1899 / 290 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

iesen, auf einen Ausgleih der Gegensäge hinzuwirken. achdem no< der Abg. Hannich (Sozialdemokrat) für den 1 gesprochen hatte, wurde die Sigung g:\{lossen.

: Der Bud etaus\<huß des Abgeordnetenhauses berieth gestern über das Budgetprovisorium. Die Abgg. Pacak und Kurz stellten Vertagungsanträge, die sämmtlich ‘abgelehnt wurden. Sodann ging der Ausschuß zur meritorischen Debatte über. Der Abg. Verkauf erkläcte, daß die Sozial- demokraten sowohl gegen das Budget, als gegen das Budget- proviforium stimmen würden, und stellte einen Abänderungs- antrag zu $ 1, na< wel<em die Regierung ermn wird, die indirekten Abgaben, insoweit sie niht auf Grund des 14 verordnet worden sind, in* der d vom 1. Januar is zum 30. April 1900 fortzuerheben. Der Abg. Kramar c, der dann das Wort nahm, beantragte im Verlaufe seiner Ausführungen, die Beschlußfähigkeit des Auss<u}ses zu konstatie- ren, eventuell die Sißung zu shließen. Er behielt O die Fort: sebung seiner Nede vor. Der Obmann Zacek stellte fest, daß er Aneëschuß beschlußfähig sei und ertheilte dem Abg. Kramarc das. Wort zur Fortsezung seinec Rede, wogegen die Linke lebhaft protestierte unter dem Hinweis, daß die Unterbrehung einer Rede: zur Feststellung der Beschlußfähigkeit nicht zulässig sei. Der Abg. Kramarc seßte dann seine meritorishen Aus- führungen fort. Nach Beendigung dieser Nede wurde die

weitere Verhandlung auf nächsten Montag vertagt.

Ein über die Sißung des Czechenklubs,- in welcher über die Verständigungsaktion berichtet worden war, aus- gegebenes Communiqué besagt, es sei konstatiert worden, daß die deutschen Mitglieder dieser Konferenz selbst so gemäßigte Vor- schläge, wie diejenigen des Präsidenten von Fuchs, abgelehnt hätten. Nach dem vollständigen Mißerfolge der Ausgleichs- konferenzen mit den Deutschen habe der Czechenklub beschlossen, mit allen Obstruktionsmitteln die Ecledigung des Budget- provisoriums zu verhindern.

Jn der gestrigen Sißung des Wiener Gemeinderaths kam es anläßlich einer Bemerkung des Vorsißenden Dr. Lueger, der gesagt hatte: „Dr. Förster existiert für mich niht und ih M ihn niht!“ zu einer erregten Geschäftsordnungs-

ebatte, in deren Laufe die Mitglieder des Gemeinderaths Förster, Zemann und Fiegel wegen ihres Vorwurfs, daß der Bürgermeister die Geschäftsordönung in wissentlich parteiisher Weise handhabe und verleße, von den drei nächsten Sißungen ausgeschlossen wurden. Vogler protestierte gegen die Ausschließung. Bei der dann folgenden Debatte über Ben Rechnungsabschluß pro 1898 verließ die Opposition den Saal. Die türkishe Botschaft in Wien erklärt in einer Zu- schrift an die „Politische Korrespondenz“, sie sei ermächtigt, die von Philippopel aus verbreiteten Nachrichten über Ver- haftungen, die in der legten Zeit (in Konstantinopel vorgenommen sein sollten, für unbegründet zu erklären.

Großbritannien und Jrlanud.

Der Premier-Minister Lord Salisbury ist von seiner Erkrankung genesen und wird, dem „W. T. B.“ zufolge, heute einem Kabinetsrath beiwohnen.

Frankreich.

Die Deputirtenfammer nahm gestern ohne Debatte einstimmig einen Geseße-twurf an, nah w-l<hem der Wittwe des Obersten Klobb eine Pension von 6000 Fr. bewilligt wird. Im weiterca Verlauf der heutigen Sißuna wurde über das Budget des Kultus-Ministeriums berathen. Der Berichterstatter Tourgnol (Sozialist) verlangte die Herabsezung verschiedener Kredite. Der Deputirte Cassagnac wandte sih in heftigem Tone gegen Tourgnol sowie den Deputirten Berteaux, der in gleiher Weise antwortete. Es kam infolge dessen zu lärmenden Auftritten. Cassagnac und Becteaux wurden zur Ordnung gerufen. Der Deputirte Bernard (Nationalift) vertheidigte inmitten des Lärms einen Antrag auf Trennung von Kirche und Staat. Der Minister-Präsident Walde >- Rousseau bekämpfte diesen Antrag, da vorher ein Gesetz über die Vereine angenommen werden müsse. Der Anirag Bernard's wurde dann mit 328 gegen 128 Stimmen abgelehnt. Der Deputirte Chauvière (Sozialist) be- antragte hierauf die Abschaffung des Kultusbudgets. Dieser Antrag wurde mit 336 gegen 189 Stimmen verworfen. Die Kammer bes{hloß sodann auf Verlangen des Minister- Präsidenten Waloe>-Rousseau mit 322 gegen 194 Stimmen, die Kredite für die Gehälter der Bischöfe und Vikare wieder- herzustellen, welhe von der Budgeikommission herabgeseßt worden waren, weil sie in ihrem bisherigen Umfange dem Konkordat nicht entsprächen.

In der gestrigen Sißung des Staatsgerichtshofes sagte der frühere Polizeipräfckt von Paris Blanc aus daß, Berichten von Polizei-Agenten zufolge, Déroulède und Guérin Geld von den Royalisten erhaiten hätten. Guérin protestierte lebhaft und forderte Blanc auf, genauere Angaben zu machen. Blanc gab zu, daß er nur moralische Beweise habe. Des weiteren sagte er aus, die Liguen seien über die Veranstaltung einer Kundgebung einig gewesen. Der Polizeipräfekt Lepine sagte, er habe die Gewißheit erlangt, daß drei Liguen im Einver- ständniß mit einander gehandelt hätten, und behauptete, die Kundgebungen der Liguen seien sehr gefährlih gewesen; bei den Theilnehmern ‘seien Waffen beschla nahmt worden. Falateuf erhob S TUS, Jegen die Aussage, welche eine wahre UAnklagerede sei. ie Sißung wurde sodann auf-

gehoben. Rußland,

Anläßlich des heutigen Georgsritterfestes ist, „wie dem

G2: T. B.“ aus St. Petersburg gemeldet wird, der

eneral:-Feldmarshall Gurk o zum Chef des 14. Schüßen- Regiments ernannt worden.

