauben, daß ein Minister, der irgend einen Werth auf seinen jeßigen oder künftigen Ruf legt, jemals zu einer Maaßregel rathen werde, die auf nichts mehr und nichts weniger, als auf die gänzliche Vernichtung des Oberhauses, hinausläufr. Am vergangenen Abend is hier gesagt worden, daß alle edle Lords, welche sich der Bill widerseßen, mit Ausnahme zweier, sich für eine gemäßigte Reform C A A hâtten; was aber unter einer gemäßigten Reform zu verstehen sey, hat noch Niemand auseinandergeseßt. Fch have während eines Zeitraumes von beinahe 50 Fahren in beiden Häusern des Parla- mentes gesessen, aber ich kann behaupten, daß ich niemals eine Maaßregel genehmigt oder verworfen habe, ohne dieselbe reiflich und xuhig überlegt zu haben. Anders handelnd, würde ich glauben meine Pflicht zu verlegen. Eine Maaßregel bewilligen, bloß weil man gegen dieselbe oder gegen die Person, welche sie einbringt, nichts einzuwenden hat, würde nicht sirenge Pflichterfüllung Sei- tens Ewr. Herrlichkeiten heißen können. Fch habe vor langer Zeit unter den Fahnen des Herrn Fox gefochten, der es bei einex Gele-

‘genheit für unrecht hielt, einem Burgflecken das Wahlrecht bloß

deshalb zu entziehen, weil die Mehrheit des Hauses es wünschte. (Hôrt!) Das Haus fann unmöglich, wenn es wünscht, seinen rich- terlichen und geseßgebvenden Charakter zu behaupten, der Lisie A seine Zustimmung geben, weil ste auf jeden erdenklichen gefährlichen Grundsaß begründet is. (Beifall von der Opposition.) Die Bill stürzt, meiner Ansicht nach, die festbegründetsten Geseße des Eigen- thumes um, und ich bitte Ew. Herrlichkeiten, mir eine einzige Klau- sel anzuführen, in welcher nicht das Wahlrecht ohne irgend einen Grund entzogen und ertheilt wird.“

Die Stimme des Redners ward hier so \{chwach, daß der Schluß seiner Rede fast ganz verloren ging; nur die leßten (be- reits gestern angeführten) Worte sprach Lord Eidou no mit er- hobeuer und vernehmlicher Stimme, worauf er sich unter dem Beifalle der Opposition niederließ. Mehrere Lords erhoben slch jeut mit dem Lord-Kanzler zugleih, Voi beiden Sriten des Hauses rief man nah der Lebteren, uad Lord Wroughan1 ging unn zu seinem Vorträge über (der ia der Times nicht we- niger als 105 ihrer engbedruckien langen Kolumnen einnimmt), von der Nachstehendes der wesentliche Fuhalt ift:

„Mylords! Fch habe mich gewissermaßen zu entschuldigen , daß ih einigen anderen edeln Lords, die eben reden wollten, in den Weg etreten bin; nach reiflicher Ueberlegung mit mehreren meiner cdelu

reunde erscheint es mir jedoch aus vielen Gründen wüttschens- werth, daß wir heute Nacht zum Beschlusse diesex Debatte kommen, daher ih cs für das Beste halte, schon jeßt mit meiner Rede auf- zutreten. Der Gegenstand, über ‘welchen ih zu reden have, flöft mir jedoch ein so ängstliches Gefühl ein, daß ih Jhre besondere Nachsicht in Anspruch nehmen muß; meine Aengsilichkeit i| um o rôßer, als mir bereits so viele Talente in der Diskussion über die- en Gegenstand ‘vorangegangen sind und mir, so oft ih auch be- reits dffentliche Versammlungen angeredet have, doch niemals eine so {were Verantwortlichkeit als bei dieser Gelegenheit oblag. Hätte ih in der fcühesten Zeit meines Lebens auh nur ahnen können, daß ich mich je in der Lage befinden würde, Ew. Herrlichkeiten bei einem der wichtigen Schritte, den jemals eine menschliche Ver- sammlung in dieser Welt gethan hat, als Leiter zu dienen, so würde ih jedes Fahr und jede Stunde dieses Lebens darauf verwandt haben, mich für die Aufgabe, der ich jeßt fast unterliege, vorzuberei- ten. Schüchtern nähere ih mich daher meiner Lösung derselben,

