1831 / 312 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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sle selbst angesteckt, und verbrannten, Auf dem Playe vor dem bischöflihen Palaste und der Hauptkirhe pflanzten die Aufrüh- rer mehrere Kanonen auf und brachen eine Brücke ab, um das Militair an dem Uebergang über den Fluß zu hindern. Alle mögliche Verbrechen wurden begangen, kein Eigenthum war sicher, kein Geschleht {üute vor Excessen. So währte es den ganzen Montag durch. Der Mayor der Stadt legte seine Ge- walt in die Hände des Herzogs von Beaufort nieder, der ein Lanciers-Regiment und zwei Dragoner-Reginenter herbeiorderte. Als die Truppen ankamen, standen mehrere Punkte der Stadt in Flammen. Ueber 80 Menschen sollen getödtet oder verwun- det sehn. Das Militair besegte die große Brücke und begnügte sich anfangs, hier und da durch das Volk zu reiten, um die Massen zut zersprengen. Das 3te Dragoner - Regiment soll mit dem Volke fraternisirt haben, welches ihm darauf Lebensmittel brachte, Da indessen noch immer neue Massen vom Lande her- einstrómten und an eine Herstellung der Ordnung noch nicht zu denfen war, auch sich das Volk an einigen Punkten mit Waffen versehen hatte, sah cin Theil des Militairs -sich abermals genö- thigt, zu feuern und einzuhauen, Dies is im Allgemeinen das, was sich ats den s{wanfkenden und sichtlich in der ersten Bestlirzung geschriebenen Berichten unserer Blätter entnehmen läßt. Die Stadt Bristol scheint indessen noch immer im Vesiß des Pöbels, besonders der Matrosen, gewesen zu schn, die auf dem Kollegien-Plaße eine Art von Batterie aus Schiffs: Kano- neu errichtet hatten und, wenn man ferner Gewalt gegen sle ge- brauchen wollie, die ganze Stadt in Brand zu stecken drohten. Der heutige Courier meldet, die Regierung habe heute be- ruhigendere Nachrichten erhalten.

Dem Globe zufolge, haben bei dem Aufcuhr in Bristol mehrere hundert Menschen zum Theil das Leben verloren, zum Theil {were Verwundungen erhalten; die Zahl derselben ist noch nicht genau ermittelt worden.

Privat-Nachrichten zufolge, die heute Mittag hier eingegan- gen sind, währte der Unfug gestern Mittag in Bristol noch im- mer fort. Vierzehn Dragoner waxen vom Volke erschlagen wor- den. Der Bischof von Bristol hat si hierher geflüchtet. Au- ßer 50 Häusern in Queens-Square, standen auch Kings- Street und Princeß-Street in Flammen. Die Stadt Bristol ist in Kriegsstanè erflärt, und es soll nach Militgir-Geseven verfahren werden, Die Kathedral - Kirche is gereitet, dagegen die Biblio- thek verbrannt, Drei Couriere sind beim Ministerium des Jn- nern angcfomnmen, um mehr Militair zu verlangen. Von Ports- mouth gehen Truppen in Dampfböten ab, j

Auch die Stadt Bath war am Sonntag Abend der Schau- plas bedenfliher Unruhen. Das Volk hatte erfahren, daß die Mitizen der. Stadt und der Umgegend durch Conriere nah Bri- stol beordert waren. Der Pöbel beschloß, sich ihrem Abzuge zu widersezen, Man nahm der Kavallerie die Pferde weg und sperrte sle in die Ställe, und als Capitain Wilkins sich dem Willen des Volkes widerseßte, mußte er sih in ein Wirthshaus fllihten, welches angegriffen und fast demolirt wurde. Es ge- leng dem Volke, den Abmarsh der Yeomanryh zu verhindern ; doch wurde die Ruhe hergestellt. Am folgenden Tage ließen sich mehrere Tausende achtbarer Bürger zu ciner Art von Garde ein: chreiben, Fnzwischen bildeten sih noch immer Volkshaufen, und gegen Abend waren alle Läden geschlossen,

Zu Tiverton in Devonshire wurde eine Faftorei von meh- reren hundert Arbeitern angegrissen und, als der Fnhaber ein Pisto! auf das Polk abfeuerte, sogleich demolirt. Auch hier wurde die Yeomanryh aufgeboten und Bürger-Gardisten eingeschrieben, un weitere Unruhen zu verhüten.

Von allen Seiten sind Truppen aufgeboten, um nach den weßilichen Grafschaften zu marschiren. Gestern is ein ansehnli- hex Artillecie-YVark von Woolwich dahin abgegangen. Auch nach Petecboroungh unweit Nottingham, wo es sehr unruhig is, ist enn Theil des 15ten Husaren-Neginments aufgebrochen.

Sir Charles Wetherell, der unglückliche Aulaß der Bristoler Unruhen, ift bier eingetroffen und sieht sehr niedergeschlagen aus.