Jtalien.

er Kardinal-Staatssekretär Nampolla i 7W.-T. B.“ berichtet, gestern den Mitgliedern Dle, Mie lischen Korps die Mittheilung, daß die Erkältung des Papstes durchaus leiter Art sei. Aus Vorsicht habe der Arzt an- geordnet, daß der Papst das Zimmer hüten solle.

Q Belgien.

e „B. T. B.“ aus Brüssel meldet verwarf der Senat gestern mit 47 gegen 16 Stimmen einen A t Janson's zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts. ne

Rumänien.

Die Deputirtenkammer begann gestern die S ung der Antwort auf die Thronrede Die Adresse beginnt, wie „W. T. B.“ meldet, mit einer warmen Loyali- _tätsfundgebung, bespricht sodann die Thronrede und ent-

tages befindet sih in der Ersten Beilage.

ierung bei der Durchführung der wichtigen, in der Thron ai aufgezählten G nd untecstähen, An der De t betheiligten sich Jean Bratiano namens der liberalen Opposition und der Konservative Filipesco.

Asien.

Ein Telegramm der „Times“ aus Hongkong vom gestrigen Tage besagt, man befürhte Vergeltungésmaß- nahmen der Chinesen für die Festnahme des Taotai von Hainan und eines cinesishen Militärbeamten, welche jest an Bord des E Kreuzers „d'Entrecastreaux“ als Geiseln gefangen gehalten würden. Alle französischen Konsularbeamten hätten Hainan verlassen.

i, Afrika.

Aus Kimberley erfährt das „Reuter'she Bureau“, daß am 25. v. M. eine starke Rekognoszierungs-Abtheilung aus- gesandt worden sei. Dieselbe sei unter dem Befehl des Majors Scott-Turner gegen den Lazaretto-Bergrücken vorgerü>t, hahe eine Feldwache des Feindes im Schlafe überrrasht und eine Redoute erstürmt. Da die Engländer indessen nicht stark

enug gewesen seien, sich auf den eroberten Positionen zu halten, jo hätten sie sih wieder zurückgezogen. Am 28. v. M. fei ein neuer Ausfall gemacht worden, um ein in der Nähe des Lazaretto-Bergrü>kens westli< der Stadt postiertes Geschüß des Feindes zu nehmen. Die Engländer hätten das feindliche Lager erstürmt und vier Redouten genommen. Bei dem An- gen auf die fünfte Schanze habe der Fem cin so heftiges euer auf die Engländer gerichtet, daß diese sich häiten zurü>- Der Major Scott-Turner und 24 Mann

ziehen müssen. Die Engländer

seten getödtet, 26 Mann verwundet worden. hätten eine Menge Nahrungsmittel erbeutet.

Vom britischen Kriegsamt is bekannt gemacht worden, der Oberst Kekewich berichte unter dem 3. d. M,, die Zahl der um Kimberley versammelten Buren nehme ständig zu, und unter dem 4. d. M., den Verwundeten gehe es gut; in dem Gefecht bei Kimberley am 25. November seien auf britischer Ee 5 Mann getödtet, 3 Offiziere und 21 Mann verwundet worden.

Nach einem amtlihen Telegramm aus Kapstadt vom 6. d. M. berichte Lord Methuen, er habe das Kommando wieder übernommen. Er stehe während der Nacht in Ver- bindung mit Kimberley. Der Gesundheitszustand der Truppen sei vorzüglich.

Aus Queenstown meldet das „Neuter’she Bureau“ vom 4. d. M., daß die telegraphis<he Verbindung mit Steynsburg und Maraisburg wieder herstellt sei.

Dasselbe Bureau b:rihtet aus Sterkstroom vom 5. d. M., es seien daselbst zur Verstärkung der Division des Generals Gatacre neue Truppenabtheilungen eingetroffen ; unter denselben befänden sih die 77. und 74. Batterie. Buren-Abtheilungen ständen no< in der Nähe von Dordrecht.

Jn Kapstadt eingegangene Meldungen besagen, daß die Stadt Griquatown in Griqualand West am 17. November von den Buren N und -annektiert worden sei. Der Feind sei von den holländishen Bewohnern der Stadt, welche hon vorher in vollem Aufruhr gewesen seien, mit offenen Armen empfangen worden.

Das „Reuter'she Bureau“ berichtet aus Pretoria vom 4. d. M.: Dordrecht sei als zum Gebiet des Oranje-Freistaats gehörig erklärt worden. Eine Depesche aus Colenso vom näm: lichen Tage besage, daß die dortige Brücke vollständig zerstört ei und es für jede der beiden friegführenden Parteien äußerst htivierig sein werde, sie wieder herzustellen.

Die „Times“ veröffentlicht L lgendea Telegramm aus Ladysmith vom 2. Dezember: Die Lage wird täglich shwieriger, das Bombardement richtet großen Schaden an. Die Rationen sind bei „allen hier Eingeschlossenen herabgeseßt worden. Von der hritishen Ersaßkolonne in ‘Dal sind mit Hilfe des Scheinwerfers Mittheilungen hierher gelangt. Aus Modder River meldet das- selbe Blatt ebenfalls unter dem 2. Dezember: 3000 Buren aus Natal E die Truppen des Generals Cronje verstärkt, ferner habe sih das ganze bisher vor Ma feking verwandte Kommando den Buren vor Kimberley angeschlossen.

Der „Daily Telegraph“ meldet aus Pietermarißburg vom 5. d. M., der General Sir Redvers Buller und sein Stab hätten sich am Abend dieses Tages nah Frere begeben.

Parlamentarische Nachrichten. Der Schlußbericht über die gestrige Sißung des Reihs-'

Kunst und Wissenschaft.