“aber andererseits auch gestärkt durch die innerste Ueberzeugung, daß

ih keinem persönlichen Fnteresse zu dienen, keinen bösen Zwecken zu widerstehen habe, daß nichts auch nur den leisesten Vorwurf auf eine mehr noch juridische als legislative Pflicht werfen kann, die ich jeßt gegen Ew. Herrlichkeiten zu erfüllen habe. Fch habe der fünftägi- gen Debatte über den uns vorliegenden Gegensiand aufmerksam zugehört und kann nicht sagen, - daß ich etwas vernommen habe, was mich in den Ansichten Über das Prinzip der Bill auch nur im mindesten erschüttern könnte. Mehrere meiner Vorgänger haben mich durch ihre gründlichen Widerlegungen der Mühe Üverhoben, einzelne Einwendungen gegen dic Bill nvchmals zu berühren, und ih will mich daher zunächst bemühen, cinem edlen Lord (Dudley) zu antworten, der die Bill von einer entlegenen Hdhe aus, nicht abex ganz in der Nähe betrachtet und ste zwar rekognoscirt hat, niemals aber ihr nahe genug kam, um auch nur thre Außen- werke gehdrig zu würdigen; der bei dieser Gelegenheit seiner guteit Laune und seinem Wiße freien Laaf ließ, dem Niemand mehr, als ih, in Privat - Zirkeln mit Vergnügen zubdrt; hier aber veranlaß- ten sie thn zu einer Rede, die in der That eigentlich gar ketite Rede war, sondern nur ein Exercitium über irgend cin Thema, das jedoch nichts mit der vorliegenden Bill gemein hatte. Mein edler Freund is bei Erdrterung der Bill von einem ganz falschen Gesichtspunkt ausgegangen; er hat angenommen, daß dieselbe Ver- änderung und Revolution zu bewirken beabsichtige, und darauf hat er fich Über Veränderung und Revolution ausführlich ausge- lassen. Wenn die Bill nur wirklich diese Dinge in sich begriffe, #0 wäre den Folgerungen meines edlen Freundes nichts entgegenzu= seßen. Aber eben in diesem Punkt weichen wir von einander ah. Fch läugne, daß die Bill eine Veränderung in dem schlechten Sinn des Wortes hewirkt, und daß sie mit der Revolution in einer ande- den Berührung steht, als daß se thr vorbeugen will. Alsdann hat mein edler Freund, von einem Gegensiand zum anderen Übersprin- end, unter Anderem guch die Frage aufgestellt: wer denn die Leute Baer, die das jeßige Kabinet bildeten? Auf eine solche Frage ziemt mir die Antwort nicht, und ih kann es meinem edlen Freund nicht verdenken, daß er bei einer Maaßregel fragt, wer die Urheber seyen, besonders wenn dieselbe unter der Ge- stalt eines großen Hülfsmittels und einer großen Veränderung auftritt. Derselbe edle Lord hat die Geschichte des politischen Le- bens meines edlen Freundes an der Spihe der Regierung hererzählt und machte eine Anspielung auf dessen Mangel an Geist und Be- redsamkeit, die allen denen unverständlich gewesen seyn wird, welche die glänzende Eröffnungsrede meines edlen Freundes mit angehört haben. Wenn es aber eine weise Regel is, zu fragen , durch wen eine Maaßregel vorgeschlagen wird, so darf es auf der anderen Seite auch erlaubt seyn, zu fragen, wer und was diejenigen sind, welche sie verwerfen? Eben so kann ih mit einem edlen Freund (Lord Eee nicht übereinstimmen, der uns gestern Abend mit einer höchst ergöhlichen Allegorie beschenkt hat. Jch möchte wohl wissen,

wie mein edler e seine Allegorie, auf unser Ersuchen, uns ci- e

nen anderen Reformplan vorzulegen, wenn dex unsrige keinen Bei-

fall finde, durhführen will, indem er den Lord, der seiten Freun ein Mahl vorgeseßt hatte, dem sie keinen Geschmack abgetoiny fountèn, zu ihnen sagen läßt: ,/ „Meine Herren, Sie find sehr chy

zu befriedigen; ih habe Jhnen eine Anzahl von Gerichten vorges

die Sie nicht essen können; nun lassen Sie mich doch gefällig| % Mittagsmahl sehen ?//// und diese ihm darauf antworten läßt : 4 Sie sollen bald ein Diner haben, was wie essen können , wenn uns nur Fhre Küche einräumen und uns erlauben wollen , da unsere eigencn Spieße und Bratpfannen mitbringen können. ser ganze Fall betrifft niht Personen, die zusammengekommen sj um ein Mahl zu verzehren , sondern er spielt lediglich auf neidii Köche an, die gern in unsere Küche möchten. (Schallendes Gel ter.) Wir sind hier, Mylords, nicht bloß Köche, soudern, um, Þye, Fohnfon zu reden, eine Synode von Köchen. (Gelächter) gy sind, von beiden Seiten der Tafel rivalisirende Köche; aber « unser beiderseitiges leidiges Schicksal, daß wir nichts von h zu essen bekommen, was wir jet auftischen. Das Unt, haus mag das kosten, was wir zu kochen verpflichtet sj aber wir, Mylords, haben kein Recht dazu, und wir wir unsere Pflicht Überschreiten und die Gesche des Landes verlehy wenn wir uns anmaaßten, einen Theil der Gerichte zu berühr welche wir für das Volk zubereiten. (Großer Beifall ) F h vielleicht Ew. Herrlichkeiten für diese Abschweifung um Verzeihy zu bitten; aber ih habe aus dem Beifall, welchen meines ed Freundes Allegorîie erregte, abgenominen, daß dieselve einen Eindy auf Euve Herrlichkeiten hervorgebracht hat, welchen ich durch Di legung ihres völligen Ungrundes zu verwischen sireben mußte. fomme auf die Frage zurück: wer und was diejenigen sind, wels sich der Maaßregel widerseßen? Sind sle im Stande, ÿ Uebel zu heilen und den Mängeln abzuhelfen, deren sienz in unserem gegenwärtigen System sie selbst zugety Sind ihre Beweggründe der Art, daß sie das Zutrauen u fangener und ruhig úberlegender Leute gewinnen können? edler Lord, (Winchelsea) auf dessen Urtheil und Rechtlichreit einen so großen Werth gelegt habe und siets legen werde , hat f mit großem Unwillen gegen die Maaßregel ausgesprochen und ny dadurch Gelegenheit gegeben, die Gründlichkeit seines Urtheils ih diesen Gegenstand in Zweifel zu ziehen; indem er vor ungefäh oder 6 Monaten sih mit den Grundlagen einverstanden erfli und sein unbegränztes Vertrauen gegen dice Regierung , welche Bill vorschlug, ausdrückte. Sollen wie uns nun nicht besinna ehe wir unser Gewissen in scine Hände legen che wir unser lh theil seiner Unbesonnenheit aufopfern ehe wir scinem Ges Glauben s{henken, daß die Bill Nevolution und Vernichtung des | nigreichs in sich faßt, wenn wir denselben Mann jeßt Meinungen ay sprechen hören, die denen, welche er vor 2 Monaten äußerte, gerady entgegenlaufen ? Der Graf Grey verbindet mit seinen ausgezeichnet Talenten cine politische Rechtlichkeit, roelche von Niemand übertroj wird und diejenigen in einer unermeßlichen Entfernung hinter

