1899 / 287 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Feichöbank gegenwärtig niht in der Lage ist, dem Verkehr und namenili< dem Verkehr in den großen Industriebezirken so viele silberne Fünf: Markstü>ke zu liefern, als für Lohnzahlungen begehrt werden. Das hängt zusammen mit unserer jeßigen Kopfmenge von 10 Æ, die eben nit genügend ist. Wenn erst die Industriebezirke, namentli die drei großen, Rheinland-Wefsifalen, Sachsen und Ober- s{lesiei; genügend Fünf - Markstü>ke zur Löhnung erhalten haben werben, dann wird die Anforderung nah Kronen von selber zum theil nachlassen.

Ferner war seitens einer Reihe von Handelskammern beansprucht worden eine \tärkere Ausprägung von Ni>el-Zehnpfennigstü>ken. Eine sol<he ijt bereits seit längerer Zeit im Gange, es werden zu Ostern nächsten Jahres s{<hon 3 Millionen Mark ausgeprägt sein zum theil- weisen Ersaß der eingezogenen Zwanzigpfennigstü>ke. Vielleiht wird das no< nit ganz genügen. Dann werden im Laufe des nächsten Sommers sich sofort weitere Prägungen daran schließen.

Mit den silbernen Zwanzigpfennigstü>en ist es insofern ein eigenes Ding, als fie in Süddeutschland in erhebli% \stärkerem Maße ‘umliefen als in Norddeutshland. Es sind beispielsweise im Großherzog- thum Baden auf die Million Köpfe der Bevölkerung viermal fo viel solcher Stüke eingezogen worden als in Norddeutschland. Daher {reibt es fih natürlih, daß der Mangel an Nickelmünzen am stärksten in Baden, ‘Württemberg, theilweise au<h in Bayern hervorgetreten ist. Nun werden die neuen Ni>elmünzen auf allen Münzen des Deutschen Reichs geprägt, und es dauert deshalb naturgemäß einige Wochen, vielleiht Monate, ehe sie an die Stelle geflossen find, woelhe ihrer am meisten bedarf. Daher {reibt es ih, daß örtlih anscheinend, namentli in Mannheim, ein Mangel an folhen Stülken! aufgetreten ist. Dieser Mangel wird aber im nächsten Frühjahr, allerspätestens im nädsten Sommer, vollkommen gehoben sein.

Nun möchte ih einige Worte sagen über das Stück, das gewisser- maßen ein Schmerzenskind unserer kleinen Münzen ist, das Fünfzig- pfennigstü>. Es ist! von jeher darüber geklagt worden, daß das Fünfzigpfennigstü>k leiht mit dem Zebnpfennig-Nickelstü> zu ver- we<seln ist. Es sind deshalb bereits in den 70er Jahren Aenderungen in der Gestalt der Prägung vorgenommen worden, die diesem Mangel theilweise abhalfen. Ganz aufgehört haben die Klagen no<h ni<t. Es werden deshalb seit einem Jahre neue Versuche angestellt, dem Fünfzig- pfennigstü> eine abweichende und etwas kräftigere Nändelung zu geben, sodaß es in Zukunft leihter vom Zehnpfennigstü> zu unterscheiden ist, Beispiele dieser Versuche, die zu einem abshließenden Grgebniß no< ni<t geführt haben, stehen Ihnen zur zweiten Lesung oder, falls der Gesetzentwurf an eine Kommission verwiesen werden follte, in der Kommission zur Verfügung.

Ich sagte vorhin, meine Herren: wenn der Verkehr eine Münz- forte dauernd abstößt, so muß sie aus dem Gesehe véèrshwinden. Das Korrelat dazu ist aber der Saß: wenn der Verkehr von etner geseßz- lien Münzjorte größere Mengen eifordert, so müssen diese größeren Mengen beschafft werden, und damit komme ih zu dem zweiten Theil der Vorlage, nämli<h zur Vermehrung der Reichs - Silbermünzen. Andere Staaten, meine Herren, über- lassen die Ausprägung der silbernen Scheidemünzen völlig der Ver- waltung. Jh nenne als solche Staaten beispielsweise England und Nord-Amerika. England hat für den Kopf der Bevölkerung trotz seines entwi>elten Che>systems eine weit größere Menge an silbernen Scheidemünzen als Deutschland. Der amerikanis<e Münz-Direktor, dessen statistis<e Zusammenstellungen allerseits als die zutreffendsten anerkannt werden, diz es in der Welt überhaupt giebt, {äßt für das Jahr 1898 die Menge der englishen filbernen Scheidemünzen auf nahezu 13 „6 per Kopf, also erhebli< mehr, als wir in Deutschland gegenwärtig gefeßlid baten.

Nun ist bereits in der Begründung der Novelle ziffernmäßig dar- gelegt worden, wie viel Scheidemünzen der Verkehr in Deutschland in fünfjährigen Abschnitten seit 1880 thätsähli<h beanspruht hat; diese Ziffern liegen Jhaen vor, ih brauche: sie Ihnen hier niht zu wiederholen Berechnet ist vanah ein Kopfbedarf von 14,4 4; in der Vorlage ift diesex Kopfbedarf nit na< oben auf 15 4 abge- rundet, sondern nah unten auf 14 4, damit jeder Ans<hein vermieten werde, als follte gewissermaßen ins Blaue hineingegriffen werden. Dieje 14 # braucht der Verkehr in Deutschland aber nöthig, und sie müssen ißm deshalb werden.

Nun {eint dur< einen Theil der Presse die Auffassung ge- gangen ¡u fein, als ob mit einer Annahme der Münznovelle, glei wie Athene aus dem Kopf des Zeus, sofort der Kopfbetrag von 14 Æ aus ten Münzstätten enlspringen werde. Das ift ein großer Irrthum, Es läßt sih weder praktis so machen, no< würde es theoretish: ri<tig sein, die se<s bestehenden Münzstätten jeßt wieder so anzustrengen, wie dies um die- Mitte der siebziger Jahre hatte statifinden müssen, Die verbündeten Regierungen beabsichtigen nit, in einem s<nelleren Tempo vorzugehen als eiwa mit ciner jährlichen Prägung pon 30 Millionen in Reichs-Silbermünzen, ‘und zwar ollen diese ;30 Millionen nit das. jährlih fc auszuprägende Quantum darstellen, soadein nur dessen obere Grenze. Es if sehr wohl möglich, daß die Prägung in den einzelren Jahren ih au< erhebli unter diesen 30 Millionen halten wird, und dies ift die Folge einer- seits-dayon, daß in der Zwischenzeit in Deutschland drei Münzstätten gänzli eingegangen .find das; sind Darmstadt, Frankfurt und Hannover —, und zweitens die Folge davon, daß der Bedarf an Niel- münzen und an Kupfermünzen im Laufe; der lcßten Jahre außer- ordentlich, stark hervorgetreien ist, und dieser Bedarf muß auch- be- friedigt werden. Es: scheint nah den vorliegenden Ziffern, daß Niel- münzen und in, „höherem. Maße no< Kupfermünzen in einem geradezu ersdre>enden Maße verloren "gehen. Beispielsweise sind die Pfennige zum Betrage von rund 800 Millionen Stü> ausgeprägt: worden. Mau „sollte denken, daß: ein solher Betrag, bei dem fast.,15 einzelne Pfennige auf den Kopf der Bevölkerung kommen, fehr weit reichen würde. . Das..ift aber nit der. Fall. Die Reichsbank kann garnicht so, viel Pfennige hafen, als der Verkehr erfordert. Daraus ist nur der Schluß zulässig, daß, wenn 800 Millionen Stü>k Pfennige aus- geprägt sind, , mindestens 600 Millionen Stü> bereits | in Verlust gerathen find. Das ergiebt einen täglihen Verlust von 60.000 Stück Pfennig, die das deutsche Volk: dur<h Unachisamkeit , erleidet, Bei größeren Münzen ift der. Verlust selbstverständlich geringer, aber selbst beiden. silbernen Zwanzigpfennigstü>ken scheint er, soweit sich bis jept beurtheilen läßt, immerhin erheblich zu sein,

