1831 / 314 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

pourbe, nunmehr, inFolge bes zur Anwenbung gekommenen, Gé- brauchs von schleppenden Dampfbooten, die Bestimmung erfüllen, zu der ihn Ludidig XIV, graben ließ, nämlich mit Hülfe der Ga- ronze eine Verbindung des Mittelmeers mit dem Ocean zu be- wirken. Diese ist nun erst bestimmt und sicher hergestellt, denn die Communication Montpellier?s und Cette’s mit Toulouse und Bor- deatix wax isnmer mißlich und oft lange durch die schwierige Schif- fahrt über den fleinen Thausee aufgehalten. Hier lagen die Barken oft vierzehn Tage lang und warteten auf günstigen Mind. Auf dem Kanale selbst war derselbe Uebelstand. Da- her warén die Waarentransporte hinsichtlich der Zeit immer precair und unbestimmt, woraus für den Handel bedeutende Nachtheile entstanden. Dem ist nun abgeholfen. Vou Cette geht künftig egelmáßig ein Dampfboot nah Agde, um die MWaarenbarken úder den Thausee zu s{<leppen. Auf dem Kanale selbst sollen zu gleichem Behufe von Pesten zu Posten kleine Dampfboote ver: wendet werden. Dadurch gehen die Waaren fkünstig eben so be- stimmt, wie auf der Achse, nur weit shueller, Denn diese Slepp- boote werden von Montpellier nah Beziers nur zwei, nah Nar- boune vier und bis nah Toulouse neun Tage brauchen. Ein reiches Kausmannshavs in Bordeaux steht an der Spiye dieses Unternehmens. Das zum Schieppen „über den See bestimmte Dampfboot wird au die Schiffe aus dem Hafen Cette bugsiren, wo fle bisher oft Wochen laug wegen widrigen Windes uicht her- anófonnten. ! 191 Aus Algier wird vom 22. Okt, geschrieben: „„Ein in 40 Stunden von Oran hier angekommenes Korallenboot hat die Nachricht mitgebracht, daß in Oran eine Verschwörung entdect worden ist, in welche mehrere angesehene dortige Einwohner ver- wickelt sind; leßtere wurden verhaftet, und acht derselben ließ Ge- neral Boyer sogleich erschießen. An der westlichen Küste von Oran find zwei von Gibraitar kommende Schiffe bemerkt worden, welche Sardinische und Englische Flagge führten und Waffen und Kriegs- Munition ans Land” werfen wollten. Der von mehreren fkriege- rischen Stämmen unterstüßte Kaiser vou Marokko hat no< im- mer Truppen in Tremezen ; seine Partei findet in dieser Provinz viel Anhang. ‘Das zweite Bataillon der Fremden - Legion ist auf den Fregatten „Galathée‘/ und ,„Artemise‘/ hier angekommen, welche dagegen zwei Bataillone des 20sten Linien-Regiments nach Frankreich zurücfführen werden.“ j Der bisherige Befehlshaber der Französischen Occupations- Brigade in Morea, General Schneider, hat folgendes Schreiben an die Redaction des Temps gerichtet: „Fn dem Augeublicte, wo das an dem Grafen Capodistrias begangene Verbrechen eine Menge von Urtheilen über diesen Staatsmann hervorruft tund seine Feinde, ja vielleicht seine Mörder, es wagen werden, ihre angebliche ruhmvolle Hingebung zu vertheidigen, ist es die Pflicht des re<tli<en Mannes, seinem Andenken die verdiente Gerech- tigkeit widerfahren zu lassen und die Freunde der Freiheit auf den Mißbrauch aufmerksam zu machen, den man von ihrem hocherzigen Sinne in der Ferne machen kann. Graf Capodistrias bcsaß allerdings großen Ehrgeiz; dieser ward aber in Griechen- land zur Vaterlandsliebe und Hingebung, die um so aufrichtiger waren, als er allein im Stande war, die Bedürfnisse des Lan- des zu begreifen und es vor der Anarchie zit retten. Er re- gierte es, wie er regieren zu müssen glaubte, indem er un- ermüdet zu Gunsten der Massen gegen die Anmaßungen einiger Familien und Jndividuen kämpfte. Die Aristokratie, die nur nach Privilegien für sl< und nach Unterdrückung des Vol-

fes dürstet, hat ihn unter dem Vorwande der Freiheit arate

Die Englische Politik unterstüßte seine Feinde, denn England fürchtete nichts so sehr, wie die Konsolidirung und Macht des Griechishen Staats. Ohne Zweifel hat Graf Capodistrias manche Juteressen und namentlich manche Ansprüche verleßt, 1- dem er die Massen, auf die allein er sich stüßte, emancipiren wollte. Aber was für Futeressen und Ansprüche waren ihm ent- gegen! Ju einem Lande, das noch unlängst in tiefer Sklaverei gejcmachtet hatte, mußte er ost despotische Formen und Maaßregeln anwaiden, aber man berü>sihtige die Umstände und seine Absichten. Der Préfident von Griechenland lebte von seinen eigenen Ein: fúumsten unò hat den Sparpfennig der Wittwe nie in Pomp und Repräsentation vers<hwendet, noch einen seiner fkostvaren Augen- blicée der Etiquette aufgeopfert. Um den Muth seiner Moörder in sein rechtes Licht zu stellen, bemerke ih, daß er sih ne mit Machen umgab, oder andere Vorsichtsmaaßregelu traf. Fch dabe ihn Morea durchreisen schen, und wie er, nur von einigen Civilbeamten begleitet, sih durch Massen bewaffneter Menschen durchdräugte; oft war ih gegen seine Politif mußtrauish, da er Chef einer fremden Regierung war, aber seinem edlen Bench- men und seinen hohea E aua muß ich volle Gerechtigkeit wis derfabren lassen. ‘‘ :

Die Quotidienne giebt in einem Schreiben aus Edim-

burg vom 10. Okt. folgende Notizen tver die Erziehung des Herzogs v. Bordeaux: Früh von 64 bis 84. Uhr Unterricht in der Französischen Grammatik und in der Deutschen Sprache ; eine Viertelstunde für. das Frühftück; hierauf Lateinaischer Unter- richt bis 92 Uhrz- der Prinz hat das Stadium dieser Sprache ersi im Fanuar 1829 angefangen und explicirt bereits den Câ- sar: dann macht er der Königl. Familie einen halbstündigen Besuch und übt s< hierauf im Schießen mit der Pistole, worin er bereits große Fertigkeit erlangt hat. Von 11—12 Uhr Un- terricbt in der Universalgeschicbte und schriftliche Analyse des in den Frubstunden Gelernteu. Um 12 Uhr zweites Frühftück, um 9 Ur Reit- uud Fecht -Uebungen, mit Seebädern und Spa- ziergängen abwechselnd; um 4 Uhr, einen Tag um den anderen abwechselnd, Zeichnen und Geogrvphie; um“ 5 Uhr Englische Sprache; um 6 Uhr Mittagsmahl, nach demseiben Erholung im Salon; um $4 Uhr Abendgebet, dem die Königl. Familie bisweilen beiwohnt.

