1831 / 357 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

A R RATA D B E E E

L A R,

xufe, hinsihtlih der Kolonieen aber im 64sten Artikel bestimme, daß diese nah einer besonderen Geseßgebung verwaltet werden sollten. Mittlerweile -habe si< im Schoße der Kammer mehr als eine Stimme dahin ausgesprochen, daß man die Haupt- Kolonien Frankreichs ebenfalls in dieser Kammer vertreten lasse. Ein von der Regierung ernannter Ausschuß habe sih mit dieser wichtigen Frage sofort beschäftigt und sle nah einer reiflichen Erörterung verneinend gelöst, und zwar sowohl aus moralischen, als aus materiellen Gründen. Zu den erfteren gehöre der große Unterschied zwischen den Bewohnern der Kolonieen und des Mutterlandes, so wie die Unmöglichkeit, worin die Kolonial- Deputirten si< befinden würden, in der Wahl-Kammer den er- \orderlihen Kredit zu erlangen, um allen Bedürfnissen ihrer Kom- mittenten die gehörige Würdigung zu verschaffen. Zu den ma- teriellen Hindernissen re<ne die Kommission die große Entfer- nung der Kolonicen, namentlich derjenigen jenseits des Vorgebir- ges der guten Hoffnung, und die Möglichkeit eines Seekrieges, der auf lange Zeit jede Verbindung mit dem Mutterlande un- terbre<hen könne. Es würde hiernach, besonders bei einer Ausfls- sung der Kammer, unvermeidlich seyn, daß die Kolonial - Depu- tirten - erst in Frankrei anfämen, wenn ihr Mandat bereits er- loschen wäre; jedenfalls würden sle aber immer erst mehrere Mo- nate nach der Eróffuung der Session eintreffen können. Hierzu komme noch eine von Frankreich bereits gemachte schmerzliche Erfahrung, denn der Verlust von St. Domingo treffe ziemlich mit jener unglücklichen Epoche zusammen, ‘wo Kolonial - Deputirte in der National-Ver- sammlung und! späterhin im Konvente gesessen hätten. Aus allen diesen Gründen habe die Regierung keinen Anstand genom- men, jeden Gedanken an eine sol<he Vertretung der Kolonieen zurüczuweisen, und schlage statt dessen ein Shstem vor, das, indem es dem Mutterlande, die Abfassung aller derjenigen Ge- seße, die ein allgemeines Juteresse beträfen, vorbehalte, den Be: wohnern der Kolonieen den Vortheil gewähre, zu der ihnen eige- nen Geseßgebung nach billigen Grundsäßen mitzuwirken; einen solchen Mittelweg glaube die Regierung in der Einseßung eines Kolonial- Rathes mit Befugnissen, die von der Legislatur des Mutterlandes, so wie von der Königlichen Autorität, unabhängig wáren, gefunden. zu haben. Der Minister ging hierauf die ver- \<iedeneu Bestimmungen des aus 26 Artikeln bestehenden Ge- \ez-Eutwurfes dur<h und {loß sodann in folgender Weise: „„Die Regierung bedauert, daß sie Jhnen einen Geseg - Entwurf vorlégen- muß, der niht die Meinungen aller betheilig- tec Parteien in si{< vereinigt; sle glaubt inzwischen, daß ihre Arbeit alle diejenigen Vortheile darbietet, die man si{< un- ter den obwaltenden Umständen davon versprechen durfte. Wir verhehlen es uns nicht, daß die Kolonieen si in einer s{<wieri- gen und in jeder Beziehung kißlichen Lage befinden, waren aber der Meinung, daß man nit länger einen provisorischen Zustand fortbestehen lassen durfte, wodur< das Uebel vielleicht nur noch verschlimmert worden wäre. Jm Uebrigen tröstet uns die Ueber- zeugung, daß die Kammer in ihrer Weisheit bei der Erörterung der Kolonial-Geseßgebung all? die Behutsamkeit zeigen werde, die ein so zarter Gegenftand erheis<ht; auch re<nen wir auf den gu- ten Geist der Kolonieen, und nöthigenfalls auf die ¡Represfiv- Maaßregeln, die der Regierung gegen die Feinde der öffentlichen Ordnung zu Gebote stehen. Die Kolonieen sind für Franf- rei feinesweges gleichgültig; sle sind Glieder des gesell: schaftlichen Körpers, verschiedenartige, aber integrirende Theile des Landes. Lange ‘hat man sie als Quelien der Macht und des Staats - Vermögens, als wichtige Handelé- Yläye, als vorgeschobene Posten zu unserer Verbindung mit den (brigen Welttheilen betrachtet. Wöhl weiß ich, daß diese Ansich: ten heutiges Tages bestritten werden, und daß den Kolonieen auch ihrerseits der Mißkredit droht, der so wenig die Shsteme, als die Menschen verschont; wie groß indessen auch die Gleich: gültigfkeit für die Kolonieen seyn mag, so wird die Regiernng doch niemals vergessen, daß dieselben von einem durchaus Französisch gesinnten Volke, welches mit unauflöslichen Banden an- das Mutterland gekaüpft ist, bewohnt sind, und daß sonach die Pflicht erheischt, den überseeishen Franzosen, glei<h denen des Konti- nental-Gebiets, einen wirksamen Schuß zu verleihen. Die Ne- gierung hofft, ‘si< von dem Geiste der Gerechtigkeit, der die Kammern beseelt, eine unbedingte Zustimmung zu solchen An- sichten des Friedens und der Erhaltung versprechen zu dürfen; ia dieser Erwartung legt sie Jhnen den nachstehenden Ge- seß-Entwuxf vor,‘ Der Iste Titel des Entwurss han- delt von der Kolonial - Geseygebung und den Befugnissen des zu errichtenden Kolonial - Rathes; der Ilte von der Organisation des Kolonial-Rathes. Dieser soll für Martinique, Guadeloupe und Bourbon aus 30, für das Französische Guiana aber aus 16 Mitgliedern befiehen, die auf 5 Jahre gewählt wer- den und alljährli<h nur eine Seffion halten. Der 1Ulte Titel betrifft die Wahl- Kollegien. Um Wähler zu sehn, muß man das 25ste Fahr zurückgelegt haben, in der Kolonie geboren oder 10 Rahre in derselben ‘domicilirt sehn, der bürgerlichen und politishen Nechte genießeu und an direkten Steuern in Marti- uique und Guadeloupe 400 Fr., auf Bourbou 300 Fr., in Guiana aber 200 Fr. entrihten. Zum Mitgliede des Kolonial - Rathes kann jeder Wahlmann gewählt werden, der 30 Jahre alt is und in Martinique und Guadeloupe 800 Fr., auf Bourbon 600 Fr. und in Guiana 400 Fr. an direkten Steuern zahlt. Der IVte und leute Titel enthält diverse Bestimmungon. Namentlich sollen

