1875 / 106 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Schleswig-Holstein, die Denkschrift und di zu dem Geseß- entwurf eingegangenen Petitionen. Der Berichterstatter Herr Hasselbach stellte Namens der Kommisfion den Antrag: 1) den vorangeführten Geseßentwurf unverändert, in Uebereinstimmung mit dem Hause der Abgeordneten, anzunehmen; 2) die Denk- \chrift und die Petitionen durch die zu dem Gesegentwurf ge- faßten Beschlüsse für erledigt zu erklären, und das Haus trat

dem Antrage bei. i Der vierte Gegenstand der Tagesordnung war der münd-

lihe Bericht der Budgetkommission über die Petitionen der Eemeinde-Kirchenräthe zu Seehausen A.-M., Wahrenberg, Fylsen, Grafsau, Klinke, Arendsee und Neuendorf a. S. mit dem An- trage: die im diesjährigen Staatshaushalts-Etat zur weiteren Verbesserung der äußeren Lage der Geistlihen neu bewilligten 9 Millionen Mark nicht zur Erhöhung der Minimal-Gehälter allein, sondern auch zur Ertheilung von Alterszulagen auf Grund bestimmter Dienstjahre zu verwenden und hiernah den Vermerk zu Kapitel 127 Titel 3 in verschiedenen Punkten abzuändern. Auf Antrag des Referenten Herrn Theune beschloß das Haus ohne Diskussion, diese Petitionen durch die Feststellung des Staatshaushalts-Etats und durch die bei dieser Gelegenheit stattgefundenen Verhandlungen für erledigt zu erklären.

Den fünften Gegenstand der Tagesordnung bildete der mündliche Bericht der Budgetkommission über die Petition der Gerichtsvögte für den innern Dienst bei den höheren Gerichten in der Provinz Hannover, wegen Erhöhung des Gehaltes und der dewilligten Wohnungsgeldzushüsse. Auch über diese Petitionen berichtete Herr Theune und auf seinen Antrag beschloß die Kom- mission ohne Diskussion den Uebergang zur Tagesordnung.

Der \ech}stck Gegenstand der Tagesordnung war der Bericht der JIustiz-Kommission über den Geseßentwurf, betreffend den standesherrlihen Rechtszustand des Herzogs von Arenberg wegen des Herzogthums Arenberg-Meppen. Zur General- disfussion sprachen gegen das Geseß die Herren Graf v. Lands- berg-Vehlen und Graf zur Lippe, worauf der Justiz-Minister Dr. Leonhardt bei Schluß des Blattes Veranlassung nahm, in die Generaldiskussion einzugreifen.

Im ferneren Verlaufe der gestrigen Sißzung des Hauses der Abgeordneten, der auch noch die Staats- Minister Graf zu Eulenburg, Dr. Achenbah «und Dr. Frieden- thal beiwohnten, beendete zunächst der Staats-Minister Dr. Falk seine Rede für das Geseh, betreffend die Orden und ordens- ähnlihen Kongregationen der katholishen Kirche unter großem Beifall des Hauses. (Wir werden die Rede am Montag mit- theilen.) Es folgte ihm der Abg. Jung für die Vorlage. Der Abg. Frhr. von Schorlemer - Alst erklärte sich darauf gegen das * Geseß und suchte die Ausführungen der Vor- redner und der Motive der Vorlage zu widerlegen. Der Abg. Klöppel wies an den einzelnen in Frage kommenden Ver- fafsungsartikeln nah, daß das Geseß durhaus verfassungsmäßig fei, Damit {loß die erste Lesung; es wurde \ofort in die zweite eingetreten.

S. 1 lautét:

__ Alle Orden und ordensähnlichen Kongregationen der katholischen Kirche find vorbehaltlich der Bestimmung des $. 2 von dem Gebiete der preußischen Monarchie ausgeschlossen. Die Errichtung von Nie- derlassungen derselben ist untersagt. Die zur Zeit bestehenden Nieder- lassungen dürfen vom Tage der Verkündung dieses Geseßes ab neue Mitglieder, unbeschadet der Vorschrift des $. 2, nicht aufnehmen, und ind binnen se{chs Monaten aufzulösen. Der Minister der geistlichen ngelegenheiten ist ermächtigt, diese Frist für Niederlassungen, welche sich mit dem Unterricht und der Erziehung der Jugend beschäftigen, um für deren Ersaß durch -anderweite Anstalten und Einrichtungen Zeit zu lassen, bis auf vier Jahre zu verlängern. Zu gleihem Be- hufe kann derselbe auch nah Ablauf dieses Zeitrauins einzelnen Mit- gliedern von Orden und ordensähnlichen - Kongregationen die Befug- niß gewähren, Unterricht zu ertheilen,

Hierzu lag ein Amendement des Abg. Dr. Virchow vor: in Alinea 1 hinter „Kirche“ die Worte einzuschieben: „welche ihre Mitglieder durch Gelübde oder Eide verpflichten“.

Nachdem sich der Abg. Windthorst (Meppen) in längerer Rede gegen diesen Paragraphen und gegen das ganze Geseh ausgesprochen, wurde die Debatte über $. 1 úm 43 Uhr vertagt.

In der heutigen (64.) Sigung des Abgeord- netenhauses, der am Ministertish die Staats - Minister Dr. Leonhardt, Dr. Falk, der Ministerial-Direktor Dr. Foerster und mehrere andere Regierungs - Kommissarien beiwohnten, wurde zunächst der Eingang eines Geseßentwurfes, betreffend einen mit dem Herzogthum Anhalt abgeschlossenen Rezeß Über die Regelung der Grenz- und Hoheitsdifferenzen angezeigt. Daun nahm das Haus ohne vorhergehende Spezialdiskussion den Geseygentwurf über das Vormundschaftswesen en bloc an, nachdem der Justiz-Minister Dr. Leonhardt \sich mit den von der Kommission vorgenommenen Aenderungen .. einver- standen erklärt hatte.

Darauf wurde die gestern vertagte Debatte über den

. 1 des Gesetzentwurfs, betreffend die Orden und ordensähnlihen Kongregationen der katholischen Kirche fortgeseßt. Dafür \prach der Abg. Dr. Petri, der die vielfahen Schäden und Nachtheile der Klöster darstellte. Der Ministerial-Direktor Dr. Foerster ergriff darauf das Wort, um besonders die Frage der Verfassungsmäßigkeit der Vorlage zu erörtern. Gegen den Paragraphen \prach dann der Abg. Dr, Franz, der die Schädlichkeit der Klöster leugnete, die Behaup- tung, daß in ihnen unbedingter Gehorsam herrsche, als un- rihtig- verwarf, und beim Schluß des Blattes von der Wirksam- ïeit der Schulorden sprach.