Wenn, nun -die Novelle: von einer - oberen Grenze ,von 14 (46 auf den, Kopf: spricht, so bitte ih Sie, / sich. gegenwärtig zu halten, daß diese: geseplihe: Grenze überbaupt nie erreiht werden kann, und es

wirken eine Menge Gründe zusamwen, um eine Erreichnng dieser

Grenze zu verhindern. Der erste Grund i} das Fortschreiten der Bebvölkerungsiffer.

Es ließe si< die Grenze in dieser Beziehung nur erreichen,

wenn ein Jeder auf seinem Sterbebette 14 6 zurü>zahlte und

jedes neugeborene Kind seinen Antheil in Form von 14 4 von dem Standesamte. bei; der Anmeldung angewiesen bekäme. (Heiter- Feit.) Mo bleiben die Prägungen immer um einige Jah res- zifffern hinter der Bevölkerung zurü>. Die Tabelle, die der Begrün - dung des Gesezentwurfs beigegeben ift, zeigt Ihnen, daß wir mit der faktishen Ausprägung nah dem gegenwärtigen Geseß?z nie höher ge- kommen sind als 9,5 4; ftellenweise waren wir nur auf 9,2 M, der Durchschnitt mochte 9,3 4 sein. Aber diese dur<s<hnittli<hen Prä- gungen von 9,3 4 stehen au nur auf dem Papier. Es sind noh weitere Abgänge zu berü>ksihtigen. Erstens, meine Herren, sind es die dret Schuß- gebiete im westlihen Afrika: Togo, Kamerun und Südwest-Afrika, und später au<h Neu-Guinea, wo ja die Markre<nung eingeführt werden soll, welche in jedem Jahre eine steigende Menge von Scheidemünze erfordern. Sodann liegt ein ganz erhebliher Theil unserer Silber- münzen, der ih freili<h nicht ziffernmäßig {<ägen läßt, im Auslande bei Wechslern; Sie finden sie bei jeder Schiffsbesaßung. Weiterhin fol av< im Großherzogthum Luxemburg die deutshe Scheidemünze sehr weit verbreitet sein; ih weiß es niht aus eigener Anschauung, habe es aber aus guter Quelle gehört. Dann treten Verluste ein dur< Brandschäden oder Schiffsunfälle, ferner erheblihe Verluste im Lande selbst und s{hließlih der industrielle Verbrauh zu Shmu>kstü>en.

Alles dies zusammengefaßt ergiebt, daß die geseßlihe Höchstzaenge von 10 # gegenwärtig um mindestens 1 „#6 per Kopf, wahrscheinlich aber um 15 Æ untershritten wird, sodaß Sie bei einer geseßlichen Höchstmenge von 10 A nur 8} bis 9 #4 im Verkehr haben, und später bet einér geseßlihen Höhstmenge von 14 A nur etwa 124 bis 13 M im Verkehr haben werden. Das! sind Verhältnisse, die si nicht ändera lassen, mit denen aber gerade deshalb gere<net werden muß. Die starke Prägung von Ni>kel- und Kupfermünzen, verbunden mit dem Eingehen von drei Münzstätten seit unseren großen Prägungen in den 70er Jahren, gebietet an und für {ih son ein nicht zu s{nelles Vorgehen. Wenn wir also, wie ih eben erwähnte, im Jahre bis zu einer Höchstgrenze von 30 Miklionen Mark Reichs- Silbermünzen aufprägen, so würde die Dauer der Ausführung dieser Novelle si< auf mindestens 10 bis 12 Jahre s{häßen lassen „auf mindestens * sage i< —, wahrscheinli< aber wird die Ausführung 15 Jahr? und vielleiht noh einige Jahre länger beanspruhen. Das ist eine Thatsache, die viele Bedenken, die bis jetzt allerdings nux in der Presse gegen die Novelle laut geworden sind, auf einen Schlag beseitigen dürfte.

Nun ist ferner in der Presse einzelner Richtungen gesagt worden : Die ganze Novelle will im Grunde garni<ht Reichs- Silbermünzen schaffen, sie will nur die Thaler abschaffen. Das ist ‘unrihtig, meine Herren. Die Novelle is gegründet lediglih auf das Bedürfniß des deutswen Volkes und seines Verkehrs nah einer erhöhten Menge von Reichs-Silbermünzen. (Sehr richtig! re<ts.) Im wel<hem Tempo die Thaler dabei vers<winden, if für die Zwe>ke der Novelle ziemli gleihgültig. Wenn eine Novelle niht eingebraht worden wäre, so würden die Thaler bei dem dauernden Anwachsen des deutschen Volkes um ziemli< F} Millionen Seelen im Jahre in einem der leßten Jahre waren es fogar no< mehr s<ließli< do vers<winden. Die Thaler sind, wie ih behaupte und wie ein großer Theil des hohen Hauses mir beipflihten wird, ni<ht so beliebt im Volke wie die Reichs-.Silbermünzen. (Oho! re<ts; sehr richtig! links.) Das zeigt sich an etner Ziffer, meine Herren, die Sie über- zeugen wird. Es liegéa gegenwärtig i< nehme den! 31. Oktober, das ist die legte mir zugegangene Zusammenstellung von den \{<äßungsmäßig im Deutschen Reihe vorhandenen Thalern 45 0/6 in den Kellern der Reichsbank (höit, hört! links), von den s{<ätungs- mäßigen Reichs-Silbermünzen dagegen nur 14%. Ich glaube, meine Herxen, diese Ziffern siad einigermaßen beweiskräftig. (Widerspru>® re<ts.) Uebrigens was die Thaler betrifft, so kann ih den Herren, die besonders ‘daran hängen, den Trost geben, daß bei Ausführung der Münznovelle sie und ihre Kinder no< so oft wecden mit Thalern zahlen können, ‘als es ihnen believt, die Kindeékinder vielleicht nit mehr. (Heiterkeit.)