die - Französischen Niederlassungen in Ostindien, in Asfcika mnd in St. Pierre und Miquelon .na< wie vor mittelst Königlicher Verordnungen verwaltet werden. Nachdem

dieser Geseß-Entwurf den Bureaus zur Prüfung überwiesen worden, wurden die Berathungen über das Avancement bei der Marine fortgeseßt und beendigt. Die leyten 5 Artikel (18 —22) gaben durchaus zu keiner erheblichen Debatte Anlaß, und dèr ganze Entwurf ging zuleßt (wie bereits gestern erwähnt) mit 256 gegen 12 Stimmen dur<. An der Tagesordnung wax jeyt die Disfussion über die der Regierung einzuräumende geseßliche Besugniß, Waaren-Entrepots in verschiedenen Städten an den Gränzen und im Junern des Landes errichten zu dürfen. Die Herren Dubois (vou der niederen Loire), BVarsavaux und Yah ließen si{< wider den betreffenden Ge- \etz-Entwurf, die Herren Crignon-de-Montignh und Che- deaux aber zu Gunften desselben vernehmen, worauf die Fortsezung der Berathung auf den nächsten Montag verlegt

wurde,

Paris, 17. Dez, Der Kaiserliche Russische Botschafter hatte geftern eine Privat - Audienz bei Sr. Majefiät.

Hr. C. Périer stattete gestern dem Kaiser Dom Pedro einen Besuch ab. ;

Der Mon iteur und die Gesez-Sammlung promulgiren be- reits das Geseg wegen Erhebung der provisorischen drei Steuer- Z1oblftheile in den erften drei Monaten des kommenden Jahres, / Die Budgets - Kommission, wel<he gestern fünf Stunden lang versammelt war, hat den Baron v, Schonen zu ihrem Bes

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richterstatter ernannt, nachdem, wie der Courrier francais wissen will, Hr. Odilon-Barrot diesen Auftrag abgelehnt hatte. Das genannte Blatt findet diese Wahl unangemessen, da Hr. v, Schonen der mit der Liquidation der alten Civilliste beauf- tragte Kommissarius ist. :

Dem National zufolge, hätte der Bericht des Marschall Soult úber die Lyoner Ereiguisse, dessen Mittheilung man in der heutigen Sißung erwartet, zu einem lebhaften Streite zwi- {hen dem Marschall und Herrn E. Périer Anlaß gegeben, m dessen Folge der Erstere in seine Arbeit einige Stellen habe streihen müssen, worin die dem Lyoner Anfstande vorangegangene Korrespondenz des Herrn C. Perier mit dem Präfekten Bouvier- Dumolard indirekt getadelt wurde,

Die Gazette de France bemerkt in Bezug auf die ge- strige Nachricht des Constitutionnel, daß gleich nah dem Schlusse der jeßigen Session die nächste eröffnet werden würde: „Die ge- genwärtige Kammer wird also zwei Sessionen hindur bestehen. Wahrscheinlih wird sie nach diesen beiden Sessionen Alles ge- leifiet haben, was in ihren Kräften stand, und eine Erneuerung der Kammer für 1833 wird unvermeidlich werden. Diese dritte Kammer ist es, welche die Frage über die Auflösung der Gesell- schaft oder über eine völlige Wiedergeburt entscheiden wird.“

Die Gazette de France sagt ferner: „Der General: Prokurator in Caen hat in dem Prozesse des Fourual de la Normandie 4 neue Geschworene, die der rohaliflischen Meinung angehörten, zurücgewiesen, Der Präfekt hatte von einer Liste von 7 800 Wáhlern 200 Namen gewählt und von dea 30 Namen, die nach dem Zufalle aus diesen 200 herausgenom- men wurden, hat das öffentliche Ministerium 9 beseitigt. Wir fragen, ob man die Freiheit nah einer durch den Liberalismus bewirkten Revolution in diesem Sinne versteht ? ‘/

Der Précurseur de Lyon enthält folgende Angaben über das Herrn C. Périer zunächst umgedende Beamten - Personal! : „An der Spitze seines Sékretariats, wo die Korrespondenz mit den Präfekten ausgearbeitet wird, steht Herr v. Haubersaect, sen Einsicht und Geschäftstüchtigkeit no<h uicht dur< die Kennt- niß der Menschen und der Dinge gereift is. Herr Karl NRemn- sat erseßt diesen Mangel; sein etwas doctrinairer Sinn, seine Rechtlichkeit, seine feine Höflichkeit und sein \chriftstellerisches Talent verleihen seiner Dazwischenfunft in mancher wichtigen Angelegenheit großen Werth. Herr Vitet, der Sohn eines Lyoner Arztes, ein kalter, aber bestimmter, fester und klarer Man:1, gilt für den Verfasser der geschriebenen Reden des Prásidenteu des Minister: Raths in der Kammer; er ist es auch, der das Portefeuille des Ministers mit den nöthigen Noten für die Dis- kussion versieht. Herr Bittmer erfüllt die \{<wierige Aufgabe, die Polemik der minifteciellen Blätter zu leiten, mit Geist und Scharfsinn, aber selten mit Glück; Herr Foudras endlich theilt der großen Maschine der hohen Polizei Bewegting und Leben mit; die Dienste, die er Hecrn Périer leistct, lasen sl< nit absháßen, weil sie geheimer Art sind; er scheint aber das ganze Vertrauen des Premier-Ministers zu besiben und ist der Verthei ler der geheimen Ausgaben des Ministeriums. “‘

Dem Moniteur zufolge, sollen die Jnfanterie- und Ka- vallerie- Regimenter wieder auf den“ früheren Fuß geöraht und sona die Kriegs-Depots aufgelöst werden.

Das Schloß und Landgut Rosny, welches bekanntlich der Herzogin von Berry gehörte, ist von einem Engländer für 2,100,000 Fr. gefauft worde; das Schloß wurde ihm ganz neu meublirt übergeben. Die Herzogin v, Berry hat nur eiuige Fa- milien-Gemälde und Kunst-Gegenstände sortnehmen lassen. Der reine Ectrag von Rosny wird auf 120,000 Fr. berechnet,

DieLhonerZeitungen vom l3ten d. bringen nichts Neues ; die ftarke Garnison war Schuld, daß die Lebensmittel etwas im Preise gestiegen waren, Um die Stadt von der unbeschäftigten máännlihen Bevölkerung zu befreien, hatte der Maire, Hr. Pru- nelle, bekannt gemacht, er sey ermächtigt, freiwillige Meldungen für den Dienst in der Armee und für den Eintritt in die neuen nah Algier bestimmten Corps anzunehmen.

Die Gráfin v. Larochejacquelein is na< England entflohen.