läßt, die ihre Grundsäße aufgegeben und ihre Freunde getäuss

haben.// Der Redner- verlas hierauf mehrere Stellen aus ei Rede, welche der Graf von Winchelsea im März d. F. in der Gti schaft Kent gehalten, und worin sich derselbe für das Minister und zu Gunsten der Reform-Bill ausgesprochen hatte. „Alles d ses,// fuhr der Redner fort, „führe ih nur deshalb an, um zu gen, daß, wenn diejenigen, welche sich der Bill widersetzen, uns 9 gen: ///,,-Wer seyd Jhr, die ste vorscilagen?// und auf unser frühe Betragen die Verwerfung begründen, wic das Recht haben, Fh mit der Frage zu antworten: „Wer seyd JFhr, die Jhr Euch de seïbden widerseßt, und was waren Eure früheren Ansichten in Bey auf dieselbe?//‘/

Die Rede des Lo d Brougham, die von unermeßiihy Beifalle begleitet war (und von der wir fernere Auszüge mi theilen werden) hatte mehrere, die Persönlichkeit einiger Lo! betreffende, Erklärungen zur Folge. : nächst mit seiner Rede auftrat, Borgängers, von der er sagte, gen übertroffen habe, doch alledem fein einziges Wort, wodurch die Reform in ein solchen Ausdehnung, wie sle die Bill darbiete, gere! fertigt werde. Derselben Meinung waren auch noch «1 dere Gegner der Bill, welche sich später vernehmen ließ! Graf Grey, der nun die Debatte {loß und resumirte, äuß sich im Wesentlichen folgendermaßen :

Jch fühle mich durch eine nun bereits fünf Nächte dauern Debatte sehr erschöpft und werde daher Euren Herrlichkeiten nit lange beschwerlich fallen. Fch muß aber diese Schwäche um | mehr bedauern, als mir gerade jeßt eine ungewöhnlich große Kri nôthig wäre, um dem edlen und gelehrten Lord (Lyndhorst) geg Über auf seinen Vortrag zu antworten. Fch war darauf vorbereit daß der edle Lord in Bezug auf dîe Maaßregel abweichender Mi nung seyn würde; ich fürchtete seine Autorität und glaubte, ( würde sich derselben zur Bekämpfung der Bill bedienen; aber (1 die vernommene Rede war ich nicht vorbereitet, sie ist nichts d ein bitterer und heftiger Angrif gegen die jeßige Verwaltung. A die Geundsäße der Bill hat sich der edle Lord wenig eingelass sondern er hat die ‘ganze äußere und innere Politif der M nister angegriffen und daraus zu erweisen gesucht, daß ü Verwaltung nicht für das Land tauge und leicht du andere Minister zu erseßen scyn wöärde. Zu gleicher Zeit hat abl der edle und gelehrte Lord den Wunsch ausgedrückt, daß die Mit ster, wenn sie in Bezug auf die Bill eine Niederlage erleiden sl ten, nicht abtreten môchten.// Graf Grey suchte nun den ib! von vielen Seiten gemachten Vorwurf, daß er in Bezug auf Refot scinen früheren gemäßigteren Ansichten nicht treu geblieben sey, t zulehnen, und fragte, ob es denn durchaus cine Fnkonsequenz s müsse, wenn er im Jahre 1810 eine geringere Reform fúr rathsi gehalten, als im Jahre 1831. Niemand aber habe weniger Ne ihm cine Fnkonsequenz vorzuwerfen, als der edle und gelehrte Lol (Lyndhurst); dem Hause werde das Betragen desselven bei der l tholischen Frage erinnerlih seyn. Fhre Herrlichkeiten önnten d nicht vergessen haben, wie der edle und gelehrte Lord kurz vorht ehe er cin so heftiger Vertheidiger jener Maaßregel geworden - di selbe im Unterhause als verderblich für die Constitution und zer rend für die Kirche in Frland geschildert habe. Wenn daher i edle Lord ihn der Fnfkonsequenz anklage, so müsse er ihm empfehl an seine eigene Rede bet jener Gelegenheit zu denken. Der cl Herzog (von Wellington) habe gesagt, daß er (Graf Grey) als kläger der vorigen Verwaltung aufgetreten sey. Dies läugne l aber: er habe dieselbe niht angeklagt, sondern bloß den Zusa der Dinge zu der Zeit geschildert, wo er ins Amt getreten sey. D! edle Herzog habe zugegeben, daß er in Folge der Reform-Frage getreten sey. Hier unterbrach der Herzog von Wellington d Redner, 1m diese Behauptung neuerdings zu bestreiten. Ohne fi indessen Über diesen Punft auf eine Kontroverse einzulassen, fu Graf Grey fort: „Man hat die jehige Verwaltung beschuldig! daß sie die Gemüther aufgeregt habe; diese Aufregung aber herrs! che wir ins Amt kamen, und was für einen Grund könnten w! wohl dazu gehabt haben, dieselbe zu veranlassen? Der Hauptzweck l u jeden Regierung is immer, Friede und Ruhe aufrecht zu erh en. die Constitution des Landes und verderblich für die Aristokratie würde. Jch hoffe indes, daß die Bill sih nicht von dieser Besch! fenheit zeigen wird. Man hat mir vorgeworfen, daß ich keine hi längliche Gründe für die Maaßregel beigebracht hâtte. Fch bin mir z meiner eigenen Schwäche sehr wohl bewußt, aber ich habe mich sicherll bemüht, in meiner Eröffnungsredezu zeigen, daß die Bill in Folge desab gemeinen Mißvergnügens und der allgemeinen Aufmerksamkeit auf grofien Mißbräuche in unserer Verfassung eingeführt wörden ist. viel in Bezug auf die Bill. Aber if sie au darauf berechnet, d Volk zufrieden zu stellen? Fch denke, die Antwort darauf wird der fast allgemeinen Stimme des Volkes gefunden, die sich in d zahlreichen Bittschriften ausspricht , und in dexr Acngfstlichkeit ,