Ueber die Unruhen in Bristol und Bath äußert sich der Moruing- Herald solgendermaßen: „Die beklagenswerthen 2luftritte, welche in Bristol stattgefunden haben, werden deu Anti- Neformern uud ihrer Presse reichlichen Stoff zu Declamationen geben. Wir haben {on vor einiger Zeit berichtet, daß Emissa- rien der Anuti-Reformisten in Vewegung seyen und si{ch bemüh- 1c, das Bolk aufzureizen, um seiner Sache durch Getvaltthä- tigfeiten Schaden zu thun. Die wilden und blutgierigen Pla- fate, welche an einigen Orten angeschlagen wurden, seßten dies außer Zweifel; denn es ist flar, daß fie nicht das Werk der Resorm-Freunde seyn konnten, da diese, von der großen Mehrheit der Nation unterstüßt, mit dem Beistande des Königs und seiner Minister, nicht zu Gewaltthätigkeiten ihre Zuflucht zu nehmen brauchen. Wer waren in beiden Parlaments: Häusern die Män- ner, welche sich durch eine leidenschafilihe Heftigkeit bemerflich machten, als der König an jenem denfwürdigen Tage das Par- lament auflóste und in Bezug auf die Reform : Frage an das Bolk appellirte? Waren es nicht die Anti-Reformisten, die durch das Gefühl ihrer Schwäche zur Wuth getrieben wurden? Einem Pöbelhaufen diese Wuth mitzutheilen, ist eben niht s{wer; bei dem Englischen Volke ist es vergebens versucht worden, Die Gelegenheit, welche in Bristol einen großen Haufen Menschen ¿usammenführte, war die Anfunft Sir Charles Wetherell’s, der fürzlich behauptet hatte, daß in Bristol eine Reaction in Bezug auf die Reform: Frage eingetreten sey. Man könnte fragen, warum er so keck und unvorsichtig war, sich, nachdem er cine solche Meinung anzusprechen gewagt hatte, an jenem Orte zu zeigen. Vielleicht glaubte er an das, was er gesagt hatte; und sein Erscheinen in Bristol läßt dies vermuthen; obgleih wir ihm auch die Gerech: tigkeit widerfahren lassen müssen, daß sein Amt als Recorder ihn dorthin berief. Auch glauben wir nicht, dof die versammelte ‘enge cine andere Absicht hatte, als ihm durch unschadliche Aeußerungen ihres Mißfallens den Beweis zu liefern, daß er sich über die Gesinuungen der Einwohner Briftols im Jrrthum desinde. Einige Leute aus. den niedrigsten Volks- Klassen, wahr- sceinlich dur die Antireformiften ausgehest, sollen die Thätlich- fciten begonnen und die Polizei durch ihre rückslchtslose Hestig- feit dazu beigetragen haben, die aufgeregte Masse in einen Zu- stand der rohesten Wuth zu verseßen.“ Die Morning- Post sagt über denselben Gegenftand: „Die Bristoler Ministeriellen haben es für angemessen gesunden, ihren Eifer und ihre An- hänglichkeir für die Sache der Regierung durch den Angriff auf einen Richter, einen Stellvertreter des Königs, an den Tag zu legen, indem sie ihn gezwungen haben, zu fliehen, um sein Le- ben zu retten. Sie haben es sich angelegen seyn lassen, den re- gelmäßigen Lauf des Geseves und der Gerechtigkeit zu. unterbre- chen, die Häuser und das Eigenthum von Magistrats - Personen zu vernichten und ihre verdienstvollen Mit-Reformers zu befreien, welche das Unglück ten, sich wegen Diebstahls, “Mords oder wegen anderer Handlungen, die, als wir noch nicht das Glück hatten, uns unter einer liberalen Negierungzu befiuden, als höchst ge-

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fáhrlich füx die Gesellschast betrachtet wurden, im Gefängniß zu befins den, Alles Blut, was bei diesex Gelegenheit vergossen worden if und vielleicht noch vergossen werden dürfte, salle auf die Häupter der Mi- nister und ihrer revolutionnairen Verbündeten, welche die unwissende und gedanfenlose Masse täglich zu dergleichen Gewaltthätigkeiten aufreizen. Jn London, so scheint es, werden wir in der Folge vor allen dergleichen fürchterlichen Auftritten geshütt sehn; denn hier wird die Aufrechthaltung des öffentlichen Friedens der Exe- futiv: Regietung aus den Händen genommen und der großen politischen Union anvertraut werden, welche nicht allein das Durch- gehen der Reform-Bill zu sihecn beabsichtigt, sondern auch jede Regierung und jedes Gese durchaus unnüß machen Id Die T imes stellt úber denselben Gegenftand ebenfalls ausführliche Betrachtungen an und sagt unter Anderem: „Wir stinnnen voll- kommen mit denen überein, welche über den Pöbel von Bristol ivegen seiner Excesse unwillig sind. Das Schwerdt des Gesehes müßte mit seiner ganzen Schärse auf die rasenden und rohen Mordbrenuer fallen, und wir hoffen, dies wird au geschehen. Aber wer hat all? dieses Uebel veranlaßt? Gegen wen und durch wen wurde der Pöbel so aufgeregt ? War es etwas Anderes, als Tollheit von Sir Charles Wetherell, in der jeßigen Zeit und un- ter solchen Umftänden nah Bristol! zu gehen? War es vernünfs tig von den Konstablern, das Volk anzugreifen, nachdem sie den Recorder glüclich in sein Amts-Lokal gebracht hatten? Uebrigens geht aus den Vorfällen in Bristol deutlich hervor, daß die re- gulairen Truppen und Friedens-Beamten nicht genügen, um das Leben und Eigenthum der friedlichen Bewohner bei solchen Ge- legenheiten zu beshüßen. Wir sagen daher zu unseren Mitbür- gern: Organisirt und bewaffnet Euch! Zu den Ministern : Beei- let die Zusammenberufung des Parlaments! und zu den Lords und Gemeinen sagen wir: Schlaft nicht, bis die Vill durchge- gangen ift!‘

Der Herzog von Northumberland und seine Gemahlin wur- den am Donnerstage zu Newcastle, wo sie in einem Privathause abgestiegen waren, von einer großen Menschenmenge verfolgt ; do blieb es beim Zischen und Pfeifen, weil eine große bewaff- nete Macht aufgestellt war.