Nun wende ih mi< no< einmal kurz zu anderen Staaten. Ich habe Ihnen bereits gesagt, daß in England und Nord-Amerika die Prägung der Scheidemünze vollkommen in die Hand der Verwaltung gegeben ist. Die Verwaltung beurtheilt dort so gut, wie sie kann, den Bedarf und läßt dtanah in dem einen Jahre mehr, in dem anderen Jahre weniger prägen. Ein Land mit ctwas gebundener Marschroute is aber Frankrei@. Frankreich hat ih dur die [ateinis<he Münzunion au betreffs seiner Scheidemünzen die Hände gebunden. Was schen wir aber da? Frankreih hat gerade in den allerleßten Jahren mit den übrigen Staaten der Münzunion einen Ver- trag abgeshlofsen, welcher es thm ermöglicht, die Menge seiner Scheide- münzen um mehr als F, fast um die Hälfte , zu vermehren, nämli von 264 Millionen Franken auf 394, Die genaueren Umstände dieser Maßregel und der Text der Konvention werden Ihnen. in der zweiten Lesung oder in der Kommission zur Versügung gestellt werden. Diese Pieägungen sind in. Frankreih gegenwärtig im Gange. Frankrei prôgt,,, ganz wie hier beabsichtigt wird, silberne Währungsmünzen, nämlich das Fünf, Franlftü>, gegenwärtig in silberne Scheidemünze um, nämli in Zwet-Frank-, Ein-Frank- und Einhalb- Frankstüke.

: Nun hat Aufsehen erregt, bei manchen Parteien wenigstens, der zweite Absaß in dem betreffenden Artikel dieser Novelle, welcher be- sagt, daß der aus der Mehrprägung zu e1wartende Münzgewinn zum Ankauf von Gold verwendet werden foll. Es sind Berechnungen an- gestellt worden, die zum: theil rihtig, zum theil fals< waren, und um diese Berehnungen, tie ja auch : jedenfalls im hohen Hause erneut werden angestellt werden, auf ein ri<tiges Maß zurü>zuführen, möchte ih Ihnen’die genauen Ziffern, welche bei einer jährlihen: Prägung von 30 Millionen} an Silkerverkäufen und Goldankäufen entstehen werden, kurz angeben. Jch \<hi>e aber voraus, meine Herren, was für die Sache, einigermaßen von Intercsse „ist, daß die, Goldbilanz des Deutschen Reiches in den lchtew drei Jahren 1897, 1898 und: 1899 eine xe<t günstige gewesen ist. - Wir--haben im Jahr 1897 mehr: ein- geführt als ausgeführt 14 208 kg Gold, glei rund. 40 Millionen Mark; 1898 35 (45 kg Gold, dcs sind rund:/98 Millionen Mark; im Jahre 1899 Lis zum 30. September 16 857 kg Gold, das sind 47 Millionen Mark, Es zeigt sich, daß in diesen drei Jahren jeden- falls ‘von einem Zerren «an der Goldde>e: nih1s zu spüren war. (Zu-

rufe re<ts.) Vollkommen richtig! Und gerade, damit der Diskont in Zukunft niht zu {arf angespannt wird, be- absihtigt die Novelle, ohne einen Pfennig bu<mäßigen Verluft zu schaffen, neues Gold aus dem Auslande zu beziehen, gerade um unseren Diskont günstiger zu stellen. Wenn wir, wie ih vorhin sagte, im Jahre für 30 Millionen Mark Silbermünzen prägen, dann werden wir aus dem zu erwartenden Münzgewinn rund: 22 & Feinsilber zu verkaufen haben. Diese 22 t Féinsilber stehen Fegenüber einer jähr- lien Silbererzeugung der Welt von 6000 t; sie slellen also ungefähr den 300. Theil der jährlihen Silbererzeugung der Welt dar. Daß eine fo geringe Summe den Silbermarkt ni<t weiter beeinflufsen kann, dagegen erwarte ih keinen Widerspruch.

Es fragt sih nun: was werden wir an Gold dagegen kaufen können? Wenn ih den gegenwärtigen Londoner Preisstand von 17 Pence für die Unze Standard-Silber zu Grunde lege, werden wir in den 12 bis 15 Jahren, welhe die Ausführrng der Novelle wahr- scheinlih in Anspru<h nehmen wird, also nicht in jedem einzelnen Jahre, fondern in dem Gefammtzeitraum, 10 000 kg Gold kaufen können; das ist weniger als der 500. Theil der gesammten Gold- produktion, wenn wir deren gegenwärtigen Jaßresbctrag von 435 000 kg in Rechnung ftellen.

Nun, meine Herren, wird mir höchstwahrsceinlih vorgeworfen werden : aber Transvaal! (Zuruf re<ts.) Sollte es nit der Fall fein!? Wenn és der Fakl wäre, dann würde i< nur fragen: welcher Krieg seit dem Kcimkrieg hat länger als ein Jahr gedauert? Aber wenn dieser Einwand nicht kommt, dann kann i< mir au den Gegen- grund sparen.

Ich glaube, ten Nachweis geliefert zu haben, daß die Novelle ein reines Bedürfnißgesetz ist, kein politishes; sie richtet sich nicht gegen eine einzelne Partei, niht gegen eine bestimmte Dokirin. Aber wenn wir sins ira darüber diskutieren, so wird —- das boffe i< und erwarte ih diefes hohe Haus s{ließlih zur Ueberzeugung kommen, daß es billig und re<t ist, dem deuishen Verkehr das zu geben, was er an Münzen beanspruWt. (Bravo ! links.)