Der General - Major und Inspecteur der Kriegs\chulen von Hartmann hat sich auf Inspizirungsreisen begeben.

Der General-Arzt des V1. Armee-Corps Dr. Prot is mit Urlaub von Breslau hier eingetroffen.

Der vom 15. d. M. an auf der Märkish-Posener Eis enbahn in Kraft tretende neue Fahrplan liegt der heu- tigen Nummer dieses Blattes bei.

Breslau, 8. Mai. (W. T. B.) Der Fürstbishof Dr. Foerster gedenkt, wie die „Schlesische Zeitung“ meldet, aus Johannisberg nicht zurückzukehren. Alle wesentlichen Vermögens- objefte, Geld, Dokumente sollen in Sicherheit gebracht sein. Der Fürstbischof beabsichtigt, wie die „Schlesische Zeitung“ wiederholt bemerkt, nicht die Verwaltung der hiesigen Diözese von Johannis- berg fortzuführen und will vielmehr die daraus für den Klerus hervorgehenden Schwierigkeiten möglichs| vermeiden. Die Er- nennung eines geheimen Delegaten soll niht zu erwarten sein.

Bayern. München, 5. Mai. Das Amtsblatt des Kö- niglihen Staats-Ministeriums des Innern veröffentliht das nah vorgängigem Einvernehmen von Sachverständigen festgeseßte Ver- zeihniß der Gebäude, bei welchen wegen Bestimmung oder Be- nußung zu feuergefährlihen Zwecken Erhöhungen der Bei-

träge zur Immobiliar-Brandversicherungs-Anstalt eintreten. Die Erhöhungen sind per Mille der Versicherungs- summe bemessen. Von den Gebäuden, welche seither einem er- höhten Beitrag unterlagen, find im neuen Verzeichniß nicht auf- geführt, also für die Zukunst von einem erhöhten Beitrage be- sreit: Bäckereien und Buchdruckereien ohne Dampfbetrieb, Küchel- bäckereien, Töpfereien, dann Apotheken, wenn sie niht ein größeres chemisches Laboratorium besien. Dem höchsten Beischlage (1 Pro- zent der Versicherungs\umme) unterliegen: chemishe Fabriken, wenn entzündliche Stoffe (Phosphor, Schwefel, Kohlenstoff) darin. bereitet werden; Destillationen von Gas, Sprit (Ligroin und ähnlichen leiht entzündlihen Stoffen) und von Theer; Leinölbrennereien und Kienrußhütten; Kunstwollfabriken, Lack- und Firnißfabriken, Mineralölfabriken (Photogen, Solaröl, Pa- raffin), Pechhütten, Klempanstalten mit erwärmter Luftheizung, Torffabriken, Torfmagazine an Eisenbahnen ; öffentliche ständige Schauspielhäuser mit Schnürböden und Versenkungen; endli Zündholz- und Streichholzfabriken.'

Se. Majestät der König hat die Errichtung eines for st- lihen Versuhsbureaus und den Beitritt desselben zu dem Vereine der forstlihen Versuchsanstalten Deutschlands genehmigt. Unter Mitwirkung der Professoren des Fahs und anderer Männer der Wissenschaft, sowie unter Verwendung tüchtiger Kräfte des äußeren Dienstes sollen die Arbeiten des forstlichen Versuchswesens und der forstlichen Statistik zum Zweck der gründlichen Lösung wissenschaftliher und praktischer Fragen zur folgerihtigen Durhführung gebraht werden. Die oberste Lei- tung des gesammten forsilihen Versuhswesens verbleibt dem Staats-Ministerium der Finanzen, von welchem alle allgemeinen Anordnungen und Verfügungen erlassen werden.

8, Mai. (W. T. B.) Die Prinzessin Alexandra von Bayern, geboren 26. August 1826, is in Folge eines EcHirnschlages heute Vormittag plôglih verschieden.

Sachsen. Dresden, 7. Mai. Se. Majestät der König empfing vorgestern (Mittwoch) in der Königlichen Villa zu Streh- len cine Deputation des Allerhôhstdemselben von Sr. Ma- jestät dem König von Bayern verliehenen Königlih bayerischen Snfanterie-Regiments Nr. 15. Die Deputation, bestehend aus dem Regiments-Commandeur, Obersten Kohlermann, dem Bataillons-Commandeur, Major Emonts, dem Compagnie-Chef, Hauptmann Albert, und dem Regiments-Adjutanten, Premier- Lieutenant v. Gosen, wurde darauf zur Königl. Tafel gezogen, ei. der Königlich bayerishe Gesandte, Frhr. v. Gasser, an- wohnte.

Hessen. Darmstadt, 5. Mai. Die Zweite Kammer ist auf den 10. d. M. einberufen. Auf der Tagesordnung stehen, abgesehen von Wahlprüfungen, die Regierungsvorlagen wegen Subvention zu Straßenbauten, der Gesezentwurf wegen Ausführung des Reihs-Jmpfgeseßes, der Antrag Dumont wegen Aufhebung der von Notaren, Anmwälten, Gerichts\{hreibern und Gerichtsvollziehern in Rheinhessen zu hinterlegenden Dienstkau- tionen, endlih die Ausloosung der Hälfte der Abgeordneten zu- folge des Art. 48 des Wahlgeseßes. Am nächsten Sonn- abend wird der Finanzaus\chuß der Zweiten Kammer zu- sammentreten, um über die Rekommunikation der Ersten Kam- mer, betreffend die Erhöhung der Pensionen der bis zum Jahre 1874 iv Ruhestand getretenen Civilpenfionäre, zu beschließen.

Sachsen-Weimar-Eisenach. Weimar, 5, Mai. Am Großherzoglichen Hofe wird gegen Ende Juni der Besuch Sr. Majestät des Kaisets von Rüßland erwartet. Im Be- finden des seit mehreren Wochen \{chwer erkrankten Chef des Kultusdepartements, Geh. Raths Dr. Stichling, ist zwar eine Besserung eingetxeten, die jedoch nur sehr langsame Fortschritte macht. “Seiner umfangreichen, Amtsthätigkeit wird Geh. Rath Stichling ih erst in geraumer Zeit wieder zuwenden können.

