1875 / 127 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Achnliches sich küuftlih herstellen läßt, ob und wie in ihnen Silicium allein oder mit andern Körpern zujammen in Verbindung mit Ren und pflanzlichen Stoffen stehe, endlih ob hieraus sich eine allgemeine Ansicht über die Art der Verbindung von Mineralstoffen 3 E. gewebbildenden Substanzen im lebendigen Körper ab- en läßt. E e bungdfebrifien sind mit cinem versiegelten Briefe, den Namen des Verfassers enthaltend, beide mit gleichem Motto be- eihnet, bis zum 31. August 1877 an uns einzufenden; die Ent- sbeidung über die Preise (1700 und 680 Reichsmark) erfolgt am 11, März 1878. i j; L i 1. Juni 1875. Die philosophische Fakultät zu Göttingen. Der Dekan: Herm. Loße. Bekanntmachung. Bei der, dem Plane gemäß, heute vor Notar und Zeugen statt- efundenen 60. Serien-Siehttitt des vormals kurhessishen, bei dem Bankhause M. A. von Rothschild u. Söhne zu Frankfurt a. M. auf- genommenen Staats-Lotterie-Anlehens vom Jahre 1845 find folgende 60 Serien-Nummern gezogen worden : 95 165 215 267 298 317 396 640 662 812 898 950 1011 1031 1061 1273 1298 1342 1486 1699 1922 2024 2088 2131 2347 2411 2454 2563 2656 2891 2957 3172 3489 3624 3742 3776 3988 4066 4072 4278 4402 4434 4439 4513 4594 4655 4722 4754 4850 4886 4933 5239 5332 5388 5408 5458 6414 6575 6700 6713. Wir bringen folches hierdurch zur öffentlichen Kenntniß. Caffel, den 1. Juni 1875. Königliches A

Mittler.

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Nichtamlliches. Deutsches Neich.

Preußen. Berlin, 3.€Iuni. Se. Mafsßestät der Kaiser und König haben Sich gestern Abend nah Schluß der Oper nah Babelsberg begeben, Heute Morgen besichtigten Allerhöchstdieselben am Neuen Palais bei Potsdam das Lehr- Infanterie-Bataillon. Zum Diner, das auf Babelsberg ftatt- findet, find einige Einladungen ergangen.

Im weiteren Verlauf seiner gestrigen Sißung trat das Herrenhaus in die Spezialdiskussion des Gesezentwurfs, betreffend die Verfassung der Verwaltungsgerichte und das Verwaltungs-Streitverfahren.

Die 88. 1 bis 12 wurden ohne Diskussion nach den An- trägen der Kommission angenommen. Zu $. 13 lag ein An- trag des Grafen zur Lippe vor, welcher bezüglih der Beshluß- fähigkeit des Bezirksverwaltungsgerihts einige Modifikationen vorshlug. Derselbe wurde abgelehnt, und werden die 88. 14 bis 20 wiederum ohne Diskussion angènommen. Zu $. 21 be- antragte Herr von Kleist-Reßzow folgende Fassung:

„Ist ein Mitglied zu einex Strafe wegen ciner entehrenden Hand- lung oder zu einer Freiheitsstrafe von länger als einjähriger Dauer rechtskräftig verurtheilt, oder zeigt sich durch sein Verhalten in oder außer dem Amte der Achtung, des Ansehens oder des Vertrauens, die sein Beruf erfordert, unwürdig, so kann dasselbe dur Plenarbeschluß des Ober-Verwaltungs8gerichtes seines Amtes und seines Gehaltes für verlustig erklärt werden.“

Dieser Antrag wurde von den Herren von Kleist-Reßow, von Goßler und Graf zur Lippe befürwortet, dagegen von dem Regierungs-Kommissar Geh. Ober-Regierungs-Rath de la Croix und dem Herrn Dr. Dernburg bekämpft. Bei der Abstimmung wurde der Antrag von Kleist jedoch mit großer Majorität au- genommen.

Die übrigen Paragraphen des Geseßentwurfes, zu welchen verschiedene Abänderungsanträge des Grafen zur Lippe vor- lagen, wurden im Wesentlichen unter Verwerfung dieser Anträge nah den Vorschlägen der Kommission angenommen. Nach Erledigung der Spezialdiskussion ward der Geseßentwurf sofort im Ganzen angenommen, womit die Tagesordnung erledigt ist. Schluß 4!/, Uhr. Nächste Sizung: Freitag 12 Uhr.

Jm weiteren Verlaufe seiner gestrigen Sizung ge- nehmigte das Haus der Abgeordneten den Gesezzent- wurf, betreffend den Ankauf und die Vollendung der Pommerschen Centraleisenbahn und der Ber- liner Nordeisenbahn in zweiter Berathung, und in erster und zweiter Berathung den Geseßentwurf, betreffend die Ertheilung der Korporationsrechte an Baptisten- gemeinden in der vom Herrenhause amendirten Gestalt, die der Abg. Jung als eine Verbesserung der Vorlage an- erkannte. Der Abg. Windthorst (Meppen) versuchte wieder- holt einen Widerspruh in dem Verhalten der Staats- Regierung zu den Baptistengemeinden und zur katholischen Kirche nahzuweisen, als ob jenen bezüglih ihrer Stellung zu den Staatsgesezgen und der Ausschließung abtrünniger Mit- glieder das zugestanden würde, was der katholischen Kirche energish versagt wird. Aber die Abgg. Nichter (Sangerhausen) und Dr. Petri wiesen auf den wichtigen Unterschied hin, daß die Baptisten keinen ausländishen Oberen haben, der fie in Kriegszustand gegen ihr Vaterland verseßt, und daß die Ausschließung aus ihrer religiösen Gemeinschaft keine bürger- lichen Folgen hat, also mit der Exkommunikation nicht zu ver- wechseln ist. Schließlih wurde der vom Herrenhause mehrfah abgeänderte Gesetzentwurf über die Vermögensver- waltung in den katholishen Kirhengemeinden aufs Neue berathen, In einem eingehenden Vortrage führte der Staats-Minister Dr. Falk aus, daß die vom Herrenhause vor- genommenen Abänderungen, namentlich wo sie die Vorschläge der Regierungsvorlage wieder herstellen, das Rihtigere und darum das mehr zu Erstrebende treffen, als die Beschlüsse des Abge- ordnetenhauses. Da es sih aber überall und ganz besonders bei dem vielbestrittenen $. 12, der nah dem Beschlusse des Herrenhauses dem Geistlichen den Vorsiß im Kirhenvorstzande wieder zurügiebt, nicht um prinzipelle Differenzen, sondern um praktische und daher disku- table Gesichtspunkte handelt, \o könne kein Faktor der Gesetz- gebung es verantworten, das Geseß wegen einer cinzelnen Bestim- mung scheitern zu lassen, und die Staatsregierung werde ihrerseits Alles thun, um eine Uebereinstimmung beider Häuser des Landtags herbeizuführen. Der Abg. Dr, Wehrenpfennig erklärte im Namen der überwiegenden Mehrheit des Hauses, daß dieselbe den Bes chlüssen des Herrenhauses soweit als möglich entgegenzukommen Willens fei, und fie sämmtli acceptire mit Ausnahme des S 12, bei welhem sie ihren Beschluß festhalten müsse, weil die Einsezung des Pfar ers in den Vorsiß des Kirchenvorstandes ihn gegenwärtig nah der Erklärung katholischer Geistliher in Konflikt mit der Staatsregierung bringen würde, und man es der Zeit und der allmählichen Wirkung der Maigeseze überlassen müsse, diejenige Veränderung in dem Klerus hervorzubringen, die eine Uebertragung des Vorsißes an den Pfarrer unschädlich und gefahrlos machen werde. Das Haus entschied \sich in diesem Sinne und genehmigte den