Der Messager des Chambres meldet, daß während der Durchreise des Herzozs von Orleans durch Nevers iu dieser Stadt eine Karlistische Proclamation öffentlich angeschlagen wor- di sey und daß die Polizei Nachforschungen nah deu Thätern anstelle.

Der Cassationshof hat gestern auf den Antrag des General- Prokurators Herrn Dupin d, Aelt. das Appellations-Sesuch des Redactettrs der Tribune, Herrn Marrast, von dem Urtheile des hiesigen Assisenhofes, das ihn wegen Diffamation des Herrn C. Périer und des Marschall Soult zu 6 monatlichem Gefángniß und einer Geldbuße von 3000 Fr. fondemnirte, verworfen.

Gestern wurden vor dem hiesigen Tribunale erster Fnsianz die gerichtlichen Verhandlungen in dem Prozesse/- den die Prinzen von Rohan auf Anlaß des Testamentes des Herzogs von Bourbon ge- gen den Universal-Erben dieses Leßteren, Herzog von Aumale, und die Legatarin, Baronesse von Feuchères, anhängig gemacht haben, fortgeseßt. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes holen wir aus dem von dem Advokaten Hrn. Hennequin in der Sißung vom Iten gehaltenen Plaidoyer (Vergl. Nr. 359 der Staats- Zeitung) noch Folgendes nah: Nachdem Hr. Hennequin bemerkt, wie der Herzog von Bourbon, der ewigen Quälereien der Frau von Feuchères müde, sih am 30. Aug. 1829 endlich entschlossen habe, das ihm vorgelegte Testament eigenhändig abzuschreiben und zu unterzeichnen, verlas er dieses Aktenstück selbs. Nach dem Fnhalte desselben seßte der Testator den Herzog von Aumale, seinen Pathen (vierten Sohn des jeßigen Königs), oder, falls dieser vor ihm mit Tode abgehen sollte, das jüngste männliche Kind des damaligen Herzogs von Orleans zu scinem Universal-Erben ein und vermachte zugleich der Frau v. Feuchères ein Kapital von 2 Millionen Fr., ferner das Schloß St. Leu und das Gut Boissy nebst Dependenzen, den Wald von Mont- morency, die Domaine Mortfontaine, den Pavillon, den diese Dame im Palast Bourbon bewohnte, das ganze Mobiliar dieses Pavillons, endlich die zu ihrem Gebrauche dienenden Kutschen und Pferde. Durch etne leßtwillige Anordnung beslimmte der Herzog sein Schloß Ecouen zu einer milden Sriftung für die Kinder dec Offi- ziere des -Condéschen Corps und der Vendée-Armee ‘und beauftragte damic besonders die Frau v. Feuchères, „der ih‘, sagte er, ¿hier- durch einen neuen Beweis meiner Anhänglichkeit und meines Ver- trauens geben will.// Endlich ersuchte er den König Karl X., seine sterbliche Hülle in Vincennes neben der seines unglü>lichen Soh- nes beiseßen zu lassen. Nach der Vorlesung dieses Testaments fuhr der Advokat also fort: „Ein Fahr darauf, am 26. August 1839, starb der Herzog. Der Prinz Ludwig von Rohan war kaum von der Existenz des Testaments unterrichtet, als er es für seine heiligste Pflicht hielt, das Verbrechen zu konstatiren und dasselbe zu rächen. Er trat als Kläger gegen den Erben und die Legatarin auf. Was den Ersteren anbetrifft, so darf man sich darúber wundern, daß er sich so ganz passiv gehalten hat. Wohl weiß ich, daß seine Min- derjährigkeit ihm zu Gute kommt; nichts desto weniger ist und bleibt die O der ganzen T e Orleans sehr" bemerkenswerth. Doch mag ih mich nicht auf das Rechtsmittel des Verfalls stüßen; nur aus dem moralischen Gesichtspunkte will ich die ganze Sache heleuchten; dex Richter wird sich bald überzeugen, daß das Haus

Orleans eben keine Ursache haben würde, sich zu beklagen, wenn die Erbschaft desjenigen verlôdre, den es ungerächt gelassen hat, Was uns betrifft, \0 haben wir den Herzog von Bourbon. chon einmal vor den Kriminalrichtern gerächt, und jeßt thun wir es zun zlveiten Male, indem wir die Umstoßung seines Tesiaments vey. langen.// Um zu beweisen, daß eine solche Umstoßung zuläßig sey, berief Herr Hennequin fich hier auf die dem Civil-Kodex vorange: gangene, so wie die neuere Gesehgebung. Sodann wies er inz vor: aus die Gründe zurü>, die si<h etwa zu Gunsslen des Ex: ben anführen lassen möchten, als z. B setne Fugend und di Härte, die darin liegen würde, iht, einen neunjährigen Prin: zen, Gewaltthätigkeiten entgelten zu lassen, denen er völlig fremd gewesen sey. „Wäre der Herzog von Aumale nic noch zu unerwachsén//, äußerte déèr Redner in dieser Beztehung, „um über diesen Gegenstand befragt werden zu können / #0 würd ex ohne allen Zweifel sagen: „J mag nichts von einem Verm): gen wissen, das mir guf solche Weise zugewandt worden i; de Rame Condé ist \chôn; bedarf es indeß einer solchen Erbschaft, un ibn wieder ins Leben zu rufen? Auf dem Wahlplaße will ich eiy Condé seyn, aber von dem Prinzen von Condé, Herzog voa Bour: bon selbst verlange ih nichts, als die Aussicht, einst in die Fuß: tapfen seiner Vorfahren treten zu können. // Rach dem bishe Gesagten erscheint der Herzog von Bourbon als ein Mann, de nicht freiwillig, sondern getrieben von der höchsten Noth und uy sich endlich Ruhe zu verschaffen, testirt hat. Kaum hatte er seine leßten Willen unterzeichnet, als er von der Herzogin von Drlean und deren Schwägerin Danksagungsschreiben erhielt. Der Herz ertheilte darauf folgende Antworten, wovon die Konzepte, dite Es hier sehen, von der eigenen Hand der Frau von Feuchères korrigitt worden sind. An die Herzogin von Orleans, den 3. Sept. 152), Madame, ich empfinde einen tief gefühlten Dank (Frau yon Feuchère hatte diese Worte also geändert: ih empfinde ein wahres Bergnügen) Îbeur die ltebenswürdigen Dinge, die Sie mir wegen der zu Gunsten ihre Kinder getroffenen Bestimmungen sagen .…. Frau von Feuchères trägt mir auf, Fhnen zu erkennen zu geben, wie sehr das Andenken, das Sie ihr schenken , sie rührt. (Frau v. F. hatte fiatt dessen geseht: wie sehr Fhre neue Güte sie rührt.) Wahr ist es, daß sie in die: sex Sache eine Wärme gezeigt hat, die“ mich die Hindernisse, welch fich dexr Beendigung derselben entgegenselltent, schnell hat Überwin: den lassen . ‘7 ¿An Mademoiselle d’Orleans, 3. Sept. 183, Alle die schönen Dinge, die Sie mir wegen der zu Gunsten unser lieben fleinen Pathen getro}etien Bestimmungen sagen, rühren mih sehe. Wenn ih mich nicht länger mit Jhnen unterhalte, o ge schieht es, weil dabet betrübende Gedanken in meiner zerrissetet Seele aufsteigen. Versicherung u. s. w. Randnote, Frau von Feuchères if sehr er: kenntlich für die Theilnahme, die Sie thr bezeigen; sie trägt mi auf, JFhnen ihren ehrerbietigen Dank dafür auszudrücen. „Sie ersehen hieraus//, bemerkte Herr Hennequin, „wie sehr Fra von Feuchères bemüht gewesen ist, in die Briefe des Herzogs ihrer Namen mit einfließen zu lassen; ihr Zwe> wurde dadurch er reicht, das sehnlichst gewünschte Patronat wurde ihr zu Theil,