Die in der Kron- und Anker - Tavern angeseßte Versamn- lung zur Errichtung einer politischen National - Union konnte wegen Mangel an Raum in jenem Lokal nicht stattfinden und wurde daher geftern in Lincolu?s Jnn Fields abgehalten, Sir Francis Burdett führte den Vorsiß uud hielt die Eröffnungsörede. Ér sagte darin unter Anderem, daß der Zweck der gegenwärtigen Versammlung sey, eine politische Union zu bilden, die mit allen Kráften und den bestgeeiguetsten Mitteln dahin streben selle, das Durchgehen der Reform-Bill zu unterstügen. Er hielt den jeßigen Ministern eine Lobrede, die aber bei den Worten: „ih seße volles Vertrauen in die Güte des Königs und in die Rechtschaffenheit des Grafen Grey, durch verworrenes Ge- chrei von „Ja‘/ und „„Nein“‘ unterbrochen wurde. Nach ihm hielt der Dr. Fox cine Rede, worin er besouders darauf hinwies, wie unmöglich es einer antireformistishen Verwaltung sehn würde, si unter den gegenwärtigen Umständen am Ruder zu erhalten. Man müsse so unbedingtes Zutrauen in die jeßigen Minister seßen, daß, wenn sie das Volk hintergingen, sle sich selbft da- durch auf ewig brandmarkten. Die ersten Resolutionen, eine Union zur Förderung der Reform - Maaßregel, welche die Vertretung dec Mittel: und arbeitenden Klassen bezwek- fen müsse, zu bilden, wuxden ohue Opposition angenom- men. Als aber Herr Lovett folgenden Borschlag machte: „„die Mitglieder dieser Union dürfen nit eher in ihren An- strengungen nachlassen, bis jeder Engländer von 21 Jahren, der im Stande ist, die Waffen zur Vertheidigung seines Vaterlan- des zu tragen, wahrhaft repräsentirt wird ,““ ließen si laute Aeußerungen des Mißfallens vernehmen. Herr Cieave, der die- sen Antrag untersten wollte, konnte nur durch die Bemühun: gen Sir F. Burdetts zu Worte kommen. Er fragte, man denn den Feinden nicht zeigen wolle, daß, wenn sle keine Reform be- willigen, sle eine Revolution haben würden? Hier wurde dem Redner zugerufen: „Geh zu Hunt !‘/ und der Vorschlag demuächst verworfen. Ein Vorschlag des Herrn Hume, däß die Hälfte des Vorstandes dieser Union aus Mitgliedern der arbeitenden Klassen bestehen sollte, und ein auderer des Herrn Murphy, daß Feder, der der Union beitreten wolle, seineu Namen in dec Kron- und Anker-Tavern eimnschreiben hade, wurden angenom- men. Herr Hume ermahute am Schluß die Versammlung zur Nuhe und zur Vermeidung. jeder Störung der öffentlichen Ordnung.

Es ging hier dieser Tage das Gerücht, daß sich Sir Nob. Peel auf seinem Landsiße in Drayton- Park das Leben genom- men habe, doch hat sich dasselbe zur Freude der zahlreichen Freunde jenes geahteten Staatsmannes nicht beftätigt.

Der hier wieder angekommene Marquis von Palmella wird, wie der Herald berichtet, den Besehl über die Expedition über- nehmen, die jeßt gegen Dom Miguel ausgerüstet wird. Die Portugiesishen Offiziere sowohl in England als in Frankreich haben sich an einem bestimmten Taze in bestimmten Häfen ein- zufinden, wo sie von mehreren Kriegsschiffen aufgenommen rwoer- den sollen.

Nachrichten aus Lissabon zufolge, hat Dom Miguel seinen von hier zurückgekehrten Gesandten, Marquis d? Affeca, nicht zur Audieuz gelassen und ihn, wie es heißt, auf seine Landgüter ver- wiesen.

An der Börse machten anfangs die Nachrichten aus Bristol und Bath einen sehr nachtheiligen Einfluß; da man jedoch \pä- ter die beslimmte Anzeige erhielt, daß an beiden Orten die Ruhe wieder hergestellt worden, haben die gestern und heute gewicheneu Course sich wieder etwas gehoben. Brasilianische Fonds blieben angeboten, weil Herr Rothschild die Ameige gemacht hatte, daß er nur erst einen Theil der nöthigen Sunimen erhalten habe, um die fälligen Dividenden zu bezahlen. Ein sonst rühmlich be- fanntes Deutsches Kommissionshaus (8. H, u, D. A. Nücker) hat seine Zahlungen emzgeftellt.

Graf Walewski, der hier während der revolutionnairen Erz eignisse in Polen als Polnischer Abgefandter gelebt hat, ift, nachdem er seine hiesigen Einrichtungen aufgelöst, nach Pa- ris abgereist.

Hier wollte man durch Briefe aus Nauplia erfahren ha- ben, daß es einem der beiden Mörder des Grafen Capodiflrias mit Hülfe zweier Soldaten von der Leidgarde des Präsidenten gelungen seh, zu entkommen,

London, 29, Oft. Von dem leidenschaftlichen Ei- fer, der im Allgemeinen in allen Theilen des Königreichs für die Reform obwaltet, gab die vor furzem in der Grafschaft Lanark, zu Glasgow, gehaltene Versammlung einen neuen Be- weis, Ungeachtet eines heftigen Regens hatten sich an 30,000 Personen eingefunden, und fast alle Redner, die in derselben auftraten, erlaubten sich Ausdrücke, welche offenbar an Hochver- rath gránzen, indem man erklärte, das Land habe fich schon ein-

mal ohne das Oberhaus beholfen und würde slch wieder fo

behelfen wissen; der König möge sil beeilen, neue Pairs zy

machen, sonst würdé er es 48 Stunden zu spät bereuen, sol:

hes nicht gethan zu haben, ‘wie Karl X. es 48 Stun:

den zu spät bereut habe, daß er die Ordonnanzen erlassen, Schottland, welches ehemals gegen die Bischöfe gekämpft, wolle sich nicht mehr von Bischöfen beherrschen lassen; furz, man verlange die Bill oder Barrikaden! Das Wichtigste aber war die von der Versammlung einstimmig angenommene Erk: rung, daß, da das Unterhaus sich als forrupt konstituirt erklärt habe, es feine geseßliche Gewalt mehr im Lande gebe, welche die Nation besteuern könne! Man ist freilib nirgends \o weit gegangen, die Steuern zu verweigern, aber doch úderall weit ge: nug, um Jedermann zu überzeugen, daß ohne eine eben so durch: greifende Parlaments-Reform, als die eben verworfene, kein Mi: nisterium hoffen dürfe, in Frieden zu regieren. Die legten Ver: sammlungen, von deuen wir Kunde haben, sind die der Graf: haften Hants, Chester und Cornwall, welche alle sehr zahlreich waren, und wobei si keine Spur von Gleichgültigkeit oder Rü: wirkung, wie die Opposition es nennt, blicken ließ. Bei der ley: ten ließ man den Anti-Reformer, Lord Balertot, reden, aber ohne Wirkung, indem nebst der seinigen sich nur drei andere Hánde gegen die starken Beschlüsse zu Gunsten der Reform unnd Minister erhoben. Jn Hampshire gelang es freilich dem Cobbett, das gemeine Volk so weit flir eine Adresse an den König zu gewinnen, welhe nichts von Zutrauen zu den Mini: stern, aber sehr heftige Ausfälle gegen das Oberhaus und die Bischöfe enthielt, {o daß der Sheriff kaum zu entscheiden ver: mochte, ob die Mehrheit für diese, oder für eine weit m figere von den vornehmen Gutsbesißern der Grafschaft - vorge: \chlagene Adresse gestimmt habe. Wenn dieser Vorfall aber ir: geud. etwas beweist, so thut er nichts Anderes dar, als entweder den Einfluß, den bei der großen Menge ein böser Mensch ‘hat, welcher den Tagelöhnern sagt, wenn es nah ihm ginge, \o solle Niemand bezahlt werden, als diese, und Beamte und Staats: gläubiger ihres Einkommens verlustig gehen; oder, daß der Un: wille gegen das Oberhaus und die Bischöfe #6 groß ist, daß die Menge lieber gegen diese, als für die Minister, stimmen wollte, Es ift daher nicht einzusehen, mit welchem Grunde die Mor: ning - Post daríber ein Triumph- Geschrei erhebt. Geseßt, die Bill und die Whig-Minister wären bei dem Pöbel nicht populair genug, steht es zu erwarten, daß ein weniger nachgiebiges Mi: nistecium beliebter seyn würde? und welches Ministerium dürfte N überhaupt s{hmeicheln, je die Fordecungen eines von Dema: gogen geleiteten Pöbels befriedigen zu können? Mich dünkt, daß die Sicherheit der Aristokratie und der Neichen gerade darin liegt, daß sle die mittleren Stände befriedigen; mit diesen ver: eint, dürfen sie dem Pöbel troben, aber wenn diese ihnen feind: selig sind oder in einem etwoanigen Kampfe neutral bleiben, wer soll alsdann dem Pöbcl Schranken seyen? Die Tories aber wün: hen die Mittelklassen zu schrecken und ihnen zu zeigen, daß eine Veränderung in der Verfassung den Pöbel nur nach neuen end: losen Veränderungen ltüstern machen würde; aber da ein folcher Grund gegen jedwede Veränderung anwendbar ist und die To: ries selbst annehmen, daß es an der Zeit sey, Veränderungen zu machen, so ist es kaum zu erwarten, daß diese Theorie die Mit: tel: Klassen bewegen könnte, der bedeutenderen Mitwirkung an der Regierung, die man ihnen jevt anbietet, zu entsagen, um eine ge- ringere anzunehmen , die, ohne ihnen selbft viel zu núpen, dva Pöbel doch immer lüstern machen würde. Sollte es aber: gelin- gen, wirkliche Furcht vor dem Pöbel bei denselben zu erregen, so sind die liberalen Journale, namentlich die Morning - Chronicle und die Times, mit einem anderen Nath bei der Hand. Bil: det, sagen sie, Vereine, bewaffnet euch, wáhlt eure Offiziere, laßt euch in den militairishen Handgriffen unterrihten, bestimmt eure Sammelpläße und laßt es dann den Pöbel wagen, zerstörende Hand an euer Eigenthum zu legen, Wollen dann Andere, seyen jene Blätter hinzu, die niht zum Pöbel gehören, sich an euren Rechten vergreifen, so habt ihr auch gegen sie Waffen. Man ist zwar thätig damit beschäftigt, hier in London eimen Central: BVerein zu bilden, und Sir Francis Burdett hat bereits das Präsidimn desselben übernommen; doch zweifle ich, ob derma: len der Vorschlag zur Bildung einer National - Garde Ein gang finden werde. Der Engländer spielt nicht gern ohne Noth den Soldaten, und die Nothwendigkeit zu einem so ernstlichen Spiele ist noch nicht offendar. Auch dürfte es in manchen Graf: chasten, wo die Stimmungen ziemlich gleih getheilt scheinen, gefährlih seyn, den Parteien Waffen gegen einander in die Hände zu geben, obgleih die Geseße nichts dagegen einwenden können, so lange man nicht Gebrauch von den Waffen macht und den Frieden verleßt. Fudessen if keine Frage, daß, wenn die Sachen eine so unselige Wendung nähmen, alsdann die Gegner der Re:- form den Kürzeren ziehen würden; weswegen es denn auch um so thörihter von den Tories ist, einen Geist heraufzubeschwö: ren, welcher nicht so leiht ¿u bannen seyn dürfte, wenn er ein: mal dem Rufe gehorcht.. Zu Cambridge findet eben jeßt eine neue Wahl eines der Vertreter der Grafschaft statt, indem Lord S. Osborne seine Stelle niedergelegt hat. Die beiden Tories: Familien Hardwicke und Rutland, welche sonst die Grafschaft unter si zu theilen pflegten oder feindselig ihr gegeuseitiges Jn- teresse bekämpften, haben slch nun zur Unterstüßung eines Anti- Reformers vereinigt, während die Liberalen von ganz England einen Reformer unterstüßen. Das Jauteresse, welches diese Wahl erregt, is demnach sehr groß, obgleich es am Ende doch auch nit viel bedeutet, ob in dieser Grafschaft die reihen Whigs oder die Tories das Uebergewicht behaupten. Bei der lebten allgemeinen Wahl begab es sich freilih sehr häufig, daß bei der durchweg vorwaltenden Begeisterung Tausende das alte freiwillige oder er: zwungene Foch abwarfen und mit Gefahr, von ihren Meierhöfeu verjagt zu werden, gegen ihre Grundherren stimmten, deren Auf- merffanmfkeit mehr auf den allgemeinen Kampf der Parteien, als auf den unmittelbaren Kampf in ihren Grafschaften, gerichtet war. Aber Anstcengungen, wie jene, können nicht immer fortdauern, und mit der zurückfehrenden Besinnung müssen auch die persön: lichen Rücksichten wieder das Uebergewicht erlangen.

Niederlande.