Inder Gesammtsißungder Akademie der Wissenschaften vom 23, November (vorsißender Sekcetar: Herr Waldeyer) las Herr Stumpf „über die Liefenuntershiede der Gesichtsempfiadungen.“ Die Frage, ob man dem Nativismus für die zwet erften Dimensionen, dem Gmpirismus aber für die dritte zustimmen könne, wird in der Ab- hazdlung auf Grund des zwingend anschaulihen Charakters stereoskopis<her Wirkungen und der Homogenität der Naumvorstel- [lung vecneint. Die veränderliche Korrespondenz der Netzhäute bei Schielenden, die Erfahrungen an Kindern, operirten Blindgeborenen und Thieren, die Entwickelung des optis<h-aercösen Apparats werden im Hinbli> auf nativistishe Vorausseßungen besprohen. Herr Sachau überreihte den zweiten Jahrgang der „Mittheilungen des Seminars für Orientalishe Sprachen“, Abth. 1—3. Berlin und n lo Elie! er ilitatité

Zn der Silzung der phyfikalish-maihematishen Klasse der Akademie der Wissenschaften vom 39, e vorsi dine Sekretar: Herr Waldeyer) las Herx Virchow über „ein Flahbell aus Jadeit von der Beeker Haide am Niederrhein.“ Der Vortragende zeigte ein neues Exemplar dieser Art Beile, wel<hes auf der Beeker Haide an der P aer rus [den Grenze gefunden worden ift und welhes nah der krystallographishen, dur< Herrn Professor Tenne vor- genommenen Untersuchung fast genau dem Jadeit von Mogoung in Ober-Birma entspriht. Herr Klein überreichte 1) eine Arbeit von G. Lin>k über „die Pegmatite des oberen Veltlin", die mit Unterstüßung der Akadèmie v:rfaßt worden - ist; 2) eine Bearbeitung der von G. Moeri>ke mit Miiteln der Humboldt-Stiftung ge-. sammelten Gesteine, verfaßt von F. von Wolf und betitelt: „Beiträge zur Geologie und Petrographie Chiles*.

n der Sigzung der a S Hort! en Klasse der Akademie von demselben Tage (vorsißender Sekretar : Herr Vahlen) ‘las Herr Harna> , vorläufige Bemerkungen zu dem jüngst syrish und [ateinish publizierten Tostamentum domini nostri Jesu Christi*. Ja der Abhandlung wird gezeigt, daß das von dem

„Testament“ nicht dem 2, sondern dem o¿Jahrhundert angehört, wos-

Hält dgs Versprechen, die gesehgebende Körperschaft werde die

Werks, wel<e der Detausgebér an dasselbe geknüpft hat, hinfälli

werden, Do kommt dem Testament für ie aen u Ver

ortentalishen Liturgie und des Kirchenre<ts ein nicht geringer Werth

zu. Herr Pernice legte vor: „Vocabularium Iurisprudentiae

P nS, O Derr dis g tvas Dn Vol. I Fase. III. erolini , PVerr Koser überreichte: „Pol:ti

Friedrih's des Großen. 9%. Band. Brrlin Tao Len

_Gesundheits8weseu, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesundheits t“ Nr. 49 vom 6. Dezember 1899.) baa azn:

Pest.

Portugal. Jn den Tagen vom 17. bis 23. November find aus Porto 0 (1), 2 (0), 0 (0), 6 (0), 2 (0), 0 (3), 1 (1), im Ganzen 11 Erkcankungen (und 5 Todesfälle) an der Pest gemeldet. Fm Pests- spital Bowfim befanden sih am 24. November 27 Männer, 20 Frauen und Kinder, darunter insgesammt 11 s{<werkranke Personen.

In Lis sabon ist seit dem Tode des Professors Dr. Pestana bis zum 25. November ein neuer Pestfall, soweit bekannt, nicht vor- gekommen; von einer länger fortgesegten Isolierung der mit dem Verstorbenen in nähere oder entferntere Berührung gekommenen Per- sonen hat man bisher abgesehen, '

Algie r. Der General-Gouverneur hat am 22. November ein Rundschreiben an die Konsuln in Algier gerichtet, in welhem er das in Frankceih und im Auelande verbreitete Gerücht. daß in Algier die Pest ausgebrochen sei, zurü>weist und die Konsuln ersucht, ihre Regterungen wissen zu lassen, daß im Lande kein Fall von Pest be- stehe, und daß der Gesundheitszustand sowohl in der Kolonie wie besonders in der Stadt Algier so befriedigend wie möglich fei.

British-Ostindien. Jn der Woche vom 21. big jum 28. Oktober sind in ganz Indien 3672 Sterbefälle an der Pest, aiso erheblih weniger als in der Vorwoche, zur Kenntniß der Behörden gekommen. Jn ‘der Stadt Bombay wurden 76 (in der Vor- woche 101), in der Präsidentshaft Bombay 3359 (4430) derartige Todesfälle festgestellt. Abgenommen hat die Pest in den Bezirken Belgaum, Satara, Dharwar, Puna, Nasik und Ahmednagar; zugenommen hat dieselbe in den südlichen Marhatta- Staaten ‘und im Sholapur- Distrikt. In Kalkutta gelangten 62 Pestfterbefälle (47) zur Kenntniß der Behörden. Aus dem Sarans- Bezirke der Provinz Bengalen wurden keine neuen Fälle gemeldet. In der Stadt und dem Bezirke Nagpur starben nah den eingegangenen Meldungen 30 (50) Per- sonen an der Pest, und auÿ im Staate Mysore ift eine Befsserung im A chi dp Mitèbeil

onglong. Zufolge einer Mittheilung vom 17. Oktober wird die diesjährige Pestepidemie in der Kolonie Soidfona amtlich als er- loschen betrahtet, nahdem innerhalb eines Zeitraums von 11 Tagen kein neuer Pestfall zur Kenntniß der Behörden gekommen ist. :

Japan. Zufolge einer Mittheilung vom 25, Oktober sind auf

ormofa wiererum Fälle von Pest zur Kenntniß der Behörden ges ommen. Jn Taipeh und Twatutia sind seit dem 18. Oktober 4 Japaner an der Beulenpe|t erkrankt und 2 tavon gestorben. Mem sind noh mehrere pestverdächtige Krankheitsfälle beobachtet orden.

Madagaskar. In Tamatave sind vom 6. bis einschließli 11. November 18 Erkrankungen und 13 Todesfälle an Pest festgestellt. __ Paraguay. Nah Mittheilungen des consojo national de higiene in Asuncion find dort vom 18. bis 25. Oftober 4 erwiesene Ecfrankungen an der Pest (die drei letzten am 23. und 24. Oktober), 1 pistverdächtiger Fall und 7 Pesttodeställe vorgekommen, ferner in Patiño-cuó 1 Todesfall uao in Stangna 1 verdächtige Er-

krankung. S olera,

Türkei. Nach einer Mittheilung vom 14. November hat die Cholera unter den Bedutnenstämmen in der Gegend von Bassóra und Bagdad weitere Fortschcitte gemacht, namentli<h bei S <atra soll sie stärker aufgetreten sein. Aus Djevadir (Vetran) - am Deren Golf wurden bis Anfang November 380 Todesfälle ge- meldet.