Der Verfasser eines Gedichtes, worin die Hoffnung ausge- \prochen wurde, daß der Herzog von Bordeaux einst nah Frank: re:< zucüc>fehren und als König herrschen werde, Herr Léonce de Lacomté, so wie der Redacteur der Gazette du Languedoc, der

dieses Gedicht aufgenommen hatte, sind von den Assisen des |

Devartements des Gers von der Anklage, die Throufolge : Ord- nung angegriffen zu haben, freigesprochen worden.

Der Mexikanishe General Negrete befindet sl{< in Havre mud wilt sich hierher begeben. Aus Mexiko vertrieben, hatte er si< zunächst una< den Vereinigten Staaten zurückgezogen; er geiießt vou der Mexikanischen Regierung eine Pension von 15,000 Fc.

Die hiesigen Vühnendichter versammelten si< vorgestern im Winter - Tivoli, um eine Protestation gegen die neulich von der Regierung ausgeubte Theater-Eensur zu unterzeihneu. Die Ver- sammlung war-aber nicht sehr zahlreich. s

Von Victor wixd nächstens ein Band neuer Poesicen „die Herbstblumen““ betitelt, erscheinen.

Großhritanien und Frland.

London, 3. Nov. Der König traf gestern Nachmittaz

gegen 2. Uhr von Brighton im St. James-Palaft ein, Um

3 Uhr hielten Se, Maj, Eour und práftdirten . fpäter einer St- heimerath6:Sibßtung, woria nachstehende Pecoclamation beschlossen und eine Belohuung von 1000 Pfd. Sterling auf die Entdek- fung der Anstifter der Unruhen in Bristol, Nottingham, u. #. w. geseßt wurde. A

„Proclamation des Königs. William Rex. Jn Be- tracht, daß in verschtedenen Theilen von Großbritanien , besonders an den Orten Derby und Nottingham und in der Stadt Bristol, aufrührerishe Volks- Versammlungen stattgefunden haben und Ge- waltthätigfeiten der allerheftigsten Art sowohl gegen Personen als Eigenthum verschiedener Unserer Unterthanen begangen worden sind; in Betracht, daß alle Schranken des Geseßes und der Ordnung durch jene zúügellosen Massen umgesiürzt und mit Füßen getreten, Privat=- häuser mit Gewalt erstürmt, geplündert und in Brand geste>t , die gewdhnlichen Gerechtigkeits-Verhandlungen geroaltsam unterbrochen, die Kriminal - Gefängnisse erbrochen und zersidrt Uebelthäter und Verbrecher in Freiheit geseßt worden sind, zum größten Nachtheil und zur größten Gefahr für das allgemeine Wohl und zum Umsturz der bestehenden Regierung; in Betracht, daß dîe Wohlfahrt und das Glü aller Nationen, nächst dem Schuße der gbttlichen Vorsehung, allein von der Befolgung und von der Macht der Geseße abhängt; in Betracht endlich, daß es Unser fester Entschluß ist, die Uns auf- erlegte Pslicht, den dentlichen Frieden zu behuten, und die Gewalt, welche Wir zum Schuße aller Unserer Unterthanen besigen, sreng auszuüben, getreu zu erfüllen, und daß Wir daher entschlossen stnd, die oben erwähnten boshaften und shändlichen Handlungen zu uit- terdrú>en haben Wir es nah der Ansicht Unseres Geheimen- Rathes für angemessen erachtet, diese Unsere Königliche Proclama- tion zu erlassen, wodur<h Wir alle Unsere getreuen Un- terthanen feierlih| warnen, gegen jeden Versuch, das Gesecß zu verleßen , auf ihrer Hut zu seyn und si jeder Handlung zu ent- halten, welche mit dem Frieden und der gesellschaftlichen Ordnung unverträglich isi. Wir befehlen hierdurch allen Sherisfs, Fricdens- rihtern, oberen Magistratspersonen von Städten, Burgfle>en und Corporationen und Überhaupt allen Magistratspersonen în Groß- britanien, auf eine wirksame Weise alle Tumulte, Aufstände, Ge- waltthätigkeiten und Friedengbrüche in thren resp. Gerichtsbezirken zu unterdrü>en und sogleich sorgfältige Untersuchungen anzustellen, um die Anstifter und Verúber der oben erwahnten aufrührerischen und \{ändlichen Handlungen zu entde>en und vor Gericht zu stel- len. Ferner ermahnen, verpflichten und befehlen Wir allen Unseren getreuen Unterthanen von jedem Rang und Stand ernstlich und feierli, bei dem ersten Anschein oder der ersten Befürchtung ähnli- cher Auftritte, wie die oben erwähnten, aufzutreten, wle es ihre Pflicht gegen Uns , ihre Rücksicht für das c E Fn- teresse und die Schuldigkeit gegen das Gescß verlangt, . indem sie dur< thätige Untersiüßung und wirksamen Beistand den Behörden beistehen, dem Geseß gegen die Uedelthäter Ansehen zu verschaffen und ihre iges in dem Genuß ihres Eigenthums und în der Ausübung threr Rechte gegen icden gewaltsamen, unge- seßlichen und unconstitutionnellen Angriff zu beschüßen. Gegeben an Unserem Hofe im St. Fames-Palast, am 2ten Tage des Novem=- bers 1831 und im 2ten Fahre Unserer Regterung.// s

Unmittelbac nah der Geheimeraths-Sißung kehrte der Kö- nig na< Brighton zurü>, —- Die Kabinets - Miuister versam- melten sl{< in der Wohnung des Grafen Grey in Downing- Street und hielten daselbst einen Kabinets-Rath.