Aus dem Haag, 4. Nov. Das an der Küste der Jnsel Walcheren und namentlih vor Vließingen erschienene Englische Dampfboot is ein Fahrzeug aus dem Trinity-House (der Lootsen: Direction) in London. Dasselbe befand slch noch am 31fteu vor Vließingen. Auf früheres Befragen des Vice-Admirals Gobius wurde von diesem Dampfboote die Antwort ertheilt, daß es eine vermißte Englische Fregatte aufsuche. Man gab hierauf dem Engländer zu verstehen, daß man diese Antwort für ungenügend halte, und daß das Dampfboot sich entweder von der Nhede ent- fernt halien oder in den Hafen einlaufen müßte, welches Leßtere es denn auch that. Jn Vließingen wurde erzählt, daß das Eng- lische Geschwader, aus drei Linienschiffen und vier kleineren Fahr- zeugen, wahrscheinlich Fregatten, bestehend, im Kanale beobachtet

ven sey, Män zweifelte, das diese Schiffe dazu bestimmt E die Schelde hinaufzusegeln, da dies {hon ihrer Sou 1 uicht angeht, und vermuthete deshalb, daß fie noch einen ren Zweck im Auge. hätten. Darum wird auch mit großer jerde der weiteren Entwickelung der Sache entgegen gesehen. wischen war ein Lootsen-Schiff in See gegaugen, um die vor jen Tagen nah Ostindien abgegangenen Kriegsschiffe zurückzu- fen; der „Hippomenes“’, der nah Westindien bestimmt war, if (s zurücfgekehrt. Por einigen Tagen fand ein Arbeiter beim Bebauen eines (ckes Sandland zwischen Ter Heide und Monster 7 bis 8 Fuß x der Erde eine seltene goldene Münze aus den Zeiten des {hen Kaisers Marens Aurelius Victorinus. Auf der einen te dieser Múnze ist das mit einem Lorbeer befränzte und ge- jischte Brustbild des Kaisers dargestellt, der in der einen Hand 1 Stab, - in der anderen emen verzierten Schild “hält; d um liest man: rseite stellt den Kaisec stehend dar, mit einer Lanze ver linken Hand und die rechte einer weiblichen Geftalt rei- d, die ein Horn des Ueberflu}ses im Arm hält. Die Um- t lautet: Tndulgentia Augusla. Diese Mäuze if in einen nen Ring gefaßt, der mit einer achteckigen ebenfalls golde- jerrath umgeben ist; an der leßteren befindet sich ein gol- 4 Oehr; nach dieser Zierrath zu s{ließen, scheint die Münze den seltenen antifen Medaillons zu gehören, von denen in großen Sammlungen gewöhnlich nur einige zu finden sind. Jnspektor des Königl. Münz - Kabinets hat dies seltene ¡ck angekauft. Brüssel, 3. Nov. Jn der ( bereits gestern erwähnten ) ung des Senats vom Lten d. erstaitete Herr V ilain All, cht im Namen der Komniission, welche mit Prüfung des Entwurfes in Betceff des Friedens: Traktats beauftragt wor- war, Er betrachtete den Traktat als eine Nothwendigkeit, Belgien sich zu unterwerfen habe, indem es eine glülichere nft erwarten müsse, um die Verluste wieder zu erseßen, be es durch die gegenwärtigen Umftände ecleide. Die Kom- on sey der Meinung, daß eine Weigerung alle Dranzgsale Krieges über das Land herbeiführen und, im Fall einer Nie- ge, zu einer Restauration führen würde. Die Diskussion de lbrigens den Ministern andeuten, welhe Bedingungen sie Annahme des Traftates stellen müßten, die vorzüglichste die Anerkennung Leopolds als Königs der Belgier. Am usse seines Vortrages drückte der Berichterstatter noch tiefen Schmerz aus, den die Kommission über die ung - von einem Theil ihrer Mitbürgec empfinde, und dann auf die Annahme des Entwurfs an. Nachdem der ern erwähnte) Vorschlag des Herrn Lefebvre Meurat besei- worden war, ergris Herr von Moreghèm Vater das t und sprach zu Gunsten der 24 Artikel, indem er sl auf Peisheit des Königs Leopold verlasse, der, mit den Voll- hten der Kammern in Händen, gewiß günstige Resultate für Land zu erlangen wissen werde. Herr Lefebvre-Meurat e sich im Wesentlichen folgendermaßen: „Wenn ich den tat, den man uns aufztoingt, aus dem Gesichtspunkt der meinen Politik betrachte, so sehe ih darin den Zweck einer auration in Belgien, weil die Mitglieder der Konferenz zu Erfahrung haben, um nicht zu wissen, daß die Völker sich zem, so lange sie Mißbchagen empfinden, wenn die rohe K fie niht im Zaum hält, und die Bevollmächtigten in don wissen gleichfalls, daß Leopold dieses Mittel nicht ans den wird, Die Konferenz sleht daher, ih bin es überzeugt, Restauration, ih will nit sagen als mögliche, sondern yahrsbeinliche Folge ihrer verhaßten Combination an. Ein | der Konferenz wünscht die Restauration, ein anderer Theil ) sle aus Furcht vor einen Kriege zugeben. Der König von and selbst dient meiner Ansicht als Unterftügzung. Er hat, er die Entscheidung der Konferenz vernahm, weder Zorn noch de bezeigt; er hat seine Gedanfen für si behalten, und seine Handlungen werden uns dieselben deutlich machen. hat sich nicht geweigert, aber er hat auch nicht angenommen, ) wenn ih mich nicht irre, wird er auch nicht annehmen, er ihnen nichts bewilligen will, was später als Waffe gegen und gegen seine Absichten auf uns dienen könnte. Er wird Dingen ihren Lauf lassen und abwarten. Er wird den tat in Kraft seßen lassen, der in seinen Augen nichts eine Trennung seiner nördlihen Provinzen von seinen hen i. Er wird warten, bis das Elend, welches den 24 Artikeln hervorgehen müß, seine revoltirten thanen zu seinen Füßen zurückführt. Und zu einem solchen lge verlangen die Minifter Leopolds meine Genehmigung? bin mehr sein Freund, als seine Rathgeber, indem ih mich Annahme des Traktats widerseye.‘“ Der Marquis von odes erklárte sich für die Annahme der 24 Artikel, jedoch der ausdrücflihen Bedingung, daß der König Leopold und nabhängigfeit Belgiens von allen Mächten anerkannt würden. Verlauf der Sibung ließen sih noch die Herren v. Barre, jülihy, Dubois, Morreghem Sohn und Dupout und die Herren v. Rouillé, v. Ansembourg, Beh, an und v, Robiano gegen den Entwurf vernehmen. Ju der heutigen Sizung des Senats wurde die Diskus- ju Ende gebracht, und nachdem noch der Borschlag des v. Ansembourg, im Angesicht Europa?s gegen den Miß- ch der Gewalt zu protestiren, verworsen worden war, wurde namentlichen Aufruf über den Entwurf geschritten und der- mit 35 Stimmen gegen 8 angenommen, Jm Belgischen Moniteur liest man: „Der Traktat, en die Kamnier angenommen hat, if eine heilige Schuld; Nation darf dies nit aus der Acht lasscn. Die Beamten n abgetretenen Ländern, welche sich für die Sache unserer lution bloßgestellt haben, hören nicht auf, Belgier zu seyn, als solche haben sie Anspru auf unsere brúderliche Sorg- ie Regierung wird uicht ermangeln, den Wünschen ent- ¡u fommen, welche die Nation in dieser Beziehung aus- i, und wir wissen, daß der Repräsentanten-Kammer ein in Sinne abgefaßter Vorschlag überreicht werden wird. Zwei Étshöfe, der eine, der seinen Siy in Ruremonde, der an- der ihn in Diekirh hat, werden aufgelöst werden ; die Mit- tr derselben werden in Belgien ein Vaterland und die Aem- ederfinden, welche sie aufzugeben gezwungen werden. Es leicht sehn, sie in die neue Gerichts: Organisation mit ein- reifen, die bald in Ausführung gebracht werden wird, ‘/ Der Gazette de Gand zufolge, beschäftigen sich die Hol- l im Seelándisch - Flandern sehr eifrig mit Errichtung von heidigungs - Befestigungen. Der General - Lieutenant de Und der General-Major Everts leiten dieselben. Von "ingen soll sehr viel Kriegsmaterial dahin gebracht worden sehn. Der obere Militair - Gerichtshof hat das Urtheil des Lim- t Kriegsgerichts, welhes den Quartiermeister Debah wegen ttentats gegen deu General Daine nur zu einjähriger \nguißstrafe verurtheilte, kassirt,