rühmte die Beredsamkeit \cinß

enthalte die ganze Rede

\rohung gegen dieses Haus betrachtet werden würde.

Lord Lhndburfst, der du

daß sle alle frühere Leistui

Eben #o hat man gesagt, daß diese Maaßregel N F

lcher es dem Ausgange dieser Debatte entgegensteht, und mit der e die Annahme der Bill, als auf eine Sicherheit für das Land, d auf die Verwerfung derselben als auf eine Sache blickt, die mstände erzeugen kann, deren wekltere Auseinanderseßung als eine (Lauter Bei-

Man hat geäußert, daß die gegenwärtige Aufregung im

inde eine Folge der Bill sey, und dabei behauptet, daß dem Volke

in Urtheil in dieser Sache zustehe. Wie! kein Urtheil über eine age, die dasselbe so nahe angeht ? Dies aufzustellen, ist eine Beleidigung gen das Englische Volk. Es verseht sich vielleicht nicht auf Paradoxen, begreift vielleicht nicht die neue und seltsame Moral, welche den Kauf d Verkauf der Ernennungs - Burgflecken rechtfertigt; aber seine 1fähigfeity dergleichen Dinge zu verstehen, theilt es mit Pitt und f, mit Locke, Seville und Blacfstone. Jch fordere die sehr ehr- rdige Bank (der Bischdfe) zu meiner Linken-auf, dieses unmora- che System zu verläugnen und zu verwerfen. Jch frage ste, ob ich dazu verstehen kaun, das Bôse zu thun, damit Gutes daraus tsichen mdge (Lauter und lange anhaltender Beifall.) Wollen je Heuchelei, Falschheit und Betrug billigen? Wollen Sie die dechsler im Tempel dulden und sich jeder Maaßregel zur Vertrei- 1g derselben widerseßen? Nachdem der Redner nuch versucht tte, die Argumente dek Opposition als mit einander im Wider- uch stehend darzustellen, {loß er mit folgenden Worten: „Fch mme dem edlen Lord gegenüber bei, daß jede Verabredung irgend es Theils des Volkes, die Zahlung der Abgaben zu verweigern, igeselich seyn würde; aber das Volk hat cine große Geduld bei en Schwierigkeiten gezeigt, mit denen es zu kämpfen gehabt hat, des würde ctnen gerechtet Grund zur Klage haben, wenn die gegen- Frtige Maaßregel rücksichtslos verworfen würde. Fch bin der Metzaung, sich, sowohl in diesem Hause, als anderwärts, viel Parteigeist in : Opposition gegen die Bill mischt, und daß man hauptsächlich die sicht hat,-die gegenwärtige Verwaltung aus dem Amte zu treiben. o weit die Reformfrage damit etwas zu thun hat, so muß ich er- ren, daß ich mich zu der vorliegenden Maaßregel oder zu einer dere von gleicher Ausdehnung verpflichtet habe. Wenn eine ge- ifigtere das Volk zufrieden stellen kann, so würde sich darüber jemand mehr freuen, als ich; aber ih werde nicht der Mann seyn, cine solche einbringt. (Hôrt, hört!) Was für einen Weg ich ter solchen Umständen einzuschlagen haben würde , darüber steht x allein ein Urtheil zu. So viel aber muß ih noch sagen, daß mich für strafbar halten würde, wenn ih mein Amt aufgäbe d den König verließe, so lange ih ihm noch von Nußen seyn n; denn ich bin ihm größere Dankbarkeit \{huldig, als irgend je- ¡ls ein Unterthan seinem Monarchen. Enktziehen mir aber König d Parlament ihr Vertrauen, so bin ich schr bereit, mich in meine ckliche Einsamkeit zurückzuziehen, mit der Ueberzeugung, daf ich E des Landes und im Dienste des Königs meine Pflicht han habe.‘ : Anhzaltender und wiederholter Beifall folgte dieser Rede, ch weicher der Herzog von Wellington die Eiklärung hinzustigte,

er niemals von persönlicher Feindschaft gegen deu edlen Gra-

beseelt und zu seiner Opposition bewogen worden sey, .Die stimmung, die darauf erfolgte (und die das gestern angezeigte ‘sultat sür die Bill hatte), bezog sich direkt auf das Amende- nt des Lord Wharnclifse, daß die zweite Lesung der Bill auf

hs Monate verschoben werde, welches Amendement demnach

ehmigt wurde.

