1875 / 138 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

des rehimäßigen Landesherrn kam. Die Stadt hatte festlih ge- flaggt; von allen Häusern, deren Fronten allenthalben mit Guir- landen und Eichenkränzen geschmüdt waren, wehten deutsche und reußishe Fahnen; die Schulen waren geschlossen, auf den Straßen wogte festlih frohes Gedränge, da sowohl aus Berlin, als aus den umliegenden Ortschaften zahlreiche Gäste ekommen waren. y Die Feier wurde früh um 6 Uhr durch Abblasen eines Chorals vom Kirchthurm eingeleitet. Um 10 Uhr fand auf dem Parade- play eine öffentliche Feier statt, an der sich die Kaiserlichen, König- lihen und fstädtishen Beamten, das Offizier-Corps, der Krieger- verein, der Kombattantenverein, der Turnverein, die Schüßengilde, die Gesangvereine, der historishe Verein der Mark Brandenburg, der Verein für Geschichte Berlins, die Mannschaften des Zieten- ) g de afi renn die Fortbildungs\chule, die 4 oberen Klassen er höheren Bürgershule und die beiden oberen Klassen der Knaben- und Mädchenshule betheiligten. Das Denkmal des Großen Kurfürsten auf dem Playe war reih geschmückt und von Jubelbäumen umgeben, die reih * mit Kränzen, Laub- gewinden und Fahnen geziert waren. Nah dem Gesange des Chorals „Nun danket Alle Gott“ bestieg der Bürger- meister Große die Rednertribüne und gab eine ausführliche Schilderung des Ueberfalls und seiner Folgen. Das dreifache Hoch, das der Redner zum Schlusse auf Se. Majestät den Kaiser und König und das Hohenzollernshe Königs- haus ausbrachte, fand eine begeifterte Aufnahme in der zahlreichen Versammlung, welche nah demselben die Volkshymne anstimmte. Hieran \{chloß sich die Uebergabe zweier alter Fahnen der Shüßengilde an den Magistrat und die Weihe einer neuen Fahne. Der Schüßen- Direktor Hobreht übergab in kurzer Anrede die zwei alten Fah- nen, deren eine, als von den Schweden erobert, der Kurfürst Friedrih Wilhelm der Stadt für ihre patriotishe Gesinnung geschenkt hat, während die andere eine alte ftädtische ist. Dem- nächst folgte Seitens der Spizen der Militär- und Civilbe- hörden die Nagelung der neuen Fahne, welhe aus weißseide- nem Stoff besteht und das von einer Jungfrau getragene, von Reben- und Eichenlaub umschlungene Wappen der Stadt zeigt. Mit präsfentirtem Gewehr und rauschender Musik nahm die Shüßengilde ihr neues Sammelzeihen entgegen, das alsdann die übliche Weihe empfing. Der Gesang „Die Wacht am Rhein“ \chloß diesen Theil der erhebenden Feier.

Unter Vorantritt eines Musik-Corps bewegte sih die Ver- sammlung sodann in langem Zuge nach der Kirche, woselbst der Superintendent Glokke den Gottesdienst abhielt.

Um 2 Uhr war ein großes Festessen auf dem Schüßenhause arrangirt, an dem sich die Behörden, die Gäste und ein zahl- reiches Herren-Publikum betheiligten; unter den geladenen Gästen befanden \sich Nachkommen des patriotishen Landrathes v. Brie- sen und des General-Feldmarschalls Derfflinger, sowie eine De- putation des Leib-Kürassier-Regiments (Schlesishes) Nr. 1 in Breslau, dessen Stamm als Grumbkowsches Regiment den Haupt- antheil an der Einnahme Rathenows hatte. Trinksprüche wurden - ausgebraht auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers und Könîgs, auf das Andenken des Kurfürsten Friedrih Wilhelm, auf die Stadt Rathenow, die Ehrengäste, den Reichskanzler Fürsten von Bismarck, die Mark Branden- burg und auf das Zie‘hen-Husaren-Regiment. Nah Aufhebung der Tafel bewegte sih die Gesellshaft theils im Garten, theils im Saale, wo ein Tanzvergnügen stattfand. j

Die Schuljugend versammelte sch um 4 Uhr auf den Schulpläßen und wurde von dort durch ihre Lehrer nah der Schützenhauswiese geführt, wo sie auf Kosten der Stadt be- wirthet wurde.

In der Aula der höheren Bürgerschule hatte in der Mittags- stunde zu Ehren des Tages der Verein für Geschichte Berlins eine Sizung abgehalten, in der nach Mittheilung eines Hand- \hreibens Sr. Majestät des Kaisers und Königs an den Vorz fißenden des Vereins, in welhem den. Bestrebungen und Leistungen des lehteren die Allerhöchste Anerkennung ausgedrückt wird, eine Arbeit des Majors Isfing über den Ueberfall von Rathenow zur Verlesung kam. Der Hofschauspieler Hiltl trug zum Schluß noch einige Szenen aus de la Motte-Fouqué's Drama: „Die Heimkehr des Großen Kurfürsten“ vor.

Posen, 15. Juni. (W. T. B.) Die von hier gemeldete Nachricht, daß dexr vormalige Erzbishof Ledochowski in Ostrowo erkrankt sei, ist unbegründet. Nach hier vorliegenden zuverlässigen Mittheilungen befindet \sich derselbe vollkommen wohl. Der Domherr Kurowski hier ist heute Nachmittag, in Folge einer Vormittags bei ihm vorgenommenen Hausfuchung in Angelegenheit der Diözesanverwaltung des geheimen Delega- ten, von der Polizei verhaftet worden.

Bayern. München, 14. Juni. Dem alsbald nah den Wahlen einzuberufenden Landtage wird außer einem Gesehentwurf über den Waldshuy auch ein solcher über zwangs- weise Ablösung der sämmtlihen Forstrehte in Bayern vorgelegt werden. Es sind die Vorarbeiten hierüber bereits zu Ende ge- führt. Nicht allein das landwirth\schaftlihe Centralcomité, \on- dern auch die einzelnen Kreiscomités sollen sich, der Alg. Ztg. zufolge, für Ablösung der Forstrehte ausgesprochen haben.