Mecklenburg. Schwerin, 7. Mai. Se. Königliche Hoheit der Großherzog hat sih gestern Abend von hier nah Berlin begeben und wird mit Jhrer Königlichen Hoheit der Großherzogin, Höchstwelhe am Sonntag, den 9. d., eben- falls dorthin reisen wird, am Donnerstag, den 13. d., hierher wieder zurückkehren. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin- Mutter reist morgen Nachmittag nah Berlin und begiebt \ich von dort am 13. d. über Altenburg nach Marienbad zu einem etwa vierwöchigen Kuraufenthalt.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 6. Mai. (Prag. Ztg.) Der, Besuch des Kaisers in Dalmatien nähert ih seinem Ab- \{lu}se, und binnen wenigen Tagen wird der Kaiser nah ein- gehender Besichtigung der \üdlihsten Punkte der Monarchie, wobei Se. Majestät von der Unbill des Wetters von Neuem zu leiden hatte, die Rückreise antreten. Dieselbe wird durhgehends zu Schiffe stattfinden, und werden bei derselben die größeren dalmatinishen Inseln wie die Inseln des Quarnero des Kaiser- lichen Besuches theilhaftig werden.

Graz, 7. Mai. (W. T. B.) Die akademische Dis- ziplinarkommission hat wegen der kürzlih stattgehabten Vorgänge einen Studenten für immer, cinen anderen für ein Semester relegirt. Gegen eine größere Anzahl von Studirenden wurde auf Ertheilung eines Verweises erkannt.

Nano, 5. Ma, (V. D B) Der Kaiser Franz Josef machte gestern einen Ausflug nah dem Fort Dragalj in der Crivoscie. Unterwegs wurde dersilbe allenthalben von den lebhaftesten Ovationen der Bevölkerung empfangen. Auf der Hochebene von Dragalj brachten ihm die Ortsältesten ihre Huldigung dar, in welcher sie der Versiherung Ausdruck gaben, daß die Bevölkerung dem Kaiser in treuester Ergeben- heit anhänge. Der Statthalter von Dalmatien, Feldzeug- meister Frhr. v. Rodih, beantwortete im Namen des Kaisers die Ansprache der Ortsvorsteher, denen er erklärte, daß der Kaiser die kundgegebenen Versicherungen der Anhänglichkeit mit großer Freude entgegengenommen habe. Der Kaiser habe die Verirrungen der Vergangenheit vergessen und hoffe; daß die Bocchesen ihren Versprehungen stets eingedenk bleiben würden. Der Kaiser kehrte nah dem Besuch des Forts alsdann hier- her zurü.

Schweiz. Bern, 7, Mai. (W. T. B.) Die Lands- gemeinde des Kantons Glarus hat nah lebhaften Debatten die revidirte Kantonsverfassung abgelehnt und an den Landrath zurückgewiesen.

Miz2derlande. Haag, 7. Mai. (W.T.B.) Nach Meldungen aus Atchin vom 30. v. M. haben die Niederländer die Befestigungs- werke der Atchinesfen bei Lohong (zwishen Mandarfapoeti und Longbatta) erobert. Soengeiraya an der Ostküste hatte \sch der niederländishen Herrschaft unterworfen.

Velgien. Brüssel, 7. Mai. (W. T. B.) In der De- putirtenkammer standen heute die Aktenstücke in der

deutsh-belgishen Angelegenheit zur Diskussion. Der Deputixte Frère Orban erklärte sich mit der Haltung der Regie- rung und der Sprache, welche sie dem Auslande gegenüb.r ge- führt habe, einverstanden und sprach die Ansicht aus, daß alle Befürchtungen für die Unabhängigkeit Belgiens, für seine staat- lichen Institutionen und die Freiheit der belgishen Presse jeßt vershwunden seien. Die Situation des Ministeriums sei indessen bedenklich und \chwierig, da gerade die politishe Partei, welcher dasselbe angehôre, nah Innen das Land an den Abgrund des Bürgerkrieges bringe und nah Außen Belgien Verwickelungen mit dem Auslande bereite. Der Redner sprach darauf über die An- griffe der katholischen Presse gegen den Liberalismus und über die gegen denselben gerihteten Fastenbriefe der Bischöfe seinen ent- schiedenen Tadel aus. Frère Orban verlas sodann mehrere be- zügliche Artikel aus katholishen Blättern und einzelne Stellen aus den Fastenbriefen und betonte besonders, daß das Kabinet fich von dem Einflusse seiner Partei freimachhen müsse. Dasselbe hätte in der Angelegenheit Duchesne seinen Verpflichtungen gegen Deutschland nachkommen können, ohne sich dem Vorwurf der Schwäche auszuseßen, da die liberale Presse dasselbe gegen die Journale der eigenen Partei unterstüßt haben würde. Zu bil- ligen sei, daß die Regierung die Verpflichtung übernommen habe, diejenigen Aenderungen der Geseßgebung zu prüfen, welche Deutschland und andere Staaten vorzunehmen gesonnen seien. Mehr als je habe Belgien Ursache, mit den Garantiemächten, be- sonders aber mit seinen Nachbarn in guten Beziehungen zu leben. Die Neutralität sei keine Festung, in die man sich eins{hließen könne, um s\ih feinen Verpflihtungen zu entziehen. Nachdem Thonissen von der Rechten hervorgehoben hatte, daß das belgishe Volk seit 40 Jahren mehrfache Modifikationen sciner heimischen Geseßz- gebung vorgenommen habe, um seinen internationalen Verpflich- tungen genügen zu können, führte der Justiz-Minister aus, daß der seinem Departement bezüglih der Angelegenheit Duchesne gemachte Vorwurf der Unthätigkeit niht zutreffe. Belgischerseits habe man den Ersuchen der deutschen Behörden bereitwilligst entsprochen, der Eifer der belgishen Behörden fei von dem deut- hen Gesandten lobend anerkannt worden. Das Untersuhungs- verfahren gegen Duchesne sei auch noch niht beendet. Hierauf wurde die Sißung vertagt.

Großbritannien und Jrland. London, 6. Mai.