Der Prinz Friedrih von Würtemberg ist wieder hier einge- troffen. Se. Königl, Hoheit, der Herzog von Sussex, hat die in der Nähe von Maidstone gelegene ehemalige Besizung WBilliam Penn?s, des Gründers von Penshlvanien, getauft. :

Der Prásident der Handels-Kammer, Herr Powlet Thoms- son, ist nah Frankreich abgereist, VBorgestecn ift hier ein Cou- rier ats Brüssel mit der NaGricht angelangt, daß die Belgische Repräsentanten-Kammer die Friedens-Beschlüsse der Konferenz angenomnien habe. i

Unser nah der Schelde gesandtes Geschwader ist, nachdem es von einem Sturm überfallen worden, zum größten Theile na< den Dünen zucücfzekehrt, Ein Schreiben aus Deal vom 2ten d. M. enthält darüber Folgendes: „Gestern Abends sind hier von dem Geschwader aus der Nordsee die Fregatte „„Juo- gene‘/ und die Korvette „Tweed‘/ und heute die Fregatten ,„Cu- racao‘, „Galathea‘“, „Tribune‘’ und „Stag“, so wie die Brigg „„Brisk‘/, angekommen. Die Flotte hatte, ais sie der Holläudi- \{hen Küste sh näherte, einen {weren Sturm zu bestchen, in Folge desen der Admical signalisirte, daß jedes Fahrzeug für sl selbft zu sorgen habe und nach dem Sammelplaß in den Dünen zurücffehren folle. Die drei Linienschiffe und der úübrize Theil des Geschwaders liegen vor dem Galioper-Light vor Anfer, wo- hin heute Mittag die Brigg „„Oxyn‘““ mit Depeschen füc deu Contre-Admiral’ Warren abgegangeu ist.‘

Vorgestern ecschien Sir Charles Wetherell zum ersten Male wieder im Gerichtshofe des Vice - Kanziers und empfing daselbft die Glückwünsche seiner Freunde wegen seiner wunderbaren Ret- tung in Bristol. Es heißt, daß eine Special- Kommission dahin gesandt werden wird, um den Anfrährern den Prozeß zu machen,

Ein „in der Times enthaltenes Schreiben aus Bristol vom gestrigen Tage spricht sih zunächst gegen die Meinung aus, daß dem dortigen Aufruhr irgend eine prämeditirte Absicht zum Geunde gelegen habe; derselbe sey vielmehr vur durch die tun: zeitige Aukunst des Sir Ch. Wethereli, der sich durch seine im Unterhause geschehenen Acußecungen in Bezug auf Bristol ver: haßt gemacht habe, veraulaßt worden. „„Jebt‘“, heißt es weiter in diesem Schreiben , „scheinen die Einwohuer wie von einem grausenhaftei Tranme zu erwachen. Sie fragen sich, wie es möglich seh, daß solche Dinge vorgehen kounten, und Schaa und Aerger verwischen fast den Eindinck, den die fürchterlichen Ereignisse zurückgela}en habeu. Ju der That is es kaum zu begreifen, wie es einem Häuflein unerwaczsener Bösewichte, be-

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| trunfener Hafen - Arbeiter und liederlicher Weidsdilder gelingen fonnte, solche teuflische Ausschweistungen zu begehen, bei denen | so viele Menschen das Leben ecinbüßten und mindestens 400,000 Pfd. Sterl. an Eigenthum verloren gingen, und die einen Schat- ten auf die moralis<e Würde der Englischen Nation werfen, deren döchster Stolz diese Würde immer gewesen ist, Die ge- wöhnliche Orts - Polizei würde, wenn sie mit Verstand geleitet worden wäre, im Stande gewesen sehn, einen fürchterlichereu Tumalt als den zu unterdrücken, der so \{re>lic<he Folgen ge- habt hat, Das Gesindel, von welchem das Grafschasts-Gefäug- niß angegriffen wurde, bestand kaum aus 100 Personen, die noch dazu größtemheils unerwahsen waren. Selbst da, wo die Ver- wüsiungen am größten gewesen, waren die Plünderer nicht im Stande, einem gut geleiteten Angriffe langen Widerstand zu lei- sten. Hätten die Konstablers beim Rathhause, statt in den Pöo- bel umer Weise einzudringen und ihn zu erbittern, eine feste gebieterishe Stellung eingenommen, so würde au<, wie man allgemein glaubt, die öffentlihe Rude nicht weiter gestört wor- den sehn. Der Mayor, dem in dieser Hinsicht sehr viele Vorwürfe gemacht werden, is von der Bristoler Handels - Kam- mer aufgefordert worden, si< zu rechtfertigen. Von dem gestoh- lenen Gute ift der größte Theil schon wieder herbeigescha}t und auf der Börse deponirt worden. Unter den der Theiinahme an der Plünderrng verdächtigen Einwohnern befindet sih uicht Einer,

der eine Wohnung von 10 Bfd, jährlicher Miethe besiyt, Aus

Eondon ift ein General angelangt, der jeyt das Militaire-Kommany in Bristol führt. Außer den Linien-Truppen befinden si daselbi auch vier Detaschements der reitenden Yeomanry von Somersy shire. —* Der Verlust an Häusern allein, den die Stadt erlitty hat, wird auf 300,000 Pjund geshägt. Der Brand wurde h einer Entfernung von 30 (Engl.) Meilen deutlih gesehen. ( nahm dur< den unglücklichen Ümfland überhand, daß ein großy Spiritus - Lager in Flammen gerieth, so daß Ströme glühendy Lohe dur die Straßen wogten. Unter den Theilnehmern q diesen Gráuelscenen befindet si<, so viel man weiß, -Nieman der mir irgend zu deu besseren Klassen gezählt werden könnte allein das rohe Gesindel wird noch eine Zeit lang im Zaum halten werden müssen, da es gedroht hat, die Ratcliffe - Kir und das Haus des Predigers Wish, emes Anti: Reformers, jy verbrennen. Während der Unruhen wurde übrigens fein Unte schied zwischeu Neformers und Anti- Neformers gemacht. Unty dem Pöbel befanden sich Brandftifter, die ziemlich- weit herz fommen waren.