Sachsen. Dresden, 15. Juni. Ihre Majestäten der König und die Königin, sowie Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Georg haben heute Mittag der feierlihen Eröffnung der Ausstellung gewerblicher und industrieller Erzeugnisse aus dem Königreiche Sachsen beigewohnt. Mit dem ersten Glockenschlage erschienen Jhre Majestäten vor dem Ausftellungsraume, mit lebhaften Hochrufen von der zahlreih versammelten Menge bewillkommnet. Nach einæ kurzen Begrüßung durch den Vorstand der Aus- stellungskommisfion begaben die Allerhöhsten Herrschaften, nebft inem zahlreihen Gefolge unter wiederholten Hochrufen der Festversammlung sich zunähst nah dem Königs- pavillon, in welhem bereits Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Georg, welche kurz vor Ihren Majeftäten eingetroffen, anwesend waren. Vor dem Pavillon waren die Hiesigen G-sangvereine mit ihren Fahnen und Musik aufgestellt, und leßtere begrüßte Ihre Majestäten bei der Ankunft mit Webers Jubel - Ouverture. Nachdem Ihre Königlihen Majestäten die geschmadckvolle Einrichtung des Königspavillons in Augenschein genommen, verfügten ih dieselben in das Eröffnungszelt, wo- selbst, unrgeben von einer prächtigen Blumen- und Pflanzen- Dekoration, die Büsten Sr. Majestät des Königs und Sr. Kd- Niglihen Hoheit des Prinzen Georg neben einem für den Fest- redner erriteten Podium aufgestellt waren, Als die Allerhöch- ste und Höchsten Herrschaften vor dem Podium ihre Plähe ein- genommen, gruppirte fich in einem Halbkreise um dieselben die Fest- versarunlung. Neben den Mitgliedern der Ausstellungskommisfion und den Preisrihtern waren zahlreih geladene Gäste anwesend, darunter die Staats-Minister v, Nostiß-Wallwiß, Dr. v, Gerber

und Abeken, der Minlster des Königlichen Hauses Staats:Mi- nister a. D. Dr. v. Falkenstein, die am hiesigen Königlichen Hofe beglaubigten Gesandten von Preußen, Bayern und Desterreich- Ungarn (Graf v. Solms, Freiherr v. Gasser und Freiherr v. Frankenstein) und die hiesigen Konsuln, der Stadt-Komman- dant General-Lieutenant Freiherr von Hausen, zahlreiche höhere Räthe der Ministerien, die Präsidenten der Handel3- und Ge- werbekammern, Kreishauptmann v. Einsiedel, Polizei-Direktor Schwauß, Ober-Bürgermeister Pfotenhauer und die Mitglie- der des Raths, Stadtverordnetenvorsteher Hofrath Acer- mann und die Mitglieder des Stadtverordneten- Kollegiums, Vertreter der Presse u. #. w. Der Vorsizende des Aus- stellungs-Direktoriums, Kaufmann Auguft Walter, hielt die Er- öffnungsrede, in welcher er eine kurze Geschihte der Entstehung der heutigen Ausftellung und des Zweckes derselben gab, dabei namentlich dankbar der Unterstühung gedenkend, welche dem Unter- nehmen von Seiten des Hohen Königshauses und der Staatsregie- rung zu Theil geworden ist, und mit einem Hoh auf Se. Majestät den König \{chließend. Nachdem die Versammlung in dieses Hoh drei Mal begeistert eingestimmt hatte, traten die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften unter Führung der Mitglieder des Ausstellungs - Direktoriums und des Empfangscomité’s und unter dem Geläute der Glocken und Kanonendonner einen -Rundgang durch die Ausstellung an, überall vM dem zahlreihen Publikum auf das Freudigste be- grüßt, ufid verließen nah einem vom Comitémitgliede Bäumcher ausgebrahten Hoch auf die Majestäten und auf den Prinzen und die Prinzessin Georg, in welches das innen und außen pareenne Publikum begeistert einstimmte, Nachmittags nah 14 Uhr ie Ausstellung, zu deren Ehren sowohl öffentlihe, wie zahl- reiche Privatgebäude der Stadt in sähsischen und deutschen Far- ben geflaggt hatten.

Der Staats-Minister v. Nostiß-Wallwiß ist von seiner Urlaubsreise zurückgekehrt. Der Minister des König- lihen Hauses, Staats-Minister a. D: Frhr. v. Falkenstein, hat sih heute zu einem längeren Aufenthalte nach Frohburg begeben.

Baden. Baden, 16. Juni. (W. T. B.) Der russische Reichskanzler, Fürst Gortschakoff, ist gestern Abend von hier nah Wildbad abgereist. Derselbe wird dort einen Aufent- S 5 Wochen nehmen und sich sodann nah der Schweiz begeben.

Hessen. Iugenheim, 15. Juni. (W.T. B.) Se. Kaiser- lihe Hoheit der Erzherzog Albrecht von Oesterreich ist heute hier eingetroffen und bei seiner Ankunft von Sr. Majestät dem Kaiser Alexander von Rußland, Sr. Großherzoglichen Hoheit dem Prinzen Alexander von Hessen sowie sämmt- lichen hier anwesenden hohen russishen Hofhargen empfangen worden. Am Sonntag, den 20. d. M., werden der Kaiser Alexander und der Erzherzog Albrecht mit ihrem Gefolge dem ihnen zu Ehren von Offizieren veranstalteten großen Wettrennen bei Darmstadt beiwohnen.

Meckelenburg - Schwerin. Schwerin, 15. Juni. Der am Freitag Abend hier eingetroffene General der Infan- terie v. Tresckow inspizirte am Sonnabend Morgen auf dem großen Exerzierplaße das Mecklenburgische Grenadier-Regiment Nr. 89, das Iäger-Bataillon und die Artillerie. Nachmittags reiste derselbe zur Inspektion nach Neu-Streliß.

Oldenburg. Oldenburg; 13. Juni. „Das Gesegßblatt“ veröffentliht eine Bekanntmachung des / Staats - Ministeriums vom 9. Juni 1875, betreffend die Gewährung von Erleichterun- gen für den Verkehr zwischen den beiden Weserufern.

Desterreiß-Ungarn. Wien, 14. Juni, Der Kaiser hat vorgestern Nachmittag den französishen Botschafter Marquis d'Harcourt empfangen und dessen Abberufungsschreiben entge- gengenommen.

Heute empfing der Kaiser die Deputation des Bukowi- naer Landtages, welche ihn zum Besuche der Bukowina an- läßlih der hundertjährigen Säkularfeier und der Errichtung der Czernowißer Universität einlud. Der Kaiser erwiderte, es seien die Mittel für die Reise gegenwärtig nicht vorhanden, er hoffe aber gewiß, im kommenden Jahre die Bukowina zu besuchen.