Ihre Majestät die Königin wird am nächsten Montag Aldershot besuchen, um eine Nevue über die daselbst stationirten Truppen abzuhalten. Der Herzog und die Herzogin vonEdin- burah find von Eastwell-Park für die Saison nach Clarence- House, ihrer Residenz in- London, zurückgekehrt. Die Königin hat, wie die offizielle „London Gazette“ meldet, den Prinzen Tewfik Pascha, ältesten Sohn des Khedive von Aegypten, zu einem Ehren-Großcomthurritter.des Ordens des Sterns von Indien ernannt. Laut einer Depesche aus Bombay i| Major Euan Smith zum General-Konsul und politishen Agenten in Zanzibar ernannt worden und begiebt fih unverzüglih auf seinen Posten. Mai. (W. T. B.) Sitzung des Unterhauses. Nachdem Disraeli angezeigt hatte, daß des Pfingstfestes wegen die Sißungen vom 13. bis 20. Mai cr. ausfallen würden, begann die Budgetberathung. Gladstone griff} das vorgeledte Budget heftig an und wies darauf hin, daß das abgelaufene Rechnungsjahr anstatt des angekündigten Uebershusses in Wirk- lichkeit ein Defizit von 6000 Pfd. Sterl. aufweise, auh das lau- fende Rehnungsjahr werde wieder ein Defizit crgeben. Die weiteren Angriffe Gladstone's richteten sih gegen die Vermehrung der Ausgaben, gegen die Fortdauer der Einkommen- steuer und hauptsählich gegen die Art der Verminde- rung der Staatsshuld, die auf eim Prinzipe be- ruhe, das stets fehlerhaft. gewesen sei. Der Scayhÿ- kanzler Sir S. H. Northcote erklärte in seiner Antwort, es sei allerdings rihtig, daß vorausfihtlich Supplementax-Kredite er- forderlih sein würden, welhe den Uebershuß vielleiht über- reiten könnten, andererseits sei aber auch eine Vermehrung der Einnahmen zu erwarten. Der Schatzkanzler vertheidigte alódann die Reduktion der Staats\{huld. Hierauf \prach fich Lowe gegen die Finanzvorlagen des Schaßkanzlers aus, welche wenig Vertrauen einflößten, tadelte überhaupt das Verfahren des Ministers und bezeichnete ein Defizit in Friedenszeiten als eine nationale Kalamität.

Im Oberhause stellte Viscount Cardwekll den Antrag, den Gesetzentwurf abzulehnen, wonach den Offizieren gestattet wird, ihre Regimenter zu wehseln. Nach einer langen Debatte wurde beschlossen, die zweite Lesung. vorzunehmen.

Italien. Rom, 7. Mai. (W. T. B.) In der heutigen Sizung der Deputirtenkammer wurde die Debatte über den Antrag Mancini's, betreffend das Verhalten der Re- gierung gegenüber dem Klerus, fortgeseßt. Nachdem der Deputirte Lioy die dem Ministerium gemachten Vorwürfe als ungerechtfertigt bezeichnet, der Deputirte Tojani aber wieder- holt hatte, daß die Geseßze dem Klerus gegenüber nicht in der erforderlihen Weise angewendet würden, süchte Minister-Präsident Minghetti nachzuweisen, daß die Regierung von den ihr durch das Garantiegeseß gewährten Vollmachten guten Gebrauch ge- macht habe. Die Interpretation, welche die Regierung dem Ge- setze gegeben, sei geseßlich und opportun gewesen, bei der Er- theilung des Exequatur sei die Regierung mit großer Vorsicht zu Werke gegangen und habe sih bemüht, der öffentlichen Meinung Rehnung zu tragen. Dies ergebe sih aus den vom Justiz- und Kultus-Minister erlassenen Instruktionen, aus den bezüglichen- Artikeln des neuen Strafgeseßbuchs und aus verschiedenen in Bezug auf den öffent- lihen Unterriht vom Ministerium gemachten Vorschlägen. Das von der Regierung verheißene Gesey über Regelung des kirch- lihen Eigenthums werde troy aller Schwierigkeiten, welche die Natur cines solhen Geseßes mit sich bringe, vorgelegt werden, und zwar in dem Sinne, daß \owohl der Geistlichkeit wie den Laien die Theilnahme an der Verwaltung des kirhlihen Ver- mögens zu gestatten sei. Was die Politik des Ministeriums ge- genüber der Kirche betreffe, so müsse er an die seiner Zeit vom Minister-Präfidenten Cavour gemachten Versprehungen und an die darauf bezüglihen Kammerdebatten erinnern. Nachdem \päter die weltlihe Macht. des Papstes ein Ende genommen, habe sih eine größere Beruhigung der Geister eingestellt und Italien liefere den Beweis, daß der Papst und die Kirche die Unab- hängigkeit und die Freiheit der Kirche bewahrt erhielten, Diese Thatsache werde von Jedermann anerkannt und die bezügliche Politik der italienishen Regierung werde von Europa gebilligt. Dieselbe dürfe deshalb auß nicht geändert werden, wenn man sich niht den Gefahren aus\eßen wolle, die eine der seitherigen entgegengeseßte Politik mit sich führe. Er erwarte deshalb mit Zuversicht, daß der Beschluß der Deputirtenkammer eine aber- malige Bestätigung der liberalen Traditionen Italiens sein werde. Nach der beifällig aufgenommenen Rede des Minister-Präsidenten wurde die Generaldebatte geschlossen. Die Abstimmung über die

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verschiedenen, von den einzelnen Rednern gestellten Anträge und Tagesordnungen erfolgt voraussfihtlich er morgen.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 3. Mai. (H. N.) Der König hielt heute Staatsrath, um für die Dauer seiner Abwesenheit von hier eine stellvertretende Regie- rung einzusegen. Als Wortführender derselben wird Staats- rath Berg, als Mitglieder die Staatsräthe Wennerberg, Weiden- hielm und Lovén fungiren.

Amerika. Eine in Paris eingegangene Meldung der französi- hen Gesandtschaft in Haiti bestätigt, daß am 2. d. in Port au Prince ein Versuh zum Umsturz der Regierung gemacht wurde. Am 3. d. war aber die Ruhe wieder hergestellt; die Generale Monplaisir, Pierre und Brice, welhe an der Spiße der Bewe- gung standen, haben beim Aufstande das Lehen eingebüßt.

__— Nath einer in Buenos Ayres erscheinenden deutschen Zeitung fand aus Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers auch dieses Iahr am 22. März wieder in den Räumen der dortigen Minister-Residentur ein Festmahl statt, zu welchein der Präsident der Republik, Avellaneda, der Gouverneur der Provinz Buenos Ayres, der Minister der auswärtigen An- gelegenheiten und alle Chefs der dortigen fremden Gesandtschaf- ten Einladungen erhalten hatten. Gegen Ende des Mahles er- hob sih der Präsident und brate den Toast auf Se. Majestät den Kaiser aus, auf welchen der deutsche Minister-Resident dan- kend erwiderte.