Fch beschränke mich sonach darauf, Fhnen di}

jn die Oper begleitet hatten; das Gespräch sey auf jenes Ereigniß efommen/ und der Prinz habe unter Anderem gesagt: „Der Herzog p, Berry war barsch, aber gut; er hat Niemanden etwas zu Leide gethan; ih liebte ihn sehr; er war der Waffengefährte meines Soh- nes.// Nach einigen Augenbli>ken des Stillschweigens habe er hin- \ugefügt: „Run wohl! da seine Kinder Waisen sind, so will i< Vaterstelle bei thnen vertreten; sie; Hen metne Erben seyn.‘ Auch suchte der Anwalt aus den eigenen Briefen der Frau v. Feuchères zu beweisen, wie gut ste vorausge- sehen habe, welchen Widerstand ste mit thren Plänen bei dem Her- ge finden werde. Einen ferneren Beweis für die Unfreiwilligkeit des Herzogs von Bourbon beim Testiren fand er darin, daß in der Mirte des Fahres 1829 ein Advokat des Hauses Orleans den Auf- trag erhalten habe, ein Testament für den Herzog zu entwerfen; dieses sey thm vorgelegt worden , ohne daß er es verlangt habe. Hr. Hennequin ging hierauf zu den moralischen und physischen Gewaltthätigkeiten über, die sich Frau v. Feuchères gegen den Her- 0g erlaubt habe, um ihn zum Unterzeichnen des Testaments zu hewegen , und führte folgende Aeußerung an, die der Herzog unter ynderem gethan haben soll: „Wenn sie erlangt haben werden, was se wollen, wenn ich ihnen Alles gegeben haben werde, dann wird

vielleicht mein Leben in Gefahr seyn.“ Auch erwähnte er eines Gesprächs des Her;ogs mit seinem Zahnarzte. Als dieser ihm den Rath ertheilte, sich aus den Banden der Frau v. Feuchères frei zu machen, habe der Prinz erwiedert: „Mit 71 Jahren ändert man shwer seine Gewohnheîten; Sie werden wohl schon eine Fliege geschen haben, die in ein Spinngewebe geräth und von der Spinne immer dichter umschlungen wird; dies is meine Lage.“ Nachdem Herr Hennequin mehrere der bereits im ersten Theile scines \Plaidoyers vorgekommenen, auf Gewaltthätigkeiten hindeuten- den Umstände wiederholt und durch zahlreiche Aussagen und Thatsachen zu beweisen gesucht, daß die Frau von Feuchè- [res die unerträglichsie Tyrannei Über den Prinzen ausgeübt, daß sie alle ihr verdächtige Personen aus seiner Umgebung entfernt, und daß die täglich zunehmenden Quälereien den Prinzen endlich furz vor seinem Tode zu dem Entschlusse gebracht, zu ent- fliehen, weshalb er seinem Fntendanten befohlen, 1 Million Fr. und die Diamanten in Bereitscyaft zu halten, las er nochmals 42 Artikel vor, in denen er die Ungültigkeit des Testaments zu bewet=- Isen suchte, und trug auf die Annullirung desselben an. Die Ver- Thandtungen werden über acht Tage fortgeseßt und zunächst die Ad- vokaten des Herzogs von Aumale und der Baronesse von Feuchères, N Herr Ph. Dupin und Herr Lavaux, gehört werden.

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} Aus dem Haag, 19. Dez. Das hiesige Dagblad, "welches die in Bezug auf die Ratification des Belgischen Trak- "tates umlaufenden (vorgestern von uns erwähnten) Gerüchte mit- Ï theilt, bemerft dazu: „Ob diese Berichte. in jeder Hinsicht mit der Wahrheit übereinstimmen, wird vou Einigen bezweifelt, doch scheint es auch gewiß, daß sle niht ganz ohne Grund sind ;

ihm opferte sie die heiligste der Pflichten, die Dankbarkeit, auf F nan will jeßt an< hier am Orte davon unterrichtet seyn, daß

Jn der gestrigen Sihung seßte Hr. Hennequin sein Plaidoya

fort. Er führte tieue Beweise für setne Behauptung an, daß da /

Testament vom 30. Aug. 1829 kein Aft des freien Willens des Her: zogs von Bourbon, daß vielmehr scin Wille ein ganz entgegenge setter gewesen sey, und daß Frau von Feuchères ihm das Tesiamett gewaltsam abgedrungen habe. „Es ist schwer, äußerte er unterAnderem, ¡wei entgegengeseßtere Lagen zufinden, als die des Herzogs v. Orleani und des Herzogs v.Bourbon thr ganzes Leben hindurch waren. Erzichung, Vergnügungen, politische Ansichten, Kriegsdienst, Exil, Gesinnun: gen bei der Rückkehr nach Frankreich , kurz Alles bietet den stärk: sten Kontrast dar. Von diesem wichtigen Gesichtspunkte aus be: trachtet, muß es gewiß auffallen, daß der Herzog von Bourbon sei nen Erben und Nachfolger freiwillig in einer Familie gesucht wz ben follte, deren Gesinnungen und Gewohnheiten so sehr von de seinigen verschieden waren. Der Gegenvartei würde dings sehr gelegen seyn, wenn eine zwischen den Herzogett von Orleans und von Bourbon bestandene Eintracht und Freund schaft, wenn eine Vergessenheit des Vergangenen bewiesen werde kónnte, weil dies eine günstige Einleitung zur -Vertheidigun des Testaments abgeben würde. Wir wollen aber sehen, 0 sich in den von dem Herzoge von Bourbon Korrespondenzen beider Häuser Beweise einer offenen schaft und Versdhnung auffinden lassen. finden sich Briefe des Herzogs von Orleans über Sachen der Eti quette; beide Prinzen nämlich, der Herzog von Orleans sowohl al der Herzog von Bourbon, wollten sich den Vorschriften der Eti quette nicht unterwerfen, die thnen der ältere Zwetg der Bou