| den $. 12, der in seiner vom Abgeordnetenhause früher beschlos senen Fassung wieder hergestellt wurde: „Der Kirchenvorstand wählt aus seinen in $. 5 Nr. 2 und 3 bezeichneten Mitgliedern bei dem Eintritt der neuen Kirchenvorsteher einen Vorsißenden und einen Stellvertreter desselben. Beide auf drei Jahre.“ Die Abstimmung über das ganz: Gesez wurde für die nächste Sizung (Freitag 11 Uhr) vorbehalten. Die gestrige {loß um 44 Uhr.

Verschiedene Blätter enthalten die Mittheilung, daß es in der Absicht der Staatsregierung liege, die Eisenbahn Posen- Schneidemühl -Belgard nah dem System der Sekundärbahnen mit ungewöhnlih starken Steigungen und, wie es scheine, nur für den Güterverkehr benußbar anzulegen, um an den Baukosten möglichs viel —-man nennt die Summe von 6 Millionen Thaler zu ersparen.

Wie wir erfahren, entbehrt diese Mittheilung jeder Begrün- dung. Die Eisenbahn Posen-Belgard und mit ihr die Abzwei- gungen über Rummelsburg nach Stolpmünde und Rügenwalde werden ebenmäßig für den Personen- wie für den Güterverkehr eingerihtet werden, und das Maximum der Steigungen wird das auf den bestehenden pommerschen Bahnen angewendete Maß nirgends überschreiten. Allerdings \oll der Bau in einfacher und sparsamer Weise stattfinden. Dies begründet nicht allein der Umstand, daß die 50 Meilen Bahn bei zum Theil coupirtem Terrain, mehreren \{chwierigen Thalübergängen und fünffachem

für die von der Landesvertretung bewilligten 1 illton Thaler hergestellt wird, sondern es entspriht auch durhaus den Vor- aus\seßungen, von welchen bei der betreffendan Geseßesvorlage ausgegangen ist. In den Motiven derselben Heißt es ausdrüt- lich: „Ferner soll mit Rücksiht darauf, daß der Verkehr in den ersten Jahken ein verhältnißmäßig geringer sein wird, sowohl die Ausführung der Hochbauten, als die ganze Ausrüstung thunlichst einfa erfolgen.“

Gegen eine juristishe Person kann, nah einem Er- kenntniß des Ober-Tribunals vom 12, Mai d. I., auf Geldstrafe niht erkannt werden. Es muß als ein {hon für das vormalige preußishe Strafgeseßbuh feststehender, von dort in das Reichsstrafgeseßbbuch übernommentr, in dem gesammten Strafsystem, namentlich auch hinsihtlich der Geldstrafen im S. 28 d. Str. G. B. sih ausdrückender Grundsaß erkannt wer- den, daß Strafen nur gegen physishe Personen möglich sind, weil bei ihnen allein der die Strafbarkeit mitbegründende Wille thatsählich vorhanden sein kann. Die Annahme, daß gegen die juristishe Person eine Geldstrafe ausgesprohen werden, dieser aber überlassen bleiben \oll, solhe von dem \{huldigen Vertreter einzuziehen, ift unzutreffend, Denn die Strafgerichte find durh die Regeln des Strafprozesses genöthigt, die gesezlihe Strafe niht blos mittelbar im Wege einer Fiktion, sondern direkt und unmittelbar gegen Denjenigen zu erkennen, in dessen Person \ih die Voraussezungen der Strafthat vereinigen.

Der General-Feldmarschall Herwarth von Bitten- \eld ist zu den Sihungen des Herrenhauses von Bonn hier eingetroffen und im British Hotel abgestiegen. Der General der Kavallerie Baron von Rheinbaben, General-Inspecteur des Militär - Erziehungs- und Bildungs3wesens, hat \ich mit mehrwöchentlihem Urlaub nach Carlsbad begeben. Der Ge- neral-Major von Hartmann, Inspecteur der Kriegs\chulen, ist von Inspizirungsreisen hierher zurückgekehrt.

Zur Abstattung persönliher Meldungen sind hier ein- getroffen: Der General-Lieutenant von Rothmaler, bisher Commandeur der 7. Division, aus Anlaß seiner Verseßung in gleicher Eigenschaft zur 8. Division; der General-Major von Sch midt, bisher Commandeur der 7. Kavallerie-Brigade, wel- cher mit der Führung der 7. Divifion beauftragt worden, aus diesem Anlaß, beide von Magdeburg.

Der Großherzoglih mecklenburgishe Gesandte in Wien, von Gamm, ist auf der Durchreise nah Schwerin hier einge- troffen und' im Hotel Royal abgestiegen.

___— Aus Côln, 2. Juni, 7 Uhr 25 Minuten Nachmittags, wird gemeldet, daß die fällige englische Po st aus London, den 1. Juni, Abends, ausgeblieben ift.