British-Ostindien. Kalkutta. In der Zeit vom 29. Ok- tober bis 4, November sind 8 Personen an Tot a

Verschiedene Krankheiten,

Pod>en: Madrid 5, St. Petersburg 3, Warschau 9 Todesfälle ; Antwerpen (Krankenhäuser) 3, New York 4, Paris 3, St. Peters- burg 43, Warschau (Krankenhäuser) 7 Erkrankungen; Fle>typhus: St. Petersburg, Warschau (Krankenhäuser) je 2 Erkrankungen ; Rülfallfieber: St. Petersburg 8 Grkrankungen; Geni>starre: New York 6 Todesfälle; Milzbrand: Moskau 1 Todesfall; Varizellen: Budapest 66, Wien 123 Grkrankungen; Keuchhusten: London 16 Todesfálle; Reg.-Bez. Schleswig 35, Hamburg33, Kopen- hagen 22 Erkrankungen; Influenza: Berlin 4, Brom- berg 2, London 12, Moskau, New Youk je 3, St, Petersburg 5 Todesfälle; Kopenhagen 37 Eckrankungen; Lun genentzündung: Reg.-Bez. Sleowig 43, München 24 Erkrankungen. Mehr als ein Zehntel allex Gestorbenen starb an Masern (Durchschnitt aller deut|hen Berichtsorte 1886/96 : 1,15 0%): in Bamberg, Fürth, Würzburg Erkrankungen kamen zur Meldung in Breslau 151, ía den Reg.-Be- zirken Düsseldorf 167, Erfurt 210, Hildesheim 123, Posen 145, Stettin 929, Wiesbaden 184, in München 55, Nürnberg 239, Budapest 96, New York 176, St. Peteröburg 183, Wien 286 desgl. an Scharlach (1886/95: 0,91 0/0): in Altendorf, Duisburg, Kiel Erkcankungen wurden angezeigt in Berlin 45, in den Neg.-Bezirken Arnsberg 116, Düsseldor 139, in mburg 43, Buda- ge 60, Kopenhagen 62, London (Krankenhäuser) 293, New York 117,

aris 72, St. Petersburg 68, Wien 48 desgl. an Dipgth erie und Croup (1886/95: 4,27 9/0): in Bamberg, Bromberg, Plauen, Zwi>kau Grk rankungen wurden gemeldet in Berlin 79, im Reg.- Bez. Düsseldorf 101, in München 27, Budapest, Christiania je 20, Kopenhagen 52, London (Krankenhäuser) 266, New Vork 219, St. Petersburg 145, Stockholm 121, Wien 62; ferner wurden Er- krankungen an Unterleibstyphus gemeldet in London (Kranken- häuser) 54, New Y ork 75, Paris 65, St. Petersburg 87.

Im Monat Oktober (für die deutshen Orte) sind na<h- stehende Todesfälle gemeldet worden :

Pocken: Marjeille 4, Athen 10, Madrid 17, Alcxandrien, Kairo je 1, Mexiko 16, Buenos Aires 1, Rio de Janeiro 168; Cholera, Pest, Gelbfieber: vgl. die fortlaufenden Mittheilungen; Fle>- typhus: Oldenburg 1, Kairo 8, Mexiko 31; Rü>fallfteber (eins<l. biliöôsen Typhoids): Kairo 22; Genid>starre: Baltimore 1, Cincinnati 3, Detroit 4, Mioneapolis 1, New Orleans 4, New ork 28, San Francisco, St. Louis je 2; Jufluenza: Berlin 11, amburg 7, aht deutshe Orte je 1, Amsterdam 2, Madrid 15, inctnnati 2, Detroit, Minneapolts je 1, Buenos Aires 3; Lepra: New Orleans 1, Nio de Janeiro 4.

Im übrigen war in nachstehenden Orten die Sterblichkeit an einzelnen Krankheiten im Vergleich zur Gesammktsterblichkeit eine be- sonders große, -nämli< höher als ein Zehntel: an Masern (1886/95 erlagen denselben 1,15 von je 109 in sämmtlichen deutschen Berichtsorten @estorbenen): in Hildesheim, Fürth, Wocms; an ERarias (1886/95: 0,91% in allen deutschen Orten): in orbe>d, Eisleben, Greifswald, Inowrazlaw, Lipine, Oberhausen, Oppeln, Paderborn, Stargard, Ue>en- dorf; an Diphtherie und Croup (1886/95: 4270/0 in allen deutschen Orten): in Altenessen, hausen, Wanne, Hof, Göppingen, Zerbst; an Unterleibstyvhus

an!iohenishen Patciarhen Jertem, Ephraem 11. Rahmani publizierte dur die Folgerungen in Bezug auf die geschi tlihe Bedeutung des

a f 0,79 % in allen deutshen Orten): in Allenstein, Nord- aufen, Pforzheim. Mehr als ein Fünftel aller Ge-

storbenen ift ferner na<hstehenden Krankteiten erlegen : der Lungen -

akuten Darmkrankheiten (1886/95: 11,729%/ in allen deutschen

Eisleben, Saa, NRelkling- - : g i diese Stellung in Aussicht genommen.

<windsu<t (1836/95: 12,38 9/6 in allen dèutshen Orten): in Barg, le, E car Neustadt O.-S., Rede Schwelm, Trier, Wandsbek, amberg, Kaiserslautern, Pirmasens, Wolfenbüttel, Linz; akuten Erkrankungen der Athmungsorgane: (1886/95: 11,98 0/6 in allen deutschen Orten): in 30 deutshen Orten,“ darunter sogar mehr als ein Drittel in Bielefeld, Weißenfels, Zaborze;

Orten): in Braubauerschaft, Burg, Meiderich, Re>linghausen, Schalke, Wittenberge, Ingolstadt, Kempten, Ludwigshafen, München, Paffau, Speyer, Straubing, Döbeln, Löbtau, Apolda, Jena, Gera, Basel, Amsterdam, Alexandrien, Kairo, Mexiko.

Von den 274 deutshen Orten hatten 6 im Berichtsmonat eine verhältnißmäßig hohe Sterblichkeit (über 35,0 auf j: 1000 Ein- wohner und aufs Jahr berehnet): Herne 37,2 (1895/97: 2,5), Löb. tau 39,2 (26,0), Greifswald 39,7 (1886/95: 30,2), Beek 41,1 (1895/ 97: 27,3), Inowrazlaw 42,4 (1891/95: 25,0), Lipine 44,5. Im Vor- monot betrug das Sterblichkeitsmarimum 68,2 9/00.

Die Säuglingssterblihkeit war in 6 Orten eine beträchtlihe, d. h. höher als ein Drittel aller Lebendgeborenen in Glogau 361 (Gesammisterblichkeit 18,8), Löbtau 384 (39,2), Passau 410 (N Werdau 443 (30,4), Reutlingen 48838 (24,3), Schneide- mühl 619 (16,3).