Abg. Dr. von Frege-Welßtien (d. kons.): Au wir, wenn wir aud prinzipiell in einigen Punkten eine abweichende Stellung einnehmen, werden den Gesegentrourf sine ira behandeln. Wir wären viel weiter in der Kultur, wenn die Münz- und Währungsfrage überall sino ira behandelt worden wäre. Namens meiner Freunde kann ih der Vorlage darin zustimmen, daß das goldene Fünf-Markstü>k aus dem Verkehr gezogen wird. Allerdings i Thatsache, daß „eine nahdrüdliche Anzahl davon ins Ausland geflossen, dort umgeprägt, auch theilweise industriellen Zwe>ken im Auslande zugeführt worden i, Daß der Verkehr das silberne Fünf - Markstü> bevorzuge, kann i< aber ni<t finden. Die Mittheilungen, welhe mir aus industriellen Kreisen geworden find, lauten ganz entgegengeseßt wie die An- führungen der Motive und des Staatssekretärs. Schon die räum- lihe Schwierigkeit, welhe die Rollen von Fünf-Markfiü>ken gegenüber denen von Drei-Markstü>ken bieten, \spriht gegen eine Bevorzugung dieser Münz-. Im kleinen Verkehr und im Geldbeutel der Hausfrau ist diese Münze in größerer Anzahl eher mißliebig gewesen. Die Zwanzigpfennigstü>e sind ebenfalls vom Verkehr ni<t aufgenommen worden. Warum wird nicht ein Fünfundzwanzigpfennigstü> aus Ni>el ausgeprägt ? Dieses brauht der Kleinverkehr nothwendig; der Ein- wand, daß eine sol<he Münzeinheit nit in das System passen würde, kann diesem Bedürfziß gegenüber niht Stich halten. Daß schr viel Ni>elmünzen verloren gehen, möchte do< dafür sprechen, daß mon in der Ausprägung von Ni>el auh nit zu weit gehen fol; jedenfalls freue i< mi, daß eine vermehrte Ausprägung von Kupfer- münzen ftatifinden sol. Wenn Frankreich jeßt mit der Ausprägung von Ein- und. Zwet-Frarcs\stü>ken vorgeht, so ist das freudig zu be- grüßen, und es wäre nur zu wünschen, daß au< Deutshland auf diesen Weg trete. Daß die Vorlage zuerst den Eindru> machen mußte, daß es beabsichtigt sei, auf einen Umweg die Thaler zu beseitigen, hat av< der Staatssekretär ni<ht wider- legen können. Schon 1880 hat gerade Herr Bamberger gegen die Absicht, den Reichs-Silberumlauf von 10 auf 12 Æ zu erböben, die erheblihsten Bedenken geltend gemacht. Gerade die enragiertesten Verfeter der deutshen Münzpolitik waren es also, die Hd gegen eine solhe Maßregel {on damals s\träubien; Herr Bamberger spra<h fogar den Verdaht aus, die Regierung wolle auf diese Weise dem Silber eine erhöhte Bedeuturg innerbalb der Reichswährung verschaffen. Allerdings foll jeßt niht auf einmal, sondern erst in einer Reihe von Jahren diese Vermehrun um das Doppelte durhgeführt werden; aber es steht doch fest, daß am Ende diefer Reihe das Volk mit ciner großen Menge unter- werthiger Silber-Scheidemünzen übers<wemmt ist. Das Gold bleibt immer die Münze der oberen Zehntausend, das Volk hat sich lediglich mit dem Silber, dem entwertheten Material zu begnügen. Jch nehme an, daß mehr Thaler im Umlauf sind, als uns mitgetheilt ist; es ist nc< Silber in Deutschland thefauriert, nc< mancher Thaler trürste trgendwo auf die hohe Kante gelegt sein. Ob unfere Enkel glü>li<her sein werden, wenn ihnen fein Thaler mehr zu Gesicht kommt, wage i< zu bezweifeln. Die j-t vorhandenen Thaler stellen do< «ine Verlängerung der ‘Goldde>e dar, wie Fürst Bismark so treffend gesagt hat; sie müssen erhalten bleiben. Gegen die beabsihtigte Veränderung im Silberumlauf sind wir also durchaus, um nicht die Solidität der deutschen Währung zu gefährden. Wir bitten, die Vorlaze einer vierzehngliedri en Kommission zu überweisen. Allgemeiner, politischer Grörterungen will ih mich hier enthalten ;| aber die Transvaaler haben s ni<t nur als tüchtige Vertreter ibrer Freiheit bewährt, sondern ie haben au< den Schlüssel, zu der Goldproduktion in der Hand und können, wenn | e Zipfel abschneiden Jch glaube. nit an die Mö;lichkéit, daß alle Kultur staaten zur Goldwährung übergeben; dazu wird bas Gold der Erde“ nichk reihen. Darum darf man das Silber nicht no< künstlih entwerthen.- Die nothleidenden Kreise aufdem platten Lande, die vershuldeten Kreise wollen nicht eine künstliche Veitheuerung' des Geldes im Inland. Che>- und Giroverkehr ziehen rur: den Gold- wagen auf dem Asphalt der Großstadt vorwärts; auf dem Lande werden fie den Silbers®immel wieder vorspannen müssen. Troß aller Versicherung déèr Vorlage: timeo Danaos, et dona ferentes !

Präsident des Reichsbank. Direktoriums, Wirkliher Geheimer

Nath: Dr. Koh: Meine L Ich stehe ni<ht an zu eiklären, daß ih diese unter voller Ei

fie wollen, von ber Goldde>e einen f ali

inmüthigkeit der verbündeten Regierungen eingebrahte Vorlage für eine ungemein vorsihtige und umsichtige Mae fgae zur Verbesserung unseres Münzumlaufes halte. In den Auétführungen des Herrn Abg. Dr. von Frege, der im Ganzen als Gegner der Vorlage auftrat, entde>e ih ‘eigentlih einen gewissen Widerspruch: auf der einen Seite erklärt er ih gegen eine Ver-

„mehrung der Fünf-Markstü>ke, auf der anderen Seite aber wieder an-

scheinend für. eine Vermehrung der Ein- und Zwét-Markstü>ke. Es fiel sogar im Anfang seinèr Rede das: Wort: je mehr Scheidemünze im Umlauf set, -desto besser für den Kleinverkehr. Ich möchte in der leßteren Beziehung -dem Herrn Aba. v. Frege nicht beitreten. Ih glaube, es ist in der That bei der Bestimmung des Stheidemüinzenumläufes ‘nah allen Richtungen hin eine fehr große Vorsicht nöthig. Urser Gefeß ist ja selbst [hon ganz außerordentlich vor

tig, és überträgt, wie der Herr Staatssekretär hon hervorgehoben at, nicht ohne weiteres dem Ermessen der „Regierung in Ver- bin ung mit der Bank die Ausgabe der Scheidemünze, sondern es A mwmt ein Maximum per Kopf der Bevölkerung. Neben der Zahlkraft im Verkehr seßt es ferner fest, die Reichs- und Landeskafsen Scheidemünzen unbeschränkt an-