Imp. Victorinus P. F, Aug. Die.

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D euts chGla nd,

Frankfurt, 5: Nov. Die hiesigen Blätter enthalten aen Bekanntmachung der Stadt-Kanzlei vom gestrigen Tage : „Zn Auftrag Hohen Senats wird hierdurch bekannt gemacht : Da die nicht hier gedruct werdenden Zeitschriften „„Zeitbilder““, „Volks: und Anzeige-Blatt für Mitteldeutschland‘“, fortdauernd in der Absicht redigirt werden, Mißtrauen gegen die Obrigkeit, Unzufriedenßeit mit den verfassungsmäßigen Behörden, Zwietracht uter löblicher Bürgerschaft, Unuhe und Aufcuhr zu verbreiten, so wird, vorbehältlih der Untersuhung und Bestrafung der Ver- fasser und jedes Theilnehmers auf dem geseßlihen Wege, jede Ausgabe an Privat - Personen, sonftige Verbreitung und Ausie- gunz dieser Blätter an öffentlichen Orten, in hiesiger Stadt und deren Gebiet, auf welche Art solche geschehen möge, in Gemáß- heit der bestehenden Verordnung vom 9, Februar 1660, welche mit der bestehenden Bundesgeseßgebung übereinstimmt, \so wie des Rathschlusses vom 4. November l. J., andurch verboten, und wird gegen jeden Uebertreter dieses Verbots die gesetliche Strafe unnachsichtlih in Anwendung gebracht werden.“

B esterrébi G.

…_ Wien, 4. Nov. Se. K. K. Majestät haben mittelst Aller- höchsten Handschreibens vom 24. Oktober d. J. den Komnman- direnden in Slavonien und Sirmien, General der Kavallerie, Freiherrn Bersiua von Siegenthal, zum Vice-Prásidenteu Aller- hochstihres Hoskriegéraths gnädigst zu ernennen geruht.

Aus Agram wird gemeldet: „Die diesjährige Herbstwitte- rung ist von einer besouderen Schönheit, gleichsam als wenn der Sommer zurückkehren wollte, Die Winterfrüchte sind bereits bestellt, Dieses Jahr zeigte sich sehr ergiebig und segensreich. Dem Landmann mangelte es an Fässern, so ergiebig fiel die Weinlese aus.

Jtalien.