Der in Caracas erscheinenden „La Opinion Nacional“ vom 22. März d. I. zufolge is daselbst der diesjährige G e - burtstag Sr. Majestät des Deutschen Kaisers durh ein Bankett, zu welhem der Minister-Resident Dr. Erwin Stammann verschiedene seiner Landsleute geladen hatte, festlich begangen worden. Die deutsche Flagge wehte den Tag über auf dem

Rembrandt-Ausfstellung im Königlichen Kupfer sti- Kabinet.

In den #{ ônen Räumen des Kupferstich-Kabinets wurden in neuerer Zeit bereits öfters Ausstellungen veranlaßt, welche meisten- theils den Zweck hatten, große neue Acquisiticnen dem Auge des kfunstliebenden Publikums vorzuführen. Mit der nun eröffneten Rembrandt-Aus|tellung beabsichtigt die Direktion des genannten Ka- binets cine neue Art von Ausstellungen ¿zu inauguriren. Wie in der genannten Ausstellung das Schönste und Kostbarste, was das Ka- binet an Werken des genialsten holländischen Maler-Radirers besißt, dem Publikum vorgeführt wird, um! gleichsam mit einem Blicke das uner\chöpfliche Talent des Künstlers leuchten zu lassen, so sollen fich an diese Ausstellung andere anschließen, welche in gleicher Weise berühmte Künstler anderer Schulen vorführen werdcn. Zwar sind nicht alle Blätter Nembrandts, die das Kabinet besißt, zur Aussftel- lung gelangt, viele eignen sich ihres Gegenstandes wegen nicht, für alle ist kein Raum vorhanden, aber wir begegnen doch einer reichen Auswahl, die uns das vielseitige Talent des Künstlers in vortheil- haftestem Lichte zeigt. Da schen wir zuerst verschiedene Selbstbild- nisse des Meisters, der sih in verschiedenem Lebensalter, in diversen Stimmungen selbst abgebildet hat. Eine prächtige Erscheinung ift ¿. B. sein Bild mit dem Baret (B. 21, B. bedeutet Bartsch, der den Meister beschrieben hat). Auf B. 19 kommt er mit seiner Frau vor. Daneben sehen wir einen anderen Abdruck desselben Blattes, aber die Stelle seiner Frau nimmt die Mutter «in, der Künstler hatte durch eigene Manipulationen beim Druck von zwei Platten einen Abdruck gemacht. Rembrandt zeichnend (B. 22) ist ein Meisterslück von Clair - obscur, zugleißh eine Seltenheit in dieser Abdrucksgattung, wo man durch das ofene Fenster noch keine Landschaft sicht. Auch die beiden Bildnisse mit dem Schwert und mit dem Falken sind vorzüglich und selten. In den Darstellungen, deren Stoff der Künstler der Bibel entlehnt, müssen wir die genaue Bibelkenntniß bewundern, mit welcher die Gegenstände komponirt und durchgeführt sind. So Abrahams Gast- freund\chaft (B. 29), die Opferung Jsaacs (B. 35). Großartig ist der Triumph des Mardochai aufgefaßt (B. 40), Mit wie wenig Mitteln ift hier Großes geleistet! An dem Blatte B. 44, welches die Verkündigung an die Hirten darstellt, wissen wir nicht, was wir mehr bewundern sollen, die bis ins kleinste Detail ausgeführte Land- haft oder die Thiergruppe, in welche das ungewohnte Himmelslicht den größten Schrecken gejagt hat. Die Anbetung der Hirten (B. 46) hat der Künstler in seiner naiven Art in irgend eine arme hollän- dische Hütte verseßt, vielleicht mit gleihem, wenn niht mit mehr Recht, als „wenn italienische Künstler uns diese Scene mit allem theatralischen Pompe vorführen, Die Landschaft mit der Flucht nach Aegypten B. 56 ift darum interessant, weil sie Rembrandt auf einex Platte von Herc. Zeghers radirte; man sieht von der ursprünglichen Darstellung einer Opferung JIsaacs noch den Flügel des Engels im Dunkel der Baumgruppe rets. Christi Predigt B. 67 ist ein Eöstlihher Abdruck auf japanishem Papier. Das alte japanische Papier brachten die Holländer aus Japan, es ist zum Kunstdruck noch geeigneter wie Pergament. Holländishe Künstler verwendeten es nur zum Abdruck der kostbarsten Blätter, welche bereits bei Lebzeiten der- selben jehr hoch bezahlt wurden. Auch das sogenannte Hundert- guldenblatt, Ehristus heilt die Kranken (B. 74), cin Hauptwerk des Künstlers, ist auf japanischem Papier abgedruckt; es ist ein Pracht- druck mit breitem Rande, sein Preis nicht zu bestimmen. Es heißt das „Hundertguldenblatt“, weil der Künstler für ein Eremplar derselben von einem italienischen Kunsthändler Kupferstiche im Werthe von 100 Gulden (damals eine hohe Summe) eintaushte. Auch die Samariterin am Brunncn ift ein foftbares Blatt, ein L Abdruck auf japanischem Papier, mit der lihten Fläche oben. Später is die Platte oben bis zur Darstellung verkleinert worden. Die beiden Blätter B. 86 und 87 zeigen uns, daß der Meister die Radirnadel in den verschiedensten Formen ganz frei zu behandeln wußte, weshalb es auch ganz unzweck- mäß erscheint, von einer Manier Rembrandts zu sprechen. Ein flüch- tiger Blick auf die Ausstellung zeigt uns eine Mannigfaltigkeit der Darstellungswciie, wie sie sonst kein Radirer und kein Stecher auf- zuweilen hat. Man vergleiche in dieser Hinsicht nur die großen Blätter, zwei Darstellungen Christi durch Pilatus (B. 76 uud 77) mit der Kreuzizung (B. 78) und Kreuzabnahme (B. 81). Von erst- genanntem Blatt sehen wir zwei Abdrucksverschiedenheiten, die uns zeigen, wie der Künstler mit seinem Werk nie zufrieden, \tets daran änderte und verbesserte. Ein dreifaher Abdruck von B. 78 for- dert zu gleichem Studium heraus. Der barmherzige Sama- riter, der den Verwundeten im Gasthaus unterbringt (B. 90) ist eine tiefdurhdachte Komposition, wie uns kein Künstler diese Scene sonst gemalt hat. Das ausgestellte Blatt ift zugleich ein seltener und fostbarer erster Abdruck mit weißem Schweif des Pferdes, der später überarbeitet wurde. Wie die biblischen, so auch die Begebenheiten der Legende hat sich der Künstler nah seiner Weise zurechtgelegt, bei den zwei Heiligen der Einsamkeit, dem h. Franciscus und Hiero- nymus hat der Künstler mit feinem Gefühl einen besonderen Nac- druck auf die Landschaft gelegt.