Schweiz. Die Hauptbestimmungen des vom Großen Rath von Bern in erster Berathung angenommenen Gesetzes, be- treffend die Sicherstellung des konfessionellen Frie- dens find, folgende:

„Z. 1. Außerhalb der dazu bestimmten Lokale dürfen keine dffent- lichen kirchlichen Prozessionen oder sonstigen kirhlihen Ceremonien stattfinden. Vorbehalten bleiben: 1) der Feldgottesdiens gemäß den näheren Vorschriften der Militärgeseße und den Anordnungen der militärischen Oberen ; 2) die kirchlihe Begräbnißfeier nah den hier- über aufzustellenden besonderen Bestimmungen. Widerhandlungen werden mit Geldbuße bis zu 200 Frs. oder mit Gefängniß bis zu 60 Tagen bestraft. È 2. Wer in einer den öffentlichen Frie- den gefährdenden Weise Angehörige einer Konfession oder Reli- gions - Genofsenshaft zu Feindseligkeiten gegen Angehörige einer anderen anreizt, wird mit Geldbuße bis zu 1000 Frs. oder mit Gefängniß bis zu einem Jahre bestraft. d. 83. Ein Geistliher oder anderer Religionsdiener, welcher in Ausübung oder bei Anlaß der Ausübung gottesdienstlicher oder seelsorgerisher Handlungen Staatseinrihtungen oder Erlasse der Staatsbehörden in einer den öffentlihen Frieden gefährdenden Weise zum Gegenstand einer Verkündigung oder Erörterung macht, wird mit Geldbuße bis zu 1000 Frcs. oder mit Gefängniß bis zu einem Jahre bestraft. $. 4. Geistlihen oder anderen Religionsdienern, welhe nicht an einer ftaatlich anerkannten Kirchengemeinde angestellt sind, ist die Ausübung geistlicher Verrichtungen untersagt: 1) wenn der Betreffende einem staatlich verbotenen religiösen Orden angehört; 2) wenn er erwiesenermaßen unter einer fremden, vom Staate nicht anerkannten, bischöflichen Jurisdiktion steht und in diesem Falle die \chriftlihe Erklärung verweigert, daß er sich bedingungslos den Staatseinrichtungen und Erlassen der Staatsbehörden unterwerfe, Wer entgegen diesen Vorschriften geist- liche Verrichtungen ausübt, wird mit einer Geldbuße bis zu 1000 Fr. oder mit Gefängniß bis zu einem Jahre bestraft. 8. 5, Zur Vor- nahme von Pontifikalhandlungen (bischöflichen Jurisdiktionsakten) im Kantonsgebiet von Seite eines auswärtigen, staatlih nicht aner- kannten firhlihen Oberen ist die Bewilligung des Regierungsrathes erforderli. ‘8. 6. Versammlungen oder Zusammenkünfte von Reli- gionêgenossenschaften, bei denen ‘die öffentlihe Ordnung gestört oder der Sittlichkeit zuwider gehandelt wird, follen von Polizei wegen ausgeopen und die Fehlbaren dem Richter zur Strafe überwiesen werden.“

Belgien. Brüssel, 15. Juni. (W. T. B.) In der heutigen Sißung der Deputirbenkammer wurde durh den Deputirten Thonissen der Bericht vorgelegt, der von der mit Berathung des sogenannten „Duchesne-Geseyes“ betrauten

Kommission erstattet worden is. Die Kommission beantragt eine Modifikation der Regierungsvorlage in der Weise, daß auf Grund derselben nur, wenn es sich. um Anerbieten zur Begehung {chwerer mit Todes- oder Zwanggsarbeitsstrafe bedrohten Ver- brehen handelt, eine strafrechtlihe Verfolgung eintreten, eine \solhe aber dann nicht statthaben soll, wenn lediglich mit Ein-- \chließung vom Gesey bedrohte Vergehen in Betracht kommen.

Großbritannien und Jrland. London, 14. Iuni. Der Herzog und die Herzogin von Edinburgh werden sh im Zuli zu einem Besuche des Kaisers und der Kaiserin von Rußland nach St. Petersburg begeben.

Der Sultan von Zanzibar empfing am Sonnabend den Lordmayor der City und den Premier-Minister Disraeli. Geftern, am Sonntag, verließ er seine Gemächer niht. Der Sultan hat seine Gewohnheiten niht im Mindesten geändert. Im Hofe des Alexandra-Hotes i} für ihn cin Privatshlahthaus nebs Küche eïrrihtet worden, in welhem die zu seinem Gefolge gehörenden vier Köhhe alle seine Mahlzeiten zubereiten. Heute wird er dem Prinzen von Wales in Marlborough-House seine Aufwartung machen. Am Sonnabend wird Se. Hoheit den Krystallpallast besuhen, wo ihm zu Ehren ein Monstre-Konzert und ein großartiges Feuerwerk stattfinden werden. «

Kardinal Cullen kehrte am Sonnabend von Rom nach Dublin zurück. : :

*— 15. Juni. (W. T. B) Die Meldung auswärtiger Blätter, die Kaiserin Eugenie und Prinz Louis Napo- leon hätten sich nah dem Festlande begeben, is unbegründet, Beide haben Chislehurst nicht verlassen.

Frankreih. Paris, 13. Juni. Der „Moniteur“ enthält über die Revue Folgendes: „Die trefflihe Haltung der Truppen machte auf die Offiziere, welhe der Revue anwohnten , einen guten Eindruckl. Für die, welhe \ich wirklih für die Fortschritte der Armee interessiren, is eine Revue nicht allein ein militärishes Fest, sondern auch eine Gelegenheit, den Stand der Instruktion der Truppen aller Waffengattungen zu studiren. Gestern fand die 4. Jahresrevue über die Garnisonen von Paris und Versailles ftatt, aber erft die zweite, bei welcher die Armee als wirklih reorganisirt er= scheinen konnte. Früher bemerkte man ungeachtet der martiali- \hen Haltung der Truppen in ihren Bewegungen die Ab- wesenheit der Regelmäßigkeit, welhe bei ihnen eine voll- ständige Instruktion darthut. Geftern war die Haltung eine vollkommene; die Unbeweglichkeit der Linien der Infanterie, der Kavallerie und der Artillerie war eine absolute. Man fühlte, daß jeder Corpsführer seine Truppen in der Hand hatte. Un- geachtet der Nothwendigkeit des Kampfes in L a Ordnung haben unsere Offiziere eingesehen, daß sie mehr denn je von ihren Leuten die Richtigkeit der Bewegung, welhe das Zeichen des Gehorsams und der guten Instruktion if, fordern müfsen. Sie erlangten es nicht ohne Mühe, denn sie haben heute nicht mehr die Unteroffizier-Cadres, wie früher. Beglückwünschen wir fie daher, indem wir zugleih von ihnen verlangen, daß sie die neue Taktik niht vergessen, welhe von dem Öffizier, wie von dem Soldaten eine fortwährende Arbeit verlangt. Wenn die Bewaffnung \sich vervollkommnet, so muß die Instruktion der Truppen immer auf der Höhe der Aenderungen erhalten werden, welche die Taktik nah sih zieht.