London, 9. Oft, Die der Reform-Maaßregel befreundeten itglieder des Unterhauses haben gestern Nachmittags eine Zu- imenfunft gehalten, bei der fie, dem Vernehmen nach, beschlos:

haben, die Regierung auf das nachdrücklihste zu ersuchen, 1 vom Oberhause verworfenen Reform- Plan mit Hülfe aller ittel, welche die Verfassung dem Könige an die Hand giebt, rcchiuse{en.

Ueber die Verwerfung der Reform-Bill äußert sich die mes folgendermaßen: „Die Debatte ist vorüber die Ent- eidung ist erfolgt; möge es nicht der Aufang des Ende n! Giebt es denn irgend einen Mann auf Erden, der voraus- en funn; was sih in England binnen 8 Tagen zutragen wird?

ist jest 65 Uher Morgeus, wo wir, die Mehrheit von 41 immen gegen die Bill anzeigend, diese Bemerkungen über das, s wir noch nicht den unseligen Ausgang dieser Maaßregel nen mögen, anstellen. Der Constitution des Landes, den chten des Volkes und der freieu Repräsentation im Unterhaitse eine tödtlihe Wunde verseßt worden; gder wir hoffen noch mer mit Zuversicht, daß sih die National-Freiheit uicht an ser Wunde verbluten werde; wir rechnen noch immer darauf, ß in den Herzen der Engländer eine Stärke und Entschlos}sen- t herrscht, die sie in den Stand seßen werden, diesen hlag zu fiberlceben. So weit unsere Beobachtungen sich bis jest er- den fonnten, haben wir keine Schwäche und Unentschlossen- t, sondern im Gegentheil den unveränderten Entschluß wahr- ommen, alle Bemühungen mit verdoppelter Energie zu er- ern, Wir wenden uns von dem traurigen Anblick einer ver- ten Nation zu den Mitteln, welche bereits in Thätigkeit ge- t werden, um das Verlorene wieder zu gewinnen, Schon te, an demselben Tage, an welchem die unglückliche Absiim- ng stattgefunden hat, werden sich alle Mitglieder, die im Un- ause für die Volks:Vill gestimmt hatten, in der Thatch - Ta- ne versammeln. Ader vom Vo!ke müssen wir eben so gut, von seinen Repräsentanten, erivarten, daß es alle Ansirengun-

machen wird, die vom Gese und der Constitution erlaubt den, um seine gekränkten Rechte aufrecht zu erhalten. Der meinde:Rath der Stadt London wird sih ebenfalls heute, und

Kaufleute und Banquiers werden sich am Moutag versam- n, Unterstüßt von dec ganzen Nation, dürfen sich der Kö- und dié Minister nicht fürchteu, ihre Schuidigkeit zu thun. größer die Majorität gegen die Bill gewesen ist, umso größer ist die ihwendigkeit, dem Oberhause neue Mitglieder zu geben, wel- mehr mit dem Geist der Zeit und mit den GVesinumgen des lfes im vereinigten Königreich vertraut sind. ““

Die Morning-Chronicle sagt in Bezug auf denselben enstand unter Anderem : „Am Montag wird Lord Edrington Unterhause einen Antrag Über den -Zustand der öffentlichen gelegenheiten machen; ein Urtheil daruber wtirde also zu vor- g sehn, Die beiden Häuser werden sich in Zwiespalt befin- , Und die Minister müssen entweder abireten, oder nene Pairs nen, um über diese Schwierigkeit hinweg zu fommen. d Grey hat erflärt, daß er mit der Vill stehen oder fallen d feine weniger wirksame unterstüßen wolie. Landsleute! laßt

beharrlich, laßt uns vorsichtig seyn, damit uns der Sieg jt entgehen fann, der unser sehr muß, wenn wir mit Klug-

zu Werke gehen. Die Gegner der Bill spielen ein verzwei- es Spiel; wenn wir aber fest und entschlossen sind, so missen besiegt werden, Alle Freunde des Friedens und der Ord-

9, alle diejenigen, welche nicht wünschen, eine Beute der Anar-

und Umwälzung zu werden, mssen sich um das Ministe:

vereinigen, So lange dieses der großen Sache getreu bleibt, wol:

wir ihm treu bleiben. Wir, die Nation, dürfen uns nicht von 199 irs einschüchtern lassen, wenn sl{ch" auch in dieser Zahl beinahe

ganze Bank der Bischöfe befindet. Sie sollen uns die se- svolle Maaßregel nicht entreißen, in deren Besiß wir uns

ahe {on befanden. Wir hoffen, daß das Minifterium das lf unter den gegenwärtigen Umständen nicht verlassen, daß es