Am 1. Nov. hielt Hr. Hunt seinen Einzug in Manchesti, Er würde {hon eine Meile vor der Stadt von einer großy Menge Volkes, ledigli< aus den niedrigsten Klassen bestehend empfangen, unter deren Geleize und Geschrei er in die Stqj einzog. Von den anstándig gekleideten Leuten auf den Strasy wurde er mit Zeichen der Verachtung und des Mißfallens ay, genommen, Auf dem großen Plaß angekommen, bestieg Huy ein daselbst errihtetes Gerüst, um den Pöbel zu haranguiren, ( begann seine Rede mit den Worten: „Jch fange damit au, di Lebehoh's vorzuschlagen ; nicht sür den König, nicht für die i nigin, nicht für die Torys, nicht für die Whigs, nicht für tj Bischöfe sondern für das Volk!‘/ Dieser Eingang fa bei seinen Zuhörern großen Beifall, welche die in Anti gebrachten Lebeho<hs mit bedeutendem Geräusch exefutirten, Nachdem die Ruhe einigermaßen wieder hergestellt war , seh Hunt seine Rede fort und ergoß sich in die bittersten Klagi über das Ministerium und über die Reform-Vill, welche lestet, seiner Ansicht uach, dea arbeitenden Klassen auch uicht den ally geringsten Vortheil gewähre. Die Londoner Zeitungen ständen iy Solde der Whigs, und sle hätten größtentheils den besonderen Auf; trag, ihn (Hunt) anzugreifen, und dies aus feinem anderen Griemnd, als weil er sih der arbeitenden Klassen annehme, Da das Wi ter nicht sehr günstig war, so unterbrach si<h Hunt mitten in sein Rede und sagte: „Da die guten Parlaments-Mitglieder rar sind, | seße i< meinen Hut auf, um mich nicht zu erfälten.‘/ Schließ li tadelte der Reduer no< Herrn O’Connell, daß er ein Ant angenommen habe, fonmnte aber des hierbei entstehenden lauty und allgemeinen Gemurces halber diesen Gegenstand nicht au führlicher erörtern, souderu fand si lieber veranlaßt, zu erflären, daß er eigentli Herrn O’Connell nicht so sehr tadele, indi derselbe vielleicht glaube, in seiner neuen Lage dem Lande besset Dienste leisten zu können. Die Masse geleitete hierauf du Herrn Hunt na< seiner Wohnung und ging daun ruhig au einander, i

Der für die Stadt London ernannte Gesundheits-Rath hat verschiedene Anordnungen iu Bezug auf bessere Reinigung det Straßen und Lüftung dec Häuser erlassen. Die Kirchspiels Beamten werden aufgefordert, dazu beizutragen, daß sich in Volke keine ungegründete Besorgnisse verbreiten, indem di Gesundheits-Zustand in der Stadt nach wie vor gut seh.

Niederlande.

Aus dem Haag, 6. Nov. Ju der gestrigen öffentlich Sitzung der zweiten Kammer der Generalftaaten ift nichts yy allgemeinein Interesse verhandelt worden. Ein neues Mitgli Hr. Boddaert, wurde vereidigt, und mehrere Bittschriften g gen einige im Budget voryeschlagene Steuern kamen zu Bortrage. :

Vom Septentber 1830 bis zu demselben Monat des lau fenden Jahres hat die ordeuntlite Staats-Einnahme 286,463 F 261 Cts. weniger, die außerordentlihe aber 336,527 Fl 981 Cts, mehr betragen, als im Budget veranschlagt wo den tvar.

Nach dem an der diesseitigen G-änze von Nord - Brabai gelegenen Dorse Neusel sind dieser Tage einige Belgische Uhlz uen gckommen, nachdem sie si<h überzeugt hatten, daß keine Hel lánder dort lägen. Sie ließen sh Einiges dort reichen und gin gen dan wieder ab.

Sämmtliche vor kurzem abgesegelte Niederländische Kriegb chiffe sind nun nah Vliessingen zurückgekehrt. Diese Festun die nächstens eine Besaßung von 4—5000 Mann’ erhalten with wird von allen Seiten bedeutend verstärkt und mit schweren Öt schüßen versehen.

Brüssel, 5. Nov. Durch eine Königl, Verfügung voll 92ten d. ist an mehreren Orten die Errichtung von Gesundheitb Kommissionen angeordnet worden. L

Der Belgische Moniteur enthält Betrachtungen übt den politischen Zustand Europa?s und sucht zu erweisen, daß grlindete Auéesicht zur Erhaltung des allgemeinen Friedens v handen sey, Am Schlusse dieser Betrachtungen heißt es: „Un au Belgien ist gezwungen worden, Opfer zu bringen, den edel: sten Gesinnungen Stillschweigen aufzuerlegen und lästigen Bt dingungen seine Zustimmung zu ertheilen, Die Konferenz h von uns, im Jnteresse von Europa, welches um jeden Preis d bestehenden Ungewißheit ein Ende machen will, die Annahi! eines Friedens- Traktats verlangt, dessen Artike! sie diktirt hat, W haben einiges Recht, uns zu beklagen; denn wir erfenuen die Ant fennung theuer, welche uns die Mächte zusichern. Aber es galt del Frieden, es galt selbst die Existenz Belgiens und so haden wir un einer traucizen Nothwendigkeit fügen müssen. Aber die Opfth denen wir uns munterzogen haben, sind ein Beweggrund meh um die Regierung anzuregen, den Weg ausgedehnter Berbesst rungen einzuschlagen, damit jene Opfer weuiger auf uns lasitl Darauf muß jevt die öffentliche Ausmerksamfkeit und die Thätiß keit der Regierung gerichtet seyn. Die Presse muß es fich besonders angelegen seyn lassen, alle gemeinnüßliche MaaßregtW zu bezeichnen und auf deren Ausführung zu dringen. Das langend, was die Konferenz in Bezug auf unsere auswáärtigt! Verhältnisse festgeseyt hat, so beschäftigt besonders die Frage gen der Abzugswege die meisten Gemüther. Man fürchtet di Hindernisse, welhe,- wie man glaubt, Holland unserer fommtl ziellen Eutwicelung entgegenftellen wird. Wenn man aber bt denkt, daß die Mächte, die deu Frieden erhalten wollen, ein Jl teresse dabei haben, in Belgien keinen Keim des Mißvergn! geus bestehen zu lassen, welcher früher oder später einen Au bruch herbeiführen müßte, der neue Europäische Unruhen vel anlassen könnte, so muß man au< annehmen, daß d Mächte si nicht darauf bes{hränken werden , den Friedens: Trak tat s{riftli<h zu Fatantirh, sondern auch für die strenge Ausfll rung desselben Sorge tragen werdeu. Und übrigens ist unse! Haudel für Deutschland so vortheilhaft, daß wir seiner aufrit! gen Mitivirkung bei dieser Gelegenheit versichert seyn können, U