ù egrenzten a N müssen. Es sind außerdem von Bundesraths wegen vier Um-

A g angeordnet, vier Reichsbankanstalten, die speziell dazu da find, Scheidemünzen- im Betrage von 200 X gegen Gold umzuwehseln. Alles das bethätigt s{<ön eine große Vorsicht. Nun ift aber außerdem die Reichsbank in ihrer Praxis auch bemüht, den Verkehr in dieser Belegung gewissermaßen frei s{halten und walten zu lassen, sie nimmt Scheidemünzen an ihren Geshäftsstellen obne die Beschränkung des Artikels 9 des Münzgeseßes, und giebt sle au wieder heraus an den Verkehr hin, bei den Zweiganstalten wenigstens, soweit es ihre Vorräthe gestatten, bei. der Hauptbank ganz unbeschränkt. Auf diese Weise is die Reichskank die beste Beobachtungsstation für den Umfang des Scheidemünzenumlaufes. Ich habe in dieser Beziehung hon einmal im Jahre 1894 bei Ge- legenheit der Ausprägung von 22 Millionen in Silberscheidemünze näßer im Reichstage auscinandergescßt, wie die Praxis der Reichsbank beschaffen ift; au? Grund ihrer O Sorge für den Geldumlauf sind \ämmtlihe Bankanstalten gehalten, cenaue statistishe Listen zu fübren über den Bedarf, über das Ausgehen und Eingehen von Scheidemürzen. Die Zweiganstalten müssen dann an die Zentralverwaltung in gewissen kurzen Abschnitten Anträge rihten, worin die bei thnen entbehrlihen Sceidemünzebeträge bezeihnet werden, und in welchen ebenso erklärt wird, was sie an Scheidemünzen no< weiter verlangen. Auf diese Weise gewinnt die Reichsbank in ihrer Zentrale cin ganz genaues Urtheil über das, was der Verkehr an Scheidemünzen nöthig hat. Sie ist der beste Barometer dafür; ih wüßte niht, wo man sonst ein Urtheil über den nöthigen Umfang des Scheidemünzenverkeßrs gewinnen könnte. Man kann sagen : was bet dieser Praxis der Reichsbank sih that- sähli<h im Vkehr hält, das is auc wirklih für den Verkehr nôthig. Schon im Jahre 1880 war nun das Bedürfntß einer Vermehrung der Scheidemünzen von Silber hervorgetreten, und die Regierung {lug die Erhöhung der Kopfquote auf 12 4 vor, ohne daß damals die Reichsbank eingehend gehört worden war; die Quote von 10 #4 war von Anfang nur vorläufig „bis auf weiteres“ gegriffen, sie war so niedrig bestimmt, weil no eine große Menge Landes-Silbermünzen im Um- lauf woren und man no< keine Erfahrung hatte, mas der Verkehr aufnehmen würde. Als nun im Jahre 1880 die Erhöhung auf 12 4 beantragt wurde, waren der Herr Abg. von Frege hat das ja au betont die Meinungen au< der Herren, die prinziviell die jeßt seit 28 Jahren bestehente Währung vertraten, ni<t unbedingt auf Seite der Regierung. Indessen hat diese Richtung sich doch bet jener Gelegenbeit tm Ganzen für jene Erhöhung ausgesproden und vermiste nur no< den näheren Nahweis des Bedürfnisses, namentlih seitens der Neichsbank. Mein vereh1ter Herr Amts- vorganger war damals im Reichstage nicht zugegen. Aber die s ftäade waren bamals bei weitem nit so wie jeßt, es befanden h im Verkehr noch eine ganze Menge anderer Umlaufsmittel von gleicher Stü>elung, Abgesehen von den alten Landesmünzen, waren au no< viel mehr Kassenscheine zu 5 4 vorhanden, die do<h im Verkehr ge- wissermaßen die Stelle der Scheidemünzen vertreten. Jeßt sind diese Kassenseine auf 20 Millionen fixiert, damals befanden si< no< 39 Millioxen solher Kassenscheine im Umlauf. Dann waren damals no< im Verkehr fat 28 Millionen goldene Fünf-Markstü>e, die sich jeßt allmählih bei der Reichsbank angesammelt haben. Außer- dem war damals der Goldsorrath no< lange nit der jeßige. In der Bank befand si< weniger Gold als Silber. Alles das waren Bedenken, die den Reichstag abgehalten haben mözen, der Regierungs- vorlage sofort zuzustimmen; ih glaube, der Reichötag war bei der ersten Lesung nicht bes<lußfähig, und die Sache fi:l damals in den Brunnen. Nun find aber inzwishen ganz andere Erfahrungen ge- wonnen. Wir können jeßt sagen, daß wir vollkommen überzeugt find, daß die 10 4 pro Kopf der Bevölkerung bei weitem nicht ausreihen. Es ift in dieser Beziehung in den Motiven eine Rechnung aufgestellt, die ih no< etwas ergänzen möchte. Wir können einen Vergleich ziehen zwis<hen silbernen Scheidemünzen und den Thalern, es läßt sh nahweisen, daß der Verkehr fortsreitend große Mengen von siüberaen Scheidemünzen aufnimmt und noth- gedrungen au<h bereit gewesen ist in den leßten Jahren, Thalir daneben aufzunehmen, aber bei weitem niht in dem Maße wie Scheidemünzen, wie der Herr Staatssekretär au {hon betont hat. Es befanden si<h im Jahre 1894 Ende Mai bei der Retchs- bank an Vorrath an Silber-Scheidemünze 103 Millionen Mark, das sind 218 9% der damaligen Nettoausprägung der Silber - Scheidemünze von 472 Millionen Mark. Nun haben seitdem Präzungen stattgefunden von im Ganzen über 40 Millionen Mark. Troßdem i} der NReichsbankyorrath ge- sunken auf 71 Milltonen Mark und \tellt nur no<h 13,9 2% ter Netts- ausprägungen dar. Es hat also der Verkehr in 54 Fahren 72 Millionen von Scheidemünzen absorbieit, und troßdem {teht feft, daß die Nachfrage nah Scheidemünzen bei der Reichébank nicht voll befriedigt werden kann, namentli auch nit, was die Fünf-Markstücke anlangt. Wegen dieser möchte i< no< ein Wort gegen Herrn Dr. von Frege ri<ten. Er glaubt, daß die Absicht bestände, in sehr großem Umfange gerade. Fünf-Markftü>ke auszuprägen. Das ist nit der Fall, Die Vertheilung der ausgeprägten Beträge nah Maßgabe der Stülelung der Sccheidemünze wird im Bundesrath auf Grund des wahrgenommenen Bedürfnisses be- stimmt. Aber es ist ri<htig, was die Vorlage voraussett, daß der Verkehr in großem Umfange Fünf-Markstü>e beanspruht. Es haben im September und Oktober nah Verwendung der als entbehrlih be- zeichneten Bestände, um den Bedarf zu befriedigen, 1 660 000 A in n Marme gefehlt, und gerade in den JIndustriezentren, im

esten und au< in Sachsen, namerntli<h aber im Westen und in Oberschlesien, wird fortwährend das Verlangen nah Fünf-Mark- stü>en wieoerholt. Die Arbeiter müssen do< das Fünf - Ma1k- ffüd> als bequemes Zahlungémittel ansehen, und infolge dessen liegen aus Elberfeld, Essen und anderen dergleichen Industriestädten fortwährend große Anforderungen vor. Wenn Sie es wünschen, kann ih Ihnea in dieser Beziebung genaue Zahlen geben. Auch bei den Zwet-Markftü>ken haben sich die entbehrlihen Bestände von Jahr zu Jahr verringert. Jn den leyten Monaten konnte das Verlanzen na Zwet-Markstü>ken ni<ht voll befriedigt werden. Ebenso be- deutend if der Mehrabfluß von Ein-Markstü>ken von 1894 bis 1897, Der Bestand der Reichsbank ist um 10% der Netto- auéprägung dieser Münze heruntérgegangen, und es ergiebt \ih ein Manko von 1025 000 Æ, d. h. im September d. J. fonnten wir in der Höhe von 1 025 000 A das Verlangen der Bankanstalten nah dieser Münze nicht befriedigen. Jn diesem Augenbli> haben wir überhaupt keinen Reservebeständ mehr an Fünf-Mark-, Zwet-Mark- und Ein-Markftü>ken. Nachdem das Verlangen der Bankanstalten nah diefer Richtung hin, soweit thunlich, befriedigt worden ist, würde es niht mögli sein, thnen im Dezember d. J. noh etn'as von dieser Sceidemünze zugehen zu e, und sie müssen abwarten, ob îm Januar sih wieder etwas mehr angesammelt hat, um dem Verlangen entgegenTommen zu können. Das find Zustände, gegen die sih der Entwurf richtet. Die Fünf-Markstü>ke haben \i<h troß großer Neu- prägungen ‘nur wenig bis auf etwa 11 Millionen Mark # 0e oben. Nun no<h eins! Ich habe schon im Jahre 1894 ausgeführt: ei den so zahlreihen Kassenstellen der Reichsbank es waren damals! 230 sei ‘der’‘durhschnittlié damalige Bestand von je 410 00046 ziemli unbedeutend, die Umsäße in Silber-Scheidemünzén betrugen tamals 110. Millionen, der Bestand betrug etwas über 94 Millionen: Jetk sind aus. den 230 Anstalten mit Kassen- einrihtung 282 geworden, die Umsäße von 110 auf 163 Millionen hinaufgegangen, der Beftand der Bank an Silber-Scheidemünzen aber st von 94 auf 71 Millionen gesunken; es entfällt dana<h nur ein Durchschnittsbestand von 251 000 46 auf jede einzelne Anstalt. Das ist viel zu wenig. Wir brauchen gewissermaßen als Betriebsfonds 180 Millionen Mark. Ganz anders als mit den Silber-Sheide- münzen verhält es 4 mit den Thalern. Draußen im Lande, und au<h bei einzelnen Abgeordneten, herrsht hier und da eine gewisse Vorliebe für die Thaler, an die man seit alter Zeit gewöhnt ift. Aber man darf dabei den größeren inneren Werth der Thaler nit zu sehr betonen. Auch M sind dem großen Silbersturz unterworfen ewesen. Nach dem heutigen Silberpreise is der Thaler nur 33 G werth, und drei Markstü>ke sind nur 1,24 4 werth.