Kiel, 3. Juni. (W. T. B.) Das \chwedi#\ch-nor- wegishe Geschwader hat den Kieler Hafen heute Vormittag Uhr verlassen. Die Fregatten „Vanadis“ und „Olaf“ gehen nach Travemünde, das Kanonenboot „Gunhild“ nah Lübeck. Admiral Henk hat heute das Kommando über das deutsche Panzergeshwader übernommen.

Bayern. München, 1, Juni. Betreffs der seit mehreren Tagen in verschiedenen Zeitungen enthaltenen Nachricht über die definitive Ernennung eines Erzbischofs von Bamberg ist die „Allg. Ztg.“ von unterrihteter Seite in den Stand geseht, folgende Mittheilung zu machen: Vor circa vier Wochen ist ein solher von Sr. Majestät dem König wirklih ernannt worden. Die Bestätigung desselben Seitens des Papstes ist jedo bis jet noch nit erfolgt, und es wird, da diese An- gelegenheit in die Hände der betreffenden Gesandtschaft gelegt ist, noch immerhin einige Wochen dauern, bis die päpstliche Be- stätigung eintrifft.

__— 2. Juni. (W. T. B.) Mittelst eines vom Kultus- Minister und vom Minister des Innern unterzeihneten Mini- sterialreskriptes vom 27, v. M. is für ganz Bayern die Abhaltung der Jubiläums-Prozessionen verboten worden, weil das Placetum regium hierzu Seitens der Bischöfe nicht ein- geholt worden sei.

Sachsen. Dresden, 2. Juni. Ueber den Besuch Ihrer Majestäten des Königs und der Königin von Schweden am Königlich sächsishen Hofe meldet das „Dr. J,“ Folgendes :

e hre Majestäten der König und die Königin, sowie Ihre Königlichen Koheiten der - Prinz und die Prinzessin Georg trafen heute Mittag 12; Uhr auf dem böhmishen Bahnhofe ein, um daselbst Ihre Majestäten den König und die Königin von Schweden zu empfangen. Vor dem Bahnhofe war eine Ehren- Compagnie des Schühen- (Füsilier-) Regiments „Prinz Georg“ Nr, 108 unter Hauptmann Blohm mit der Regimentsmusik auf- gestellt, während auf dem Perron Se. Excellenz der Kriegs- Minister General der Kavallerie v. Fabrice, der Stadt-Komman- dant General-Lieutenant Frhr. v. Hausen, die Generalität und ¿ahlreiche höhere Offiziere, Kreishauptmann v. Einsiedel, der General-Direktor der Königlichen Staats-Eisenbahnen v. T\chirschky, Polizei-Direktor Shwauß, Ober-Bürgermeister Pfotenhauer und viele andere distinguirte Personen anwesend waren. Der Extrazug, welher Se. Majestät den König von Schweden

eau an. yorh dene eSWgen 2A E ng derselben

35 Minuten, erf 12 Uhr 50 Minuten auf dem Lelp- ziger Bahnhofe ein, woselbst Jhre Majestät die Königin von Schweden, Allerhöchhstwelhe bereits vorgestern gegen Abend inkognito von Berlin hier eingetroffen war, denselben erwartete, um mit Sr. Majestät dem Könige von dort nah dem böhmi- \{hen Bahnhofe überzufahren, wo die Ankunft Ihrer Majestäten um 1 Uhr erfolgte. Beim Herannahen des Zuges mit den Hohen Königlihen Gästen spielte die auf dem Perron auf- gestellte Musik des Leib-Grenadier-Regiments (unter Musikdirek- tor Ehrlich) die \{hwedische Nationalhymne; von Seiten des Publikums wurde derselbe mit Hochrufen empfangen. Die Be- grüßung der Allerhöchften und Höchsten Herrschaften war gegen- seitig eine schr herzlihe; König Oscar und König Albert um- armten und küßten fih. Die Beiden Könige begaben sih sodann zunächst durch den Königssalon nah dem Plage vor dem Bahn- hofe und schritten unter den Klängen des Parademarsches und unter wiederholten Hochrufen des hier versammelten überaus zahlreihen Publikums die Front der Ehren-Compagnie ab, an deren rechtem Flügel sich die unmittelbaren Vor- geseßten derselben befanden, während die diensifreien Offiz ziere der Garnison am linken Flügel \sich aufgestellt hatten. Hierauf traten Beide Königlihe Majestäten wiederum in den Königss\alon ein, woselbst die Vorstellung des Gefolges ftattfand. Außer den gestern bereits genannten Personen befanden sich bei der Ankunft in der Begleitung der \{hwedis{chen Majestäten auch der am hiesigen Königlihen Hofe akkreditirte Königlih \{chwe- dische Gesandte General Freiherx v. Bildt und der Legations-

und der hiesige Königlih \{chwedische General-Konsul Banquier Rosencranß (vom Leipziger Bahnhofe aus). Die Abfahrt der Majestäten vom Bahnhofe nah dem Königlichen Palais erfolgte in einem vierspännigen offenen Hofwagen, in welchem König Oscar und König Albert auf dem Rülsige Plaß genommen hatten. Das Publikum begleitete die Majestäten mit lang an- dauernden lebhaften Hochrufen.

Im Königlihen Schlosse findet zu Ehren der Aller= höchsten Gäfte bei unseren Königlihen Majestäten und unter Theilnahme Ihrer Königlichen Hoheiten des Prinzen und der Prinzessin Georg um 4 Uhr Galadiner ftatt, an welhem das \{chwedishe Hohe Gefolge und die diesseitigen Herren vom Ehrendienfte Theil nehmen und zu dem auch der Königlich \chwedishe Gesandte Frhr. v. Bildt und der Legations-Sekretär Graf de la Gardie, die hier anwesenden Herren Staats-Minister Und der Herr Minister des Königlihen Hauses Einladungen er= halten haben. Abends ist in ‘den Paradesälen des Königlichen Schlosses Hofconcert, zu dem an das gesammte diplomatische Corps, die Herren Staats-Minifter nebst deren Frauen Ge- mahlinnen 2c. Einladungen ergangen find.