Die Gesammtsterbli <keit war während des Bericht8monats geringer als 15,0 (auf je 1000 Ginwohner und aufs Jahr berechnet) in 63 Orten. Unter 12,0900 blieb dieselbe in Bielefeld 11,8 (1886/95 : 18,0), Gßlingen 11,8 (21,1), Kolberg, Lüdenscheid je 11,7 Q und 21,9), Gr.-Lichterfelde 11,6 (14,8), Ludwigsburg 11,3 (15,9),

angendreer 10,6, Neumünster 10,5 (1891/95: 20,4, Quedlinburg 10,5 (1886/95: 24,8), Geestemünde 8,3 (1891/95: 19,9), Neustadt a. H. 8,2, Wilhelmöhaven 6,5 (15,1).

Die Säuglings-Sterblichkeit betrug in 28 Orten weniger als ein Zehntel ter Lebendgeborenen. Unter einem Siebentel derselben blieb sie in 74, unter ‘einem Fünftel in 94 Orten.

Im Ganzen scheint sich der Gesundheitszustand gegen- über dem Vormonat wesentli<h gebessert zu haben. Cine höhere Sterblichkeit als 35,0 9/00 hatten 6 Octe gesen 13 im September, eine geringere als 15,0 9/0 63 gegen 20. ehr Säuglinge als 333,3 auf je 1090 Lebendgeborene starben in 6 Orien gegen 87, weniger als 200,0 in 196 gegen 37 im Vormonat,

Griechenland.

Die griehis<he Regierung hat für alle aus spanischen. Häfen kommenden Schiffe eine strenge sanitäre Untersuhung angeordnet. Des weiteren ist die für Sciffe aus Egypten angeordnete Cffektiv-Quarantäne auf eine fünftäzige Beobachtungs- Quarantäne herabgesegt worden. Dieselbe kann in Piräus, in Corfu, Syra oder in Volo absfsolviert werden. Diese Maßregel tritt für alle seit dem 9./21. November aus egyptishen Häfen abgefahrenen Schiffe in Kraft. Das Einfuhrverbot von Waaren aus Ggypten bleibt bis auf weiteres bestehen. (Vergl. „NR.-Anz.“ Nr. 202 vom 28. August d. J.)

Marokko.

Durch Beschluß des Gesundheitsraths in Tanger vom 27. No- vember d. J. find die Quarantänemaßregeln gegen Alexandrien aufgehoben, und diejenige gegen Lissabon dahin abgeändert worden, daß die dortigen Provenienzen einer zehntägigen Quarantäne vom Tag der Abfahrt ab unterworfen werden. Die Quarantäne muß im Hafen von Tanger stattfinden. (Vergl. „R.-A.*“ Nr. 124 vom 29. Mai d. I. und Nr. 281 vom 28. v. M.)

Tri est, 7. Dezember. (W. T. B.) Der Lloydbampfer „Berenice“”, auf weldem kürzlih ein Steward an der P eft starb, ist im Seelazarety San Bartolomeo eingelaufen. Gs sind die strengsten Maßregeln getroffen worden. (Vgl. Nr. 278 d. Bl.)

Theater und Musik.

Berliner Theater.

„Das verlorene Paradies“, Schauspiel in drei Aufzügen von Ludwia Fulda, ging gestern zum ersten Val an dieser Stätte in Scene, nachdem es vor Jahren bereits im Deutschen Theater auf- geführt worden war. Der Verfasser hat si< darin bekanntlich die schon oft dramatisd) und novellistis<h behandelte soziale Frage in thren Gegensäßen zum Vorwurf genommen. Der reihe Fabrikherr mit feiner fkur;sihtig thöôrihten Gattin, die modern er- zogene, verroöhnte Tochter, der zukünftige Schwiegersohn, dem nur der vornehme Name, niht aber Begabung und Tüchtigkeit seiner Ahnen überkommen ist, der biave Geschäftsführer und Mann der Arbeit, welcher der Pflicht die eigenen Wünsche Und das eigene Wohlergehen opfert, der typische „Lebenskünstler“, der biedere im Dienst ergraute Arbeiter, und im Gegensaß zu ihm sein jüngerer, von neuen Ideen erfüllter Kollege das sind die Figuren, mit denen Fulda bei cinem ihm ni<t ab¿usprehenden Geschi>k für die Bühnenwirkuang operiert. Da¡u fkommen ein gewandter, reihli<h von all- semein geläufigen Schlagworten durhseßter Dialog und eine annehmbare Charakteriftik der handelnden Personen. Die Darstellung war durhweg eine gute. Herr Bassermann {uf in der Rolle des Ricard von Ottendorf wiederum eine {af umrifsene Gestalt, die, obwohl in der Linienführung ein wenig karikiert, für die Beobachtungsgabe des Künstlers beredt Zeugniß ablegte. Die anderen Gestalten, Fabrikzerr Bernardi und Gattin, [sowie deren Tochter Gdith, fanden in Herrn Nohland, Frau Baumeister und Fräulein Hofer gute Vertreter, die ihre Nollen glaubhaft und ershöpfend auszugestalten wußten. Fräulein Hofer war anfängli< zwar etwas matt, fand aber gegen den Schluß auh warme und überzeugende Töae. Herr Pittshau brate als Geschäfteführer die Geradheit und Zuverlä!sigleit des Charakters zu gutem Ausdru>, und Herr Schindler verkörperte in Ton, Geberde und Maske den genußfrohen, flets neue ‘Anregung fuchenden Dr. Hetde> mit bestem Gelingen. Die kleineren Aufgaben wurden durch die Herren Graul, Ln und Wehrlin durchaus be- friedigend durchgeführt. Die Inscenierung und das Zusammenspiel waren einwandfrei. Reicher Beifall, zum theil sogar bei offener Scene, lohnte die Darsteller, Im Namen des abwesenden Verfassers dankte Herr Schefranek für die freundliche Aufnahme des Stües.