Es if also nur ein Unterschied von 9 4. Aber der Thaler ist eine ungemein unterwerthige Münze, dem kann man nd nicht ver- \{ließen. Er hat freilih die Zahlkraft, auf die vorhin hingewiesen ist, und der Fürst Bismar>, den ih gewiß verehre, mag einmal den Ausspruh gebrauht haben, daß die Vermehrung der Zahlkraft eine Verlängerung der Goldde>e bedeute. Das war aber zu einer Zeit, wo der Silberpreis ungefähr 50 Pence stand, damals, als die Silber- verkäufe eingestellt wurden; jeßt ist er auf 27 Pence gefallen. glaube nit , daß heute Fürst Bismar> diesen Aus- spru< gethan haben würde. Nun zeigen si< mit den Thalern merkwürdige Erfahrungen, Sie sind in den Verkehr nicht in dem Maße aufgenommen, wie die silbernen Scheidemünzen. Zuerst, in den 70er Jahren, \trömten sie der Reichsbank in großen Massen zu. Im Laufe der Zeit sind davon seit Anfang 1875 im Ganzen verkauft und zu Umprägungen verwendet 528 Millionen Mark in Thalern. Wievtel {ließli< übrig geblieben s steht niht ganz fest, aber die Shäßung von 3594 Millionen Mark beruht doh auf ungemein sorgfältigen Untersuchungen, die angestellt sind von einem Kommissarius der Regierung in der Silberkommission und damals dort vorgetragen sind. Von den danach jeßt no< vochandenen Thalern hält si< der größte Theil, wie der Herr Staatssekretär vorhin f&on bemerkt hat, in der Reichsbank auf, obwohl sih die Reichsbank na< dem Jahre 1879 große Mühe gegeben hat, die Thaler in den Verkehr zu bringen mit Hilfe der Post, der Nes- gterungskassen, der Steuerämter u. dgl. Sie sind, wie ih {on im Jahre 1894 anführen konnte, uns vielfah in demselben Verpa>ungs8- zustande wieder zugeflossen. Wir glaubten, es würde gelingen, die Thaler im Verkehr zu halten, weil damals ungemein wenig Silber- Scheidemünzen ausgeprägt wurden. Im Jahre 1880—1890 ó. B. sind nux 29 Millionen Mark Silber - Scheidemünzen nah Abzug der Wiedereinziehungen ausgeprägt. Es sind jeßt 512 Millionen Mark Silbermünzen netto im Ganzen geprägt, davon besitzt die Reichsbank ungefähr 73 Milltonen Mark, also 14,3 0/6 der Gesammt-Prägung. Von den im Ganzen noch vorhandenen 359} Millionen Mark an Thalern dagegen diese S&äßung bestätigt au ein vorzüglicher Kenner unseres Münz- wesens, Herr Dr, Helfferich, in seinem Buch über die Geschichte der Geldreform also von den Thalern befinden st|{< 165 Millionen Mark, d. h. 45,9 9/6, in den Kassen der Reichsbank. (Lachen rets.) Peine Herren, Dr. Helfferi<h verdient niht das Lächeln, das ih dort bemerke, Es if ein durhaus ernster Geleb1ter, der ein vortrefflihes Werk geliefert hat. Es i aber nit Dr. Helfferich, der die Schäßung zuerst gemaht hat, sondern ein Organ der Regierung. Man nahm eine Abnußung von dur{hschnittli< 17°%/9 an und kam dabei zu dem Resultat, daß no< 359 Millionen Mark Thaler vorhanden seien. Dagegen hatte si< in der Reichsbank seit Ende März 1893 der Bestand um 71 Millionen Mark vermindert. Hiervon kommen auf den Abshub von no< 8 Millioxaen Mark in öfterreihis<en Thalern und auf Umprägungen im Ganzen 57 Millionen Mark, sodaß also im Ganzen nur 14 Millionen Mark in Thalern übrig bleiben, die der Verkehr aufgenommen hat in derselben Zeit, in der er 74 bis 75 Milltonen Mark Silber-Scheidemünzen absorbierte. Meine Herren, kann man einen besseren Beweis dafür verlangen, daß die Thaler minder beliebt find, als die Scheidemünzen? Deshalb s{<lägt der Entwurf Ihnen vor, diefe Thaler, die im Verkehr do< nur als Scheidemünzen dienen, au< in solhe wirkli< zu verwandeln. Es wird in den Motiven auseinandergesezt, daß die jeßige Kopfquote von 10 M4 hon de8wegen erhöht werden müsse, weil die Reichsbank einen Be- stand von etwa 180 Millionen Mark in Silber für die Bedürfnisse des Verkehrs gewissermafen als Betriebsfonds nöthig hat. Au das beruht auf statistishen Bere<nungen, worüber ih ein ganzes Akten- flü> habe; ih kann das, wenn Ste es wünschen, no< räher na» weisen. Die übrigen wichtigeren öffentlichen Kassen und die Kassen größerer Privatinstitute halten durhschnittlih einen Bestand von 284 Millionen Mark. Busetge dessen find no< 3,8 s auf den Kopf der Bevölkerung hinzu zu rehnen. Hiernah kommt man schon na< den jehigen Ziffern auf eine Kopfquote von 14,4 4, also ift es do ret vorsichtig, wenn die Reichsregierung Ihnen vorschlägt, die geseßliche Kopfquote auf 14 4 zu erhöhen. Mit Net hat au< der Herr Staatssekretär betont, es handle si nur um eine VollmaHt; es sollen nicht sofort 14 4 pro Kopf aus- geprägt werden, sondern je nah dem Bedürfniß des Verkehrs sollen die Prägungen forts@reiten. Man wird au<h ni@t bis dicht an die Grenze herangehen, sondern immer no< einen gewissen Spielraum lassen. Ein dur<aus zu billigender Vors@lag ist ferner in der Regierungsvorlage enthalten. Man will niht den gesammten, immerhin stark unterwerthigen Silber-Scheidemünzenumlauf vermehren, sondern es soll derjentze Betrag, welhér einen Münzgewinn darstellt, weil die Scheidemünzen um 10% js<le<ter ausgeprägt werden als die Thaler, verwendet werden, um kostenlos einen Theil des ein- gezogenen Thalersilbers abzustoßen und dafür Gold anzukaufen. Nun sind freilih Befürchtungen laut geworden, als könnte dadur der Silberpreis no< weiter gedrü>t und die Goldnalhfrage ver- mehrt werden. Das i} aber bei der großen Silberproduktion von ungefähr 5 Millionen Kilogramm jährli< in keiner Weise zu Fesorgen. Denn es handelt fih nur um den Verkauf von vielleicht 30 bis 33 000 kg Tkalerfilber zum Nennwerthe von etwa 54 Millionen Mark jäbrli<h und den entsprehenden jährlichen Ankauf von Geld für etwa 24 Millionen Mark. Jch glaube im Gegentheil, daß gerade diese Bestimmung den Entwurf nc< weit annehmliher macht, weil sie eine Maßregel bedeutet, die dahin führt, den Goldvorrxath der Reichsbank, wenn auch in besheidenem Maße, zu vermehren. Daß der Geoldbestand der Reichsbank infolge des großen Auf- s{hwunges der Industrie, der vielen Emissionen u. | w. kleiner geworten is, das gebe i< bereitwillig zu, aber das kommt hierbei nicht in Betracht. Die Scheidemünzefrage bat hiermit und mit der Währungéfrage nihts zu thun. Infolge der Vorlage, wenn sie Geseß wird, werden thatsähli< die Thaler eiwas \{neller aus dem Vaeikehr vers<winden als jeßt. Das ist das Ganze. Bei dem j bigen Zustand, also einer Kopfquote von. höchstens 10 4, fönnte, wenn die Bevölkerung nur um 5009 000 jährli ih vermehrt, es no< einige se<zig bis siebenzig Jahre bis dahin dauern. Bei einer Er- höhung auf nur 12 4 pro Kepf würden vielleiht etwa 35 Jahre vergehen. Nach der Vorlage würden nur eiwa 10 bis 15 Jahre dazu erforderli® sein. Die Thaler sind einmal ihrem Schi>ksale verfallen. Die Gegner der Vorlage haben wohl au auf eine Zens der geseß- lien Währung längst keine Hoffnung mehr und niht damit gerechnet. Ueberall, selbst im fernen Osten, in Indien, in Siam, in Singapore z. B,, regt sich ein Streben nah der Goldwährung, die in großen Staaten, wie Rußland und Japan, abgesehen von Oesterreich, ein- geführt ist. Meines Erachtens ist die Währungsfrage für Deut land erledigt. Das hat aber mit dem Entwurf nichts zu thun. Ih kann nur hoffen, daß der hohe Reichêtag diesem ledigli< aus den Bedürfnissen des praktishen Verkehrs hervorgegangenen, ungemein vorsichtig gehaltenen Entwurf zustimmen wird. : Abg. Dr. Heiligenstadt (nl.): Man könnte ja überrascht u daß eine so wichtige Materie, wie die Regelung des Münzwesens, 29 Jahre gebraucht bat, um sich in das Volk einzuleben, daß jeßt no< eine Rae nöthig ift, um diese Materie zum Abs{<=luß zu bringen. Aber die Münzgefeße von 1871 und 1873 konnten ja nicht alle Folgen' einex solhen fundamentalen Aenderung übersehen ; es fehlte an dem Material für Analogieshlüsse, und so findet si< denn au die gee „bis auf Weiteres“ bei der Normierung des Betrages der eis, Silbermünzen auf 10 4 pro Kopf. eute sind wir in einer günstigeren Lage; wir haben Erfahrungen gesammelt. Auch ein so großer Kenner des Münzwesens, wie Bamberger, konnte zu keinem richtigen Urtheil über die Vorlage von 1880 kommen, weil ihm diese Erfahrungen über die Bedürfnisse des Verkehrs an Zahlungsmitteln in Reihs-Silbermünzen noch fehlten. 1871 und 1873 ging man vorwiegend von theoretishen Erwägungen aus, und ider tes