¿ Zukunft. ift ia der That nicht ss bedenklich, als man fl< ein Zergnugen daraus gemacht hat, sie zu verkünden; man wird anche trübe Prophezeinng zurücknehmen missen. Wenn die Regierung sih dem ihr gewordenen Auftrag gewachsen zeigt; wenn e h es beständig angelegen seyn läßt, dem Lande die materiel- n Verbesserungen zu verschaffen, welche seine Lage erfordert ; enn glle Bürger ihre Zwistigkeiten aufgeben und si{< zu einem inzigen Zwecke, das Wohl des Vaterlandes zu besördern, verei- jgen, so fann Belgien no< glückliche Tage erleben.“

Am 28sten v. M. haben in Antoing, im Distrikt Tournat,

Biderseglichfeiten gegen die öffentliche Gewalt stattgefunden. im Tage, wo die Ziehung durch das Loos zun 1sten Aufgebot er Bürgergarde stattfinden sollte, bildete si< gegen 9 Uhr Mor- ens ein zazlreicher Haufe vor einem der Säle des Stadthau- ¿ und beklagte sih laut über die Ungerechtigfkeiten, welche bei ix Ziehung, und namentlich bei der Ausmusterung, stattfänden. 18 die Geudarmerie si< näherte, um den Haufen zu zerstreuen, hurde sle von allen Seiten mit Steinwürfen empfangen, und vei Gendarmen tourden, gefährlich verwundet, zu Boden ge- ect, Der Magistrat befahl nun den Truppen, anzugreifen, und die Ruhestörer wurden darauf, nachdem Einer von ihuen ge- dtet und Mehrere verwundet wordeu waren, auseinanderge- eben. Auch in Gilly, im Distrikt von Charleroi, sind ernsi- <e Unruhen vorgefallen. Das Bolk wollte daselbst den Zie- ungssaal ftürmen, und hatte ein Theil der Bürgergarde zu dem ude gemeinschaftliche Sache m1t ihm gemacht. Nur mit vieler fsirengang gelang es der Gendarmerie, die Ruhe wieder her- ellen. f Einem unverbürgten und nicht wahrscheinlichen Gerüchte zu- lge, hätte das Haus Rothschild der Belgischen Regierung an- eboten, eine Anleihe mit ihr zu 80 pCt, abzuschließen, Man (gt, daß in diesem Fall die Obligationen der gezwungenen An- jje von 12 Millionen bei den Abgaben von 1832 an Zah- ngsfiatt angenommen twerden würden,

Der General Belliard und Hr. van de Weyer haben gestern nterredungen mit dem Könige gehabt.

Gent, 4. Nov. Das Bataillon der Lütticher Bürger ßarde, weiches bisher fasernirt war, ist heute in die neue Cita- elle verlegt worden.

Es scheint, daß die Maaßregel, eine Armen - Taxe aufzule- n, von unserem Magistrat gänzlih aufgegeben worden ist. Nan hat, um den zahlreihen Nothleidenden zu Hülfe zu fkom- en, zu einem geseßmäßigeren Mittel seine Zuflucht genonimen. je Mitglieder des Wohlthätigkeits - Bureaus werden heute in Begleitung einiger Geistlichen von Haus zu Haus gehen, um ntershriften zu freiwilligen Beiträgen einzusammeln.

Dent land,

München, 6. Nov. Auch die Bürgershaft von Wasser- rg hat, nah dem Beispiele der hiesigen und anderer Stadt- meinden des Königreichs, Sr. Majestat dem Konige die Ge- nungen treuer Ecgebenheit in einer besonderen Adresse darge- (t, au deren Schlusse es heißt: „Mögen auch Manche, nit Fchmerzen - sagen wir es, den Beispielen aus der Ferne huldi- n und nicht so ganz im Sinne des getreuen Baierschen Volz 6 denken, reden und handeln, wir Bürger Wasserburgs werden 4 vom Ungeftüm der Zeit nicht hinre:ßen lassen, uns ift die llrhöchfie Person Eurer Königl. Majestät und das bestehende dw in jeder Beziehung heilig und unverlebli<. Unerschütter- h in der Liebe, Trene und Anhänglichkeit an Eure Königliche \ajestát und fest im Vertrauen an die erprobte Weisheit unse- r Regierung, erfkenneu wir die getroffenen und zu treffenden erfügungen, als aus dem besten Herzen fließend, ohne Partei - d Selbstsucht an, jeder ieiseste Wink Eurer Königl. Majestät, eher nur zu unserem Besten führen kann, wird uns über dshwüre seyn; den ausgesprochenen Grundsaß einer weisen Fparsamfeit empfangen wir jedo< ohne Beschränkung der llerhböchsten Person im Wohlthun und im Glanze des Hofes d des Staates mit ewigen Danke, und in der nach den stehenden Staats - Grundgeseyen geregelten Freiheit der Mei- ugen wollen wir leben und wirken, Obgleich gering an Rahl, h den Bürgern der Haupistadt an Fürst - und Vaterlandsliebe iht nachstehend, bitten wir, uns AllerhuldvoUst denselben an- reihen und uns mit diesen als die beharrlichen Verfechter Baierns sendjährigen Throns Allergnädigst anzuerkennen.“

Jn der gestrigen Siyung der Kammer der Abgeor d- eten begann die Berathung úÚber die Anträge, die Verhältnisse t israelitischen Glaubensgenossen betreffeud. Alle Redner, ohne idnahme, sprachen sich sür die Aufhebung der Ausuahmegeseßve gen die Juden aus, welche die nämlichen Pflichten und Lasten, ie die anderen Staatsbürger, trügen; es müsse daher der in