nen auferlegt hatte; so weigerten ste sich z. B., wenn Theater b Hofe war, in den Seitenlogen neben der Königl. Loge zu ersche! nen, während fremde Fürsten in die Königl. Loge selost Zutritt hat ten. Der Herzog von Orleans benachrichtigte. den Herzog v! Bourbon zwar jedesmal von den Beschlüssen, die er bei dergleicha Bedenklichkeiten der Etiquette gefaßt hatte, um cine Uebereinsliw mung der Handlungsweise. zwischen beiden Seitenlinien hervorzu bringen. Diese Schrciben beweisen aber noch keine vertraute Freund schaft zwischen beiden Häusern./ Hr. Hennequin ging hierauf j einer zweiten Klasse von Briefen über, welche Verwandtschaft s-An gelegenheiten betreffen. Aus einem Schreiben vom Mai 12 geht hervor, daß der Herzog von Bourbon darein gewilligt hatt eine Pathenstelle bei der Laufe des Herzogs von Aumale anzun men, zugleih abex auch, daß die Baronesse von Feuchères dama noch keinen Zutritt -in das Orleanssche Haus hatte, was sogar nige Kälte in der Korresponde!1z mit dem Herzoge von Orleans Folge hatte. Herr Hennequin machte darauf aufmerksam, wie au fallend es sey, daß Frau von Feuchères, die 1x22 noch nicht einn Zutritt in die Orleanssche Familie hatte, während ste doch del Königl. Hofe bereits vorgestellt war, im Fahre 1529 so außerordent liches Fnteresse für dieselbe Familie bezeigt habe. Ein zweites vi dem Anwalt citirtes Schreiben war eine Antwort des Ht zogs von Bourbon auf ein Billet des Herzogs von OrleanF worin dieser dem Prinzen anzeigte, daß er in dem Wunsche ihn nah langer Zeit wieder einmal zu sehen, an einem bt stimmten Tage mit seinem ältesten Sohne sich in Saint La einfinden würde; jene Antwort war indessen so lakonisch ausgefd

Freund:

len, daß Frau von Feuchères das Konzept dazu korrigirte und eint

verbindlicheren Schluß hinzufügte.

cs allet

hinterlassen

Fn dieser Korresponden

gte. Nachdem Hr. Hennequin dat zuthun gesucht, daß weder in diesen, noch in anderen nachgelassen}

Ï günstige Nachrichten aus Rußland eingegangen sind,“

Brüssel, 18. Dez. Ju der gestrigen Sigung der Ne- Îpräsentanten-Kammer legten die Herren Robaulx und ISeron folgenden Vorschlag auf das Bureau nieder: „Vom 1. Fuli 1832 an wird in jeder Gemeinde des Königreichs we- E nigstens eine Elemeutar- Schule errichtet, in welcher der Unter- Triht auf Kosten des Staates ertheilt wird, und durchaus kein Beitrag von den Schülern verlangt werden darf.‘/ Dieser Bor- chlag ift den Sectionen zugewiesen worden. Der übrige Theil der Sizung wurde dur< Bittschrifts-Berichte ausgefüllt.

Das ganze Material des Lagers bei Diest ist jeyt offentlich Ioecefieigert worden. Die hiesigen Zeitungen schlagen die Jursprünglihen Koften auf 130,000 Fl. an und versichern, daß

f

Îder jeh: daraus gelöste Betrag die Summe von 2500 Fl. nicht bersteige.

DeuceiGland.

i Karlsruhe, 15. Dez. Der Präsident Föhrenbach stattete in der 156sten Sigung am 13. Dezember Bericht ab iber das Schicksal, das einige Adressen in der ersten Kammer getroffen. Der Abgeordnete von Jhstein äußerte bei dieser Ge- legenheit wiederholt den Wunsch, daß seine Motion über die efruten- Aushebung noch auf diesem Landtage erledigt werden j Hierauf wurde die Diskussion über das Ausgabe-Budget rtgescßt, Das Landgestüt war der erste Gegenstand der erhandlung. Gegen das Verlangen der Regierung, für die ustalt jährli< 69,320 Fl. in dec laufenden Budget: Periode zu erwilligen, da die bisher jährli auf das Gestüt verwendeten 156,000 Fl. nicht hinreichend erschienen, erhod si eine ziemlich allgemeine Opposition. Die Verlegung der Anstalt nah Dur- la, welche die Negierung ebenfalls in Borschlag gebracht, wurde verworfen, und es wurde sogar der Wunsch für die gänzliche Auf- hebung des Geftüts laut. Auf den Antrag der Kommissiou, 50,000 Fl. jährli<h zu verwilligen, äußerte der Geheine Rath v. Ridt, daß diese Beschränkung unmittelbar die Aufhebung der Anstalt nach sich ziehen mü}e, da 68,000 Fl. das Minimum seyen, mit welchem ie Kosten derselden bestritten werden könnten. Mehrere Anträge, Ddie von verschiedenen Abgeordneten ausgingen, fielen ebeufalls durch, jund man s<lug endlich, der Extreme im den Ansäßen müde, ei- uen Mitteliveg ein, indem man 56,000 Fl. für jedes Jahr der bevorstehenden Budgetperiode, auf den Borschlaa des Abgeord- neten Martin, bewilligte. Unter dem Rubrum: Verschiedene Und außerordentlihe Ausgaben beim Ministerium des Fnnern, für welches der neue Finanz-Etat 16,400 Fl. ver- langte, während die Kommission nur 11,000 Fl. in Autcag brachte, wurde gleichfalls ein Mittelsaß vou 12,000 Fl. von der Kanmnier begutachtet. Der Tagesordnung gemäß, ftattete der Abgeordnete Hoffmann Bericht ab über den Beschluß der erften Kammer in Betreff des Neubru<hzehnten. Der Antrag der Kommission ging erstens dahin: das Recht, den Zehnten von Neubrüchen zu