daneben höhsst willkürli<h auf Grund. vereinzelter persönli Wahrnehmungen die, Maßstäbe für die Bemessung des dürfnisses fest. Das goldene Fünf - Markstü> war Vorschlage erst aus Anregung aus. dem Rei Die Motive weisen überzeugend na<, daß ein

in dem

tage geschaffen worden. Betrag von

‘ist eine vollständig tehnishe Fr

der Regierung übrigens nee enthalten; es ifft-

14 A Reichs-Silbermünzen auf den Kopf rihtig gegriffen ift. Es

age, die Hier celöst werden soll, die aber der Staat au niht vernahlässigen darf. Das erforderliche Quantum kleiner Münze muß vorhanden sein, und ihre L muß den Bedürfnissen des Verkehrs angepaßt, für ihn geeignet sein. Wird diese Vermehrung beshlofsen, dann kommen im Ganzen 15 bis 16 4 Scheidemünzen auf den Kopf der Bevölkerung. Die Form der Münzen muß eine geeignete sein, und das trifft auf die Thaler nicht mehr zu. Man hat ja den Postdirektionen die Thaler aufzudrängen versuht; andererseits sind die Versuhe, die Thaler in aus- gedehnterem Maße zu Lohnzahlungen zu verwenden, miß- lungen. Daß mit der Vermehrung dieser Zahlungsmittel eine Ent- werthuag des Eigenthums des kleinen Mannes verbunden sein soll, kann ih nit einsehen. Auch die Scheidemünzen sind gu der Ginlôöfung absolut sicher gestellt. Daß der Ueberschuß dieser Münz- ausprägung zum Goldankauf verwendet werden soll, halte ih au< für sehr billigens8werth. Das Landes-Silbergeld einzuziehen ist die Regierung ja {on nah den Geseßen von 1873 und 1876 jeder Zeit in der Lage; nur weil die Einziehung der österreihishen Silberthaler mit einem Verlust verbunden war, wurde 1892 der Weg des besonderen Gesetzes betreten. Auch der jetzige Zeitpunkt ist für ein sol<hes Gesetz besonders geeignet. Die Novelle mat also im Ganzen nur zwe>mäßige Vors shläge. Wir haben ein großes Interesse, die Goldwährung rein durchgeführt zu sehen; der Zwitterzustand der sinkenden Währung sollte nit länger aufre@t erhalten werden. Ih kann mich in dieser Beziehung dem anschließen, was Lexis no< vor wenigen ochen aus- gesprehen hat, der die Aussihten des Bimetallismus als auf den Nullpunkt gesunken bezeichnet. Wir haben cinen ganz gehörigen Zipfel der Goldde>e, wir halten sle au< fest. Wit einem bedeutenden Theil meiner Freunde stehe ih der Vorlage sympathis< gegenüber und bitte ebenfalls um Kommissionsberathung.