S tus! L571

nit abtreten und keinen Augenblick Anstand nehmen tvird, die zum Erfolge der Bill nöthige Anzahl von Pairs zu ernennen. Der König wird dem Grafen Greh sein Vertrauen nicht entzie- hen, obglei dies einer der Hauptgedanken der Anti-Reformisten ist, Das Volk dieses Landes möge jeßt zeigen, von welchem Schrot und Korn es ist, Der Kampf, in welchen wir uns ein- lassen, ist nicht ganz leiht. Die Bestehung hat Zeit, tiefe Wurzeln zu fassen. Wir müssen uns auf einen verzweifelten Kampf gefaßt machen, welcher aber zu unserem Vortheil enden muß, wenn wir uns selbst nur treu bleiben. Dem Bestochenen, welcher zuerst, zu einem eigennüßigen Zweck, das Blut eines Bürgers vergießt, kann uie verziehen werden. Wir warnen die Burzfleckenhändler; wenn sle glauben könnten, daß sie ihren Zroeck durch brutale Gewalt erreichen werden, so dürften sle es bitter zu bercuen haben. Noch einmal, Landsleute, zeigt Euch als Männer, So lange wir noch Hoffnung haben, die Minister am Ruder erhalten zu sehen, dürfen wir sie uiht in Verlegen- heit seben.“ °

In der heutigen Suadayh-Times liest man: „Alle mög- liche Gerüchte sind im Umlauf. Wird der König oder wird er nicht diejenige Anzahl von Pairs creiren, welche nothwendig ist, um die Sill durchzuseben? Um diese Frage dreht sich jept Alles. Im West-Ende der Stadt trägt man sich mit dem Geschichtchen, daß Graf Grey und Lord Althorp, die sich für die Bill mehr als ihre Kollegen verbürgt habeu, resigniren und den Herzog v. Wellington nebst Sir Rob. Peel mit einem gemäßigten Reform- plane zu Nachfolgern erhalten werden. Dies slnd indessen lauter Vermuthungen, die nit einmal sonderlich glaubhaft erscheinen. ““

Jaft in allen Straßen der Stadt waren gestern Anschlagzet- tel befestigt, in denen die Einwohner aufgefordert wurden, am bevorstehenden Montage, als Zeichen der Trauer über die Re- formoill, ihre nach der Straße gehenden Fenster zu verschließen und zu verdecken.

An der gestrigen Börse wollte man wissen, daß der Herzog von Richmond an die Spiße des Ministeriums treten werde, und daß außer den Lords Grey und Ulthorp auch der Lord Palmer- fion abtreten würde. Andererseits versicherte man, daß im Ka- binets-Nathe beschlossen worden seh, das Parlament noch im Laufe dieser Woche zu prorogiren und demnächst 60 neue Pairs zu ernennen. :

Niederlande.

Aus dem Haag, 11. Oft. Die neue Session der zwei- ten Kammer der Generalstaaten wird am Montag den 17ten d. M. durch Herrn Corver Hooft, vorleßten Präsidenten dieser Kam- mer, eröffuet werden, weil Herr van Toulon, der zum Gouver- neur der Provinz Utrecht ernannt worden, mit dem am 15ten d. eintretenden Schinsse der gegenwärtigen Session aufhört, ein Mitglied der zweiten Kammer zu seyn. Dem Vecnehmen nach, wollen \sich die meisten Mitglieder vereinigen, um Sr. Majestät dem Könige den Herrn Donker Curtius als Prásidenten für die nächste Session vorzuschlagen. Jun Gröningen ist Herr Yan Quin- tus an die Stelle des verstorbenen Herrn van Alberda van Blö- mersma zum Mitgliede der zweiten Kammer erwählt worden. Im Ganzen werden sieben neue Mitglieder in die Kammer ein- treten.

Brüssel, 10. Oft. Der General Welliard ist gestern früh um 4 Uhr in Begleitung seines Secretairs, des Hrn. Sol, nach Antwerpen abgereist,

Der General Chasteler ist von neuem zum Commandeur des

Corps freiwilliger Jäger ernannt worden, welches- bereits feinen

Namen trägt.

Aus Antwerpen meldet man die Ankunft des General Wel: liard und fügt hinzu, daß, nachdem slch derselbe dur den Au- genschein von der Demolirung der Batterieen überzeugt habe, er sogleich wieder nah Brüssel zurückzefehrt seh.

Der Belgische Moniteur findet sich zur Widerlegung der in der Times enthaltenen Notiz veraulaßt , daß der General Belliard und General Grundlec im Lager bei Diest Adjutanten: Dienste beim König Leopold verrichtet hätten.

Gestern sind 19 Französische Offiziere, sämmtlich Lieutenants, hier angefommen.

Lüttich, 11. Oft, Der König ist gestern Abend um 11 Uhr von Verviers zurückgekehrt und hatte heute. Morgen um 8 Uhr seine Reise uach Namur fortgeseßt. Herr Jamme, Vürger- meister von Lüttich, befindet sh im Gefolge des Königs.

Die Herzoge von Orleans und Nemours haben am 8ten d, in Maubeuge einen großen Ball gegeben.

Y olen.