Verfassung ausgesprochene Grundsab : „Gieichheit vor dem jeep‘‘, auf sle angewendet werden. Die mosaischen Geseße hin rein, gut und moralis< und der Meineid mit den groß- 1 Strafen bedroht. Die Juden seyen zu der Zeit ihrer Selbsi- indigfeit ein gewerbfleißiges, tapferes Voik gewesen. Die bere, hartnä>ige Vertheidigung von Jerusalem seh mit der in Saragossa zu vergleichen, Die Uederlegenheit im Handel ihre daher, weil sie fein Eigenthum erwerben fönnten, mithin t Vermögen beständig disponibel in der Tasche hätten. Man ll ihnen die Zersplitterung erlauben, indem man thnen die An- \sigmachung ecleichtere, so wie den Ankauf von Grund- Eigen- um, Dadurch, und wenn man sle unbedingt emancipirt, werde t Schacherhandel, welchen fle so häufig trieben, immer mehr nehmen. Ein Volk, das seit 1800 Jahren heimathlos herum- t, überall unter dem größten Druck lebe, müsse, in morali- her Hinsicht, tief sinken. Um gleicher Ursachen willen mache an den Chriften im Orient die nämlichen Vorwürfe, weiche it die Juden erduldeten. Jun Frankreich, wo sle alle staats: irgerlihe Rechte genössen, habe der Minister den israelitischen laubensgehossen öffentlich das s{önfte Zeugniß gegeben. Jhre tligion soll fernerhin niht mehr, wie bisher, ihnen zum Fluch tien. Nach Beendigung der Debatten faßte die Kammer zenden Beschluß: „Se. Majestät den König im versassungs- ogen Wege zu bitten, vor Allem eine genaue Revision der der die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen bestehenden ttordnungen vornehmen und den Entwurf eines auf Beseiti- ug der gegründeten Beschwerden der Judenschaft und die Er- ihterung ihrer biéherigen bürgerlihen Verhältnisse zielenden Ge- kes den Ständen des Reichs vorlegen zu lassen. ‘“

Kassel, 8. Nov. Der am 5ten d. M. von dem Land- 96: Commissair der Stáude : Versammlung vorgelegte, Entwurf ner allgemeinen Städie- und Gemeinde - Ordnung für Kurhes- | besteht aus drei Büchern und 182 Paragraphen. Das erfte

Puch, welches allgemeine Bestimmungen enthält, ist in vier Ab-

\uitte getheilt. Der erste Abschnitt begreift die Grundlagen

Gemeinde: Verfassung. Jede Gemeinde soll neben der vorlie- uden Gemeinde-Ordnung Statuten erhalten, welche die genaue îistellung aller Punkte, hinsihtlih deren im Geseye Verschie- nheiten innerhalb gewisser Gränzen nachgelassen sind, oder hin-

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fihtlih beren guf die Statuten vexrolesen ift, umfassen und ine soweit bloß der Bestätigrung der Negierung bedürfen; ausnahms« weise können die Statuten auch Abweichungen von dem Gesetze enthalten und bedürfen alsdann der mit Zustimmung der Land- stände erfolgenden landesherrlichen Bestätigung. Der zweite Ad- schnitt handelt von der Bildung der Gemeinden und deren Um- fang. Jeder Theil des Landes, mit Einschluß der Domainen - und Rittergüter u. #. w., muß zu dem Bezick einer Gemeinde gehoren, Der dritte Abschnitt handelt von den Mitgliedern der Gemeinden. Ulle selbstständige, in: der Gemarkung Wohnsiz- re<t habende Personen sind Gemeinde - Glieder uad haben ent- weder 1) bloß Einwohner-Recht, oder 2) Beisiß- Recht, oder Z) in den Städten Bürger- Necht, so wie in den Dörfern Nach- bar-Recht. Jedes neue Gemeiude:-Glied muß iu der Negel ein in den Statuten jeder Gemeinde mögli<st gering zu bestimmen- des Einzugs-Geld entrichten, Der 4te Abschnitt spricht von der Ober- Aufsicht des Staats, Ueber „diejenigen Leistungen, welche zurn Zwecke der, der Leitung und Fürsorge der Staats - Negie- rung unterliegenden, öffentlichen und slch zuglei<h als örtlih dar- stellenden Einrichtungen, namentlich des Kirchen-, Unterrichts -, Aimen- und Polizei-Wesens, erforderlich sind‘““, wird in beson: déren Gesezen das Nvothige angeordnet werden; bis dahin aber bleiben die bigherigen Geseße nund Einrichtungen in Kraft. Das Genmieinde-BVermoögen if den Staats - Kassen gegenüber als Pri- vat - Vermögen zu betrachten und darf in feinem Falle als Staatsgut behandelt oder unter die unmittelbare Verwaltung der Staats:Behörden gezogen werden. Das zweite Buch ($$. 37 bis 130.) enthält die Städte-Ordnung. Der erste Abschnitt der- selben handelt von den Mitgliedern der Stadt-Gemeinden, deren Nechten und Pflichten. Der $. 37. lautet: „Nur Bürger dür- fen in den Städteu a) ein zunftiges Gewerbe, oder Bierbraue- rei, oder Branntweinbrennerei, oder Handel irgend einer Art, mit Ausnahme des Crödel- und Höker- Handels, oder Wechsel: Geschäfte, oder eine Fabrik, oder Gastwirthschaft betreiben; h) an dec Wahl der Stadtraths-Glieder und des Vürger- Ausschusses Theil nehmen, oder als solche gewählt werden. Der Jnnbegriff aller dieser Besugnisse macht das volle Bürger-Recht aus; der Verlust der unter b, genannten beschcänft es auf das Minder: volle.‘ Jm $. 40. werden von dem Ecwerbe des Bürger-:Rechts diejenigen ausgeschlossen, tvelche entweder nah $, 67. der Ver: fassungs:Urkunde nicht bei den Laudtags-Wahlen konkurriren kön- nen (wegen entehrender Vergehen, Kuratel und Konkurs; nur das Alter is statt des Z0ften Jahres auf die Volljährigfkeit ge- seyt), oder einen ansiößigen Levenswandel führen.