beziehen, die erst entstehen, gänzlih aufzuheben; 2) für die noch

,

Briefen des Prinzen Zeichen cines näheren , vertrauteren Verhält} ' nisses zwischen ihm und dem Hause Orleans zu finden wären, fulFin den Freijahren befindlichen Güter diese Freijahre um 3 Fahre er fort: „Der Herzog von Orleans und der Herzog von BourbMzu verlängern; 3) Se. Königl. Hoheit den Großherzog in einer waren gewissermaßen die Repräsentanten zweier entgegengescht(Whesonderen Adresse zu bitten, den Kammern ein Finanzgeseß vor- politischer Systeme. Das Haus Condé hielt an den Grundsäßlegen zu !2{}en, nach welchem die Zehnten, die von den Domai- der Monarchie Ludwigs X1V., das Haus Orlcans an den Prie p pon “ind Ret de vi den. D : Mi "Mini pien der Verfassung von 1791. Um cine Annäherung zwischen beten u beziehen sind, aufgehoben werden. Der Finanz-Mini- den zu Stande zu bringen, lud Frau v. Feuchères den Herzog v. O} ster von Böckh erhob seine Stimme gegen diese Anträge, leans im Oft. 1827 zu dem von dem Herzog v. Bourbon veranstalteten} velthe er ein Executionsmittel naunte, das man der Regierung Hubertusfeste ein. Als Leßterer dies erfuhr, äußerte er mehrmals insFgegen die erste Kammer in die Hand zu geben gesonnen seh; ein den beslimmtesten Ausdrücken, wie unangenehm ihm die Gege!-Wsolcher Umweg erinnere an Abwege. Herr von Rotteck, der wart des Herzogs von Orleans seyn werde. Während der Prinnebst den Abgeordneten Beck, Welcker, Duttlinger, Mittermaier also aus seiner geringen Theilnahme für das Orleanssche Hau. A. die Beschlüsse der Kommission vertheidigte, entgegnete auf kein Hehl machte, zeigte er bei jeder Gelegenheit scine Anhänglich-j “r ; L é Ee / x M A gli Tjene Aeußerung des Finanz - Ministers: Umwege führten doch keit an das Haupt des älteren Zweiges; Gleichheit der Grundsäßtj ; : / 2 ti ge v Stun F immer no< zum Ziele, Abwege vom Ziele fort, und wem und Gesinnungen, vor Gibraltar geschlossene Waffen-Brüderschafb N i Le Gleichheit des Geschi>s, Erinnerungen aus der Zeit der Verba j, Herade Weg verschlossen seh, der dürfe si< nicht scheuen, den nung, alles dies knüpfte ihn an Karl X.// Hr. Hennequin führt imweg einzuschlagen. Der ganze Kommissions - Antrag wurde hierauf mehrexe Aeußerungen des Herzogs an, woraus er zu be-Y endlich mit großer Stimmen-Mehrheit angenommen. Jn der weisen suchte, derselbe habe sein Vermögen den Kindern des Her-| 157sten Sißung der zweiten Kammer am 14. Dez, theilte Herr zogs von Berry zugedacht gehabt; so sey er eines Tages nach de! von Rotte den Kommissions - Bericht über die Rückäußerung Geburt des Herzogs von Bordeaux bei einem Spaziergange der ersten Kammer in Betreff der Herrenfrohnden mit. Die RéO A, Feldern einem der heiden Offiziere begegnet f Differenz in den Beschlüssen der zweiten und ersten Kammer le ihn am Abende der Ermordung des Herzogs von N bezog sich auf die Entschädigung der Frohndeberechtigten, indem

1855

jene den zehnfachen, diese, mit Uebereinftimmung der Regierung, den zwölffachen Fahresbetrag für die persönlichen Herrenfrohnden inVorcschlag brachte. Fn derBesorgniß, daß bei fortgeseßtem Beharren auf den mindèren Ansaß der Entschädigung dies Gesey sich ftir diesen Landtag ganz und gar zerschlagen würde, trat die Kom- mission dem Gutachten der ersten Kammer bei und erfreute sich bei der Abstimmung ihres Vorschlages einer unerwarteten Ma- joritát , indem nur 11 Abgeordnete, worunter Herr von Jhstein, von dem früher beschlossenen Satze des zehnfachen Ertrages nicht abgingen. Jn derselbeu Sipung theilte auch Herr von Rotteck, noch vor dem Beginn der Tages-Ordnung, zwei Dank - Adressen von Freiburg mit 342 und von Lahr mit 484 Unterschriften der Kammer mit, in wel<en für die wlirdevolle Verwahrung der vaterländischen Souverainetät geaen eiwanige befürchtete Ein- griffe durch die Erneuerung dec Karlsbader Beschlüsse gedankt wurde. Auch in der 158ften Sißung wurde vom Abgeordneten Rindeschwender eine Dank- Adresse gleichen Jnhalts mit 4132 Unterschriften der Kammer überreicht.

Luxemburg, 17. Dez. Jm hiesigen Fournal liest man: „Die Verhandlungen des Deutschen Buudestages vom 9, Sept., welche durch die öffenilihen Blätter befannt geworden sind, enthalten, in der den Bevollmächtigten Oesterreichs und Preußens ertheilten Autorisation, eine Ausnahme zu Gunsten des Deutschen Gebietes in Luxemburg, das zum Deutschen Bunde gebört; und zwar soll dieser Gebie:stheil unter feinem Vorwande ansgetauscht werden fönnen. Dennoch hat die Lon- doner Konferenz es nicht für nöthig gehalten, die deutlihen und besiimmten Erklärungen in jener Vollmacht vom 9. Sept. wei- ter ¿u E ; sie hat Belgien den größten Theil der Kan- tone Messancy, Arlon und Fauxvillers zugewiesen, welche mit dem, dem Großherzog zugesprochenen, brigen Theil zusammen das Deutsche Gebiet ausmachen. Der auf diese Weise losge- rissene Theil enthält eine Bevölkerung von 18 bis 19,000 See- len, wel<e in 30 bis 35 Gemeinden, in einer Ausdehnung von Z Stunden in der Breite und wenigstens 8 Stunden in der Länge, vertheilt sind. ‘“

Hanau, 20. Dez. Nach einer zweimonatlichen Abwesen- heit find Se, Königl. Hoheit der Kurfürst gestern früh im er- wünschtesten Wohlsein wieder hier eingetroffen. Se. Königl. Hoheit haben zu Wilhelmsbad Jhre Wohnung genommen.

Hannover, 20, Dez. Auf der Landes - Universität Göt- tingen befanden s< nah der am Z0fien v. M. veranstalteten Zählung 913 Studirende, und zwar:

Landeskinder. Ausländer. Zusammen.

der Theologie Beflissene 170 62 232 2 SUrISPIUden) 2 208 146 354 : Medizin - d 106 70 176 - Philosophie & - 81 70 151

565 348 913

Gegen voriges Semester sind, der Heimath nah, 6 Landes- Kinder und 1 Ausländer, zusammen 7 weniger; nach den Fakul- täten Z Theologen weniger, die Juristen in gleiher Zahl, 30 Mediziner weniger und 26 Philosophen mehr vorhanden.