Neapel, 15, Okt, (Allgemeine Zeitung.) Jn Er- mangelung hiesiger Neuigkeiten theile ih Jynen einige Nachrich- ten über die gegenwärtige Lage Siciliens mit, die mir nicht ohne Interesse scheinen, indem sie auch dazu dienen, über die wahren Triebfedern des fürzlih dort Vorgefallenen mehr Licht zu ver- breiten. Man schreibt nämlich aus Messina vom Anfange die- ses Monats, daß die Getreide-Ernte dieses Fahr so schlecht aus- gefallen i, daß ein großer Mangel, besonders an der guten Sorte, sh {on zu zeigen angefangen hat und der außerordent- liche Fall eingetreten ift, daß Catania, welches sonst seinen Wei- zen zur Exportation auf den Markt von Messina schickt, jeut dieses Getreide zum eigenen Bedarfe aus Apulien über Mes- sina bezieht. Man rechnet, daß die Jnsel in diesem Jahre an eine Million Tomoli Weizen wird einführen müssen. Der Tomolo enthált 2550 Pariser Kubikzoll, also beinahe ei- nen Scheffel. Die Oel- Ernte wird wo möglih noch schlechter ausfallen, und alle Reisende versichern, daß man die Oliven auf den Bäumen zählen kann, so daß man allgemein glaubt, daß auch in dieser Rücksicht dies sonst an Oel so reiche Land künftiges Jahr seine Zuflucht zu der gegenüberliegenden Küste von Kalabrien wird nehmen müssen. Selbst die Exportation der anderen Früchte leidet durch die Zeit-Unistände, und weun sonst an 50 nordishe Schiffe diese in Messina zu holen famen, \o erwartet man dieses Jahr nur drei oder vier. Wahrlich eine ganz einzig unglücflihe Lage für die Fnsel, deren größten Reich- thum Weizen und Oel ausmachen, welche Artifel es nun dem festen Lande abkaufen muß. Wie groß daher. die Noth der Einwohner sehn muß, läßt sich Leicht denken, und dies und keine politishe Tendenz is wohl auch die vorzüg- liste, wo nicht einzige, Ursache - der unruhigen Bewegun- gen, die dort ausgebrochen sind. Dies erhält noch mehr Be- stätigung dadurch, daß, wie man jeut allgemein versichert, der Urheber dieser Unrihen, di Marco, nicht, wie man glaubte, mit großen Mitteln, sondern mit wenigem Golde einige mißvergnügte und schlechte Leute gewonnen, bloß in der Absicht, si{ch durch Plúnderungen zu bereichern. Die Furcht is also vershrounden, daß, wie man anfangs besorgte, irgend eine bedeutende Person in dieses Komplott verwickelt gewesen, FJndessen haben die Gefan- genen an verschiedenen Orten gesucht, Bortheil aus diesen Umstän- den zu ziehen, um aus ihrem Kerker zu entfommen. Jn Palermo und Messina is es ihnen glücklicherweise fehlgeschlagen, aber aus Girgenti sollen an 60 Gefangene entwichen sehn, von denen man nur die Hälfte bis jeßt wieder hatte einfangen können, Man ist eifrig mit den Sanitäts -Cordons in Apulien, Kalabrien und Sicilien beschäftigt. Der Fluß der Lava aus dem Vesuv hat schon bedeutend abgenommen; der röthliche Schein, den man von hier aus sehen fonnte, is verschwunden, und dieser kleine Ausbruch wird also, ohne Schaden anzurichten, vorübergehen.

S panien

Madrid, 25. Oft, Die Hof-Zeitung theilt noch im- mer Bulletins über das Befinden des Konigs mit: den in ih- rer heutigen Nummer enthaltenen zufolge, befindet slch Se. Ma- jestät in fortschreitender Besserung.

Dasselbe Blatt enthält Folgendes: „Der Messager des Chambres vom 12ten d, M, und andere Pariser Blätter theilen einen angeblihen Entwurf zu einer General - Amnestie für die ausgewanderten Spanier mit. Es is überflüssig, darzuthun, daß dergleichen Dokumente" bloße Börsen : Ecfindungen sind; durch eines sucht man ein Steigen, durch ein anderes ein Fallen der Spanischen Fonds hervorzubringen, durch alle aber den thörichten Politifkern das Geld abzugewinnen,““

Portugal,

Lissabon, 13, Okt. „Die Geistlichkeit, der Adel und die Bürger der Stadt Alan- droal versammelten sich am 29sten v. M. in der dortigen ‘Paro- chial-Kirhe und erklärten auf die Nachricht, daß der Ex-Kaiser Dom Pedro sih in Europa befinde, sle sehen bereit, si für die Vertheidigung der unbestreitbaren Rechte des Königs Dom Mi- gnels 1. aufzuopfern, ein Gefühl, welches die ganze Nation theilt.“

Ula b

Berlin, 9. Nov, Bei Gelegenheit der neueren Debatten in der Französischen Deputirten-Kammer über den Borschlag des Gene- rals Lamarque wegen Mobilisirung der National-Garde, is von den Gegnern dieses Vorschlages das Preußische Militair-Shflem als drückend und unerträglich geschildert worden. Der Deputirte Herr Carl Dupin äußert, daß die Kammer vor dem Beispiele Preußens, welches man ihr als Muster vorzuschlagen wage, zurüischrecken werde, wenn sle von ihm vernommen haben würde, wie si die Ver- hältnisse in Preußen in der Wirklichkeit gestalteten. Diese Ver- háltnisse werden sodann durh den Reduer im Wesentlichen in folgender Art dargestellt : i

Die Universal-Conscription, unbeugsam, so wie sie Napo- leon aufgefaßt habe, sey durch das Preußische Gouvernement

Die heutige Hofzeitnng meldet: | L 1 i | stact, so daß die Wehrmänner, welche in dem stehenden Here

in Kraft geseyt worden, Fedex Preuße bleibe bis zum F0fterz Fahre Kouskribirter, Die Landwehr : Mannschaften würden nah ihrem Alter in die Kontrollen eingetragen und müßten ohne Rückfsiht auf ihre Stellung in der bürgerlichen Gesell: schaft marschiren. Die Mittel, welche das Preußishe Goöu- vernement anwende, um eine so bedeutende Militair - Macht aufzuftellen, wáren so erkünstelt und barbarisch, daß nur der absolutesie Despotismus eine solche Selbstverleugnung der Ein= wohner cines civilisirten Staates durch unbarmherzige Gesege gebieten könne.

Es if uns an und für slch zwar nihté Neues, in Französi: {hen Journalen. und Flugschriften Angaben und Urtheile über Verhältnisse und Einrichtungen fremder Staaten zu finden, die kaum noch einen Zweifel übrig lassen, daß die Verfasser die Ge- genfiände, über welche sie sich äußern, entweder gar nicht oder doch nur sehr oberflächlich fennen. Dennoch hat es uns minde- fiens befremdend erscheinen müssen, eiuen sonst so ehrenwerthen Redner, einen \o eifrigen Vertheidiger der Grundsäße der Má- igung, ganz besonders aber einen Deputirten, der, wie Herr Dupin ja selbst darauf hinweist, {hon zweimal Berichterstatter in der Kammer über das Geseß wegen Organisirung der Natio- nal - Garde gewesen ist, so entschieden über das Preußische Miliz tair-Syflem absprechen und dasselbe in einem so gehässigen Lichte darstellen zu sehen, während er durch seinen Bor- trag den deutlichsten Beweis liefert, daß er sich von un- seren Militair - Einrichtungen, so wie von der Art und Weise ihrer Ausführung, weder gehörig unterrihtet hat, noch weniger aber die Gesinnung kennt, welche in dieser Beziehung unter den Preußen allgemein vorherrscht. Dankbar wird der Geist erfannt und verehrt, in welchem das jeyige Militair-Syflen He e worden ist, und bereitwillig wird von allen Seiten zur Ausführung desselben mitgewirkt.