Warschau, 12, Oft. Als der Kommandant von Modlin erfuhr, daß der Großfürst Michael in wenigen Tagen in der Nähe dieser Festung eintreffen werde, gab er den Entschluß zu erkennen, seine Unterwerfungs - Acte in die Hände Sr. Kai- serl. Hoheit niederzulegen. Der mit der Blofade beauftragte General Golowin sehte hiervon sofort den Großfürsten in Kenntniß, der gleich nach seiner Ankunft den Grafen Lodo- chowsfi empfing und ihn aufforderte, die in der Festung befindlihen Truppen die Waffen fstrecken zu lassen, den Plas selbst zu räumen und ihn den Kaiserl. Truppen zu überge- ben. Dieser Befehl wurde vollzogen und am 27. Sept. (9. Oct.) räumte die Polnische Besaßung, 6200 Maun ftark, Mod- lin. Man fand darin 82 Kanonen und 7 Mörser. Der Krieg darf jet als beendigt betrachtet werden. Zamosc allein hält

ch noch, aber dieser am äußerslen Ende des Königreichs belege-

ne Plat is durchaus von feinem Einfluß für das übrige Land und inx Uebrigen eng blokict, so daß man seiner bevorstehenden Uebergabe entgegensehen darf.

Warschau, 12. Oft. Die hiesigen Zeitungen enthal- ten jekt unter amtlicher Rudrik den Bericht über die Verdráän- gung der Polnischen Armce von ihrem vateriändischen Boden. (Dieser Bericht stimmt wörtlich mit den in Nr. 283, der Staats-Zeitung mitgetheilten Nachrichten aus dem Nusslschen Hauptquartier liberein,) i t

Gestern hatten die Beamten der Wojewodschafts-Konmmission von Masovien und der Municipalität der Hauptstadt Warschau die Ehre, Sr. Durchlaucht dem Feldmarschall Fürsten Pasfe- witsch von Warschau vorgestellt zu werden.

Fn den nächsten Tagen sollen die Beamten der Laudesbe- hörden den Eid der Treue gegen Se. Majestät den Kaiser und König erneuern. e i ,

Man behauptet, daß die provisorische Regierunng des Kö- nigreihs Polen in nachstehender Weise zusammengestellt werden wird: für die Abtheilung der Kulte und des Untercichts der Di- visions - General Rautenstrauch, sür die Justiz der General Kos- sezki, für die inneren Angelegenheiten der Adjutant Sr. Maje- stät, Oberst Stroganoff, für die d rath Fuhrmann. Graf Skarbek, welcher früher ebenfalls an der Regierung Theil nehmen sollte, hat eine andere Bestimmung er-

halten.

Finanzen der wirkliche Stäats- -

“Heute wurde zum erstenmale nah dem Einrücken der Kais serlih Russischen Truppen in hiesige Hauptstadt eine große Mu- Ps über dieselben auf dem Sächsishen Schloßplayp abge-

alten. Nach Einnahme der Festung Modlin durch die Kaiserl. Rus- sischen Truppen sind sehr viele Polnische Militairs, welche die Besaßung dieser Festung bildeten, in Warschau angekommen.

Der ehemalige General - Quartiermeister der Polnischen ‘Ar- mee, J. Prondzynsfki, hat folgenden Artikel in die hiesige All- gemeine Zeitung einrücken lassen :

¡„Rachdem die Polnische Armee Warschau verlassen hatte, be=- gann in Zakroczym ein periodisches Blatt unter dem Titel: „Na- tional - Zeitung// zu erscheinen, wovon zufällig einige Nummern in meine Hände gekommen sind. Jch fand darin gänzlich falsche An- gaben Über die Ereignisse, welche am Anfang des Monats Septem=- ber in Warschau vorficlen, und über meine Person. Gern würde ich dies mit gleichgültigem Schweigen übergangen haben, wenn es einem bloßen Zeitungsschreiber gefallen hätte, verkehrte Artjkel hin- sichtlich meiner, sey es nun lobend, oder tadelnd, zu verfertigen. - Aber da ich in der Zakroczymer Zeitung einen Bericht vom Minister - des Fnnern (der revolutionnairen Regierung) finde, der in der Siz- zung der vercinigten Kammern am 11. September vorgelesen wurde, jo fühle ih mich verpflihtet, gegen ein Dokument zu protestiren, dem man den Stempel der Amtlichkcit aufdrückt, und das man für ein historisches Aktenstück ausgiebt, indem es, von Verfälschungen stroßend , die Wahrheit der Geschichte verunstaltet und meine Ehre verleßt. . Jch bin es der Geschichte und mir selbst schuldig, laut und feierlich zu erklären, daß der erwähnte Bericht verleumderisch, boshaft und voller Lügen is, was ich zu seiner Zeit leicht werde be- weisen können. Eben so protestire ih auch gegen andere von mir sprechende Dokumente, welche eben so wenig Glauben verdienen.“/

Der Präsident der Wojewodschafts- Kommission von Augu- stowo, Herr Mostowsfki, ist gestern hier angekommen,

Es heißt, daß der in Warschau wohlbekannte Landbote Graf Johann edochowsfi verhaftct wurde, als er eben im Begriff war, sich über die Desterreichishe Gränze zu begeben.

Das Wasser der Weichsel ist sehr gefallen und das zu Floß erwartete Holz in. Folge dessen ausgeblieben.

Die Pfandbriefe werden an hiesiger Börse jeßt mit 82 Fl. die Partial-Obligationen mit 330 Fl. bezahlt.