Se. Majestät der König wird sich am 4. Juni nach Leipzig begeben, zunächst im Königlihen Palais daselbst Auf- enthalt nehmen, von wo aus auch- mehrfache Besichtigungen in einzelnen Orten des Bezirkes der Leipziger Kreishauptmannschaft in Aussicht genommen sind, und am 12. Juni Abends nah Dresden zurückehren.

Baden. Karlsruhe, 1. Juni. ‘Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin hat heute früh die Residenz verlassen, um fich zunähst zum Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta nah Baden zu begeben und sodann am Nachmittage die Reise nah Rippoldsau fortzuseßen, wo Höchstdieselbe zum Kur- gebrauhe mehrere Wochen zu verbleiben gedenkt. In der Be- gleitung der Großherzogin befinden sich die Hofdame Freifräu- lein v. Shönau und der Ober-Jägermeister Freiherr v. Shönau. Die Vorlagen der Regierung für den mit Rücksiht auf die geseßlihe Erneuerung seiner Mitglieder und den Abschluß der Budgetarbeiten nicht vor Oktober d. J, zusammentretenden Landtag werden nach den neusten Angaben des „Fr. I.“ folgende sein: ein Wassergeseß zur Regulirung der Berehti- gungen der an die öffentlihen Gewässer stoßenden Gigenthümer ; eine ne¿ue Organisation über die Stellung der etwa 6000 nie- deren Staatsdiener behufs ihrer unwiderruflihen Anstellung und ihres Eintritts in eine höhere Pensionskla}se; Reform der beim leßten Landtag von der Ersten Kammer zurückgewiesenen Steuer- gesehgebung, besonders der Einkommensteuer; die Ueberlassung des Einführungsrechtes über gemischte Elementarshulen an die politishe Gemeinde und die Abänderung des 1874 erlassenen Altfatholikengeseßes hinfichtlih der Gemeindekonstituirung, welches dann noch die Frage über die geseßlihe Theilung des Kirchen- vermögens zur Folge haben dürfte. Im Laufe des Monats Mai sind von dem Ministerium des Innern die altkatholi- schen Gemeinden zu Blumberg und zu Lottstetten bei Waldshut staatlich anerkannt worden unter Berechtigung der Mitbenußzung der Kirche und kirhlihen Paramente; auch ist durch Entschließung des Großherzogs die Pfarrpfründe zu Bren- den bei Meßkirh dem altkatholishen Pfarrer Mazeneck verliehen wörden. Die Zahl der staatlich anerkannten Gemeinden beträgt nun 25, während die kirhliherseits anerkannten Gemeinschaften eine viel größere Zahl nachweisen. Die Anzahl derx \elbständi- gen Mitglieder erreicht die Höhe von 5000 mit einer Seelenzahl von ungefähr 20,000.

Hessen. Darmstadt, 1. Juni. Se. Königliche Hoheit der Großherzog hat mittelst Allerhöchster Ents&liezung vom 28. v. Mts. den Präfidenten des Großherzoglihen Gesammt- Ministeriums und Minister des Großherzoglihen Hauses und des Aeußern Carl Hofmann zum Wirklichen Geheimen Rath, sowie den Direktor des Großherzoglihen Ministeriums des In- nern Julius Rinck Freiherrn von Starck, den Direktor des Großherzoglichen Ministeriums der Justiz-Rath Kempff und den Direktor des Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen La Schleiermacher zu Präsidenten dieser Ministerien er- nannt.

Braunschweig. Braunschweig, 1. Juni. Gestern Abend 11 Uhr sind Se. Königliche Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen und der General von Voigts-Rheyz hier einge- troffen. Der Prinz nahm in „Schraders Hotel“, der General im „Deutschen Hause“ Quartier. Heute Morgen begab \ich der Prinz Albrecht in einem offenen Herzoglichen Wagen nah dem Großen Exercirplaße, 1m dort die hier in Garnison befindlihen Mannschaften des 67. Infanterie-Regiments zu inspiziren. Se. Königliche Hoheit \prah sih in anerkennenden Worten über die Truppen aus und begab sich nah 12 Uhr in die Stadt zurü. Bevor der Prinz wieder in seinem Quartier abstieg, besichtigte derselbe die Räume des Militärhospitals. Im Offizier-Kasino findet heute Nachmittag zu Ehren des Hohen Gastes Tafel ftatt und für heute Abend Zapfenstrcih, ausgeführt von \ämmtilichen Spielleuten der Garnison. Morgen früh fährt der Prinz nach Wolfenbüttel zur Besichtigung der dortigen Garnison, Das Herzogliche Staats-Ministerium bringt

Gesezentwurf nach den Beschlüssen des Herrenhauses bis auf

voa Berlin nah Dresden führte, traf anstatt 12 Uhr

zur öffentlihen Kenntniß, daß die Fürstlih \{haumburg-lippesche

j häuser, vom 6. Mai 1875.

Y faßt werden soll,

r K S e —— r S ——— E -4ges Zusammenwirken -mit den Standesbeamten..unt seelsäx- ekretär Rammérherr Ta Gardie (Beide von Berlin ails) j “tiges Zusa seel\

A ae P R E E N

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Regierung zu Bückeburg an die Stelle deg-trstorbenen Dber- Apellationsgerichts-Raths Karlowa den vorxlligen Amts-Affessor Weissih zu Stadthagen zum Oberge-chts-Rath ernannt hat und daß derselbe vom 1. Juni d. F-an in den ersten Senat Herzoglichen Ober-Gerihts zu Wolfenklttel, welcher gleichzeitig als Ober-Appellationsgeriht für das &ürstenthum Schaumburgs Lippe fungirt, eintreten und auch it braunshweigishen Rechts- sahen gleich den übrigen Mitglieden jenes Senats Recht sprechen wird. ;

Sachsen- Coburg-Gocha, Gotha, 2. Iuli, Die „Ges.-Samml. f. d. Herzogth. Gotha u. Gemeins. Ges.-Samml. f. d. Herzogth. Coburg u. Gotha“ enthält das Geseß, betreffend die Errichtung öffentlicher, aus\hließlich zu benußender Schla t-