Das neue Preßgeseßz, welhes der IZustiz-Minister Dufaure dieser Tage der Kammer vorlegen wird, lautet in seinen Hauptpunkten wie folgt:

Artikel 1. Jeder durch eines der im Artikel 1 des Geseßes vom 17. Mai 1819 angeführten Mittel bewirkte Angriff gegen das Prin- zip oder die Form der republikanischen Regierung und die Autorität des Präsidenten der Republik oder eine der beiden Kammern, wie sie in den Geseßen vom 20. November 1873 und vom 25, Februar 1875 erkläut sind, wird mit einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten bis zu drei Jahren und einer Geldbuße von 500 bis 5000 Fr. belegt. Mit den nämlichen Strafen wird die Beleidigung der Person des o Hd der Republik oder die gegen eiue der Kammern belegt.

rtikel 2, Während der Dauer der dem Marschall-Präsidenten der Republik- durh das Geseß vom 20. November 1873 übertragenen Ge- walten, und so lange dieser niht von dem ihm durch Art. 8 des Gesetzes vom 29. Februar 1875 geliehenen Vorrecht Gebrauch gemacht hat, ist jede Petition, jeder Antrag und jede Forderung, welche die Modifikation der Staatszwecke zum Gegeustande haben, bei einer Geldstrafe von 500 bis 10,000 Fr. verboten. Diese Bestimmung findet keine An- wendung auf Schriften, welche nicht regelmäßig ersheinen und mehr als zehn Bogen ftark find. Artikel 3 bestraft die Veröffentlichung und Wiederholung von falshen Nachcichten, fabrizirten, gefäls{hten oder fäls{lich dritten Perfonen zugeschriebenen Aften}tücken. Artikel 5. Das Verbot des Verkaufs eines Blattes auf der Straße kann nur durch Verordnung des Ministers des Innern verfügt werden. Diese Verordnung kann nur in dem Jahre erlassen werden, welches einer Verurtheilung folgt, die ein Blatt wegen Vergehen oder Verbrechen - betroffen hat. Das Verbot des Straßen- verkaufs kann nur für einen Monat verhängt werden. Nah Artikel 6 werden dur die Zuchtpolizeigerichte abgeurtheilt: 1) die in Artikel 8 des Geseßes vom 25. März 1822 mit Strafe belegten aufrührerischen Rufe; 2) die Beleidigung der guten Sitten durch die Publikation, Vertheilung, den Verkauf oder die Ausstellung von ob- scônen Schriften, Zeichnungen, Photographien oder Bildern; 3) die Veröffentlichung falsher Nachrichten fabrizirter, gefäls{;ter oder fälsch- lich dritten Personen zugeschriebener Aktenstücke; 4) Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des Artikels 2; 5) die Beleidigung fremder Souveräne oder fremder Staatsoberhäupter. Ein Schlußartikel be- stimmt, daß der Belagerungszustand aufgehoben ist, aber daß die Re- gierung das Recht hat, unter ihrer Verantwortlichkeit die Zeitungen zu verbieten, welhe in den Departements der Seine (Paris), Seine- et-Oise (Versailles), Rhone (Lyon) und Rhonemündungen (Marseille) erscheinen und zum Bürgerkriege auffordern, auch die äußeren Bezie- hungen des Staates in Gefahr bringen. Dieses Reht hört - drei Monate nach der Konstituirung des Senats und der Repräfentanten- kammer zu bestehen auf.

Versailles, 15. Juni. (W. T. B.) Die Nationa [l- versammlung hat heute die Berathung über den höheren Unterricht fortgeseßt und das von der Linken beantragte Amendement, wodurch dem Staate allein das Recht zugestanden werden soll, akademishe Grade zu ertheilen, mit 369 gegen 323 Stimmen abgelehnt. Morgen wird die Berathung fortgeseßt werden.

Îtalíen. Rom, 15. Juni. (W. T. B.) Sigzung der Depu - tirtenkammer. Bei der heute fortgeseßten Berathung über das Sicherheitsgeseßz wies der Minister-Präsident Minghettii in längerer Rede die Nothwendigkeit dieses Geseßes nah und führte aus, ‘daß dasselbe durhaus keinen politishen Zweck habe und auch keineswegs allein für Sicilien bestimmt sei. Der Minister \prah seine Zustimmung zu einer Enquête, betreffend die Sicher- heitsverhältnisse in Sicilien, aus, erklärte \sich aber gleichzeitig gegen die Annahme von Anträgen, welche die Berathung des Geseßentwurfes suspendiren wollen. Es würde dies um \o be- dauerliher sein, da hierdurh auch eine höchst bedenkliche mora-

ralishe Wirkung hervorgerufen werden dürfte. Die Kammer nahm hierauf die auch von dem Minister-Präsidenten befür-

wortete einfahe Tagesordnung bei namentlicher Abstimmung mit 220 gegen 203 Stimmen an, und wird \onach morgen in die Berathung des in Rede stehenden Gesehentwurfs eintreten.

/ (W. T. B.) Die verschiedenen zu dem Sicher- heitsgeseße gestellten Tagesord nungsanträge, welche durch die heute von der Deputirtenkammer angenommene einfahe Tagesordnung beseitigt wurden, gingen sämmtlich ent- weder auf eine Vertagung der Berathung oder auf eine Ab- lehnung der Geseßvorlage hinaus. Garibaldi, der wegen Krank- heit an der Sizung nit theilnahm, hatte sh \hriftlich für Ab- lehnung des Gesezes ausgesprochen. Die Debatte über den von der Regierung acceptirten Antrag Pisanelli’'s beginnt morgen.

Griechenland. Athen, 16. Juni. (W. T. B.) Serbos ist zum Marine-Minister ernannt worden. Das hier weilende französische Geschwader geht morgen nah Smyrna ab. ‘Der Commandeur desselben, Admiral de la Roncière le Noury, gab gestern zu Ehren des Königs ein Galadiner.