Im Königlichen Opernhause geht morgen Verdi's Oper „Aïda* unter Kapellmeister Strauß? Leitung und in folgender Be- [egung in Scene: König: Bere Krasa; Amneris: Frau Goete; Aïda: Fräulein Hiedler; adames: Herr Sylva; Ramphis:

err Mödlinger; Amonasro: Herr Hoffmann; eine Priesterin: räulein Pohl,

Im Königlihen Schauspielhause findet morgen eine

Aufführung pon Goethe's „Faust“, der Tragödie erstem Theil, mit der

zur Handlung gehörenden ‘Musik von Anton Fürsten Radziwill und Zofeph von Lindpaintner statt. Die Beseßung lautet: Faust: err Matkowsky; Mephistopheles: Herr Pohl; Wagner: Herr Peine, <üler; Herr Herßer; Margarethe: Fräulein Lindner; Valentin: rr Christians; Martha: Frau Schramm; Erdgeist: Herr Nesper ; öser Geist: Frau Stollberg. Infolge Erkrankung Engelbert Humperdin>'s, welcher das zweite Subskriptionskonzert im Neuen Königlichen Opern- Théater en follte, wird Kapellmeister Max Fiedler aus Hamburg, welcher erst für ein späteres Konzert in Aussicht genommen wax, s{hon am 17. und 18. dieses Monats dirigieren. Da das Orche ter anläßlih des ersten Konzerts den Beweis erbracht hat, daß unter einem tüchtigen ständigen Dirigenten wohl befähigt ift, qun nstleris<he Aufgaben zu lösen, hat fd die Direïtion die Aufgabe estellt, einen solhen Dirigenten zu finden. Herr Max Fiedler ist für Programm und Solisten des

Am 13 Dezember, dem 100 jährigen Geburtstage Heinri Heine's, findet im Berliner Theater eine Fefivorstellun ftatt. Das „Berg- idyll“ aus der „Harzreise“, von W. Meyer-Förster für sein Heine- eft spiel in Dialogform eingerichtet, wird als \cenisher Prolog den Abend eröffnen. Daran ließt ih eine Aufführung von [lmansor*, in einer Bearbeitung, die versucht, die vorwiegend lyrischen Schön- heiten des Dramas dur Zusammenziehungen und Aenderungen den Forderungen der Bühne möglichst anzupafsen. Den Abend beschließen eine Reihe Heine’sher Lieder in Kompositionen von Schubert, Schu- mann und I. Sucher, gesungen von der Königlichen Kammersängerin Frau Rosa Sucher. Der Königliche Kapellmeister Herr Josef Sucher hat die Begleitang übernommen.

Im Schiller-Theater wird Heinrih von Kleist's Schauspiel „Käthchen von Heilbronn“ neu einstudiert am Mittwoch, den 13, d. M., in vollständig neuer Beseßung, zum ersten Male aufge- führt. Zum 100jährigen Geburtstage Heinrich Heine?s veranstaltet das Schiller-Theater eine Heine-Feier an zwei Abenden im Bürger- saale des Rathhauses. - Morgen foll Heinri Heine's Lyrik in Kompositionen von Schubert, Schumann, Franz, Nubinstein u. \. wo. zu Gehör gebraht werden, am Sonntag wird der Dichter in der Form der üblichen Dichter-Abende vorgeführt. Den einleitenden Vor? trag an dem Lieder-Abend hält Herr Pfarrer Wellmer, am Dichter- Abend spriht Herr Reinhold Ortmann.

Im Residenz-Theater findet morgen, Sonnabend, Nach- mittags 3 Uhr, eine Aufführung von Halbe’s Drama „Jugend"“ zu halben Preiten statt. j

Das erste Konzert, welches der Kirhen-Chor der Kaiser Wilhelm Gedäthtniß-Kirce zu ermäßigten Preisen veranstaltet, wird am 12. Dezember von 6F bis 74 Uhr Abends in der genannten Kirche stattfinden.

Die Delegirten-Versammlung der Genossenschaft deutsher Bühnenangehöriger berieth gestern über das Theaterhausgesey des Deutshen Bühnenvereins und. nahm na<h leb» haster Debatte einstimn.ig folgende Resolution an: „Die Delegirten- Versammlung der Genossenschaft deutsher Bühnenangehörtger erklärt: Der einseitige Erlaß des vom deutshen Bühnen- verein herausgegebenen Lheaterhausgeseßes entspriht nicht den Bestimmungen der bestehenden Vertretung und i} geeignet, die materiellen Interessen der Bühnenmitglieder, sowie das Ansehen unseres ganzen Standes zu s{hädigen. Die Delegirten-Versammlung erwartet im Vertrauen auf die Einsicht des ‘deutshen Bühnenvereins die Zurückziehung dieses Geseßes und erklärt, daß nur dann die Inter- essen der betheiligten Kreise gleihmäßig berücksichtigt werden können, wenn das Gesey dur gimeinfsame Berathung geschaffen ift.“

Jagd.

Morgen, Sonnabend, findet Königliche Parforce- Jagd statt. Stelldichein: 11/4 Uhr am Forsthause Wannsee. -

Mannigfaltiges, Berlin, den 8. Dezember 1899,

Das Königliche Polizei-Präsidium theilt mit, daß vor- läufig der 9., 21., 22. und 23. Dezember d. I. als diejenigen Tage festgeseßt werden, an denen in den Bäckereien und Konditoreten Gehilsen und Lehrlinge über die vorgeschriebene Zeit hinaus beschäftigt werden dürfen.

In der gestrigen Sihung der Stadtverordneten gelangte zunächst folgendes Dankschreiben Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich auf die Glückwünsche der Versammlung zu Allerhöchstderen Geburtstage zur Verlesung :

„Die herzlihen Glü>wünshe der Stadtverordneten von Berlin zu Meinem Gebutstage erwidere Jh mit aufrihtigem Danke. Stets werde Ich die fortschreitende Entwi>kelung der Haupt- und Residenz- ftadt Berlin mit lebhaftem Interesse verfolgen, "Mich freuend an dem Gelingen der Arbeit der \tädtishen Körperschaften, und wünsche Jh ihren Bemühungen, den stets wachsenden Anforderungen dec Neuzeit gere<t zu werden, segenßsreihen Erfolg.