Heute findet eine Konferenz der Geistlichen des Herzogthums Gotha ftatt, auf welher über die Stellung der evangelishen Kirhe zur Civilehe berathen und Beschluß ge- Nah den für die Berathung ausgeseßzten Thesen soll „die bürgerlihe Eheschließung als in der Rechtsseite der Ehe begründet und in obligatorisher Form durch die Ver- shiedenheit der Konfessionen, dur die Ueberhebung des Priester- thums und durch deu Kampf zwishen Staat und Kirche gefor- dert, von der evangelishen Kirche anerkannt werden.“ Leßtere hält aber ihre Glieder für verpflichtet, der bürgerlichen Ehe- \hließung die kirchliche Trauung nahfolgen zu lassen, und sieht deshalb eifrige Belehrung über das Wesen der Ehe, ein tüch- gerishe Mahnung bei den Nupturienten, ebenso aber auch die Verzichtleistung auf Aufstellung eines bèsonderen kirhlihen Ehe- rehtes und die Abschaffung der Stolgebühren als geboten an. Als nicht entsprehend dem Geiste chrisiliher Liebe erscheint €s, den die kirhlihe Trauung Vershmähenden ihre kirhliden Rechte (aus\chließlich des passiven Wahlrehtes) zu entziehen. Die evangelische Kirche ändert ihre Trauordnung und beauftragt auhch nach Einführung der Standesrechte ihre Diener mit Weiterfüh- rung von Kirchenbüchern über Aufgebote und Trauungen, \o- wie mit Hinzufügung der Angabe der Zeit und des Ortes der bürgerlihen Eheschließung.

Defferreich - Ungarn. Wien, 2, Juni. Der Unter- richts-Minister Dr. v. Stremayr isst nach Krapina abgereist, um dort bis Mitte dieses Monats das Bad zu gebrauhen. Der Justiz-Minister Dr. Glaser hat ebenfalls einen Urlaub angetreten. Der Minister Dr, Unger vertritt die beiden beurlaubten Minister.

Der äâgyptishe Prinz Hassan Russim Pascha ist mit Gefolge in Wien angekommen.

83. Juni. (W. T. B.) Die Kaiserin wird im Laufe des Sommers die Seebäder von Dieppe besuchen.

Pest, 1. Iuni. „Közlöny“ veröffentliht ein Königliches Handschreiben, welches den nächsten ungarishen Reichstag für den 28. August d. J. einberuft; ferner einen ministeriellen Er- laß, der den Termin für die Reihstagswahlen zum 1. bis 10. Juli anberaumt.

Der serbische Kirhenkongreß in Karlowiß wurde vorgestern durh den Königlihen Kommissär Huber in ungari- her und s\erbisher Sprache eröffnet. Die Mitglieder hatten fh nur in \pärliher Anzahl eingefunden. Der Kommissär ver- las das von der Krone beftätigte Organisationsstatut des Kon- gresses und übergab hierauf das Präsidium dem Patriarchen. Sofort verlangte Miletic die abermalige Verlesung des Statuts durch den Kongreß-Sckretär, dieselbe mußte jedo unterbleiben, weil \ih bei der hierüber eingeleiteten Abstimmung die Beschluß- unfähigkeit der Versammlung ergab. Die Sißung mußte daher vertagt werden, ;

Das amtliche Blatt veröffentliht heut außerdem cine Allerhöchste Entscheidung in Betreff der Organisation des griechisch-orientalisch-serbishen Kongresses, dem ge- mäß das aus 32 Paragraphen bestehende Statut mit mehreren Modifikationen fanktionirt wird.

Niederlande. Haag, 29. Mai. Der Prinz Alexan- der, des Königs jüngerer Sohn, wurde in der vorigen Woche von einer Brustfellentzündung befallen. In den legten Tagen jedoh hat sih sein Zustand bedeutend gebessert. Das Projekt der Trockenlegung des südlihen Theiles der Zuidersee, der Gewinnung einer zwölften Provinz für die Niederlande, nähert sich feiner Ausführung. Die Regierungsvorlage, welche einen Kredit von $000 Gulden verlangt, um noch in diesem Jahre noh- malige Bohrungen in der Zuidersee, behufs weiterer Erforshung der Beschaffenheit des Bodens vorneh- men zu lassen, ist von der Zweiten Kammer der Generalstaaten in deren vorgestriger Sizung mit Stimmenein- helligkeit genehmigt worden. Der Minister des Innern, Heems- ferk, erkannte an, daß durch die Bewilligung dieses von der Regierung verlangten Kredits der Entscheidung der General- staaten über die Frage von der Ausführung dieses Troen- legungs-Projektes, namentlich darüber, ob die Ausführung von Staatswegen oder auf dem Wege der Konzession an Private zu erfolgen habe, durhaus nicht präjudizirt werden folle; es handle fh jeßt lediglih um einen kleinen Betrag, um in diesem Jahre in günstigster Zeit einige Untersuhungen zu bewerkstell- gen, die mit Plänen in Verbindung ständen, welche bezüglich der Zuidersee von Fachzännern aufgestellt worden.

Schweiz. Bern, 2. Juni. (W. T. B.) Der Bundes- rath hat den Rekurs, welcher seitens der Ultramontanen gegen die nah dem neen Berner Kultusgesetze organisirte katholische Synode eingereiht worden war, abgewiesen.

Z, Juni. (W..D. B.) Der Bundes-Rath E. Borel hat \sich bereit erklärt, die Stelle als Direktor des internationalen Postbureaus anzunehmen. Gleichzeitig hat derselbe seine Ent- la}sung aus dem Bundesrathe eingereiht.

Frankreich, Versailles, 2. Juni. (W. T, B.) Der Finanz-Minister hat in der Budgetkommission mitge- theilt, daß die Einnahmen aus den indirekten Steuern in den erften 5 Monaten des Iahres 1875 den Voranschlag um 34 Millionen über- stiegen hätten. Gleichzeitig sprach der Finanz-Minister die Hoff- nung aus, daß er bei einem gleichen Fortgange der Einnahmen nit genöthigt sein werde, die von der Bank bereitgehaltenen 80 Mill. in Anspruch zu nehmen. Rémusat is ernftlih erkrankt. y

In der heutigen Sizung der Nationalversammlung wurde der Geseßentwurf, betreffend die Zuschlagsdecime zu ver- schiedenen Abgaben, die auf Salz mitinbegriffen, angenommen. Sodann wurde die dritte Berathung des Geseßentwurfs über

Nissa und einen Brigadegeneral dorthin, um den Fürsten zu be- grüßen. Die aus zwei Generalen und mehreren Offizieren bestehertde, zur Begrüßung des Fürsten Milan vom Sultan ent- endete Deputation wurde vom Fürsten zum Diner geladen. Von Alexinatz begiebt sich der Fürst nach Knezevay.