Eigentlich historishe Darstellungen besißen wir im radirten Werke des Meisters nicht; das ausgestellte Blatt mit der Hochzeit des Jason (B. 112) ift eigentlich nur eine Jllustration zum gleichnamigen Theaterstück seines Freundes, des Amsterdamer Bürgermeisters Sir.

Bekanntlih besißt die holländishe Malershule die meisten und geschäßtesten Genremaler; wir wollen nur an Ostade, Teniers, Bega, Brauwer u. \. w. erinnern, Aber keiner hat uns ein treffenderes Bild des holländishen Straßenlebens hinterlassen, wie Rembrandt, Was wir hier betonen wollen, is , daß er über seine Figuren und Gruppen der. Armuth und der Niedrigkeit einen Lichtstrahl der Poesie fallen läßt. Brauwers Bauern sind rohe Erscheinungen, mit oller Virtuosität in ihrer Verkommenheit auf die Leinwand fixirt; Rembrandts Bettler in ihren zerrissenen Män-

Hause der deutschen Gesandtshaft und auf denen \sämmtlicher Unterthanen des Kaisers in Caracas. Die Flagge von Venezuela flatterte vom Regierungspalaîst, die fremden Gesandtschaften und Konsulate hatten ebenfalls die Flaggen ihrer resp. Nationen ge- hißt, um den Deutschen Kaiser an seinem Geburtstage zu ehren.

Asien. Shanghai, 7. Mai. (W. T. B.) Die Kapelle der amerikanishen Methodisten in Quikang is von der Bevölke- rung zerstört worden. Die inesishen Behörden haben. Genug- thuung angeboten,

_— Der König von Birma hat einer Depesche der „Times“ aus Rangoon zufolge eine friedfertige Proklamation erlassen, in welcher er bemerkt, daß er den Frieden wünsche. In Baroda is alles ruhig. Die Cholera herrs{ht daselbst, ift aber noch nicht in dem Truppenlager zum Vorschein gekommen,

Vereinswesen.

_Zu der am 1, Mai in Sch{chwerin abgehaltenen General- versammlung ‘des mecklenburgishen Landes-Vereins der Kaiser Wilhelms-Stiftung für deutshe Invaliden hatten Deputirte entsandt: Die Lokalvereine zu Boizenburg, Hage- now, Wittenburg, Wismar, Büßow, Rostock, Güstrow, Stavenhagen, Teterow, Dargun und Schwerin. Nach dem erstatteten Jahresbericht hat sich die Zahl der Mitglieder sämmtlicher-Lokalvereine wieder um 918 vermindert. Unterftüßt wurden 1874 a. Invaliden vom Feld- webel abwärts 100 durch 7861 Æ 83 4, b, Hinterbliebene zu a. 99 durch 2798 4, ec. Offiziere, 1 durch 225 , in Summa 160 Personen durch 10,884 4. 83 S, gegen 1873 —32 Invaliden, +— 10 Hinterbliebene durch im Ganzen 1196 34 „g. Die vorhandenen Mittel des Vereins bestehen: 1a. in dem Kapitalfonds des Landes- Ausschusses von 16,980 M, b, in demjenigen der Zweigvereine von 24,770 M. 17 S, e. in dem Kassenbestand in Abtheilung 1 der Zweig- vereine von 58 M 10 4, 2a. in dem Kassenvorrath in Abtheilung 2 des Landes-Ausschusses von 6645 M 34 -5, b. demjenigen der Zweig-

? teln exwecken Mitleid. Man betrachte den blinden Bettler mit seinem Hund (B. 175), die wandernden Mufikanten (B. 119), das Weib, welches Zwiebeln feil bietet (B. 139) und man wird uns Recht geben. Das Büättchen mit dem Stern der Weisen (B. 113) erinnert uns an die Sitte, wie sie fih in einzelnen Gegenden bis auf den heutigen Tag crhalten hat. Das Innere einer Synagoge hat uns der Künsiler auf einem kleinen Blatte (B. 126) mit aller Wahrheit gezeichnet. Auch den Erzählungen der Sage war des Künstlers Ohr nicht verschlossen, wie uns sein groß aufgefaßtes Bild mit dem studi- renden Dr. Faust (B. 270) und das Blatt mit der spanischen Zigeu- nerin (B. 120), eine Illustration zu „Pretiosa“ beweisen. Die beiden Blätter, welche, wie der Kunstsprahgebrauch sagt, akademische Figu-: ren darstellen (B. 197, 202) find Meisterstücke deë H:lldunkels.

Die größte Virtuosität entwickelte Rembrandt als Porträtmaler, mag er nun eine Persönlichkeit mit Farben auf die Leinwand oder mit der Radirnadel auf die Platte gemalt haben. Auch giebt er uns in jedem seiner Bildnisse so zu sagen ein historisches Bild? den Arzt Ephraim Bonus läßt er über die Treype bedächtig herabsteigen, offenbar kommt er in Nachdenken versunken von einem Krankenbette und der s{chwere Fall giebt ihm zu denken. In gleicher Weise ist der Schreibmeister Coppenol (zweimal, B. 282. 283), der Prediger C. Anélo (B. 271), der Maler Jan Asffselyn (B. 277), der Goldwieger Uytenbogaert (B. 281), die beiden Haaring, Vater und Sohn (B. 274. 275), der Goldarbeiter Lutma (B. 276) aufgefaßt. Der Preis unter den ausgestellten Bildnissen gebührt aber dem Porträt des Bürgermeisters Six (B. 285), es ift ein Meisterstück der feinsten Radirung, des vollendeten Helldunkels nicht minder, wie der eminenten Charakterisirung der Individualität des Dargestellten. Das Exemplar ist auf japanishes Papier gedruckt, hat breiten Nand und ist ein erster kostbarer, wie es heißt aus des Dargestellten Besiß stammender Ab- druck, vom Künstler stellenweise mit Weiß gehöht und in Wirkung gesetzt, Das weibliche Bildniß (B. 340), früher gewöhnli die Juden- Cat c stellt eigentlich des Künstlers erfte Frau Saskiä Uylen- zurg dar.

Auch als Landschafter mach{-Rembrandt keinen geringeren An- spruch auf Anerkennung. Die ausgestellten Blätter diefer Richtung enthalten nur Vorzügliches; in jedem derselben erscheint der Künstler originell, der keine Wiederholung, selbst in der Form der Behandlung, leiden kann.