Numäánien. Bukarest, 16. Juni. (W. T. B.) Für st Karl erhielt gelegentlich einer von ihm vorgenommenen In- spizirung der rumänischen Flotte bei Giurgewo von dem benach- barten türkishen Pascha eine Einladung, die Garnison von Rustshuk ‘zu besichtigen. Der Fürst nahm die Einladung an, begab sich nach Rustshuk und fand dort eine ausgezeichnete Aufnahme. Auf der Rückfahrt nah Bukarest erfolgte zwischen Filaret und Costroceni ein Zusammenstoß des fürstlichen Zuges mit einem anderen. Der Fürst, sowie mehrere Herren seines Gefolges erlitten „hierbei einige leichte, unerhebliche Kontufionen,

Nufßland und Polen. St. Petersburg, 15. Iuni. (W. T. B.) Die in verschiedenen auswärtigen Zeitungen enthaltene Nachricht, daß in London zwischen Rußland und England Verabredungen über eine in Central- asien zwischen beiden Mächten als Abgrenzung festzustellende neutrale Zone getroffen seien und daß eine bezügliche Konven- tion beschlossen, entbehrt sicherem Vernehmen nah der Be- gründung.

_ Schweden und Norwegen. Stockholm, 12. Zuni. Ein \chwedisches Uebungsgeshwader, bestehend aus der Dampffkorvette „Thor“ sowie den Dampfkanonenböten e Svensk- sund“, „Motala“, „Carls\und“, „Alfhild*, „Aslog“, „Astrid“ und „Sigrid“, ist am Donnerstag auf der Rhede bei Malmö vor Anker gegangen. Dieses Geschwader, welhes unter Befehl des Admirals Virgin steht, wird sich einige Tage im Sunde aufs halten. Der Chef für Schwedens geologishe Unter- suchungen hat bezüglih der für diesen Sommer angeordneten näheren Untersuhungen der Erzlager in Norrbotten dieser Tage seine Vorschläge der Regierung unterbreitet. Der Haupt- zweck is, sh über die Ausdehnung und Beschaffenheit der Erz- lager in Gellivare und Jukkarjarfri genauere Kenntniß zu ver- schaffen. Die Untersuhungen werden in Gellivare ihren Anfang O und in der Richtung von Osten nah Westen fortgeseßt werden.

Dänemark. Kopenhagen, 12. Iuni. Am 29. d, M. soll bei Anwesenheit des Königs, auf seiner Reise nah dem Vebungslager bei Hald in Jütland, die feierlihe Einweihung der Eisenbahn nah Kallundborg stattfinden. In Holbäk und Kal- lundborg werden Festlichkeiten vorbereitet, und an beiden Stellen sollen Festmahlzeiten stattfinden.

Amerika. Aus Mittel- und Südamerika liegen der ¡A. A. C.” vom 14. d. M. folgende Nachrichten vor:

Aus Jamaika wird vom 25, Mai gemeldet: Mehrere Flücht- linge aus Hayti sind hier angekommen. Sie waren in d-r jüngsten dortigen Pcoskription mit eingeschlossen. General Brice, der in der Meuterei getödtet wurde, war der Besieger Salnave's. Nach Be- richten aus Callao (Peru) vom 13. Mai nehmen die Vorbereitun- gen für die im Oktober stattfindende Präsidentenwahl ihren Fortgang, General Prado und Contre-Admiral Montero wurden von ihren resp. Anhängern festlih bewirthet. Die Piojekte betreffs des Guanos und salpetersauren Natrons sind nocch nicht volleude:. Der Gesehtz- entwurf für die Exrpropriation des Guano liegt «och immer dem Senat vor. Der „Prinz Alfred“, ein mit Guano ür London be- frachtetes Schiff, ist in der Nähe von Coquunlko gescheitert. Die Mannschaft verließ es in zwei wohlverproviantiri-n Booten. Die- jenigen, die in dem Boote waren, das den Kapitän enthielt, wurden

erettet und nah Canizal gebracht. Man hofft, daß das andere Boot Soquimbo erreicht hat.

Asien. Einer Depesche der „Times“ aus Rangoon zu- folge, kam Sir Douglas Forsyth am 10. d. in Mandalay, der Hauptstadt von Birma an, und wurde gut empfangen.

In Tonquin soll, wie der „London und China Tele- graph“ erfährt, eine französische Marinestation errichtet werden. Sie wird aus Kanonenbooten, die aus Saigon gesendet werden, bestehen und von den Marine-Divifionen von Cochin- China bemannt werden. Diese Flottille soll von einem Fregatten- Kapitän unter der Autorität des Gouverneurs von Cochin- China befehligt werden.

Nr. 47 des „Amts - Blatts der Deutschen Reichs- Postverwaltung“ hat folgenden Inhalt: Verfügungen: vom 12. Juni 1875: Aufhören der Zulassung zur abgekürzten Postsekretär- Prüfung; vom 12. Juni 1575: Aufhören der Zulassung von Post- expediteuren zur Postamts-Assistenten-Prüfung; vom 13. Juni 1875: Einziehung von ?/1 Thaler- bz. 34 Guldenstüke; vom 9. Zuni 1875; Kursbuch der deut|chen Reichöpoitverwaltung ; vom ¡12. Juni 1875: Eröffnung der Eiscubahnstrecke Lünen-Dülmen. F ad Dei B E

Statistische Nachrichten.

Im gegenwärtigen Semester ist die Universität Erlangen von 401 Studirenden besucht, unter denen fich 268 Bayern befinden, 133 aus andern deutschen und außerdeutshen Ländern gekommen sind, Der theologischen Fakultät gehören 142 Studirende an, 21 von diesen zugleich Philologen (82 Baye'n, 60 Nichtbayern), der juristischen 44 (35 B., 9 Nichtb.), der medizinishen 96 (64 B., 32 Nichtb.), der philosophischen 119 (87 B., 32 Nichtb.). Unter diesen studiren 41 (38 B,, 3 Nichtb.) Philologie, 5 (2 B, 3 Nichtb.) Philosophie, 37 (23 B., 14 Nichtbh.) Mathematik, Phyfik und Chemie, 36 (24 B,, 12 Nichtb.) Pharmazie.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Nach dem Monatsberiht der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften für März 1875, lasen in diesem Monat folgende Herren: A Ueber die ueue Ausgabe der Chronik des Bischofs Isidor von Reza (Pacensis). Deffner, Ueber den Dialekt der Zakonen. Peters, Ueber die von Hrn. Prof. Dr. R. Buchholz in Westafrika gesammelten Amphibien. Borchardt, Neber den Briefwechsel wil Legendre und Jacobi. Reicheri, Zur Anatomie des Shwanzes der Ascidienlarven (BotryUus violaceus). Virchow, Ueber das 0s interparietale.