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Neapel, 21, Oft, Die neueste Zeitung von Palermo enthält folgenden offiziellen Artikel: „Palermo, 13. Oft. 1831. Die ganze Bevölkerung dieser Hauptstadt, in ihrer gewöhnlichen Ruhe gestört, am Leben und in ihren Glücksgütern bedroht und getroffen von der {weren Beleidigung, zu einer s{himpfli<en Unordnung aufgefordert worden zu seyn, war äußerst begierig, die Urheber des unsinnigen Attentats am Abend des erften Sep- tembers zu kennen, und beobachtete mit einer ganz ungewöhnli- <en Ungeduld die Schritte der Polizei, Dieser aher war es chon, bevor no< ein Monat verging, geiungen, beinahe alle die- jenigen zu entde>en und der bewaffneten Macht zu überlie- fern, auf welche die offentliche Aufmerksamkeit in dieser Hin- sicht gerichtet war. Dec Commissait Tamajo, in seiner Eigen- {aft als Beamter der gerichtlichen Polizei, unermüdli<h unter den Augen des General - Direktors derselben arbeitend, sam- melte die Beweise ein und suchte die Fäden des ver- rätherishen Gespinmustes zu entwirren. Dreißig Individuen befauden si< s{hon in den Händen der Jufiiz, mit Jn- begriff von fünf derselben, die der Mitwissenshafst des Ber- brechens und eines firäflichen Stillschweigens darüber bes<ul- digt waren. Audere fünf, in starkem Verdachte begriffen, hiel- ten si no< verborgen, und fecaere se{<s, gegen die man noch feine so flare Anzeigen hatte, um fie den Gerichten zu tiber antworten, verblieben in polizeiliher Haft, zur Vervollständigung der schon angefangeuen Untersuchung. FJndem si<h nun die Sa- hen in diesem Zustande befanden, hat Se. Königl. Hoheit der Prinz Statthalter, von der ihm von Sr. Majestät ertheilten Machtvollkommenheit Gebrau machend, dur< einen Beschluß vom Zten d., mit Beiziehung des General-Prokurators des Kö- nigs beim hiesigen großen Civil-Gerichtshofe, als Gerichts-Per- son, eine- Militair-Kommissilon ernannt, um die als Theilnehmer der Unordnungen vom 1. Sept. Beschuldigten zu richten, und zugleich die Kompetenz der Kommisston zu diesem Behufe aus- gesprochen, Hierauf sind derselben schon am ten d. die zahlrei- <en Aften des hierüber von dem genannten Commissair instruir- ten Prozesses übergeben und die 36 Individuen, von denen 30 in gerichtlicher Haft sich befinden, zu deren Verfügung gestellt worden, und sle beschäftigt si< mm mit Eifer und Thätigkeit, die ihr auf- getragene Rechtsermittelung zu beendigen, Die Kon1mission ist folgendermaßen zusammengeseßt: Präsident: der Major von Bourcard, Berichterstatter: Hauptmann Patierno, Nichter: die Hauptleute Lepore und Pepe; ferner einige Subalternen, Zu Supplementarrichtern sind der Hauptmann Adessa, der Pr. Lieutenant de Montaud und der Sec, Lientenaut Messina ec- nanut.‘“ Die Lava des Vesuvs, die sich {on sehr vermin- dert hatte, hat na< einem ziemlich starken Ausbruche in der Nacht vom 15ten d. angefangen, wieder stärker zu fließen.

0-1 an D,

Berlin, 11. Nov. Aus Krefeld vom 3. d, M. wird ge- meldet: Gestern wurde uns das Glück zu Theil, unseren Durch: lauchtigsten General-Gouverneur, Se. Königl. Hoheit den Prin: zen Wilhelm von Preußen, mit Höchstdessen erhabener Familie in unserer Mitte zu sehen. Jhre Königl. Hoheit kamen um 6 Uhr Abends hier an, wurden von den hiesigen Beamten, der Geift- lichfeit und den angesehensten Einwohnern empfangen und er- laubten au, daß mehrere Damen und die Borfteherinnen des Frauen: Vereins vorgestellt wurden, Zu der Abendtafel geruhten Jhre Königl. Hoh. die Beamten, die Geistlichkeit und mehrere Vorgestellte zuzuziehen. Den heutigen Morgen widmeten Höchstdieseiben dem Se- henswürdigen unserer Stadt, Besondere Aufmerksamkeit schenk- ten die Höchsten Herrschaften den Seiden-Manufakturen und lie- ßen si<h mit den Einzelnheiten dieser fúr unsere Gegend so wich- tigen Fndustrie genau befanut machen. Nach einem Diner, wel- <es Jhce Königl. Hoheiten im Hause des Herrn Feiedrih von der Lehen anzunehmen geruht hatten, reisten Höchfidieselben ges gen 3 Uhr nah Köln zurü>. Während der leider so furzen Anwesenheit des Hohen Fürsteupaares fonute die ungünstige Wit- terung die Aeußerung der Freude, wie die der Anhänglichkeit an unser echabenes Königshaus, nicht zurückhalten ; Beleuchtung und Gesang begrüßten die Ankunst II. KK. HH., und Lebehoch be- gleitete jeden Jhrer Schritte. So gro der Ruf von wúrdevoller Herab: lassung war, welcher dem Höchsten Besuchevoranging, so kann do nur

berjenigé, fl< cinen Begriff von dem alle Herzon eluuehmendeg Besen dieser Fürstlichen Familie machen, Fm ihre pedlidende Náhe zu Theil geworden, Des Prinzen General:-Gouyerneurs Königl. Hoheit überzeugten si<, daß hier in jeder Brust ein wahchaft Preußisches Herz {lägt, und die gnädigen Aeußerun- gen über die Gesinnungen, welche Höchstsie dei unis angetroffen, find uns um so erfrerilier gewesen, weil wir das- Bewußtseyn hegen, zu unseres weisen und kcäftigen Königs treuesten und ers gebensten Unterthanen zu gehören. :

Die Versammlung des Vereins für Gewerbfleiß vom Monat November war hauptsächlich der Berathung über die Preis - Aufgaben fürs künftige Jahr gewidmet, Nächsttem fam zum Vortrage das Vermáchtniß des Hrn. Fabriken - Kom- missions- Raths Weber zur Gründung einer VBroughamfchen Schule; ein Vorschlag des Hrn. Professor Lehmus zur Confiruc- tion eines oberschlähtigen Wasserrades; der Vorschlag eines Un- genannten zur Gründung eines Actien- Vereins, um die Stahl- Fabrication der Grafshast Mark zu befördern; ein Schlußbericht der Abtheilung für Chemie über die unauslöschliche Tinte des Hrn. Markwordt ; eine Mittheilung des Hrn. Hof - Tischlers Se- vening über dichte Fenster, dur< ZJeichunngen und Modelle er- lántert ; eine Mittheilung des Hrn. Seiden: Fabrikanten Lehnerdt, einen Schüßen zum Eiutragen von Pferdehaar, Stroh, Fisc{- bein als Einschlag in Gewebe betreffend: eine Mittheilung des Hru, Hauptmanns Dye. Meyer, die Schwedischen Steipappen, so wie seine Abhandlung über die Fabrication und Brauchhar- keit eiserner und bronzener Geschüße betreffend: eine Mittheilung des Hrn. Grafen Henkel von Donnersmark übec die in Leipzig gegründete Handels:Lehr-Anstalt; des Professors Palmsiedt über die Geroerbeshule in Gothenburg. |