Endlich sind noch 25 Original - Handzeichnungen des Künst- lers ausgestellt. Das interessanteste Blatt dürfte die Silberstift- zeichnung auf Pergament sein; es stellt die erste Frau des Künstlers in nachdenkender Stellung als Braut vor, wie die eigen- händige Schrift des Künstlers unter der Zeichnung bewcist. Her- vorzuheben ist ferner eine Kopie nach dem leßten Abendmahle des L, da Vinciz; hier zeigt uns der Künstler, wie er in seinem nie ruhenden Geiste eine fremde Jdee zu verarbeiten und zu seinem geistigen Eigenthum umzuwandeln wußte Auch der männliche Kopf mit Hut, in s{chwarzec Kreide ausgeführt, und der Mönch in der Zelle find hervorzuheben, so wie die große Landschaft mit der Stadtansicht, von welcher leßterer sih eine ähnliche, aber mehr ausgeführte Zeich- nung in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien befindet. Zehn Blätter dieser Zeic-nungen stammen aus Hausmanns Nachlaß, der bekanntlich in jüngster Zeit für das Kabinet erworben wurde.

Am 5, d. M. hat in Erlangen die feierlihe Enthüllung des Herzdenkmals stattgefunden. Jn dem stattlihen Festzuge befanden fich als Vertreter der Staatsregierung Minifsterial-Rath Völk, als Vertreter der Kreisregierung Medizinal-Rath Dr. Martius, Deputationen der Gemeindekörpershaften von Bamberg, Bayreuth, F@ckth, Nürnberg, Vertreter der Universitäten München, Würzburg, Erlangen, die hiesigen Militär- und Civilbehörden, die Studenten- schaft x. Die Straßen, durch welche der stattliche Zug sich bewegte, waren festlich ges{mückt und eine große Menschenmenge bildete Spalier. Das Monument zeigt Herz in cinfahem Gehrocke; in dem portrait- ähnlichen Anilitze sind die Haupt-Charakterzüge des Gefeierten : Milde und Herzensgüte vollendet ausgedrückt. Die Vorderseite trägt die Inschrift: Professor Dr, Jakob Herz, geboren 2. Februar 1816, ge- storben 27, September 1871. Die Nückjeite giebt den Enthüllungstag an.

Am 6. d. M, ist in Bremen die neue Brücke über die Weser, die Kaiserbrücke, welhe im Anschluß an die Kaiserstraße nach der grcßen Allee in der Neustadt hinüberführt, eröffxet worden. Der „Neustädter Verein“ hatte eine enlspcehende Festlichkeit veranstaltet,

an“ welcher sich die Bevölkerung rege betheiligte. Ein einfacher Schmuck von Laubgewinden und Flaggen, Ehrenpforten mit den Büsten Sr. Majestät des Kaisers, Sr. Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen und des Reichskanzlers Fürsten von Bismarck an beiden Enden der Brücke, an Stelle der im Laufe des Sommers aufzuführenden Porktale, war durch den genannten Verein hergestellt,

Am 3. d. M. hat in Wien die feierliche Eröffnung des orientalischen Museums in den Räumen des Palais Windisch- gräß in der Renngasse stattgefunden. Die reichen Sammlungen, welche einst die Zierde der orientalishen Abtheilung im Jndustrie- palast der Weltausftellung von 1873 bildeten, sind nun im ersten Stockwerk des genannten Gebäudes untergebracht; im zweiten Stock- werk befinden sich die Bureaus und Lesezimmer des Museums, ausge- stattet mit Möbeln und Teppichen aus den verschiedenen orientalischen Pavillons der Ausstellung. Der Protektor des Museums Erzherzog Karl Ludwig und mehrere Minifter waren erschienen; ' der Präsident des Direktionsraths, Sektionshef Baron Hofmann, hielt eine Ansprache, in welcher er die Hoffnung ausdrückte, daß es dem Jnstitute gelingen werde, das ihm vorgezeichnete Ziel, die Förderung der Handels- beziehungen der österreihish-ungarischen Monarchie mit den Ländern des Orients und Ostasiens zu erreichen. Es fei zu hoffen, daß die reihe Sammlung den Anstoß zu einem regen Interesse der ôster-

vereine von 3044 60 und e. in belegten Kapitalien der leßte- ren von 4739 (4 7 . Das Gesammtvermögen 56,237 (A 28 4 hat fih gegen das Vorjahr vermehrt um 1154 M 73 4.

Statistische Nachrichten. i _ Ueber die Entwickelung des Zeitungswesens in Japan

wird der „N. A. Z.“ Folgendes mitgetheilt: Die Zahl der im Jahre 1874 daselbst durch die japanische Poft beförderten Zeitungen pi über 2,564,000 Stück betragen. Einzelne dieser Zeitungen haben einen recht ausgedehnten Leserkreis; an der Spiße steht in dieser Be- ziehung das Regierungsorgan „Nichi—Nihi—Shimbun“, von wel- chem allein 977,643 Exemplare befördert wurden. Die demnächst verbreitetste Zeitung heißt „Hochi Shimbun* und wurde in 756,290 Exemplaren im verflossenen Jahre befördert. Von der Zeitung „Kofi Shimpo“ dagegen wurden - nur 19 Exemplare der japanischen Post zur Beförderung übergeben. Jm Ganzen existiren in Japan bereits 34 uhr S

Nach den Statistiken des Bureau Veritas sind während des Monats März 131 Segelschiffe zu Grunde gegangen, dar- unter 72 englishe, 14 amerikanische, 13 französishe, 9 niederlän- dische, 7 italienische, 4 norwegische, 3 dänische, 3 griechische, 2 \{chwe- dische, 1 deutsches, 1 brasilianisches, 1 portugiesisches, und eines dessen Nationalität unbekannt ist. Jun dieser Anzahl sind 18 Segelschiffe inbegriffen, die als vermißt gelten. Gleichzeitig gingen 15 Dampfer zu Grunde, nämlich 9 englishe und 6 amerikanische. /

: Gewerbe und Handel.