Leipzig, 22, Dez. Unsere heutige Zeitung enthält einen sehr günftigen Bericht über den Gesundheitszuftand der hiesigen Einwohner vom Zten bis zum 17ten d. M. und macht dazu die Bemerkung: „Die Ursache dieses ausgezeichnet günstigen Rut- standes der epidemishen Constitution scheint in der außerordents li<h milden Beschaffenheit der Witterung zu liegen. Das Ther- mometer fiel während dieses ganzen Zeitraumes unit ein einzi- ges Mal bis auf den Gefrierpunkt und erreichte öfters des Mit- tags 11—12 Grad. Der Nasen grünte wie im Frühling, Veil- <en und Aurikeln blühten, es zeigten si< einzelne Maikäfer und die graue Bachstelze (Motacilla boasula), welche die hiesigen Gegenden im Monat Oktober zu verlassen und erst im März wieder zurücfzukehren pflegt, wurde in Flügen von 80 bis 100 Stück gesehen. ““

S < weiz.

Bern, 16. Dez. In der legten diesjährigen Siyung des großen Rathes vom 3, Dez. wurde no< beschlossen : 1) Es solle für den reformirten Landestheil eine auf den Neujahrstag von den Kanzeln zu verlesende Proclamation erlassen werden, um das Volk auf die große Wohlthat aufmerksam zu machen, daß un- sere Staatsreform in Vergleichung gegen andere Länder, wo des: halb Ströme von Blut vergossen wurden, so glü>lich vellbracht ivorden sey, und dasselbe aufzumuntern, in chriftlihem Sinn ge- genseitiger Versöhnuag gemeinschastlih dahin zu streben, daß Einigkeit, Vaterlandsliebe und reger Gemeinsinn zu Förderung des Guten immer mehr Wurzel fassen möchten. 2) Der Herr Bischof soll ersucht werden, für den katholischen Landestheil ein Mandat in gleichem Sinne zu erlassen.

Spanie- n.

Madrid, 8. Dez. Jn der Nacht vom 30. Nov. zum 1sten Dezember verließen zwei Schaluppen, welche 50 bis 60 Spanische Aufrührer am Bord hatten, die Bayen Gibraltar, indem der Gouverneur dieser Fefiung ihnen dort den Aufent- halt nicht länger gestatten wollte, Man wußte niht, welche Richtung dieselben genommen, als man dur<h Berichte der be- waffneten Küsten -Böte in Erfahrung brachte, daß sie. ösilich segelten; die eben erwähnten Küsten-Böte folgten ihnen und drängten sie dergestalt, daß sle auf einem Punkt zwis<en Ma- laga und Marbilla si< an die Küste warfen und untec Auf- ste>ung der dreifarbigen Fahne und dem Ansrufe: „Es lebe die Freiheit !‘/ bei Fcangirola an das Land ftiegen. Der Gouver- neur von Malaga, Sigera! Moreno, hatte inzwischen, von jener Expedition in Kenntniß geseßt, die nöthigen Maaßregeln ergrif: fen, um jenes Hauf-:ns habhaft zu werden, und wirklich gelang

; beralen

Fn Königsberg waren erkrankt genesen gestorben Westand

bis zum 15, Dezember 2211 876 1324 11 Hinzugef, vom 15, bis 19. Dez. 3 4 1 9 Summa * 2214 880 1325 9

Ausbrüche der Cholera sind- bemerkt : Regierungs-Bezirk Breslau. Kreis Wohlau, in Polnish-Dorf am 12 Dezember. _ Regierungs-Bezirk Gumbinnen. Kreis Angerburg, in Pieszarken am 3. Dez Kreis Sensburg, in Schimonken am 3. Dez. Kreis Ragnit, in Ballandzen am 2, Dezember.

Literarische Nachrichten.