Deutschland,

Múnchen, 10. Oft. (Nürnberger Korrespondent.) So eben erfährt man, daß die Dauer der Stände-Versammlung vou neuem bis zum 15. Nov. verlängert worden ift.

Braunschweig, 11. Oft. Auf den Antrag der Land- haft haben Se. Herzogl. Durchlaucht diese bis dahin - vertagt, daß die zur Prüfung der landesherrlihen Proposition, die revi: dicte Landschafts-Ordnung betreffend, niedergeseßte Kommission ihre Arbeiten beendet haben wird.

Aita.l: iei

Bologna, 1. Oft. Der hiesige Prolegat, Graf v. Grafsi, theilt den Einwohnern dieser Stadt und Provinz in einer No- tification die fröhlihe Kunde mit, daß die von Rom zurück- gefehrten Deputirten von Sr. Heiligkeit und. dem Kardinal Staats - Secretair mit väterlichem Wohlwollen aufgenommen worden wären und Gelegenheit gehabt hätten, Beiden die Be- dürfnisse, Wünsche und Hoffnungen der Legationen darzulegen. Der Fürst habe ihren Bitten ein offenes Ohr geliehen, und die von ihm gemachteu Zugeständnisse seyen den Forderungen der Zeit, den wahren Interessen der Provinzen und der Würde des Thrones angemessen. Das Hauptgesuh habe das Nichteinrückea der in der Nähe der Legationen ftehenden Truppen betroffen. Seine Heiligkeit habe auf dasselbe die Verslherung ertheilt, daß dieselben niemals in die Provinzen einrücken sollten, wenn diese durch ihr Verhalten nicht selbst es nöthig machten. Die Bürgergarde werde von dem Landesfürften als sein Werk und als Beschlißerin der Ordnung geliebt. Um die Gesuche der Provinzen auf geseßlichem Wege zu den Füßen des Thrones gez langen zu lassen, sollten Gemeinde- und Provinzial-Conseils aus Männern errichtet werden, die das öffentliche Vertrauen und all: gemeine Achtung besäßen. Diese würden die öffentlichen Gelder verwalten und die ungleih höher stehende Befugniß erhalten, alle Geseße, Civil- und Verwaltungs - Reglements, so wie alle Grundlagen der öffentlichen Wohlfahrt, zu prüfen, sich unter ein- ander zu berathen und ihre Ansichten gegenseitig mitzutheilen, zu diesem Behufe in einer destimmten Stadt zusammenzukommen und aus ihrer Mitte Wortführer nah Rom abzusenden, damit diese bei Sr. Heiligkeit die für die Ruhe und das Glück der Romagná Ao Maaßregeln in Vorschlag bringea und geltend machen önnten.

Ferrara, 1. Oftober, Den von der Päpstlichen Regierung hier eingegangenen Befehlen gemäß, wird zwischen den Legatio= nen und dem Lombardisch - Venetianischen Königreiche ein Saniz táts-Cordon gezogen iverden.

Neapel, 29, September. Die kleinen täglichen Ecuptio- nen des Vesuv dauern noch iminer ‘fort, ohne aber Übrigens un- gewöhnliche Erscheinungen darzubieten.

Spanien.

Madrid, 29, Septbr. Gestern kehrte der Königl. Hof aus: dem Lustshlosse San Jldefonso, wo er den Sonmer zuge- bracht hatte, in die hiesige Nesidenz zurück, Der Kaiserl. Russische Gesandte am hiesigen Hose, Herr v. Oubril, ift vor: gestern von seiner Urlaubsreise hierher zurückgekehrt, nachden er bald nah seinem Eintritt in das Spauische Gebiet von Stra: ßenräubern überfallen und geplündert worden,

Portugal,

Pariser Blätter melden aus Portugal vom 24. Sept. : „Vorgestern früh sind die Englischen Linienschiffe, „der Prinz Regent‘ und die „Asla‘“ unter den Befehlen des Contre-Admiral Parker hier eingelaufen. Gestern ließ der hiesige Englische Kon- sul an der Vörse eine Bekanntmachung anschlagen, worin ‘er seine Landsleute benachrichtigt, daß das im Tajo liegende Eng- lische Geschwader ihre Pecsonen und ihr Eigenthum beschüten werde, daß aber diejeni;en unter ihnen, die si in politischen Meinungskampf\ oder in die Angelegenheiten des Landes mischen würden, ihr Recht auf den Schuß ihrer Regierung verlören. Auch in Porto und andere Portugiesishen Häfen sind Englische Kriegsschiffe eingelaufen, die sämmtlich unter dem Befehle des Con- tre:-Admiral Parker stehen. Heute früh wurden 21 Soldaten von dem hier in Garnison stehenden 2ten Jnfanterie:Regiment, wegen Theilnahme an dem unlángst stattgefundenen Aufstande, erschossen. Auf den Antrag des Französsshen und Englishen Konsulats hat die Regierung in den hiesigen Kaffeehäusern die 26ste Num- mer des vom Pater Macedo redigirten Journals „„Desengano‘/ in Beschlag nehmen lassen, weil darin grobe Schmähungen gez gen die Französische und Englische Regieritng und deren hiesige Konsular-Agenten enthalten waren. Durch eine, an den böffent-

lihen Orten angeshlägene, Verordnung hat die Behörde deu