Trient, den 30. November 1899. ictoria,

V verwittwete Kaiserin und Königin Friedrich. An die Stadtverordneten von Berlin.“

Die Versammlung wandte \si< sodann der Berathung über die Frage der gewerblihen Beschäftigung schulpflichtiger Kinder zu. Der Auéschuß, welcher si<h eingehend mit der Angelegenheit befaßt hat, erordnung, deren wesentlihe Punkte folgende

Kinder, welhe das zehnte Lebensjahr noch niht vollendet haben, dürfen außer dem Hause eine gewerblihs Thätigkeit irgend welher Art ni<t ausüben. Kinder, welche das zehnte, aber no< ni<t das vierzehnte Lebentjahr vollendet haben, dürfen S des Hauses Abends nicht nah 7 Uhr und Morgens in den Monaten April bis September nicht vor 5è, in den Monaten Oktober bis März nicht vor 64 Uhr zum Austragen von Ba>waaren, Milch, Zeitungen oder anderen Gegenständen, ferner zum Kegelaufseyen oder zu sonstigen Verrichtungen in Schankwirthschaften sowie überhaupt zu irgend welchen mechanishen Dienstleistungen in einem Gewerbebetriebe verwandt werden. Kinder unter ¿zwölf Jahren dürfen auch nicht zu öffentlihen Schaustellungen herangezogen werden. Diese Verordnung findet auf alle diejenigen Kinder keine Anwendung, welhe von der Schuldeputation von dem Nachmittags- unterricht befreit find, um Laufburschendienste zu verrihten. Ja der Diskussion beantragte zunächst der Stadty. Jacobi, die Bestimmung, daß Kinder unter zwölf Jahren zu ‘öffentlichen Schaustellungen niht verwandt werden dürfen, zu streichen, da dieselbe einen Angriff gegen die Kunst bedeuten würde; es wäre au< eine Anomalie, wenn in einem Theater oder Kunstinstitut, welhes in einem Vorort gelegen sei, ein jugendliher Künstler auf- treten dürfe, in Berlin aber niht. Im übrigen erklärte sih der Redner mit den Anträgen des Ausschusses einverstanden. Der Stadtv Singer befürwortete die Annahme seiner Anträge, nah denen die gewerblihe Beschäftigung von Schulkindern vor Beginn der Schulzeit und na< 6 Uhr Abends verboten sein foll. Dem Stadtv. Karl Goldschmidt gingen die Anträge des Aus- usses nicht weit genug, die des Stadtv. Singer aber zu weit; er wollte im allgemeinen die Shußzzrenze für Kinder um zwei Jahre hinaufgeru>t wissen; vor dem vollendeten zwölften Lebensjahre solle kein: Kind gewerbli<h beschäftigt werden dürfen. Der Bürgermeister Kirshner gab zunächst ein Bild von der Thätigkeit der Schuldeputation in der angeregten Frage; die Deputation sei von der Ansicht ausgegangen, daß die Kinderarbeit ketnes- wegs {<ädli< sei, nur die of@reitun en scien zu verhüten. Er sei der Meinung, daß die vom Magistcat und yon dem Polizei- | rieen vorgelegte Verordnung, nah welcher die Schußzgrenze für die

inder mit dem vollendeten neunten Jahr eintreten solle, das Richtige getroffen habe und weitergehende Anträge über das Ziel hinauss{höfsen ; das Verbot der Betheiligung der Kinder unter zwölf Jahren an Schau- stellungen könne er auh nicht gutheißen ; das Polizei-Präsidium und der Magistrat hätten si< in der wohlwollendsten Weise bemüht, den ozialen und wirthschaftlihen Verhältnissen der Kinder und ihrer

ltern Rechnung zu - tragen. Der: Stadtv. Spinola- pflihtete den Ausführungen des Bürgermeisters bei. Nah weiterer lebhafter De- batte bes<hloß die Versammlung, als Schuygrenze das zehnte Lebens- jahr fe belassen, dagegen die Bestimmung, daß Kinder untex zwölf Jahren

empfahl, einer find, zuzustimmen:

treidzen. Die Berichterstattung über die Vorlagen, betreffend die eine

riedrih-Wilbelms-Hospitals in ter llisadenstraße 37, wurde B pf Mnn ita abge ebt, Tal dieselben gleichfalls A no< lebhafte Debatten befürhten ließen, Der Stadty. Ladewig erstattete rag den Ausschußberiht über die Vor- lage, betreffend die Etuse s einer Deputation für die städtishe Blindenpflege. Der Aus|<uß empfahl die Biusepuag Ge,

_folhen Deputation, bestehend aus 2 P O

verordneten und 3 Bürgerdeputirten. Die Versammlung erklärte ih damit einverstanden. Zur Verhandlung stand ferner der An- trag der Stadtvv. Kalis< und Genossen auf Gn einer gemischten Deputation zur Berathung über die Reform des Reglements der \tädtishen Feuer-Sozietät. Der Stadtv.- Kalish begründete den Antrag mit dem Hinweis darauf, daß das bestehende Reglement der städtishen Feuer-Sozietät für die gänzlih veränderten Werhältnisse Berlins und seiner Industrie veraltet sei. Der Antrag wurde na< kurzer Debatte einem Aus\husse zur Vorberathung überwiesen. An denselben Auss{huß wurde au< der Etat der städtis<hen Feuer- Sozietät für das Jahr 1899/1900 verwiesen. Einige kleine Vorlagen wurden ohne Debatte angenommen. Auf die öffentliche folgte eine geheime Siyung.