Aus der neuesten Broschüre des Herrn von Chateaubriaud, wel<he am 21. Nov. d. J. in Paris 1mter dem Titei: „Un die Leser “‘‘ erschienen ift, theilen wir Nachstehendes mit: ¿Der Vorschlag, den ich bekämpft hatte, is durch die Vertre- ter der Nation angenommen worden; aber die Verleßung des Latu- nes (Karls X. und seiner Familie) wird nicht mehr mit dem Tode bestraft. So modifizirt, erscheint mir derselbe unnÚß oder auf cine sentimentale Weise grausam; denn am Ende befindet sich die To- dessirafe doch darin verborgen. Man muß das Urtheil der Herren Pairs abwarten! Auf meine Broschüre sind zahlreiche Entgeg- nungen erschienen. Unter den Personen, welche geschrieben haz ben oder, wie man sagt, noch schreiben “werden, bemerke ih den Namen des einzigen Geschäftsmannes- und WMed- ners, den die Quast - Legitimität von der Anti - Legitimität sich geliehen hat, eines Mannes, doppelt begabt mit dem Talente des Redners und des Schriftstellers, dem ich {on zu einer Zeit, wo die Politiker meiner Ansicht thm wenig geneigt waren, den verdienten Zoll der Lobsprüche zu ertheilen so glücli<h gewesen bin. Fch wünsche mir mehr als jemals GlÜ> dazu, gerecht gegen das Verdienst gewesen zu seyn; wenn dieses auch mein Gegner ge- worden und mit seinen jungen Lorbeery meine welken Palmen ver- drängt. Jch kenne diese verschiedenen Schriften nur gus den Anzeigen in den öffentlichen Blättern, zwei ausgenommen, weil die Verfasser derselben mir die Ehre erzeigt haben, mir solche zu- zusenden. Man fordert mich von allen Seiten auf, meinen Tad- lern zu antworten; ich enthalte mich dessen aus folgenden Grün- den: Meine Arbeit ist gut oder schlecht; is sïe gut, so wird sie sich von selbst vertheidigen; wenn sie schlecht ist, so werden allemeineAnsiren- gungen ihren Fall nicht verhindern. Js es meine Person, die may ver- folgt ? Das verzeihe ich. Man behaupte, ich sey ohne Genie, ohne Geist, ohne Talent, ohne Logik, ohne Kenntnisse; ih räume es ein. Jch bitte nur, mir immer wahre Dinge nachzusagen, mir nicht z. B. die „Geheime Note‘/ zuzuschreiben; denn ih bin nicht der Ver- fasser dieser Schrift. Ohne indeß eine Broschüre zur Vertheidigung meiner Broschüre schreiben zu wollen, glaube ih mich doch zu ci- nigen kurzen Bemerkungen verpflichtet. Man macht großen Lärm von ih weiß nicht welcher angeblichen Verbindung zwischen meinen, den sogenannten Karlistischen, und den sogenannten liz oder revolutionnairen Meinungen. Verständigen wir uns darüber. Seit dem Beginn der Restauration habe ich nicht aufgehdrt, die dentlichen Freiheiten zu verfechten; die Preß- freiheit is mir vielleicht einigen Dank schuldig; ste ist, der aufrichtigen Liebe halber, die ih ihr widmete, der Hauptgrund meiner Ungnade unter der Regierung der Legitimität gewe- sen. Alle Leute, welche die Nationalrechte vertheidigten , be- fanden sich damals auf meiner Seite: ich ging, wie heute, mit den Revolutionnairs. Was 1 denn also in meiner Stellung so neu? Jch habe unter der Restauration stets für die Ehre Frankreichs ge- kämpft. Jch wollte, daß die Legitimität sich treu den Fnstituttio- nen der Charte anschließen möchte, und ich fühlte außerdem, daß sie ciner Taufe des Ruhms bedürfe; dieser Jdee habe ich große Opfer gebracht. Wohlan! Auch in diesem System der Ehre und des Ruhms traf ih mit den Revolutionnáiren zusammen. Die Freiheit und die Ehre Frankreichs im Jnnern, Unabhängigkeit nach außen - das sind die beiden Punkte, in denen Karlisten und Revo- lutionnairs übereinftimmen. Ueber diesen gemeinschaftlichen Grund- saß großherziger Ansichten leben wir in Frieden und erwarten die Befreiung des Vaterlandes aus den zweideutigen Händen - des juste - milien, Jch habe die Karlisien und Recvolutionnairs als Cotterie bezeichnen hdren. Sonderbare Cotterie derer, welche wei große Gebietsabtheilungen in Frankreich inne haben: Oft und Fordoft, Wesien und Süden! Aber es giebt cin halb Dußend Leute , die, in den hohen Regionen einer gewissen politischen Er- ziehungssucht s< gefallend und bewundernd, mit den niederen Sterblichen sich nur durch jene Verachtung, welche die Kette zwi- schen ihrer unendlichen Seligkeit und unserem verächtlichen Nichts bildet, in Verbindung seßen können; wir müssen uns glüctlich schägen, daß sic sich so weit herablassen, uns mit einem Namen zu beehren , den sie eigentlich tragen und verdienen. Ein anderer Einwurf heißt: 7, ,„Jhr gebt die Erblichkeit Heinrichs V. zu und ruft zugleich die Souverainetät des Volkes an; welch? ein Wider- spruch !-/// Durchaus niht. Es sind ja nicht meine Fdeen, welche ih aufstelle, es sind die Eurigen. Jch ergreife Erre Waffen, ich folge Euch auf Euer Gebiet. Jhr argumentirt aus der Sou- verainetät des Volkes zu Gunsten der Fulîtage, die Jhr noch Über- dies entstellt habt. Anstatt Euch mit diesen Gründen abzuweisen, antworte ich Euch: Es sey! Aber dieses Volk, hinter das Jhr Euch verschanzt, ist nicht um Rath gefragt worden. Auch ich bin cin Theil dieses Volkes. Jch gebe Eurem Auserwäbhlten meine Stimme nicht, und so lange mich die geseßlich festgestellte Mehrheit der Na- tion nicht verurtheilt, so lange werde i{< Eure politischen Jnslitu- tionen nicht anerkennen. Wenn die Quast- Legitimität, wie sie es bis heute gethan hat, die Volks-Souverainetät verleugnet, so frage ih sie, kraft welches Rechts sie Über die Krone verfügen konnte" Fn diesem Falle kehrt Heinrich V. ganz natürlih zurü>, sowoht vermöge seines erblichen, als vermöge seines in der Charte von 1814 ausgesprochenen constitutionnellen Rechtes. Die ministerielle Regierung der Wahl -Monarchie hat die Konsequenzen der Juli tage nicht durchgeführt. Sie ist jeßt im Besiß der Macht weder durch den Ruhm, noch durch die Erbfolge, weder durch die Zustimmung eines Nattonal-Kongresses, noch dur die Gewalt der Nothwendigkeit, welche zwar einen Augenbli> bestehen konnte, duch jeßt nicht mehr vorhanden ist. Jch verlangte im Jahre 1231 die Appellation an das Volk, um das legitime Königthum, wie man sie im Jahre 1793 verlangte, um den legitimen König zu richten:

es ihm auch, ihn in einem Pachthofe, wo er eine feste Stellung genommen hatte, einzuschließen und ihn den Zten d. M, frúh um 8 Uhr nebft dem Anführer des Haufens, dem Ex:General Don Fozé Maria Torrijos, einem bekannten Nebellen : Chef, zu Ge- fangenen zu machen.

WRNEO S O T S I Lt J WESUZ BETI E DOIC RRSICN I C T A: A U T A

M Cie R F

C: Q: 62A,

Fn der Nesidenzftadt Verlin waren erkr. genes. gettorb. Beftand

bis zum 23. Dez. Mittags 2244 823 1415 6

Hinzugek. bis zum 24, Dez. Mittags 2 (1 2 5

Bis zum 24. Dez. Mittags Summa 2246 824 1417 9 Hierunter sind vom Militar 35 18 L -

Die Kranken befinden si< in den Hospitälern. Jn Breslau waren erkrankt genesen gestorben Bano

bis zum 17. Dez. 1304 614 688 Hinzugek. v. Lde bis 21. Dez. - 2 - - Summa 1304 6i6 688 - Darunte* Militair 36 22 14 3

in beiden Fällen hat man fîe verworfen Während ich die Schwä- | chen der Wahl-Monarchie bezeichne, trägt se selbst Sorge, diesel | ben noch zu vermehren Die Quast- Legitimität, fogar die Fchier der Legitimität nachäfend/ hat“tm November 1821, bei (Be!egenhcit der Paîrfe, ähnliche Verordnungen, wie die des Juli 1839, erlassen : und sie hat doch nicht einmal einen Artikel 14 der Charte zu ihren Gunsten auszulegen. Wird mät ihr die Auflagen bezahlen, welche von den neuen Tau votirt worden sind? Wird fîe ihre Barrika- den haben? Beftndet sich das Schiff Karl's A. noch in Cherbourg”? Man hat auf den Artikel ciner Englischen Zeitung (der Times) hinge: wiesen. Jch suche den Ursprung jenes Artikels nicht, obgleich es mir leiht seyn würde, denselben aufzufinden. Wer mit der Englischen und Franzdsischen Sprache vertraut ist, weiß, daß es einen Jdeen- ang eine gewisse Art des Ausdrucks giebt, die sogleich den Ünter- chied zwischen den beiden Nationen erkennen läßt. Wie dem abec auch sey , man fragt mich in jenem Artikel und sagt: ¿/ „Haben Sie sich nicht erboten, nah Holyrood zu kommen, und if Jhr Anerbieten nicht zurückgestoßen worden? Haben Sic nicht an die

erzopin von Berry geschrieben, als sie dur<h Genf kam, hat fie < ni<t geweigert, Sie zu schen und Fhren Brief anzunehmen ? /‘ Dies würde eine Art von Anklage seyn, der t< mich chmen könnte: ih bin schon dfter von Königlicher Hand verleßt worden ;

dfter noch aber hahe ich auf die Gunstbezeigungen des Hofes verzichtet,

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2315 F E T P E A E S H S E B R: t T I S E R Ee at

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