Die für das Zeichnen der Terrains vom Königlichen T

roßen Generalstabe gegebenen und amtlich eingeführten Be- stimmungen sind soeben, in kolorirten Musterblättern dargestellt, nebst Erläuterungen, welche alles für Offiziere und Kartographen Wissens- werthe enthalten, in der Königlichen Hof-Buchhandlung von E. S. 11 u. Sohn hierselbst (Kochstraße 69) zum Preise von 4 erschienen. ;

An der Universität München soll ein neuer Lehrstuhl errichtet werden, und zwar für lebende Sprachen, namentlich die frazn- zösische und die englische. E

Der Afrikareisende Dr, Nachtigal ist vom „Freien deutscken 2s O zu Frankfurt a. M. zum Ehrenmitgliede und Meister A worden,

Die Erben des am 8. Juli 1874 verstorbenen Minera- logen und Krystallographen Friedrich essenberg, Dr, phil. hono- rarius der Berliner Fakultät, haben dessen ausgewählte Bibliothek in diesen Fächern der Senckenbergischen naturfors{chenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. zum Geschenk gemacht.

Der außerordentliche Professor der Chemie und Technologie Dr, Adolf Claus in der philosophischen Fakultät der ae Freiburg ist zum ordentlihcn Professor der genannten Lehrfächer ernannt und dem Privatdozenten Dr. Gideon Spitcker in Freiburg der Charakter als außerordentliher Professor in der philosophischea Fakultät der dortigen Universität verliehen worden,

In Rouen begann äm 12. Juni. die Säkularfeie Boieldieu's, Sie dauert vier Tage; eine große Zahl C kalischea Vereinen hat sih in der Geburtsstadt des populärsten fran- zöfischen Komponisten eingefunden.

Wie aus London 11, Juni gemeldet wird, is Hr. Watts der im leßten Sommer eine Erforschungsreise i Fsoland machte, und den Vatna Isf:t bis zu einer Stelle erstieg, die kein Reisender „vor ihm erreicht hat, zu weiterer Forschung neuerdings nach Reykjavik abgegaugen. Ein großer Theil der Insel ift noch unbekannt, und der topographishe und mineralogishe Charakter des Innern nicht genau festgestellt.

Die englische National-Gemäldegallerie ist durch Ankauf um ein ausgezeichnetes Gemälde bereichert worden. Der »Academy“ zufolge ist es ein Kopf- und Schulter-Portrait eines venetianischen Patriziers, in Oel von einer Mailänder Hand gemalt und vorzüglich gut erhalten. Das Gemälde ist kleine Lebensgröße und die Haltung beinahe en profil, Der Sißende trägt einen rothen Mantel mit einer s{warzen Kappe und s{chwarzer Amtsstola; am linken Handgelenke kommt ein blauer Unterärmel zum Borschein ; am linken Daumen steckt ein Türkisring, und in feiner rechten Hand hält er eine Nelke. Den Hintergrund bildet eine Landschaft niedriger Hügel. Farbe und Qualität des Bildes sind bewunderungswürdig, und der Kopf ist ein Meisterstück von eruster und genauer Portrait- zeichnung. Der Name des Sißenden ist niht bekannt, aber das Ge- mälde selber kann mit Gewißheit der Hand von Andrea di So- lario, der nah 1490 in Venedig ansässig war, zugeschrieben werden. Die englische Nationalgallerie befißt bereits ein auffallendes Portrait von diesem Meister, aber in einem weniger reinen Zustande als das soeben erworbene Gemälde.

Das 4. Heft (IV. Jahrg.) der Zeit \chrift für deutsche Kulturgeschichte, herausgegeben von Dr. F. H. Müller, Stu- dienrath, (Hannover, in Kommission bei Carl Meyer) hat folgenden Inhalt: Herzog Julius von Braunschweig, Kulturbild deutschen Fürsten- lebens und deutscher Fürstenerziehung im 16. Jahrhundert. Von Eduard Bodemann. Korrespondenzen über Aufhebung eines Nonnenklosters im 16. Jahrhundert. Von Gustav Schmidt. Bücherschau: Kritische Geschichte der französischen Kultureinflüsse in den leßten Jahrhunderten. Von J. J. Honegger. Geschichte der Gesellschaft. Von Dr. Jof. Roßbah. Buntes: Spezial-Ordre Sr, Königlichen Majestät in Preußen.

Land- und Forstwirthschaft.

Berlin. Am Tage vor dem Wollmarkte, am 18. FUÜL: wird Vormittags 10 Uhr der Verein der Milchinteressenten, Nachmittags 6 Uhr der Verein der Wollinteressenten im Lokale des Club der Landwirthe, Französischestraße 48, hierselbst tagen.

Die Tagesordnung beider Versammlungen, zu denen Gäste Zu- tritt haben, dürfte für die fich hier aufhaltenden Landwirthe nicht ohne Interesse sein.

Die Nr. 18 der „Jllustrirten Jagdzcitung®, Organ für Jagd, Fischerei und Naturkunde, herausgegeben von W. H. Nitsche, Königl. Oberförster (Leipzig, Verlag von Heinrih Schmidt & Carl Günther), (Preis 3 4 halbjährlich), enthält: Der vulgo passionirte Jäger von v. Schuckmann. Jagdstreitigkeiten von Freiherr v. Droste- Hülshoff. Uebel angekommen mit Jllustrationen. Ein Zu- sammentreffen- mit Wilddieben, Waidmannspech ven O. v, Krieger u s. w.

Gewerbe unnd Handel.

Stettin, 16, Juni. (W. T. B.) Wollmarkt. Zufuhren und Zahl der Käufer find s{chwächer als son, Die Wäschen find gut. Der größte Theil ist bei ruhigem Geschäft mit einem Preisabschlag von 1—3 Thlr. bereits verkauft. Für beste vorpommershe Wolle wurden 62—64, für hinterpommersche bis 65 Thlr. bezahlt.