Dänemark. Kopenhagen, 31. Mai. Der König und die Königin verlegen am nächsten Mittwoch, den 2. Juni die Residenz von der Hauptstadt nah dem Sommecshlos}se Bern- storfff, welhes in der Nähe von Charlottenlund und Klampen- borg liegt. Heute Nachmittag empfing der König in beson- derer Audienz den am hiesigen Hofe accreditirten Kaiserlih Kö- niglih öôsterreihish-ungarishen Gesandten, Graf Kalnoky, vor seiner Abreise. Unterm 24, Mai hat der König das vom Reichstage angenommene Gescy übex verschiedene Eisenbahn- anlagen auf Seeland bestätigt.

Amerika. Washington, 1. Juni. (W. T. B.) Der Schaßtzsekretär Bristow har in einer in Louisville gehaltenen Rede sih gegen die Vermehrung der in Umlauf befindlichen Papierzahlungsmittel ausgesproßen und die Wiederaufnahme der Zahlung in Metall für die Wohlfahrt des Landes unerläß- lih erklärt. i Asiem. Ein Telegramm aus Rangoon vom 29. Ma' meldet die Ermordung des Oberst F. C. Hamilton, General- Inspektors der Polizei. Er wurde von birmanischen Dacoits er- hosen. Eine Woche vorher wurde Mr. Davidson verwundet,

wird ferner gemeldet, daß Sir Douglas Forsyth und die Mit- glieder der birmanishen Mission am 30. Mai Henzada am Irawaddy êkrreichten.

Afrika. Berichte vom Cap der guten Hoffnung melden, daß die Debatte im Cap-Parlament bezüglih der Jnternirung des Kaffernhäuptlings Langalibalele am 10. Mai ihren Abschluß fand. Die Majorität zu Gunsten der Regierungsvorlage für seine Entfernung von der Robbeninsel belief sih auf 13Stimmen. Die Vorhut der nach den Diamantenfeldern abgesandten Truppen machte in Wellington Halt und dürfte wahrscheinlih nicht weiter marschiren. In der Capftadt wurde am 12. Mai der Grund- stein zu dem neuen Parlamentsgebäude gelegt.

Nr. 10 des „Marine-Verordnungs-Blatts" hat folgen- deu Inhalt: Einführung des Quartiezxleistungs-Gescßes vom 25. Juni 1868 in den Königreichen Bayern und Württemberg, Leihweise Entnahme von Proviant für die Mannschaft aus den Vorräthen der Messen, Einreichung der Liquidationen der Schiffe über Cours- Differenzen. Schema für das von den Feuerwerkern an Bord S. M. Schiffe zu führende Arbeits-Journal. Vereinnahmung von Material, Invertar und Proviant. Arstrich und Bezeichnung der Geschosse. Inhalts-Berzeichniß der Schiffsbücher-Kisten, Per- foual-Veränderungen.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Von der deutschen Expedition zur Erforschung Central-Afrikas und von der Station Chinchoxo siud Nach- richten eingetroffen. Es geht aus denselben hervor, daß das Auf- brechen der Expedition des Dr, Güßfeldt nah dem Innern aber- mals auf ein Hinderniß unerwarteter Natur gestoßen is, wodurch es zweifelhaft wird, ob dics Unternehmen überhaupt in diesem Jahre wird ausgeführt werden können. Wie bekannt, wurden auf Kosten der Expedition 100 Konmanos von St. Paul de Loanda nach Baccoo und der deutschen Station gebracht; obgleich nun Dr, Güßfeldt selbst nah dem Süden reiste, um die Unterhandlungen wegen des Transports der Neger zu leiten, und Dr, Falkenstein die- felbea an Ort und Stelle aussuchte, so reichten alle diese Vorsichts- maßregeln nicht hin, zu verhindern, daß niht ungefunde und zur Ar- beit untaugliche Leute geliefert wurden. Die Zahl der Untauglichen ist zu beträchtlich, als daß die ursprünglih für die Erpedition als unbedingt nöthig erahtete Anzahl Träger aus dem Reiche der Kon- manos ausgesucht werden könnten. Die Eingeborenen der Loango- küste eignen sich niht zum Trägerdienste für ein Unternehmen, - wie das, welches in diesen Monaten ausgeführt werden sollte, und daher ist für den Augenblick an die Durchführung des ur}]prünz- liden Planes nicht zu derken, Dagegen wird Dr. Güß- feld mit den 20 Konwanos Und! * einem Pegleiter nach dem Lande im Norten des Quillu aufbrechen, und wollen wir hoffen, daß ihm bei dieser Reise das Glück günstiger ist, als bisher. Der obere Lauf des Quillu konnte nicht zum Ausgangspunkte geuom- men werden, weil daselbst die Pecken in ciner Schrecken erregenden Weise unter den Negern wüthen, -—— Von Pr, Lenz sind gleichfalls Nachrichten, und zwac günstige, eingetroffen; berselbe war beim Ab- gange der Post eben von ciner größcren Jeise nach dem Innern zu- rüdgekehrt. Seine Berichte enthalten Vieles über Land und Leute von großem Interesse; besonders hebt er hervor, daß man in [üngster Zeit cinen jungen lebenden Gerilla nah einer Station am Yyowee gebracht hätte, den er zum Gegenstand seiner besonderen Studien machte. Es soll der Versuch gemacht werden, denselben nach Europa zu bringen. : i

Am 8. Juni wird der dritte deutsche Aecrztetag in Eisenach zusammentreten, Als Berathungsgegenstände für den- selben find vorläufig festgeseßt: 1) Geschäftsbericht und Berathung einer neuen Geschäftsordnung: 2) Antrag Vix-Wallih (über die vom Staate anzustellenden besonderen Sanitätsbeamten und deren Befugnisse behufs Autübung der dem Staate gebührenden ffentlichen Gesundheitspflege); 3) Geseßliche Regelung des Apothekenwesens ; 4) Der von der Reichsprozeßordnung in Ausficht genommene Ex- pertenzwangz; 5) Gesetzgebung in Bezug auf Fleijchbeschau ; 6) Die Medizinalstat istik innerhalb der ärztlichen Vereine.