Paris, 8, Mai. (W,. T. B.) Die „Semaine finarcière* ver- sichert, daß von dem Finanz-Minister Léon Say in «einem Finanz- beriht der Vorschlag gemacht sei, die Morgan-Anleihe in eine dreiprozentige Rente zu konvertiren und den Vertrag zwischen dem Staate und der BguL von Frankreich dahin - abzuändern, pel der für 1876 an die Bank zurückzuzahlende Betrag um 80 Millionen herabgeseßt und der Betrag für 1877 um eine gleiche Summe erhöht werde. Der Abschluß einer neuen An- leihe solle bis zum Jahre 1877 aufgeschoben und der Zwangêcours abgeschafft werden, nahdem die Rückzahlung an die Bank vollständig

; erfolgt sei.

reihischen Industriellen für den Export nach den fernen Ländern des Ostens bieten werde,

: Dae

Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Mecklen- burg-Schwerin besuhte am Freitag das Gastspiel des Her- zoglic Meiningenschen Hoftheaters in der Friedri ch- Wilhelmsstadt und wohnte daselbs der Vorstellung bis zum Schlusse bei. i

Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Friedrich Carl beehrte am Freitag die Vorstellung „Ehrliche Arbeit“ im Wallner- Theater mit Höchstihrem Besuch und wohnte derselben bis zum Schlusse bei.

Im Woltersdorff-Theater, auf welchem f rau Lotte Mende zuerst dem Berliner Publikum vorgestellt Lu E dieselbe jeßt ein Gastspiel begonnen, zuerst als Fru Klähn in der vom Residenz-Theater her bekannten gemüthvollen plattdeutshen Komödie „de lütt' Heckenros“, welhe auch Frl. S pann als Grete und Hr. Timm als Grotknecht, Gelegenheit gaben, ihre Gewandtheit im platt- deutschen Dialekt zu beweisen. Heute tritt Fr. Mende in der „Nach- tigall aus tem Bäckergang“ auf. In der neu einftudirten beliebten Gesangsposse „Der Postillon von Müncheberg“, welche in diesen Tagen cinige Male aufgeführt wurde, debütirte Frl. Marie Moris als „Fanny“ mit Erfolg. Sie verbindet mit einer au- muthigen Erscheinung ein gewandtes Spiel und eine wohlklingende geshulte Stimme. Auch der Gaft aus Detmold, Hr. Carl Fritze (Lerche) besißt ein \chöônes wohlgebildetes Organ und griff auch dur jein Spiel trefflih in das muntere Ensemble ein, dessen Träger be- sonders Hr. Köhler (BVitterling, Theaterdirektor) und Frl. Spann (Kammermädchen) sind.

Im Residenz-Theater bewährt das Lustspiel „Onkel

Braesig“ nach Frit Reuters „Ut mine Stromtied“ fortdauernde Anziehungskraft. Das elegante Theater ift allabendlih ansehnlih gefüllt und Theodor Schelper, der vortreffliche Darsteller der Titelrolle (versteht es mit „Fixigkeit* das Publikum nicht aus dem Lachen herauskommen zu lassen. Dem Anschein nach wird die in ae Theilen interessante Vorstellung noch zahlreihe Wiederholungen erleben. _ Der zweite Tag des diesjährigen Frühjahrsrennens, Sonntag, 9. Mai, weist sowohl eine größere Anzahl von Rennen wie besser beseßte Felder als der erste Tag auf; wenigstens sind die Nennungen reihhaltiger ausgefallen. Es werden 6 Rennen gelaufen und zwar „Jungfernrennen" Preis 1200 (A (12 Nennungen); „Staats- preis 4. Kl.“ 1500 Æ (9 Nennungen), „Difstriktspreis 1. Ki.“ 1500 4 (2 Nennungen), „Staatsgestütspreis“ 3000 # (8 Nennungen), „Flibustier-Handicap" 1200 A (16 Nennungen) und „Wagehals- Steeple-Chase“ 1200 4A (8 Nennungen).

Der Zoologische Garten erfreut sich seit Eintritt des besseren Wetters eines zahlreichen Besuchs. Am leßten Sonntag (2. Mai) find über 21,000 Billets an der Kasse gelöst worden. Heute findet das erste Militärkonzert statt.

Wie der „Nordd. Ällg. Ztg.“ aus Cassel telegraphirt wird, brach daselbst am 7. d. Mts. früh 5f Uhr in dem großen, auf dem Rattenburgplaße errichteten Carréschen Circus Feuer aus. Der Brand griff mit solchcr Heftigkeit um sich, daß an eine Rettung des Riesenbaues nicht zu denken war. Der ganze Circus, sammt Gaseinrichtung und Restauration, felbst die im Cicus aufgestellte Spritße und die Löschappa-ate sind verbrannt. Um 6 Uhr reiste der Direktor Carré, welcher am Tage vorher die Abschiedévorstellung gab, mittelst Extrazuges, bestchend aus 26 Wagen und 2 Maschinen, von Caffel nach dem Haag.

Bei dem stets wachsenden Interesse, welches der Erlernung und Verwendung der Stolze'shen Stenographie gegenwärtig in allen Krä- fen der Gesellschaft entgegebraht wird, dürfte die Mittheilung am Platze scin, daß eine größere Anzahl steaographirender Damen Ber- lins zu einem „Stenographishen Damen-Verein na Stolze“ zusammengetreten ist, welcher die Verbreitung der Stolze- \{hen Stenographie in Damenkreisen, sowie die Fortbildung seiner Mitglieder in der Verwendung der Schrift bezweckt. Die Sitzungen und Uebungen des Vereins werden jeden Freitag Abcnts von 7—9" Uhr in dem vom Magistrate bewilligten Lehrer Kouferenzzimmer der 24. Gemeindeshule, Neue Friedrichsitraße 32, abgehalten. Als Vorstands-Damen sind gewählt worden: Frau L. Kaeding, Büschings- straße 30, Frl. E. Bochn, Andreasstraße 41, Frl. Reimann, S@fützen- straße 30, Frl. Sauer, Enke - Plaß 7, Frau Kaseliß, Grüner Weg Nr. 37. Ueber demnächst einzulegende theoretishe Unterrichtskurse, welche f\peziell für Damen kestimmt sind und von Damen geleitet werden, wird weitere Mittheilung erfolgen.

Der Hamburger Postdampfer „Schiller“ ist nah einem an den Verein der Hamburger Afsecuradeure aus Scilly in Hamburg eingetroffenen Telegramm, von Ney-York kommend, gesteru Abend um 10 Uhr auf den Klippen beim Bishoprock. gesch eit ert und total ver- loren, Eine große Anzahl von Personen is bei dem Schiffbruch umgekommen. i

Nach weiteren telegraphischen Meldungen find von dem Dampfer „Schiller“ einige Personen, aber nur sehr wenige, gerettet. Am Bord des gesbeiterten O befand sich auch die via San Franzisko eingelangte Post von Austcalien und Neu-Seeland.

Die Nr. 18 der „Besonderen Beilage“ wird erft am Montag, 10. d. M., ausgegeben.