Die Direktion der Altona-Kieler Eisenbahn veröffentlicht folgende Motivirung des Antrages auf Kontrahirung cinec Prioritäts- anleihe [V. Emisfion: Wie bedeutend der Verkehr auf den \{les- wig-holsteinishen Bahnen in den leßten Jahren zugenommen hat, is aus folgenden Angaben zu entnehmen: Auf den holfteinishen Bahnen wurden durhs{nitilich pro Meile ge fahren: A. Jm Personenverkehr: Im Jahre 1869 198,813 Perfonenmeilen, 1870 158,246, 1871 180,699, 1872 202,438, 1873 210,526, 1874 238,448 Perfonenmeilen. - B. Im GSGüter- verkehr: Jm Jahre 1869 1,875,414 Centnermeilen, 1870: 2,276,278, 1871 2,001,777, 1872 2,294,442, 1873 2,333,148, 1874 2,664,957 Centnermeilen, Jn dem Zeitraum 1869 bis 1874, d. h. im Verlauf von 5 Jahren, hat also auf den holsteinishen Bahnen der Personenverkehr um 20%, der Güterverkehr um 42% zugenommen. Der Personenverkehr auf den s{leswigsc{en Bahnen hat in demselben Zeitraum um 26%, der Güter- verkehr um 63% zugenommen. Der Verkehrszuwahs auf den holsteinischen Bahnen besteht größtenheils aus durhgehendem Verkehr, welcher die Hauptstationen Altona, Ottensen und Neumünster berührt und dort eine entsprehende Vermehrung und Erweiterung der Geleise, Reparaturwerkftätten, Lokomotivshuppen und sonstigen Bahnhofsan- lagen, sowie auch eine bedeutende Vermehrung der Betriebsmittel er- forderlich macht. Außer dem durchgehenden Verkehr is vorzugsweise der Lokalverkehr der Station Ottensen in starker Zunahme begriffen. Derselbe betrug im Jahre 1869 ankommend 351,174 Ctr., abgebend 483,455 Ctr., zusammen 837,629 Ctr.; im Jahre 1874 ankommend 819,928 Ctr., abgehend 869,690 Ctr., zusammen 1,689,618 Ctr. Also in 5 Jahren eine Zunahme um mehr als 100%. Eine bedeutende Erweiterung der für den Güterverkehr bestimmten Geleise und sonstigen Anlagen des Bahnhofs Kiel ist namentlich deshalb erforderlich, weil dieser Bahnhof sich son feit vielen Jahren als sehr ungenügend ge- ¡eigt hat nnd eine Bewältigung “des dortigen Verkehrs nur dadur möglih war, daß die auf den städtischen Quais liegenden Geleise vielfach zum Aufstellen und Rangiren der Güterwagen benußt wurden. Junerhalb der nächsten 2 Jahre find für die Erweiterung der Hauptbahnhöfe, die Vermehrung „der Betriebsmittel, für eine Betheiligung beim Bau der Neumünster - Heide - Töôn- ninger Bahn und zur SMOLT der Neumünster - Oldes- loer Bahn, ca. 3,000,000 Æ nôthig. ann wird voraussichtlich im Laufe der nächsten 6—8 Jahre für Anlage eines zweiten Bahngeleises zwi]shen Neumünster uad Kiel, sowie für sonstige Erweiteruugsbauten und eine entsprehende Vermehrung der Betriebsmittel, ein weiterer Bedarf von ca. 3,000,000 ( hinzukommen, Es wird nun beabsich- tigt, zunächst unr Obligationen im Betrage von 3 Millionen Mirg

zu emittiren, aber bei Feststellung des Jnhaltes des Textes dieser Obligationen der Gesellschaft das Recht vorzubehalten, daß, falls eine Vergrößerung diesec O regierungssecitig genehmigt werden sollte, den Jnhabern solcher neu zu emittirenden Obliga- tionen, bis zum Betrage von drei Millionen Mark, gleiche Priorität und Rechte mit den Inhabern der zuerst emittirten Prioritäts- Obligationen 1V. Emission verlichen werden, Die Ausgabe der neuen Obligationen tritt erst daun ein, fobald der Bedarf es erfordert. Ein Verkaufs der Ee Obligationen wird unter allen Um- ständen erst dann gesehen, nahdem die Pläne und Kostenanschläge der dafür auszuführenden Erweiterungsbauten und Anschaffuxg-n von Belriebsmitteln vom Ausshuß und von den vorgeseßten staatlichen Ausfsichtsbehörden speziell geprüft und genehmigt sind. Bei der bean- tragten Vermehrung des Anlagekapitals dur diese Anleihe ist zu be- rüdsihtigen, daß von den Prioritätsanleihen 1. und Il, Emissiou der Altona-Kieler Bahn bereits 948,900 ( und von den \{leswigschen Eisenbahn - Prioritäts - Obligationen {hon 327,000 #4, zusammen fue , außer der Anleihe von 1855 mit 660,000 amorti- irt find.