Der diesjährige dritte deutshe Seminarlehrertag soll am 29. September bis zum 2. Dftober in Stuttgart statt- finden.

Vor einigen Tagen fand ein Bauerngutsbesißer in Stro ch- wiß bei Löwen beim Graben 1n einem Garten eine eiserne sogenannte Kuhglocke, die fest verschlossen war und erst nah vieler Mühe geöffnet werden konnte; in ihr waren fest cingekeilt einige größere und kleinere Münzen von Kupfer und Silber, sie ent- bielten die Jahreszahlen 1621, 1618, 1593 2c, eine Kupfermünze sogar 1503, deren Inschrift jedo nicht, zu entziffern war. Die Mün- zen sind wahrscheinli: im dreißigjährigen Krieg vergraben worden.

An der Universität Leipzig find, wie die „L. Z.“ meldet, folgende Perfonalvecänderungen theils erfolgt, theils im Gange. Die Zahl der ordentlichen Professoren der philosophischen Fakultät betrug bis jeßt 29. Soeben kommt als 30. Professor der bisherige außer- ordeutliche Professor Dr. Georg Ebers hinzu. Zas von demselben vertretene Spezialfah is die Aegyptologie. Außerdem erhält die Fakultät gleichzeitig in der Person der Professoren Dr. Marx Heinze, bi2her in Basel und Königsberg, und Dr, Wilhelm Wundt, welcher erst am 31. Oktober v. I. sein ófsentliches Lehramt der Philosophie an der Hochschule Zürich mit einer Rede „Uber die Aufgabe dex Philo» \ophie in der Gegenwart“ (nahmals gedruckt in Leipzig, Verlag von W. Engelmann) angetreten hatte, noch zwei andere ordentliche Pro» fessoren. Hofrath Dr. Max Heinze war früher (1873—74) Privat-

die Reform des Gefängnißwesens begonnen.

Türkei. Belgrad, 1. Iuni. (W. Ztg.) Fürst Milan ift in Alexinaÿ cingetroffen. Die Pfo1t- sandte den Pascha von

dozent in Leipzig und las als solcher Geschichte der alten Philo-

28. Mai. Am 23. v. M. war der Oberrheinische geolo- gische Verein in Do aae O oes versammelt und war dazu der dortige Verein für Geschichte und Naturgeschichte eingeladen. Der geologische Verein zählt nur 72 Mitglieder. Aus den Verhandlungen erwähnen wir einen Vortrag des Professors Rosenbush von Straß- burg über die Nothwendigkeit gewisser Vereinbarungen für die geolo- gischen Landesaufnahmen uüd deren Kartirung, sowie einen Bericht des Professo:s Dr. Knop vom Polytehnikum in Karlsruhe über die interessante Erscheinung der Donauvasinkung bei Immendingen und die Wahrscheinlichkeit, die Aach als Donauwasser zu erkennen und chemisch zu konstatiren, wozu Dr. Knop von der Großherzoglichen Regierung be- auftragt ist. Gleich unterhalb Jmmendingen ist die Stelle, wo die Donau in dem zerklüfteten Boden einsickert und dann sitlih ge- \{mälert ihren Lauf fortseßt. Man nimmt an, daß die über dem Elüftigen, höhlenreichen Höhenzug bei Aach mit Kraft und Fülle aus einer mehrere hundert Fuß im Umfang haltendea kesselförmigen Ver- tiefung unter überhangenden Felsen- hervorsprudelnde Quelle des gleih- namigen Flüßchens, das gleich beim Ursprunge {on Mühlen und in- dustrielle Werke (Hammerwerke, Papierfabriken 2c.) treibt, ein Wiederaus- bruch der Wassermassen der Donau ist, welche zwischen Immendingen und Möshringen sichtbar versinkt. Um diesen Zusammenhang zu ent- decken, wurde schon allerlei versucht, ohne dasz bis jeßt darüber volle Gewißheit erlangt wäre. Auch zu Prozessen Seitens der industriellen Anwohner der Aah hat ‘die Sache hon Anlaß gegeben. Sollte Hr. Knop den rermutheten Zusammenhang positiv nachzuweisen vermögen, so wäre damit die interessante Erscheinung gegeben, daß die Donau einen Theil ihrer Gewässer als Aah dem Rheine und damit der Nordsee zuschickt. i , D

Am 29. Mai Mittags fand die feierlihe Sißung der Kaiserlichen Akademie der Wisenschaften in Wien statt, welcher die Erz-

Glasec und Dr. Ziemialkowskfi, der Kurator-Stellvertreter Dr. Anton Ritter v. Schmerling, der Bürgermeister von Wien Dr. Felder, zahl- reiche Mitglieder der Akademie und eine große Zahl von Gästen bei- wobnten. Der Erzherzog Rainer, Kurator der Kaiserlichen Akademie, eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache. Der Präsident der Afka- demie, Hofrath Professor Dr. Freiherr v. Rokitansky, verkün- digte die dritte Zuerkennung des Freih. v. Baumgartnerschen Preises für diejenige Leistung, welche während der leßten drei Jahre als die fruchtbringendste Bereicherung der physikalischen Wissenschaft zu be- trachten ist, sowie die Zuerkennung von fünf Preisen für Entdeckungen teleskopischer Kometen, Der Frhr. v. Baumgartnersche Preis per 1000 Fl. wurde dem Tkorrespondirenden Mitgliede Prof. Dr. Ludwig Bolzmann zuerkannt, Für die Entdeckung teleskopisher Kometen wurden fünf Bewerber prämiirt, und zwar: 1) Hr. Prof. A. Win- neckde in Strßaburg für den am 12. April 1874, 2) Hr. I. Coggia in Marseille für den am 17. April 1874, 3) Hr. A. Borrelly in Marseille für den am 26. Juli 1874, 4) Hr. J. Coggia in Marseille für den am 20, August 1374 und 5) Hr. A. Borrelly in Marseille für den am 7. Dezember 1874 entdeckten Kometen. Die ecsten Elemente und Ephemeriden wurden wieder turhgängig von Wiener Astronomen uvd zwar für zwei der obengenannten Himmelskörper von Professor E. Weiß und Assistent L. Schulhof, für drei von Dr. J. Holetschek geliefert. Die Afademie hat nun 17 Erfolge dieser Preisaufgabe aufzuweisen. Den Sch{luß machle ein Vortrag ‘des wirklichen Mit- gliedes der Kaiserlichen Aftademie, Hrn. Professor Karl Towaichck über die ueuhochdeutsche klassishe Dicht-ng und Literaturgeschichte.