Das Geseß vom 3. Sept. 1814, welches, wie {ou in der Anmerkung zu den literarishen Nachrichten in Nr. 308 der Staats- Zeitung erwähnt worden, die Grundlage unserer Mili- tair: Einrichtungen bildet, hat allerdings eine allgemeine Militairc- Verpflichtung eingeführt. Kein Nang oder Stand befreit von dieser Verpflichtung, welche nicht, wie in Franfreih, durch Stell- vertreter, sondern nur persönlich erfüllt werden fann.

Diese allgemeine Verpflichtung is es aber gerade, welche sih des größten Beifalls der Nation zu erfreuen hat.

Dieselbe soU indessen, nach §. 1 des allegirten Gesetes, so ausgeführt werden, daß dadurch die Fortschritte der Wissenschaf- ten und Gewerbe nicht gestört werden.

În diesem Sinne sind auch alle spátere, über die Anwen- dung jenes Geseßes ergangene nähere Bestimmungen getroffen worden.

Die Dienstzeit im stehenden Heere, zu welchem die Verpflichz tung mit dem 20sten Jahre anfängr und bis zum 25sten Jahre dauert, ist auf fünf Fahre festgeseßt. Die junge Manuschaft wird jedoch {hon nach dreijähriger Dienstzeit in ihre Heimat zur Kriegs - Reserve entlassen, in der sie dann noch zwei Jahre verbleibt.

Diejenigen jungen Leute, welche den vorgeschriebenen Grad wissenschaftlicher oder künstlerischer Ausbildung erlangt haben, fönnen ihre Verpflichtung zum aftiven Dienst im stehenden Me vom zurückgelegten 17ten Jahre ab durh einjährigen

ienst ablösen und den Eintritt zu diesem Dienst, insofern dies ihren Verhältnissen zusagt, bis zum beendigten 23sten Jahre aus- seßen. Selbft kunftgerehte Arbeiter werden, wenn örtliche Gewerdt- Verhältnisse eine solhe Berücksichtigung erfordern, zum einjähri- gen Dienste zugelassen. 7

Das stehende Heer wird jährlich ergänzt. Da nur ein Theil der dienstsähigen jungen Leute zur Ergänzung desselben ge- draucht roird, so bestimmt das Loos die Reihefolge unter den dazu verpflichteten Fndividuen. Häusliche, bürgerliche und ge- werbliche Verhältnisse köunen jedoch eine Zurückstellung begründen.

Ob eine solche Zurückstellung zulässig seh, daruber haben die Kreis-Ersaß-Konmmissionen, in welchen Seitens des Civils außer dem Landrath noch zwei ftädtishe und zwei ländliche Grund=- Besißer Siß und Stimme haben, zu entscheiden.

Die nicht zum Dienst im stehenden Heere gelangende dienftfávigen junaen Leute bilden die allgemeine Ersaß-Refserve.

Selbst die {hon zum Dienste bei den Fahnen eingestellten Mannschaften werden, sobald ihnen nah ihrer Einstellung cin Grundstück, eine Handlung oder Fabrik durch Erbschaft zufält und ihre persönliche Verwaltung nothwendig wird, wieder in ihre Heimath entlassen.

Nach Beendigung der beiden Kriegs-Neserve-Fahre scheidet die Mannschaft aus dem ftehenden- Heere aus und geht zur Land- wehr ersten Aufgebots über. So weit die Landwehr dadurch nicht auf ihren etatsmäßigen Stand gebracht werden möchte, erfolat deren Ergänzung aus der vorhin gedachten allgemeinen Ersay- Reserve nach der für die einzelnen Fahrgänge durch das Loos bestizumten Reihefolge. Die jüngere Aiters-Kiasse wird immer zunächst in Anspruch genommen.

Die Dienstzeit in der Landwehr ersten Aufgebots dauert bis zum 32sten Fahre. Diejenigen jungen Leute, welche {on vor dem 20sten Jahre als Freiwillige in das stehende Heer getreten sind, treten um so viel früher aus der Landwehr erften Aufge- bots heraus.

Dieses Aufgebot wird jährlich auf 14 Tage zu einer Uebtng zusammengezogen und für diese Zeit sowohl in Betreff des Quartiers als der Löhnung und Verpflegung nach den fur das stehende Heer zur Anwendung kommenden Bestimmungen behandelt. Zu dieser Uebung werden nur drei Achtel der Mannschaften, welche zu dem Landwehr - Bataillon gehören, einbeordert. Wegen der Einziehung, zu den Uebungen findet ein regelmäßiger Wechsci

gedient, während ihrer ganzen Dienstzeit im erften An:sgebot überhanpt nur dreimal die vierzehntägige Landwehr-Uebung mit: zumachen haben. Diese Uebungen werden serner zu einer Jah: res- Zeit abgehalten, wo die Mannschaften am leichtesten abkom- men können. Jn Fállen, wo dringende Gewerbs- oder Familien: Verhältnisse eine Berücksichtigung erfordern, können die Wehr- mánner von der Theilnahme an der Uebung dispensirt werden,

Die Kreis - Landräthe uad die Commandeurs der Landwehr: Bataillons haben dies gemeinschaftlich zu reguliren.

Außer den gedachten jährlichen Uebungen werden die Wehr- männer, so weit die Fahres-Zeit es gestattet, noch monatlich ein- mal in ihren Compagnie: Bezirken versammelt. Diese Versainm- lungen erfolgen in der Regel an Sonntagen und #o, daß die Wehrmänner nicht über Nacht von Hause bleiben dürfen.

Nach beendigter Dienstzeit im ersten Aufgebot gehen die Wehrmännex zum zweiten Aufgebot über, in welchem sie bis zuni 39sten Jahre bleiben.

Das zweite Aufgebot hat keine Uebungen. Für dies Ausf- gebot finden nur nionatlihe Compaguie- Versammlungen, wie für das erste Aufgebot, statt, um das Kontroll-:Wesen zu orduen. Die Landwehr - Mannschaften beider Aufgebote slnd nur, wen

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