A. F. Dieerste ordentliche Hauptversammlung der neubegründeten | „Schiffbautehnishen Gesellschaft“, welhe, wie schon mit- getheilt, am Dienstag in der Aula der Königlichen Technishen Hochschule zu Charlottenburg tagte und der hohen Ghre theilhaftig wurde, daß Seine Majestätder K aiser den ersten beiden Vorträgen, diézusammen nahezu vier Stunden währten, beiwohnte, wurde dur< den“ Ehrenvorsißenden, Seine Königliche Hoheit den Erbgroßherzog Friedrich August von Oldenburg, gegen 10 Ubr eröffaet. Nah Begrüßung Seiner Majestät unter dem Ausdru> des Dankes für das von Allerhöchftdemselben übernommene Protektorat des jungea Vereins ertheilte der Ehren- Vorsißende Herrn Geheimen Regierungsrath Professor Busley das Wort zu dem ersten Vortrag über das Thema „Die modernen Unterseeboote“. Es ift, so begann der Vortragende, eine auf- fällige Erscheinung, daß sich gerade die Laienwelt méhr als die eigent- lihen Fachleute mit dem Entwerfen und der Herstellung von Untersee- booten befaßt; denn unter 181 seit dem Béstehen des Deutschen Patentamts angemeldeten Erfindungen von Unterseebooten tührte keiñéë einzige von einem Schiffbauer her. Es muß do< Manchen einen roken Reiz gewähren, über Mittel zur Zerstörung der großen Kriegs- schiffe na<zudenken; denn diesen Zwe> verfolgen im leßten Grunde alle Unterseeboote, die im wesentlihen in zwei Gruppen zerfallen, nämli<h in wirklihe Unterséeboote, bestimmt, gänzlißh vom Wasser bede zu fahren, und în überfluthete Boote, welhe dit unter der Wasseroberflähe bleiben und nur mit einzelnen Theilen, gewöhnliÞ< dem Kommandothurm, hervorragen. Die ersten Versuche mit Unterseebooten sind sehr alt, sie sollten Ó im Seekriege zwishen Spanien und England gegen die spanische Armada richten; doh kam es nit dazu, weil die stolze Flotte dur<h Stürme zerftreut wurde. Genauere Nachrichten über die Boote sind uns nicht aufbewahrt. Dagegen wissen wir von einem folchen, das 1624 von dem Holländer van Drebbel auf und in der Themse in Gegenwart des Königs Jacob I. vorgeführt und von 12 Riemen bewegt wurde. Der Vortragende gab hierauf eine durh Zeichnungen erläuterte Uebersicht aller seitdem angestellten Bersuhe mit Unterjeebooten, die bis vor etwa 30 Jahren t dur< Menschenkraft bewegt wurden. Erst neuerdings ist Maschinenantrieb benußt worden. Die über- flutheten Boote, als die moternften, besizen für ihre Fahrten im eingetauhten Zustande meist elektrishe Motore. Die interessantesten der Versuche dur< Menschenkraft, welhe als Vorläufer der neueren, durh maschinele Mittel betriebenen Boote gelten dürfen, Heften sh an die Namen des Amerikaners Fulton, der 1797, gefördert dur<h den Ersten Konful Bonaparte, in Paris ein Untersee- boot baute, das (im. J. 1801) 4 Stunden unter Wasser blieb und den Grfolg hatte, auf der Rhede von Brest ein gesunkenes Wca> zu sprengen, sowie des bayerischen Artillerie-Unteroffiziers Bauer, dessen kühne und mit großer eigener Lebensgefahr in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts ausgeführte “Probefahrten \. Z piel von ih reden machten, aber gänzli< ergebnißlos blieben. Die meisten dieser Boote besaßen annähernd die Gestalt eines plumpen Fisches, sie überschritten ni<t die Länge von 12 m und ein Deplacement von höchstens 30 t; ihre Geschwindigkeit erreihte kaum 4 Knoten. Sie konnten also außer bei vollständiger Sorglosigkeit des An- zugreifenden kaum Schaden anrihten. Dennoch gelang es im amerika- ritldben Sezefsionskriege, mit dem Clinto>k-Boote eine Unions-Korvette in die Luft zu sprengen, allerdings unter gleichzeitiger Vernichtung des Angreifers. Die Angriffswaffe bildete ursprünglich eine Seemine, zu- leßt ein Spierentorpedo.

Die Anwendung von Maswinenkraft brachte bemerkenswerthen Wandel in den Bau von Unterseebooten. Es sind im wesentlichen fünf Typen von Unterseebooten und aht von Unterfluthungsbooten, welche der Beachtung werth sind und einen allmählichen Fortschritt zu größerer Zwe>dienlichkeit erkennen lassen. Der erste Entwurf cines dur< Schraube von einer Dampfmaschine, wenn an der Oberfläche {hwiin- mend und von einem Elektromotor, wenn untergetaucht, zu betreibenden Unterseebootes rührt von dem Amerikaner Alstitt her; er is Entwurf geblieben. Dagegen brachten der französishe Admiral Bourgeois und der Marine-Ingenieur Brun in dem gleihen Jahre (1863) im Hafen von Rochefort ihr Unterseeboot „Rongeur“ in Betrieb, das 450 t Wasser verdrängte und dur<h Preßluft bewegt wurde. Es er- wies 1s als nit standhaft genug und wurde abgebrochen. Ueber die ersten Proben kam das von Vogel in Dresden Fin bis 1872) hergestellte Boot nicht hinaus, welches eine Dampfmaschine und einen mit Petroleum gehei¡ten Kefsel enthielt. Die Helzgase sollten abgekühlt durch zwei Luftpumpen über Bord befördert werden. Einzelne wirkliche Unterwasserfahrten sollen von Vogel in der Elbe ausgeführt worden sein. Nach einem ganz eigenen Prinzip war ein von Campbell 1886 in London probiertes Unterseeboot gebaut. Es besaß einen elektri)<en Motor von 45 PS. und wollte das Ein- und Austauchen niht dur< Ein- und Auspumpen von Wasserballast erreichen, sondern dur< Verminderung und Vermehrung des Rauminkhaltes, zu welchem Zwe> es auf jeder Seite 4 horizontale, wie ein Teleskop j SHRENEE Zylinder erhielt. Das Boot hat mit eingeshobenen Zyliadern 8 Knoten unter Wasser gelaufen, mit auögeshobenen Zylindern war es vogeuen ziemlih unbeweglih oder do< von allzugroßer Lang- samkeit. Endlich hat der Shwede Noidenfelt 1885—1888 fünf größere Boote für die tlirkishe und griehis<e Marine gebaut, welche an der Oberfläche mit einer Dampfmaschine und Dampf aus gewöhnli Kessel cperierten, dagegen beim Untertauhen den Schornstein entfernten und mit Dampf aus überhiktem Wasser betrieben wurden, das man si< während der Fahrt an der Oberfläche bereitet hatte. Auch diese Boote müssen sih als ein Feblschlag er- wiesen haben. Allen diesen Ausführungéformen haftet die dur den Kompaß allein niht zu beseitigende Unsicherheit und Gefährlihkeit

welche in der Orientierungsunmöglihhkeit während der Unterwasser- fahrt liegt; mindestens gilt dies von der innezuhaltenden Tiefe der Eintauchung. Man if deshalb von dem ganzen Prinzip zurü>- an und sucht eine zwe>entsprehende Lösung in dem Ueber-

uthungsboote, das bis auf Kuppel- oder Kommandothurm ebenso is ae und gegen feindlihe Geschosse ges{üßt is als das Unter- eeboot. - E

Die erste Konstruktion eines solhen Bootes von 250 PS. ist d Ms Seeoffiler Hoogaard. (188 ) zu E, «abgc 9 1 dasselbe von einer mpsmaschine, “von Elektromotor bewegt. Ein zweites ähnliches Boot panis Seeoffiziers Peral wurde 1889 und 18 O Rhede v versucht, zeigte ih aber zu langsam, weil der Thur!

Dee beständig e BeTURA wurde. Einen Mißer ein 1889 in Cherbourg versuhtes Boot des In der Oberflähe shwamm und im fo ao I de um Li a unter den Kie uhe des ange eppen. g wur Dupuy de Lôme durch den

deen von

u öffentlihen Schaustellungen nicht herangezogen werden dürfen, zu streiten Regelung des

zweiten Konzerts werden demnächst bekannt gegeben.

Subm E die Tontraftlihe Annahme

von Schulärzten und den Borentwur für den Erweiterungsbau des

truierten Boote „Gymnote“ mit elektrisch