Das Resultat der Wahlen für das Bureau sowohl wie auch der Mitglieder der philosophisch-historishen Klasse war Folgendes: um Präsidenten auf weitere drei Jahre wurde wiedergewählt Frei= s v. Rokitansky, zum Vize-Präsidenten Hofrath Ritter v. Arneth, zum General-Sekretär und zugleich Sekretär der philosophisch-historischen Klasse Prof. Dr. Siegel, zum Sekretär der mathematish-naturwissen- schaftlichen Klasse Prof. Dr. Stefan. Jn die philosophisch- historische Klasse wurden gewählt zum wirklichen Mitgliede Dr. Hartel, Pro- fessor für klassische Philologie an der Universität zu Wien; zu inlän- dischen korrespondirenden Mitgliedern Dr. Bischoff, Professor der deutschen Rechtsgeschichte an der Univarsität zu Graz und Dr. Kürsch- ner, Privatdocent an der Universität und Archivsdirektor im K. K. Finanz-Ministerium in Wien; zum auswärtigen Ehrenmitglied Littré in Paris; zu korrespondirenden Mitgliedern im Auslande Amari, Professor der Geschichte in Florenz, und Dr. Dümmler, Professor der Geschichte in Halle.

Am 29. Mai, am Geburtstage Jhrer Majestät der Königin Bictoria, find die Schiffe der englischen Nordpol-Expedition, der „Al ert“ und die „Disc6overy“, unter Führung des Kapitäns Nares Nachmitttags 4 Uhr von Portsmouth in See gegangen. Die Schiffe haben die Bestimmung, auf möglichst direklem Wege den Nordpol aufzusuchen. Sie sind in jeder Beziehung auf das Voll- fommenste ausgerüstet; die tüchtigsten Gelehrten der verschiedenen naturwiss nshaftlihen Disziplinen befinden sich an Bord und stehen denselben die besten Justrumente aller Art zu Gebote, um ihr2 For- schungen und Untersuhungen mit möglichster Genauigkeit machen zu können. Zum Ausgangspunkt ihrer arktischen Reise ijt die Mellville- bai der Infel Mellville im Parryarchipel ausersehen, Bis zur Jusel Disco an der Westküste Grönlands begleitet wahrscheinlich der mit Vorräthen rei beladene „Valorous*“ die Expedition. Die „Dis- covery“ wird südlicher stationirt werden als der „Alert*, welchem eine Anzahl Brieftauben beigegeben sind, um mit der „Diêcovery* die Verbindung aufrecht erhalten zu können.

Von Cannabichs Lehrbuch der Geographie (Weimar, Bernh. Friedr. Voigt, Verlagsbuchhandlung), 18. Auflage, ist der IT. Band. $8. (Schluß) Lieferung erschienen. Mit dieser achten Liefe- rung ist der zweite Band (Außereuropäische Länder) und mit ihm das ganze treflihe Werk vollständig. Das 8. Heft enthält sowohl die Cartons und Nachträge zum I1., wie au die inzwishen noch nöthig gewordenen Nachträge und Berichtigungen zum I. Bande. Ebenso ift in dem Heft das Inhaltêregister für den 11. Band enthalten.

Land- und Forstwirthschaft.

Ernteaussichten in Frankreich. Der reichliche Regen in rergangcner Woche hat nach der vorherigen anhaltenden Trockenheit das Wachsthum der Saaten wesentlich gefördert, Aus den Departe- ments kommen die erfreulichsten Nachrichten üler die Aussichten der nächsten Ernte. In der Gironde, in der Normandie, fowie in den nordwestlichen Departements versprehen Getreide und Obst einen auégezeichneten Herbst. Im Süden rechnet man auf ein vortreffliches MWeinjahr. Kastanien, Oliven und Obstbäume stehen im prächtigen Blüthens{muck. Jn den Ardennen Yerrsht nach den leßten Nachrich- ten noch Trockenheit, doch waren auch hier die Saaten schon bedeus» tend weiter, als sonst um diese Jahreszeit.

Aus Washington wird vom 28. v. M, per Kabel gemeldet : Der Monatsberiht des landwirthschaftli®@en Bureaus ergiebt, daß der dieses Jahr mit Baumwolle bepflanzke Flächenraum 3% unter dem des vorjährigen ist. Die Ernteaussichten find günstig.

Gewerbe und Handel.

Berlin. Sämmtlichen Jnnuungsvorständen, Altmeistern von Ge- werken, Besißern großer industrieller Etablissements und Fabriken, in denen Gesellen und Lehrlinge in zahlreiher Anzahl beschäftigt werden, sind seit wenigea Tagen seitens des Magistrats behufs gescßlicher R e- gelung des Lehrlings- und Gesellenwefens, 24 Fragen zur Beantwortung vorgelegt worden.

Die Harzer Werke zu Rübeland und Zorge haben im Jahre 1874 einen Brnuitoübershuß von 359,445 M geliefert. Die Generalunkosten stellen sich auf 145,186 Á., auf dubiose Forderungen wurden 28,911 / und auf Wenigerwerth der Materiglienbestände 39,338 A. abgesezt, dazu kommen weiter noh 111,719 M statuten» mäßige Abschreibungen. So verbleibt ein Nettoverdienst von 30,291 M, wovon 3028 # zum Reservekapital gehen und 3090 (4 vertrags- mäßige Tantidme erübrigen. Der Rest, welcher sich dur den Ver- trag aus 1873 von 7059 M. auf 31,321 A, erhöht, soll nach' Be-

| sophie, allgemeine Geschichte der Phitosophie, sowie über philosophischen ' Optimismus und Pessimiétmus,

{luß der am 26. Mai abgehaltenen Generalversammlung zu ferneren

Abschreibungen auf Materialien nnd Wagen verwendet wert en, Eine

aber..sein Befinden wasßb.gün g Faatsch: ite. e W8-Ram02—r t ernt Eut und Ne, bt Maier Strie ene n E