Staatssekretär des Reihs-Schazamts Dr. Freiherr von Thielmann:

Meine Herren! J< wollte zur Erläuterung meiner vorigen Rede und zur Erwideruig auf das, was Herr von Frege gesagt hat, nur einige ganz kurze Bemerkungen mahen. Der Herr Reichsbank- Präsident hat Ihnen bereits gesagt, daß es keineswegs in der Absicht der verbündeten Regierungen liegt, nur Fünf-Markstü>e zu prägen. Auch ih kann den Herrn Abg. von Frege darin beruhigend Ich selber bin ein großer Freund der Zwei-Markstü>e, und gerade die Zwei-Markstü>ke sind von einigen süddeutshen Staaten in der lezten Zeit fehr stark verlangt worden und werden weiter ver- langt. Daß also ein reihli<her Theil der Neuprägung auf Zwei - Markstüle und entsprehend dem Bedürfniß des Ver- kehrs au< auf Ein-Markftü>ke fallen wird, können Sie als sicher annehmen. Nun hat Herr von Frege bei feiner Rede kurz erwähnt, daß ber verstorbene Herr Bamberger si< seiner Zeit 1880 sehr skepiisd verhalten habe gegenüber ciner Vermehrung der Reichs- Silbermünzen um 2 4 auf den Kopf. Bereits in den Motiven ist angeführt, daß der vorliegende Gesehentwurf ih ni<ht an jenen älteren Entwurf anschließt, sondern daß er ledigli<h den Verhält- nissen entspringt, wie sie sih bis 1899 gestaltet baben. Wenn aber den Herren von dieser Seite des Hauses ein Zeugniß aus jenen ¿wanzig Jahre zurü>liegenden Zeiten erwünscht ist, so kann auch ih ein \ol<es beibringen, und zwar in einer eigenhändigen Rand- bemerkung tes Fünsten von Bismar>, der bei der Vorbereitung jener Novelle vom Jahre 1880 an den Rand geschrieben hat: Die 10 M pro Kopf der Bevölkerung reihen niht aus, namentli, da die halben Kronen nicht gehen. (Hört, hört!) Also bier steht ein Zeugniß gegen das andere, und das des Fürsten von Bismar> werden Sie auch anerkennen wollen. (Bravo!) Wenn s{ließli< Herr von Frege cin Amendement für Ausprägung eincs Fünfundzwanzigpfennig- stü>s in Auésiht geftellt hat, so gestatte ih mir, eine Münze in diesem Werth auf den Tisch des Hauses niederzulegen, damit seiner Zeit die Berathung nit ohne ein greiftares Beispiel erfolgen möge. Es is ein ziemli< abgegriffenes englis<es Dreipennystü>, und so wie dieses würden die Fünfundzwanzigpfennigstü>e nah einigen Jahren Umlauf au<h aussehen.

Abg. Spe> (Zentr.): Auh wir stehen der Vorlage sine ira gegenüber und sind für die Kommissionsberathung. Die goldenen Fünf- Markstücke sind thatsähli<h immer wieder zur Reichsbank zurü>- geflossen. Die Frist für die Einziehung der en Kurs zu sezenden Münzen, befonders der Silbermünzen, sollte aber etwas ausgedehnt und die Publikation, betreffend die Einlösung, in weitestem Maße erfolgen, damit der kleine Mann vor Schaden bewahrt wird. Die silbernen Zwanzigpfeanigstü>ke waren in Bayern zu Anfang sehr beliebt, weil man dort an die kleinen silbernen Kreuzerstü>ke von Tbee gewöhnt war. Ein Hauptgrund für ihre Einziehung ist wohl die zu Bare Abnuzung ; man ging ja {hon 1886 mit der Prägung derselben Münzeinheit aus Ni>el vor. Aber diese. sind no< unbeliebter geworden wegen ihrer Unhandlihkeit und ihrer leiten Verwe(selbarkeit mit dem: Mark- stü>;- Dem eingetretenen Mangel dürfte aber die Ausprägung von Fünfundzwanzigpfennigstü>en niht genügen. Hat das Verkéhrs- bedürfniß überhaupt zu etner Nachfrage nam Zwanzigpfennigstü>ken geführt? bezw. wird es nah der Einziehung derselben dazu führen ? Z< glaube kaum. Die Begründung nimmt an, daß ein Mehr- bedarf nah Zehbnpfennigstü>ken erfolgen wird; ih nehme an, daß au< ein Mehrbedarf na< Fünfzigpfennigstü>en eintreten wird, und. freue mich, daß dieselben demnächst ausgeprägt werden sollen, und zwar wünsche ih, daß die Stü>ke niht rur kleiner, sondern au) an Metall stärker hergestellt werdea. Die Vermehrung der Reihs-Silbermünzen hängt von der Vorfrage ab, ob ein Bedürfniß dafür besteht. Dieses werden die in industriellen und Verkehrskreisen Stehenden nicht leugnen. Andererseits hat der Vockämpfer der Goldwährung, Professor Soetbeer, 1876 sih gegen die Erhöhung auf 15 Æ entschieden autgespro<hen. Aber weder diese Aeußerung, no< diejenige Bamberger's haben heute no< Apnspru< auf dur{schlagenden Werth, da Beide die thatsähli<e Entwi>kelung niht voraus- sehen konnten. Erwünsht wäre immerhin, zu erfahren, wie die gleihen Verhältnisse si< in anderen Ländern gestaltet haben. Wenn weiter beabsichtigt ift, Thalerstü>ke nah Mabgade der Neu-- prägungen einzuziehen, so fragt sih, aus welchen Gründen die Mit- hilfe des Reichstags in Anspru< genommen werden wird, Man wird unwillkürli<h an die Einstellung der Silberver?äufe von 1879 erinnert. Dieje Maßregel verfügte Fürst Bismark, weil er glaubte, den. daraus si ergebenden Verlust niht tragen zu können; aus dem gleihen Grunde macht, wie ih“ glaube, die Reichs- regenug jeßt dem Reichôtag eine besondere Dos, um gegen spátere Vorwürfe aus dem Reichstag geshüßt zu fein. eden falls is dieser Theil der Vorlage etwas dürftig tg ndet ;-

3 aßregel

diese Beschränkung scheint mir mit der Wichtigkeit der niht übereinstimmend zu sein. Die Erhöhung des Normalsazes um 4 # macht 240 Millionen Mark; es würde also immerhin ein gro

Bestand. an Thalern übrig bleiben, und die reine Gold-

währung bei uns au< darum immer no< nicht dur f j 9 a die Befugniß, die T g Mil

Der : Bundesrath hat i - Versuchung, hier auf eine Währungs«

münze zu ‘erklären. er debatte Cnugehen, mus ih widerstehen. Wir haben stets dazu erte

eine refery ellung eingencmmen, und die Vor giebt: uns keinen Anlaß, aus dersclben herauszutreten ; wie pver-- lrreen uns von einer solchen theoretishen Erörterung im gegen-

ärtigen Moment gar keinen Erfolg, hon weil fast alle in acht kommenden Staaten zur reinen Goldwähruag geko d. Unsere- Stellung ist die: Auch wir verkennen midt deu gro den, den die Entwerthung des Silberpreises auf Produktion und Export mit