—- Nach dem Geschäftsbericht der Rechte Oder-Ufer-Eisen- bahn für 1874 wurden in diesem Jahre dem Verkehr übergeben: Das Zweiggeleise vom Bahnhofe Beuthen O. S. nach den Ladestellen für Hohenzollerngrube und Redensblickshacht am 15. August (Güter- verkehr) und die Zweigstrecken von Bahnhof Laurahütte nah dem Fannyschacht der Chasségrube am 4. Oftober (Güterverkehr). Gegen- wärtig umfaßt die Bahn 311,43 Kilometer. Das Projekt der Eisens bahn von Beuthen O. S. über Schwientohlowiß nah Antonienhütte nebst Zweiggeleisen wird demnächft dem Ministerium zur Genchmi- gung vorgelegt werden. Das Projekt Schwientcehlowiß über Nikolai nach Tichau ist fertiggestellt, kann aber erst vorgelegt werder, wenn die Strecke Beuthen-Schwieniochlowiß-Antonienhütte Oels-Brieg if bereits vorgelegt, aber eine Entscheidung noch nicht erfolgt. Das Projekt einer Zweigbahn vom Bahnhof Oppeln nach der Oder unterhalb Oppeln ist gegen Ende des vergangenen Jahres zur Ausführung genehmigt worden, und soll der Bau beginnen, sobald die Verhandlungen mit den am meisten interessirten Grundbesißern zum Abschluß gekounen. Die generellen Vorarbeiten für die Bahn Malapane-Breslau waren hon im vergangenen Jahre vollendet; dech wurde auf Wunsch mch- rerer Interessenten eine etwas veränderte Trace aufgesucht, deren Projektirung noch_ nit ganz vollendet is, Auch die Bahnverbin- dung Dziediß-KasHau-Oderberger Bahn ist vertagt worden. Bezüg- lih der Zweigbahn von Schoppiniß über Myslowiß nach S{upna ist auf dem an die österreihishe Staatêregierung gerichteten Antrag auf Konzessionirung des auf österreihishem Gebicte zu erbauenden Theils diejer Bahn der Bescheid eingegangen, daß gegen die bean- tragte Führung der Linie auf österreihischem Gebiete im Allgemei- nen kein Anstand obwalte. Die bezüglihen Verhandlungen mit der Kaiser Ferdinands-Nordbahn {weben zur Zeit noch, über die Zweig- bahn von Georggrube nach Ferdinandsgrube ift eine Entschließung der Regierung noch nicht erfolgt. Das Gesammt-Aulagekapital dex Rechten Oderufer-Bahn besteht aus dem Anlagekapital für die Stammbahn mit 7,500,000 (, aus dem Anlagekapital für die ven 37,900,000 e, aus“ der unverzinslichen, Betriebs - Einnahmen allmählichß zurückzu- zahlenden Staatsbauprämie 1,695,480 4A und aus der An- leihe von 1871 12,000,000 Æ, in Summa 58,095,480 M Die Bau - Ausführungen kosteten bis zum Schlusse des Jahres 1874 57,535,692 4, so daß am Rechnungs\{luß der Bestand des Anlagekapitgls fich auf 559,788 M. belief, wovon jedoch noch die auf Vorschuß gebuchten 96,150 in Abzug kommen, so daß ein wirkliher Bestand von 463,638 A verblieb. Da die Erweiterung der bestehenden Anlagen der Bahn, namentlich der Bahnhöfe, der Werkstatt zu Breslau, die Ausführung von Hochbauten und di- Be- schaffung von Fahrbetriebsmitteln zum größten Theil diejenigen Geldbeträge in Anspruch genommen haben, welche für die noch nicht zur Ausführung gelangten Zweigbahnen und Auschlußgeleise im Vor- anschlage vorgesehen waren, erscheint der am 1, Januar d. J, ver- bleibende Bestand des Baufonds zur Vollendung der bereits ange- fangenen Bau-Ausführungen und Beschaffungen, sowie zu denjenigen Vervollständignngen und Erweiterungen der Bahnanlagen, deren-Aus- führungen im Laufe dieses Jahres dringend nothwendig ift, nicht aus- reichend, vielmehr werden ca. 200,000 Thlr. noch in diesem Jahre mehr erforderlich sein. Dieser Betrag soll einstweilen aus den bereitesten Mitteln der Gesellshaft vorschußweise entnommen werden. An Fahrbetriebsmitteln besaß die Bahn ult. 1874 112 Lokomotiven, 104 Lender, 80 Perfonenwagen, 32 Gepäckwagen, 506 bededckte Güterwagen und 1601 offene Güterwagen. Neubeschafft wurden davon im Fahre 1874 37 Lokomotiven, 33 Tender, 14 Personenwagen, 10 Gepäckwagen und 71 offene Güterwagen. Das finanzielle Ergebniß des Betriebs ist gegenüber den allgemeinen Verhältnissen zufziedenstellend, Die Dividende beträgt 61%. An den Staat find zur Tilgung der unverzinslihen Beihülfe 27,147 Thlr. zurüdckgezahlt. Die Gefammt-Einnahmen betcugen pro Kilometer 1874: 24,447,4 #4, 1873: 25,017,12 (4 Der Personen- verkehr umfaßte 1,053,577 Personen mit 1,236,521 Einnahme (13873: 1,221,945 (A). Der Güterverkehr belief sich auf 29,267,634 Ctr. mit 6,427,507 Einnahme (1873: 5,962,477 (). Die Ge- sammt-Einnahmen betrugen 1874: 8,301,263 4, 1873: 7,832,861 M Die Betriebsausgaben betrugen 1874: 3,821,087 c (pro Bahnkilometer 12,266,7 A4), 1873: 3,567,238 J (pro Bahnkilometer 11,529,5 (6). Die Mehransgabe von 84,500 Thlr. erklärt sich theils aus der Steige- rung der Einnahmen (welche 156,000 Thlr. ausmacht), theils dur die Echöbung der Gehälter und Taglöhne und Vermehrung der Lasten des Betriebes. Die Kohlenpreise ginge: von 7,72 Sgr. im Jahre 1873 auf 7,37 Sgr. zurück. Die laufende Betriebsausgabe berechnct fih zur Druté9-Einnahme pro 1874 auf 46,03%, 1873 auf 45,54%, Die F gen zum Reserve- und Erneuerungsfonds he- trugen 1874: 901,500 (. Der Reservefonds schließt mit 31,479 M4, der Erneucrungsfonds mit 1,040,747 ( ab. Tödtungen und Ver- lezungen von Reisenden sind im Jahre 1874 nicht vorgekommen. An Verleßungen von Bahnbeamten und Bahnarbeitern find 49 zu be- flagen, von denen 3 den Tod zur Folge hatten. Der Kostenaufwand für Entschädigungen betrug 2276 Thlr.

Am 6. Juni ist in Dresden im Kurländer Palais, Zeughaus- Plaß Nr. 3 die von uns bereits angekündigte Ausstellung alter funstgewerbliher Arbeiten eröffnet worden, Dieselbe umfaßt die besten Vorbilder aller Gebiete des Kunstgewerbes vom Mittel- alier bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, sie ist bereichert worden durch umfänglihe Zusendungen aus den Königlichen Schlössern, von den Stadt- und Kirchengemeinden, fowie von einer großen Zahl von Privatsammlecn, and giebt ein s{öônes Zeugniß des reiches B sies alter und gediecgener kunstgewerblicher Arbeiten im Königreich Sachsen, Die Dauer der Ausstellung ist auf zwei Monate festgestellt.

Die erste ordentlihe Geueralversammlung der Leipzig- Gaschwiß-MenselwißerEisenbahngesell\cha ft fand gestern in Leipzig statt. Anwefend waren 19 Aktionäre mit 3939 Aktien mit ebenfoviel Stimmen. Di? erste Betriebsperiode umfaßt die Zeit vom 7, Sey ember bis 31. Dezember 1874 und hat, wenngleih die dar- niederliegende Judustrie den Meuselwitzer A naa dert, den- noch die gleichen Ergebnisse erbracht, welche die Ÿ [tenburg-Zeißzer Eisenbahn in den ersten Monaten ihres Bestehens erreihte, so daß die Hoffnung vorhanden ist, es werde die Zukunft des Unter- nehmens eine gedeihlihe werden. Von der in der General- versammlung vom 22. Oftober vorigen Jahres genehmig- ten Prioritätsanleihe, um die von Oberauffichtswegen geforderten Mehrleistungen rülsihtlich der Ausstattung und Erweiterung der Bahn bestreiten zu können, wurde Anfangs dieses ahres cin Theil durch die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt begeben, wo- durch die in der Bilanz vom 31, Dezember 1874 aufgeführten \hwe- benden Schulden getilgt wurden. Sämmtliche Punkte der Tagesord- nung wurden einstimmig genehmigt, darunter beschlossen, daß der Dividendenschein Nr. 2 der Prieritäte-Stamwaktien mit 22,50 M

Bahnerweiterungea Aber AaUS Den

und derjenige der Stammaktien mit 11,2 X vom 1. Juli ab ein- gelöst werden soll, Î

festgestellt ist.