Aus Naumburg schreibt man: Der' vor.'einigen Mo- naten hier verstorbene Domherr von Ampach, der als Kunst- freund au< außerhalb Naumburg ges<hägt uúid gekannt war, hat in seinem Testamente verschiedene gemeinnüßige Legate ge- macht und unter Anderem einen Fonds von 1000 Thlr. zur Er- ri<tung eines Bürger : Rettungs - Vustituts ausgesckt. Ferner hat derselbe die Zinsen eines namhaften Kapitals zur Unterstüßung würdiger Dienstboten beflimmt, eine Summe von 1000 Thir. zur besseren Beleuchtung der Domfreiheit und eine andere Sum- me zur Fnftandsezung des Gottesackers für den genannten Tzeil der Stadt Naumburg angewiesen. Der städtishe Gottesacker ist bereits seit mehreren Fahren durch die Behörde sehr sceund- S I worden und eine wahre Verschönerung der

tadt.

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Cholera. Fu der Residenzstadt Berlin waren erfr. genes. gestorb, Weftand bis zum 10. Nov. Mittags 2091 695 1333 63 Hinzugek. bis zum 11. Nov, Mittags 8 8 5 58

Bis zum 11. Nov. Mittags Summa 2099 703 1338 58 Hierurter slnd vom Militair Z1 12 15 4 Fn ihren Wohnungen werden behandelt Z8 Personen, in den U Be 20, n Potsdam waren erkr. genes. geftorb. Weftand. j bis zum 5. Nov. 39 8 30 1 Hinzugek. vom 6. bis 9, Nov. 4 1

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darunter Militair 2 l. ;

In Königsberg waren erkrankt genesen gestorben Bestand bis zum 3, November 20288 773 1214 41 hinzugefk, am 4, : 8 1 4 44 8. Di - 12 i: 6 43

5 Summa 2048 781 1224 43 Ausbrüche der Cholera sind benierkt : i Regierungs-Bezirk Königsberg.

Landkreis Königsberg, in Heiligenwalde, Hohet-« hagen, Amalienhof und Friedrichsstcin bis zum 3. Nov. Kreis Gerdauen, in der Stadt Nordenburg am 1. Nov.

Regierungs-Bezirk Danzig. Kreis Berent, in Demlin am 28. Oft. ; Regterungs-Bezirk Bromberg. Kreis Wongrowiß, in Prusice und Briesen am 30. Okt. Regierungs-Bezirk Frankfurt.

Kreis Königsberg, in der Stadt Königsberg am 9. Nov. hn der Stadt Neuwedel hat die Cholera scit L 14. Oft. vollkommen aufgehört.

In St. Petersburg sind in den 4 Tagen vom 28. bis 31. Oft, 9 Pers. erkrankt, 11 genesen und 10 gestorben.

In Hamburg sind vom 8ten bis 9ten November 16 Per: sonen erkranft, 7 genesen und 3 gesiorben. Zu der (gestern mit- getheilten) Zahl der Tages verher erkrankten Jndividuen sind, nah der Börsenhalle, no< 6 hinzuzufügen, welche nachträglich angemeldet worden. Die Zahl särumtlicher bisher Erkranfteir ist demna 741, davon sind 213 genesen und 385 gestorben, 143 aber no< in ärztli<her Behandlung. ;

Im neuesten Blatte des Altonaer Merkur liest man Fol- gendes aus Altona vom 7. Nov. :

¿Wir erhalten cine Mittheilung aus Wandsbe> vom 6. Nov, in welcher ein a<tbarer Mann scine Stimme gleichfalls warnend gegen dke übertriebene Cholera- Furcht erhebt, die durch die Abweh- rungs- Mittel, zu denen sîc hier und da verleitet, verderblicher ge= worden sey, als die Krankheit selbs. Aus“ Mangel an Raum kdn- nen wir nur das Thatsächliche daraus anführen: „Ein ganzer Mo- nat is nunmehr verlaufen ,// heißt es in dem Aufsaße, „seit in Hamburg die Cholera ausbrach. Keinen Augenbli> hat der Verkehr zwischen unferem Orte und der großen Nachbar- stadt aufgehört. Ja, Dank sey es unseren Behdrden, auch nicht eine cinzige Vorkehrung, nicht eine einzige beschränkende Ver- fügung hat uns gendthigt, unsere Verbindungen aufzuheben, oder unsere Geschäfte anders zu besorgen, als in jener Zeit, wo die Stadt rü>si<tli< des Gesundhcits- Zusiandes für unverdächtig galt. Hun derte von Menschen kamen täglich zu uns beraus, Hunderte gingetii, fuhren, ritten von hier hinein. Milchkgrren und Wagen, theils von hier, theils aus den uns zunächst liegenden Ddrfern, durch: fuhren tagtäglih alle Quartiere, alle Straßen, verkauften in jedem Hause, wo ihre Waare Abnehmer fand. Wäscher, deren es bekannt- lich viele im Orte giebt, holten na< wie vor gange Fuder Leih=- wäsche heraus und lieferten sie gereinigt thren Kundleuten zurü>. Unsere Aerzte, die in Hamburg Cholera-Kranke besucht und berührt hatten , traten in derselben Kleidung ohne alle Vorkehrung in den Kreis ihrer Angehdrigen, ihrer Freunde und Patienten. Gleichwohl haben wir bei einer Bevölkerung von 3000 Seelen in reihli< 4 Wochen nur einen einzigen Cholera-Fall erlebt. Und selb dieser Fall, wo {war besondere Disposition und Diätfehler, aber keine Ge- meinschaft mit Erkrankten, sh na<hweisen läßt, muß die Fitrcht vor AnVC ra mindern, indem ni<ht nur sämmtliche Mitglieder der Fa-

milie vdll go und geblieben, sondern au<h Mobilken und sogai bas Bett des Versiorbenen ohne Nachtheile benußt worden sind. . Die-

1 Summa 40 9 31 - 1

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